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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Nnd den Beilagen: »Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) «nd »Landwirtschaftliche Beilage."

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~ ie «Oderhesiische Zeitung" ericherm täglich mit Ausnahme der Sann« und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt Viertel» jährlich durch die Post bezogen 2 25 <K (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

Marburg

Sonntag, 24. April 1910.

Die Jnsertion-gebühr beträgt für die 7gespalicne Zelle oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Job. Aug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckrrei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg. Markt 21. Telephon 65.

45. Jahrc.

Erstes Blatt.

Ein lehrreicher Mißerfolg.

In Nr. 154 derVossischen Zeitung" gibt Schulrat Dr. Staute ein vernichtendes Urteil über die Wirkung der letzten Mädchenschulreform ab. Obwohl die Schülerinnen nach dem Zeugnis der Lehrerinnen mit großem Fleiß und seltener Aus­dauer das ganze Schuljahr hindurch '-arbeitet hatten, seien in Berlin in einzelnen U.assen biö 23 v. H. und darüber nicht versetzt worden. Ge­wissenhafte und besonders begabte Mädchen seien ziemlich regelmäft g bis in die Nacht hinein mit den Schulaufgaben beschäftigt. Die ungewöhn­lich hochgeschraubten Anforderungen hätten den Gesundheitszustand der Lehrerin wie der Schü­lerinnen ungünstig beeinflußt.ES ist vorge­kommen, daß an einer höheren Töchterschule Ber­lins nicht eine einzige Woche hindurch das Leh- rerkoSegium vollzählig war; wegen nervöser Er­krankungen mußten Damen und Herren sehlen, die sonst das ganze Schuljahr hindurch aus­hielten. Es ist ferner vorgekommen, daß eine nicht unerhebliche Zahl von Schülerinnen, die von der untersten Klasse an die ganze Schule durch­gemacht hatten, infolge der Neuordnung aber völlig versagten und nicht versetzt werden konnten."

So lautet das Urteil eines Mannes, der als Vater und Fachmann in doppelter Hinsicht als sachverständig angesprochen werden kann, und in ähnlichem Sinne baden sich in einer Versamm­lung des Vereins für Schulgesundheitspflege schon vor einigen Wochen mehrere Aerzte über­einstimmend geäußert. Danach wird man noch zweifeln dürfen, daß man mit der Reform unserer weiblichen Jugend mehr zugemutet hat, als ihre Kräfte leisten können.

Diese Erfahrung sollt« zunächst dazu beitragen, die Führer davor etwas zu zügeln, die unsere jungen Mädchen in immer größerem Umfange in das Universitätsstttdium hineindrängen wollen. Im vergangenen Winter studierten an den preu­ßischen Universitäten berefts 2324 Frauen, von denen 1250 immatrikuliert waren, gegen 718 im Vorjahre. Das Frauenstudtum hört also mehr und mehr auf, ein Ausnahmezustand zu sein, mehr und mehr müssen sich ihm auch durchschnitt­lich Begabte unterziehen. Damit steigt die Ge­fahr ähnlicher Mißerfolge, wie sie jetzt bei der Mädchenschulreform zutage getteten sind.

Diese Mißerfolge sollten aber vor allem denen zur Lehre dienen- die in einem größtmöglichen Maß von Kenntnissen das Ziel aller Schulbil­dung sehen. In jedeni Fachgelehrten steckt die Neigung, ein Wissen, das hinter dem seinigen zurückbleibt, für unzureichend zu halten. Daraus rmsteht dann das Streben, zum Schaden des Geldbeutels der Eltern und damit zum Schaden der Familie überall die Ausbiwungszeften zu verlängern, wie uns ja die hier in Frage stehende Neuordnung einmal den zehnjährigen Kursus als Regel und dann die vierjährige Seminarzeit ge­bracht hat. Wenn aber irgendwie, so gilt hier gerade für den Pädagogen das Wort:In der Beschränkung zeigt sich der Meister!' Wie sehr wird doch die durchschnittliche Aufnahmefähigkeit der Jugend überschätzt, wenn man darunter nicht die Fähigkeit versteht, die Dinge gedächtnis- mäßig zu erfassen, sondern sie dem geistigen An­schauungskreise wirklich einzugliedern.. Wo diese eine Aufnahmefähigkeit fehlt, ertrinken die wich­tigsten Dinge in einem Wust von Gleichgültig­keiten, und sehr bald nach dem Examen oder Schulabschluß tritt darin eine erschreckende Un­bildung zutage. So kann es Vorkommen, daß »ine junge Dame, die ohne Schwierigkeit ihre höhere Töchterschule durchgemacht Hal, auf der Suche nach dem Geburtsjahre Schillers im 16. Jahrhundert herumtastet, oder daß von drei jun- gerr Damen, die ihre Töchterschulbildung noch durch einen Pensionsaufenthalt in der französi­schen Schtoeiz vervollständigt haben, keine das Jahr zu nennen weiß, in dem die Schlacht von Königgrätz geschlagen wurde. Aehnliche Beispiele ließen sich noch viele anführen und das nicht nur bei unseren Töchtern.

Die Anforderungen der Lehrpläne über­steigen bei weitem die wirklich geistige Auf- nahmefähigfeit der Durchschnittsschüler. Die Lehrer müssen sich mit äußeren Ergebnissen be- gnugeii und sprechen in Wahrheit über die Köpfe der SMler hinweg. Sie dozieren über den Reichsdeputattonsabschluß und lassen die Pol­höhe von Venedig berechnen, mit den vier Spezies aber und dem deutschen Satzbau haperts. Man erstrebt ein Uebennaß an KennMiffen und erreicht deshalb ein dürftiges Bildungsergebnis, .das bei weitem nicht an die Schulung reicht, über die viele Menschen verfugen, die eine tüchtige Volksschule besucht daiin für sich weiter studiert und hauptsächlich praktisch zu arbeiten gelernt haben. Le der sinket mau nur zu ost in Kreisen, hie kaum die leichteste Schularbeit ihrer Kinder Hewett en können, eine Sucht nach solch sogenann­

ter höherer Bildung, die ihnen selbst und gar ost auch der Stadt große Kosten macht und doch in vielen Füllen nicht zum Ziele führt.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 22 April.

In der heutigen Sitzung kam die Interpellasion Bassermann wegen des Mülheimer Eisenbahnun­glückes zur Besprechung. Sie hat dadurch, daß der gleiche Gegenstand bereits im Preußischen Abgeord­netenhause mehrfach eingehend besprochen worden ist, und namentlich der preußische Eisenbahnminister sich über alle Einzelfragen mit aller wünschenswerten Offenheit geäußert hat, stark an Interesse eingebüßt, wenngleich alle Redner gern Gelegenheit nahmen, ihrer Anteilnahme an dem erschütternden Unglücks­fall erneut Ausdruck zu geben. Dem Präsidenten des Reichseisenbahnamts Wackerzapp, dem die Be­antwortung der Interpellation zufiel, blieb daher nur die Möglichkeit, das zu wiederholen, was der reußische Eisenbahnminister im Abgeordnetcnhause bereits zur Kenntnis gebracht hatte. Reu war von feinen Ausführungen vielleicht die Mitteilung, daß ein Kommissar des Reichseisenbahnamtes an Ort und Stelle zu genau demselben Ergebnis gelangt ist wie die Kommissare des preußischen Cisenbabnmini- steriums, daß nämlich der Bahnhof Mülheim, was die Betriebssicherheit anbetrifft, auf voller Höhe steht und nur ein Versehen des Lokomotivführers des Lloydexpreß die Schuld tragen könne, ferner die Mitteilung, daß nunmehr die Ergebnisse neuerer Untersuchungen durch eine preußische Kommission dem Reichseifenbahnamt mitgeteilt sind, daß er die übrigen deutschen Eisenbahnverwaltungen zu er­neuten Verhandlungen über die Frage einer Erhöh­ung der Betriebssicherheit einladen wird. Der preu­ßische Eisenbahnminister hat die Eifenbahndirektion Köln angewiesen, allen Entschädigungsansprüchen möglchst entgeaenzukommen, damit die Folgen des schweren Unfalles, soweit das menschenmöglich ist, gemildert werden. Die Besprechung, an der sich die Abg. Dr. Becker-Köln (Ztr.), Frhr. v. Richthofen (kons.), Eickhoss (f. V.) und Hengsbach (Soz.), letz­terer mit einer überaus langweiligen Rede, und Äoettt (wirtsch. Vgg.) beteiligten, böt begreiflicher­weise neue Momente nicht. Der nach der Unfall­stelle entsandte Kommissar schilderte den Befund, nachdem auch Präsident Wackerzapp nochmals das Wort ergriffen hatte. Nächste Sitzung Sonnabend 2 Uhr, Veteranenbeihülfen.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Sitzung vom 22. April.

?n der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die Beratung des Etats des Elementarschul­wesens fortgesetzt aber noch nicht zu Ende geführt. Den ersten Teil der Sitzung nahmen lebhafte Be- chw-rden der Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) und Kor- äntp (Pole) über die Versagung der Lehrerkonzes- ion an sozialdemokratische Turn- und polnische Ge- anglehrer ein. Der Minister erwiderte, daß die Unterrichtsverwaltung stch bei ihren Maßnahmen streng an#, die gesetzlichen Bestimmungen halte und mit gleichem Maße alle messe, aber Turn­lehrern, welche unter diesem Deckmantel sozialdemo­kratische und polnische Agitation treiben wollen, dürfe die erforderliche Konzession nicht erteilt wer­den So werde auch in der Folge verfahren werden. Wie schwer gerade durch diese Maßnahmen der U»- terichtsverwaltung die sozialdemokratischen Jugend­organisationen getroffen werden, zeigte die Leiden- «lichkeit, welche der Abgeordnete Dr. Liebknecht iner Rede kundgab, die ihm 2 Ordnungsrufe zuzog. Beschwerden der Abo. Dr. Marx (Ztr.), Reinbacher (fortschr. Vp.) und Korfantt, (Pole) über die Ausführung des Lehrerbesoldungsgesetzes betr. Ortszulagen und Mietsentschädigunaen veranlaßten den Minister zu erklären, daß für diese Frage nach dem Gesetze bte Prooinzialräte zuständig seien, er sich daher Zurückhaltung auferlegen müsse. Der Abg. Ziethen (freikons.) wies nach, wie stark die östlichen ärmeren Vororte von Berlin mit Schullasten über­bürdet seien und empfahl die Bildung eines Schul­zweckverbandes Groß-Berlin. Nach dem Abg. Marx (Ztr.) legte der Minister an der Hand statistischen Materials dar. wie viel seitens des Staates seit 18K6 für die Schulen in den zweisprachiaen Landes­teilen getan und welche Fortschritte infolgedessen dort erzielt find, aber die Abg. Ernst (fortschr. Vp) Freiherr von Zedlitz und von Kardorff (freikons.) erklärten, daß dort noch immer viel zu tun bleibe, um die Schulen In den zweisprachigen Landesteilen auf die Höhe ihrer Aufgaben zu bringen. Dann ver­tagte sich das Haus bis Sonnabend 11 Uhr. Fort­setzung der Beratung des Kultusetats.

Aus den Kommissionen.

Die Kommission des Reichstages für das Ar­beitskammergesetz hat die erste Lesung be­endet. Zum § 37 der Vorlage wurde folgende Be­stimmung angenommen.Die Arbeitskammern kön­nen untereinander in Verbindung treten und nach Bedarf Kongresse abhalten." Ein Antrag, die in ben Setrieten der Heeres- und Marineverwaltung beschäftigten Arbeiter den Arbeitskammern zu un- terstellen, wurde neuen 7 Stimmen abgelehnt. Ein- timmig wurde beschlossen, daß im Falle des Bedürf­nisses besondere Technikerabteilungen bei den Ar­beitskammern gebildet werden können. Die Hand- ümgsgehülfen, für die besondere Kammern gesckmf- en werden sollen, wurden dabei ausgenommen. Da­gegen fand eine Resolution einstimmig Annahme, die von der Regierung die Vorlage eines Gesetzent­wurfs verlangt, durch den auch für die Angestellten des Handelsaewerbes eine Standesvertretung im Sinne der kaiserlichen Erlasse vom 4. Februar 1890 ermöglicht wird.

Die Kommission des ReiLsiages für den Eefetz- entrourf betreff, die Entlastung des Reichs­gerichts und Aenderung der Rechtsanwaltsord­nung hat et nee Teil der vor geichlageneu sogenann­

ten kleinen Mittel abgelehnt, u. a. die Bestimmung, daß das Reichsgericht befugt fein solle, ohne münd­liche Verhandlung sofort die Revision zurückzuwei- sen, wenn es einstimmig in der Beratung der Ansicht sei, daß die Revision unbegründet sei. Es wurde sodann in die Eeneraldiskussion über die großen Mittel eingetreten: Difformitätsprinzip. Erhöhung der Revisionssumme, Vermehrung der Senate usw. Von einem Mitglied« wurden Anträge eingebracht, den Reichskanzler zu ermächtigen, bis zum 31. De­zember 1913 Hilfsnchter aus der Zahl der Mitglie­der der Oberlandesgerichte einzustellen, sowie die Zulässigkeit der Revision durch einen den Betrag von 5000 <M übersteigenden Wert des Beschwerde­gegenstandes zu bedingen. Es solle jedoch der Be­trag von 2500 .« genügen, sofern der Revifionsklä- ger durch eine in der Berufungsinstanz erfolgte Ab­änderung einer der rechtskraftfähigen Entscheidung des Landgerichts in dieser Höhe beschwert fei. Die Erörterung und Abstimmung wurde vertagt.

Die Budgetkommission des Reichstags verhandelte gestern über den Antrag des Abg Erz- berger, der eine Abänderung des Gesetzentwurfs be­treffend die Aufstandsausgaben für Südwestafrika darstellt. Die ersten Paragravhen, die sich mit der Regierungsvorlage im wesentlichen decken, fanden Annahme^ Daqeaen erhob sich eine längere, teil­weise erregte Eeschäftsordnungsdebatie über die Zu­lässigkeit einer sofortigen Beratung der Abschnitte III und IV in der Kommission. Die Beratung wurde schließlich auf Montag vertagt.

Politische Umschau.

Uebergang beittfdien Grund und Bodens in polnische Hände.

Der Pole Josef Brzhkcy aus Sulinowo. Kr. Zn n, der seine 90 Morgen große Wirtschaft un­ter zwei Polen parzelliert hat, bat die 280 Mor­gen große Wirtschaft des Deutschen Robert Garzke in Schönmädel bei Schubin gekauft. In Parliuek Kol. hat der Pole Wojciechowski die 300 Morgen große Wirtschaft des Deutschen Beder gekauft und für den Morgen den hoben Preis von 580 Ji bezahlt. Sein tat Kreise Meser tz gelegenes 960 Morgen großes Mühlen­gut Kupfermühle hat der Deuffche Klinke für 225 000 JL on eine Polin verkauft, obwohl ibm dafür von deutscher Seite der durchaus annehm­bare Preis von 215000 .H geboten worden war. Der Propsteipächter Lader Riklewicz aus Lem­berg. Kr. Sttasburg hat von dem Deutschen Zill- mann in Szczuplinki eine 240 Morgen große Wirtschaft, die sich seit undenklichen Zetten in deutschen Händen befunden hat. für 114 000 .< getauft. In Wolsch« bei Neukirch hat der Pole H. Suwalski aus Pr -Stargard das 470 Morgen große Vorwerk deS Deutschen Hever gekmtft. um es unter Polen zu parzellieren. Das ist im Laufe einer Woche (vom 12. bis 17. April) ein Gesamt­verlust von 2250 Morgen auf der deutschen SeiteI

Innere Mission.

Der 36. Kongreß für Innere Mission wird vom 25.-28. September 1911 in Stettin abge­halten werden. In Pommern ist bisher noch nie ein Kongreß für Innere Mission abgehalten wor­den, überhaupt fand der letzte Kongreß im Osten Deutschlands bereits 1895 in Posen statt. Als für Pommern besonders wichtig sind schon jetzt folgende Themata in Vorschlag gebracht worden: 1. Wohlfahrtspflege und Innere Mission auf dem Lande; 2. Seemanns- und Flu ßfcbiffer-Miss ion; 8. Wie erhält sich die Innere Mission zur Ge­meindeorganisation? 4. Die Frauenfrage unter besonderer Berücksichtigung der Frauenbilfe. 5. Männliche Jugendpflege; 6. Die Arbeiter­kolonien. Der reiche Kranz von Anstalten ringS um Stettin wird den von weither kommenden Besuchern zeigen, wie seit Jahrzehnte« schon in Pommern die Innere Mission willige Aufnahme gefunden hat, auch wird den Besuchern Geleaen- bett geboten werden, die Lieblichkeit des Osffee- strandes bewundern zu lernen. Obwohl noch fast IV» Jahre bis zum Kongreß verstreichen werden, macht sich doch schon jetzt in allen beteiligte« Kreisen Pommerns und Stettins ein weitgehen- des Interesse bemerkbar.

Deutsches Reich.

Dais Prinzenpaar Eitel Friedrich auf der Rückreise. Beirut, 22. April. Prinz «nd Prin­zessin Eitel Friedrich sind gestern Nachmittag hier eingettoffen und setzten abends die Reise nach Neapel fort.

Aus der Zweiten badischen Kammer. Karls­ruhe. 22. April. Die Budgettommission der Zweiten Sammer lehnte heute einstimmig die Forderung von 150 000 Jt für Umwandlung von Eisenbahnwagen dritter Klasse in solch« vierter Klasse ab.

Militärisches auS Berlin. Berlin, 22. April. Infolge der immer weiter fortschreitenden Aus­dehnung von Groß-Betln ist die Heeresverwal- hing zu dem Entschluß gekommen, die in Berlin liegenden Kavallerie-Regimenter in die weitere Umgebung, und zwar nach Döberitz und Zossen zu verlegen. Die Entfernungen von der Kaserne zu den Uebungsplätzen find so groß, daß durch Den Hin- und Hermarsch zuviel Zett verlöre» Setzt.

Bon der Brüsseler Ausstellung. Berlin 22. April. Zu den Eröffnungsfeierlichkeiten bc deutschen Abteilung der Weltausstellung i? Brüssel begeben sich dorthin: In Vertretung bei Staatssekretärs des Jnnnern: Ministerialdirektor Just; in Vertretung der ständigen Ausstellungc kommission für die deuffche Industrie deren Prä sident, Geheimer Kommerzienrat Goldberger. Vizepräsident Geheimer Kommerzienrat Wirth die Vorstandsmitglieder Geheimer Regierungsro. Busleh, Generaldirektor Dr. Berliner, Dr. vor Martius, Direktor Schultze und Geheimer Kom merzienrat Dr. Schieß.

Der Berliner Butterkrieg. Berlin, 22. April Zum Butterkrieg faßte der Verein Berliner Ko­lonialwarenhändler folgenden Beschluß:Die heutige Versammlung des Vereins Berliner Kolonialwarenhändler, dessen Mtglieder zum großen Teil dem Butterhandel nahestehen, be dauern de« von dem freisinnigen Gewerkvereinc beschlossenen Butter Bohkott. Ein berartigeö Vorgehen hätte nur Berechtigung, wenn es sich gegen gemachte unbillige Preisbildung oder Spe kulation richtete; so aber wendet es sich gegen die Folgen einer schlechten Futterernte, für die kein Mensch verantwortlich gemacht werden kann. AuS diesem Grunde weist der Kaufmannsstand die gege «ihn erhobenen Anschuldigungen als den Tatsachen nicht entsprechend zurück."

Ein Dementi. Köln, 22. April. Die Kölnifche Zeitung" meldet aus Berlin: In vie­len Blättern ist behauptet worden, der Reichs­kanzler habe gedroht, den Reichstag nicht zu ver­tagen sondern zu schließen, um auf solche Weise, da eine Schließung den Verlust der freien Eisen bahnsahrt für die Abgeordneten nach sich ziehen würde, einen Druck auf schnellere Arbeitsleistung auszusiben. Ein solcher Plan ist schon aus retr fachlichen Gründen niemals ins Auge gefaßt wor­den. Die Arbeiten für die Reichsversicherungs­und die Justizgefehe würden bei einer Schließung vollständig hinfällig werden. Schon aus diesem Gninde konnte eine Schließung des Reichstages für die Regierung nicht in Frage kommen.

Ausland.

♦♦ Der neue Bürgermeister von Wie«. Wien, 22. April. Der Gemeinderat wählte heute de» Vizebürgermeister Dr. Reumaver mit 129 Stim­men zum Bürgermeister, 11 Stimmen erhielt bet Liberale Dr. Dorn unb 5 Stimmen bet Sozial­demokrat Reumann.

** Aus Frankreich. Dijon (Provinz Oviedo), 22. April. Die Bäcker sind in de« Ausstand ge­treten. Zu ihrem Ersatz sind Militärbäcker beor­dert worben.

Aus Marokko. Aus Melilla wird gemeldet: Die holländische Firma Gebrüder Miller, welch« in Spanien und Algier bereits große Bergwerke besitzt, hat vollständiges Maschinenmaterial für den Bergbau in der Umgebung des Kaps bet drei Gabeln bei Melilla angeschafft. Sie hat trotz des Protestes der Spanier mit den ©rubenarbetten bereits begonnen.

** Für die russische Volksbildung. Peter«, bürg, 22. April. Die Re chsduma nahm debatte- los die Vorlage betreffend die Bewilligung von 10 Millionen an, nachdem der Referent darauf hiugewiefen hatte, daß tat Jahre 1920 der Plan der allgemeinen Volksbildung feine Verwirk- lichung finden werde. Hieraus vertagte sich das Haus bis zum 9. Mai.

** Der türkische Sultan krank. Konstantinopel/ 22. Aprtl. Der heutige Selamik wurde toeaett Erkrankung des Sultans abgesagt. Rach den offi­ziellen Angaben ist der Sultan nur verschnupft unb mußte aus bringende« Rat bet Aerzte auf den Selamik verzichten. Der Sultan wird der morgigen Zeremonie der Proisvertellung in der Militärakademie ebenfalls nicht beiwohnen, empfing jedoch am Rachm ag den Großwestt, und den Kriegsministet.

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller vrtginalarttkel ist gemäß § 18 des, Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

«Oberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 23. Aprtl. ;

* Der Kindergottesdienst in der Reformiert«^ (Univetsitäts-) Kirche beginnt morgen, Sonntag, den 24. April, 11 Uhr vormittags das neue Semester.

Parolemusik findet bet günstiger Witterung morgen Sonntag von 121 Uhr auf dem Wilhelms- platze statt. Programm: 1. Hohenfriedberger Marsch; 2. Eiralda-Ouvertare von C. A. Adam; 3. Fantasie a. d. Op.Tannhäuser" von 3L Wagner; 4. a) Früh­lingsgesang von Schumann, b)Feldeinwärts flog ein Vögelein", Lied von Curschmann; 5.Weanet Mad'ln", Walzer von A. Ziehrer; 6. Marsch bet. Leibgarde von Friedemann.

* Personataachrichten. Ernannt: de* Assistenzarzt Dr. MalcuS en bet Landesheilanstalt in MKtzurg zum Abteilungsarzt für die Irren- anftalkell de- Bezirksvethanbe-, Btrf e vt: