mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
«nd den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.
M 93
Tie „Ovrrl,effische Bettung" cr-cheint täglich mit Ärn--rahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt diertel- jährlich durch die Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'M.
Marburg
Freitag, 22. April 1910.
Sie Insertion Sgevühr betrugt für die 7gefpatleue Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Ang. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth. Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Das neue Kolomalbeamtengejetz
Die Rechtsverhältnisse der Kolonialbeamten sind zurzeit noch nicht gesetzlich geregelt. Anfänglich waren in den Schutzgebieten nur Beamte tätig, die als Reichsbeamte dorthin entsandt und in allen Beziehungen den für die letzteren geltenden Vorschriften, insbesondere auch dem ReichS- Seamtengesetz vom 31. März 1873 unterworfen waren. Ein Bedürfnis nach umfassenderen Vorschriften trat erst hervor, nachdem einzelne Schutz gebiete etatsrechtlich selbständig gestellt worden waren.
Zu beachten ist zunächst bei dem dem Reichstage zur Beschlnflfassung vorgelrgtcn Gesetz, daß die Kolonialbchörden nur in den unteren Instanzen Behörden der Schutzgebiete selbst sind, wäh rend die Befugnisse der obersten Behörden von Reichsbehörden, dem Reichskolonialamt und dem Reichsmarineamt wahrgenommen werden. Den Kolonialbeamten ist als Diensteinkommen zu ge währen ein festes Gehalt, daneben eine Kolonial- znlagen hinzutreten, und schließlich freie Dienst zulagen hizuireten, und schließlich frei« Dienst Wohnung oder eine entsprechende Entschädigung. Wird ein Beamter außerhalb des Schutzgebietes verwendet, so soll er im allgemeinen nur auf die penstonsmäßigen Bezüge, d. h. ein solches Ein kommen Anspruch haben, wie es etwa den Besoldungsverhältnissen eines gleichartigen Reichsbeamten entsprechen würde. Unter besonderen Umständen werden jedoch Ausnahmen gerechtfersigt sein, z. B. wenn ein Beamter zeitweilig im dienst lichen Interesse nach einer fremdländischen Kolonie entsandt wird. Ebenso können Vergünsüg- ungen wegen der häufigen durch das tropische Klima verursachten Erkrankungen der Beamten als wegen des Mangels an Privatärzten, sowie «n privaten Apotheken und Krankenhäusern in den Schutzgebieten nicht entbehrt werden. Da wegen der Verhältnisse auf entlegenen Stationen es vielfach nötig wird, daß Schwerkranke eines der wenigen in den Schutzgebieten vorhandenen, zumeist an der Küste belegenen Krankenhäuser oder Orte mit günstigerem Klima aufsuchen, Reisen aus einem derartigen Anlaß, aber nicht als Dienstreisen im eigentlichen Sinne angesehen werden können, ist ausdrücklich vorgesehen, daß Unter Umständen auch Reisekosten, die aus Anlaß eines Krankheitsfalles entstanden sind, vergütet werden können. Die Vorschriften über den Urlaub. sowie über die in dieser Zeit zu gewähren den Gebührnisse erläßt der Reichskanzler. ES würde aber zu Härten führen, wenn man die Beamten unter allen Umständen darauf beschränken wollte. Gerade in dem am häufigste« eintretenden Falle des HeimatsurlaubS sind die Beamten regelmäßig zn erheblichen Aufwendungen im Interesse der Herstellung der Gesundheit genötigt, und es wird daher beabsichtigt. ihnen mich tväh rend dieser Zeit die Tropenbezüge zu belassen. In derselben Weise ist auch die Möglichkeit offen gehalten, Vorschriften über die Gewährung von Veraünstigungen in betreff der Verpflegung zu erlassen. Die Kosten, welche der Transport der Lebensmittel verursacht, sind zumteil immer noch »SU bock so daß die dort äugest Men Beamten ohne entsprechende Vergünsstgungen gegenüber den an der Küste tätigen Beamten unverhältnis
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lä. (Nachdruck verboten.)
¥ Ihn Wre und Wprfjt.
Roman von O. elfter.
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Man war im „Weißen Roß' bei dem behäbigen Gastwirt Martin und seiner fleißigen, eine vorzügliche ftüche führenden Frau sehr gut ausgehoben. Sein Bier war stets frisch, seine Weine Vorzüglich er führte sogar mehrere Marken Cham- pagner, und seine Küche war weit und breit be- rühlut. Man logierte sehr behaglich in den altmodisch, aber bequem ausgestatteten Zimmern, die reinlicher waren, als die Zimmer in manchen städtischen Hotels; und so übernachteten auch sehr oft die Reisenden dort welche aus irgendeinem geschäftlichen Grunde sich in der Umgegend aufhalten mußten.
So konnte es auch nicht auffallen, daß der fremde Herr, der so prächtige Kartenkunststücke machen konnte, im „Weißen Roß" logierte; er stellte sich als Kaufmann Sommer aus Berlin vor der geschäftlich in Hambach und Umgegend zu tu» hafte. Im Laufe des Abends bot er den jungen Herren auch einige Pretiosen — Ringe und Uhrketten — an und verkaufte auch einige Stücke zu ungewöhnlich billigen Preisen, wie er selbst behauptete, da er diese Prettosen selbst billig in einer Auktion erstanden hatte.
Fritz Born war das Wesen des Mannes un- «ngenehm. er hielt sich von ihm fern, aber die anderen jungen Leute waren nicht so skrupulös, fie fanden Herrn Sommer mit seinen Kartenkunst stücken und b ll gen Pretiosen sehr amüsant, zumal er auch die herrlichsten, nicht immer ganz Kveifellosen Witze und Anekdoten erzählen konnte.
Seine in echt jüdischem Jargon vorgetragenen Kalauer riefen laute« Gelächter hervor.
mäßig benachteiligt werden würden. Di- Kolo nialbeamte» haben in Ansehung ihres Gertchs- standes ihren Wohnsitz in dem Schutzgebiet, in dem sie angestellt sind. Dafür spricht die Rücksicht auf die Beamten selbst. Es würde für sie in der Mehrzahl der Fälle eine große Härte bedeuten, wenn sie sich gegenüber allen Klagen und Anflügen fern von dem Orte ihrer dienstlichen Tätig keil verantworten müßten. Dazu kommt, daß sich vor den Gerichten des Schutzgebietes das Verfahren einfacher und wegen Fehlens des An waltzwanges zum Teil, auch billiger gestaltet. Die Kolonialbeamten müssen sich nach ß 10 des neuen Gesetzes, wenn das dienstliche Bedürfnis es er fordert, die Versetzung in ein Amt desselben oder eines anderen Schutzgebietes oder in ein Reichs - amt gefallen lassen, falls das neue Amt mit einem nicht geringeren Amt und pensionsfähigen Dienst einkommen verbunden ist.
Aus den Parlamenten.
\ . Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 20. April.
Das Haus setzt die erste Beratung der Reichsver- sicherungsordnung fort. Abg Enders (fortfchr. Vp.) begrüßt die Hinterbliebenenversicherung und die Einbeziehung der ländlichen Arbeiter in die Krankenversicherung mit Freude, ebenso die Fürsorge für die Heimarbeiter. Redner bemängelt es dann, daß letztere in die Landkrankenkasien aufgenommen werden sollen, die er überhaupt für Lberflüsiig erklärt. Abg. Schmidt (Berlin, So*.) meint, daß die Regierung in einzelnen Punkten den Wünschen der Berufs- genossenschaften entgegengekommen ist, auch sonst seien bereitwillig Unternehmerwünsche erfüllt worden. Abg. Linz (Rp.) meint, daß bet der verschiedenartigen Kritik, die die Vorlage im Hause gefunden hat, nicht daran zu denken ist, daß sie in der vorliegenden Fassung zustande kommt. Bei Annahme dieses Entwurfes würden die Verwaltungskosten sehr steigen. Die Regierung hätte rund heraus erklären müssen, daß sie den Einfluß der Sozialdemokratie bei den Krankenkassen ausfchalten wolle. Dieser Ein- Slß sei eine Herabwürdigung einer öffentlichen ohlfahrtseinrichtung. Aba. Dr. Burckhardt (wirtsch. Vgg.) hält bei dem Mangel an Zahnärzten in vielen Orten die Heranziehung der Zahntechniker für unvermeidlich. Auch seien die Bestimmungen über die Apothekerrabatte sehr abänderungsbedürftig. Ein Schlußäntrag wird angenommen und die Vorlage geht an die Kommission von 28 Mitgliedern. Das Haus tritt dann in die Weiterberatung der Fernsvreckigebührenordnung ein, deren erste Lesung am Sonnabend nach der Begründungsrede des Staatssekretärs abgebrochen worden war. Abg. Racke« (Ztr.) hält die neue Gebührenordnung für verkehrsfeindlich. Abg. Graf Westarp (kons.) führt aus, daß die Vorlage von den großstädtischen Kreisen mit all dem Maße von Leidenschaft und Empörung bekämpft worden ist, das heute unvermeidbar geworden zu sein scheine. Von einer Bevorzugung des platten Landes durch die Vorlage könne keine Rede sein. Abg. Kaemps (fortschr. Vp.) meint, daß der Widerstand gegen die Vorlage sich nicht so sehr gegen die Verteuerung wie gegen das Zuviel an Reglementierung und'Vureaukratifierung richte.
Staatssekretär Kraetke äußert seinen Dank für die wohlwollende sachliche Kritik und sucht nachzuweisen, daß das Publikum das System der reinen Gesprächszählung im allgemeinen ganz gut ausgenommen habe. Abg. Beck (Heidelberg, natlib.) fürchtet, daß. wenn der Verkehr zu teuer ist. mancher es unterlassen wird, sich anzuschließen. Hierauf wird die Vorlage an die Budgetkommission verwiesen.
Als dann der Champagner mehr und mehr seine Wirkung tat, rückte man näher zusammen und die Karten wurden hervorgeholt, und bald war ein kleines niedliches Jeu im Gange, an dem sich auch Herr Sommer in vorfichttger Weise beteiligte.
Bald nahm jedoch das Spiel einen größeren Umfang an; namentlich seit der Förster Rother gekommen war und sich an dem Spiel beteiligte.
Rocher gehörte eigentlich nicht in die Gesellschaft der reichen Gutsbentzer- und Pächtersöhne hinein. Er war in niederer Stellung bei Seiner Exzellenz dem Grasen von Hennersdorf, aber er mar über seinen Stand gebildet, da er das Gvm nasinm und die Forstakademie besucht hatte. Das Examen zum höheren Forstdienst hatte er nicht bestanden war eine Zeit lang recht verbummelt, bis er dann die Stelle des Försters bei dem Grafen Hennersdorf erhielt. Er war jetzt ein Mann von etwa 40 Jahren mit e’nem Manen Fuchsgesicht, aus dem die große Rase in bläulichroter Färbung hervorragte. Er erfreute sich keines guten Rufes, er war ein Trinker und Spieler, aber er verstand es, Ordnung in seinem Revier zu halten, das. hoch im Gebirge liegend, früher der Schauplatz zahlreicher Wilddiebereien und Holz- diebstähle gewesen war. Mit schonungsloser Hätte ging er gegen die letzteren vor, und seit er zwei Wilddiebe, die er aus frischer Tat ertappte, über den Hemsen geschossen und mehrere andere in das Gefängnis gebracht hatte, hörten diese Unregelmäßigkeiten in seinem Revier aus, weshalb Graf Hennersdorf über die schlechten Eigenschaf ten des Försters hinwegsah.
Rother schien von vorhercin großes Gefallen an Herrn Sommer zu finden. Er ließ sich mit ihm tn ein längeres Gespräch ein, dann spielten sie zusammen Katten und Rother ermunterte
Morgen 1 Uhr: Gesetz betr. die Schaffung eines Reichsschuldbuches, Haftung des Reiches für feine Beamten; Rechnungssachen. Schluß 6% Uhr.
Preußischer Landtag. Im Abgeordnetenhaus« wurde am Mittwoch die zweite Beratung des Kultusetats fortgesetzt. Abg. Dr. Slottfetter (Ztr.) erklärte sich namens feiner politischen Freunde mit einer Vermehrung der Lehrerinnenfeminare einverstanden. Es fei zu bedauern, daß die bewähtte, geistliche Schulaufsicht vielfach durch Fachschulaufsicht ersetzt worden fei. Abg. Frhr. v. Zedlitz (freflons.) betonte, daß nur dem Staate ein Recht auf Schul- aufsicht zustehe Abg. Dr. Hintzmann (natlib.) meinte, man sollte den Lehrern nicht bestimmte Be- rufsoereine zum Eintritt empfehlen und ihnen die Wahl darin selbst überlassen. Minister e. Trott zu Solz erklärte, daß auf Grund seiner Erfahrungen durch das Lehrerbesoldungsgesetz eine gewisse Ruhe, namentlich auf dem Lande bei der Lehrerschaft eingezogen sei. Er würde es für falsch halten, wenn von Aufsichts wegen ein Einfluß auf die Lehrer, wegen ihres Beitritts zu Berufsvereinen, geltend gemacht werden sollte. Abg. Hoff (fortschr. Vp.) bemerkte, daß der 9(6$. Herold auf dem Breslauer Katholikentage den Gemeinden empfohlen habe, nur solche Lehrer anzustellen, die dem Katholischen Lehrerverein angehörten. Gegen diese Haltung des Abg. Herold protestiere er im Auftrage katholischer Lehrer. Abg Korfanty (Pole) richtete heftige Angriffe gegen die deutschen Lehrer in Oberschlesien. Minister v. Trott zu Solz wies diese Angriffe gegen den ehrenwerten Stand der Lehrer als unerhört zurück. Abg. Hirsch (Soz) behauptete, die Interessen der Lehrer würden durch die Sozialdemokratie am besten wahr genommen. Abg. e. Gossler (kons.) meinte, die Lehrer würden selbst am besten entscheiden, ob die Konservativen ober die Sozialdemokratie mehr für sie getan hätten. Eine Beschlußfassung der Lehrer bezüglich ihrer Vereinszugehöttgkeit hielten auch seine politischen Freunde für unzulässig. Der Redner sprach eingehend über die Pflege des Gesangunterrichts an den Schulen, mit dem ein richtiger Sprachunterricht Hand in Hand gehen könne. Es müßte sowohl in den Schulen, wie auch in den Lehrerbildungsanstalten ein größeres Gewicht auf guten Gesang- und Sprechunterricht gelegt werden. (Beifall.) Ministerialdirektor Schwartzkopfk stimmte diesen Ausführungen zu. Das Haus vertagre sich um 5% Uhr auf Donnerstag, vorm. 11 Uhr.
Aus den Kommissionen.
Die Reichstagskommission zur Vorberatung der Wertzuwachs st euer, zu deren Berichterstatter der Abg. Graf v. Westarp (kons.) gewählt wurde, verhandelte am Mittwoch zunächst über Anträge, die eine genaue Unterscheidung zwischen verdientem und unverdientem Wertzuwachs bezwecken. Zu einer Abstimmung kam es noch nicht. Vom Abg. Dr. Arendt wurde ferner beantragt, eine untere Grenze bei bebauten Grundstücken in Höhe von 20 000 M und unbebauten in Höhe von 5000 M einzuführen. Offenbar wird von feiten der Reichspartei und den Nationalliberalen darauf hingearbeitet, die Erledigung dieses Gesetzes vor der Vertagung und damit auch die zu erwartende finanzielle Wirkung zu vereiteln!
Die Kommission des Reichstaas zur Vorberatung des Kaligesetzes beriet am Mittwoch den neuen Entwurf, der auf Grund von Vorbesprechungen aller Parteien des Reichstags entstanden ist. Die Weiterberatung wurde auf Donnerstag vertagt. Man hofft, das Kaligesetz bis zur Vertagung verabschieden zu können.
In der Gefchäftsordnungskommis- fion des Abgeordnetenhauses wurde die Frage er« örtert, durch welche Mittel der Präsident in den Stand gesetzt werden könne, die ihm beigefegten höheren Disziplinarbefugnisse gegenüber den Mit-
und reizte Herrn Sommer zu immer größeren Sätzen.
Schließlich hatte Herr Sommer gegen Rocher, der die Bank hielt, eine ziemlich bedeutende Summe verloren. Rocher legte die Karte« weg.
„Wer hält jetzt die Bank, meine Herren?" fragte er. Ich gebe sie gern ab . . /
Es war Fritz, der sich an dem Spiel nicht beteiligt halte, als wenn der Förster mit Herr« Sommer einen raschen Blick eines geheimen Einverständnisses lauschte.
„Wenne es den Herren recht ist, werde ich die Bank nehmen/ sagte Sommer. „Ich habe gegen Herrn Rother eine große Summe verloren und möchte mich etwas revanchieren/
„Ja, nehmen Sie nur die Bank/ hieß es von allen Seiten, da man dem fremden Herrn, der mit solch leichtem Anstand eine bedeutende Summe berieten hatte, entgegenkommen wollte.
„Ich danke Ihnen/ entgegnete dieser. „Aber wir müssen ein neues Spiel Karte» haben, so erfordert es die Spielregel. Herr Rother, würden Sie die Güte Halen, ein neues Spiel von dem Witte zu holen?"
„Gern,, sagte dieser und erhob sich, wobei er und der Fremde wieder einen raschen Blick wechselten.
Rach kurzer Zeit erschien der Förster wieder und warf ein Spiel neuer Katten auf den Tisch.
Das Spiel begann von neuem. Zuerst mit wechselndem Glück; bald gewann der Bankhalter, bald die Spieler. Da machte der Bankhalter plötzlich einige große Schläge, welche der Förster verlor.
„Donnerwetter!" rief dieser. „Da wollen wir doch einmal sehen, ob wir die Bank nicht sprengen können!"
Er setzte hoch und gewom» und gewann wieder
gliedern des Hauses, welche die Ordnung des Haufe« gröblich wiederholt verletzten, praktifch dutchzufutz ren. Es wurde beschlossen, bei der Regierung anz» fragen, ob und welche Behörden den in Frage kommenden Anordnungen des Präsidenten Folge zu keiften hatten und in einer Sitzung mit den Vertretern des Ministeriums des Innern und des Iustizministe- riums darüber zu beraten.
Politische Umschau.
Saatenstand in Preußen.
Berlin, 30. April. Der Saatenstand ta Preußen Mitte April 1910, wenn Begutachtungsziffer 2 gut, 3 mittel und 4 gering bedeutet: Winterweizen 2,3 (im April 3,2), Winlerspelz 2,2 (2,7), Winterroggen 2,5 (3,1), Winterraps und Rübsen 2,3 (3,5), Klee 2,4 (2,9), Luzerne 2,5 (2,9), berieselte Wiesen 2,7 (3,8), andere Wiese« 2.9 (3,3). In den Bemerkungen der Statistischen Korrespondenz wird erläuternd zu diesen Zahlen bemertt, daß sich infolge des vorwiegend milde« Winters nennenswerte Auswinterung nicht ergeben habe. Schädlinge sind aus den gewöhnlich vorkommenden Insekten verhältnismäßig selten gewesen. Die vorzeitig warme Witterung de- Februar hat allerlei Unkräuter gezettigt. Im einzelnen meldet die Korrespondenz, daß Weizen- Saaten und Winterspclz durch d'e späten Nacht« fröste nicht geschädigt wurden, die Roggensaaten dagegen rotgelb geworden und warmes Regen« Wetter bedüfen. Winterraps und Rübsen habe« nur ganz vereinzelt unter Maden gelitten. Klee und Luzerne werden durchaus günsttg beurteilt. Die Wiesen sollen aber infolge des SpäffrosteS wieder grau aussehen. Bes der trockenen Witterung konnte die Bestellung der -lecker zur Sommersaat, besonders im Westen, bis auf Me Hackfrüchte beendet werden.
Deutsches Reich.
— Vom Kaiserpaar. Homburg v. d. H., 20. April. Mittags besuchte der Kaiser mit den hier eingetroffenen hohen Marineoffizieren die Erlöserkirche und machte mit ihnen einen Spaziergang durch den Kurpark. Nachmittags 4 Uhr sichren die Majestäten mit der Prinzessin nebst Gefolge auf hie Saalburg, wo der Kaiser de« Admirälen von Fischel und von Müller die baulichen Anlagen und die inneren Einrichtungen erläuterte und wo auf dem Hof des Prätoriums der Tee eingenommen wurde. Um 7 Uhr wohnte« die Majestäten mit der Prinzessin und Gefolge einem geistlichen Konzert in der hiesigen Erlöser« kirche bei. das der Sängerchor des LehrervereinS zu Frankfurt a. M. gab.
— Diplomatisches. Berlin, 20. April. Wie die „Nordd. Allg. Ztg." hört, ist der bisherige Gesandte in Buenos Aires, v. Waldh^usen, für den erledigten Gesandtenposten tn Kopenhagen i« Aussicht genommen.
— Die Einnahmen der preußische« Staat»- bahne« im März. Berlin, 20. April. Die Betriebseinnahmen der preußisch hessischen Staats« eisenbahnen haben im März 1910 gegenüber dem gleichen Mona: des Vorjahres im Personenverkehr 11,3 Millionen Mark — 29,21 v. H., fiu Güterverkehr 3,9 Mill. Mari — 3,60 v. H., fitS
und wieder. Rnn gerieten auch die anderen fii Eifer. Die zehn von Wietholz verlorenen Flaschen Champagner waren längst ausgetrunken, Herr Sommer hatte neue bestellt und der Sein hatte die Köpfe der jungen Leute erhitzt. Imme» höher wurde das Spiel, nicht mehr mit Talern wurde gesetzt, sondern mit Goldstücken und Zwanzigmarkscheinen. Ja, dieser und jener setzt« schon mit Hundertmarkscheinen.
Aber hatte der Bankhalter früher verloren, so schien sich das Glück jetzt gewendet zu haben. Er gewann Schlag auf Schlag, der Förster hatte seinen früheren Gewinn bereits wieder verloren, er trank und fluchte, spielte aber nicht mehr mit, sondern animierte nur die anderen und wußte schließlich diese tn einen Taumel der Leidenschaft hineinzuhetzen, daß sie jede Selbstbeherrschung und Berechnung verloren.
Langner unb Wietholz hatten bereits alles bare Geld verloren, sie ersuchten Herm Sommer um ein Darlehen.
„Ich würde es gern tun, meine Herren." sagte dieser mit sreundlichem Lächeln, „aber wir kennen uns ja gar wcht. Wenn Sie mir Ihre Unterschrift unter einen Wechsel geben wollten, dann steht Ihnen so viel zur Verfügung, wir Ihnen beliebt."
Die leichtsinnigen jungen Leute erflärten sich dazu bereit. Sommer holte aus seiner Brieftasche einige Wechselformulare hervor.
„Wenn Sie nur unterschreiben wollen," sagte er mit liebenswürdiger Miene. „Die Summe können wir ja vorläufig offen lassen — man weiß nicht, wie das Spiel endet, entweder gewinne« Sie das Geld zurück, dann zerreißen wir di« Formulare, ober — Sie gebrauchen noch mehr Geld w'e eben jetzt."
(Fortsetzung folgt.)