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Mnb den Beilagen: ,Mch Feierabend" (wöchentliche Unterhaitungsbellage) und Landwirtschaftliche Beilage."

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DieOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch bi« Post bezogen 2 25 jft (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstrllen und der Expedition (Markt 21), 2 TJU

Marburg

Donnerstag, 21. April 1910.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitze roth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Die Wahlrechtsvorlage im Herrenhause.

Die Wahlrechtskommission des Herrenhauses hat ihre Arbeiten am Tage, nachdem fie eingesetzt war, in Angriff genommen. Sie beschloß ent­sprechend den Beschlüssen des Abgeordneten­hauses die indirekte Wohl beizubehalten und die Wahl der WahlmSnner geheim vornehmen zu lassen. § 5 (Bildung der Stimmbezirke) wurde mweränderl angenommen, während im § 6 eine «bSiwernng nach der Richtung einer Ver­größerung der Steuerdrtttelungsgebtete beschlos­sen tvurde. Zu § 8 (Privilegierung der Abitu­rienten) lagen mehrere AbLnderungsanträge vor, die sämtlich, ebenso wie die Vorlage abgelehm wurden, unter dem Vorbehalt, daraus in der zweiten Lesung zurückzukommen.

Bei Beginn der heutigen Sitzung gab zu den bisherigen Beschlüssen und den vorliegenden Anträgen Ministerpräsident Dr. von Bethmann- Hollweg eine längere Erklämng ab, in der eS heißt: . 4 r" '

Die Regierung habe daraus gerechnet, daß ihr die Annahme des vom Abgeordnetenhause schon so wesentlich veränderten WahlrechtS-Gesetzent- wurseS nicht durch neue Belastungen erschwert Werde. Die Verkoppelung einer Bestimmung Über künftige Verfassungsänderungen mit der Wahlrechtsreform iväre eine solche unannehmbare Belastung. Es handele sich tm wesentlichen dar­um, die im Abgeordnetenhaus« wtederhergestellte indirekte Wahl tunlichst von den Fehlern zu be­freien, die ihr mit Recht nachgesagt werden. Di« Abhstlfen werden in einer Abänderung der Drit- telung und in den Vorschriften über die Kultur' träger gesucht werden müssen. In der Frage der Kulturträger würden sich die Beschlüsse in der von der Thronrede vorgezetchneteir Richtung be­wegen müssen, indem sie die Bildung und die durch Erfahrung in der Selbstverwaltung ge- schärfte politische BeranNvortlichkeitsgeftlhl mehr berücksichtigen. Für die Drittelung biete allem derjenig« Antrag, der in Orten biS zu 20 000 Einwohnern Gemetnde-Drtttelung vorsehe, in größeren Orten Drtttelungsbezirke von 10000 bis 20000, ein« geeignete Grundlage.

... =

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vom 19. April.

Die heutige Wetterberatung der Retchsverstche» rungsordnung wurde durch eine großzügig« Rede de, Abg. Frhrn. v. Kamp eingeleitet, der den. Standpunkt der Reichspartei zur Tendenz der Reform und der voraesthlagenen Durchführung im einzelnen ent­wickelte. Rach einer scharfen und treffsicheren Zu­rückweisung gestriger sozialdemokratischer Angriffe, in der er erwähnte, daß täglich 8 Mill. <M für Ar- brtterfürsorqe ansgegeben werden und daß gerade der Zentralverband Deutscher Industrieller sich mit einer umfassenden Sozialpolitik einverstanden erklärt hat, führte Freiherr v. Kamp etwa folgendes aus: Die kampltzierten Bestimmungen der Vorlage wer­den in mancher Beziehung vereinfacht werden kön- neu. Damit, daß die bestehenden Bersicherungsträger Leibehalten werden sollen, sind wir einverstanden. Das Auffichtsrecht der Behörde ist gar zu weit aus­gedehnt und enthält viel zu viel Bevormundung; hier muß eine Einschränkung erfolgen. Der ohnehin schon so riesige Beamtenapparat soll nicht noch durch Die Vermehrung der Instanzen weiter vergrößert roerden. Daß die Grundlage für die Verteilung der Lasten der kleinen Kassen geändert werden soll. Hal-

14 (Nachdruck verboten.)

Um Wre und Recht.

Roman von O. Elfter.

(Sortierung.)

Jetzt war seines BleibenS hier nicht mehr. Er wollte fort wenn irgend möglich, am nächsten Tage.

Er schritt über den Hof auf das JnspettorhauS zu. Da sah er, wie ein fremder Mann am Hoftor stand und neugierig in den Hof schaute.

Der Rann sah gerade nicht sehr vertrauen­erweckend aus. Seine städtische Kleidung war ab- gettagen und unmodern, «in schmutzig grauer Bart umrahmte das schlaue, gelbliche Gesicht, in dem zwei grünliche Augen listig funkelten.

Als er Fritz Bom sah, kam er mit höflichem Gruß auf ihn zu.

Verzechen Sie, mein Herr,* sagt« er,treffe ich hier Herrn von Prokowsky?'

Der Herr wohnt allerdings hier dort in dem Hause. Ob er aber zu Hause ist, weiß ich nicht.*

Ich danke Ihnen ... ich werde aus ihn warten, wenn er nicht da ist.'

Fritz wurde neugierig. WaS mochte dieser wie «in Trödler aussehende Mensch mit StanislauS DU tun haben.

Was wollen Sie von dem Herrn?* ftagte er unwillkürlich.Kommen Sie in Geschäften, dann müssen Sie sich an den Herrn Jnspeftor wenden.*

Der Fremde lachte listig.

'Ich komme allerdings in Geschäften,' sagte er.Aber der Herr Jnspeftor wird wohl keine Geschäfte mit mir machen *

ten wir nicht bloß für erwünscht, sondern für drin­gend notwendig. Der Maßnahme, die Krankenfür­sorge auch auf die landwirtschaftichen Arbeiter obli­gatorisch auszudehnen, wird man sich nicht entziehen können; aber so einfach und leicht ist die Sache nicht. Auf dem Lande tragen die großen Besitzer vielfach ganz allein die ganze Arbeiterkrankenpflege ein­schließlich Arzt und Medizinkosten ohne irgend welche Beitragsleistung des Arbeiters: auf dem Lande kann der Arzt auch vielfach nur mit großen Kosten er­reicht werden. Deshalb muß ein Teil der Kosten von den Versicherungsnehmern getragen, die lleberfüh- rung in Krankenhäuser erleichtert und bezüglich der Zuziehung von Aerzten erleichternde Vorschriften getroffen werden. Hinsichtlich der Aerztefrage ent­hält Der Entwurf abermals eine Fülle nahezu über­flüssiger Bestimmungen. Wozu alle diese Kontrollen und Scherereien? lleberlassen wir den Kampf zwi­schen Aerzten und Krankenkassen den Organisationen^ Die Bestimmungen des unfallverficherungsgesetzes bedürfen in manchen Vuntten einer Äenderuna, da sie Härten enthalten und eine Menge llmstänolich- keiten verursachen. Ich denke hier namentlich an die landwirtschaftliche Unfallversicherung. Was die In­validenversicherung betrifft, so ist sa eine freiwillige Zusatzversicheruna möglich: im Großen und Ganzen ist dieser Teil der Versicherung oraftiH' geregelt. Die Verwaltungsorgane können durch dieses Gesetz einen Umfang erreichen, der kaum zu übersehen ist. Der Kreis der Beamten, die dies Gesetz auszufiihren haben werden, dürfte im Ganzen die Zahl von 40 bis 50 000 erreichen. Der Verwaltungsapparat muß wesentlich vereinfacht werden. Ich hoffe, daß die Regierung Entgegenkommen auch in der Kommission beträtigen wird, und daß wir dort zu einer befrie­digenden Lösung kommen werden. (Beifall.)

Direktor im Reichsamt des Innern Casper be­grüßte namens des erkrankten Staatssekretärs die Zustimmung zu der Vorlage im allgemeinen und suchte einige Bedenken zu zerstreuen; in der Kom- mission werde man sich von den Vorzügen der Re- gierunqsvorschläge überzeugen. Er teilte mit, daß der Gesetzentwurf über die Versicherung der Privat­beamten voraussichtlich im Herbst dem Reichstag zu­gehen wird. Abg. Kulerski (Pole) sah in der Re­form eine Stärkung de« Bureaukratismus und Schwächung der Selbstverwaltung. Abg. Behren» (wirtsch. Vgg.) äußerte sich im allgemeinen zustim­mend. Abg. Graefe-Sachsen (Rfp.) befürchtete eine zu starke Belastung des Mittelstandes. Dann kam eine zweite Serie von Rednern, beginnend mit dem Zentrumsabgeordneten Becker-Arnsberg zum Wort.

Preußischer Landtag. Abgeordneten haus.

Sitzung vom 19. April.

In der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde die allgemeine Besprechung über die Unter­richt». und Kultusverwaltung zu Ende geführt und in die Beratung des Kapitels Elementarunterrichts­wesen eingetreten. Zunächst sprachen noch als Frak- tionsredner die Abg. WinNer (kons.) und Rissen (Däne). Der Minister wies dem Abg. Hoffmann (Soz.) nach, daß et die Zahlen, die et zur Begrün­dung der Behauptung einer Bevorzung der Kirche gegenüber der Schule im laufenden Etat angeführt hatte, völlig falsch verstanden habe, in Wirklichkeit erhalte die Kirche für 1910 sehr wenig mehr, die Schule dagegen beträchtliche Mehrzuschüsse. Dir Trennung der Medizinalabteilung von dem Ministe­rium sei gesichert, doch würde die Ausbildung der Mediziner bei diesem verbleiben. Dann folgte die zweite Reihe der Redner, die sich von ihrem Partei- standpunkte mit den Vorrednern auseinandersetzten. Aus einigen Einzelangaben des Minifterialdirektors Schwartzkonkf ist hervorzziheben, daß die Staatsregie- rung fechsklaffige Schulen mit nut 4 Lehrern nicht als so vollständige Schulanstalten dielet Art anleben könne, daß den Leitern derselben die im Lebrerbesol- dungsgesetz voroesehene Amtszulage von 700 M ge­währt werden könne.

Bei dem Kapitel Elementaeunterrfchtswelen ver­langte der Abg. von Brandenstein (kons.) eine grö-

Handeln Sie vielleicht mit alten Kleidern?* Möglich, mein Herr. Haben Sie Welche zu verkaufen?"

Rein- doch hier auf dem Hof dürfen Si« nicht warten.'

So werde ich in das Wirtshaus zumweißen Roß* gehen und Herrn von Prokowsky benach­richtigen, daß ich ihn erwarte."

Tun Si« das . . .*

Damit wandte sich Fritz ab und ging auf seine Stube, ohne sich weiter um den Fremden zu be- tümmern. Aber lange duldete es ihn nicht auf feinem Zimmer. Eine quälende Unruhe durch­bebte ihn. Er wollte einen Brief an seinen Pater schreiben, doch kam er nicht über einige Zeilen hinaus. Er wollte lesen, doch das vermochte er nun gar nicht. So ging er nun wieder hinaus, um einen Gang durch die Felder zu machen, die heut« still und schweigend dalagen, da es Sonntag war. Aber diese Stille bedrückte ihn auch. Es war ihm, als ruhe eine Zentnerlast auf feiner Brust und hinderte ihn am freien Atmen.

Ziel- und zwecklos streifte er in Feld und Wald umher. Als er gegen Abend heimkehren wollte, begegneten ihm in einem Jagdwagen zwei tunge § errat mit denen er zuweilen tm Weißen Roß' zusammengetroffen war.

Wohin Herr Born?' rief ihm Albert Lang­ner zu, dct Sohn eines reichen Gutsbesitzers, mit dem er zusammen Einjähriger gewesen war.

Rach Hause.'

Dummes Zeug,' tief Langner lachend. Kommen Sie mit zumWeißen Roß', da gtdt'S heilte abend eine lustige Gesellschaft.'

Ich bitte, mich zu entschuldige» H .*

ßere Verwendung von weiblichen Lehrkräften für Volksschuldienste und eine Vermehrung der staat­lichen Lehrerinnenseminare. Der Minister stimmte dem Gedanken im Prinzip zu, die Unterrichtsver­waltung wirke aber bereits in diesem Sinne und habe auch sehr beträchtliche Erfolge auf diesem Ge­biete erzielt. Jedoch müsse man -einet Ueberproduk- tion von weiblichen Lehrkräften vorbeugen, auch sei deren Verwendung bei Schulen mit nur 2 Lehrkräf­ten nur ganz ausnahmsweise angängig. Dann ver­tagte sich da» Haus bis Mittwoch 11 Uhr.

Au» den Kommissionen.

Die Kommission de» Reichstags für das Kali­gesetz trat gestern zu einer unverbindlichen Aus­sprache über den neuen Kompromißgesetzentwurf zu­sammen. Dieser Entwurf sieht bekanntlich u. a. die Absatzkontingentierung für das In- und Ausland, eine Preisfestsetzung, die Schaffung einer Vertei- lnngsstelle, einer Berufungskommission und den Ausschluß des Rechtsweges vor. Im allgemeinen zeitigte die Besprechung das Resultat, das der Ent­wurf bei den Parteien der Linken die zwar noch nicht offiziell Stellung genommen haben auf sehr erhebliche Bedenken stoßt. Auch aus den Reihen der Konservativen und des Zentrums wurden noch man­cherlei Wünsche geäußert, die jedoch das Znstande- k-""men des Gesetzes anscheinend nicht ernstlich ge­fährden.

Berlin, 19 April. Der Seniorenkonvent des Reichstages hielt in feiner heutigen Sitzung ein­stimmig an dem Wunsche fest, nicht über den 4. Mai hinaus zu tagen. Es soll in dieser Einsicht geschehen, was möglich ist. Erhebliche Zweifel machten sich geltend, ob es möglich sein werde, die Vorlage be­treffend di« Entlastung des Reichsgerichtes zu er­ledigen. obschon der Reichskanzler den größten Wert auf Erledigung dieser Materie legt. Bezüglich der Wertmwachsfteuer hegen alle Parteien die Absicht, die Vorlage noch zu erledigen. Ob das Kaligesetz noch vor der Vertagung zustande kommt, hängt da­von ab. ob in der Kommission eine Einigung zu er­zielen sein wird. Besttmmt erledigt werden sollen der finnbelsnertrag mit Schweden, die Vorlage bett, die Berner Konvention, sowie das Reichsfcküldbuch. Zweifelhaft erscheint das Zustandekommen der neuen Vorlage bett, die Ausgaben für Eüdwestafrika. Die Vorlage 6etr. die Stellenvermittlung kann nach all­gemeiner Ansicht der Senioren noch nicht erledigt werden. Dagegen steben wiederum große Zweifel der Erledigung der Sirofoesetzbuchvorlage entgegen. Die Reichsbesteuerungsvorloge gilt schon durch die eine Tatsache als hinausaeschoben, daß in der heuti­gen Sitzung der Budgetkommission die Borlegung weiteren Materials verlangt wurde.

Pottttsche Umschau.

Der unlauter« Wettbewerb.

Der Justizminister hat unterm 8. d. Mts. eine allgemeine Verfügung, betreffend die Bekämpf­ung des unlauteren Wettbewerbes, erlassen, die wie folgt, lautet: In den letzten Jahren hat das Unwesen der sogenannten wilden oder Mnkel- anSstellungen deren wesentlicher Zweck darin be­steht, Medaillen, Diplome und dergleichen gegen Entgeld ohne boraufgegangenen ernsthaften Wett­bewerb zu erteilen, und im Zusammenhänge da­mit der Gebrmich berartiget Scheinauszeich nungen durch Gewerbetreibende zur geschäftlichen Reftame einen erheblichen Umfang angenommen. An der nachdrücklichen Bekämpfung dieser Aus­wüchse, zu welcher die Bestimmungen des Reichs- gefetzes bom 7. Juni 1909 gegen den unlauteren Weiss ">erb und deS Strafgesetzbuchs (§ 4 U. W-G. sn Verbindung mit § 49 St.-G. B., fer­ner § 263 St. G.-B.) die Handhabe bieten, an- walffchasten haben daher, wen in solchen Fällen

Gibl's nicht. Hier steigen Sie ein. Freund Wietholz" dabei schlug er seinem Gefährten, einem wohlbeleibten Gutsbesitzer, auf die Schul­ter Hal zehn Flaschen Champagner in einer Wette Verloren, und die wollen wir heute aus» ttinkcn "

Sie sind herzlich wikommen, Herr Born,' sagte Herr Wietholz.

Fritz sttäubte sich nicht länger. Was sollte er auch den ganzen langen Sommerabend auf seinem nüchternen Zimmer machen? Oder sollte er bielleicht zur Jnspeftorfamilie hinuntergehen, wo er doch nur mit scheelen Augen angesehen wurde?

Einen Augenblick dachte er an die Warnung des Barons Langner und Wietholz w en ge­rade diejenigen, welche stets die Karten Mr Hand hatten, aber ein Glas Wein konnte er ja mit« trinken und morgen packte er doch feine Sachen und berli«6 Schloß Hambach.

So stieg er denn ein, und rasch rollt« der Wa­gen die Sttaße entlang, demWeißen Roß" zu,. in dessen Herrenzimmer sich schon eine lustig« Ge­sellschaft zusammengefunden hatte.

Zu seinem Erstaunen saß der Fremde, welchen Fritz heute nachmittag am Hoftor gesehen hatte, mitten zwischen den jungen Leuten und machte mit erstaunlicher Geschicklichkeit Kartenkunststücke, die die laute Bewunderung der Gesellschaft her- borriefen.

Durch den Eintritt der neuen Gäste wurde dies« Beschäftigung unterbrochen. Wie" olz be­stellte den Champagner, ein kaltes Abendessen wurde auch aufgetragen der Fremde wollte sich entfernen.

Bleiben Sie nur,* sagte der gemütliche Siet­

bon Verbänden zur Förderung gewerblicher I» tereffen oder b»n Einzelpersonen ein strafrecht­liches Einschreiten beantragt wird, regelmäßig bon Verweisung auf den Weg der Pribatklage Abstand zu nehmen, bielmehr die Beschuldigung fachlich M erörtern und geeignetenfalls die ösfent- lii*)e Klage zu erheben. Ueber die Verhältnisse dec einzelnen Ausstellungsunternehmen wird in den meisten Fällen die bon industriellen Zentral- berbänben ins Leben gerufeneStändige Aus­stellungskommission für 1)1« deutsche Industrie* (Geschäftsstelle: Berlin NW. 40, Roonstcaße 1), welche sich die Bekämpfung der Mißstände i« Ausstellungswesen zu einer ihrer hauptsächlichsten Ausgaben gemacht hat, unterrichtet sein. Sie ist zur kostenlose» Auskunstserteilung an die Behör­den sowie zur Bezeichnung geeigneter Sachver- ständigen in Ausstellungsangelegenheiten bereit. Die Staatsanwaltschaften werden zu erwägen haben, ob in geeigneten Fällen bon diesem An­erbieten Gebrauch zu machen ist. Bon allen in Strafsachen wegen Benutzung von ScheinanS- z-nchnungen und wegen Veranstalimtg von Aus­stellungen der bezeichneten Art ergehenden Urtei­len haben die Staatsanwaltschaften nach Eintritt der Rechtskraft zwei vollständige Abschriften unter Bezugnahme auf dies« allgemeine Verfügung, je­doch ohne Anfchreibeu. dem Oberstaatsanwalt bei dem Kammergericht« zu übersenden.

Deutsches Reich.

Bom Kaiserpaar in Homburg. Hornburg b. b. H 19. April. Heute Vormittag nahmen bic Majestäten, begleitet bon Prinz Oskar, bi» Schloßkirche unb bie Fürstengruft in Augenschein und schlossen daran einen Spaziergang durch den Kurpark. Nachmittags um 4l/2 Uhr fuhr daS Kaiferpaar, der Prinz und die Prinzessin nebst Gefolge in Automobilen nach Sandplacken und gingen bon hier über die Jagdhütte, wo der Tee eingenommen wurde, bis zur Kanonenstraße, bon wo die Rückfahrt erfolgte. Heute Abend kehrt Prinz Oskar nach Berlin zurück.

Reichstagserfatzwahl. Berlin, 19. April. Die Reichstagsersatzwahl tm Wahlkreise Inner» Bolkenhoin-Landeshut ist auf den 1. Juni fest­gesetzt.

Kvnservatibe Äanbibatur. Halle a. S., 19. April. Rach Blättermeldungen haben die Kon- ferbatiben des Wahlkreises Torgau-Liebenwerdn beschlossen, mit Rücksicht auf die jüngsten politi­schen Vorgänge zur nächsten Reichstagswahl dem nattonalliberalen Vertreter einen tonferbatiben Kandidaten entgegenzustellen.

Der Fall Wetterl6. Sttaßburg t Els., 19. April. Im Landesausschuß für Elsaß-Lothringen wurde heute die Debatte über den Prozeß Gneise- Wetterl^ zu End« geführt. Dabei wurde noch Stunden lang über Vorkommnisse 'n der Justiz-' bertoaltung, die aus diesem Anlaß mit in die Debatte gezogen wurde, berhandelt. Dann er­klärte Staatssekretär Freiherr Zorn v. Bulach:. Diese biertägige Verhandlung mußte den Abge­ordneten WetterlS, um den sie doch schließlich ftattgefunben hätte zu bet Ueberzeugung gebracht haben, baß er besser getan hätte, wenn et (Wet- terlS) erklärt hätte: Ich habe zwei Monate im Gefängnis gesessen, ich habe für mein Lanb ge­litten, aber ich will die Justizverwaltung nicht angreifen. Damit wurde bie Aussprache ge»

Holz.Ich möchte Ihre Kartenkunststücke auch . gern sehen."

Der Fremde banfte für bie Einladung und fetzte sich wieder; der Zufall fügte es, daß er neben Fritz Platz nahm.

Wit kennen uns ja schon,' sagte er lächelnd.

Wit haben uns wenigstens schon gesehen," entgegnete Fritz ein wenig kühl.Herrn bon Prokowsky scheinen Sie ja nähet zu kennen.'

Der Fremde lächelte.

O nein," sagte et.Ich kenne den Herrn nut flüchtig."

Haben Sie ihn schon gesehen?"

Ja'

Und das Geschäft gemacht?"

Ich hoffe es.' entgegnete bet Fremde, und ein grinsendes Lächeln berzettie sein Raubvogel-

DaSWeiße Roß" war ein großes ländliches Wirtshaus, in dem die meisten größeren Ver­gnügungen nicht nur des Dorfes, in dessen Mitte es lag, abgehalten wurden, sondern auch der näheren und weiteren Umgegend. Selbst die erste Gesellschaft der Rittergutsbesttzer, Domänen- pächtet und was sich sonst noch dazu zählte, bet» kehrte in dem großen, gutgehaltenen Gasthause, das einen schattigen Garte« für den Sommer und einen geräumigen Saal für Tanzbetgnügnngen im Winter besaß. Im Sommer wurden Picknicks, im Winter Schlitteichartien nach demWeiße» Roß" veranstaltet, das, in der Mitte des große», Dorfes am Kreuzungsputckle zweier Sttaße« go-' legen, so recht den Mittelpunkt für die Umgtga*, bildete. (Fortsetzung folgt.) ;