mit dem Meisblatt für die Kreise Marburg uns Kirchhain^
xnb de« Beilagen: „Nach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftlich« Beilage.
le
M 91
Marburg
Mittwoch, 20, Avril 1910.
Lie JnfertionSgebühr derrugi juc öie Tgcfpuiteiu: y<de oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennig«. — Druck und Verlag: Iah. Nug. Koch, Universitätt-Buchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth. Marburg, Markt 21. — Telephon 55
Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2 25 X (ohne Bestellgeld). bei unseren Zeitungkstcllen und der Expedition lMarkt 21), 2 X.
acituiiß ct;o)eint :ciglich nm UnSn-'hwe der
45. Jahr«.
begrüßte es Minister ». Trott zu Solz, daß dir Maßnahmen zurEntlastuna de« Kultusministers, «. a. dir Trennung der Medtzinalabteilung vom Ministerium, hier Zustimmung gefunden hätten. An eine Trennung des Unterrichts- vom Kultusministerium werde nicht gedacht. Kirche und Schule müßten mit Gemeinde und Familie bei der Zuaenderziehunq Hand in Hand gehen. Abg Cassel (torischr. Vp.) meinte, die Verschiebung der Bevölkerung werde immer mehr Simultanschülen notwendig machen. Abg. Stachel (Pole) behauptete, die Polen wären im Osten der Germanist erung und Protestanttsterung wehrlos ausgeliefert Minister e. Trott zu Solz erwiderte. daß die Schule, die ihre Schüler im 14. Lebensjahre entlaste, gar nicht in der Lage sei, zu „germanisieren". Es sei Vorbedingung zur Wahrung des Deutschtum« im Osten, daß in der Schule deutscher Geist gelehrt und in deutscher Sprache unterrichtet werde. Nachdem der Abg. Hoffmann (8oz.) in fast zweistündiger Red« über das Kultusministerium und unsere Schulverhältnisse berge,zogen war, die erst besser werden würden, wenn sie von soziaNsti- schem Geiste durchdrungen sein werden, vertagte stch da« Haus auf Dienstag Vormittag 11 Uhr.
Politische Umschau.
Dir mecklenburgische Bersafiungsfrage.
Rostock, 16. April Am Ständehaus zu Ro stock trat eine von Ständemitgltedern zahlreich besuchte Versammlung zusammen zwecks Beratung weiterer Schritte, die zu einer Einigung über die BerfaffungSfrage führen soft. Die Verband lungen nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Schließlich wurde einstimmig folgende Resolutton angenommen: Wir (die Stände) erklären uns bereit, wenn die Regierungen den Ständen ein« neue Vorlage bringen sollten, in welcher unter Beibehaltung der bestehenden ständischen Vertretting weiteren Kreisen die Mitwirkung an der Gesetzgebung und an der Bewilligung des Etats gewährt wird (febod; unter Ablehnung von allgemeinen Wählen), auf dieser Grundlage in weitere Verhandlungen einzutreten. Dabei geht die versammlimg von der Voraussetzung aus, daß die bisherige Vorlage zurückgezogen wird. Dieser Beschluß wurde gefaßt mti Rücksicht auf das Güstrower Protokoll vom 18. Januar, in dem vorgeschlagen wird, den bewen jetzt bestehenden Ständen einen dritten Stand anzugstedern und für jede« Stand 50 Abgeordnete zu wählen. Die Rostocker Versammlung wählt« nun eine Abordnung aus der Ritterschaft und der Landschaft; diese soll eine Audienz bei den beiden Grobherzögen erbitten und eine Resolutton überreichen, sowie über de« Verlauf der Versammlung berichten.
Der heutigen Nummer liegt bet Kreisblatt Nr. 32.
Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 19. April.
Dir heutige Sitzung routbe mit der Mitteilung de« Präsidenten von dem Sonntag früh durch einen Schlaganfall erfolgten Hinscheiden des Grafen Oriolo eröffnet, der vor einigen Tagen vor dem Reichstag«- getaute einen Straßenbahnunfall erlitten hatte. Graf Schwerin gedachte in seinem Nachruf besonder« der Fürsorge für die Kriegsveteranen, bte sich Gras Oriolo hat angelegen sein lassen.
Zum Gegenstand der Tagesordnung: erste Lesung der Reichsversicherungsordnung gab der Präsidem bekannt, daß Staatssekretär Dr. Delbrück durch Krankheit am Erscheinen tm- Reichstage verhindert sei und daher die umfangreiche Voraae nicht einfüh- rcu könne. Infolgedessen erhielt gleich als erster Redner aus dem Hause das Wort Aber Dr. Spahn (Ztr.) Es kamen heute noch nicht alle Parteien zum Wort, da'sich die Redner, Abg. Dr. Spahn (3h.), Schickert (kons), Horn-Neuß (natlib.), Dr. Mugdau (frei). Bp.) und Molkenbuhr (Soz.), begreiflicher- ' weise eingehender mit der weitschichtigen Materie befaßten. Der Eindruck, den die Debatte gewinnen ließ, ist der, daß die Vorschläge der Regierung auf Seiten der Nationalliberalen bis hinüber zu den Konservativen freundliche Aufnahme finden, namentlich der durch die Erichtung der Verstcherungsämter vorgesehene gemeinsame Unterbau für alle drei Ver- stcherungezweiae, die Einbeziehung der landwirtschaftlichen Arbeiter und der Hausgewerbetreibenden und die Halbierung der Beiträge mit ihren Konse- gvenzen für die Besetzung der Vorstände. Bei der suruchrittlichen Volkspartei scheinen allerdings erhebliche Bedenken zu bestehen. Ihr Redner führt« aus, daß während bisher die Versicherung und ihr« tafttebioenbe Lösung in der Praxis auf freiwilliger Tätigkeit beruhte, in Zukunft alles von einem guten Funktionieren der Behörden abhängig sein werd«, und daß er den letzteren mit etwas gemischten Gefühlen gegenübertrete, konnte nicht Wunder nehmen. Von der Reichspartei werden die Abg. Frhr. von Gamp und Linz das Wort nehmen. Daß der Gnt- Wurf an eine besondere Kommission »erwiesen werben und in allen seinen Einzelheiten einer genauen Prüfung unterzogen wird, ist schon jetzt fsiher
Preußischer Landtag.
AbgeordnetenHau».
3* Abgeordnetenhaus«
wurde am Montag die erste Beratung des N l! In i l og»« *tats vorgenommen, der für den Umbau des Biihnen- hauses im Berliner Kal. Opernhaus« 854000 X fot- bert. Abg. ». Arnim-Züsedom (kons.) erklärte, man «erde die geforderte Summe bewilligen müssen, nachdem sich — offenbar auf Grund einer polizeilichen Revision — die Notwendigkeft herausgeftellt habe, ahne Rücksicht auf den geplante« Neubau de« Opernhauses, für eine größere Feuersicherheit zu sorgen. •5m Hinblick auf die, beim Umbau de« Kgl. Schau- wielhauses voraekommene Gtatrüberfchreitung von über 700 000 M liegt es nahe, wenn man die Regierung ersucht, sich beim Umbau de« Opernhaus«» sparsamer einzurichten und nach der Decke zu strecken. Abg. Schmedding (Ztr.) wünschte eine gründlich« Prüfung der Vorlage in der Kommission, ebenso die Abg Fritsch (natlib.) und Dr. Pachuick« (fortschr. Vp.j. Abg. Graf Moltke (ftetkons.) meinte, es wär« llut. wenn sich die Mitglieder der Budgetkommission persönlich vom baulichen Zustande de« Opernhauses überzeugen würden. Minister ». Brette«bach hält eine solche Nachprüfung durch die Budgetkom misst«, kür sehr wünschenswert. Sie würde von der Rotwen-
Umbaues überzeugen. Di« Vorlage ging an die Bndgetkommifsion. Bei der folgenden Fort. jetzunK der allgemeinen Besprechung de« Kultusetat,
12 r (Nachdruck verboten.)
Um Ehre und Necht.
Roman von O. Elfter.
t Fortsetzung.»
„Wollen Sie mir nicht den Grund Ihrer Kündigung angeben?*
»Ich habe keinen besonderen Grund . . .'
r „Es gefällt Ihnen nicht mehr hier?*
„Rein, Herr Baron — ich möchte mir eine« Zrößeren Wirkungskreis schaffen. Ich fühle mich Hier überflüssig, fett Herr von Prokowskh hier ift-*
Der Baron pfiff leise durch die Zähn«. Dan» lächelte er etwas spöttisch und sagte:
»Eifersüchtig, Herr Born?"
»Ich habe nicht das Recht eifersüchtig zu feix, Herr Baron."
Der Baron betrachtete den jungen Man« mit «usnreryamem Blick; dann lehnte er stch in seine» Sessel zurück und sprach in gütigem Tone: „Wolken Sie mir ein offene- Wort gestatte«, Herr Born?"
Fritz verbeugte stch nur zustimmend.
„Ich will nicht weit r in Sie dringen," fuhr der Baron fort, „mir den Grund Jchrer Kündigung zu sagen — ich denke, ich errate ihn — und 0s ist vielleicht besser, nicht darüber zu sprechen. Vielleicht sind Sie auch im Recht, von hier fortzu- gehen und - keine vergeblichen Hoffnungen auf- »muten zu lassen. Ich finde das sehr ehrenhaft . - .ich stelle es Ihnen vollständig frei, zu gehe«, wann es Ihnen behebt. Aber Sie sollten doch «och bis zum Begi»n Ihrer Uebung hierbleibe».
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar ftr Homburg. Homburg v. d. H., 18. April. Um 4y2 Uhr nachmittags fuhren die Majestäten, Prinz Oskar und Prinzessin Viktoria Luise nebst Gefolge auf die Saalburg, gingen von hier auf den Marmorstetn, wo der Tee genommen wurde und dann weiter nach Goldgrube, von wo die Rückkehr erfolgte.
— vom StmttSmintsterium. Berlin, 18. April. Da- Staatsministerium trat heute zu einer Sitzung zusammen.
— vom Bundesrat. Berlin, 18. April. Der Bundesrat stimmte i« seiner heuttgen Sitzung dem Entwurf eines Gesetzes über die Errichtung eine- Kolonial-Konsulargerichtshofe- zu.
es könnten sonst allerlei Gerüchte entstehen, welche für Sie und für uns nicht wünschenswert wären. Daß ich Ihnen ein vorzügliche- Zeugnis aus- stell«, versteht sich — aber nun einen guten Rat, lieb« Born. Ich hoffe. Sie nehmen ihn von mir an."
„Gern, Herr Baron."
„Run gut — Ihr Privatleben geht mich ja wett« nichts an — aber man hat mir mttgeteilt, daß Sie jetzt alle Ihre freie Zett im Wirtshaus v«bringen..."
Fritz errötete heiß.
„W« hat da- gesagt, Herr Baron?" fuhr er auf.
„Darauf kommt's nicht an. Ich habe auch aus eigenen Beobachtungen geschöpft und fand diese Angaben bestätigt. Sie Verkehren jetzt viel mit dem Först« Roth« und einige« jungen Herren, die stch gerade nicht de- besten Rufes erfreuen, es wird sogar im „weiße« Roß" Hazard gespielt."
„H«r Baron. .
„Wie gesagt, mich geht das ja etgenttich nichts an, aber ich möchte Ihnen doch den guten Rat geben, sich Ihrem Unmut nicht in dem Maße hinzugeben, daß Sie ihm durch Ausschweifungen — Trinken und Spielen — Lust machen. Ich spreche als alt« Fremü» zu Ihnen, lieb« Herr Born — ich kenne Ihre« sehr ehrenwerthen Bat«, es würd« mir sehr leid tun, wenn er von diesen Torheiten erführe. Da- war es, was ich Ihnen sagen wollt«, lieb« Born. Wenn Sie nach Ihrer Reserveübung übrigen- wieder in meinen Dienst tret» wollen, so steht dem nicht- tm Wege. Ich HM« Ihnen die Stell»»« offen, «die» einst.
— Ei« neuer Gesandter. Berlin, 18. April. Die „Rordd. Allg. Ztg." schreibt: Zum deutschen Gesandten in Lissabon ist der bisherige Gesandte in Santiago de Chile, Freiherr von und zu Bod- mann, in Aussicht genommen.
— Die Wahlrecht-Vorlage. Berlin, 18. April. Die Wahlrechtskommission des He«enhauses nahm den $ 5 betreffend die Bildung d« Stimrn- bezirke unverändert an. Zu K 6 wurde die Vergrößerung der Gteuerdrittäungsbezirke angenommen, zu § 8 wurden sowohl der Beschluß der Abgeordnetenhauses (Privilegierung der Abitn- rienten), sowie sämlliche dazu gestellten Abände- rungsanträge abgelehnt, diese Lücke soll in der zweiten Lesung ausgefüllt werden.
— Bom Ostmarkenverein. Posen, 18 April. Der Reichskanzler übernahm den Vorsitz tm Ebrenausschuß d« Ostmarkenausstellung Posen 1911.
— Eine bayerische Anleihe. München, 18. April. Die königlich bayerische Regierung begab heute Nachmittag eine 4prozentige bis 1920 unkündbare Staatsanleihe im Betrage von 75 Millionen Mark, und zwar 40 Millionen Eisenbahn anleibe und 35 Millionen allgemeine Anleihe an das seitherige bayerische Konsortium zum Kurse von 101 Prozent. Es ist beabsichtigt, die Anleihe demnächst Mr Zeichnung aufzulegen.
Ausland.
* * Roosevelt. Osenpest, 18. April. Roosevelt besuchte heute Vormittag den Erzherzog Josef und den Ministerpräsidenten Khuen-HÄ>«vary. Er erschien mittags im Parlament, wo die ungarische Gruppe der interparlamentarischen Konferenz eine Sitzung abhielt. Graf Albert Apponyi überreicht« ihm namens der Gruppe eine Adresse, Roosevelt nahm an dem Dejeuner bet dem Erz- h«zog Josef teil.
* * Teemannsstreik. Bordeaux, 18. April. Etwa hundert eingeschriebene Seeleute traten heute in den Ausstand und verleiteten 144 Heiz« und Kohlenarbeit« verschiedener Postdampf r, dasselbe zu tun. Die Versuche beim Poswampfer „Ouebeck" waren erfolglos; der Dampf« ging heute nach den Antillen ab.
* * Dänemark. Kopenhagen, 18. April. Durch königliches Dekret wir der Folkething am 19. Mai aufgelöst. Die Neuwahlen sind auf den 20. Mai festgesetzt.
* * Au» Rußland. Petersburg, 18. April. Die Reichsduma sprach sich für dieAusarbettung eines Gesetzentwurfs aus, nach welchem die Privatster- sonen oder Aktiengesellschaften gehörenden, unter russischer Flagge gehenden Schiffe, sowie deren Mannschaft im Falle einer Mobilmachung ähn- Nch wie in Deutschland, Oesteneich-Ungar« und Frankreich der Kriegsmarine zur Verfügung gestellt werden müsse«. Ein RegterungSvertret« erklärte, ein solcher Gesetzentwurf sei bereits im Ministerium ausgearbeitet worden und werde demnächst den gesetzgeberischen Jnstituttonen vorgelegt. — Gegenüb« der Nachricht auswärtiger Blätter von einem Attentat aus den Großfürsten Nikolai Rikolajewtffch berichtet die Petersburger Telegraphen-Agenlur: Am 14. April wurde in einem Zuge, in dem der Großfürst fuhr, einig« Stationen vor Petersburg festgestellt, daß an mehreren Wagen die Oelbüchsen brannten. D« Vorfall wiederholte sich während der Wetterfahr noch einigemale. Man vermutet, daß die Büchse«
weilen — wir wollen wenigstens als gut« Freunde scheiden, nicht wahr?"
Er reichte Fritz die Hand und klopfte ihm dann lächelnd auf die Schult«.
„Also überlegen Sie die Sache noch einmal," sagte er fteundlich und entließ Fritz.
Dies« ging bestürzt und betäubt davon. W« mochte ihn in dies« Weise bei dem Baron verleumdet haben? Gewiß, et war jetzt öfter tm Wirtshaus, wo sich zuweilen auch «tue lustige Gesellschaft zusammenfand, in der ab und zu auch ein wenig gespielt wurde — „Meine Tante, deine Tante" oder „Makao" oder ein anderes nicht ganz harmloses „Gesellschaftsspiel", und Fritz hatte stch hin und wieder daran beteiligt — « konnte «S nicht leugnen. Aber üb« seine Verhältnisse war er dabei niemals hinausgegangen, und da « von seinem reichen Vater ein recht hübsche- Taschengeld bezog, so braucht« « sich keine Bor- würfe zu machen, wenn er einmal einige Tal« v«lor.
Das hohe Spiel, das einige Gutsbesttzersöhne der Umgegend spielten, machte et nicht mit.
Aber er wußte schon, wo die Quelle dieser Verleumdungen war, und wäre « jetzt dem neuen Volontär begegnet, « wäre sicherlich zu einer erregten Aussprache gekommen.
Er bebte vor A«ger und Zorn. Er mußte sich einen Augenblick niÄersetzen, um seiner Erregung Herr zu werden. Er befand sich in dem Wohnzimmer der Baronin, durch das man in das PrivatarbettSzimm« des BaronS kommen konnte.
Es gab allerdings auch »och einen direkten
von enem Unterbeamten mittwillig in Brand go setzt wnrden. der stch an seinem unmittelbaren Vorgesetzten rächen und ihm dienstliche Umm- n mlichkeiten bereiten wollte. Ein Anschlag auf den Großfürsten ist jedoch ganz und gar ausgeschlossen.
*» Die serbische Tknpfchiina. Belgrad, 18. April. Die Skupschtina hat die Zolltarifnovelle in erster Lesung angenommen.
** AuS dem englischen Unterhaus. London, 18. April. Lord Beresford fragte, ob Mc Kenna irgendwelche Mitteilungen darüber besitze, daß Kiel den ersten österreichischen Dreadnought vor einigen Monaten auf Stapel gelegt habe und daß der zweite Dreadnought tm Verlauf der nächsten wenigen Tage auf den durch den Stapellauf des „Zrinyi" freigewordenen Stapel gelegt würde, sodann ob er dem Hause irgendwelche nicht offizielle Nachricht über diesen Gegenstand gebe« könne, ohne daß es notwendig sei, anzudeuten, woher « diese Nachricht bezogen habe. Mc Kenn« erwiderte: Er habe seiner Antwort, welche er am 12. April auf eine ähnliche Antwort erteilte, nichts einzufügen. — Premierminister Asquith brachte in dicht besetztem Hmtse seine Guillottnr- vorlage ein welche die Debatte üb« das vorjährige Budget auf fünf Tage beschränkt. Er erklärte, daß die ein zubringende Finanzbill tm wesentlichen dieselbe sei wie diejenige des vorigen Jahre- und eine rückwirkende Kraft besitzen würde, wie wenn sie im vorigen Jabre angenommen tzorden wäre. Einige Amendement« von technischem Charafter würden hinzugefügt Werden, Welche die Absicht der Regierung bezüglich gewisser Punfie klar machen soll.
** Eine englische Anerkennung. London, 17. April. In einer Versammlung von Kolonialfreunden der deuffchen Kolonie, zu d« auch Bot- schaftsrat von Kühlmann und Generalkonsul Dr. Johannes erschienen waren, hielt der Forsch- ungsreisende und Vizepräsident der Königticken Geographischen Gesellschaft, Sir Harrt» Hamtl- ton Johnston etnen Vortrag über das Thema: „Die Deuffchen als kolonisierende Nation". Et rühmte darin die koloniale Expansion Deutschlands, die sich nicht nur über Afrika, Dftaften und Ozeanien, sondern auch über die Vereinigten Staaten «streckt hätte, hob den für die Passagiere sehr wohltätigen Einfluß hervor, den die beut* scheu Schiffahrtsgesellsckasten inbezug auf Komfort und Schnelligkeit auf ihre Konkurrenten anS- gcübt hätten, und sprach zum Schluß den Wunsch aus, daß England ein Abkontmen mit Deuffch- land und seinem verbündeten Oesterreick-Ungarn tteffe« möge, wie es solche bereits mit den Vereinigten Staaten. Frankreich. Rußland und Japan getroffen hätte. Die Staatsmänner m beiden Ländern, di« dieses Meisterwerk der Diplomatie vollbringen würden, würden des höchste« Lohnes würdig sein.
3m Mn-IiM hi MtMIn.
Hebet das bereits gemeldete Ballonunglück geht uns von einem nach der Unglücksstätte geeilten Spe- zial-Korespondenten folgend« authentische Schilderung zu:
88 Efchweg«, 17. April. (Eine ganz grauenhafte Katastrophe ereignete sich heute Nacht gegen Uhr in dem vier bi« fünf Kilometer 7"N hi« entfernten Dorfe Reichensachsen. Mitten in da» Dorf stürzte um dies« Zeit an» schwindelnder Höhe ein durch «’nen Blitzstrahl feiner Tr.gkraft bera. bter Freiluftballon mit zerfetzter Hülle herab und ließ die
Zugang zu dem Arbeitszimmer des Baron-, ab« Fritz hatte in sein« Erregung di« Tür verfehlt und war so . in das Wohnzimmer gekommen.
Fast ohne zu wissen, wo « war, setzte « sich auf einen Stuhl nieder, der neben einem zierlichen Damenschreibtisch stand, auf dem allerhand Sachen umherlagen. Er stützte den Arm auf den Tisch und legte die Stirn auf di« Hand. Die Tränen traten ihm in die Augen, so unglückfich, so beschämt, so erregt fühlte « sich.
Er bemerkte nicht, tote sich die Portiere zu einem Nebenraum öffnet« xnb die Baronin eintrat.
Erstaunt blieb sie stehen, als sie Fritz an ihrem Schreibtisch sitzen sah.
„He« Born, was mache» Sie hi«?" ftagte fie in etwas strengem Ton.
Fritz sprang auf, heiße Glut überflammte fein Gesicht, „verzeihen Frau Baronin . .
„Wie kommen Sie hierher?"
„Ich — ich — ich war bei dem Herrn Baron ... ich — ich verfehlte die Tür ... ich bitte um Verzeihung . . ."
Damit eilte « fort und atmete erst auf, al* er auf dem Hose stand.
Welche neue Dummheit hatte « da wird« begangen; In dem Wohnzimmer d« Baronin sich niederzusetzen! Und sich von der Baronin Überraschen zu lassen!
DaS war nicht nur unschicklich, das war albern. Er hatte sich lächerlich gemacht, rind et hörte schon d e spöttischen Bemerkungen Prokows- kys, wenn die Baronin fein wunderliches Benehmen «zählte. (Fortsetzung folgt.)