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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Umschau im Auslande.
Auf Veranlassung der Regierung hat die Königin Wilhelmine nunmehr einen ordentlichen Ausschuß ernannt, um über die Angelegenheit einer Verfafsungsrevision zu beraten. «Die Demokraten, Radikalen und Sozialisten ttäu- 'men zwar von einer Vcrsassungsreviston zur Ein- fithrung deS allgemeinen und gleichen Stimmrechts inHMand, viel näher liegend ist jedoch der Gedanke, bafc es sich um eine Aenderung der bestehende« Thronfolgerordnung handelt. Nach der letzteren hätten nach einem Erlöschen der gegenwärtig herrschenden weiblichen Linie des Oranischen Königshauses die Nachkommen derjenigen fremden Prinzen, welche Im Lause der 19. Jahrhunderts niederländische Prinzessinnen geheiratet haben, Ansprüche auf den holländischen Thron. NaMrgcmäß sind die Nachkommen dieser im Auslande ausgewachsenen Prinzesünnen den Holländern entfremdet, und es ist daher schon seit Jahren die Tendenz an den Tag getreten, das Thronfolgerecht derselben zu beseitigen und nach einem Aussterben der jetzigen Königssamilie dem 'Parlament das Recht zuzuerkennen, selbst über die freigewordene Krone zu verfügen oder die re- , lmblikanischc Staatsform anzunehmcn Es ist vtes eine völkerrechtliche und fürstenrechtliche Frage von erheblicher Wichtigkeit und «Schwierig kett, und es ist nicht ausgemacht, daß sie durch die bloße holländische Berfassungsrevision gelöst wer de» kann.
Nachdem sich die Kommissionen der tu f i - schen Retchsduma schon geraume Zeit mit ber Entwurf über die Landschastsfelbswerwal tung beschäftigt hatte, hat sie tm letzten Anaenblck die ganze Arbett über den Haufen geworfen und die Einführung der lokalen SelbswerwalMng ab gelehnt.
Die Versuche, die Vorgänge w A lb ante« aus österrekchtsche Umtriebe zuröckznführen, find, wie festgestellt, serbischen Ursprungs gewesen. Es gewinnt nachträglich den Anschein als wären sie vo« Belgrad in die Welt gesetzt worden um d'e Aufmerksamkeit etwaiger Versuche Serbiens selbst. In die Vorgänge in Albanien einzugreifen abm lenken. Rechnet man hinzu, daß gleichzeittg unbeachtet aller von Sofia ausaeaangenen beruhigende» Erklärungen und Zusicherungen geeigneter Vorkehrungen gegen die Zusammenstöße <m der türkisch-bulgarischen Grenze, diese sich doch rasch aufeinander wiederholten, so ist nicht zu denonndern, wenn diese Vorgänge in den politischen Kreisen mit Mißtrauen verfolgt werden. Immerhin wäre c8 schwer denkbar, daß man sich ta Belgrad irgendeinen Erfolg von einer Unter- stfitzung der Insurgenten versprechen sollte, da doch die Abneigung bet Albaner gegen alles ser- bische bekannt ist. Es wird Aufgabe des jung- türkischen Regimes sein, im Jnteresie der Türkei zu verhüten, durch ungeschickte Maßnahmen eine bisher loyale, wenn auch ungesetzliche Bewegung in illoyale Bahnen zu drängen.
Die persische Regierung hat das An- leiheangebot Rußlands und Englands abgelehnt 'wegen der unannehmbaren Bedingungen, die .von beiden Mächten daran geknüpft waren. DaS -Programm der Ausgabe sollte der englischen und ^russischen Gesandtschaft unterbreitet und die AuS- jgeben von einer Kommission, die aus dem Fi- nanzminister, vier Persern und drei Franzosen bestehen sollte, kontrolliert werden. England
'12 (Nachdruck verboten.)
Ihn Ebre und Necht.
;* 7 Roman von O. Elfte».
< Fortt etzung.i
Sie nahm Platz und ließ die Finge» in einem langen Lauf über die Tasten eilen. Dann ein Akkord, und dann lautlose Sttlle.
Rach einer kleinen Pause der Sammlung begannen sie das Notturno. Erika war keine Mei- stertn im Spiel, aber sein meisterhaftes Spiel riß ifle mit fort, sie fühlte fein dunkles Auge auf sich ruhen, sie wußte, daß das Klagen, das Weinen, das Jauchzen seiner Geige chr galt, und sie fühlte sich emporgehoben über die Alltäglichkeit der Welt.
Jede Aengstlichkeit wich von ihr; sie wußte, daß sie noch nie so gut gespielt hatte als in dieser Stunde, als Stanislaus ihr in einer Pause zu- flüsterte: „Bravo, teure Erika — Sie spielen 'meisterhaft . . . ."
Rauschender Applaus belohnte die Spieler. Jh-e Exzellenz umarmte und küßte Erika, und die Herren umdrängten sie, um ihr Komplimente zu sage».
Und das alles hatte sie ihm zu danken, der wie ei« Sieger dastand, mit einem seltsamen Lächeln auf dem Antlitz und e'nem Leuchten in den dunklen Augen, das sie fast erschreckte, vor dem sie sich fürchtete und von dem sie sich wie durch magische Gewalt doch angezogen fühlte.
Er küßte ihr die Hand und flüsterte ihr einige zärtliche Worte zu.
' Da schrak sie zusammen und trat einen Schritt 666 LL tmrüL Loch nie hatte er solche Worte
und Rußland verlangten, jedes Land in seinem Interessengebiete, das Recht, Eisenbahnenkonzessionen abzulehnen. Rußland sollte das Schift fahrtsmonopol auf dem Urmiasee erhalten. Als Unterpfand für die zu leistenden Vorschüsse soll ten die Zölle dienen. Der Zinsfuß wird auf 7 v. H. festgesetzt. Weder Rußland noch England hatten die Absicht, an diesen Bedingungen für die Anleihe irgendetwas zu ändern, nachdem man sich überzeugt hatte, daß die Kronjuwelen wert voll genug sind, um die verlangte Summe aufzubringen.
Aus ben Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Sitzung vom 16. April.
Im Reichstag fand heute das Reichsversteuerungsgesetz. über das in erster Lesung verhandelt wurde, die Zusttminung aller Parteien; nur das Zentrum machte gewisse Bedenken geltend. Staatssekretär des Reichsschatzaints Wermuth legte kurz die Bedeutung der Vorlage dar. Bisher wurden diejenigen Gemeinden, in welchen fabrikähnliche Reichsbetriebe sich befinden und die infolge einer zahlreichen Arbeiterschaft zu sehr hohen Armen- und Schullasten gedrängt werden, durch Einstellung von Beihilfen in den Reichsetat entschädigt. Diese sozusagen gnadenweisen Zuschüsse, wie der Staatssekretär sagte, sollen durch die Vorlage beseitig! werden, die einen festen Rechtszustand schaffen will. Nachdem noch Abg. Ahlhorn sfortschr. Vp.) für die besonderen Jnter- esien der sog. Werftgemeinden, die zum Teil bis zu 600 v. H. Kommunalzuschlag erheben müssen, das Gesetz lebhaft befürwortet hatte, wurde der Entwurf der Budgetkommission überwiesen. Das Haus erledigte dann in erster Beratung Den Eesetzenwurs betreffend die Aufftandsausgaben für CLdwestafrika, durch die der Reichskanzler ermächtigt werden soll, zur Deckung von Mehrausgaben bei den durch die Etats aus Anlaß des Eingeborenenaufstandes bewilligten Fonds die Summe von 23.7 Millionen M im Wege des Kredits flüssig zu machen. Es gab eine längere Debatte, da von verschiedenen Seiten angeregt wurde, die im Schutzgebiet tätigen Kolonialgesellschaften zu den Kosten des Aufstandes heranzuziehen, und da die sozialdemokratische Fraktion auch heute wieder sich in Angriffen gegen die Kolonialverwaltung erging, die von Staatssekretär Dernburg zurückgewiesen wurden. Endlich wurde noch die Fernsprechgebührenordnung in erster Lesung erledigt. Sie wurde, nachdem Staatssekretär des Reichspostamts Kraetke erklärt hatte, daß 75 v SS der Teilnehmer von der Neureglung Vorteile haben und nur denjenigen Teilnehmern, die ben Fernsprecher übermäßig benutzen, die Benutzung verteuert werden würde, einer Kommisiion überwiesen. Am Montag beginnt die erste Lesung der Reichsversicherungsord- nung.
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Preußischer Landtag > ; ■<•
■ :■ ' Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 16. April.
Fn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde der Rest de? Extraordinariums des Etats der Eisenbahnverwaltung besprochen. Mehr als 20 Redner aus den verschiedensten Fraktionen trugen Beschwerden und Bedenken überwiegend lokaler Natur vor. Sodann begründete zu dem Baubericht der Abg. von Bockelberg den konservativen Antrag, Maßnahmen zu treffen, daß bei der Inangriffnahme und Ausführung von Eisenbahnbauten den Beteiligten Gelegenheit gegben werde, ihre Wvni-be und Bedenken vorzubringen. Nach kurzenAeußerungen der Abg. ». Pappenheim (kons.) und Marco (natlib.) trat das sehr schwach besetzte Haus dem Anträge bei. Es folgte die Beratung des Kultusetats, und zwar die allgemeine Besprechung bei dem Gehalt des Ministers. Abg. Dr. Dittrich brachte die bekannten For-
$u ihr zu sprechen gewagt. Eine namenlose Angst krampfte ihr Herz zusammen, hilfesuchend blickte sie sich um; wenn sie doch nur hätte entfliehen können, wenn sie doch jemand hätte, mit dem sie wieder lachen und scherzen könnte wie früher mit Fritz Born . . . und mit einem Male sah sie den treuen, lieben, guten Blick seiner Augen wieder vor sich, sah sein liebes, lachendes, übermütiges Gesicht — und unwillkürlich wandten sich ihre Augen nach der Fensternische, in der vorhin Fritz gestanden.
Ai. er die Rische war leer. Fritz hatte den Saal verkästen und hatte sich der Gruppe der jungen Herren zugesellt, die um die Erdbeerbowle saßen.
Traurig wandte sich Erika ab. Sie wußte, sie hatte einen treuen Freund verloren.
VI.
Fritz Born kämpfte mit sich einen schweren Kampf. Früher war ihm der Gedanke, daß er die Baronesse Erika von Hambach Waldstätten leidenschaftlich lieben könne, überhaupt nicht in den Sinn gekommen. Wohl war er sich bewußt, daß er Erika gern hatte und mit niemandem lieber plauderte, lachte und scherzte, aber an eine ernsthafte Leidenschaft hatte er nicht glauben können und wollen. Der gesellschaftliche Abstand zwischen ihm und Erika erschien ihm zu groß, als daß er die kühne Hoffnung hätte hegen können, Erikas Liebe zu gewinnen, und et war zu verständig, als daß er sich wieder einer hoffnungslosen Leidenschaft hingeben wollte.
Aber alle seine kühnen Ueberlegungen und Verstandesgründe hatten ihm nichts genützt, Als
derungen des Zentrums in bezug auf Kirche und Schule vor, wogegen Frhr. v. Zedlitz (freikonf.) darlegte, daß die katholische Kirche keinen begründeten Anlaß zu Beschwerden habe und die Neuorganisation des Ministeriums als Fortschritt anerkannte. Von nattonalliberaler Seite wurden vornehmlich Schul- sragen, Einheitsfchrift, Religionsunterricht, Diffi- ventenkinder und Fachaussicht besprochen. Dann vertagte das Haus die weitere Beratung bis Montag 11 Uhr. Außerdem: Etatsnotgefetz.
vuS ben R»mm$|fienen
Berlin, 16. April. Die' Wahlrechtskommission des Herrenhauses beschloß zwei Lesungen über die Wahlrechtsvorlaae vorzunehmen. Nach eingehender Debatte wurde Artikel 1 und von Artikel 2 die §§ 1 bis 4 in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen. Die weitere Beratung wurde aus Montag Vormittag vertagt.
Politische Umschau.
Hebungen des Beurlaubtenstandes
Zu den Hebungen des Beurlaubtenstandes werden in diesem Jahre bei ben 17 unter preußischer Verwaltung stehenden Armeekorps rund 357 000 Mann eingezogen. Es werden im ganzen 24 Reserve Infanterie-Regimenter und 17 Reserve Feldartillerie-Abteilungen' gebildet. Da bei den Feldarmeen heute die Zahl bet aktiven Mannschaften nur noch eine verhälMismäßig Keine im Verhältnis zur Gesamtstärke ausmacht, so nimmt bie Wichtigkeit ber Ausbildung des Be- urlanbtenstanbeS von Jahr zu Jahr zu. So sei mit erwähnt, daß Frankreich in diesem Jahre 670 000 Mannschaftern anS dem Beurlaubten- standc zu Uebimgeu einzieht.
Deutsches Reich.
— Das Kaiserpaar in Homburg. Homburg v. d. H., 17. April. Am Sonnabend begaben sich die Majestäten, Prinzessin Luise Vittoria und Gefolge mit Automobilen nach Sandplacken; von dort wurde ber große Feldberg zu Fuß erfliegen. Auf der Höhe des Berges wurde der Tee eingenommen und die großartige Rundsicht bewundert. Spüler erstiegen die Majestäten auch noch ben Aussichtötnrin. Der Abstieg wurde nach bem Roten Kreuz genommen und von dort bie Rückfahrt nach Homburg angetreten, woselbst bie Ankunft um 7 Uhr erfolgte. — Prinz Oskar ist beute morgen hier eingetroffen. Heute Vormittag nahm ber Hof au dem Gottesbienste in ber hiesigen Erlöserkirche teil. Daraus statteten bie Majestäten bem Ofsiziersheiui „Taunus" in Falkenstein einen Besuch ab. Heute Vormittag gegen fünf Uhr fuhren bie Majestäten, bet Prinz unb bie Prinzessin mit Gefolge mit Automobilen bis zur Saalburg unb schlossen daran einen Spaziergang über ben „Fröhlichen Mannskopf". — Die Rückkehr des Kaisers unb der Kaiserlichen Familie nach Berlin ist, wie die „Neue polittsche Corresponbenz„ meldet, auf den 10. Mai fegeseht.
— Graf Oriola f. Berlin, 17. April Reichs tagsabgeordneter Graf Oriola ist heute Nacht V/i Uhr gestorben. Er erlitt vor einigen Tagen einen Slraßenbahnunfall. ber anfangs sehr leichter Natur war. Nachträglich wurde er jedoch noch vom Schlage gerührt. Waldemar Graf Oriola, der 1854 in Bonn geboren' wurde, vertritt seit 1893 in nationalliberaler Richtung ben Wahlkreis Friedberg Bübingen. Er war auch Mitglieb ber
et sah, daß ein anderer Mann, den er nicht einmal hochschätzen und achten konnte, sich Erika näherte und das Interesse des jungen Mädchens zu wecken schien, so daß sie ihm, dem früheren Freund, kalt und gleichgültig gegenübertrat, da flammte seine Leidenschaft in Hellen Gluten empor, da wuchs seine Liebe von Tag zu Tag, bis sie alle seine Gedanken, all seine Träume erfüllte.
Wer war der belfere Mann — er ober Stanislaus Prokowsky? so fragte fein Stolz und seine Eigenliebe. War jener nicht ein Schmeichler, ein Kriecher, ein Heuchler, ein Lügner? Fritz war wohl ber einzige, ber mit bem burch Eifersucht geschärften Blick den wahren Eharakter Prokowskys erkannte, zumal er ihn ja auch in bet verfänglichen Gesellschaft bei rotblonden Dame in Alt- Heide gesehen hatte, das Gespräch bet beiben gehört und barauf auf bas Verhältnis Prokowkys zu ber blonben Schönen schließen konnte.
Unb imn wagte es biefer, feine Augen zu Erika, bem Inbegriff jungfräulicher, fast noch kinblicher Reinheit, zu erheben?
Des jungen ehrlichen Mannes Blut kochte, wenn er bie Heuchelei fah, mit ber Stanislaus alle zu umgarne» wußte — selbst ben Baton und den alle» Jnspcttor.
Sollte er diesen wenigstens die Augen über ben wahren Charakter Prokowskys öffnen? Sollte er ihnen fagen, in welcher vertrmilichen Siluatton er ihn mtt ber Dame in Altheide getroffen? _ ,, ,
War es nicht seine Pflicht, Erika von diese« Betrüger zu warnen?
, Aber dann sträubte sich wiche, ein Gefühl te
hessischen Kammer unb bes ProvinzialtageS bet Provinz Oberhessen.
— Die Wahltechtskommiffion de« Herren Hause«. Berlin, 17. April. Die Wahlrechtskommission des Herrenhauses wirb sich aus folgenden Mitgliedern zusammensetzen: Konservattve: Graf Behr-Behrenborff (Referent), v. Sybow, v. Buch, Dönhofl, Gras Botho Eulenburg (Vorsitzenber), Hillebrand, Freiherr v. Landsberg, v. Rlchthofen, Freiherr v. Schorlemer, v. Wedel Piesdorf, Graf Dort. Reue Ftaktton: Prinz Schoenaich, Holle, Graf Hutten-Czapski, Kirschner, Fürst Sich nowsky. Loening. Herzog von Trachenberg, Wall" taff. Die Kommission begann am Samstag mit der Beratung.
— Dic Beisetzung v. Frobens. Karlsruhe, 16. April. In Gegenwart des Großherzogs und des kommandierenden Generals bes 14. Armee korps, Freiherrn v. Hoiningen genannt Huene als Vertreter des Kaisers fand heute Vormittag 10% Ubr die Beisetzung des Arttlleriegenerals v. Fro- ben unter militärischen Ehren statt. Die Leiche wurde im Krematorium verbrannt.
— Ein Kolonialbeamtengesetz. Der Bundesrat erteilte in seiner heutigen Sitzung dem Entwurf eines Kolonialbeamtengesetzes seine Zustimmung.
— Die. BekLmpftmg de« Mädchenhandel«. Bei ber morgen tu Paris beginnenden Internationalen Konferenz zur Bekämpfung deS Mädchenhandels und ber Phornographie wirb Deutschland durch Geheimrat Lentze vom Auswärtigen Amt. Regiernngsrat Joel vom Reichs justizamt und Legationsrat von Mutius von bet hiesigen deutschen Botschaft vertreten fein.
— Die Reichsversichernngsordnung. Berlin, 17. April Der heute im „Rßeingold" tagende außerordentliche Aerztetag zur Besprechung deS Entwurfs zur Reichsversichernndgsordnung, auf dem 350 Vereine mit über 23000 Stimmen ber treten waren nahm mit allen gegen drei Stimmen ben Antrag des GeschäftSausschusscs au, In dem seftgestellt wird, baß die Bestimmungen des Entwurfs über die Ordnung de? kassenärztlichen Dienstes die feit langen Jahren erhobenen For berungen des deutschen Aerztevereinsbunbes unberücksichtigt lassen und der Geschästsausschuß be- auftragt wirb, bem Reichstage sofort bie von ihm als unbedingt notwendig erkannten Abänderungen des Entwurfs mit Begründung zur Berücksichtigung zu unterbreiten.
Ausland.
** Roosevelt in Wien Wien, 17. April. Tn päpstliche Nuntius stattete gestern Theodore Roosevelt einen halbstündige» Besuch ab. — Gestern Abend war beim Kaiser in Schönbrunn Tafel, zu der unter anderem Roosevelt mit feinem Sohne, ber amerikanische Botschafter in Wien, Kerens, ber östereich sch ungarische Botschafter in Washington, Hengelmnller, Ministerpräsident von Bienerth unb Gras von Aehrenthal geladen waren. Roosevelt ist heute nach Pretzburg gereift.
*♦ Bom Seemannsstreik in Marseille. Marseille, 17. April. Der Präfekt erklärte, da bie Ordnung wiederhergestellt sei, werde er eine Abordnung ber eingeschriebenen Seeleute -rn sangen, jeboch unter bet Bedingung ^aß sie sich ans solchen Mitgliedern zusammenletze, die nicht Gegenstand einer Beschwerde oder der gerichtlichen Verhandlung sind. — Eine Besprechung der ansstän-
ihm dagegen, den Angeber zu machen, vielleicht als Spion als Verleumder zu erscheinen.
Was konnte er denn auch sagen? — Daß et Stanislaus mit »Inet Dame ans bet Kurhausterrasse in Altheide gesehen — weiter nichts. Genügte bas, um feine ehrenhafte Gesinnung zu verdächtigen?
Gewiß nicht.
Wie leicht würde es Prokowsky werben, ben Vorgang ganz harmlos barzustellen. Unb in welchem Lichte würde bann er selbst erscheinen?
Rein, et mußte schweigend zusehen, wie sich Stanislaus von Tag zu Tag mehr in bie Gunst ber Familie einschlich und von Tag zu Tag in ein vertrau! ches Verhältnis zu Erika trat, bie schon mit ihm allein ausritt unb fast jeden Abend mit ihm musizierte.
Aber mußte Fritz denn dies alles mit an- sehen? War et so schwach, daß et sich nicht losteißen konnte?
Trotzig richtete er sich empor, und rasch, wie et in allen seinen Entschlüssen war, ließ er sich bei dem Baron melden, um diesen um seine Entlassung zu bitten.
Erstaunt sah dieser ihn an.
„Habe ich recht verstanden, Herr Born — Sie wollen uns verlassen?"
„Ja, Herr Baron," wat bie trotzige Antwort. „Zum ersten Oktober bitte ich um meine Entlassung - btt ich aber jetzt schon meine Reserve- Übung auirctcn muß, so werden Herr Baron mich jetzt wohl schon enüossen. Es ist ja nut noch vierzehn Tage bis zum Antritt meiner Uebimg." .
(Fortsetzung folgt.)