mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
wnb den Beilagen: „Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und ^andwirtschaftttche Beilage.«
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Tie „Ldertzeütji9e Zeitung" cr.qeinl täglich mit Aufnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 225 <H (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungSstellcn und der Expedition (Markt 21), 2 ’<X.
Sonntag, 17. April 1910.
Die Jnsertio««gebLhr beträgt für die 7gespaltene Zerle oder deren R«un 15 Pfennige, für Reklamen BO Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Lr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Zweites Blatt.
Preßstimmen über die letzten Wahlrechts- demonsttationen.
Die Wahlrechtsdemonstrationen am letzte» Sonntage geben den Organen der verschiedensten Parteirichtungen Stoff zu eingehenden Betrach- Angen. So verössentlicht die „Kons/ Korresp.« eine parteioffiziöse Erklärung, in der es u. a. aussührt: „Mit ernster Sorge sehen die preußischen Patrioten der weiteren Entwicklung der Dinge entgegen, die sich in letzter Zeit aus Anlaß der sogenannten Wahlrechtsdemonstrationen an- bahnt. Die Staatsbehörden scheinen darüber schwankend geworden zu sein, was sie unter einer »Gefährdung der öffentlichen Sicherheit« in Bezug auf Bersamlungen unter freiem Hinnnel und Straßenauszüge von 50- bis 100 000 Personen zu verstehen haben und sie scheinen zu fürchten, daß sie durch Versagen der Genehmigung hierzu gegen die betreffenden Bestintntungen des Reichs- dereinsgesetzcs verstoßen. Wenn die Bestimmungen des neuen Vereinsgesetzes gegenüber solchen Vorkommnissen für nicht ausreichend erklär! werden sollten, dann würden wir allerdings bedauern müssen, daß die rechtsstehenden Parteien des Reichstages sich vor zwei Jahren unter den damaligen politischen Verhältnissen dem Wunsche der Regierung aus Modernisierung unseres alten preußischen Vereins- und Versammlungsrechtes gefügt haben.«
„Die „Deutsche Tagesztg.« meint: „Wer sich nunntehr für die Zukunft beruhigen wollte, der würde eine beklagenswerte Kurzsichtigkeit beweisen. Was in Berlin und anderwärts getan wurde, das lvar nur Vorbereitung, nur ein Einexerzieren der Massen, darüber darf man sich nickt täuschen. Die Losung muß nach wie vor tollten: Bereit sein für alles l«
Auch der „Reichsbote« betrachtet die Lage als recht schlimm. Er schreibt: „Die Sozialdemokratie steht auf dem Gipfel ihrer Macht. Millionen von Arbeitern folgen ihren Anordnungen und Befehlen; auf ihr Kommando wurden gestern in allen Großstädten Demonstrationsversammlungen zur Einführung des Reichstagswahlrechts für die preußischen Landtagswahlen gehalten. Sie ist mit ihrer alle Verhältnisse umfassenden Organisation ein Staat im Staat geworden, und die Staatsgewalt fängt an, wie der Vorgang ds Berliner Polizeipräsidenten zeigt, vor ihrer agitatorischen Macht den Rückzug anzutreten.«
Die „Köln. Ztg.« schreibt beruhigend: „Die Disziplin, die von den sozialdemokratischen und deniokratischen Massen an den Tag gelegt worden ist, ihre willenlose Nachgiebigkeit unter dem Zügel der Führer, ist auf der einen Seite ein« ernst zu nehmende Sache. Denn Disziplin verbürgt Macht, wie das Meisterbeispiel der deutschen Armee aller Welt ost gezeigt hat. Auf der anderen Seite ist aber diese Disziplin der Massen erfreulicher und für das Staatswesen weit weniger bedenklich als zuchtlose Leidenschaft. Denn die schlimmsten Verheerungen im Verlaufe der Welt-
11 (Nachdruck verboten.)
Um Ehre und Recht.
i ' Roman von O. Elfter. j’ tstorliktzung.)
Mit Gewalt wollte sie sich dem Zauber dieser Töne entreißen und ritt hinaus auf das Feld. Sie sah Fritz Born von weitem. Sie kühlte sich ihm gegenüber schuldig, hatte sie ihn doch jüngst so hochmttttg behandelt. Sie wollte zu ihm retten und ihm ein freundliches Wort sagen; sie hatten sich ja auch früher schon gezanft und wieder ver- tragen.
Aber als sie ihm gegenüber hieft und er in der Erinnerung an die jüngste Abwechflung in förmlich ehrerbietiger Weise grüßte, da vermochte sie das freundliche Wort, das alle MißverMnd- nisse besetttgt haben würde, nicht zu finden, und steif und förmlich fragte sie:
„Sind Sie jetzt mit der Heuernte zu Ende, Herr Born?«
„Jawohl, gnädiges Fräulein,« entgegnet« er ebenso steif.
„Und fangen nun recht bald mit de« Roggen- mähen an?«
„Ja — nächste Woche.«
Sie sahen sich beide so feindlich-trotzig an, als »b sie die bittersten Worte gewechselt hätten. Keiner konnte das rechte Wort finden und jeher wartete aus das Bersöhnungswort des andern.«
.Als das Schweigen zu lange dauerte, nickt« Erika steif mit dem Kopfe und sagte nur: „Adieu, Herr Born . . .* und er sagte auch nur: „Adieu, gnädiges Fräulein . . .« und dann ritt Erika langsam fort und Fritz Born setzte seinem Rap- den die Hacken in die Flanken, daß dieser erschreckt M die Höhe stieg und dann in wilde» Galopp stavonsauste.
DaS BersöhnungSwerk war gescheitert, und
geschickte sind nicht unter dem starken Zepter eines klaren Willens von folgsamen Heerhausen, sondern von der bfinden Unvernunft der aus ihren Ufern getretenen Volksmengen angerichtet worden.«
Die „Leipziger Neuesten Nachrichten« aber bedauern doch, daß die Massen nicht anderen Idealen zugesührt werden können: „In diesen schweigsamen Maflenspaziergäugen wird der re- voluttouärc Charakter der Bewegung sorgsam und geschickt verhüllt, wird sie in ein harmlos bürgerliches Friedensgewand gekleidet und gerade hierdurch die Elemente, die auf den Schein, nicht aber auf das Wescu einer Sache blicken, in gesteigertem Maße zu sich heranziehen. Die Sozialdemokratie ist durch diese jüugsten Vorgänge in der Tat ein gutes Stück vorwärts gekommen, sie wächst sozusagen unter der gärtnerischen Pflege der hohen Obrigkeit empor. Aber noch ein anderes Gefühl muß der Anblick dieser schweigsam dahin- ziehenden Massen erwecken: Das Gefühl des Bedauerns, daß der in einem großen Teil zweifellos vorhandene Idealismus, der selbst die bei allen Massenveranstaltungen so oft vorhandene Freude am Radau besiegt, keinem anderen Ziele zugelenkt wird.«
Endlich meint das sozialdemokrattsche Zentralorgan „Der Vorwärts«: „...Die Massen sind auf den weiteren Kampf gerüstet. Sie sind zum Ausharren entschlossen! Sie wissen, daß selbst nach der endgültigen Verabschiedung des Gesetzes der Kampf nicht zu Ende geht, sondern nur in ein neues Stadium tritt. Sie wissen, daß es gilt, die Massen aufzuklären, aufzurütteln, auf daß auch sie sich in Reih und Glied einfügen und die Stoßkraft des Sturmblocks vermehren, der unablässig Mauern und Tore der preußischen Zwingburg öerennen wird! Richt zum letzten Male ist am Sonntag das Volk auf dem Plane erschienen. Es wird wieder und wieder kommen, immer massenhafter, immer unwiderstehlicher! Und wie es sein Versammlungsrecht erobert hat, so wird es auch fein volles, ungeschmälertes Bürgerrecht erzwingen!«
Politische Umschau.
Von der Inneren Mission.
Die Unsumme von Liebesarbeit, die in den Anstalten der Inneren Mission geleist.t wird, geht u. a. aus einem Spezialbeispiel, das wir dem 27. Jahresbericht der Epileptischen Anstalt Carlshof in Ostpreußen entnehmen, hervor. In demselben berichtet der Anstatlsvorsteher Pfarrer D. Dr. Dembowski, daß in der Anstalt in einem Jahre unter den Epileptikern 39 451 schwer« und 39 919 leichtere, d. h. zusammen 79 370 epileptische Anfälle gezählt wurden, sodaß deren aus jeden Tag zirka 217 fielen. Da die Zahl der Epileptischen täglich durchschnittlich 760 betrug, so kamen aus den Einzelnen Kranken etwa alle 3% Tage ein Anfall. Manche Pfleglinge werden natürlich Wochen- ja monatelang von Anfällen verschont, manche lvurden dagegen mehrmals niedergeworfen, ja es kam sogar vor, daß ein Krank"! innerhalb 24 Stunden von einer wahren Flut von Anfällen bis zu 200, ja bis zu 300 überfallen wurde.
toi: das gewöhnlich so geht, wenn zwei, die sich gern haben, das erste Wort nicht finden können, so erweiterte sich die Kluft immer mehr zwischen ihnen und Erika versenkte sich immer tiefer in die Träumereien, die die Melodien der Geige in ihrer Seele geweckt hatten, während Fritz Born in das Wirtshaus zum weißen Roß ging, um mit dem Revierförster und dem Schullehrer Skat zu spielen.
Roch einmal kamen sie sich nahe. Das war an Erikas achtzehntem Geburtstage, der festlich begangen wurde. "Verschiedene Gutsbesitzerfamilien ans der Nachbarschaft lvaren eingeladen, die mit ihren Töcktern gekommen waren. Auch Inspektor Grupe mit Fran und Tockter waren geladen, und Fritz Born und natürlich Stanislaus, der jetzt schon eine bevorzugte Stellung in dem Hause des Barons einnahm.
ES wurde musiziert und Stanislaus spielte wieder zum Entzücken aller alten und jungen Damen. Alle fanden ihn äußerst interessant und sehr vornehm in seinem modernen Smoking aus sehend.
„Gar nicht wie ein Landwirt, sondern wie ein Künstler,« flüsterte Irene von Hartstein Erika zu. „Ich muß immer an Sarasate denken, den ich einmal in Berlin hab« spielen hören. Rur daß Herr von Prokowskh wett jünger und hübscher ist.«
Stanislaus sah in bet Tat auch sehr gut aus. Sein blasses Gesicht hatte bei dem Aufenthalt auf dem Lande eine frischer« Farbe erhalten, wenn es auch bei weitem noch nicht jene blühende Gesundheit zeigte, als das hübsche Gestot Fritz Borns. Sein« schlank. Gestalt sah in dem schwarzen Smoking ordentlich vornehm cmS und unterschied sich vorteilhaft von den Gestalten einiger dicker Landjunker.
Zmn erstenmal« verglich Erika ferne Erschei-
Die stille und geduldige Arbett der Brüder, welche die Kranken pflegen, ist hierbei geradezu bewnn- bernswert und offenbart die Kraft des Ehristen- tums, die solche Lieb« und Geduld überhaupt ermöglicht. ES wäre schön, wenn sich für diese Arbeit an den Kranken und Elenden immer mehr Kräfte zur Verfügung stellten. Die einzelnen Brüderanstalten, deren Adressen durch den Zentral Ausschuß für Innere Mission in Berlin- Dahlem (Post Groß-Lichterfelve West), Alten- steinstraße 51, zu erfahren find, werden gern Auskunft über die Ausbildung erteilen.
Bautenkontrolle.
Mit der außerterminlichen Ueberwachung bet Bauausführungen namentlich in Bezug auf die Befolgung der bestehenden Arbeiterschutzvorschrif- ten beschäftigt sich ein neuerdings ergangener Erlaß der beteiligten preußischen Minister, in dem auf die Bedeutung einer ordnungsmäßigen Baukontrolle wiederholt hingewiesen wird. Der Erlaß erkennt an, daß dem Schutze der bei den Tauten beschäftigten Arbeiter von den Polizeibehörden jetzt mehr Aufmerksamkeit zugewendet wird als bisher und daß die in den einzelnen Gemeinden in dieser Beziehung getroffenen Ein richtuugen besonders vorbildlich und anerkennens, wert find. Er stellt zugleich aber fest, daß in einet beträchtlichen Anzahl anderer, selbst größerer Ge- meiitden die polizeiliche Fürsorge auf diesem Gebiete noch nicht ausreichend anzuerkennen ist. Die Regierungspräsidenten sind angewiesen, überall da, wo es nach Lage der Verhältnisse notwendig erscheint, mit allem Nachdruck auf eine Vermehrung des technisch vorgebildeten Aufsichts- Personals hinzuwirken. Es soll dahin gestrebt werden, daß überall, und zwar auch in den kleineren Gemeinden und Polizeibezirke», eine ausreichende technische Mitwirkung bei den Geschäften der Baupolizei und namentlich eine aus- reickcnde Kontrolle der Einhaltung der Arbeiterschutzvorschrift durch die Anstellung von besondere» technischen Beamten erreicht wird. Di« Minister erwarten Bericht, was auf ihre Auord- nungen hin in den einzelnen Bezirken geschehen ist.
Deutsches Reich.
— Deutscher Aerztetag. Auf Beschluß deS Geschästsausschusses des Deutschen Aerztevereins- bundes vom 3. ds. wird ein außerordentlicher Aerztetag am Sonntag, den 17. April, in Berlin abaehalten werden mit der Tagesordnung: Stellungnahme zu dem neuen Entwürfe einer Reichsversicherungsordnung.
— Die deutschen evangelischen Arbeitervereine. Die Delegiertentagung des Gesamtverban- des der evangelischen Arbeitervereine Deutschlands beginnt am Pfingstdienstag, den 17. Mai, nachmittags %4 Uhr, in Elberfeld mit einer Ausschußsitzung. Die Plenarverhandlungen werden am Mittivoch und Donnerstag abgehalten.
Ausland.
** Die australische Armee. Die militärische Inspektionsreise des Feldmarschalls Viscount
nung mit der Fritz Borns, und sie mußte sich gestehen, daß dieser Vergleich zu nngunsten des letzteren ausfiel, der durchaus keine Salonerscheinung lvar. Für ihn paßte ein flotter Jagdanzug ober die kurze Husarenattilla besser als der Frackanzug, in den er seine kräftige Gestalt ge- zwängt hatte.
Dennoch fchlich sich ein Gefühl des Mitleids mit dem armen Fritz in Erikas Herz. Wie verlassen stand er da in der Fensternische und drehte den Chapeau clagne in den in weißen Glacehandschuhen steckenden Händen rastlos herum. Und tote finster er in das gesellschaftliche Treiben blickte, an dem er doch sonst bei allen Gutsbesitzern der Umgegend gern gesehen und beliebt, mochten sie nun einen adligen Namen führen ober dem einfachen Bürgerstande angehören.
Aber deute drängte sich ja alles um Stanislaus Prokowskh, mit Ausnahme einiger jüngeren Herren, welche im Nebenzimmer sich um eine Erdbeerbowle gruppiert hatten und auf den Beginn des Tanzes warteten.
Sollte sie zu ihm gehen und ihm ein gute« Wort sagen? Bei früheren Gelegenheiten hatte er sie stets am Tage vorher um diesen oder jenen Tanz gebeten — und er war ein flotter, guter Tänzer — Erika lächelte sogar in der Erinnerung an diese früheren fröhlichen Stunden harmloser Lustigkeit.
Sie sah zu ihm hinüber — sein Blick begegnete ihrem Auge —, es lag etwas wie eine stumme Bitte in seinem Blick, sie lächelte, da leuchtete es in seinem Ange auf, und schon wollte sie an seine Seite eilen, um ihm lachend zu sagen: „Nun sind wir doch wieder gute Freund« — und ich hab« ihnen einen Tanz aufgehoben . . .«, alS ihr« Mutter zu ihr trat und sagte:
„Lieber Kind, man bittet dich, mit Herrn vo» Prokowskh das Ehopinsche Notturno $» spiele».
Kitchener in Austrafien ist beendet. Lord Kitchener ist am 7. d. M. in San Francisco eingetroffen und dort, auf besondere Weisung von Washington, mit den üblichen Ehrungen empfangen worden. Aus dem Bericht über seine Inspektionsreise bringen Rewyorker Blätter schon jetzt eitrige Feststellungen, die natürlich mit Vorsicht ausgenommen werden müssen. Danach soll Lord Rtt- chener auf Grund seiner Beobachtungen und Untersuchungen zu dem Ergebnis gelangt fein, daß die militärischen Streitkräfte des australischen Staatenbuudes nach Zahl, Ausbildung und Organisation durchaus unzureichend find, und daß es namentlich an Kriegsgerät aller Art, besonders auch an Geschütz- und Gewehrmunition zur Verteidigung fehlt. Lord Kitchener soll ferner in diesem Bericht erfiären, daß Australien ein stehendes Heer von mindestens 80 000 Mann unterhalten müsse. Auch soll er einen früheren Vorschlag des Feldmarfchalls Lord Roberts bezüglich der Errichtung einer Kriegsschule für Ausbildungszwecke seinerseits ausgenommen haben.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller CnginalartiM ist gemäß § 18 de« Urheberrechts nut mit bet deutlichen Quellenangabe
„Oberhess Ztg.« gestattet.)
Marburg, 16. April.
* Postalische Neuerungen zur Beschleunigung de» Schalterverkehrs. Als Folge der im Januar d. I. im Reichs-Postamt in Berlin mit Vertretern oon Handel, Gewerbe und Landwir,schäft abgehaltenen Besprechungen über Fragen des Postdienstes treten bei der Postverwaliung mehrere Neuerungen in Kraft, die eine Mitwirkung des Publikums zur Beschleunigung der Abfertigung an den Postschaltern bezwecken. So wird für di« Versendung von Karten und Paketen mit Nachnahme im inneren deutschen Verkehr die Benutzung von Nachmahrnekarten und Paketadressen mit anhängender, vom Absender vorzuschreibender Postanwe>ping zugelassen. Beim Aus» füllen der Postanweisung ist zu beachten, daß bet Nachmahinebetrag am den Sei rag der Postanwei- sungsgebühr gekürzt werden n.ust Der Absender ist nun in der Lage, seine Vuchungsverinerke selbst anzugeben, sodaß Weiterungen infolge Weglassens oder undeutlicher Niederschrift fettens der bisher bte Postanweisungen ausfertigenden Postbeamten fortan aushören werden. Die Formulare zu den Nachmahme» karten und Rachnahrnepaketadrcsfeii werden auf §eOk braunem .Kartonpapier Hergestelli und von allen Postanstalten zum Preise von 5 Psg. für 10 Stück 'vom 1. Juli ab verkauft. <E» ist aber auch gestarrt, beide Formulare durch die Pr-oatindustric hersteid-n zu lassen und schon jetzt zu verwenden. Die von d« Privatindustrie gefertigten Formulare müssen InM» in Größe, Form, Vordruck, Stärke unb Farbe de» Papiers benau den amtlichen Formularen entsprechen. Richt vorschrisisniäßig» Jorru.-ckarck werden von den Postanstatten z.:r3ckzew>elen. Musterformu. lare können bei den Postanstal t* eingesehen und von Interessenten lvstensret' ‘tgoter. werden. Die Benutzung der neuen Formulare rotib ort läufig in bas Belieben bet Absender gestellt. Vom 1. Januar
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was ihr ja schon einige Male zusammen gespielt habt.« ;
Sie schrak förmlich zusammen. i
„Ich tonn nickt, Mama . . .« wehrte sie ai. Aber da trat Ihre Exzellenz die Fran Gräfin von Hennersdorf auf sie zu und sagt« in liebens» würdigstem Tone: „Sie würden uns allen einen großen Gefallen tun. wen» S>r das Notturno fpielen wollten. Herr vor. V okrdrsky versicherte mir, daß Cie es ganz au»ge». atmet spielen.«
Gegen den Wunsch Ihrer Erz-neu» war nichts zu machen. Ihre Exzellenz - sie war Oberhofmeisterin an einem herzoglichen Hose gewesen — gebot in diesem Kreise mit unumschränkter Gewalt und gegen ihren Willen gab eS keine« W'lderspruch.
Wie ein Schlachtspfer ließ sich Erika zu dem Flügel führen, an dem schon Stanislaus mit seiner Geige stand.
„Ich kann nicht spielen,« flüsterte st« und faß wie hilfeflehend zu ihm auf.
Da begegnete sie einem sehr traurigen Blicke aus feinen dunklen Augen, und sie et» schauerte wie bas Vöglein unter dem Blick der Schlangenaugen. •
„Mut, Fräulein Erika,« sagte er leise. „Sie spielen das Notturno vorzüglich, unb Sie werden sich boch nicht vor diesen Leuten fürchten, die vo» Musik so gut tote nichts verstehen? Spielen Sie, als wenn Sie ganz allein auf der Welt wären.«
Und mit einem kühnen Strich ließ er bei Bogen übet bie Saiten gleiten, daß eS wie ehi jauchzender Aufschrei einer von langer Qual befreiten Seele klang.
Dieser jmtchzende Stoffebtei weckte ein Ecko t» bet Seele ErikaS. Sie fühlt« sich wieder ganz t» der Macht diese« Zauberkünstlers, bet feine eigen« Begeisterung ihrer Seele suggeriere» zu könne» toten (Fortsetzung folgt) J