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Preußischer Landtag. Am Abgeordneteubause

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Sitzung vom 14. April.

Als erster Punkt war die nationalliberale Inter­pellation wegen des Mülbeimer Eifen6ghnunalücks auf di« Tagesordnung gesetzt. Unterstaatssekretär

Aus den Parlamenten.

Deutsche« Reichstag.

sie in der Stille der Nacht nur noch zauberischer, noch süßer, noch weicher, lockend und klagend zu­gleich . . . Erika wußte daß diese Töne ihr gal­ten, und sie legte die Stirn auf den Arm, der auf dem Fenstersims ruhte, und brach in heftiges Schluchzen aus.

V.

Stanislaus verfolgte seinen Zweck mit gro­ßem Geschick. Bei den Damen war er der em­pfindsame, etwas schwermütige Künstler, an dem ein geheimer Schmerz zu nagen schien, bei den Herren, namentlich dem Baron gegenüber, zeigte er großes Interesse für die Landwirtschaft und spielte sich als Pferdekenner und tüchtiger Rei­ter auf. Trotzdem er bei dem Besteigen des Pferdes stets ein Gefühl der Furcht empfand, so unterdrückte er dieses doch mit aller Gewalt, und ivenn er auch nicht der flotte, kecke Reiter war wie Fritz Born, und nicht die Schulung des Barons in der Reitkunst besaß, so machte er doch im Sattel dank seiner schlanke» Gestalt eine ganz gute Figur und wußte schlau etwaige Schwierig­keiten zu umgeben. Der Baron, der an seinen guten Willen glaubte, entschuldigte seine Unge­schicklichkeiten und anfSnaliche Zaabaftigkeit, er gab ihm ein Pferd, welches tadellos zugeritten und dabei fromm wie ein Lamm war und alles von selbst ohne große Hilfe seitens des Retters machte, so daß Stanislaus nach einiger Zeit eine gewisse Sicherheit gewann und sich selbst für einen tüchtigen Reiter hielt.

Auch seinen Abscheu gegen die lantwirtschast- lichen Arbeiten wußte er gut zu verbergen: er hatte sich ein bequeme« und elegantes Jagd­kostüm mit hoben Stiefeln machen lassen, in dem er nun stolz und hochmütig gegen sedermann, mit Ausnahme des Barons und seiner Familie und

Eine Rede des Reichskanzlers.

Berlin, 14. April. Bei dem gestrigen Fest­mahle deS Deutschen Handelstages ergriff nach dem Kaisertoast des Präsidenten Kämpf der ReichskanM das Wort zu folgenden Ausfüh- rungen:Meine Herren! Für die freundliche Einladung, die mir von feiten des Präsidium- des Deutschen Handelstages geworden, bitte ich, den herzlichsten Dank entgegenzunehmen und wenn ich an die beredten Worte, die Ihr Herr Vorsitzender soeben an die versammelte Tafel- runde gerichtet hat mit einem persönlichen Worte anküpfen darf, so soll es der Wunsch sein, daß eS denl Deutschen Handelstag noch recht lange ver­gönnt sein möge, seinen Präsidenten als dar Vorbild gemeinnützigen Wirkens an seiner Spitze zu sehen. (Beifall.) Die Bedeutung deS Deut- schen Handelstages für unser wirtschaftliches Le­ben wird durch die bald 50jährige Tätigkeit er­wiesen,, die er entfaltet hat, schärfer vielleicht noch durch den Aufschwung, den Handel, Industrie und Schisfahrt während dieses Zeitraumes genommen haben. Die Verhandlungen und Beschlüsse deS Deutschen Handelstages können, wie Ihr Vor­sitzender soeben ausgeführt hat, dem Geschichts­schreiber ein Spiegelbild von dem Gange bieten, den unsere innere und äußere Politik gewandelt ist, so sehr bildet das Gedeihen der von Ihnen, Meine Herren, vertretenen Interessen die Grund­lage unseres staatlichen Lebens im Inneren und Aeußere». Hand in Hand mit der Entsaltung un­seres inneren Marktes ist die gewaltige Erwei­terung unseres Exportes gegangen und es ist da­mit, wie ich schon einmal an einer anderen Stell« es ausgesprochen hab«, die Pflege unserer auS- kändischen Wirtschastsinteressen zu einer der wich­tigsten Aufgaben unserer auswärtigen Politik ge- worden. (Bravo.) Sie selbst, mein« Herren, könne« es aber auch am Zuverlässigsten beur- teilen, wie diese Aufgabe mit sedem Tage kompli­zierter und vielseitiger geworden ist, se mehr für alle Vötter die Wirtschaftsfragen zu Weltfragen geworden sind. Und was dabei staatlicher Schutz niemals ersetzen kann, daß ist die OrganffationS- kraft und die Letstungsfäh'gkeit unserer Industrie, die Rührigkeit und Zuverlässigkeit unserer Kauf- mannschast und der Wagemut und Spürsinn ihrer Pioniere. Diese Eigenschaften in hartem Wettbewerb bewährt zu haben, ist der Ruhm un­seres Handels und unserer Industrie. Ihne« derdanken Sie ihren Ausstieg. (Beifall.) In der Zuversicht, daß diese Kräfte auch künftig in un­serem Volke wirksam sein werden, erhebe ich mein Gas auf das Gedeihen von DeUsschlandS Händel »wb Industrie. Ich bitte Sie. einzustimmen in öen Ruf:Der Deutsche Handelstag, er lebe hoch!" (Lebhafter Beifall.)

Der heutigen Rümmer liegt bei Kreisblatt Nr. 31.

(Nachdruck verboten.)

Um Ebre und Recht.

Roman von O. Elster.

(Rortkbung.l

Vergebens preßte sie den Kopf in die Kissen, hörte die klagenden Töne, vergebens drückte beide Hände auf die Augen, sie sah doch daS

Politische Umschau.

vom deutschen Handelst»««.

Berlin, 14. April. An dem heutigen zweit«« Sitzungstage nahm der Deutsche Handelstag ein­stimmig eine von dem Geh. Kommerzienrat Vogel-Chemnitz begründete Erklärung an, in wel­cher er sich gegen die Beseittgung der Pauschge« bühren im Telephonverkehr ausspricht. Daraus erstattete Generalsekretär Dr. Soetbeer ein ein­gehendes Referat, in welcher er dem Handelsta« empfahl eine Erklärung betreffend die Abänder­ung der Gewerbeordnung abzugeben, in welcher der Deussche Handelstag davor warnt, daß di« Regierung zu weit darin gehe, anstelle des Freien Vertrages zwischen Arbeiter und Unternehmer den Zwang des Gesetzes treten zu lassen. Fern« sprach sich der Deutsche Handlstag in einer Reso­lution dafür auS, eine Auskunstsstelle für be« Außenhandel auf Reichskosten zu errichten, bi« auch von bent Reiche zu verwalten wäre. Nach­dem dann noch die Wahlen zu dem Ausschuß be< Deutschem Handelstages vorgenommen Ware«, wurde die diessährige Versammlung geschlossen. Heute Abend werden die Mitglieder einen Vor­trag des Staatssekretärs Dernburg über Baum- wollfragen hören.

Strllenvermittlungsgesetz.

. Die Kommission des Reichstages sür daß Stellenvermittlungsgesetz hat die erste Lesung bei Entwurfs beendet; die zweite Lesung beginnt am 20. April. Es wurde beschlossen, den LandeS- zentralbehörden bie Befugnis zu erteilen, üb« das, Stellenvermittlungsgesetz hinauSgehende Be­stimmungen über den Geschäftsbetrieb der Ver­mittler zu erlassen. Der § 6 des Entwurfs wurde mit einem Zusatz angenommen, der ausspricht, daß. wenn einem Stellenvermittler der Geschäfts­betrieb untersagt wird, diese Untersagung für dal ganze Gebiet des Deusschen Reiches gilt. Den Trägem der öffentlichen Arbeitsnachweise Wich ausdrücklich das Recht eingeräumt, Antrag auf Entziehung der Konzession zu stellen. Entzieh­ungsbescheide der Bebördm können im Verwal- tungsstreiwcrfahren angefochten werden.

Im 8 9 wird eine Strafe von 600 M dem­jenigen angedroht, der im Gesetze verbotene Ver- gütungen annimmt oder gewährt, sodann Per­sonen, die Arbeitgeber oder Arbeitnehmer zum Bruche eines eingegangenen Arbeitsvertrages verleiten.

§ 10, der wettere detaillierte Strafbestimmun­gen enthält, wird unverändert angenommen^ ebenso § 11 und § 12. welcher den Landesbehör- den das Recht gibt, die Aufsicht auch auf die nicht gewerbsmäßige Stellenvermittlung auszudehnen. Die Sozialdemokraten wollten hiechon die Ar­beitsnachweise der Gewerffchaften ausgenommen sehen. Dem wurde entgegengehalten, daß beim auch bie Arbeitsnachweise bet Unternehmer aus- zunehme« seien, und ein Teil der Zweckbeftink- mung dS Gesetzes hinfällig würde. Der Antrag

mit dem

unb den Beilagen: ,Iach Feierabend«

Marburg

Sonnade»-, 16. April 1910,

sie

blasse, schwermütige, von dunklen Haaren um­rahmte Gesicht des Spieler- und fühlt« seine dunklen Augen in faszinierendem Glanze auf sich

klang, und wandte sich ab, um im Dorfwirt-bau- mit dem Revierförster und dem Schulmeister einen Skat zu spielen.

Da haben wir-," sagte Grupe mit edlem kleinen, boshaften Lächeln.Er ist verftebt t« die Baronesse gewesen und jetzt ist er eifersüchtig und sitzt jeden Abend im MrtshauS. DaS kommt davon." , i

Ja. das kommt davon." bemerke Fräulein Tina Grupe bissig,wenn man immer höher hin­aus will, als sich gebührt. Hochmut kommt vor dem Fall. Unsere Gesellschaft paßt ihm ja natür- lich nicht." '

Ra, lachte der Jnspeftor,daS kann ich ihm nun gerade nicht verdenken. Du bist doch ein bischen zu alt für ihn."

Weshalb mußt du immer auf mein Alt« «»spielen, Papak" Solche geschmacklosen Acußerungen macht Herr von Prokowsky «ie- mals."

Run ja, jeder hat seinen eigenen Geschmack," brummte der Inspektor und stopfte sich gleich­mütig eine neue Pfeife.

Und Erika?

Sie befand sich in einer sehr selffamen Sttm- mung, daß sie sich selbst kaum wiedererkannte. Nachdem sie ProkowskyS Geigenspiel gehört, ging sie tagelang wie im Traume umher; tagelang klangen ibr die Weichen Töne in das Ohr und er­füllten chr Her, mtt ein« unbestimmten Weh­mut, die sie sich selbst nicht zu erklären wußte. Und jeden Abend, jede Rächt ertönte die Geige von neuem und jede Rächt saß sie an dem offenen Fenst« und lauschte diesen Weichen Tönen, bie sich in ihr Herz schmeichelten und Gedanken und Stimmungen in ihrer Seele lösten, die sie bislang noch nicht gekannt hatte, (Fortsetzung folgt.)

-t;.. , Oderk-e irische Zertaug" er;äieint täglich mit Ausnahme der Se-m« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt iriertel- jäbriich durch die Post bezogen 2 25 M (ohne Bestellgeld), be: unseren Zeiiungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 2 M.

des Inspektors Grupe sowie dessen Frau und Tochter, auf den Wiesen umherstolzierte.

So erreichte er seinen Zweck. Die Damen warett°: von ihm entzückt, Fräulein Tine Grupe vergötterte ihn sogar, was Je durch schmachtende Augenaufschläge und aufMende Toiletten aus­drückte, und der Baron meinte, daß aus dem jungen Manne noch einmal ein tüchttg« Land­wirt werden könnte. Selbst d« alte Jnspettor Grupe ließ sich täuschen und -behandelte den neuen Volontär mit großer Höflichkeit, da ihm sein« Frau und seine Tochter anbeuteten, baß Herr von Prokowsky gegen Fräulein Tina von ausge­suchtester Arttgkeit fei und man nicht wissen könne, was sich noch einmal daraus entwickelte.

Der gute, ehrliche Inspektor war eine zu ge­rade Natur, als daß er an dem guten Willen und an der Aufrichttgkett e'nes Mensche«, der ihm freundlich «Mgegenkam, zweifeln konnte.

Nur einer aus dem ganzen Hofe vermochte mit Stanislaus keine Freundschaft zu schließen. Fritz Born, der seit dem Erscheinen des neuen Volontärs ganz umgewandelt schien. Er war mißmutig und übeflaunig.

Sie gönnen ihm Wohl nicht, daß er jetzt mtt der Baronesse Erika spazieren reitet?" spottete b« alte Inspektor, worauf Fritz Born heftig auffuhr und fragte, ob der Herr Jnspettor ihn für verrückt halte.

Das gerade nicht," entgegnete dies« lakonisch Aber für gewissermaßen futterneidisch, wie man das bei Pferden nennt. Ja, wenn Sie auch so schön Violine spielen könnten wie der Herr Stanislaus! Aber Sie können ja kaum 'ne Vio- line von einer Wagenrunge unterscheiden."

Fritz Born brummte etwa-, waS nicht gerade Wie eine Schmeichelei für be« (Uten Inspektor

Dauer der Ausschließung ober Ausweisung eine Ab- timmung über Gesetzesvorlagen, bei der die Stimme »es abwesenden Abgeordneten hätte den Ausschlag geben können, so wird die Absttmmung in der erste» Sitzung nach Ablauf der Ausschließung oder Auswei­sung wiederholt.

ruhen.

Endlich sprang sie wieder aus dem Bette und warf ein leichtes Morgenkleid über.

Das ist doch zu dumm," sprach sie laut vor stch h n.Bin ich denn verhext?'

Sie hatte vergessen, die Vorhänge vor dem Fenster zuzuziehen. In breitem silbernen Strom flutete das Licht des vollen Monde- in da- Zim­mer. dasselbe mit magischem Glan; erfüllend.

Erika trat ans Fenster und öffnete beide Flügel. Der frische Hauch der Rächt strömt« bet­tln und kühl'c ihre brennenden Schläfen. Ab« von dem Garten herauf drang auch d« Duft der Rosen und von den naben Mesen wallte d« Atem des frisch-»» Heues herein, die Sinne um­nebelnd und fast betäubend.

Erika setzte sich an das Fenster und schaute zu dem Monde auf der gerade üb« dem dunklen Hause stand, in dem die Beamten wohnten. Alle Fenster waren dunkel, mit Ausnahme eines Erika wußte es war das Fenster de- Zimer-, in dem Stanislaus wohnte.

Urplötzlich horchte sie auf. Leise Töne klan­gen zu ihr herauf, zitternd, ttagend, weinend «f waren dieselben Töne der Geige, welche sie heute abend so tief ergriffen hatten. Jetzt Rangen

lrg und Kirchhain und Landwirtschaftliche Beilage.

Die Jns«rtion»gebühr beträgt für die 7gespaltene Zette | ober beten Kaum 15 Pfennige, für KeRamen 80 Pfennig«. I je Druck und «erlag: Joh. «ug. «°ch' ^rsttat,.^chdrmk«ei I Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Stadt 21. Telephon 55. |

Durch bas Zusammenwirken von Technikern unb Ver­waltungsbeamten waten große Erfolge erjielt war- den. Durch bie Verwaltungsreform seien einzelne Bahnhofsvorsteher dermaßen überlastet, daß sie sich um den Außendienst fast gar nicht kümmern konnten. Den Weichenstellern und Bahnwärtern sollte man ebenfalls Gummimäntel geben. Aba. Dr. Wagner- Breslau, (freit.) wünschte eine möglichst frühe etats­mäßige Anstellung bet bauernd beschäftigten Militar- anroärter. Minister e. Breitendach meinte, ein Be- weis für die befriedigenden Lohnverhältnisse der Ar- beiter sei es, daß es gelungen sei, sie zur Zeit bet Hochkonjunktur zu halten. Ein großer Vorteil für die Staatsarbeiter sei es, daß sie in Unterbeamtenstellen aufrücken können, was jetzt schon alljährlich in gro­ßem Umfang erfolge. Abg. Dr. «eunenbeea (Ztr.) verlangte eine Verkürzung der überlangen Dienstzeit, bie bei 32 v. H. über 12 Stunden betrage und unter der die Betriebssickierheit leide. Auch Zugversvätun- gen seien oft auf überlange Dienstzeit zurückzuführen. Abg. Witzmann (natl.) meinte, die Pensionsverhält- niffe der Eisenbahngehilfinnen bedürften einer Re­form. Abg. Delius sfortschr. 23p.) wünschte eine Ver­mehrung der Werkführerstellen und eine Aufbesserung der Bezüge der Telegraphistinnen. Als der Redner auf Beamten-Petitionen eingehen wollte, wurde er vom Präsidenten daran durch die Bemerkung gehin­dert, daß laut Beschluß des Hauses die in Petitionen vorliegenden Beamtenwünsche bei der Etatsberatung nicht behandelt werden sollen. Abg. Lernert (Sog.) schilderte wieder einmal die Lage der Eisenbahn­arbeiter als die denkbar schlechteste und konnte darin kein Ende finden. Dieser Bericht mußte um 5% Uhr geschlossen werden, der Redner hatte aber noch immer nicht den Schluß gefunden.

Dr. Richter vom Reichsamt des Innern erklärte, die Beantwortung solle in der zweiten Halste der näch­sten Woche erfolgen.

Die erste Lesung der Vorlage bett, die Entlastung des Reichsgerichts wurde sodann fortgesetzt. Eie Schlägt, da bie vorgenommene Erhöhung der Revi- ionssumme nicht bie notwendige Entlastung im Ge­folge gehabt hat, neben kleineren Mitteln u. a. Ein- schrgnmng der mündlichen Verhandlung vor unb bie Einführung des Difformitätsprinzips, d. h. die Un­zulässigkeit bet Revision an bas Reichsgericht, wenn bas Oberlandesgettcht ebenso entschieden hat wie das Landgericht.

Wenn auch die Redner es kamen heute die Abg. Dr. Heinze (natl.), Stadthagen (Soz.), Dr. Baten­horst (Rp.), Lattmann (wirtsch. Vg.), Dr. Seqde (Pole) und sodann zweite Redner der Parteien zum Wort bie Entlastung des Reichsgerichts als eine dringende Notwendigkeit anerkannten, so fanden doch die vorgeschlagenen Mittel, namentlich das Diffor- mitätsprinzip, wenig Sympathie. Ein dagegen spre­chendes Moment, das bis dahin in bet Debatte noch nicht hervorgetreten war, hob bet Redner der Reichs­partei Dr. Batenhorst hervor, daß es nämlich zu geradezu unerquicklichen Zuständen für die Prozeß- parteien und zu einer großen Rechtsunsicherheit füh­ren könne, wenn bie Parteien bei Beginn des Pro­zesses .nicht wüßten, wie sich der Instanzenweg tat­sächlich gestalten würde, ob ihnen bie Revision beim Reichsgericht möglich ober durch die Uebereinstirn- ntung des landesgerichtlichen ober oberlandesgericht- lichen Urteils verschlossen sei. Staatssekretär Bisco mar bemüht, in einem längeren Vortrage die Dring­lichkeit der Vorlage nochmals nachzuweisen und dar- zutuu, daß mit den aus dem Hause vorgeschlagenen Ersatzmitteln, Bildung von Hilfssenaten und Herab­setzung bet Mitgliederzahl bet Senate von 7 auf 5, nichts gewonnen mürbe. Da bas Eerichtsverfassungs- gesetz die Beschäftigung von Hilfsrichtern beim Reichsgericht nicht zulasse, müßte es vorerst geändert werden; dazu aber würde der Bundesrat nicht die Hand bieten, weil es sich nur um einen vorübergehen­den Zustand handelt, das Richtertum sich auch auf die unteren Instanzen fortpflanzen würde. Durch bie Herabsetzung der Mitgliederzahl der Senate und Bil­dung neuer Senate aus den überschießenden Mitglie­dern lasse sich nur eine geringe Mehrleistung an Er­kenntnissen erreichen, da bann auch wieder zwei Senatspräübenten notwendig seien, die für die lau­fenden Geschäfte ausscheiden.

Die Vorlage wurde an eine besondere Kommission von 21 Mitgliedern verwiesen. Dann ging man über zur Beratung bet Vorlage wegen Verlängerung des Ende dieses Jahres ablaufenden deutsch-schwedischen tzandelsvertrages um ein Iaht. Staatssekretär des Innern Dr. Delbrück nahm dazu zuerst das Mott.

Die Verlängerung wird votgeschlagen, um Zeit zu gewinnen, mit Schweden einen neuen Vertrag auf Grund des dort in Vorbereitung befindlichen neuen Zolltarifs vereinbaren zu können. Abg. Speck (Ztr.) meinte, bas einzig Gute an bem Vertrage sei, daß et nur bis 1910 Geltung habe; man habe ihn seinerzeit nur wegen einiget Vorteile für bie Eisen­industrie beachtet. Abg. Gothei» (fottscht. Vp.) em­pfahl. bei den künftigen Vertragsverhandlungen in den Zugeständnissen nicht engherzig zu verfahren und dadurch die eigenen Ehancen zu verschlechtern. Es folgte eine Rede des Abg. Graf Kanltz (deutschkons.).

Aus den fiemmifitenen.

Der Seniorenkonvent des Abgeordnetenhauses hat einstimmia beschlossen, bie Etatsberatung unter streunet Einhaltung bet früher festgesetzten Koniin- pentierung und unter Ausscheidung aller Angelegen- beiten, die den Gegenstand später zu beratender An­träge und Petitionen bilden, so zu fördern, daß der (Etat noch vor dem Himmelfabrtsfeste bem Herren­hause übergeben werden kann. Das Herrenhaus wird bann hoffentlich die Beratungen so beschleunigen, daß der Haushaltsplan noch vor'Pfingsten in der Gesetz­sammlung erscheint. In bet Zeit zwischen bem Him- melfab'tstaoe und Pfinasten beabsichtigt das Abge­ordnetenhaus die 2. unb 3. Beratung der noch in der Kommission liegenden Gesetze (Eerichtskosten, Reisekosten, Landgericht Krefeld usw.) unb die erste Ver-ttinw des Eisenbahnanleihegesetzes zu erledigen.

Die Geschäftsordnungskomniission des Abgrord- netenhauses hat auf Grundlage der Vorschläge der Subkommission, die sie eingesetzt hatte, beschlossen, den § 64 der Geschäftsordnung durch folgende Bestim­mungen zu ergänzen: Im Falle besonders grober, die Würde des Hauses schädigender Verletzung bet Ordnung kann der Präsident den Abgeordneten für den Rest des Tages von der Sitzung ausschließen. Auch kann auf Vorschlag des Präsidenten das Haus ohne Besprechung einen Abgeordneten aus den Sitz- ungsräumon, einschließlich der Tribünen, ausweisen und zwar bis zur Dauer von sechs, im Wieder­holungsfälle in derselben Tagung bis zur Dauer von zwölf Sitzungstagen. Der Präsident trifft die erfor­derlichen Maßnahmen, um die Ausschließung ober Ausweisung durchzuführen; er kann hierzu die Sitz­ung auf bestimmte Zeit aussetzen, den Sitzungssaal wie bie Tribünen räumen lassen unb auch den aus­geschlossenen Abgeordneten aus dem Sitzungssaal und den Tribünen entfernen lassen unb seinen Wiederein­tritt in diese Räume verhindern. Gegen den Ord­nungsruf oder die Ausschließung durch den Präsi­denten kann der betreffende Abgeordnete spätestens am folgenden Tage schttftlich Einspruch erheben. Das Haus entscheidet frühestens in der nächsten Sitzung ohne Besprechung, ob der Ordnungsruf ober bie Aus­schließung gerechtfertigt war. Erfolgt während der

am Donnerstag die zweite Beratung des Eisenbahnetats fortgesetzt. Abg. Dr. Flesch (fortlchr. Vp.) forderte für die Eisenbahnarbeiter das Koa­litionsrecht. Abg. Dr. König (Ztr.) meinte, es fei erfreulich, daß der Minister den Arbeiterausschüssen hohe Bedeutung beimesse, bann solle er aber auch da­für Sorge tragen, daß ihr Zweck nirgends vereitelt werde. Abo. Hammer (kons.) begrüßte es, daß jetzt auch Techniker In erste Stellen aufrüden können.