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DieOberhessffche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der

45. Jahrg.

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(Nachdruck verboten.)

Sie

als 400 v. H. Die Steuersätze erhöhen sich ferner bei mindestens dreißigjährigem Besitz« für jedes Jahr der kürzeren Besttzdauer um 7 v. H. des Steuer­betrag««.

Für die Verwaltung und Erhebung bei Zuwachssteuer ist der Bundesstaat zuständig, in wel­chem sich das Grundstück befindet. Gegen den Steuer­bescheid ist die Beschwerde zuläsitg bezw. das Ner- waltungsstreitverfahren und, wo ein solches nicht be­steht, der Rechtsweg. Die Unterlassung der Steuer­anmeldung unterliegt einer Geldstrafe bis zum vier­fachen Betrage der Zuwachssteuer.

Preußischer Landtag.

Abgeordnetenhaus.

In der Mittwoch-Sitzung des Abgeordnetenhauses wurde, nachdem die kleineren Vorlagen in zweiter und dritter Lesung ohne Debatte anaenommen waren, die allgemeine Besprechung der wirtl-^aktli^en Seite der Eilenbabnverwoltung zu Ende geführt und in die Beratung der Beamten- und Arbeiterfragen ein­getreten.

ein, er hatte richtig erkannt, daß Erika für solche Virtuosenstücke nicht aufgeschlossen war, und er merkte zu seiner geheimen Freude, daß Erika ihm aufmerksam zuhörte und von seinem Spiel er­griffen schien. Er ließ deshalb seine Geige in noch weicheren Molltönen klingen und wimmern, setzte seine schwermütigste M>ene aus und schien ganz in den klagenden Melodien seiner Geige aufzugehen.

Die Baronin war entzückt und Miß Bayley schwamm in Tränen.

Auch Erika konnte sich dem Einfluß dieser Weichen Töne nicht entziehen. Von klastischer Musik verstand sie zwar nicht viel, aber diese an die bekannten Volkslieder sich anlehnenden Wei­sen verstand sie, und ihnen offenbarte sich ihr Herz.

Die Melodien umwogten sie wie die weiche Lust einer warmen Frühlingsnacht, in der die Sterne flimmerten und der Mond sein magisches Licht Über die schlummernde, träumende Welt er­goß. Sie vermochte den Blick nicht von dem Spieler zu wenden, der hingeristen von seinem eigenen Spiel dastand, scheinbar alles um sich vergestend und nur zuweilen aus seinen dunsten, träumerischen Augen einen Glutblick zu ihr hin­überschickend, wenn seine Geige sruedvoll auf« jauchzte oder in leisen Klagen dahinzuschmelzen schien. *

Mit ganz anderen Augen sah sie jetzt den .schönen Stanislaus" an. Sie empfand, daß in ihm doch etwas lebte und wirtte, was mit kindischem Spott nicht fortzuweisen war, sondern Achtung verlangte, denn das, was in ihm lebte und wirkte, wirst« auch auf dar Herz und die Seele der anderen Menschen ein und schuf Em

eijähriaen Verträge wegen Be- n und Schienen feien insofern für cltuna vorteilhaft, als sonst für

lßerordentlich hohe Preise Für Eis würden Ausnahi

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige - Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, UmversriatS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg. Morst 21. Telephon 66.

Marburg

Freitag, 15. April 1910

wird nach wie vor die wärmste Fürsoge gewidmet.

Zum Schluß trug der Aba Sibröder-Eastel snatl.) eine ganze Reihe von Einzelwünschen vor, zu denen der Minister der öffentlichen Arbeiten Stellung nahm. Dann vertagte das Haus die Fortsetzung der Verhandlungen über den Eisenbahnetat bis Don­nerstag 2 Uhr.

Der Seniorenkonvent des Reichstages einigte sich heute dahin, vor Himmelfahrt die Ar­beiten abzubrechcn. Die beiden KornwiNonen zur Vorberatung der Reichsvernkbernnosordnung und der Iustizaesetze sollen aber auch während der Vertagung ihre Arbeiten fortsetzen. Es wird beantragt, den Mitgliedern derselben besondere Diäten zu gewähren. Bis zur Vertoaung sollen möglichst noch erledigt werden das Kaliaesetz, die Abänderung des Straf- aesstzbuches und die Vorlage über die Wertzuwachs- steuer. Ferner in erster Lesung am heutigen Don­nerstag die Vorlage betr. Entlastung des Reichs­gerichts, deutsch-schwedischer Handelsvertrag und Reichsh'-sieuerungsaesetz, am Freitag und Sonnabend, die Wertzuwachssteuervorlage, die Fernsvrech- gebührenordnung und kleinere Vorlagen. Am Mon­tag folgt dann die Reichsve-sicherurmsordnung.

Die Wahlprüfungskommistion des Reichstages beriet gestern über Maßnahmeit. die dem bisherigen Mißstande ein Ende machen sollen, daß die Wahl­prüfungen zum Teil erst am Schlüsse der Legislatur­periode zur Erledigung kommen. Es wurde be- schlosten, mit einem entsprechenden Anträge auf Ab­änderung der Geschäftsordnung an das Plenum hcranzutreten.

Um Ehre und Recht. Roman von O. Elfter.

l Fortt ehuna 1

Erika war heute abend schlechter Laune.

zum Gochischen Haus, von wo sie mit Automobi­len hierher zurückkehrten. Um 7 Uhr fand in der hiesigen Erlöserttrche ein geistliches Konzert zum Besten der Kirche statt, welches der Organist bei Gotteshauses, F. Schildhauer veranstaltet hatte, unter Mitwirkung bet Konzertsängerin Fräulein Hillitzer, des KonzertsängerS Adolf Müller, bei Fräulein Löffler (Harfe) und des Konzertmeisterl Wilh. Meyer (Violine). Der Kaiser, die Kaiserin die Prinzeflin und die Damen und Herren bet Umgebungen wohnten dem Konzert bet, welches von der Homburger Gesellschaft gut besucht wat. Das herrliche Gotteshaus mit fehlen Marmor­wänden und bet schimmernde Mosaik waren von dem großen elektrischen Doppelsteuz beleuchtet. Das Programm wurde mtt bet Ciacona füt Otgel von Pachelbel eröffnet. .Von den weiteren Darbietungen feien genannt: die Arte aus Pau­lus von Mendelfohn .Gott sei mir gnädig", das bekannte Händel'sche Largo für Violine, Harfe und Orgel, und das Awe Maria V Arcadelt von Franz Lifzt. Bei diesem Orgelvortrag konnte der Künstler die zarten Register der prächttgen Orgel und das Fernwerk zur schönsten Geltung bringen. Das Konzert schloß mit einer Hymne ah die Rächt für Sopran, Harfe und Orgel von Marie van Overeem.

Festtage in Jerufalem. Jerusalem, 13. April. Prinz und Prinzessin Eitel Friedrich mtt Gefolge trafen heute Vormittag um 9V2 Uhr am Portal des syrischen Waisenhaufes ein, wo sie von dem Direktorium empfangen und nach bet Kirche geleitet wurden, wo Oberkonsistorialrat Kahl München über die Apostelgeschichte 3, VerS 18, die Festpreisgt hielt. Rach dem Gottesdienst sand eine Besichtigung der gesamten Anstalt ftatt Die Abfahrt erfolgte um 11 Uhr.

Ordensverteilung. Berlin, 13. April. Der .Reichsanzeiger" meldet: Verliehen wurde die K-tte in Brillanten dem Chef des chinesischen Ministeriums des Aeußern, Prinzen Ching, das Großkreuz des Roten Adlerordens dem Präsiden­ten des genannten Ministeriums Ratnng, bei Rote Adlerorten erster Klasse dem Präsidenten des Krieasministeriums Tieliang, dem Präsiden­ten im Ministerium des Aenßeren Liang Tunven und dem Generalgouverneur Prinz Linagkiang Chang Yenchnng, der Note Adlerorten zweiter Klasse dem Direktor im chinesischen Ministerium der answärtigen Angelegenheiten in Liu Mlin der Rote Adlerorten vierter Klaffe dem Dolmet­scher im genannten Ministerium En-Hu.

Militär'sches. DasMilitärwochenblott" meldet: Freiherr von Eglossstein, Generalleut­nant und Gouverneur von Straßburg, ist zum General der Infanterie, Graf von Schliften, Generafleutnant und Gouverneur vvn Mainz, zum General der Kavallerie besördert worden.

Die Wahleechtsoorlagr im Herrenhause. Am morgigen Freitag finbet die 6. Plenarsitzung de« Herrenhauses statt. Einziger Punkt der Tagesord- nung ist:Beratung und Beschlußfassung über die ge- schäftliche Behandlung des von dem Hause der Ab­geordneten unter Abänderung der Regierungsvorlage angenommenen Entwurf» «int« Gesetzes zur Ab­änderung der Vorschriften über die Wahlen zum Hause der Abgeordneten."

Zum Krieg im Baugewerbe. Magdeburg, IS April. Die zwischen den Arbeitgebern und Arbeit- nehmern des Baugewerbes du>4 Vermittlung eine.

Die Reichswerlzuwachsfteuer.

Dem Reichstage ist der Entwurf eine« Zuwach«, steuergesetzes nebst Begründung zugegangen.

Der Entwurf ist veranlaßt durch den 8 W de» Reichsstempelgesetzes vom 15. Juli 1909, wonach dem Reichstag bis zum 1. April 1911 ein Gesetz vorzu- schlage» ist, in welchem über die Einführung einet Leichsabgabe von der unverdienten Wertstcigeruag Hei Grundstücken (Zuwachssteuer) mit bet Maßgabe -Bestimmung getroffen wird, daß die Abgabe für da» Reich einen Jahresertrag von mindesten« 2fr Mil­lionen Mark erwarten läßt und denjenigen Gemein­den und Vemeindeverbänden, in denen eine Zuwachs­steuer am 1. April 1909 in Geltung war, der bis- zu diesem Zeitpunkt erreichte jährliche Durchschnitt«- ertrag dieser Abgabe für einen Zeitraum von min­destens 5 Jahren nach dem Inkrafttreten der Reichs­abgabe belassen bleibt.

Die Steuer soll beim Uebergange de« Eigentum« an inländischen Grundstücken und Heim Lebergange von Berechtigungen, für welche die sich auf Seundstücke beziehenden Vorschriften gelten, von dem Wertzuwachs erhoben werden. Als steuerpfli.h- ttger Wertzuwachs gilt der Unterschied zwischen dem Lrwerb«preis und dem Veräußerungspreise. Ist ein Preis nicht vereinbart oder nicht zu ermitteln, so tritt an deffen Stelle der Wert des Gegenstandes, ju dem entsprechenden Zeitpunkte. Der Steuer unter­liegen soll grundsätzlich der Wertzuwachs, der ohne Zutun des Eigentümers entstanden ist. Da dieser Leit des Zuwachses jedoch nicht mit voller Eenauig- leit erfaßt werden kann, beschränkt sich der Gesetzent- rouif darauf, eine allgemeine Begriffsumgreuzung bet ««rechnungsfähigen Aufwendungen zu geben und beten Bestimmung im einzelnen bet Ausführung und Anwendung zu überlaffen. Als Zeitpunkt be« Eintritts bet Steuerpflicht 'gilt bet Augenblick, in welchem der Grundstückseigentümer den Wertzuwachs in Geld ober Geldeswert umgesetzt erhält. Das ist im allgemeinen die Veräußerung. Die Entrichtung der Zuwachssteuer soll demjenigen obliegen, dem das Eigentum oder die Berechtigung vor dem die Steuerpflicht begründenden Rechtsvor» gange zustand, d. h. also dem Veräußeret, weil ihm das Entgelt für die Wertsteigetung in dem Vet- lutzerungspreife zufließt.

Ms Träger des Steueranspruchs kam- men neben dem Reiche und den Bundesstaaten in hervorragendem Maße die Gemeinden und Ge» meindeverbände in Betracht, und zwar soll die Ver­teilung in der Weise erfolgen, daß von dem Ertrag« der Zuwachssteuer das Reich 50 v. H. erhält, weitet« 10 ». H die Bundesstaaten erhalten und 40 v. H., so­fern nicht die Landesgesetzgebung eine andere Be­stimmung trifft, den Gemeinden oder Gemeindever- bänden zufließen. Für die Steuersätze ist da« Prinzip der Staffelung vorgesehen. Die Progreffion bet Steuersätze nach bet Höhe bet Wertsteigerung entspricht bem Grundsatz, daß die verhältnismäßig höhere Wertzunahme auf höhere Leistungsfähigkeit hinweist. Die Zuwachssteuer beträgt 5 v. H. bei einem steuerpflichtigen Wertzuwachs von nicht mehr als 10 v. H. des Erwerbspreises und steigt bis 12 v. H. bei einem steuerpflichtigen Wertzuwach« von mehr

gen Sttmmung paßten dl- towennütigen Weisen besser, unb ne antwortete rasch:

Sie inen sich. S'e konnten mit keine» größeren Genuß bereiten ich liebe biefe Volks­melodien sehr ..."

In feinen Augen leuchtete es auf.

Erst jetzt habe ich den wahren Dank erhal­ten," sagte er leise, verbeugte sich ehrerbiettg und trat zurück.

Erika bat ihre Mutter, sich zurückziehen zu dürfen, da sie Kopfschmerzen habe.

Das kommt von dem Reiten in der heißen Sone" entgenete die Baronin.Du solltest wirflich diese Sitte etwas e' schränken. Aber geh' nur, mein Kind, und ruh' dich aus. Morgen früh wird wieder alles gut sein."

Erika begab sich auf ihr Zimmer. Aber an Ruhe und Schlaf war nicht zu denken. Sie wußte selbst nicht, was mit ihr vorgegangen war, wie sie so ganz verändert sein konnte. Sonst war sie, kaum daß sie das Köpfchen auf das Kiffen gelegt, sanft und tief einaescklummert. um früh am an­dern Morgen fttfch unb munter zu erwachen. Aber heute abend befand sich ihr ganzes Renren- system in vibrirender Unruhe. Heiß und glühend rollte ihr das Blut durch die Adern und hämmertt ihr in den Schläfen und pochte in ihrem Herze», als ob es diefes zersprengen wollte.

In ihren Obren tönten noch immer die flog* enden, sanften Molltöne der Geige und hallten tt» ihre- Seele wider, daß Tränen ihr tit die Auge« traten.

(Fortsetzung folgt.)

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hatte sich mit Fritz Born gezankt, denn dieser hatte behauptet, fein Rappe sei schneller als ihr Pony, und er wolle sie in fünf Minnen einholen. Und als sie dann auf einer Wiese ein kleines Wettrennen veranstaltet hatten, Fritz Born sie sogar in drei Minuten eingeholt und sie noch obendrein verspottet. Das konnte sie ihm nicht vergessen; sie ließ ihn ziemlich hart an und zeigte sich ihm als die Tochter des Barons Hambach- Waldstätten. Da hatte er sie ganz feltfam ange­sehen, seinen Hut mit ehrerbiettger Verneigung gezogen und war schweigend fortgeritten.

Sie ärgerte sich Über ihre Dummheit und über ,ben Trotz von Fritz Born. So faß sie schweigend beim Abendessen, und als sie später von ihrer Mutter aufgeforbert wurde, zu spielen, behauptete sie, Kopfschmerz zu haben und nicht spielen zu könne«.

Nun gern, gnädigste Baronin," b'eilte sich StaniSlauS zu erwidern.Ich muß aber um Entschuldigung bitten, wenn ich Ihre -Erwatt «ngen nicht erfülle."

9hm spielte Stanislaus aber wirklich recht gut, n«d er war klug genug, einfache, aber zu Herzen gehende Melodien zu wählen, die der dann mtt tiefem Gefühl unb großem Geschick tzartterte. Er wählte mit Absicht sentimentale, schwermütige Weisen, bekannte Volkslieder, die « in geschickter Weise ineinander zu verwebet wußte. Auf große Künsteleien ließ er sich nicht

Deutsches Reich.

Homburger Kaisertage. Homburg v. d. H., 13. April, Der Kaffer unternahm heute Vormit­tag einen Ausritt. Rachmittags begaben sich die Majestäten mit Automobilen auf die Saalburg und machten von dort aus einen Spaziergang bis

pfindungen, Gedanken und Stimmungen, welche wenigstens Erika bislang fremd gewesen waren, sie aber jetzt mit einem eigenartigen Zauber um­spannen.

Als Stanislaus sein Spiel in einem sanften Adag'o ausklingen ließ und dann wie erschöpft die Geige sinken ließ, die Augen schließend und das Haupt senkend, als erläge er der Wucht feiner Schmerzen, da überschütteten ihn die Baronin und Miß Bayley mtt stürmischem Beifall.

Er lächelte schmerzlich und dankte mit leisen Worten. Dann aber schweifte sein Blick zu Erika hinüber, als wollte er fragen, ob sie kein Wort des Beifalls oder des Dankes für ihn hätte.

Aber Erika vermochte kein Wort zu sprechen. Sie fühlte sich eigentlich ergriffen, sie .wußte wenn sie jetzt gesprochen hätte, würde sie in Tränen ausgebrochen fein. Ihre Stimmung war noch beeinflußt durch den Sttett mit Friß Born, sie war gereizt und traurig gest'mntt gewesen, mit sich selbst unzufrieden, sie wußte felbst auch nicht weshalb. Und in biefe nervösgereizte Stimmung hatte das leidenschaftliche Spiel Pro- kowskhs noch mehr Oel gegoffen und hatte eine Glut in ihr erzeugt, die sich auf ihren fieberhaft geröteten Wangen und in ihren glänzenden Au­gen widerspiegelte, Sie erhob sich und wollte das Zimmer verlaffen. Da stand Stanislaus an ihrer Seite.

Mein Spiel hat Ihnen nicht gefallen, gnä­diges Fräulein." fagte er leise und traurigEs tut mir leib, daß ich Ihren Geschmack nicht ge­troffen habe. Vielleicht lieben Sie die lustigen Tänze mehr . . ."

In der Tat früher hatte sie dieser Art Musik den Vorzng gegeben, «bet zu ihr t heult«

Nach den Abg. Dr. Pachuick« und Korsanty er­klärte der Minister der öffentlichen Arbeiten u. a. folgendes: Die dreijährigen Verträge wegen Be- chaffung von Kohlen und Schienen feien insofern füt die Eisenbahnverwaltuna vorteilhaft, als sonst für das erste Jahr ganz außerordentlich hohe Preise zu Ölen gewesen wären. Für Eis würden Ausnahme-

ife zu so billigen Preisen gewährt, wie dies nur irgend mit den Selbstkosten vereinbar sei. Die be­dauerliche Uebeffüllung der Züge auf der Stadtbahn und den Vorortbahnen an Sonn- und ähnlichen Fest­tagen sei in erster Linie Folge der Ungeduld des ret- senden Publikums. Eine Beflerung werde eintreten, wenn erst der elektrische Betrieb auf diesen Linien eingeführt, wenn im übrigen bei Einführung des elektrischen Betriebes Tariferhöhungen nickt ein« treten sollten, dies würde jedoch auf der Stadt- und Berliner Vorortbahn mit Rücksicht auf die großen Kosten der Elektrisierung nicht zu vermeiden fein. Die Regierung erkenne die schwierige Lage der ober« schlesischen Eisenindustrie an, die von dieser geäußer­ten Wünsche seien öfter so weitgehend, daß eine ein­gehende Prüfung derselben erforderlich sei.

Die weitere Debatte verlief sich im wesentlichen in Einzelheiten. Bei der Verhandlung über die Beamten- und Arbeiterverhältniffe hielt der Minister oeaenüber Ausführungen von in Arbettersekretär- stellen befindlichen Zentrnnisrednern und anderen Mitgliedern des Hauses die bisherig- Ausfällung der Staatsbahnverwaltung aufrecht. Diese kann das Einar--ren rmn Organisationen in die Betriebsver- bältniffe durchaus nicht dulden, am wenigsten von soliden Organisationen, die parteipolitische Zwecke verfolgen. Die Arbeitsausschüsse sollen weiter aus­gebildet werden, doch niemals über die Arbeitsstätte hinaus. Die Löhne der Bahnarfteiter sind um zwei Prozent mehr gestiegen, als das Einkommen der Eisenbodnftoomten. Den Woblfabrtseinri'dtungen

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: .Fach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage "

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Sitzung vorn 13. April.

Arn Bundesratstisch: Staatssekretär Wermuth.

Zunächst steht auf der Tagesordnung die Wahl eine» Schriftführers an Stelle des verstorbenen Ab­geordneten Hermes (forticftt. Vp). Auf Vorschlag des Abg. Frhrn. v. Hertling wird Aba. Doormann (fortschr. Vp.) per Akklamation gewählt. Er nahm die Wahl dankend an.

Es folgten Petitionen, von denen eine Reihe nach den Anträgen der Kommiffion erledigt wurden.

Eine Petition der Bäckerinnung Germania um Maßnahmen gegen die Konsumvereine, Verbot der Mitgliedschaft von Beamten, beantragt die Kommif­fion Ueberweisung als Material. Die Sozialdemo­kraten wünschten dagegen llebergang zur Tagesord­nung. Der Antrag der Kommiffion wird unter Ab­lehnung des sozialdemokratischen Antrages angenom­men und die Petition der Regierung als Material überwiesen.

Es folgt die beim Etat des Reichsschatzamts zu- rückgestellte Debatte über die Resolution der Freisin­nigen betr. Aufhebung der Kennzeichnung der zu nichtigerem Zollsatz eingeführten Gerste durch Eostn- färbuna und in Verbindung damit die Veratung einer Petition auf Aenderung der Gerstenzollordnung.

Staatssekretär Wermuth: Die Unterscheidung von Futter- und Malzgerste mußte von uns bcstmöglichst durchgeführt werden. Dieser Verpflichtung werden wir zur Verhinderung zollwidriger Verwendung von Gerste weiter Nachkommen. Die Methoden des Bre­chens und der Erhitzung der Gerste haben sich nicht bewährt. Die Färbung ist von Müllern und Han- delskretsen empfohlen worden. (Hört! Hört! rechts.) Wir haben das Gesundheitsamt gebeten, Versuche anzustellen. Es ist festaestellt worden, daß bei Eeosin- gerste-Fütterung die Tiere erheblicher zugenommen haben, als ohne diese. (Heiterkeit.) Wenn ver­dächtige Tiere verwendet find, dann werden sie an Rotlauf oder an Backsteinblattern eingegangen sein. Eesundheitsgefährlich ist das Eosin nicht, das ist die Hauptsache. Finden wir ein anderes Unterschei­dungsmittel, dann werden wir es prüfen. Zur Be­unruhigung ist kein Anlaß vorhanden. Ich bitte, die Resolution abzulehnen. (Bravo! rechts.)

Rach weiterer unerheblicher Debatte wird die Re­solution abgelehnt. Darauf tritt Vertagung ein. Eingeaangen ist eine Interpellation der National- liberalen über das Mülheimer Eisenbahnunglück.

Nächste Sißung Donnerstag: Vorstehende Inter­pellation, Zuständigkeit des Reichsgerichts, deutsch- schwedischer Handelsvertrag und Reichsbesteuerungs- gesetz.