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alle seine Schulden zu be- die beschränkten Mittel der bei weitem nicht aus.

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nur einen Teil, denn zahlen, dazu reichten Frau von Prokowski

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Politische Umschau.

Eine neue deutsche Bank in Triest.

Die Zentralbank der deutschen Sparkassen tn Prag, die Zweiganstalten tn Graz, Innsbruck, Klagenfurt, Linz und Wien unterhält, hat eine gleiche Zweiganftalt tn diesen Tagen tn Triest er­richtet. Die Verhandlungen wegen der Verleg­ung einer Zweigstelle einer deutschen Bank nach Trist haben Jahre gedauert. Daß ste setzt zu einem gedeihlichen Abschlüsse gelangt find, be­deutet einen nicht zu unterschätzenden Erfolg de« Deutschtum« am Mittelmeere. Wird doch hier­

durch das in der alten österreichischen Hafenstadt ansässig« Deutschtum nunmehr wirtschaftlich un­abhängig von den italienischen und ftawischen Banken, die e« dem einzelnen Deutschen durch Entziehung de« Kredite«, Aufkündigung der Dar­lehne «sw. sofort haben fühlen lasten, wen« er sich national, deutsch betättge. Dringend z« wünschen ist, daß nunmehr auch die reichsdeut­schen Kreise, soweit ste Geschäftsbeziehunaen nach Triest und darüber hinaus haben, ihren Verkehr mit den italienischen und ftawischen gegen da« Deutschtum arbeitenden Banken abbrechen und sich der Vermittlung der nunmehr errichteten deutschen Bank in Triest bedienen.

auf dem ziemlich harten Bett umhergcworfen, schon seinen Feldzugsplan entworfen.

Er hatte bis jetzt ziemliches Glück bei den Frauen gehabt. Freilich war das ein anderes Genre, als Erika, gewesen, aber schließlich blie­ben sich Frauen gleich, und er hatte schon ge­merkt, daß seine anscheinend tiefe .Schwermut sein müdes, trauriges Wesen, seine leise, schüch­terne Sprache und sein sentimentaler Augenauf­schlag auf die Baronin und Miß Bahleh wenig­stens größeren Eindruck hervorgebracbt hatte.

Weshalb sollte er mit solchen Mitteln nicht auch das unerfahrene Herz Erikas erobern können.

Wenn sie nur nicht so spöttisch lächeln wollte!

Und dem Baron in seiner derben jovialen Art und Weise war auch nicht recht zu trauen.

Ganz schrecklich aber war der alte Jnspeftor Grupe und seine kleine, kümmerliche Frau, die früher »Mamsell* gewesen war. Dagegen stand Fräulein Tina Grupe ganz auf seiner Seite das hatte Stanislaus sofort bemerkt.

Run kam es darauf an, allen diesen verschie­denen Charakteren gegenüber auf Fritz Born kam es nicht anfein Benehmen klug und sach­gemäß einzurichten. Bei den Frauen war das leicht. Schwieriger war es bei den Männern. Stanislaus merkte, daß et die Gunst des Barons nur erwerben konnte, wenn er sich nicht nur den Anschein gab als interestiere er sich brennend für die Landwirtschaft, sondern wenn er auch ein ge- wiffesforsches* Wesen zur Schau trug, und das wollte er heute nachmittag bei dem Ausritt auf des Inspektors altem Braunen zum ersten Male versuchen.

Er hatte sich genug auf den Rennbahnen Ber-

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ritt« der Budget-Kommissian.

Die Budget-Kommission des Abaeorbnetenhauses hat das Gesetz über das Staatsschuldbuch ohne ma­terielle Aenderung in der Fassung des Herrenhauses einstimmig angenommen, nachdem auf Anfrage ein Vertreter des Finanzmintsters erklärt hatte, daß die Staatsregierung mit der Fassung des Herrenhauses einverstanden fei.

Die JnfertionSgebühr beträgt für die 7gejpalrcne Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Krilntnen 80 P^nige- Druck und Perl-«: J°h. ^'n"t»eotJttoe,SÄ^<ttKtK Inhaber Dr. «. Hitzeroth, Marburg. Markt 21. Telephon 55.

Der Krieg im Baugewerbe.

lieber da, Resultat der Verhandlungen im Ber- liner Baugewerbe ist bi« jetzt noch nicht» mitgeteilt. Wie aus Frankfurt gemeldet wird, hat der Zentral- verband Deutscher Industrieller den Unternehmern des Baugewerbes fünf Kantonen Mark zur Unter­stützung zur Verfügung gestellt. Der Württember- gische Staatsanzeiger bringt eine Erklärung, die die wirtschaftlichen Nachteile des Kampfes für die Ar­beitgeber, Arbeiter, für die Allgemeinheit und die dauernde Beeinträchtigung de« soziale« Frieden» hervorhebt, sowie den dringenden Wunsch ausspricht, es möge der Ausbruch des Kampfes verhütet und wenn et sich als unabwendbar zeigen sollte, der Kampf doch möglichst bald beigelegt «erden. In einem Artikel derKöln. Ztg." heißt es «.Wenn man die Frage so stellt: Wer trägt die größere Schuld? dann muß man leider sagen, daß die Bau­herren stch als die Unnachgiebigeren gezeigt haben. Ihre Aoneigung gegen den paritätischen Arbeitsnach­weis läßt eine Auffassung erkennen, die von den Er- kenntnissen der letzten fünf Jahre unberührt ge- blieben ist, und mit der ihre Träger in eine ver­hängnisvolle Vereinsamung gelangt find."

In Marxloh nahm der Bezirksdelegiertentag der katholischen Arbeiter- und Knapvenvereine des Rhein- und Kuhrgaues folgende Resolution an: Der Delegftrtentag bedauert oen Ausbruch des Kampf:» im Baugewerbe und verurteilt mit Mer Entschieden­heit das scharfmacherische Verhalten des Arbeit- gebe7^'>"des, wodurch der friedliche Abschluß der Be­wegung vereitelt worden ist. Den kämpfenden Bau­arbeitern, insbesondere den Mitgliedern des Zentral­verbandes christlicher Bauarbeiter, spricht der Del:- gierttntag die volle Sympathie aus und verspricht «in- tatkräftige Kntetftüfjung.

Wann und wie einmal dem Kampf ein Ende ge­macht werden wird, entzieht stch im Augenblick noch jeder Vorausstcht. Aber das steht fest, daß beide Teile mit allen Kräften danach streben müssen, so schnell wie möglich zu einer Verständigung zu ge­langen, wenn nicht dem deutschen Erwerbsleben der ichwerste Schaden zugefügt und viele Existenzen voll­ständig ruiniert werden sollen. Der Geh. Reg.-Rat Wredfeldt vom Reichsamt des Innern, der die ge­scheiterten Einigungsverhandlungen geleitet hatte erklärte, das Reichsamt des Innern habe sich durch den Mißerfolg nicht abschrecken lassen und wird einen erneuten Vermittlungsversuch in einem späteren Stadium des Kampfe» unternehmen, bet ebenso heftig wie lang anhaltend sein wird.

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lins Herumgetrieben, um einige Pferdekenntni« erworben zu haben. Auch die Ausdrücke der Reitkunst, der Pferdezucht und waS sonst mtt Pferden zusammenhing, hatte er stch auf den Rennbahnen Berlins angeeignet, und so zeigte er bei dem Ausritt am Nachmittag einen Pferde Verstand,' der den Baron in Erstaunen setzte.

Woher wissen Sie das Mes?* fragte er.

Ich wollte bei der Kavallerie dienen* ent- gegenete Stanislaus bescheiden und doch mit einem gewissen Selbstbewußtsein.Auch ver­gessen Herr Baron, daß ich einige Jahre im Ka­dettenkorps gewesen bin, wo wir Reitunterricht hatten.*

Weshalb haben Sie da« nicht gleich gesagt? Dann hätten Sie den alten Braunen nicht zu rei/en brauchen.*

Nur der Herr Jnspeftor Grupe ließ stch täuschen.

Das ist alles Firlesanz, Herr Baron,* sagt« er nachher zu diesem.Der junge Herr spricht wie ein Jockei auf der Rennbahn, aber nicht wie ein wirfticher Pferdeverständiger.*

Na, na. Grupe nur nicht gleich brummen. Wir sind auch mal jung gewesen und haben unser Lehrgeld bezahlen müssen.

Aber nicht auf der Rennbahn ,Herr Baron.* Dieser lachte.

Sie allerdings nicht, alter Freund. Aber ich habe auf dem grünen Rasen doch viel gelernt.*

Na, meinetwegen, Herr Baron. Aber meinen Braunen bekommt bet junge Herr nicht wieder, er hat ja mtt dem armen Tier Schindluder ge­spielt, «nb zu Retterkunststücke« ist der Braun« wirtlich M eti." .

Marburg

Donnerstag, 14. April 1910.

Da haben Sie rocht. Wir wollen den jungen Mann morgen mal aus Borns Rappen fetzen*

Der hat seine Mucken, Herr Baron*

Schadet nicht. Dann kann der junge Man« zeige«, ob er wirklich reiten kann.*

Vor dem Abendessen sagte der Baron M seiner Gattin:Dein Günstling scheint sich ganz gut anzulaffen. Bo« der Landwirtschaft versteht er ja noch nichts, aber er hat scheinbar große Lust und zeigt viel Interesse. Und dann scheint et auch ein recht guter Reiter zu fein.'

Es freut mich sehr, daß du mtt ihm zufrie- den bist * entgegnete die Baronin.Ich muß ge­stehen, daß ich ein lebhaftes Interesse für bet jungen Mann hege^ der stch unglücklich zu fühle« scheint. Denn die Schwermut ist mtt feinet Jugend doch nicht recht vereinbar.*

Eine Tätigkett wird seine Melancholie schon vertreiben. Heute nachmittag habe ich wenigsten« nichts davon bemerft. Er war ganz aufgeräumt.'

Wie mich das freut! Ich glaube auch, daß er hier bei uns sein Unglück vergessen wird.'

Wir wolle« eS hoffen. Was an mir liegt, soll geschehen, um ihn zu einem tüchtigen Men­schen zu erziehen.'

Das wirst du sicherlich, denn der Rem ist gut*

.Das glaube ich auch. Doch wir werde« |e sehen*

So hatte sich Stanislaus auch bereits i« die Gunst des Baron« eingenistet, indem et schlau beffe« Eigenart erspäht und benutzt hatte.

Jetzt gatt e« nur noch, da« Interesse Erikas gtt erregen. Den heutigen Abend wollte Stanis- lau« dazu benutzen, die Eigenart der ftmge» Dame näher ttt studieren. (Fortsetzung folgte

Deutsches Reich.

Das Kaisetpaar in Homburg. Hombura p, d. H., 12. April. Der Hof unternahm heute Nachmittag einen Ausflug in Auwmobilen übet Eich und Idstein nach Zuckmantel.

Ein angeblicher Nachfolget des Ministers von Moltke. Berlin, 12. April. Nach der Meld­ung mehrerer hiesiger Blätter sollte der Regier­ungspräsident von Wiesbaden, von Meister, zum Amtsnachsolger des angeblich bald zurücktreten- ben Ministers von Moltke ausersehen sein. Dem gegenüber hat Regierungspräsident von Meister wie einem hiesigen Blatte telegraphisch gemeldet wird, erftärt, daß die Nachricht völlig aus bei Lust gegriffen sei.

Landesausschuß Elsaß-Lothringen. Straß bürg i. E., 12. April. Im Landesausschuß wurde zunächst in bet ersten Stunde der heutigen Ver­handlungen die Militäranwärterfrage behandelt. Sodann erhielt Dr. Pfleger (Zentrum) das Wott und erhob zum zweiten Male den Vorwurs, daß im Prozeß Gneiße Wetters ein Tendenzurteil gefällt worden sei. Wenn der Unterstaatssekretäi Dr. Petri diese Behauptung als «ine unerhörte Beleidigung bet Colmarer Strafkammer aus Grund der im Disziplinär Untersuch'ingsvet- fahren abgegebenen Zeugenaussagen zurttckgewie- fcn habe, so könne er, Dr. Pleger, nur sagen, der Unterstaatssekretär habe nur die günstigen Stellen der Zeugenaussagen zusammen gestellt, dagegen die beteiligenden ausgelassen. Er bean- ttage die Verlesung einer wetteren Reihe von Zeugenaussagen oder die Untersuchung durchweine Kommission. Der Unterstaatssekretär to-e« diese unerhörten Verdächtigungen zurück und erklärt«, daß durch den Antrag eine völlige Verlesung der Untersuchungsaften notwendig werde. Dies« Bet­lesung wurde dann über zwei Stunden lang bei fast leerem Hause und unter vollständiger Unauft rnerksamkeit vorgenommen, konnte aber heute noch nicht zu Ende geführt und wird morgen fortgesetzt werden. Auf Grund dieser Verlesung sollen dann die Abgeordneten ein Urteil über die Parteilich­keit ober die Unparteilichkeit der Colmarer Rich­ter fällen. Schluß nach 7 Uhr.

Die ReilbswertMwachssteuer. Berlin, 12. April. Gegenüber den falschen Mitteilungen über den Inhalt deS Auwachssteuer Gesetzent­wurfes, die gest on von mehrere« Blättern ver­breitet worden sind, und gegenüb-r den irrige« _ Schlüssen, die daraus gezoge-i fernen, ste festzu­stellen. daß bet dem Reichstag zugegangene Ent- Wurf sich genau an daS Programm hält, welches der Paragraph 90 des Reichsstempelgesetzes da-

ree. eub *373 Silit snti 1.

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schaffen * hatte sie gesagt.Am beste« ist eine reiche Heirat die Tochter meiner Freundin, Baronin Hambach-Waldstätten, ist fetzt erwach­sen, ich werde dich an meine Freundin empfehlen.

Das Weitere ist dann deine Sache*

i In der Erinnerung an diese Worte seiner Mutter dachte Stanislaus an Erika. Ihre lieb- Diche Erscheinung hatte ihn angenehm überrascht, «nb «r hatte die letzte Nacht, als et stch schlaflos

TieDbtruenit.-'je tititung" cr;a)etnt raglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugs p r e i s beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2,25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

Stent Zett erh. samt «80

Um Ebre und Recht.

Roman von O. Elfter.

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Rasch entkleidete er sich des schmutzigen Zeug« wusch stch und übergoß die Hände mtt Eau de Cologne.

Ran mußte doch Mensch bleibeni

Wenn seine Kameraden in Berlin ihn heute morgen gesehen hätten! Und Minetta die reizende Künstlerin vom Apollo-Theater! Wie würde sie die Nase gerümpft haben.

Eine heiße Sehnsucht nach der reizenden Min- etta beschlich ihn. Wie hatte et sie nur verlassen können!

Freilich da war ein dnntter Pnnft, der ihn aus Berlin vertrieben hatte. Und dieser dunkle Punkt war seine völlige Mittellosigkeit. Seine Mutter hatte ihm rund heraus erklärt, sie könne ihm nichts mehr geben, nachdem ste wieder ein­mal einen Teil seiner Schulden bezahlt hatte

MchM A , mit »cm Kreisblatt füt »ie Kresse Marburg un» Kirchham

«nb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

it.

und

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Aus den Parlamenten.

' Deutsch««. Reichstag.

Zu Beginn der gestrigen Sitzung widmete der Präsident Graf v. Schwerin-Löwitz dem Gedächtnis der wahrend der Osterpause verstorbenen Abgeord­neten Dr. Hermes, der fast 25 Jahre Schriftführer ~ war, und Dr. Delbrück, der bei dem Stettiner Ballon- Unglück in der Verfolgung wissenschaftlicher Zwecke f^fein Leben eingebüßt hat, herzliche Worte, bie bie Mitglieder des Hauses und des Bundesrat stehend Mqmhürten.

Zur Beratung stand der Entwurf be» Ausführ- «ngsgesetzes zur revidierten Berner Konvention zum Schutze von Werken ber Literatur und Kunst vom 13. November 1908. Er bringt einige Abänderungen von ber Konvention, bie in ihr ^gelassen sind. Na­mentlich sollen kinematogravhtsche Werte unter Schutz gestellt »nb andererseits Werke der Tonkunst gegen mechanische Wiedergabe und mechanische Mustkinstru- mente gegen unbefugte Nachbildung gerschützt wer­den. Ferner ist ein Lizenzzwang vorgesehen, dem­zufolge jedem, ber eine von ben Gerichten festzu­setzende Gebühr an ben Schutzinhaber zahlt. Die Schutzbauer haben die Verbündeten Regierungen auf 50 Jahre bemessen, wobei es ben Vertragsstaaten unbenommen bleibt, an der kürzeren 30jährigen Frist festzuhalten. Der Staatssekretär des Reichsjustiz­amts Dr. Ltsco gab bet Vorlage das Geleitwort und verwies wegen ber Einzelheiten auf bie Beratung tn bet Kommission. Eine ziemlich abfällige Kritik übte Abg. Dr. Müller-Meittingen (fortschr. Vp.), ber auch hei dieser von jedem varteipolitischen Charakter Seien Materie wie in allen seinen Reden gehässige ngriffe aeqen Preußen richtet«. Di? übrigen Red­ner. die Abg. Dr. Pfeifer (Ztr.), Dr. Wagner-Sachsen (kons.), Dr. Juttck (natl.) u. a. stimmten der Erund- tendenz des Entwurfs zu und erörterten die Haupt­fragen wie besonders bie Dauer bet Schutzfrist unb ben Lizenzzwang unter Hervorhebung einzelner, einer genaueren Prüfung in bet Kommission vorzu- behottenber Bebenken.

Die Vorlage würbe einer 14gliedrigen Kommis­sion überwiesen. Dann trat bas Haus noch in bie erste Lesung des Entwurfs bett, bie Zuständigkeit bes Reichsgerichts unb die Rechtsanwaltsordnung ein den Staatssekretär Dr. Ltsco erläuterte.

Preußischer Landtag.

Ab,e»rdneteubau».

' Die nochmalige Beratung ber Wahlrechtsvorlage «ahm in bet gestrigen Sitzung bes Abgeordneten­hauses den erwarteten Verlauf: Anträge wurden nicht gestellt, Abänderungen nicht beschlossen, di« Vorlage unverändert durch die tn ber Hauptuuhe aus Konservativen und Zentrum bestehenden Mehrheit wiederholt angenommen.

Die allgemeine Besprechung begann mit kurzen Erklärungen ber Abg. Dr v. Hevbebtaubt (kons.) für, Dr. Friedberg (natl.), v. Kqdzewski (Pole) uno Lasset (fortschr. Vp.) gegen die Vorlage. Die sozial­demokratischen Redner Borgmann unb Beinert er­gingen sich dagegen in langen, heftigen, auf die Wir­kung nach außen berechneten Ausführungen, bl« ihnen wiederholt Ordnungsrufe des Prästdenten zu- zogen. Sie liefen schließlich tn einer scharfen Aus- etnanbersetzung zwischen Nationalliberalen und Zen­trum aus, an ber sich auf bet einen Sette bte Abg. Dr. Friedberg unb Schiffer, auf bet anbeten bie Abg Herold unb Dr. Bell beteiligten.

Der freikonservative Redner Frhr. v. ZebNtz wies j)ie Ausführungen bes vor ihm sprechenden sozial­demokratischen Redners se*>r nachdrücklich zurück und legte ganz kurz und klar bar. daß die ftetkonservattve Fraktion in ihrer großen Mehrzahl die Vorlage ab- Iehne, weil in tbr die Demokraten, Polen und So­zialdemokraten günstigen Wirkungen der geheimen Stimmabgabe nicht durch die Rückkehr zur Drtttelung in den Gemeinden abgeschwächt und die besonders angreifbaren Punkte des Dreiklassenwahlsystems

nicht sachgemäß geändert worden seien. Er rotes zu­gleich auf bie Bebenken hin, welche fich gegen eine lediglich von Konservativen unb Zentrum beschlossene Vorlage aus allgemein politischen Rücksichten ergeben.

Der Minister bes Innern wies zum Schluß auf bie Erklärung des Ministerpräsidenten hin, wonach die StaatsreKerung dem Prinzip ber Beschlüsse bes Abgeordnetenhauses nicht grundsätzlich widerstrebe, aber sich ihre Stellungnahme im einzelnen Vorbehalte. Einer ber Einzelpunkte, in dem sie abweichende An­sicht habe, sei bie Frage bei Drtttelung in ben Ur- wahloezirken. Seine Erklärung tn bet dritten Le­sung zugunsten der Drittelung in ben Eemeinben sei in voller Uebereinstimmung mit dem Ministerpräst- benten abgegeben worben.

Bei bet Spezialbebatte wurden mehrfach Schluß­anträge von sozialdemokratischen Rednern angenom­men. Dies gab zu einer langen und teilweise über­aus heftigen Geschäftsordnungsdebatte Anlaß. Die sozialdemokratischen Redner behaupteten, der Schluß bet Debatte sei zu Unrecht erfolgt, auch babe man sie mit Gewalt munbtot macken wollen. Sie ergingen P-f- dabei in so heftigen Ausfällen gegen die Mehr­heit, daß bet Präsident zahlreiche Ordnungsrufe ver­hängen mußte. Ihnen wurde mit Nachdruck ent- geaengehalten, daß es sich nur um bie verfassungs­mäßige nochmalige Abstimmung handele, daß dabei, da Anträge nicht Vorlagen, eine Svettaldebatte völlig unangebracht gewesen sei und daß die Sozialdemo­kraten in der Generaldebatte mehr als ausreichend Gelegenheit gehabt hätten, zu den Fragen der Vor­lage Stellung zu nehmen.

Die Redner der liberalen Parteien erklärten in­dessen, daß die Scklußanttäae sachlich nickt geteckt- fertigt gewesen seien. Dabei erging sich bet Abg. W"»r,t«$ertin fforttot. Vv.) in seht scharfen An­griffen gegen das Zentrum, die naturgemäß eilte ebenso scharfe Erwiderung hervorriefen.

Sodann mut'; mit bet allgemeinen Besprechung ber wirtschaftlicken Seite ber Eisenbahnverwaltung fettgefabten. Der Abg. Graf Moltke (freikons.) bvb namentlich bie Notwenbigkeit hervor, durch sach­gemäße Eütertarifpolitik bas heimische Wirtschafts­leben, insbesonbere bie heimische Produktion zu unterstützen unb zu förbern. Dies gab dem Minister ber öffentlichen Arbeiten Gelegenheit, bie Grundsätze darzulegen. von benen et sich in Bezug auf Güter­tarife leiten lasse, sein Ziel sei bie Förderung bet heimischen Produktion nach allen Richtungen hin Als Hauvtmittel biene ihm bie Gewährung von sog. Ausnahmetarifen. Damit sei auch in ben letzten Jahren stets nach Bebütfnis votqegangen worben aber er müsse Rücksichten auf bie Staatsfinanzen nehmen, auch wäre es immer schwierig, solche Tarife zu aewähren.

E» sprachen bann noch die Abg. Wallenborn (Ztr.) unb Macco (natl.). Der Minister widerlegte zum Schluß noch einige Behauptungen bes Abg. Borg­mann (Soz.) namentlich in Bezug auf bie angebliche Schließung bes Bahnhof« Treptow an bem Wahl- tkchtsspaziergangslage burch den Polizeipräsidenten von Berlin. Auf diesem Bahnhof seien an dem Tage mehr als 43 000 Personen abgefertigt worden, er hätte nur wegen Ueberfüllung zeitweilig geschlossen werden müssen. Er setzte sich bann noch über Einzel- ftagen mit ben Vorrednern auseinander.

Sobann würbe bie weitere Beratung bis Mitt­woch 1 llbr vertagt: zweite unb dritte Lesungen klei­nerer Vorlagen, Fortsetzung ber Beratung über den Eisenbahnetat.