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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

wnt) den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahr»

M 84

Ix den Teil

den Vertretern der Adelsverbände einer Anzahl von Gouvernements aus, die sich in Petersburg unter dein NamenKongreß der vereinigten Adels" versammelt hatten, nm der Regierung in Erinnerung zu rufen, daß es noch treue Diener des Staates und der Krone gebe, die mindestens gleichen Anspruch auf Gehör hätten, wie die sozialistischen und demokratischen Volksbeglücker. Der Versuch wurde gewagt, di« Duma wurde aufgelost, und alle die fürchterlichen Drohungen erwiesen sich als leeres Schreckgespenst. Auch die Auf­lösung der zweiten Reichsduma und die Abänderung des Wahlgesetzes ist in hohem Maße ein Verdienst des vereinigten Adels. Die Kongresse finden jetzt einmal im Jahre statt und ihre sachgemäßen und vom Wohle des Reiches getragenen Vorschläge und An­regungen erfahren die eingehendste Prüfung seitens der Regierung.

Bon den neuen Zollmaßnahmen der belgischen Regierung verdient befonbere Beachtung di« gegen die ausländischen Zeitungen, wonach diese bei ihrem Eintritt in Belgien einer besonderen Steuer unter­worfen werden sollen. Ursprünglich war diese Maß­nahme als empfindliche Repressalie gegen Frankreich geplant, um den französischen Zeitungen das Recht zu nehmen, in Ballen mittels Eisenbahn nach Belgien befördert zu werden. Di« Beförderung ist so billig, daß Pariser Soublätter in Belgien zu demselben Preise verkauft werden wie in Paris. Aus dieser ver­ständigen Maßregel ist leider etwas ganz anderes geworden. Nicht die fianzösische Presse allein, son­dern die ganze' fremde Presie soll getroffen werden,' damit wird auch die englische, in noch höherem Grade aber die deutsche Presse in Mitleidenschaft gezogen, da die deutschen Zeitungen in Belgien sehr stark ge­halten werden. Im Sommer ist ihr Eingang beson­ders stark, denn die bedeutendsten belgischen Seebäder Ostende und Vlankenberghe werden vornehmlich van deutschen Gästen besucht. Diesen sollen nnn ohne jeg­lichen Grund ihre Zeitungen verteuert werden und noch dazu am Vorabend« der Eröffnung der Brüsieler Weltausstellung, für welch« auf ein starkes Kontin­gent deutscher Besucher gerechnet wird. Eine beson­dere Steuer auf fremde Zeitungen ist überhaupt ein origineller Gedanke und die belgische Regierung muß schon rein gar nicht wissen, woher sie Geld nehmen soll, wenn sie auf derartige drollige Einfälle kommt.

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gefpn(tcne Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, UniverfitötS-Buchdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

D aches Reich.

Homburger 5 - isertage. Homburg v. d. Höh«,' 10. pril. Heute vormittag nahm der Hof an dem Gottesdienste in der Erlöserkirch« teil. Zur Früh- stückstafel bei Ihren Majestäten raren geladen Prinzj lbert zu Schleswig-Holstein mit Gemahlin, Geheim«' rat Prof. Jakobi, Pfarrer Füllkrug und Vikar Antis. Nachmittags unternahm W Kaiser eine Fabrt im

Marburg

Dienstag, 12. April 1910.

Umschau im Auslande.

Der Streik der Seeleute in Marseille ist eigentlich nichts Neues. In Frankreichs größtem Hafen herrschen schon seit 12 bis 15 Jahren wahre Kriegszustände. Man streift nicht um Lohn- und Dienftfiagen, sondern einfach deshalb, weil der Streik nun einmal zum System der guerres sociales gehört. Natürlich bringen diese Ereignisse auch wie­der di« zwei so viel umstrittenen Fragen auf die Tagesordnung: Das französische Schiffahrtsmonopol zwischen Frankreich und Algerien und die Einricht­ung der eingeschriebenen Seeleute. Von verschiedenen Sette« wird ganz einfach Abschaffung sowohl des Monopols wie der Einschreibungen gefordert, die heute nur noch Nachteile bringen. Es wird auf den riesenhaften Aufschwung der deutschen Schiffahrt hin- gewiesen, der ohne ähnliche Mittel erreicht sei. Be­kanntlich sind die eingeschriebenen Seeleute vom Dienst am Landheer befreit. Damit gehen 45 000 waffenfähige Franzosen der Landesverteidigung vex- loten.

Seitdem sich Frankreich in Algier und Tunis festgesetzt hat und im Begriffe steht, durch Anglteder- ung »an Marokko ein großes nordwestafrikanisch-s Kolonialreich zu gründen, ist seine Stellung im west­lichen Mittelmeer sehr stark geworden. Von seinem wichtigen strategischen Viereck ToulonKorsikaBi- sertaOran beherrscht Frankreich das östliche Mittel- meet, kann daselbst den Handel aussperren und tm Kriegsfälle leicht schwarze Truppen nach Europa schaffen und scheint auf gutem Wege zu sein, das Ziel zu erreichen, das Napoleon I. sich gesetzt hatte, aus dem westlichen Mittelmeer einefranzösische See" zu machen, während im östlicyen louttelmeer sich Eng­land festgesetzt hat. Und doch muß Italien auf Grund seiner geographischen Lage als die einheitliche Miitelmeermacht angesehen werden. Denn' «s verfügt im Mittelmeer über die längste Küste, über die besten Häsen und eine größer« Menge geeigneter Mann­schaften, als irgend ein anderer seefahrender Staat. Italien ist daher berufen und geeignet, die Vorherr­schaft zur See im Mittelmeer zu führen, und es kann dies Ziel erreichen, wenn es feine Flotte entsprechend verstärkt, ohne Rücksicht auf das Wohlgefallen Eng­lands und Frankreichs. Damit würde es die Polittk verfolgen, welche schon Bismarck für unbedingt not­wendig gehalten hatte, als er 1868 aussprach:Die Herrschaft über bas Mittelmeer muß Italiens be­ständiger Gedanke, das Ziel aller italienischen Mi­nister, di« Grundlage der italienischen Polittk sein."

Als im Jahre 1906 di« wütenden Angriffe der Vertreter des russischen Volkes" gegen die Re- gienmgsgewalt ihren Höhepunkt erreichten, er­schallte plötzlich ein lauter Protest von einer Seit«, an die niemand gedacht hatte. Die Vertreter eines Standes, der sich nach Ansicht der Sozialrevolu­tionärelängst überlebt" hatte, erhoben ihre Stimme und stellten die mutige Behauptung auf, daß die Her­ren von der ersten Reichsduma durchaus nichtdie beste» des Landes" feien, sondern nut Schreihälse, die uach Haus« geschickt werden müßten, bevor sie ernstes llnheil angerichtet hätten. Diese Stimme ging von

TieOberhesjlichr Leitung" er.ajeuit täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 JH (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

Bundesstaaten ohne Kommissionsberatung anzuneh­men, wurde widerfvru<bslos -uaeltimmt. Abg. eew Prittv itz und Gasfron («nnf.) beantragte, den Gesetz­entwurf betr. die Vervflichtung zum Besuche länd­licher Fortbildungsschulen in der Vrovtni Schlesien der Kemeindekommillion zu überweisen. Auch dieser Antrag wurde nach kurzer Debatte angenommen. Die Novelle w.m Gesek betr. das bet Or­

ganisten. Kantoren. Küster und die ldiirsorae für ibre Hinterbliebenen in der evangelishen Landesftrch« wurde auf Antrag des Abg. MekenGin (kons.) un­verändert angenommen, ebenso auf Antrag des Abg. e. Stockhausen (kons.) in erster und zweiter Lesung die Novelle zum Gesetz betr. EinseKuna van Bezirkseifen- babnräten und eines Landeseisenbahnrates für die Staotseisenbabnnerwaltnnq und betr. Ergänzung des vorstehenden GefeKes. Das Haus vertagte sich auf Montoo vormittags 11 Uhr.

Die Kommission des Aboeordnetenbaufes zur Vor­beratung des GefeKes betr. die Reifefosten der Staatsbeamten hat die erste Lestina der Borkaae be­endet. Der Termin des Intrastttetens des Gesetzes wurde auf den 1. Oftober festgesetzt.

Politische Umschau.

von der Ttatsschuldenkommifsion.

Nach dem dem Abgeordnetenhaus« zugegange­nen Bettchte der Staatsschuldenkommission Waren formell von den in Preußen bewilligten Krebsten am 31. Dezember 1909 noch für 891 Millionen offen. Davon kamen 447,9 Millionen Mrk ins vor dem Jthre 1909 bewilligte Kredite, 155,9 Millionen Mark auf das Gesetz zur Er­gänzung der Einnahmen im Etat für 1909, 21.3 Millionen Mark auf das Gesetz über die Deck­ung der Ausgaben von 1907. 25 Millionen Mark aus die Novelle zu dem Gesetz über die Errtcht- ung einer Zentralanstalt zur Förderung genossen« fchaftlichen Personalkredits, 224,9 Millionen Mark auf vor dem Jahre 1909 bewilligte Kredite. Millionen Mark auf das Kreditgesetz zur Besser­ung der Wohmmgsverhältnifle, dar vom 3. August 1909 datiert. Von den gesamten Kredi­ten war Ende Dezember 1909 nicht verfügbar der Betrag der zu diefem Zeitpuntte noch nicht fälligen, auf Grund von Anleihegesetzen auSge- gebenen unverzinslichen Schatzanweisungen mit 100 Millionen Mark fo daß Ende Dezember 1909 die Kredite tatsächlich nur im Betrage von rund 791 Millionen Mark offen waren.

Getreideeinfuhrscheine.

Die Ansicht, daß der Gesamtbettag »er aus» gestellten Getreideeinsuhrscheine als Verlust füt die Reichskasse in Rechnung gestellt werden müsse, ist trttg. In der dem Reichstage vorgelegter Denkschrift über die Einfuhrscheine heißt es hier über: Wäre der Identitätsnachweis für Ge>. ttride ufw. nicht aufgehoben worden, so hätte die Ausfuhr dieser Waren sich nur in den be­scheidenen Grenzen halten können, in denen st« sich bis zu der Ge^tzgebnng von 1894 tatsächlich bewegt hat. Infolgedessen wäre auch die Ge- tteidemenge, die zum Ersätze für ausgefühttei Getteide eingebracht werden mußte, nur gering, fügig geblieben. Wenn demnach das Reich ,6t das Getreide, das nach Aufhebung des Identi­tätsnachweises infolge der bedeutend verstärkten Ausfuhr gegen früher mehr eingeführt werde« muß, wegen Begleichung der Zollschuld mit Ein- fuhrfcheiüen keinen Zoll in barem Gelbe erhälü so entgeht ihmsnltt eine Einnahme, die es auch ohne Beseitigung des Identitätsnachweises nicht erzielt hätte. Die in der Begründung zum Ge> setzentwurse von 1894 vertretene Auffassung, daß durch Schaffung der Einfubrscheine an und für sich ein Ausfall für die Reichskasse nur in Höhr des geringfügigen Zolles für die vorbei zum Erfaße für ausgefühttes Getteide mtte» Zollenttichtung eingesübtten Getteidemengen ent­stehen könne, ist hiernach noch heute in vollem Umfange aufrecht zu erhalten. Auch die größts Steigerung des Einfuhrfcheinverkehrs ist an unn für sich für die Zolleinnahme unschädlich. Ein« Schmälenmg der Einnahmen des Reiches durch den Einfuhrscheinverkehr bleibt jedoch nur so lange ausgeschlossen, als es sch be' di.sem Ver­kehr, dem Grundgedanken der Ges-tzgevung von 1894 enffprechend, nur um einen Austausch des inländischen und des ausländischen Getreides handelt. Ein solcher Austausch liegt vor, solange für die gegen Einfuhrschein ansaefühtten Ge- lreidemengen gleich große ober größere Mengen Getreide von gleichem eher höherem Zollwett aus dem Auslande eingeführt toerbett und di fe Einfuhr sich nach wittschaftlichen Gesetzen als nottmitt'ge Folge berientgen Ausfuhr erweist, bei der die Einfuhrscheine erteilt wurden. Ist der Zollwett der so verstandenen Ersatzeinfuhr höbet als der der vorangeg-- genen Aussicht, so be- beutet der Einfuhrscheinverkehr «sine Erhöhung der Zolleinahmen. Si"'leiben unberührt, wena Einfuhr und Ausfuhr im Zollwett sich gleichen. Dagegen kann ein Verlust für die Zollkasse ein- treten, sobald das gegen Ensuhrscheiu ausge» fübrte Getreide entweder übersandt nicht, oder durch Einfuhr zollfreier ober niedrigeren Zoll­sätzen unterliegende- Fruchtarten ersetzt wird.

Preußisches Abgeordnetenhaus.

Im Abaeordnettnbaufe

wurde am Sonnabend die zweite Beratung des Bau­etats fortgesetzt. Abg. v. Arnim-Züsedom (kons.) be­antragte, di« Pension bett, die Erweiterung des Schutzhafens bei Hameln an die Kommission zurück­zuverweisen, um nochmals die Bedürfnisfrage zu prü­fen. Auch erscheint es nicht angängig, daß der Fiskus allein die Kosten trägt, ohne daß Hameln mit dazu herangezogen wird. Abg. Hausmann (natl.) befür­wortete die sofortige Bewilligung und erklätt«, daß die Gemeinde Hameln bereit sei, zu den Kosten bei- zuttaaen. Da auch Minister v. Breitenbach die Not­wendigkeit der Hafenerwetterunq bestätigte, wurde die Position ohne nochmalige Kommissionsberatung bewilligt. Abg. Graf v. Spe« sZtt.) beantragte, die Kosten für die Umbauten im Auaeordnetenbause. na­mentlich bet Bibliothek, zu bewilligen. Abg. Frhr.

e. Malkahn (kauf.) sprach gegen die Bewilligung, be­tonte aber, daß ein Teil feiner politischen Freunde dafür stimmen würde. Das Projett weise auch ver- chiedene Mängel auf. Für den Antrag Graf v. Spee machen die Abg. Dr. Wagner (frt.) und Peltasohn -' ~ ' ------- Abg. Dr. Schröder-Easftl

fortschr. Bp), dagegen Aba. Dr. Echt natl.). abg. Winckler (kons?) sprach füi

der Konservativen, bet dem Antrag Graf v. Spee zu- SImmen will. Um den Abgeordneten ein bequemeres rbeiten zu ermöglichen, müsse die Bibliothek in un­mittelbare Nähe des Sitzungssaales gelegt werden. Der Anttag Graf v. Spee wurde angenommen, ebenso debattelos bet Rest des Bauetats. Abg. Dr. v. Kries (kons.) wies auf die erhebliche Verbesserung hin, welche bi« Denkschrift betr. Veränderung der Linien­führung der Oder-Weichsel-Wassetstraß« bei Brom­berg gegenüber dem alten Projett bringe und bean­tragte die Denkschttft durch Kenntnisnahme für er« ledigt zu erklären. Es wurde so beschlossen. Auch dem Anträge des Abg. v. Schmeling (kons.). die Vor­lage bett. Vermeidung von Doppelbesteuerungen bei Heranziehung zu direkten Kommunassteuern in den

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(Nachdruck verboten.) Uni Ebre und Necht.

Roman von O. (Hf*tr.

l sWrNepnna >

Der Gedanke an dieses Abenteuer ärgerte ihn noch jetzt, und in seinem Aerger ließ er di« Füchse di« Peitsche fühlen, daß sie schärfet auS- ßtiffee.

Prokowski klammerte sich fest an die Lehne.

Fahren Sie doch nicht so unsinnig," sagte er unmutig.

»Das ist noch garnichts,* lachte Ftttz.®a sollten Sie erst einmal mit Baronesse Erika fahren. Dabei geht es über Stock und Stein.*

-Ich danke für eine solche Fahtt.*

Wieder versank derschöne Stanislaus* in fine dumpfe Träumerei, und da Fritz keine Lust ^atte, das Gespräch zu erneuern, legten sie die Fahtt nach Schloß Hambach schweigend zurück.

Erst als man da? schöne, altettümliche Schloß «nd den staatlichen Gutshof daliegen sah, er« wachte Stanislaus aus seinem dumpfen Hinbrü« ten und richtete sich empor. Sein Gesicht erhellt« sich. Deutlich las man den Gedanken auf seinem Besicht:Run, in diesem Schlosse wird es sich schm: wohnen lassen! Das kann ja nicht so fchUmm werden, wie ich mir gedacht habe.*

Und es wurde wirklich nicht so schlimm.

Als nämlich Fritz vor dem Jnspettorhause Vorfahren wollte, wo ja der neue Volontär wohnen sollte, in lüfte Baron Hambach von bei Freitreppe des Schlosses her, daß Fritz vor dem Schloß Vorfahren sollte.

Das war für Stanislaus schon «ine große .Genugtuung. Noch größer aber wurde dieses Gefühl, als ihm Baron Hambach freundschaftlich hi« Hand schütteltt und ihn in de« Salon seiner

Gattin führte, wo ihn die Baronin aus das freundlichste begrüßte.

Ich freue mich sehr, den Sohn meiner lieben Freundin aufnehmen zu können* fagte sie mit liebenswürdigem Lächeln.Und ich hoffe, daß eS Jbnen bei uns gefallen wird *

Ich bin der Ueberzeugung, gnädigste Baronin,* entgegnete Stanislaus faust und küßte die wttche Patschhand der Baronin.

Hier ist unsere Tochter Erika,* stellte diese dann das junge Mädchen vor, welches bislang halb verborgen hinter einem Blumentisch ge­standen und denschönen Stanislaus* mit kriti­schem Blicke gemustert hatte.

Prokowski verbeugte sich in tadelloser Weise. In seinem dunften Auge blitzte es auf, als er in das leicht errötende, hübsche Gesicht Erikas blickt«, aber nur einen Moment. Dann sentten sich die dunsten Lider wieder über seine Augen, seinem Gesicht den leicht schwermütigen Ausdruck verleihend, der so inttressant macht.

Ich hoffe. Sie werden mit Erika recht fleißig m'lsizieren * fuhr die Baronin fort.Ihre Mama schrieb mir, daß Sie ausgezeichnet Violine spielen.*

Meine Mama übertreibt. Aber ich stehe gern zu Diensten. Was spielen gnädigste Baronin am liebten? Bethoven Chopin?*

Das ist mir einerlei * eittgenete Erika keck.

Es ist doch ein Unterschied zwischen beiden.*

Halt!" unterbrach der Baron die musikali­schen. Erörterungen.

Entschuldigt, wenn ich mit einer prosaischen Frage komme. Haben Sie schon gegessen Herr von Prokowsfi?*

Ja ich danke sehr ich habe tm Speise­wagen des Zuges gegessen.*

Gut. Dann trinken Sie eine Taffe Kaffee

mit uns auf der Veranda. Umzukleiden brauchen Sie sich nicht wir leben hier ganz zwangl»S. Mr haben deshalb mit dem Kasse« eine Stunde gewartet.*

Sehr gütig.*

Also kommen Sie."

Man begab sich auf die Veranda, wo dem neuen Volontär Miß Batzlev, die Erzieherin der Tochter des HaufeS, vorgestellt wurde.

Miß Bavley mochte etwa vierzig Jahre sein. Sie war schon fünfzehn Jahre im Hause, und hatte die Erziehung sowohl der älteren Schwester Erikas, die bereits an einen Rittmeister von Handtleben verheiratet ivar. als auch die Erika geleitet. Sie war lang und hager, blatzblond und blaßäugig, besaß ein Gebiß, das Furcht erregen konnte, und trug das schlichtgescheitelte Haar zu einem kleinen Knoten am Hinterhaupt« zusam- mengedreht. der von Erika sehr unehrrrbietig da- heilige Zwiebelchen". genannt wurde. Ihre Kleidung bestand in einem aschgrauen, bis zum Halse geschlossenen Kleide, mit weißem Kragen und Manschetten.

Im übrigen war sie «in« freue, grundehrliche, gutmütige Seele, di« etwas schwärmerisch und religiös veranlagt war.

Sie schentte mit steifer Grazie den Kaffee und Tee ein, während ein Diener Sandwichs und Kuchen umberreichte.

Hier ließ es sich wirklich leben, konstatiert« Stanislaus zum andern Male.

Er mußte der Baronin von feiner Mutter erzählen, was er mit schwermütiger, kummer­voller Miene tat, da seine arme Mama schwer« Zeiten durchgemacht hatte.

Jetzt geht eS ihr besser,* setzt« er hinzu,be sie schließlich auS dem Zusammenbruch unseres vermögens doch «och einen flehten Teil gerettet

hat, der sie vor unmittelbarer Not schützt. Auch hat meine Schwester eine Stelle als Lehrerin der französischen Sprache in einem Institute ange­nommen.* ,

Nun, das freut mich,* entgegnet« die Baronin herzlich.Für Sie Werden wir auch schon eine Stellung finden, Herr von Prokowski werden Sie nur erst wieder gesund *

Ja, und lernen Sie was Ordentliches." setztt der Baron ziemfich unbermitelt hinzu, was ihm einen strafenden Blick seiner Gattin einbrachte.

Ich werde mich bemühen, Herr Baron,* sagte Stanislaus bescheiden, bk dunklen Wim­pern über seine Augen senkend.

Der Baron reichte ihm eine Kiste mit Zigarren.Rauchen Sie?*

Ich danke sehr wenn eS nur gestattet wäre, eine Zigarette anzuzünden? . . .*

Immer zu! Da sind auch Zigaretten*

S^aniSlauS zündete sich eine Zigarette an, und Eri'a sah zu ihrem Erstaunen, wie er den Rauch derselben einsog und erst nach einer Weile wieder von sich gab.

Sie nahm sich vor, dieses Kunststück im Ge­heimen auch einmal zu probieren.

Ich werde Sie jetzt auf ihr Zimmer führen und Sie dem Herrn Inspektor Grupe vorstellen, der Ihr Lehrmeister in allem LandwirtschaH- l-chen fein wird," fagte der Baron und erhöh sich.Frühstück und Vesper bekommen Sie auf Ihr Zimmer, mittags und abends elfen Sie bei uns. es w'rd mittag» um 12k> Ubr und abend- um 7^.Uhr gegessen, eine Viertelstunde vorher läutet der Gong damit Sie sich umziehen können. Sind Sie bereit?*

Ich stehe zu Diensten, Herr Baron.* (Fortsetzung folgt.),