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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

»nd den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg.

M 83

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Zweites Blatt

Bestellungen

yfbnfbefen. fonen. pfefffemtna tfireS ^ur^eiteaun« von sollen zur Ver­don (^treHofeWen

»wissen den Krankenkassen und Aerzten oder 9fh(rf6efern die Sckiedsmisscküffe bei den Ver- fickerunasämtern berufen sein Bei Streifigseifen über vermöaensrecktliche Ansprüche aus Ver­trägen zwischen Kaff-n und Aerzten oder Ano'be- fent wird die Entscheidung des Sckiedsaus schnlles rechtskräftig, wenn sie nicht binnen 2 Wochen nach der Zustellung durch Klaae beim ordentlichen Gericht anaefochten wird. Aus Ver­gleichen vor dem Schiedsausschutz und dellen rechtskräftigen Entscheidungen soll Zwanasvoll- strecknng gemütz Buch 8 der Zivllvrozeßordming

Die JnsertionSgebühr betrügt für die 7gespaUene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universttätg-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

zwischen den einzelnen Aerzten, sondern allge­mein zwischen den Kasten und zuständigen ärzt­lichen Standesvertretungen zu vereinbaren seien.

Demgegenüber richtet sich der Widerspruch der ganz überwiegenden Mehrzahl der Kranken- foffen gegen di« zwangsweise Einführung dieser freien Arztwahl. Denn diese lockere die persön­lichen Beziehungen zwischen den Kastenverwalt­ungen und den Aerzten und mindere das Inter­est« der Aerzte am Gedeihen der Kaste. Sie fördere das Stmulantentum und steigere die Ausgaben der Kaste im Uebermatze. Denn sie veranlasse die Mitglieder, diejenigen Aerzte zu bevorzugen, welche im Verschreiben von Arzneien und Stärkungsmitteln, in der Ausstellung von Bescheinigungen über Krankbeit und Erwerbsun- säbigkeit, sowie in der Zahl der ärztlichen Be snche am weitesten gingen. Ferner soll die freie Arztwahl wegen der mit ihr verbundenen Mög- ficbHt des häufigen Arztwechsels die Kranken kontrolle erschweren. Dann aber wird bebauvtet, datz di« freie Arztwahl ihren Zweck, den Aerzten den freien Wettbewerb zu sichern, gar nickt er­reich«. Vielmehr fckaffe fie für den Arzt statt der Gefahr einer Abhängigkeit von der einzelnen Kaffenverwaltung den mindest ebenso bedenk­lichen Mitzffand der Abhängigkeit von den ein­zelnen Kaffenmitgliedern und stelle überdies die Auswahl des Arztes unter Einflüste außerstehen­der Aastoren.

Den bestehenden Verhältnissen gegenüber will mm der Entwurf einen Mittelweg beschreiten. Van der Anordnung der freien Arztwahl ist ab aeseben. Verträge der Kaffen mit bestimmten Aerzten. Krankenhäuser und Apothekern und die Ablehnung der Kosten für anderweit in Anspruch genommene Aerzte itfto., abgesehen von dringen den Fällen, ffnd wie bisher zngelaffen. iedock soll den Kassenmitalieder tunlichst die Auswahl zwischen mindestens zwei Aerzten ermöglicht werden. Genügen die Anordnungen der Kaffe nickt den berecktigten Anforderungen ibrer Mit­glieder. so kann das Obett-ersickerunasamt nach Anbönma der Kalle und des Sckj-dsa"skchuss's beim Perllckerunasamte das Erforderliche an ordnen. Im einzelnen sollen die Bettebunaen zu den Aerzten auf Grund einer Vereinbarung der Kaffen mtt ihnen in einer sogen Arztordmmq geregelt werden, auck können di- Kaffen und die

stattsinden. In anderen als vermögensrechtlichen Streifigkeiten so« die Schiedskammer beim Ober- verstcherungSamte die zweite und letzte Instanz bilden. Dabei können Aerzte zur Vomahme ärzt­licher Handlungen und bei deren Nichtausübung in gesetzter Frist zur Zahlung einer Entschädig- ung an die Kasse vemrteilt werden. Im übrigen kann der Schiedsausschuß auch als Einigungs­amt angerufen werden.

bindung, die zwischen Heer und Flott« bestehe« soll und bestehen muß zum gemeinsamer. Sckutz deutsche« Lande- und deutscher Ehre. Um diese« G-danken auch ferner tomt zu erhalten, wolle« Seine Majestät, datz dieser Kreuzer den Ramm tiHoItfe" tragen soll. Du ober, Du starke» Sckiff. daS nun eintauchen so« in sein Element mögest Du sein tote er, dessen Namen Du führe« sollst: Allezeit treu bereit für des Reiche» Herr­lichkeit. Trage Deinen Ramen mtt Stolz und Deine Flagae mtt Ehre. Wie der Kompaß seine» Lebens die Pflicht war, so sei sie auch Richtschnur Deiner Offiziere und Deiner Mannschaft.* Auf Befehl Seiner Maieffät de» Kaiser» und Könta» taufe ich Dich:Moltke". Und tote in diesem Namen sich nun Heer und Flotte eint, so sollen sie immer gemeinsam dastehe«, Schulter an Sckmlter zu Sckutz und Trutz, bereit, zu kämpfe« und zu si-aen für unser deutsches Vaterland, für unseren Kaiser und Herrn. Das toollen totr be­kräftigen, indem wir rufe«: Seine Majestät unsel Kaiser und Kriegsherr hurra, burra, hurra!'

Politische Umschau.

Eine Rede v. Moltke'S.

Hamburg, 7. April. Beim Stapellauf des großen KreuzersG* auf der Werst von Blohm und Voß hielt wie schon kurz berichtet, General- stabsckef von Moltke di« Taufrede. Er sagte u a.:

Vierzig Jahre sind verflossen seit in schweren Kämpfen und blutigem Ringen der Gmndstein gelegt wurde zu dem stolzen Bau. unter dessen schützendem Dach die deutschen Stämme heute wohnen seit das Reich errichtet wurde, vor dessen Toren die Iugendkrast des geeinten Deutschland schirmend steht in Wehr und Waffen. Seit vier­zig Fahren erfreut der Deutsch« sich des geficket- t«n Friedens, den feine Brjidcr und feine Väter ihm erkämpft haben. Mäckttq entfaltete sich Handel und Gewerbe. Deuffcher Erwerbssleitz und deutsche Intelligenz schufen neue Werte. Der Kaufmann zog hinaus über die Meere, im fried­lichen Wettkgmvf erob-rte sich die deutsche In­dustrie den Marst der Welt Bald stand der deutsche Außenhandel an zweiter Stell« unter allen Völkern der Erde, an den Gestaden des at­lantischen Ozeans erwarb das deutsche R-ick die ersten Kolonien und auf den Inftln der Siidlee vffanzte es sein Banner auf. Doch fehlte es an Sckutz der so aetvonnenen nationalen Güter und im vollen Gefühl seiner Verantwortlichkeit ftk die Sickerung deutscher Entwicklung schuf unser Kaiser die deutsche Flotte Wir gedenken unseres groben Kaisers und seiner Paladine und unter ihnen richten wir unseren Bffck m>k d-n Mann der treu und fest dem alten Heldenkaiser zur Seite stand, so ost er binauszoa in den Krieg, hin­aus auf das M er der ungewissen Zukunft; der sein Navigationsoffizier war im Sw.m der Schlackten; der daS Sckiff, das Deuffcklands Glück >md Leben trug, fieber zum Ariedenshort leitete: auf den Aeldmarschall Moltke.

Solange dieser Sobn des Heere» an bet Sjutre des Generalstabes stand, war er ein Freund der Flotte, erkannte et ibre Bedeutung und ibre Rotw-ndiakeit. Sckon 1864 beklagte et «8, daß die Operationen de» Landbeeres nickt von einer Flotte unterstützt werden konnten und 1870 sah er mit Besorgnis die deutsche Küste fast wehrlos der feindsichen Seemacht gegenüber. Areud'aen Herzens stimmte er daher seinem jugendlichen Herrn, unterem erlauchten Kaiser zu. als b-efet dem deutschen Reick die Flotte sckuf, wie sein arotzer Ahn ibm daS Heer geschaffen hatte. Und als der Kaiser im Iabre 1891 b n Aeldmarschall A ia «uito des S-ebataillons stellte Wollte er damit Hinweisen auf die inn-ye Ver

Marburg

Sonntag 10. April 1910.

Die NesitiilUfl des NerNltuiffes der Kranlenkaffen zn den Aerzen nnd Apo­theken nach dem Entwürfe der Reichs-

Versicherunasordnunq.

Bedauerlicherweise haben sich bei bet Kran­kenversicherung schon seit einer längeren Reih« von Jahren in dem Verhältnisse zwischen den Aerzten und den Organen bet Krankenkassen scharfe Gegensätze entwickelt, beten Ergebnis an vielen Orten erbitterte Streitigkeiten unb ein Zu­stand offenen Kampfes gewesen sind. Ein nicht geringer Teil der deuffcken Aerzteschast steht in- folaedeffeu der ganzen Eiurichttmg der Kranken- versickerung mit einer gewissen Mißstimmung gegenüber Ruf der anderen Seite wird durch folcke Konflikte oft gerade die ordnungsmätztge ärztliche Versorgung der erkrankten Versicherten in Frag« gestellt und damit eine schwere öffent­lich Notlage geschaffen.

Die Mißstände haben, tote die Begründung ausführt, einen solchen Umfang angenommen, daß von den verschiedensten Seiten mtt Nachdruck um Eingreifen der Gesetzgebung gefordert tvirb, die hier allein noch helfen könne. In der Tat liegen die Dinge fo, daß die gesetzlichen Faktoren sich der Pflicht neuester Prüfung nicht mehr ent­ziehen können, wie hier Abhilfe zu schaffen ist. Ein aroßer. in einflußreiche Verbände zusammen­gefaßter Teil bet Aerzte kämpft für bas bem Kaffenarztshstem entgegengesetzte System, der sog. freien Aerztewahl, «ach welchem febet avpro- ' Werfe Arzt bei jeder Krankenkasse seine» Wohn­bezirkes zur Praxis zugelassen werden mutz, to- fern er sich verpflichtet, diese Prari» zu gewissen Rormativbedingungen auszuüben, und nach wel­chem dann jedem Kaffenmitgliede die Wahl unter den so zugelassenen Aerzten freisteht flogen, »be­schränkte freie Arztwabl"j. Teilweise, nament­lich von den großen ärztlichen Verbänden, wird des weiteren verlangt, daß die Bedingungen nicht

Aertt« sowie die Kassen und Einiaunoskommissionen zur geaenseifiaen Verhältnisses und Str-ittgkeiten bilden. Endlich Mittelung und Enttckeidung

Marburg und Umgegend.

tRackdriick aller vrtginalarttkel ist gemäß 5 18 M Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe

Oberheff. Ztg.' gestattet.)

Marburg, 9. April.

»Früh aufstehen. Im Winter liegt man gern einwenig lange in den Febern. Einesteils wegen der Kälte, andernteil» wegen des späte« SonnenailfganaS. Wenn aber der Frühling in» Land zieht, dann sollten wir uns wieder daran aewöbnen, zeitig aufzustehen. Denn Morgen­stunde bat bekannttick Gold im Mund« ob­wohl das auch manche Menschen im Mund« ho­ben. die das zeittge Aufsteben regelmäßig der- schlafen. Rur die Kinder sollte man nicht allz« früh aus den Betten berausiaaen. an wenigsten schwäckficke und kränkliche K-nder! Kinder brau­chen Schlaf besonders heutzutage wo de« Neinen. schwachen Gehirn doppelt so viel Wissenskram zuaemutet wird und daS Leben doppelt so kompliziert geworden ist als vor etwa einem halben Jahrhundert lwo ja das Hasten und Treiben unserer Zett ebenso noch ein Mär», chen war als unser«nervöse Vererbung"). Better ist es aber allerdings, bet Mensch geht zotiger zu Bett um zeittger aufstehen zu können. Kinder, die erst um 11 Uhr abends ihr Laaer aufsuchen, das fie früh um 9 Uhr verlassen, kommen schlechter weg als K'-'^er. die schon um 7 Uhr zu Bett aehen. aber um 6 Ubt früh aus­stehen. Zu diesem sehr einfachen Rechenerempel kommt nock daß mit dem Unteraang der Sonne die hefte Schlafenszeit beginnt, denn der Schlaf vor Mitternacht übertrifft an Quafftät bett nach Mitternacht Und bo schon das Kind svä.er selb« fene Schlafenszeit im ungünstigen Sinne bet- ändern dürfte, kann man den Eltern mtt den Rat erteilen: Bringt die Kinder möglichst zeittg zur Rübe, damit sie möglichst früh aufsteben könne« Inl-uS Lobmever toat: .Wer wack und flat tut Hellen Morgen stebt. begreift nicht, tote noch andre schlafen können".

* Nir SieOberhefstsche Zeitung" nebjt «Mtt« Beilagen werden von unserer Expedi- * Werft 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Reustadt, «eiter, EbS- darf, Hachborn, HeSkem-MSlln, Lei- denhofen, Dreihaufen, Wittelsberg, -Riedertoeimar, Riederwalger«, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalten und Landbtiesträgem «ntgegengenom- m«n.

bett,Rettung" er;o;emt taßltu) mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 8 26 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren tzettungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 8 '<X.

5 . (Nachdruck verboten.)

Ilm Effre und Necht.

Roman von D. Elfter.

(Forttetzuna)

III.

Der Zug fuhr langsam in den Neinen Bahn­hof ein, auf dessen Bahnsteig Fritz Born stand und neugierig demschönen Stanislaus" «ut- gegettsah. Einige ältere und jüngere Damen stiegen aus. mit viel Handgepäck beladen, sich hilfesuchend nach einem Gepäckträger umsehend, mehrere eilige Handlungsreifende und einige Bauern sonst niemand. Keiner von den An­gekommenen glich dem Bilde des schönen Stanis­laus. wie es Fritz Born beschrieben war.

Sollte er den Zug verpaßt haben? Da» würde Baron Hambach sehr Übel bermerten, et schickte seine Pferde nicht gern umsonst in der Welt umher.

Fritz wartete, bis sich der Zug wieder in Be­wegung setzte und her Bahnsteig wieder leer ge­worden war. Herr von ProkowStt wat nicht gekommen, und ärgerlich begab sich Fritz durch den Wartesaal zu den an der Außenseite be» Bahnhofs haltenden Wagen.

Da sah er einen Herrn in langschößigem Bie­bermeier-Sommerpaletot, eine gelbe Ledertasch« in der Hand, neben sich einen eleganten Koffer, aus dem Hutschachtel mit Violinkasten lagen, vor bem Wagen stehen und mit Christtan sprechen, bet jetzt mit der Peitsch« nach Fritz deutete, wor­aus sich der fremde Herr umwandte und grüßend aus Fritz zukam.

Habe ich das Vergnügen, Herm Born von Schloß Hambach zu sehen?" fragte er.

Fritz vermochte vor Erstaunen kaum zu ant­worten. Auf den ersten Blick erkannte er in dem Fremden den Herrn, der mit der schönen, rot­blonden Dame auf der Kurterraffe gesessen hatte.

Da» ist allerdings mein Rame," sagte et.

Unb mein Name ist Stanislaus von Pro- kowsfl." fuhr bet Fremde im Biedermeierkostüm sott. .Sie tollten mich Wohl nach Schloß Ham­bach bringen?'

Freilich aber Sie sollten doch mtt bem eben eingettoffenen Zuge ankommen? Ich habe Sie iedock schon im Kutaat^en gesehen "

Eine flückttae Röte huschte über daS blaffe Gestckt Prokowskis.

Das ist wohl möqlick entgeaenete er mit einem mißtrauschen Seitenblick auf Fritz.Ick habe einen früheren Zug benutzt und habe mich so lange im Kuraarien aufaehalten."

Dagegen ließ sich schließlich nichts sagen. War doch Fritz mich früher fortgefahren, als nöttg war. um noch einen Gang durch den Kurqarten macken zu können. Die rotblonde Dam« war allerdings verdächttg, aber was gingen schließlich Fritz die Bekannten deSschönen Stanislaus" an?

Run, so steigen Sie ein, Herr von Pro kowski" sagte er.Christian, heb' das Gepäck des Herrn auf den Hintersitz."

Damit nahm er die Zügel aus den Händen Christians und schwana sich auf den Vordersitz.

Bitte. Herr von Prokowsfl wollen Sie Platz nehmen die Fückse sind etwas unruhig und Neben da» lange Stehen nicht."

Prokowsfl fletterte mühsam aus den hohen Iagdwagen. Einen bequemeren Wagen hätte der Baron mtch schicken können, dachte er dabei.

Das Handgepäck war verladen, Christian thronte hoch oben auf dem Koffer, die Hutschach- tel haltend ein leichter Zungenschlag Fritzens, und die Füchse trabten, die Köpfe schüttelnd, munter davon.

i Man konnte sich so leicht keinen größeren Ge­gensatz denk-n als diese beiden fast gleichaltrigen jungen Männer. Fritz, aufrecht und straff da- sitzend, ein Bild bet blühenden Gesundheit und Kraft, ein bjschen derb und durchaus nicht «ach

Sttckenluft aussehend. Stanislaus Prokowsfl müde und scklaff, in fick zukammenaesunlen die Auaen zitkneffend weil ibm die Sonne blendete, bloß und fibernäckttat austebend lang und dürr, tofi den Gestalten der Uebem-enfAen gleichend, toi: fie in den Witzblättern obkonterfett werden.

Dabei war sein Gefickt nickt häßlick. viel­leicht feiner nnd sckönet als das des jungen Ver­walters. Seine aroßen dunflen Auaen besaßen einen schwärmerischen Blick feine Rase war edel geschnitten, und feine schmalen Livven bedeckte ein dunkl-r. ziemlich dünnerSchnurrbari wäbrend ein schmaler Bartstreffett fick von der Schläfe bi» zu bett Obrlävvcken herab,og. Das btmfle Haar hing in ben Locken fast bis auf den Rockkragen.

Er glich mehr einem Musikvirtttofen als einem jungen Manne, bet sich der Landwirffchaft wid­men wollte. Dabei war et mit vollendeter Ele­ganz gefleidet, von dem Slrobbut mit buntem Bande an bis auf die feinen Lackschnürstiefel und die rolbrmtnen Handschuhe.

Der jttng« Mann kam aus der Weltstadt Ber­lin. das sah man ihm sofort an. 9htr bett konnte man sich mit solchen dernier chic kleiden.

Im stillen beneidete Fritz Born denn auch seinen neuen Bekannten um diesen Schick. Sein einfacher grauer Sommerau,uq kam ibm mtt einem Male ziemlich gewöhnlich vor. Aber als Landwirt konnte et sich d'ese» feine Herrchen nicht recht denken. In Schmierstiefeln und einem alten Flausrock muß derschöne Stanislaus" eine lächerliche Figur spielen. Und daS süß duf­tende Parfüm. daS jetzt von ihm ausströmte, paßte auch nicht zum Dust deS Kuhstalls und des Dung Fahrens.

Fritz lächelte bei diesem Gedanken. Dann fragte et, um ein Gespräch anzuknüpfen:

Sie wollen sich der Landwirffchaft widme«, Herr von Prokowsfl?"

3a," toat die einsilbige Antwort.

Waten Sie schon einmal auf einet Wirt- schast?"

Ich bin auf dem Lande ausgewachsen. Meine Estern hatten ein Gut in Westpteußeu."

Ah, bas ist etwas anderes! Dann kenne« Sie ja bas Landleben."

Prokowsfl lächelte toehmüttg.

ES ist da- schon ein bischen lange bet." meinte et.Die letzten Iahte haben wir in Ber­lin gelebt."

Dort haben Sie wohl auch gedient?" | Ick habe überhaupt nicht gedient ich habe ein Herzleiden ..."

Ach. das tut mit leib. Nun, so wa» ver­wächst sich ja mtt den Jahren. Unb daS Lebe« auf dem Laube wird Ihnen gut tun."

Ich hoffe es," entgegnete Prokowsfl leff« unb starrte schwermütig vor sich hin.

Da« Gespräch stockte wieder. Fritz Born, ei« guimüttger Bursche, sand doch, daß der .sckönk Stanislaus" etwas einsilbig wat. Ihm schien die Fahrt durch das schöne romantische Mesen- tal gat kein Vergnüge« zu bereiten; et sah nicht jur Sette und seufzte zuweilen leicht auf.

An was mochte et denken?

Fritz Born siel di« rotblonde Schönhett ei«, und et lächelte ein wenig spöttisch wenn et da­ran dachte, tote die Schön« den Stanislau» ob- gefertigt. Ja, ja, biefet Abschied lag ihm im S'nn und machte ihn fo schweigsam. Da» konnte Fritz nicht recht begreifen. Seiner Meinung nach sollte Prokowsfl froh sein, die rotblonde Schön­heit losgeworden zu sein. Fritz hatte sich genug in der Welt umaesehen. um den Ebaraftet bet» artiger Damen richtig heuteilen zu können. Al» Einjähriger bet ben Husaren hatte er auch ein­mal eine solche Bekannffchaft gehabt, unb die hatte ihm ein schöne» Stück Geld gekostet

(Fortsetzung folgt.)

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