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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

Mnb den Beilagen:Nach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

45. Jahrg

Marburg

Sonntag, 10. April 1910.

Die Jnsertiondgebühr betragt für die 7gespallene Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Foh. Ang. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. <L tztheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

DieOberhesilsche Zeitung" erschemt täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. Der Bezugsprei» beträgt viertel, jährlich durch die Poft bezogen 2 26 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 '<M.

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

Wacktsum der Bevölkerung in Preußen und Frankreich.

Vor einigen Wochen brachte einet unserer größeren Blätter unter der UeberschristIn» direkte Junggesellensteuer- eine Mitteilung von Maßnahmen, welche einige deutsche Städte für ihre verheirateten und. mit Familie gesegneten Beamten und Arbeiter getroffen haben. Der Verfasser des in Rede stehenden ArttkelS verwies mit Recht auf Frankreich mit feinem Zweikinder. Mein, wo kürzlich ein bekannter Rattonalöko­nom, um den Rückgang der Bevölkerung aufzu­halten, allen Ernstes den Vorschlag machte, nur solche Beamte anzustellen, die mindestens drei Kinder haben. Schon seit Jahren sehen franzö­sische Staatsmänner und Stattstiker die geringe Zunahme und sogar den zeitweiligen Sttllstand der Bevölkerung mit unbehaglichen Gefühlen an und versuchen sich in den verschiedensten Vorschlägen, um dem ernsten VolkSübel abzu­helfen.

Wie gerechtferttgt diese Befürchtungen sind, das zeigen die nackten Tatsachen in toten und doch so beredten Zahlen. Man vergleiche: Im Jahre 1896 fanden in Preußen 264 822 Ehe­schließungen statt und an Lebendgeburten waren 1185479 zu verzeichnens diesen Geburten stan­den 666 787 Sterbefälle gegenüber, so daß sich der reine Bevölkerungszuwachs auf 518 692 be­lief. In Frankreich zeigt dasselbe Jahr 290 171 Eheschließungen, aber die Zahl der Geburten be­trug nur 865 586 und die der Sterbefälle 771 886 so daß sich der reine Bevölkerungszuwachs auf nur 93 700 stellt. Das Jahr 1900 verzeichnet in Preußen 293 064 Eheschließungen, 1235 903 Ge­burten. 734 534 Sterbefälle und mithin einen reinen Bevölkerungszuwachs von 490 369. Frank­reich hat dagegen bei 299 084 EhesMetzungen nur 827 297 Geburten, aber 853 285 Todesfälle zu zählen, so daß sich der reine Bevölkerungszu- wachs sogar auf minus 23 988 stellt. Im Jahre 1906 überwiegen in Preußen zum ersten Male die Eheschließungen mit 309922 gegen 306 487 in Frankreich: die Geburten belaufen sich auf 1269711 ht Preußen und 806 847 in Frankreich. Bei der Zahl der Sterbefälle mit 673 669 in Preußen und 780 196 in Frankreich stellt sich der reine Bevölkerungszuwachs hier auf 595 942 und dort auf nur 26 651.

Bis zum Jahre 1906 ist die Zahl der Ehe­schließungen in Frankreich immer noch höher als in Preußen, doch ist die Zahl der Geburten um saft 50 v. H. geringer. Diesen Zahlen entspricht natürl-ch auch die Bevölkerungszunahme, die in Frankreich im Jahresdurchschnitt nur 56 464 be­

trägt, in Preußen dagegen über 500 000. So konnte eS kommen, daß Preußen, daS im Jahre 1870 noch ein Drittel weniger Bevölkerung zählte als Frankreich bereits 1908 nahept die gleiche Bevölkerung Hai und vorausgesetzt, daß die Zunahme in Preußen stetig bleibt in zehn Jahren etwa 56 Millionen mehr zählen wird. Von größter Bedeutung sind diese Zahlen ne» türlich auch für die Wehrkraft der beiden Länder; schon heute dürste Preußen allein, von den anderen deutschen Bundesstaaten ganz abgesehen, den Nachbarstaat an jungen, gestellungspflichttgen Mannschaften um ein Zehntel biS ein Fünftel übertreffen.

Unter solchen Umständen ist eS wohl verständ­lich, daß man sich in Frankreich alle Mühe gibt, Wandel zu schaffen, und daß die verschiedensten Geburtenzahl erzielen, die anderen die Sterblich­keit besonders die Kindersterblichkett, verringern. Sett dem Ende des Jahres 1907 scheint die Frage ganz besonders akwell geworden zu sein. Am 27. November 1907 richtete der Senator Piol an Clistnenceau totTernpS" einen offenen Brief und empfiehlt die in Frankreich sehr seltenen kinderreichen Familien besonderer staatlicher Für­sorge auf dem Wege der Steuererleichterung. Am 29. November 1907 erklärt derFigaro", daß aus gesetzgeberischem Wege allein in der Angelegen­heit der abnehmenden Bevölkerung kaum etwas zu erreichen sei. Staatsregierung und G sellschaft müßten Hand ht Hand arbeiten. Es wurde auch auf Anraten deS Senators von dem Ministerpräsidenten eine Kommision zur Unter sirchung der Frage eingesetzt, doch mußte sie Ihre Tätigkeit bald einftetten, da sie nicht einmal die Mittel batte, die Ergebnisie ihrer Untersuchungen zu veröfsentftchen. Am 29. November 1907 verlangt dieR^publigue Fran^aise" eine Aende- ung der Erbschastsgesetze:Nicht mehr Teilung, sondern Testterfteiheit; die Teilung zu gleichen Teilen hat die Folge gehabt, daß immer mehr Familien, um ihr Vermögen nicht zersplittern zu müssen, nur noch ein Kind haben; das Zwei- kindersystem geworden." Ob er Wohl helfen wird?

Preußisches Abaeordmlenhaus.

Im Abgeordnetenhaus«

wurde am Freitag die zweite Beratung des Bauetats fortgesetzt. Abg. Fiirbringe« lnatlib.) trat für eine Verbilligung der Schiffahrtsabaaben auf dem Dort« mund-4kms-Kanal ein, um Emden gegenüber Rot­terdam konkurrenzfähig zu machen. Minister ». Brei­tenbach wird diesem Wunsche nicht entsprechen kön­nen, da Verkehr und Einnahmen diese« Kanals nach­weislich erheblich zugenommen haben. Abg. Ham­mer (kons.) erklärte den Ttansenschen Bauentwurf für Groß-Berlin finanziell für unausführbar, da er die einzelnen Gemeinden ungeheuer belasten würde. Aufgabe der Regierung sei es jedenfalls nicht, das Anwachsen der Großstädte zu fördern, sondern eher das Gegenteil. Die zunehmende Entvölkerung Ost­preußens sei eine eindringliche Warnung. Auch die Schaffung eines Wald- und Wiesenaürtels für Groß- Berlin würde nur durch Zwang aeqenüber den Ge­meinden erreicht werden können. Das entspreche aber nicht der Selbstverwaltung, die hochgehalten werden

müsse. Der Redner trat wiederum für bessere Be- rückfichttgung der Handwerker bei öffentlichen Sub­missionen ein und ersuchte den Minister, nach Kräf­ten dafür zu sorgen, daß bet die Kaufleute schädig B Warenhandel der Beamten unter fich in be- enen Grenzen gehalten »erbe. Es würben sogar n an bae Publikum abgegeben. Die Beamten sollten boch berücksichtigen, baß bte Kaufleute ihre et- höhten Gehälter mit aufbringen müßten. (Beifall.) Minister v. Vreitenbach will nach wie vor Mißbräu­chen im Matenhandel bet Beamten nach Möglichkeit steuern. Abg. v. Stockhausen skons.) hofft, baß ble Vorlage be» zu erwartenden Wassergesetze» zur näch­sten Session erfolgen werde und dankte dem Minister für den Erlaß der neuen ländlichen Bauordnung. Abg. Km-ow (kons.) ersuchte die Regierung, den Weichselsischern nach wie vor da» Weidenmatertal von der Stromverwaltung liefern zu lassen. Neuer­dings werde die Abgabe von Weiden verweigert; die Fischer brauchten da« Material aber notwendig zur Ausübung ihres Gewerbes. Abg. Dr. Gaiaalat (kons.) wie« Darauf hin, daß die Fischer am Kurt- schen Haff durch die fast zwecklosen Anpftanzungen gegen Sandverwehungen am Strande und die Bag­gerarbeiten in ihrem Gewerbe stark behindert mür­ben und bat um Abhilfe. Abg. Graf v. Wartens­leben (Rogälen. kons.) wünschte Berttefung der Fahr­rinnen und Abflüsse im Plauer und Mufterwier See. Reaierunasseitta wurde wohlwollende Prüfung die­ser Wünsche zugefagt. Abo. Strosser (kons.) und nach ibm Abg. Dr Wanner (freikons.) befürwortete die Anlaae von Staubecken nach dem Donathschen Pro­jekt bei der Oderreanlierung, um einerseits Heber» schwen-w,innen zu verbitten, andererseits, bei niedri- nen, Wasserlland. Wnll»r abaeben zu können. Die Annelenenbeit wurde einer Kommission von 14 Mit» nliebern fibermteten. Abg. v. sskannm (kons.) ver­kannte ftärk-re (Fi=bre*et auf der Elbe, um in Zu- fi.nft bei Gisversebunn-n Neberschwemmungen ver­hüten zu können. Der knitter wird diese Anreaunq betn bp-n^n^>tinen. Das f>an« vertont«

ssch nm VA Nhr auf Sonnabendvormittag 11 Ilhr. m'MterFurrthi^q bes Pnuetats. Kleinere Etat». mtr<>-Nnlnetnt.

Politische Umschau.

Nach dem

Geschäftsbericht des ReichSverstcherimgsamtS sind im Jahre 1909 ht der Unfallversicherung versichert gewesen über 27 Millionen Personen. Die gezahlten Renten betrugen: 1909 162 Mill. Mark, 1908 157 Mill. Mark, 1907 150 Mill. Mark und 1906 142 Millionen Mark. Die an­gemeldeten Unfälle beliefen stch in 1909 auf 653 000, erstmal entschädigt wurden 136 000 Per­sonen. In der Invalidenversicherung sind bte Entschädigungen einschließlich des Reichszuschusses von 52% Millionen auf 190 Millionen Mark zu schätzen. In den ersten 18 Jahren sett 1891 sind 1% Milliarde Mark Entschädigungen gezahlt. Ebensoviel Vermöge» haben bte Versicherung»- träger angesammelt. Bis Ende 1909 wurden auSgegeben: für Arbeiterfamilienwohnungen 263 699 014 Mark, sür Ledigenheime 16 818970 Mark, für Bodenverbesserung, Aufforstung, Wege­bau, Hebung der Viehzucht 102 872 137 Mark, für Krankenhäuser, Genesungsbeime, volkshetl- stätten 85 563118 Mark, für öffentliche Gesund­heitspflege (Vol'sbäber, Schlachthäuser, Wasser- lettung, Kanalisatton, Friedhöfe) 143 514 440

Deutsche Resltaae in Palästina.

Jerusalem, Anfang Aprtt 1909.

V«r mehr als 11 Jahren, in den ersten Novembertagen 1898. unmittelbar nach der Ein­weihung der Erlöserkirche in Jerusalem, emp­fingen Kaiser Wilhelm und Kaiserin Auguste Vtttoria in ihrem Zeltlager angesichts des Oel- berges eine Deputatton, bte an die Majestäten die Bitte richtete, es möge für die benschen Be­wohner Palästinas ein Erholungsheim mit Ge- melnb'-fäktt auf dem Oelberge errichtet werden. Der Kaiser erteilte eine zusagende Antwort und der Auguste Viktoria Pfingst-Stiftung In Pots­dam wurden alsbald die zur Ausführung des Planes erforderlichen Arbeiten übertragen. Nach Ueberwindung zahlloser Schwierigkeiten gelang es zum Schlüsse des Jahres 1909 die Gebäude der Kaiserin Auguste Viktoria-Stiftung fast voll­ständig unter Dach zu bringen, so daß stch setzt den Festgästen ein in allem Wesentlichem ferttaeS Blld bietet. Fast gleichzeitig wurde die katho­lische Kirche Mariä Heimgang auf dem Berge Sion fertig gestellt, auf jenem Grundstücke der Dormitton Sanciae VirginlS, von dem der Kat- ser am 31. Oktober 1898 auf Grund der Schen- ftrng des Sultans unter dem Jubel aller Katbo- lifen deutscher Zunge Besitz ergriffen hatte. Alle Bemühungen der katbolischen Kirche, diese durch die Ueberlieferung heilge Stätte des Heimgangs Mariä zu erwerben, waren bis dahin vergeblich gewesen. Die Kaiserin Auguste Viktoria Stif- tuug wird am 9. April von dem Herrenmeister des Johanniter Ordens, Prinzen Eitel Friedrich, der zugleich als Vertreter seines kaiserlichen BaterS mit seiner Gemahlin erscheint, feierlich eröffnet, während die neue katholische Kirche auf dem Sion am Sonntag den 10. April ihre Weibe erhält.

Zn biefer Feier, die beiden deutschen Bekennt- Aisten in gleichem Maße gerecht wird, find bei­

nahe zweitausend Festaäste deuffcher Zunge het- beigeeilt. Natürlich ist über aller Unterkunst in Jerusalem, nicht nur über diejenigen in den Ho­tels. sondern auch über di« in den Hospizen fett langem Bestimmung getroffen, und die Nachzüg ler müssen sich in der Stadt, bereit Einrichtung dem jährlich wachsenden Zuzuge von Fremden in solchen Ausnahmetagen nicht mehr zu genügen vermögen, aus manche Jmprovisatton gefaßt ma­chen. Der Oberhofmelster der Kaiserin, Freiherr von Mirbach, weilt schon seit einiger Zeit hier, um überall noch persönlich die letzte Hand mit anzulegen und die abschließenden Arbeiten mög­lichst zu fördern. Neben dem Kuratorium für die Oelbetg Stiftung, dem auch Mitalieder der Balleh Brandenburg des Johanniter Ordens angobören, beteffigen sich Vertreter des protesttanttschen Kirchenwesens aus dem ganzen Reiche, sowie Mitglieder der Kirchenbehörden, a!5 der Gemein den au den kommenden Festen, darunter nicht wenige, die im Oktober 1898 die unvergeßlichen, wett in den Orient nachwirkenden Eindrücke mit erlebt haben, die die Anwesenbett des Kaisers und bet Kaiserin damals im heiligen Lande bei der ganzen Bevölkerung ohne Unterschied deS Be­kenntnisses und der Abstammung bervorrief. Na- türffch wendet fich diesmal die Ausmerkfamkeit der Eingeborenen in erster Linie dem Kaiser- sobne und seiner Gemablin zu. es ist aber bereits allaem-in bekannt, daß auch zwei süddeutsch: Fürstlichkeiten, die Printen Georg und Konrad von Badern, fich dem Pilgerzuge angeschlossen haben Die kacholilchen Festteilnebmer, darunter der Bffchof von Ermland. verschiedene Weih bischöse, der Bischof von Ehur (Schweiz) stehen unter der Führung deS Fürsten und Altgrafen zum Salm-Reiffersche-dt-Dhck.

Mtßaünsttae ausländische Stimmen haben stch auch diesen Anlaß nicht entgehen lassen, um deut­sches Wesen und denffches Können und Streben anzugreife». Ma» Hal behauptet, der deutsche

Kunstgeschmack hat settte Aufgabe in Jerusalem völlig verfehlt und den Eindruck des Stadtbilder zerstört. Wer unbefangen und durch den Augen- fcheln die Lage prüft, wird mit lelchastet Befrie­digung sich sofort Überzeugen, wie unbegründet solche Behauptungen sind. Die Aufgaben, die für die Auguste Viktoria - Stiftung und für die Marienkirche den Architetten und den Baumei­stern gestellt waren, g'ngen sowohl In Bezug auf die Bestimmung der Bauten, als auch inSbefon- dere in Bezug auf die örtlichen Voraussetzungen völlig auseinander. Die Höbe des OelbergeS, auf dem sich die Stiftungsgebäude erheben, er­reicht man von der Stadt aus erst nach einer halbstündigen Fahrt. Der Bauplatz ist umgeben von großen Oelbaumgärten und Weingärten, mitte» in dem Kalkgebirge Juda. 810 Meter über dem Meere zwifchen dem Kidron- und Jordan» falt. Geschichtliche und nationale Anregungen waren unter diesen Umstanden durch die Berüh­rung mit dem gegebenen Stadtbilde so gut tote gar nicht gehemmt. Die Entwicklung des deut­schen Kirchenbaues, ebenso wie derjenige der Profanbauten, w es für diese besondere Aufgabe auf die romanische Zeit der Kreuzzüge zurück, die Verbindung des neuen Werkes mft dem Johanniterorden auf gewisse Motive des Bur­genbaues. Dabei Ist aber die morgenländische Kunst und der alt- und neutestamentl'che Formen­zauber durchaus nicht übersehen worden. So haben wir jetzt auf der die ganze Umgegend biS zum Toten Meere beherrschenden Höhe ein lang­gestrecktes viereckiges Kastell vor unS, da» mit drei Wohnungsflügeln und einem Palas einen zwei­stöckigen offenen Kreuzgang umschließt. Einem Bau konnte als Wegweiser für die Himmel- sahrtskirche, die von da nach allen vier Welt­gegenden grüßt, der gewaltige Turm gar nicht verweigert werden, der jetzt manchem Eiferer fehl am Orte scheint. Je mehr man stch ht das Ge­samtbild vertieft, desto mehr wird man Plan und

Mark, für Erziehung, Unterricht, Hebung der Volksbildung 71 709 315 Mark, für sonstigeWohl- fahrtSzwecke 88 704 328 Mark, für eigene Vera», staltungen (Heilanstalten, Lungenheilstätten, Et- holungS- und Genesungsheime) 443 232 Mark Der Gesamtbetrag für gemeinnützige Zwecke be­läuft stch aus 829 324 554 Mark, davon im Jahre 1909 allein 100 308182 Mark.

Die deutschen Staats-, «ladt- und Provinz- Anleihen

betrugen: 1904 : 501 Mill. Mark, 1905: 873 Mi«. Mark, 1906: 1099 Mill. Mark, 1907: 1038 Mill. Mark, 1908: 1686 Mill. Mark. Die Provisionen der Banken schwantten zwischen 0,39 v. H. und 2 v. H. Je knapper daS Geld, um so höher war die Vermittlungsgebühr für die Banken. Von dieserLiebesgabe" sür die Banken lassen aber die liberalen Zeitungen und Agttaioren kett» Wort verlauten.

Deutsches Reich.

Der Kaiser in Homburg. Homburg v. d. Höhe, 8. April. Heute Vormittag machten die Majestäten einen Spaziergang durch den Kur­park. Nachmittags unternahmen die Majestäten mit der Prinzessin und Gesolgr in Automobilen einen Ausflug nach Pfaffenwiesbach und gingen von da zu Fuß über die Kapersburg biS in ble Gegenb von Köppern, von wo sie per Automobll hierher zurückkehrten.

Ein neues Mttglied der AnfiedlungSko«. Mission. Der Ansiedler Karl Busse in Dorn­brunn tm Kreise Wonyrowitz ist auf die Dauer von drei Jahren zum Mitgliede der Ansiedlungs- kommissiou für Westpreußen und Posen ernannt worden.

Zum Tarifkampf im Baugewerbe. Berlin, 8. April. Die Verhandlungen, bte auf Veran­lassung bes Reichsamts beS Innern zwischen be« Arbeitgebern unb Arbeitern des Baugewerbe» stattgesunden haben, sind ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber erklärten, durch die bisher ge­faßten Beschlüsse bereits festgelegt zu sein. @U feien daher nicht in der Lage, der vorgeschlagene« Einsetzung einer unparteiischen Kommission zn- zustimmen oder, wie In zweiter Linie angeregt wurde, sofort ht eine erneute Beratung der fünf strittigen Hauptpuntte einzutreten.

Eine unrichtige Nachricht. Die Meldung liberaler Blätter, wonach in dem Reichstags- wahlkreife Harburg bei den nächsten Reichstags­wahlen gegen den bisherigen Abgeordneten Diri Varenhorst, der Vorsitzende der Reichs- und frei- konservativen Partei, Freiherr von Zedlitz und Neukirch kandidieren werde, entbehrt feder tat­sächlichen Begründung.

Ausland.

* Eine erfreuliche Nachricht. DerDeutsch. TageSztg." wird aus Prag unter dem 8. April gemeldet: Tschechischen Blättern znsolge Ist die Ernennung de» Oberpostrates im Handelsmini­sterium, Ritters v. Ambros, zum Vizepräsidenten

Ausführung deS Baues, die von dem Regie- rungSbaumeister a. D. Leibnitz (von der Berliner Finna Gause) herrühren und von dem Archi- testen als Vertreter der Oberbanlettung aus da» Wirksamste gesötdett wurden, nach jeder Richtung versieben und gutheißen.

DaS Grundstück der Dormitton, westlich von der sogenannten Davidsburg. hat eine vielgestal- tige Umrißlinie und eine infolge deS vom Sultan Im Jahre 1898 erzwungenen Verlaufs noch im­mer stark erregte Nachbarschaft. ES mußte diesen Leuten mit Rücksicht auf ihre religiösen Gebräuche der freie Ausblick geaen bte untergehende Sonne von ihren Dachterrassen und Minaretts gewahrt werden. Danach waren dem Architetten Renard ans Köln für den ganzen Bau, bet ein Gottes­haus unb ein Kloster umfaßt, gewisse uuüber- schreitbare Grenzen gezogen. So entstaub eine Kirche, an deren Hauptraum stch sechs Reben­kapellen anschlietzen, mtt einer durch drei Treppe» zugänglichen Ktvpta. Die um einen kleine» Jnnenhos gelagerte Bibliothek und bet Kapttel- saal vtmitteln ben Ucberaang von bet Kirche zum Kloster. Um ble Gebäube an ble nahe ge­legene Umgebung anzupassen. Ist an bem orien­talischen flache« Dach möglichst sestgehalten, s» daß stch Kirche und Nebengebäude «an, unge- zwungen in daS Landschaft»- und Stadtbffd ein» süaen, obwohl auch dieser Bau aus der Höhe de» Sion gelegen, eine rev'äfentative Lage erste» Rang-» besitzt und der Glockenturm eine Aussicht über das Gebirge gewährt, tote sie nur an we­nigen Punkten Jerusalems zu finden ist.

Da» deutsche Bott Ist ht bet heiligen Stadl nunmehr durch vier achtunaaebletende Bauwerk» bertreten. Keine andere Nation hat Leistungen von auch nut annäherndem architektonische» Werte aufzuweffen. Die Voraussetzung für heb -Id-- Festtage ist nunmehr gegeben.

W. X

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