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mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain

*nb den Beilagen: »Flach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbeilage) und «Landwirtschaftliche Beilage."

M 82

45. Jahtg.

Terrrsanta empfangen wurde, zum Oelberg statteten sie dem bürg einen längeren Besuch ab. ist ein Spaziergang nach dem

Auf dem Rückweg, Gouverneur David» Für de« Rachmittag Oelberg beabsichtigt,

während dessen di« bott belegen«» Gebäude, da, rus­sisch« Haus, die Himmelfahrtskapelle und di« Pater­nosterkirche besichtigt werden sollen. Mr morgen ein Ausflug nach Bethlehem und ein Besuch bet Templerkolonie in Jerusalem geplant.

vom Prinz« Heinrich. Darmstadt» 7. April. Prinz Heinrich von Preußen hat sich heute Vormittag im Automobil «ach Kiel zurückbegebe«. Die Ptt» zesfin Heinrich von Preußen wird heute Abend dorb> hin zuriickreifen.

Sitzung bt, Bundesrat». Berlin, 7. April. Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs des Reich»

eine Tatsache, daß dem Bulgarenkönige und seinem Gefolge bei dem Besuch« in Konstantinopel da» gute militärisch« Aussehen der türkischen Truppen «inen stark«« Gindruck gemacht hat. Was Serbien und Erie- chenland anbelangt, so haben sie einstweilen gerade genug mit sich selbst zu tun; insbesondere ist das griechische Offizierkorps durch die Vorgänge mit der Militärliga derart disziplinlos und ohne inneren Zusammenhalt, daß Griechenland an kriegerische Abenteuer nicht denken kann.

Indessen die Eindrücke, welche die Vulgaren bei dem Besuche in Konstantinopel empfangen haben, werden sich wieder verwischen Ebenso ist es möglich, daß Serben und Griechen ihren Katzenjammer mit der Zett los werden und sich wieder alsHelden" zu fühlen beginnen. Soviel steht ja doch jedenfalls fest, dah keiner dieser früheren Vasallen der Türkei eine sonderliche Zuneigung zu dem ehemaligen Lehns­herrn besitzt. Don übelwollenden Nachbarn umgeben ist es deshalb für die Türkei unter allen Umständen wünschenswert, innerer Unruhen so rasch als möglich Herr zu werden, um die Armee vollzählig und schlag­kräftig gegen jeden äußeren Feind gut Verfügung zu haben. Als Freunde der Türket können wir deshalb nur wünschen, dah die von der türkischen Regierung beliebt« Methode der Bekämpfung der albanesischen Unruhen so rasch als möglich zu gutem Ende führen möge.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr.. 29».

Politische Umschau.

Der nächste ReichshauShaltsetat.

Dah dir Balanzierung der nächstjährigen ReichshaushattseiatS ttotz der neueste« Steuer­reform Schwierigkeit« machen wird, war be­kannt. Roch bei der dritten Lesung b«8 Etats für 1910 machte der Vorsitzende der Budgetkom- miffion des Reichstages im Plenum darauf auf­merksam. Hauptsächlich liegen die Schwierigkei­ten in den als Konsequenzen früherer Beschlüsse sich darstellenden Ausgabesteigerungen. Schon gestern wiesen wir auf die Verpflichtung zur An­setzung eines höheren Ausgabeposten- für die Reichsschuldenfflgung hin, die sich au- dem letz­ten Reichsfinanzgesetz« ergibt. DaS Flottenge­setz macht noch auf eine Reihe von Jcchren eine bettächtlich« Ausgabeerhöhung für die Marine notwendig. Der Retchsinvalidenfonds ist infolge verschiedene, in den letzten Jahrzehnten erlassener Gesetze früher anfgebrmüh« als bei seiner Dotier­ung angenommen war. Im Jahre 1911 dürste sein Bestand zu Ende gehen. Man wird genöttgt sein, die Ausgaben von einigen 30 Millionen Mark, die bisher auf ihn entfiele«, auf den allge­meinen Reichsbaushaltsetat als Reuausgabe zu übernehmen. Eine Reubelastung de- Reichs steht infolge der Hinterbliebenenverforgung in Aussicht. Zwar war auch bisher für st« in den Etats der letzten Jahre eine bettächtliche Ausgabe ausgeworfen, die auS den landwirtschaftlichen Zöllen bestritten werden sollte. Meistens konnte fie aber erspart werden. Künftig wird dies nicht mehr der Fall fein, da daS Reich zu einem festen Zuschutz auch zu de« Witwen- und Waisenrente« herangezogen werden soll. Was der Ablauf des letzten FriedenspräsenzgesetzeS bringen wird, mutz abgewartei werden. Jedenfalls ergibt sich schon aus dieser Zusammenstellung die Größe der zu erwartenden Ausgabesteigerungen für die Reichsetats ab 1911. Dazu kommt aber noch die Abbürdung der gestundeten Matriknlarbeiträye, wie sie im neuesten Finanzgesetze für die drei Jahre ab 1911 vorgeschrieben ist. ES ist ja zu erwarten, datz sie sich in Wirklichkeit nicht auf die nahezu 2% Hunderte Millionen Mark belaufen wird, die in den Rachtragsetat für 1909 dafür eingestellt find. DaS letztverflossene Etatsjahr dürfte einen Neberschutz an Einnahme und eine Ersparnis an Ausgaben aufweis«. die auf diese Summe mildernd wirken werden. Trotzdem wird von den gestundeten Matrikularmnlagen immer noch eine so große Zahl von Millionen übrig bleiben, daß ihre Plazierung in den näch­sten drei Etats große Schwierigkeiten verursache« wird. Anaefichts aller dieser Verhältnisse wird e- nichi verwunderlich sein, wenn schon setzt nach den Wegen gesucht wird, um diesen Schwiertg- ketten erfolgreich z« begegnen.

Marburg

Sonnabend, 9. April 1910.

Die Unruhen in Albanien.

,* Di« ernsten Unruhen, die in Nord-Albanien <m» Debroche« find, find wohl nur znm geringeren Teil« politische Beweggründe zurückzuführe«. Es ist .. .weder anzunehmen, daß der Rubel bezw. das Pfund Sterling ins Rollen gekommen find, um der Türket Wie Schwierigkeiten zu bereiten, noch, daß die Alba­nesen die Rolle der Verdeer übernehmen und sich für den abgesetzten Sultan Abdul Hamid ebenso auf- opfern. »ollen, wie die Vendeere für das französisch« Königstum. Als ein durch unausgesetzt« blutige Fa- milienfehden in ständiger Unruhe befindlicher Volk» stamm find die Albanesen schon um kleinen Anlass«, willen geneigt, zur Flinte zu greifen. Diesmal passe« ihnen einige höhere Beamte nicht und ihrem stark ausgeprägten Familiensinn sind die neuen Steuern Dawider; Grund genug, um ein bißchen Revolution gu machen.

Auch zu den Zeiten Abdul Hamids waren albane- fijche Unruhen nichts seltenes, der vorige Sultan aber, der ein gewisses Faible für di« Albanesen hatte, suchte diesen Revolten lieber durch Geld, als durch Bataillone zu begegnen. Die gegenwärttge Regie- rung weiß, daß sie sich die Autorität, die Abdul Ha­mid durch Tradition besaß, erst durch Leistung erwer­ben muß und daß sie deshalb den Boden unter den Fußen verlieren würde, wenn fU den Frieden mit aufrührerischen Stimmen erkaufen wollte. Sie ist im »ergangenen Jahre gegen die Aufrührer, die di« Greuel von Adana begannen hatten, mit bemerken» «tter Strenge verfahren, sie will jetzt ebenso de« albanefischen Ausstand mit bewaffneter Hand ntedrr- zwingen

Der Krieg »plan der Regierung ist geschickt. Sie weiß, daß, wenn sie mit ihren Truppen den Albanese« in die unwegsamen Berge folge« wollte, fie nicht mit geschlossenen Truppenkörpern auftreten könnte, son­dern zahllose kleine Abteilungen bilden müßte. Dies« Detachements würden um so eher Gefahr laufen, auf- gerieben zu werden, als ihnen die Aufrührer an Ortskenntnis natürlich bei weitem überlegen sind. Die türttfche Heeresführung will sich deshalb in der Hauptfach« damit begnügen, alle größeren Orte t« der Hochebene und den Bergtälern zu besetzen. Da- mit wird ein doppeltes erreicht: erstens werden diese Ort« selbst durch die Lasten der starken Einquartie­rung bestraft und mürbe gemacht, zweiten» werd«« di« Ausstand i scheu von ihren Verpflegungszentren abgeschnitten.

Der Plan der türkischen Regierung ist also an sich zweifellos gut. Er leidet nur an dem Fehler, daß auf diese Weise an eine schnell« Niederwerfung des Aufstandes kaum zu denken ist. Die langdauernde Festlegung größerer Truppenmosten in Albanien aber ist erstens kostspielig und zweitens aus Gründen der lußeren Politik nicht ganz ungefährlich. Im gegen­wärtigen Moment ist freilich von Bulgarien, Ser­bien oder Griechenland kaum viel zu fürchten. Es ist

Deutsches Reich.

«»» Kaiser. Homburg ». b. H 7. April. De, Kaiser unternah« heute Vormittag eine« Spazieo- gang burch den Kurpark. Nachmittags machte btt Hof «tt Automobilen ein« Ausfahrt bi, zum Mn- gang in den Taunumvald unb von ba einen länger« Spaziergang bi» nach Friebrichvdorf. Die Majestät« kehrt« von da über Oberursel im Automobil hierher zurück. Zu bemerken ist, daß das vom Großadmiral von Köster überreichte Erinnerungszetch« nicht al» Medaille, sonder« besser al» Plakette zu bezeichn« ist.

Da« Prinzenpaar Eitel Friedrich i« heiligen Land«. Jerusalem, 7. April. Als da« Prinzenpaar Eitel Friedrich gestern vor dem Sttftungshaus« ein­traf, wurden zum ersten Mal die Stiftungsglocke« geläutet, deren prächtiger Klang weit Über da» Land hallte. Bom Pfortenhause Über den Außen Hof hi« bis zur Eingangspforte be, Hospizes bildeten ara> bisch« Bauarbeiter und zahlreiche al» Sand- u. Kies, träger beschäftigte Kinder Spalier. Auf dem Weg« waren Palmenwedel gestreut. An der Eingang» pforte wurden die Herrschaften vom Kuratorin«, dem Präsident« Barkhaus«, Konfistorialrat La- huse« und den Baumeiste« erwartet. Bei der Be­grüßung Überreichte der erste Kurator, Freiherr we Mirbach, einen massiv silbern«, mit dem Oelberg. kreuze als Hauswappen verzierten Schlüssel, ein« prächtig« Arbeit eines Schmiedemeister» tu Jaffa. Weiter wurde dem prinzlichen Paare als Gesche ck des Kuratorium» das Oelbergkreuz in Brillante« überreicht. Nachdem der Prinz seine« herzlich« Dank ausgedrückt hatte, erfolgte die Bestchttgnng be» gan­zen Hanfes, da» in allen Räumen ein« vortrefflich« Eindruck machte. Rach dem Abendess« begab« sich die Herrschaften wiederholt auf die Veranda, um di« erleuchtet« Stadt zu betracht«. £>eute herrschte schon von früh an ein reges Leben. Vom Gebäude weht« di« Standart« be« Kaiser«, unb bet Kaiserin, «ad die Prinzenstandatte herab, sowie die türkisch«, deutsch«, pr«ßtschen und bayerisch« Farben. A» Fahnenmast be« Pförtnerhause» flattert entern Hei- , matwtmpel die Johanniterstandarte, di« Flagg« d« Haus« mit dem Oelbergkreuz und die Standarte d« Herrenmeisters. Borm Hospiz liegt in Zelt« eine tür­kisch« Jnfanterieabteilung al» Wache. Im ßeufe be» Vormittags besichtigte das Prinzenpaar Eitel. Friedrich die mit Blum« bestreute Grab«ttrche. *M es außer von den drei Patriarchen vom Eustod« Mt

SieOberheflische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Kerertag« Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich durch bte Post bezogen 2 25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 X.

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Preußisches Abgeordnetenhaus.

Ja der gestrigen Sitzung des Abgeordnet«hanses wurde zuerst die Novelle zum Staatsschuldbuch nach kurzer Diskussion der Budgetkommisston überwiesen. Der Abg. Dr. Arend sftetkons.) befürwortete in län­geren sachkundigen Ausführungen bfe Vorlage und hob dabei insbesondere auch die Bedeutung des Staatsschuldbuche» für die Regelung der preuAschen Anlethe« hervor, für di« er auch im übrigen zweck­dienliche Ratschläge erteilte.

Der Finanzminister trat ihm in allen Pnntt« bei und sprach den Wunsch einer raschen Erledigung der Vorlage mit Rücksicht auf die Nachfolge des Reiches aus. Sodann legte der Minister der öffentlichen Ar­beiten unter dem Ausdrucke der tiefen Trauer über das schwere Eisenbahnunglück in Mülheim a. R. den Verlauf und die Ursache dieser Katastrophe dar. Die preußische Staatsbahnverwaltung, welche in Bezug auf die Sicherheit des Verkehrs in Europa eine füh­rende Rolle einnehme, werde Bedacht nehmen durch immer weitergehende Verbesserungen ihrer Einrich­tungen und Heranziehung eines völlig zuverlässigen Personals für die Folge solchen Unglücksfäll« mög­lichst vorzubeugen. Bon automatischen Sicherheits­maßregeln habe man sich einen erheblichen Nutzen nicht zu versprechen.

Sodann wurde in die Beratung des Bauetats eingetreten Bei der allgemeinen Besprechung spielte die Haupttolle die Wassersttaßenpolitik. Die Abg. v. Pappen hei« skons.s und Dr. v. Wopna sfreikons.) behandelten diese» Thema im allgemeinen, Dr. von Woyno mit besonderer Beziehung auf die westlichen und hannöverschen Wassersttaßen und deren Bedürf­nisse. Die Abg. Dr. Lippmann (fortschr Vv.) und Frhr. e. Maltzahn skons.s erörterten insbesondere die Verkebrsbedürfnisse von Stettin und behaupteten, daß der Staat für diese nicht ausreichend sorge. Dem­gegenüber bob der Minister der öffentlichen Arbeiten hervor, daß der Staat sehr bedeutende Aufwendunaen für den Verkehr von Stettin mache und daß dieser Verkehr sich auch in den Jahren von 19001907 in erfreulicher Weise um etwa 40 % gehoben habe. Ihn

unterstützt« der Ministerialdirektor durch Einzelau- gaben über die Aufwendungen be» Staate» für Stet­tiner Berkehrsbedürfnisse.

Dem Aba. v. Bülow snatlib.s bekundet« der Mi­nister sein Interesse für de« Bebauungsplan vv« Großberfl« und auf Anregung be« Aba. e. Maltzahn legte der Unterstaatssettetär die Grundsätze bar, vo« benen die Etaatsbauverwaltung sich in bei Ange­legenheit der Fischereigerichtssache in d« schiffbar« Strömen leiten lasse. Dann vertagt« da« Haus die weitere Beratung auf Freitag 11 Uhr.

4 sRachdruck verboten.)

Ilm Wre und Necht.

Roman von D. Elfi««.

tForttetznng >

Erika wandte ihr Pferd, sprang wieder über den Graben und galoppierte die Wiese entlang, ohne sich noch einmal nach Friß Born umzu- sehen.

Allerliebst sah da? junge Mädchen aus in dem kurzen Reitfleide, der hell« Bluse und dem einfachen weißen Strobbut, unter dem das gold­braune Haar hervorflatterte. Und wie sicher fie in dem Sattel saß und die flehte Bestie von Ponv in dem Zügel hielt k

Man konnte es wirklich Fttß Born nicht ver­denken, daß er ihr so lange nachschantt. bis fie hinter den Hecken verschwunden war. und dann nachdenflickier seine Fahrt nach Attbeide fottsetzt«.

Er hätte fein vierundzwanzigjähriges Herz in der Brust hab« müssen, wenn es anders hätte sein sollen.

Dach dann reckte er sich empor.Mach' feine Dummheiten, Fritz," schalte er sich selbst. .Erstens ist sie die Tochter deine- Prinzipals, der dir mit freundlichem Verttauen «taegenqe- fenunen ist und zweitens ist fie Baronesse von Hambach-Waldstätten und die betratet feinen ein­fachen Fritz Born, Hosverwalter und Bizewacht- meiüer der Reserve. Also Schluß und Kopf hoch!*

Er ließ den Füchsen di« Pettsche fühlen, die einen Sprung vorwärts machten, daß Christian, der fünfzebniöbrige Stallbirrsche der den Hinteren Sitz des Wagens einnahm, beinahe ein« Pur­zelbaum geschlagen hätte.

Altbelde war in einer halben Stunde erreicht Bis zur Anfunft des Zuges war es fast noch eine Stunde: so fonnte Fritz noch einige Male durch ben Kurgarten schlendern wo die Musik gerade beaonuen hatte und auf der Terrasse des Kurhotels eine Tasse Kaffee trinken

Er reichte Eb'ftian bfe Zügel, der die warm­gewordenen Füchse lanalam aus- und abfabren sollte sprang von dem Wagen, stäubte sich etwas ab und betritt den Kuraarten, in dem eine ele­gante Menae promenierte.

Die Anaen mancher iungen und alten Dame wandten sich der schlanken Erscheimtny de? binnen Mannes zu dem man den einfachen Hof Verwalter nicht ansah sondern ben man eher für em« binnen wohlhabenden Gutsbesitzer ober einen Offizier in Zivil halten konnte.

Wenn Fritz trübe Gedanken gehabt hatte, so verschwanden sie hier rasch. Die Musik der An­blick der eleganten Damen, die freundfichen Blocke. die ihm zuflogen, das ganze bunte, be weatt Hin und Her eines fasbionablen Bade­ortes Vertrieb rasch die trüben Gedanken und in behaglicher Stimmung fieß er sich an einem der kleinen *We ni-ch-r. eine Tasse Kaffee bestellend.

Vergnüglich schaute er sich um.

An einem Rebentflche saßen eine junge, über- eleaantt Dame mit rotem, scheinbar gefärbtem Haar geschwärzten Auaenbrau« und gepuder­ten Wangen und ein blasser, schmächfiger. hoch aufgeschossener, schwarzhaariger junger Herr im korrettestrn Biedermeier- Anzug, welcher Mil so­eben wieder modern zu werden begann.

Die Dame war schön ohne alle Frage aber vo« einer Schönheit, die all« sehr auffdfit

und durch allzu künstflche Mittel unterstützt wird, um gefällig zu wirk«.

Sie saß zurückgelehnt in d« roten Korbsessel, die Beine übereinandergeschlagen, so daß der ele­gant beschuhtt Fuß und Knöchel mehr als nöttg zum Vorschein kam. Sie wippte mit dem Fuß nach dem Tafle der Musik auf und ab; ihre grün­lich schimmernd« Augen waren «achdenklich in die Ferne gerichtet, ihre schlanken Hände lag« lässig auf den Lehn« des Sessels.

Sie gfich einer im warmen Sonnenschein ruhenden, sich behaglich dehnend« fchfine» Pantberkatz«.

Ganz anders der fimge Herr im Biedermeier­kostüm! Er saß vorübergeb«gt da und rührte nervös in seiner Tasse Kaffee herum, währ«d sein blasses müdes Gesicht einen finster« AuS- dnrck zeigte.

Jetzt schwieg die Musik und Fritz konnte deut- flch versteh«, was die beiden zusammen sprach«. Er wollte nicht lauschen, aber er war gezwungen zu,ubören, so nah saß er d« beid«.

Es war ja auch nichts besondere«, was ste sprachen, obgleich ste über ein« gewiss« Gegen- stand nicht ganz einer Meinung zu sein schienen.

Es geht wirklich nicht, daß ich noch langer bleibe, Minetta,* sagte der junge Herr und seufzte leicht auf.Ich bin auf heute bei den 8roten angemeldet und muß hin du weißt ja, was davon abhängig

Ja du willst eine reiche Heirat machen,* lachte die Dame.

DaS ist nicht der Zweck,* entgegnete bet Junge Herr ärgerlich.Ich muß ben Will« «einer Mutter erfüll«, sonst. *

Ra, sonst»

Ach. laß das. Du weißt eben so gut wie ich, daß ich von ihr abhängig bin.*

Ja eS wäre besser gewes«, wir wär« in Berfln gebfteb« da hat man so viele Hilfs­quellen.*Ich nicht.*

Du auch. W«n bn eS nut klüger anstefi« wolltest. Aber glaube nicht, daß ich mich tnn deinetwillen in dieses elende lanaweflige Rest vergrabe, ich kehre nach verfin zurück. Ich finde wohl doch ein Engagement oder sonst wa«.*

Minetta.*

Ach waS man muß doch leben. Und, wenn du wirflich fort mußt, fo laß unS noch ein« Gang durch den Gatten nach«; nachher beglette ich dich znm Bahnhof.*

Das geht nicht. Man wird mich abhol« und darf uns nicht zusamm« sehen.*

Auch flut. Dann bleibe ich hier. Adieu.*

Minetta, du weißt nicht, wie fchwer eS mit wird*

Ach. nur keine Senttmentalifät, mein Lieber. Da. meine Hand. Ich will noch acht Tage bitt bleiben du kannst mich dann mal besuch« dann aber Schluß. In Berlin sehen wir uns wieder.*

Ganz gewiß lange hafte ich eS biet nicht aus. Komm, ich muß jetzt geh«, begleite mich noch eine Strecke*

Langsam erhob sich daS Paar; ste eine pom­pöse Gestatt in glänzender auffallender Toilette, das Haupt mtt dem schimmernd« ©olbbaat' stolz emporgettchtet er lang, schmalbrüstig, hager, bleich und müde dahinschleichend, Wie ein, engbrüstiges Renpserd.'

Dann erhob mich er sich, zahlte und ging nach feinem Wagen, um nach dem Bahnhof zu fahren.

(Fortfetzunq