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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und bett Beilagen:Nach Feierabend« (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«

Tie ..Oberhessische Zeitung erscheint täglich mit AuZnahiiie der I sonn, und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel. I jährlich durch die Post bezogen 2,25 M (ohne Bestellgeld), bei I unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21). 2 M. I

Marburg

Donnerstag, 7. April 1910.

Die I nse r ti anSg eb üh r beträgt sür die 7gespaltene Ze^ oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Sug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. 3flbro.

.» 80

Zweites Blatt.

Bestellungen

fit be« zweite Quartal 1910 auf dieOberhessische Zeitung" nebst ihren Beilagen werden van unserer Expedi- tian (Markt 21), unseren Ausgabestellen in «irchhain, Reustadt, Wetter, EbS- darf, Hachborn, HeSkem-MSlln, Lei. denhafen, Drethausen, Wittelsberg, Niederweimar, Niederwalgern, Dam« und Lohra sowie von allen Post- anstalten und LandbrieftrSgern entgegengenom­men.

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Deutsche Volksgenossen!

Da» Polentum aller Länder rüstet stch, den Tag Östlich zu begehen, an dem vor einem hal­ben Jahrtausend auf dem Schlachtfeld« von Grunwald bei dem Orte Dannenberg die Macht des deutschen Ordens, der eine Vertretung des ganzen Deutschtum« darstellte, unter dessen Lei­tern sich so viel« Süddeutsche, Schwaben und Franken befanden, dem polnischen Gegner erlag. An der Borfeier, die man im vorigen Jochte bereit» in Krakau, dem Mittelpunkte der pol­nischen Nationalbewegung begonnen hat, klang die Hoffnung und Zuversicht nttf ein zweite« Dannenberg durch aste Reden. Wir wiffen, wo­rauf da« Polentum diese Hoffnung gründet, und wi- e» den neuen Sieg über ba6 Deutschtum vor- ?t*eiwt. Es ist seine soziale und wirt­schaftliche Entwickelung, die seine nationalen Hoffnungen immer von neuem belebt; durch den Aufbau eines eigenen Mrtschastskörpers soll der Weg zur politischen Selbständigkeit geebnet werden.

Wenn daS Polentum heute auf ansehnliche Erfolge in dieser Richtung zurückblicken kann, so Verlankt sie es nicht zuletzt dem nationalen O p f e r s i n n, der sich immer wieder bewährt hat, wenn ein nationales Werk gefährdet, oder ein nationale« Ziel erreichbar erschien. Eben jetzt wieder gibt es einen glänzenden Beleg die­ser Opferfreudigkeit, indem es für die fogenannte Gntnwaldspende zur Erinnerung ihres Sieges )on Tannenberg bisher nicht weniger als ; 1200 000 Kronen aufgebracht hat. eine Summe. Nie gemessen an der Zahl und dem Wohlstände les BolkeS. als außerordentlich groß bezeichnet > »erden muß.

Deutsche Volksgenossen! Lasset diesen Opfer- W Euch ein Vorbild fein! Der Deutsche Ost­markenverein siebt flch in seinen Bemühungen, dem Vordringen des Polenftnus Einhalt zu tun. das Deutschtum zu sammeln und wirtschaftlich zu stärken, täglich gehemmt, durch den Mangel an Mitteln. Daher wenden wir uns mit der herzlichen und dringenden Bitte an Euch, für Unseren Ostmarkenschatz, dessen Mittel ausschließ- sich dem ostmärkischen Deutschtum zugute kom­men, Eure Hände' zu öffnen und ihm auch in den Kreisen Eurer Freunde und Bekannten opferfreudige Svender zu erwerben. Sorget durch eine bnrtfdte Tannenberasvende daß nicht auch der Gedenttag jener verhängnisvollen Schlacku noch unserem polnischen Gegner zu einem Trftunphc über seinen deutschen Feind verbelle. I Spenden, über die in derOstmark' ösfent lich quittiert werden, werden erbeten an die Direktion der DiSkonto-Gesell- schäft zu Berlin W R Unter den Linden 35, oder an das Postscheckkonto des Verein» NW. 7. Conw-Rr. 4006, unter der Bezeichnung:Spende für den Ostmarkenschatz.'

Marburg und Umgegend.

(Nachdeuck aller Originalartiket ist gemäfc « 18 de« Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberbess. Zig.' yeNitt-t 1

Marburg, 6. April.

Gerichtsverkehr. (Der Einfluß der mit dem f. April d. I. in Kraft getretenen Zivilnovelle Vom 1. Juni 1009. auf den Geschäftskreis des 8erick»tSschreibers oder Gerichtssekretärs) Es Handelt sich hierbei zunächst um das Kostenfest- fetzungsverfahren Der § 103 17 n F. »ringt insofern eine Neuerung von grundsätz­licher Bedeutung als fortan das Gesuch «m Fest­setzung des zu erstattenden Bettages nicht mehr wie früher bei dem Gerichte, sondern bei dem Gerichtsschreiber (Sekretär) des erstinstanzstchen Gericht« anznbrinqen ist «ährend ferer bis­her bte En 1 schefdunt über das FeftsetznngS- getal wie betertSsee .Entscheidungen" durch das wencht erfrört. M durch 9 iö4 n. ff. Nit atm an diese Entscheidung selbst und hier «st Hf« Besngni» zur Ausübung bisher

richterlicher Funktionen dem Ge richlSsekretä r übertragen. Hiernach hat er forthin der selbständig-verantwortlichen Auslegung des Gesetzes lediglich sein eigenes un abhängiges Ermessen zu Grunde zu legen. Hat der Gerichtssekretär demgemäß seine Entscheid­ung gleichzeittg mit der über die Kosten des Fcstsetzungsverfahrens selbst getroffen, so hat er ste von Amtswegen den Parteien zuzustellen. Fand ferner nach bisheriger Bestimmung gegen den gerichtlichen Fortsetzungsbeschlnßsofortige Beschwerde' statt, so ist nunmehr gegen den Be schluß des Gerichtssekretärs die einfacheEr innerung' gegeben, über welche, wenn eine Ab Änderung nicht aus freien Stücken erfolgt, das Gericht entscheidet. Die Erinnerung ist an eine Notfrist von zwei Wochen gebunden, die für jede Partei mit der Zustellung des Beschlusses an ste beginnt.

* Zur Frühjahrbestellung In der ersten Hälfte des Monats März 1910 wurde im Be zirk der Wetterdienststelle Weilburg infolge der milden und trockenen Witterung fast überall mit der Frühjahrsbestellung begonnen. Die Aus saat des Sommerweizens konnte schon fast über all beendet, die von Hafer und Gerste, abgesehen von den höchsten Gebirgslagen begonnen und im Laufe des Monats teilweise schon beendet wer den. Die in der zweiten Hälfte des Monats vor übergehend einsetzende kalte Witterung mit ein zelnen Schneefällen hat in den meisten Gegenden einen Sttllftand in den landwirtschaftlichen Ar­beiten verursacht, doch setzte die Aussaat von Bohnen und Erbsen stellenweise schon ein. Im Rheintal wurde der Rebenschnitt vielfach beendet und schon gegen Mitte des Monats begannen dort die Aprikosen zu blühen.

! Hessen-Nassau und Nachbaraebiete.

AlSfeld, 5. April. Auf eine schreckliche Art suchte flch die 24jährige Tochter des hiesigen Ge richtsvollziehers A. das Leben zu nehmen. Sie begoß ihre Bluse und ein Halstuch, das sie dann umband, mit Petroleum und zündete die Sachen an. Glücklicherweise wurde der Brand rasch durch berbeieilende Verwandte gelöscht; doch erhielt die Bedauernswerte schreckliche Brandwunden, ihr ganze« Haar ist verbrannt. Schon seit längerer Zeit trug sich die Lebensmüde mit Selbstmord gedanken und wurde darum von ihren Ange hörigen streng bewacht. Sie ist mit einem Grün berger Spenglermeister verlobt. Hochgradige Nervosität soll die Ursache zu dem versuchten Selbstmorde gewesen sein.

Fritzlar 4. April. Hier brach in dem Hause des Dachdecker« Erd an der Easseler Straße Feuer aus. Das Haus brannte bis aus den ersten Stock aus. Das nabeliegende Rittergut Kalbsburg, der Frau Metz gehörig, ging durch Kauf zum Preise von 345 000 JH in den Besitz des Herrn Regierunasbaumeisters a. D. Franz Mnhlenbnich in Berlin über. Die Uebernabme erfolgt im Juli d. I. Wie verlautet, beabsichtigt der neue Besitzer, eine umfangreiche Obstbaum Plantage anzulegen.

Göttingen 4. April. Ein jäbes Ende fand der Bildhauer Niemever hier. Bei der Beförde­rung eines für die gewerbliche Fortbildungs­schule bestimmten Schrankes aus der Werksta t in den Hof mußte eine an der Hinterfront des Hau­ses befindliche Winde benutzt werden. Das Seil der Winde mit dem anae'nüpsten Schrank zerriß dieser stürzte herab und dem untenst-henden Meister auf den Kovf. Der Tod trat sofort ein.

Mitten 5. April. Am Sonntag Nachmittag wurde hier um 5 Uhr hinter dem Merklinghäuser Wald ein Luftballon gesichtet, der bald darauf aus den Wiesen bei Silberg niederging. Der Ballon, der drei Insassen hatte, war um 7 Ubr morgens in Würzburg ausgestiegen. Er befand sich aus einer Reise nach Dortmund: infolge ein gcttetener Windstill' h-'-tte man jedoch dieses Ziel airsgegeben. Der Ballon tvrrrde innerhalb einer Stunde verpack» und im Wagen zur Bahn nach Hilchenbach befördert. (Es was di-s zweifellos der auch in Marburg gesichtete Ballon)

Hochschvlnachrlchten.

X Aus der deutschen Univerfitätsstatiftik. Im vorigen Jabre bat die zweitälteste Universität des Dcutfchen Reiches. Leipzig, ihr 500jähriges Be stehen glanzvoll gefeiert, in diesem Jahre rüstet eine der jüngsten, der-n Errichtung zur Wieder- erweckrmg deutschen Mutes und deutscher Kraft beitragen sollte. Berlin, sich zum Feste W hun­dertsten Geburtstages. Aus diesem Anlasse wer den auch einige Zahlen über den heutigen Stand der 21 Universitäten unseres Vaterlandes nicht unwillkommen sein. Wie schon angeführt, ist Leipzig die zweitälteste Universität in Deutfch- land; ihre ersten Studenten wanderten zum gro 6en Teil aus der 1348 gegründeten Universität Prag eia, eM dort nationale Streitigkeiten ans- gebrochen waren. Heute wir führen nach K. Knabes BüchleinDas deutsche UMerrichtswesen der Gegenwart" die Zahlen vom Sommer-

semester 1909 an steht Leipzig, der Zahl der Studierenden und der Dozenten nach, an dritter Stelle; es zählt 4581 Studierende und 233 Do­zenten. An erster Stelle ist natürlich Berlin, da« als Reichshauptstadt, auch auf die Ausländer eine bedeutende Anziehungskraft ausübt, wie auch die Zahl der studierenden Frauen recht statt­lich ist: die Gesamtzahl der Studierenden beläuft sich aus 7194, zu deren Unterweisung 488 Dozen­ten vorhanden sind, so daß ungefähr auf 15 Studenten ein Dozent kommt. München, 1826 gegründet und die jüngste deutsche Universität, abaes.-ben von dem erst 1902 zur vollen Univerfl- icf erhobenen Münster, dessen Hochschule aber bi« 1786 zurückreicht, stand mit 6547 Studenten Ber­lin nur um etwa ein halbes Tausend nach. Da­gegen betrug die Zahl der Dozenten nur 250. Mehr als 3000, nämlich 3801 Studierende, hat die zweitjüngste Universität Bonn, deren Lehrer­schaft sich auf 196 beläuft. Sechs Universitäten zähle,! mehr als 2000 Studenten: Freiburg i. B. 2760, Breslau 2347, Halle 2310, Göttingen 2239 Heidelberg 1385 gegründet und die älteste deutsche Universität, 2171 und Marburg 2134. Straßburg, dessen Hochschule schon im Jahre 1621 begründet worden ist. die aber als deutsche Universität jetzt erst 38 Jahre zählt, batte im vorigen Jahre 1935 Studierende; saft ebensoviel, 1921. wies Tübingen aus- ein ziemlich schnelle« Wachstttm zeigt Müntz u mit 1760 Studenten. Ankfäll-g ist die Verschiedenheit in der Zahl der Dozenten bei diesen drei Hochschulen: den 170 Straßburgern stehen 112 Tübinger und nur 92 Münsterer gegenüber. Die geringste Frequenz weist noch immer die nur 10 Jahre nach Leipzig begründete mecklenburgische Alma mofet Rostock auf. Hier werden 734 Studierende von 67 Do­zenten betreut Greifswald, da« auch schon da« ehrwürdige Alter von 454 Jahren bat. zählte wenigstens 967 Studenten und 106 Dozenten E« sind die beiden etoziaeu deutschen Hochschulen, deren Studentenschaft sich auf weniger als 1000 Häupter beläuft. Die Gesamtheit der Dozenten betrug 3403: unter ihnen waren 1229 ordentliche, 119 Honorarprofessoren 741 außerordentliche Professoren und 1097 Privatdozenten.

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Vermischtes.

Szenen aus dem Totentanz von Oekörito. lieber die furchtbare Brandkatastrophe bei dem Tonzfest von Oekörtto liegen fetzt wettere Be- rWe von Augenzeugen vor. Der Landwirt Josef Farkas, der schwere Brandwunden erlitten bat. ermblt:Als Kassierer bei der Tanmnterbalst ung ftmaierte der Ortsrichter Samuel Botor. Um zu Verbindern, daß die Leute ohne Entricht- ung des Eintrittsgeldes an der Unterhaltung teilnäbmen batte das Komitee beide Tore ver­rammelt und die Scheune von innen durch drei Bankreiben verbarrikadiert. Ich gehörte der Streichfap-lle au. Die Unterhaltung batte nach 7 Ubr angefanaen. Es waren unaefäbr 800 Personen anwesend, zumeist selbstverständlich junge Leute. Gegen 9 Ubr spielten wir eben einen Csardas, al« plötzlich ein Lampion zn brennen beaann. Im Nu waren auch die üb- rioen Lampions von den Flammen erariffen, dann da« Tannenreifla und im nächsten Auaen- bttcke hatte das Dach Feuer gefangen. Ein Schrei des Entsetzen? gellte durch den Raum. In einem dichten Knäuel drängte die Menge den AuS- aänoen zu. Viele stürtten über die Bänke und wnrd-n von den Rachstürmenden zertreten und erbrUckt. Endlich gelang eS. beide Tore einzu­schlagen. Die auf dem Boden wirr durcheinan­der liegenden, verzweifelt kämpfenden Menschen konnten Och aber nicht mebr retten. Denn einige Augenblicke später, stürzte die Decke ein, die Un­glücklichen unter flch begrabend. Viele konnten zwar ins Trete gelangen doch meist mit brenn­enden Kleidern Einer Brandkakel gleich, sah man ste ans den Sttaßen dahineilen, bis ste rusarn- menbrgchen. Ein ftmaer Bursche wark stch mtt seinen brennenden Kleidern ht einen Wasserara. ben doch es war schon zu svät. einige Stunden ibäter war er seinen Verletzungen erlegen. Auch ich floh mtt brennendem Rocke, sttirzte auf der Straße bewußtlos zusammen, wo man mich später mifignd und nach Hauke brachte ' Der Landwirt Aron Tranesko berichtet:Wir. meine- Frmi meine Schwäaertn und deren Mann, bat­ten uns auf den Ball begeben. Kurz nachdem wir angekommen waren bemertte ich. daß sich ein Lamp-on entzünde. Ich rief, man möge ibn ber- unterreißen, dann aber schrie ich, es möge stch retten, wer kann. Ein Hnkar wollte das Lam­pion mit seinem Säbel entfernen, es gelang ihm aber nicht. Tch stürzte zur Türe, sie' war aber vernagelt. »Etwa 200 Menschen stürzten mir nach und wir warten uns geaen die Settenwand. Erst nach einigen Mttntten gab ste nach und brach ein. In demselben Moment wurden wir von den Hintenstebenden zu Boden aeworken. Mtt großer Kraftanstrengung konnte ich mich befreien. Ich kehrte mich um unv es gelang mir auch. * wa 15 Männer und Mädchen heraus zuzieben. Ich suchte auch meine Frau, die ich um Hilfe I

rufen hörte, sie wurde jedoch ohne daß ich ihr solche bringen konnte, vor meinen Augen nieder^ getreten und ist nmgekommen, ebenso meine Schwägerin und deren Mann. Ich habe verge­bens geschrien, daß die Leute einander doch frei­geben möchten, ste batten aber vollständtg den Verstand verloren. Ein junges Mädchen stürzte mit brennenden Haaren und Kleidern hinaus und schrie wie verzweifelt, man solle das Feuer löschen. Im gleichen Augenblick brach ste zu­sammen.' Der 21jährige Bauer Georg Varga tvar mit seiner Braut, der 19jährigen Piroska Koncz dort. Im Augenblick der höchsten Gefahr faßte er das Mädchen an der Hand und drang mit verzweifelter Anstrengung durch das geöff­nete Schennentor. Hier wurde aber das Mäd­chen ohnmächtig, und. um sich zu retten, mußte er ihre Hand loslassen. Er kletterte ins Freie, doch verließen ihn seine Kräfte. Schon brannten seine Kleider, da riß ihn ein Bauer heraus. Seine Braut ist in den Flammen umg kommen Der Kreisarzt Dr. Locsouyi schildert seine Eindrücke folgendermaßen:Der Anblick der Leichen, die wahre Hügel bildeten, war herzerschütternd. Die Leichen lagen zumeist auf dem Bauche mit vorgestreckten Armen, nur noch dürftig befleidet. Viele waren ersttckt, andere zertreten und erdrückt worden. Ich ließ die Schwerverletzten in die Spitäler der benachbar­ten Städte tranSportteren. Doch stieß ich bei den Verwandten häufig auf großen Widerstand. Die hiesige Einwohnerschaft betrachtet cs nämlich al» eine Erniedrigung, in ein Spital gebracht zu wer­den. Ergreifend ist da« Schicksal eines jungen Burschen namen« Franz Vekcnh. Dieser war heldenmüttg wiederholt in ben brennenden Tanz­saal eingedrungen und hatte mehrere Personen gerettet, doch bezahlte er seine Tollkühnheit mir dem Leben; , auch er wurde ein Opfer der Flam­men. Die abgebrannte Scheune steht inmitten des Dorfes. Sie ist angeblich tm Jahre 1814 er­baut worden und hat einen Flächeninhalt Voss 150 Geviertmetern. Sie War oftmals der Schau­platz arger Schläaercien. bei welchen es häufig genug zahlreiche Verwundete und auch Tote gab. Rach bet letzten großen Schlägerei im Jahre 1886 fand man auf bem Estrich 26 Ver mndete, von benen fünf starben. Eine traurige Stattstil ist es baß flch unter ben Toten auch drei Kinder im Alter von 25 Jahren befinden. 33 der Opfer haben bas Alter ber Schulpflicht nicht überschritten. 21 Bauern unb Bäuerinnen wa­ren im Alter von mehr als 50 Jabren. Die übrigen Tobesopser waren junge Leute unter 25 Jabren unb in geringer Zahl älter. Leider fehlte e« auch bei diesem Ereignis wieder nicht an den Hhänen des Leichenfeldes. Die allgemeine Verwirrung und Bestürzung machten stch einige aus der Umgebung berbeigecilte Leute zunutze, um die armen Opfer zu berauben. Mehrere Männer wurden dabei ertappt, wie ste bte Taschen ber Verunglückten nach Wertsachen durch­suchten.

Wilhelm Boigt. ber Hauptmann von Köpe­nick'. bat in Rixdorf für 125 000 X bte er so­fort hinterlegte, eine Restauration gekauft, bie er schon am kommenden Montag eröffnen will.

Da» Ende einer berühmten Schönheit. In Rewvork starb dieser Tage In einem armseligen Stübchen völlig vereinsamt und verarmt eint Fran, die vor etwa drei Dezennien als d'e schön­ste Frau der Vereinigten Staaten gepriesen wurde. Louise Montagne verdantte ibren einstst gen .Weltruf' dem berühmten Barnnmschen ZirkuSretter Adam Forepaugh, bet zuerst auf ihre tounberbare Schönheit aufmerksam gewor­den war und. um dem mittest osen. unbekannten jungen Mädchen schnell zu Ruhm unb Golb zu verhelfen, eine Schönbetts Konkurrenz veran­staltete. an bet sich zahlreiche schöne Frauen und Mädchen Amerikas beteiligten. Wie eS der geniale Maneaebeld nicht anders erwartet hatte, wurde Miß Montagne bet Preis in Höhe von 10 000 Dollar (40 000 JO einstimmig zuerkanut. Jahrelang war bie Schöne bie Hauptattraktion der großenShow', bei bereit Straßenumzügen ste in einem goldenen Triumphwagen, wie eine Göttin kostümiert, in schwellenden Seidenpolstern ruhte. Auch in ben Zirkusvorstellungen figut-' iette die Montagne nut als das Urbild vollende-, ter weiblicher Schönheit. Unb bie kühlen Ameri­kaner gerieten außer sich vor Entzücken b i ihrem Anblick. Später ging Louise Montagne zur Bübne. für d'e ste nicht mtt ungewöhnliche bta» mattsche Befähigung, sondern auch einen seht schönen Sopran mitbrachte. Nachdem sie viele Jahre hindurch auf den weltbedeutenden Brest lern außerordentliche Triumphe gefeiert hatte, zog sie sich inS Privatleben pttück, um nun ver­gessen und verarmt zu enden.

Der fmtlste Mann der Welt. Von Zett zu Zett lieft man in denLondoner Polizeiberich- ten', daß ein Mann namen« Duvan wiederum zu einigen Monaten Gefängnis vernrteift wor­den ist. Duvan bat den Rus, her faulste Mann ber Sekt zn sein. Er ist verheiratet und hat Kinder, aber er arbeitet niemals, ja, er verbringt bfe meiste Zett seine» Leben« tot Bett Seine'