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mit dem Kreisblatt für die Kreis- Marburg und Kirckbain
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imb den Beilagen: ,^ach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage
imtm 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — »
erlag: Joh. Ang. Koch, UniversitätS-Buchdruckerri 40, Jul)lL L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
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Der Reichskanzler Von Italien dem in voraussichtlich am
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Hofe eingefunden. Die jeder dir Seichen einen «eisten Seichen werden Heimat üdergeführt.
Florenz, 2 April. 8s;rb mtf seinem Rückwege Homburg weisenden Kaiser Montag Vortrag halten.
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Reichstagsabgeordneter Delbrück und Stadtbautat Benduhn ertrunken fein dürsten. Der Ballon treibe führerlos tm Wasser. Er, Semmlhack, hab« durch eigene Kraft sich retten können.
Stetti», 8. April. Die beiden aufgefundenen Insassen des in die Ostsee gefallenen Ballon« „Pommern", find, wie die „Stettiner Neuesten Nacht." melden, der Kaufmann Hein und der Bankbeamte Semmelhack. Ersterer ist tot, letzterer hat ein Bein gebrochen. Die beide« anderen Vermißten, find der Reichstagsabgeordnete Delbrück und Stadtbaurat Benduhn. Da« Unglück ereignet« sich 1000 Meter vom Lande
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Die Jnsertion»gebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Rau« 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige.
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Zur Eisenbahnkatastrophe in Mülheim.
Mülheim a. Rh., 2. April Heute Nachmittag 4 Uhr fand aus brm hiesigen Friedhof« die große militärisch« Leichenfeier für die durch das Eisenbahnunglück getöteten Soldaten unter ^»blreicher Beteiligung der Behörden und Abordnungen der vom Unglück betroffenen Regimenter Und anderer statt. Die Leichen wurden in der Leichenhalle nebeneinander aulgebabtt. Der tom- «andierende General des achten Armeekorps. General der Infanterie von Plöh leg«, als Vertreter des Kaisers einen prachwollen Kran, nie* der und hielt eine Ansprache in der er den Angehörigen der Toten das Beileid des KaistrS, sowie das selnige und daS deS Armeekorps auS- sprach Nachdem noch der katholtsch« i nd der evangelische Dtvisionspsarrer Leichenreden gehalten hatten, wurden die Sarg« auf vier Plateauwagen und sechs Leichenwagen unter- gebracht und unter milttättschen Ehrenbezeugungen erfolgte die Ueberfübrung nach dem neuen Güterbahnhof. Zwei Milttärkavellen spielten Trauerweisen und die spasterbildenden Truppen dräsentterten beim Passieren deS LeichenkonduktS.
Marburg
Dienstag, 5. April 1910
Strotze« und am Bahn» Eisenbahndirektton hatt« Kranz gespendet. Di« heut, Rächt nach ihrer
Verunglückter Ballon.
Ssssuitz. 8. April. Heute Mittag VA Uhr ist der Ballon „Pommern", der heute früh in Stettin aufgr- fttegen «oar, gegenüber dem Herrenbad in die Ostsee gefallen. In der Gondel befanden sich vier Personen, darunter der Reichstagsabgeordnete Delbrück-Stettin. Bisher wurden zwei gerettet, einer brach den Fuß, der andere erhielt eine schwere Kopfwunde und ist bestnnungslo«. Die Fehlenden zwei werden »roch gesucht.
Stettin, 3. April, lieber den Ausstieg de« verun- glückten Ballon« „Pommern" meldet die „Dffiee* Ztg.": Der Ballon stieg heute Bormittag 10l4 Uhr bei der Zabelsdorfer Gasanstalt bei sehr starkem Winde auf und verfing sich dabei in den Telegraphen- dröhten, die zerrissen: sodann wurde der Ballon gegen ein Fabrikgebäude getrieben und durchschlug zweimal da» auf dem Dache befindliche Gestänge. Di« Kühlvorrichtung und der obere Teil des Schornstein» wurden glatt durchschnitten. Der Ballon hob sich dann und verschwand mit grosser Geschwindigkeit. Deutlich tonte man erkennen, dass die Gondel schwer beschädigt sein musste: Pe hing link» schief herunter. Da» nach Tausenden zählende Publikum brach in Schreckensrufe au» und eilte wie das Militär, das bei de« Aufftteg behilflich war, zur Unfallstelle, da mau annahm, dass jemand au» der Gondel gefallen sei. Die Teilnehmer der Fahrt dürsten aller Wahrscheinlichkeit nach bei dem Anprall erheblich verletzt worden sein. — Au» Sassnitz wird der „Offiee-Ztg." ferner gemeldet, dass der Ballon sich in einer Höh« von etwa 600 Meter über dem Walde bei Waldhalle befand, al» er plötzlich abgetrieben wurde und mit grosser Schnelligkeit sank. Bon dem Bankbeamten Semmlhack, de» verletzten Teilnehmer an der Ballonfahrt wird bm Blatt« telephonisch mitgeteilt, dass
Eine überaus grosse Menschenmenge batte sich am Friedhöfe, sowie in den
Ausland.
** Der «gramer Hochverratsprozess. Agra«, 2. AprU. Der oberste Gerichtshof für Kroatien hob das Urteil im Agramer Hochverratsprozess auf.
** Französische Disziplin. Marseille, 3. April. Heute Vormittag verhaftete man zwölf Heizer des Dampfers „Muluja*, di« sich geweigett hat* ten, vor dem Seegericht zu erscheinen und von 4Sorb desertiert waren. Dir eingeschriebenen Seeleute veranstalteten infolgedessen «ine Kundgebung zu Gunsten des Proteststreiks von 24 Stunden und versuchten, sich der Abfabtt deS nach Bastia bestimmten Postdampfers „Iberia" zu widersetzen. Di« Polizei verhindert« das jedoch. Die „Iberia" konnte gegen Mittag abfahren, dagegen konnte der Postdampfer Ville de RapleS, nach Oran bestimmt, nicht in See gehen, da die Mannschaft unvollständig war.
** Die Reise des Königs von Serbien Petersburg. 2. April. Auf ein Telegramm. daS der König von Serbien bei seiner Abreise aus Rußland von Reni an Kaiser Nikolaus gesandt hat, wurde an den König folgende Antwott ab* gesandt: „Sehr angenehm berührt durch die Aufmerksamkeit Eurer Majestät, danke ich Ihnen in meinem Namen, tote auch in demjenigen der Kaiserin und der Kaiserin Witwe für das Telegramm, dass sie beim Verlassen Rußland an mich gerichtet haben. Bet dieser Gelegenheit drängt es mich, Ihnen von Herren die aufrichtigen Wünsche zu" erneuern, die ich für Ihr Wohlergehen und ftir die Wohlfahrt Ihres Russland teuren Landes hege "
** Ein Versuch. London 2. April. Der Schiffsbaucr Sir Ehristovb Furreß hatte vor einem Jahre für seine Werst in Ve«e Hartlepool versuchsweise das Teilbaberschaftssvstem ringe* fährt, nach welchem jeder Arbeiter Astien im Werte von 10 Pfund nahm und dadurch an ben Gewinnen des Unternehmens beteiligt ist. Rach Verlauf von neun Monaten erhielten die Arbeiter im Dezember eine Dividende von 9 Prozent; sie stimmten jetzt aber gegen die Fortdauer des Systems mit der Begründung, daß ihr« Erwartungen auf volle Beschäftigung nW erfüllt seien.
** Dänemark. Kopenhagen. 2. April DasReicbs. gericht trat beute im Sitzungssaal des LandthingS nach längerer Vertagung zu einer zweiten Sitzung zllsammen. um den Prozeß gegen den früheren Minister Präs. Christensen und den früheren Minister des Innern Berg zu verhandeln. Die Ange- flagten sind nicht erschienen. Nachdem der Staatsanwalt die Anttageschr'ft vorgelegt hatte, bean- wagte bet Verteidiger di« Sitzung bis zum 36. April zu vertagen, ivas das Gericht bewilligte.
** Vom Balkan. Konstantinopel, 3. April. DaS Kriegsministerium ordnete di« Entsendung von Truppen nach Ipek an. wo, wie die Blätter melden, der Belagerungszustand verhängt wor* ben ist. — Nach weiteren Meldungen der Blätter sand ein neuer Zwischenfall an der türkisch, bulgarischen Grenze statt. Bulgarische Soldaten schossen vorgestern Nackt auf den türkischen Posten tn Koulovo, Sandschak Kirk Kilisse. und verwundeten einen Soldaten. Die türkischen Truppen erwiderten beftifl das Feuer, worauf die Bulgaren flüchteten.
Philippopel, 3. April. Aus der Durchreise nach Konstantinopel ist der König von Serbien gestern Abend hier eingettoffen und vom König der Bulgaren begrüßt toorb-n. Die Monarchen unterhielten fick zehn Minuten lang. — Konstan- tmopel, 3. April. Der König von Serbien ist heute Vormittag hier eingettoffen und am Babu- Hofe vom Sultan, dem Thronfolger und den Ministern empfangen worden.
** Zusammenstoss in China Rewyork, 2. April. Der „Newhark Hetald" meldet aus Kaivucmsu, daß bei dem Zusammenstoß zwischen Opium- Pflanzern und Soldaten in bet Provinz Sbansi' 60 Menschen getötet unb viele verwundet wurden. Der Zusammenstoß sei das Ergebnis bet strengen Maßregeln zur Verhinderung der Opium- kultur.
Mülheim a. Rh., 2. AprU. vom Kaiser Ivar für die bei dem Eisenbahnunglück getöteten Soldaten ein prachtvolle- Gebinde von Blättern Und CaSablüten, geziert mit Schleifen in preussischen Farben, gespendet worden. Der Kranz deS Kaiser» wird mH nach Böckum gebracht werden, Nn to» sechs bet gelöteten Soldaten stammen. —
Tie „Ol-erhestti-tze Settang" ei;ajetnt täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 8 25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2
Deutsches Reich.
— Di« Brief« b« Kronprinzen an feinen Spielkameraden aus der Jugendzeit in Plön, den jungen Grafen Höchberg, von denen wir einen Wiedergaben, find echt. Wie eine „Berk. Kott." erzählt, wurde vor bet Veröffentlichung dieser Briefe der Versuch von Amerika au» unternommen, einen Rückkauf der Briefe- in Berlin zu erzielen, indem man durchblicken ließ, daß ihre Veröffentlichung geeignet sein würde, unliebsame Sensation hervorzutusen. Dieser Versuch mißglückte. Man war in Berlin der Ansicht, daß di« Bries« das Licht bet Oeffentlichkeit nicht zu scheuen brauchten, und es zeigt sich jetzt, daß diese Annahme richtig war. Die amerikanische öffentliche Meinung stimmt mit bet beutschen bartn völlig überein, baß diese Briese, bie der Kronprinz nicht al» Thronfolger, sondern als Mensch unb Freund geschrieben hat, seinem Herzen nur Ehre machen. Der Empfänger bei Brief« spielt allerdings in der Angelegenheit eine wenig schöne Rolle.
— Ausserordentlicher Deutscher Aerztetag. Berlin, 8. April. Der Eeschäftsausschutz des Deutschen Aerzte- Dereinsbundes beschloß, für den 17. April einen außerordentlichen deutschen Aerztetag nach Berlin «inzuberufen, um zur Reichsversicherungsordnung Stellung zu nehmen.
— Mandatsniederlegung. Pofen, 2. April. Der Reichstagsabgeordnete Dr. v. Dziembowski-Pornim hat fein Mandat niedergelegt. Er verttat den vierten Bromberger Wahlkreis Hohenfalza-Strelno-Mo- gilno. Dem Reichstage gehörte er von 1880 bis 1908 unb von 1907 an. Der Wahlkreis gehört zum festen Besitzstand der Polen. Die Mandatsniederlegung wird mit der demokrattfchen Strömung in der Polen* fraftion in Verbindung gebracht, di« schon mehrfach zur Ersetzung adliger Kandidaten durch bürgerlich« geführt hat.
— Pastor v. Bodelschwingh f. Der bekannte Gründer und Leiter der Jdioten-Anstalt Bethel, Pastor v. Bodesschwingh, ist am Samstag Nachmittag 1 llhr gestorben. Pastor v. Bodelschwingh hat «in Alter von 79 Jahren erreicht. Er war tt» vor drei Jahren Mitglied de« preußischen Abgeordnetenhauses. Bodelschwingh hat durch seine reiche und herzenswarme Tätigkeit für bie Elenden unb der Rettung Bedürftigen großen Segen geftiftet. Der Dank von vielen Tausenden folgt ihm nach.
— Die Denkschrift über die Wirkung bet Chu suhtschein« über eingeführtes Getreide ging dem Reichstage zu,- sie zerfällt in drei Abfchnitte, deren erster die geschichtliche Entwicklung der Frage behandelt. Im zweiten Abschnitt werden die Wirkungen bet geltenden Vorschriften unb ihr Einfluß auf die Reichseinnahmen, die Preisbildung, bet Schiffsver- kehr, die Viehhaltung und die Müllerei auseinandet- gefetzt, Die Denkschrift kommt dabei zu den Ergebnissen, dass die Erteilung und Anrechnung von Ein* fuhrsckieinen für die Reichskasse nicht nachteilig ist. Die Befeittgung de» Identitätsnachweise» hat zur Aufbesserung der Eetreidepreise im Osten, zur Vet- Minderung der Spannung zwischen den bärtigen Preisen und denen im Westen beigetragen und den Schiffsverkehr in den östlichen Häfen belebt. Eine ungünftige Wirkung auf Viehhaltung und Müllerei dagegen hat die Einfuhr des Scheinfystem» nicht et- geben. Im dritten Abschnitt werden bie gemachten Abänderungsvorschläge, wie die Wiedereinführung des Identitätsnachweises ufw. eingehend gewürdigt. Die Regierung nimmt keine endgültig« Stellung zu der Frage und erklärt, daß der Bundesrat bei strenger Auslegung bet bestehenden Vorschriften nur di« Geltungsdauer bet Scheine verkürzen ober statt Kaffe« und Pertolemn anbete Ersatzwaren bestim- men kann.
— Ein sozialdenroktatischet Standesbeamter. Kaiserslautern. 1. April. Die Regierung bet Pfalz hatte die Anstellung eine» dritten Adjunkten al» Standesbeamten in Kaiserslautern nicht genehmigt unter bat Begründung, daß hierfür kein Bedürfnis vorlieg«. Auf die Beschwerde de» Stadtrater an da, Staate* Ministerium ist nunmehr der Beschluss der Regierung verworfen und bet Sozialdemokrat Schmollet eh Standesbeamter bestätigt wordee.
Aus ben vier Plateauwagen, bie schwarz drapiert unb von den übrigen Wagen kaum zu unterscheiden waren, befanden sich je vier Särge. Hinter den Leichenwagen schritten zunächst mit den «n- verwantten der getöteten Soldaten die Generalität und die Spitzen der Zivilbbörden, die evangelisch« und die katholische Geistlichkeft und u. a. auch bie Abordnung des Karlstoerkes. — In der Leichenhalle, wo die aufgebahrten 22 Särg« fast unter Kränzen und Blumengewinden verschwanden, waren neben den Spitzen der Behörden und den Abordnungen der vom Unglück betroffenen Regimenter auch Abteilungen aller Waffen der Garnison Köln erschienen; das Offizierkorvs war vollzählig versammelt. Die dem Kreiskriegerverband angehörigen Verein« hatten chre umftorten Banner um die Särg« aufgepflanzt. Von der Decke der Halle webten Trauerflore und die Halle selbst glich einem Palmenhain. Im Namen der Garnison sprach Exzellenz von Sperling den Angehörigen das herzlickste Belleid aus. Sowohl bei der Feier in der Friedhofskapelle, wie auch während der Unterbringung der Särge in die Eisenbahnwagen erhöhte der Männergesangverein Concordia durch weihevolle Gesänge den Eindruck der Feier. Rach Beendigung der Feier begab sich der kommandierende General v. Plötz nach den Hospitälern und sprach den dott untergebrachten verletzten Soldaten daS Beileid des Kaisers aus: er machte dem Kaiser Mitteilung über das Befinden der Verwundeten. — Wie man hört, haben sich noch verschiedene Mannschaften. die sich in dem verunglückten Eisenbahnzug befanden und anscheinend unverletzt aeblie- ben waren, nachttäglich ttank melden müssen.
Aus Köln wird der der „T. R." noch geschrieben: Roch fortgesetzt werden Einzelheiten bet schrecklichen Katastrophe bekannt. So erzählte einer der am Rettungswerke hervorragend beteiligten Arbeiter, nichts sei furcktbarer gewesen, als bie stundenlangen vergeblichen Anstrengungen. bie unglücklichen Soldaten aus den sie ein« zwängenden Trümmern zu befreien unb babei fortgesetzt ihr Wimmern und Stöbnen hören zu müssen. Einen herzzerreißenden Eindruck machte tS auch, als einer bet mühselig hervorgezogen, n Soldaten seinen Rettern zurief: „Da hab« ich aber Glück gehabt!" unb bann erst gewähr wurde, baß ihm beide Füße fehlten. Der Aermfte starb nackber. Und was mag jenes Mitglied der SanttätSkolonne empfunden haben, als es einen Schuh aus dem ChaoS zog und hn Momente, da er ihn fortschleudern wollte, einen Fuß darin erbflckte. ES gehörten eiserne Nerven dazu, im Dienst der Nächstenliebe stundenlang mitzuwirken. Man kann eS Wohl verstehen, dass in den die TrÜmmerstätte passierenden Zügen Frauen beim blossen Anblick der in dem Gewirr von Holz und Eisen hängenden menscklichen Leiber in Ohnmacht fielen. Zum Sckluß sei ein schöner Zug von Kameradsckaftlichkett erwähnt, bie die an der Unglücksstelle langsam vorüberfabtenden Insassen eine» MilitSrconvoiS zeigten. Rur mit Mühe konnten sie davon abgehalten werden, ihre Abteile zu verlassen und ihren in Rot befindlichen Ka- raben beizustehen.
Der Reickskanzler in Florenz. r Florenz, 2. April. Der deutsche Reichst* kanzler von Bethmann Hollweg begab sich um 11 Uhr vormittags zum Minister des Auswärtigen. Marchese bi San Murano. Die Unterredung der beiden Herren dauerte Über eine Stunde. Um
Uhr erwiderte der Minister den Besuch best Reichskanzlers und nahm bei ihm da» Frühstück L. Florenz, 3. April. An der Frühstückstafel, •vfr heute Mittag bei dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg stattfand, nahmen außer dem Minister Marchese di San Giuliano bet Kabinettschef des Ministers, der Präseft von Florenz und der Gesandte von Flotow teil. Um 5 Uhr trat der Minister die Rückreise nach Rom an. Am vahnbofe fand sich auch Reichskanzler von Bethmann Holltocg ein: die beiden Staatsmänner Unterhielten sich noch lange und verabschiedeten sich von einander mit großer Herzlichkeft.
Rom, 2. April. „Agenzia Stefani" bet* öffentlickt folgende Mitteilung an- Florenz: Heute Vormittag fand eine Unterredung zwiscken Reickskanzler v. Bethmann Sollweg und San Giuliano statt. AuS der Begegnung der beiden Staatsmänner ergibt sich noch einmal die völlige Ucbereinftimmung, gegründet aus dem Dreibund Und auf der schon tu den Unterredungen der Reickskanzlers mit den bisherigen ttalieniscken Ministern festgestellten Gleichheit der Anschau* nngen,
Rom, 2. April. In einem Arttkel Über di« Zusammenkunft deS Reichskanzlers mit dem Minister des Aeußern bi San Giuliano schreibt .Eorriere d'Jtalia'»: Obgleich die Taffacke, dass das Kabinett Sonnino gerade demiMoniert hatte, bie Bedeutung der Zusammenkunft zwischen dem Reichskanzler von Bethmann Hollweg jmb dem ehemaligen Minister Guieeiardinl nickt vermindert, kann man mit Befriedigung die neue Zusammenkunft begrüßen. Diese wird den beiden Persönlichkeiten, welche die auswärtige Po- ftttk der beiden Länder leiten, eine angenehme Gelegenheit geben, sich kennen zu lernen unb in einer herzlichen Unterhaltung in einen nützlicken Meinungsaustausch zu treten. Das Blatt t9taliee bebt den glücklichen Umstand hervor, daß Lnzzatti feine Bemühungen um die Bildung des Kabinetts noch rasch genug beendigen konnte, em dielen Gedankenaustausch zwischen v. Bebt* Mann Hollweg und di San Giuliano möglich zu macken. DaS Blatt ftigt hinzu: Der Geist bet Kvttsegittnz, welcher die cntSwättge Politik Ita- Nen» .arakter'siert, gestattet die Unterhaltungen, welche während der Krise tn Rom stattgeffinben ha»en als eine genügend« Feststellung deS Ein- ve^stSncntsses zwischen beiden Regierungen zu dettach-en. Aber von jedem GesicktSpuntte auS Ist e» wünschenswert, dass bet deutsche ReickS- lanzk - morgen in Florenz mit dem ttaflenischen Minister sich unterhalten kann, bet Von setzt ab für ,:nfete auswärtigen Beziehungen verantwortlich ist.
Kreistag für den Kreis Marburg.
)( Marburg, 2. April.
Im Sitzungslaal des Fürstenhaus«» fand heut« um 10 Uhr beginnend eine Sitzung de» Kreistag» für den Kreis Marburg statt. Den Vorsitz führte Herr Geh. Reg.-Rat Landrat e. Regelein.
Die Tagesordnung erledigte sich wie folgt:
Beschlußfassung übet di« Verwendung der tm Iahte 1909 mitbekommenen Steuern vom Wände t- laget betriebe. Es haben eingezahlt: Gemeinde (ötbe 80 X. Gemeinde Fronhauten 90 X, Gemeinde Münchhausen SO X, Gemeinde Wettet 80 X. Wie in früheren Jahren so beschloß man auch diesmal, di« Beträge den bett. Gemeinden für ihre Diakonissenstationen zur Verfügung zu stellen.
Feststellung de» Voranschlag« über Einnahme» und Ausgaben de» Kretsbaushalt, für da« Rech nunasjahr 1910 und de» Voranschlag« über die Betriebs-Einnahmen und Ausgaben bet Marburg» Ktetebahn für da, Rechnungsjahr 1910. Die Clt