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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg ui, Kirchhain
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Die „Oberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2,25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <Ä.
Marburg onntag, 3. April 1910
Zweites Blatt.
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Das entgegenkommende Italien.
Mr sind in den letzten Jahren durch den Ton Per italienischen Presse gegen uns wahrlich nicht verwöhnt worden. Unser Erstaunen war daher Nicht gering, als schon die Begrüßungsartikel der Italienischen Blätter für Herrn von Bethmann Hollweg sehr freundlich gehalten waren. Diese Herzlichkeit des Tones steigerte sich während sei- «eis Aufenthaltes und als er zum Abschied rüstete wurde ihm und dem deutschen Volke ein wahrer Blumenstrauß liebcnsrvürdiger Auslassungen dargcboten.
Me ist dieser Wandel zu erklären? Zunächst ist es unzweifelhaft, daß die Persönlichkeit des deutschen Reichskanzlers einen sehr günstigen Eindruck auf die Italiener gemacht hat. Man schätzt bekanntlich diejenigen Eigenschaften am meisten, die man selbst nicht besitzt und so muß der Eindruck der Zuverlässigkeit, den Herr von Bethmann Hollweg einem Jeden macht, die Italiener ganz besonders günstig beeinflußt haben. Sie werden den Eindruck gehabt haben, daß dies ein Mann ist, der, wenn er freundliches sagt, es auch den«.
In dieser Zuverlässigkeit werden sie aber zugleich nicht nur das Charatteristikum des deutschen Reichskanzlers, sondern dasjenige des dem- schen Volkes überhaupt erblickt haben. Und diese : Zuverlässigkeit, die zugleich die Grundlage der Dauerhaftigkeit ist, muß ihnen gerade jetzt als eine höchst werwolle Ergänzung ihrer eigenen Eigenschaften erschetilen. Herr von Bethmann Hollweg kam gerade in einen Minister echsel hinein, wie denn überhaupt in letzter Zeit die Mttristerien in Italien gerade recht kurzlebig gewesen sind. Solche häufigen Kabinettswechsel aber find ein Zeichen ungeklärter, um nicht zu sagen unsolider, innerer Zustände. Je tveniger gefestet aber die innere Lage eines Reiches ist, desto mehr hat es Anlaß, darauf zu halten, daß die aus- Wärttge Politik in ruhigem und sicherem Geleise Dust. Deshalb muß gerade jetzt den Italienern die Erkenntnis aufgehcn, welch hohen Wert für sie der Dreibund besitzt, der ihnen, ohne allzu große Aufwendungen für Heer und Marine machen zu müffen, eine friedliche Politik ermöglicht und eine angesehene Stellung im Rate bet Völker gewährt. Des weiteren dürste die Er- jhtnentnfl an die Vorgänge, die sich vor gerade einem Jahre abgespielt haben, die italienische Stimmung gegen uns günstig beinflußt haben. Damals hat man gesehen, daß Oesterreich-Ungarn seine berechtigten Ansprüche gegen eine große Anzahl heimlicher und offener Gegner durchzusetzen vermochte, weil es Deutschland auf seiner
Seite hatte. Jeder verständige Politiker in Italien — und der Italiener ist an und für sich ein guter und genau rechnender Politiker — mußte daraus den Schluß ziehen, daß die deutsche Freundschaft doch einen recht erheblichen realen Wert besitzt und daß derjenige ein Tor ist, der sie beiseite schiebt. Es kann ja auch früher oder später der Fall eintreten, daß Italien zur Sicherung eines gerechtfertigten Anspruches eines zuverlässigen Freundes bedarf und daß dann Deutschland sich als sicherer bewährt, als England ober Frankreich oder Rußland. Diese Erwägung dürste zur Folge gehabt haben, daß die Zahl derer die das Losungswort auögebeu „Los vom Dreibunde", in Italien erheblich abgenom men hat. Ein angesehenes italienisches Blatt, der Turiner „Moments", hat am Dienstag erklärt, daß das italienische Volk in großer Mehrheit am Dreibunde festhalten ivolle und '»atz nur die alleräußerste Linke davon eine Ausnahme mache.
Schließlich sprechen auch wirtschaftliche Gründe bei der größeren Freundlichkeit gegen Deutschland mit. Deutschland hat die 6% Mill. Mark für Messina ohne jeden eigenen Hintergedanken gegeben, aber das italienische Volk hat an der Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit d»r diese erhebliche Summe aufgebracht worden ist, ersehen, welcher Wohlhabenheit sich die deutsche Ration erfreut. Wohlhabenheit bedeutet aber Kaufkraft und die Italiener können für gar manche ihrer Produste eine kaufkräftige Ration, deren Seelenzahl sich von Jahr zu Jahr um nahezu eine Million steigert, sehr gut als Abnehmer gebrauchen.
Es sind also recht nüchterne Erwägungen, welche die Italiener in der letzten Zeit zu einer mebr deutschfreundlichen Haltung veranlaßt haben. Wir erblicken in dieser Nüchternheit nur einen Vorteil. Der Romane ist wenig sent'mental veranlagt und eine augenblickliche Frenndschafts- wallimg verfliegt so schnell wie sie kommt. Wenn er aber erkennt, daß diese oder jene Polittk für ihn nützlich ist, dann hält er viel eher daran fest. Die Italiener können aber um so mehr und nm ko leichter am Dreibunde festbalten. als eigentlich kaum etwas anderes verlangt wird, als daß fie uns und Oesterreich-Ungarn nicht in den Rücken fallen.
bin „elfter Kultnrtaq"
hat in Berlin zu Ostern stattgefunden. Unsere radikalen Herren verstehen es ja, ihre Propa- g'nda mit hochtönenden Namen zu bezeichnen. Einmal pachten sie den „Fortschritt" und erstären dann natürlich jeden, der nicht ihrer Ansicht ist, für einen „Reaktionär", dann die „Toleranz", um in gleichem Atemzug politisch Andersdenkende oft auf pöbelhafte Weise mit Schmutz zu bewerfen.
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Am 9. April wird in Gegenwart des Prinzenpaares Eitel Friedrich von Preußen die Kaiserin- Auguste-Viktoria-Stistung auf dem Delberge bei Je- tusalem seierlichst eingeweihi. Veranlassung zu dem Bau gab seinerzeit der Besuch des Kaiserpaares in Jerusalem. Zu Ostern 1907 wurde der Grundstein gelegt und vom Regierungsbaumeister Leibnitz jtnb dem Architekten Otto Hoffmann ausgeführt. Die ^Baukosten stellten sich auf 2 225 000 M, die größtenteils vom Kaiserpaar gedeckt wurden. Das Stift hat sich unter Obhut des Zohanniierordens gestellt, und ;b« Prinz Eitel Friedrich der Herrenmeister des Or» dens ist, hat ihn der Kaiser mit der Einweihung des ^Gebäudes beauftragt. Gleichzeitig «erden zwei Erz-
standbilder des Kaiserpaares dort aufgestellt, die das Kaiserpaar in mittelalterlicher. Auffosiung darstellen und vom Bildhauer Albert M. Wolff-Berlin stammen. Die St»tuen find von Eladenbeck in Bronze gegossen worden und je 2 Meter hoch. Ferner wird das Prinzenpaar der Einweihung der evangelischen Himmelfahrtskirche und der katholischen St. Marienkirche auf dem Berge Zion beiwohnen. Letztere ist vom Kölner Diözesemeister Renard gebaut und ist ein stolzes Bauwerk. Das Grundstück hat der Kaiser den deutschen Katholiken des heiligen Lande» geschenkt. Neben der Kirche steht ein schönes Klostergebäude, da» deutsche Benediktinermönche bewohnen werden.
An ethische und intellektuelle Bedeutung dars sich nun überhaupt schon niemand anders heranwagen, die haben sie schon gar in Erbpacht. Jetzt haben sie die „Kultur" als Schlagworte für ihre Parteizwecke zurechtgestutzt und in Berlin einen ersten Kulturtag inszeniert, auf dem sie ihre Sich ter leuchten ließen. Was für eine „Kultur" hier verzapft wurde, steht man aus den Vorgängen:
Eingerichtet scheint die Sache von dem bekannten Schulreformer Gurlitt, der den Abend mit einer Ansprache eröffnete, in der es von „Kulttirproblemen" geradezu wimmelte. Prof. Schücking von Marburg sprach über „Kultur" und Jntcrnaionalismus". Er ist naürlich davon überzeugt, daß die Deritschen das wesentlichste Hindernis sind, daß der allgemeine Weltfrieden noch nicht da ist. Herr von Bethmann habe zwar öfter die Majorsuniform angelegt, sich aber nie mtls als Pacifist bekannt.
Es ist gewiß eine schöne Sache, wenn einmal aller Kampf und aller Streit auf biefer Welt auf hört. Dann wirb sich bie Hoffnung des Prof. Schücking erfüllen, daß nämlich in bet Aera des Weltfriedens der Staat für die großen Masten, für viele Taufende große Thcater bauen wird, in denen diese Tausende den Kunstgenuß gratts erhalten und außerdem in den Pausen noch unentgeltlich „gestärtt" werden. In diesem Zeichen wird sich nach Schücking von selbst eine neue Blüte der Dichtkunst einstellen. Professor Schücking fand es selbstverständlich, daß England gegen uns erbittert ist, wenn es durch unsere Rüstungen fortgesetzt zu neuen Ausgaben gereizt wird usw. Deutlicher wurde Stadttat Pentzig
aus Charlottenburg. Et meinte, der
Kampf gegen jedes Kirchet-tttm sei eine
knlturelle Tat. Die schwierige Frage sei
bloß, wie man an die Kirche hetankommen könne. Mit der Wissenschaft sei da nichts zu machen, denn die Gläubigen ziehen sich immer auf die Ebene bet „religiösen Erfahrung" zurück. Mau komme gegen bie Kirche nur an mit bet Religion selber, indem man den Massen das Kitchentum als ,Ent rtung des religiösen Bewußtseins" datstclle. Die katholische Kirche sei die große Parasiten- Zuchtanstalt, die den Leuten die Religion so billig wie möglich mache. Die „Kommissionäre für Gott" besorgen alles billig, prompt und einfach. Gegen die evangelische Kirche wurde der Redner noch ausfahteudet, da es ja in der Hauptsache gegen sie gehen sollte. Es wurde dann auch zum Massenausttitt aus der Landeskirche aufgefordert. Dt. Vielhabet bezeichnete in seinem Vortrag „die Ziele des Monismus", diesen als den wirklich deutschen Protestanttsmns. Herr Professor Drews der die Frage „Hat Jesus gelebt" feiner Zeit verneint hat, meinte, eine Religion müsse fein, aber es könne sich nur um eine moderne handeln, bei bet bie großen Männer bet Gegenwart bie Propheten seien. Ob sich oie Herren
bes Kulturtages bazu rechnen, würbe nicht sagt. Zum Schluß trat noch der einst bekannt» Exbürge enteister Schücking auf, oer dann gegen die Rückständigkeit Preußens wetterte undmeftckl unsere Zustände näherten sich immer mebr den russischen usw.
Diese Charatteristerung des .Kulturtages" möge genügen, sie zeigt hinreichend welcher Kult» turgeist dort herschte. Es hat nicht einmal Zweck gegen derarttg leichte Schimpferei zu protestieren. Vor solcher „Kultur" wird sich unser Volk von selbst bewahren!
Marburg und Umgegend.
(Nacht, ick aller Crtginalarlitel ist gemäß § 18 bei Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe „Oberheff. Zig." gestattet.)
N. - bürg, 2. April.
* Der erste Schulgang am nächsten Montag Es beginnt für Kinder wie Erwachsene ein wichtiger Zeitabschnitt, wenn der Tag k mmt, tw Lieschen Otto, Gretchen. Karl, Else, Max Frida — ober wie bie „Dreikäsehoche, sonst noch heißen mögen — zum erstenmal an Mutters Hand dem großen Gebäude zustreben, das sich „Schule" nennt. Schiefertafel und Schwamm, Schieferkästchen und Fiebel sind Wohl hundert mal sch»» in den Tornister oder in die Schultafch- ein- und ansgepackt worden, und der Heine Stift bringt vielleicht außerdem auch schon etwas u.ebr Wisse« dem Lehret mit. Der eine kann schon ein Pa« Buchstaben des Abe malen, der andere kann daß schon, was mancher viel größere Stift noch nicht kann, nämlich bis ans drei zählen. Kerzengerade und mit dem nötigen Ernst w'rd bet erst- Schulgang angetreten. Wie klapvert lustig bas Schiefer- kästchcn int Tornister. Wie stolz lcuchien bie Augen des kleinen Abc Schützen, der ganz fleium weiß, daß er nun über all' die dummen. Heinen Babys bochcrhaben ist! Und dann kommt wohl- auch noch eine schöne, bunte Zuckertüte in Bettacht, deren Jtihalt gewiß dem neuge'mckene« Abc Schützen das versüßen soll, was ihm späte» oft noch satter genug werde» wird —: da? Lernen. Früh int Leben sind die Eltern, dann die Lehrer und später die Erfahrungen die gestrenger Lehrmeister. Rur wirv das Lehrgeld in de» ersten beiden LebenSepgchen von den Eltern bezahlt. . . . Nun, Glück aus ihr Jungens und ihr * Mädels! Möge euch das Lernen nicht zu schwer fallen undmögt ihr einmal körperlich und geistig gereiste, tüchtige und — glückliche Menschen werden, encki selbst und allen anderen für Freude!
* Philippshaus. Der eingetragene Verein „Philippshaus" hat durch Ucbrtaihmg unverzinslicher Darlehen, die aber Vorn Jabrr 1912 wieder mit 4 Prozent cmsgclost und zurück» beruhst werden, einen Grundstock des DaukapitalS erhalten, doch ist zum Bau des so notwendigen Vereinshauses noch eine große Summe eiforöer»
Die Standbilder d .Ka tserpa are s Für d ie Kaiserin-August»«.
ViWpria-Srirrung in Jerusalem«
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