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Ho 97 Sonn- und Feiertage.
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45. Jahrg
Erstes Blatt
13
/Nachdruck verboten.)
eines todwunde»
wankenden
Knien
passte«
©traut vorbet
er Wohl sehen, daß etwas Furchtbares war.
Anni, wo ist Annif! schrie er aus.
Stumm deutete ich aus die Tür. Der entsank seiner Hand. Sr stürzte an mir
Tiere« gleich. Ich stürzte mit hinaus, fort, nur so«!
Draußen pfiff ein scharfer mir eine Handvoll Eisnadeln
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Politische Umschau.
Eine Tariarcunachricht.
Berlin. 1. April. „Echo de Paris" und „Dail- Telegraph" meldeten, daß das deutsche Kanonenboot „Sperber" in Kap Palma» (Republik Liberia) versucht habe, Truppen zu landen; daraufhin hab« e» von den liberianischen Behörden den Befehl erhalte«, dies zu unterlassen und sich innerhalb 36 Stunden au» den liberianischen Gewässern zu entfernen. Da» Kanonenboot sei diesem Befehl nachgekommen. Der dieser unzutreffenden Meldung zugrunde liegend« Tatbestand ist der folgende: Am 19. Februar 1910 erhielt d-r „Sperber", auf der Rückreise nach Dualo begriffen, in Lome ein Telegramm von deutschen Firmen in Kap Palmas, das ihn dorthin zum Schutz der Europäer gegen aufständische Eingeborene zu komme» hat. Am 23. Februar traf das Kanonenboot tn Kap Palmas ein, wo auch das liberianische Regierungs» f<f !*f »Lark" vor Anker lag. Da sich der Fiihrer der liberianischen Reoierungtruppen, General Padmor«, außer Stande erklärt, das Kap Palmas gegenüber-
liger Geselle gewesen, jetzt schien es ja z« Frost Umschlagen zu wollen; ober der Himmel blieb grau, unfreundlich.
Um zwei Uhr machte ich mich mit aller Energie frei. Ich hatte Anni fest versprochen, ste bräutlich zu schmücken und ihr den Schleier fest zustecken; ste wollte niemand ander- dazu haben, und Doktor Achinger hatte mich, alö er von der standesamtlichen Trauung kam, noch einmal daran erinnern müssen.
Bon Annis Verwandten war nur Herr von Tiesenbach erschienen. So kam es mir vor, als müßte ich Mutterstelle bei der Waise vertreten. Im Salon der alten Frau Achinger war kein Sessel zu haben; alle waren belegt mit den Toilettestücken. die die holde Braut schmücken sollten. Das Brautkleid, das die alte Frau der Schwiegertochter geschenkt, hatte ste gar nicht kostbar genug bekommen können: ein herrliches, dufttges Spitzengewebe lag hier zierlich ausgebreitet und harrte der Stunde seiner Besttmmung. Auch den Kranz hatte der Gärtner schon gebracht und einen Korb voll frischer Myrtenzweige, das Kleid zu bestecken.
Die alte Frau Achinger trippelte gerührt zwischen all dem Staat umher; ihre Hände glitten bald liebkosend über die Wangen der Schwiegertochter, bald über den duffigen Brauffchleier.
Anni sah beute bildschön au? in ihrer bräutlichen Erregung. Aber mich beängstigte das tiefe Rot, das auf den Wanaen lag. und noch mehr erschreckte mich beim Schließen des weißen Spitzen- kle>deS der heftiae, unregelmäßige Schlag ihres .Herzens. Ich ließ ste, lanasam schluckend, ein Glas Zitronenwasser trinken, das aber wenig zu wirken schien. Jetzt aber war es auch hohe Zett, der Brmi« den Schleier feftzuftecken. Ich zoqdas zarte Gewebe geschickt durch den grünen Mvrten- ranken und drückte es auf Annis blonden Locken- kovs. Als ich mich vorbeugte, um mein Werk jk Prüfen, sah ich, wie da? Rot aus AnntS Wange« langsam einer grauen Blässe wich.
Ihre Hand griff zuckend nach dem $egen
Si lvester Anni.
Erzählung aus dem Lebe« einer Diakonisse.
Von P. Wilhelmy.
t Forttetzung >
Im Hause, tn der Wohnung des Arztes, be« -am nun eine rege Tatigkett. Die Handwerker gingen aus und ein; dann kam die kleine Braut, um alles zu begutachten. Wieder wurde etwas Jieänbert. Möbel wurden gebracht Als «S ettig war, war es ein kostbares lauschig k Rest, das aus das junge Paar wartete. Daß auch baS Glück mit ihm einziehen möchte, war mein beiße- Per Wunsch.
Auui Hing zu meiner Freude, mit unver- önderter Zärtlichkeit an mir. Alles mußte ich zuerst sehen und mein Urteil darüber abgeben.
Ich habe -ja meine Schwiegermutter furchtbar kicb, sagte sie oft, mich stürmisch umarmend; aber Sie bleiben doch meine Pizemama, Schwesterchen. und die habe ich noch viel, tausendmal Fieber!
Der Termin der Hochzeit rückte schnell näher. Mld das war gut so Anni machte mir in letzter gelt Sarge. Für sie waren diele außergewöhn- Ache« Anfregunaen nichts. Rur Kuh« konnte das Harle Welen erhalten; das wurde mir täglich klarer Wie gut, daß ste nichts ahnte! So nervös »md erregt halte ick> ste noch nie gekannt. Sie wechselte furdtibar häufig die Farbe und sah manchmal direkt leidend aus. Ich wünschte sehr, der große Tag möchte endlich vorüber s in. da- wtt alles mach und nach tvieder ins alte Geleise f|ttrfi(f?e6rt«.
Endlich war er da der vierundzwanzigste ! Dezemberl Der Tag war für mich nicht gut; kch hatte vormtttaas alle Hände voll zu tun. so cdaß ich nicht daran denken konnte, einmal in das Hochzeltshaus hinüberzueilen. Draußen war es !Ästg kalt, aber doch kein rechtes Weihnachtsweiter. -Der ganze Dezember war ein seuchttalter, netz-
Umstand, und Asquith wird es daher kaum wagen, allein auf Grund einer irischen Mehrhett dem Lande eine solche Verfassungsänderung aufzudrängen.
Da« Debüt Roosevelts auf der politischen Bühne nach der Beendigung feiner Zagdexpeditton war wenig glücklich. Der Expräfldent gedachte Eng- land einen Freundschaftsdienst zu erweisen, al» et seiner Vorlesung in der Universität Kairo für die britische Verwaltung und gegen die eingeborene ägyptische Bevölkerung Partei ergriff, doch entsprach bet Erfolg gar nicht bet Erwartung, die Roosevelt vermut. tch gehegt hat. Denn nicht nur bte Aegypter find empört über diesen seinen Angriff, dessen Berechtigung fie durchaus bestreiten, auch die britische Regierung ist seht unangenehm überrascht, und fie beeilt fich jetzt, den ungebetenen Parteigänger kräftig von fich obzuschütteln „Indiskretionen, die bei einer Privatperson verzeihlich find, werden bei einem ehemaligen Staatsanwalt unverzeihlich. Aeußerungen über die Fettigkeit Aegyptens für Selbstregietung odet das Gegenteil, sind, während st« jedermann ohne große Stellung erlaubt sein mögen, in bet Brust von Ex- präsidenten weit besser begraben; so lange zwei Parteien in Aegypten bestehen, ist ein Ausspruch zugunsten bet einen ober bet anderen wenig geeignet, der Regierung den Weg zu ebnen." So und ähnlich lauten die Auslegungen de» offiziösen Organs des Kabinetts Asquiths. Bei der Gepflogenheit bet bri- tffchen Staatsmänner, fich nur in Ausdrücken vorsichtigster Höflichkeit zu bewegen, kann man aus dieser Zurechtweisung ungesayr ermessen, wie unangeneh n in London bet vermeintliche Freundschaftsdienst Roosevelts empfunden worden ist.
„ . — Der Bezugspreis beträgt die riel- jährlich durch die Post bezogen 2 25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Leitungssteöen und der Expedition (Markt 21), 2 <X.
Umschau im Auslande.
In Frankreich macht man fich übet die Art und Weise lustig, wie die Flottenvorlag« vom Parlament Gehandelt wird. Es ist tn bet Tat merkwürdig, daß bte Kammer schließen wird, ohne das große Werk der Marinereform, das in diesen vier Fahren von allen Patrioten mit so leidenschaftlichem Eifer besprochen worden {ft, auch nur in Angriff genommen zu haben. Dabei ist die sonstige gesetzgeberisch« Ausbeute dieser »ein t«dikal-soziat.,..,^en ßegtslatuiperiobe äußerst dürftig. Es wird dabei bleiben, daß man vorläufig nur zwei Schiffe neu auf Stapel legt. Das wird von den Flottensreunden um so bitterer bemerkt, al» ringsum die anderen Rationen sich an Rüstungen überbieten und Frankreich immer weitet in den Hintergrund drängen. Freilich, der gewöhnliche Mann »egt sich barfibet keineswegs auf. Man interessiert fich für alles andere eher al, für Politik, und es gibt gebildete Franzosen, die ihre ganze Kenntnis von den Staatsgeschäften ihres Landes au» den Rat« tikaturen bet Witzblätter', und den Possentevnen schöpfen. Die Abneigung gegen bte Beschäftigung mit politischen Dingen scheint fich fetzt selbst auf ble Fratzen bet Landesverteidigung auszudehnen, wo Frankreich frllhet von so nervöser Empfindlichkeit wat.
Die Debatte übet die von der englischen Regierung kingebcachten Resolutionen gegen die Peers- kammet ließ bereits erkennen, daß bas Kabinett As- HNiih einen aussichtslosen Kampf kämpft. Zn bet liberalen Partei selbst herrscht Unwilligkeit, die g«. mäßigten Liberalen wollen nicht, von den radikalen Maßnahmen Asquiths gegen bte Peerskammer wissen ■nb haben erklärt, daß fie nicht für bte Resolutionen des Premiers stimmen könnten, falls nicht Garantien dafür gegeben würden, daß bas Oberhaus auch al, Zweite Kammer «in wesentlicher Bestandteil der brl« tischen Betsassungseinrichtungen bleiben würde. Dies« Garantien kann Asquith natürlich nicht bieten, denn bann würden sowohl die Iren wie die Arbeiter- Parteien unbedingt die Regietungstesolutionen zu Fall bringen. Trennt sich aber ein Teil der Liberalen in dieser Frage von der Gefolgschaft Asquith, so schrumpft die Regierungsmehrheit noch weiter bedenk- lich zusammen und cs wäre möglich, daß bann bei den Iren allein die Entscheidung über die zukünftige Gestaltung »tefer schwerwiegenden Aenderung bet Verfassung liegen würde Das wäre natürlich vom britischen Standpunkte aus ein äußerst bedenklicher
Marburg
Sonntag. 3. April 1910.
mäßigt« Schlagwort« find ein Widerspruch in fich. Wenn man aber die extremen Parteien doch nicht zufrieden stellen kann, so ist es nicht klug, an der Sache überhaupt zu rühren. Meines Erachtens steht bei dem Wahlrecht, wie schon der Name sagt, das Recht des einzelnen viel zu sehr im Vordergrund. Von dem Schutz der Gesamt« heil ist dabei keine Rede. Ich f*n.i mich aber nicht überzeugen, daß bet einzelne das Recht habe, um seiner persönlichen oder Klasseninteressen willen den Staat ins Unglück zu bringen, wie es zu befürchten steht, wenn die Kurzsichtigkeit der von der Hand in den Mund lebenden Klassen die Gewalt in die Hand bekommt. Meine ganz besondere Gegnerschaft richtet sich gegen unsere süddeutschen Demokraten, die die Forderung erheben, man müsse sich in die preussische Wahlrechtsfrage einmischen, weil dies eigentlich ein Reichsinteresse fei, denn es könne im Reiche nicht liberal regiert werden, solange im preussischen Abgeordnetenhause die „Junker" herrschen. Das ist in jeder Hinsicht falsch und schief gedacht. Denn, um mit dem letzten anzu- sangen. liegt ein Parteiinteresse vor, fein Reichsinteresse, und dann ist es doch eine .tu nete preußische Frag«, die keinen Richtpreusten etwas angeht. Von diesem Standpunkt aus habe ich bis jetzt literarisch jede Einmischung bekämpft, mit dem weiteren Hinweis, daß gerade unsere süddeutschen Demokraten fich aufs äußerste gewehrt haben würden, wenn z. B. der umgekehrte Fall einatreten wäre und Preußen sich gegen die Demokratisierung des Wahlrechts zu den süddeutschen Landtagen hätte wenden wollen. Sachlich wäre dazu messt Grund vorhanden gewesen, aber es ging auch ebenso wenig an, wie das Umgekehrte. Preußen hat bet Sache im Süden den Lauf gelassen, und das gleich« müssen wir Süddeutsche der preußischen Wahlrechtsreform gegenüber tun. Zurückhaltung ist das einzig Richtige. Untere Linksliberalen fetzen sich Über formale Bedenken sehr leicht hinweg, weil sie erkannt haben, daß erst die starke Hand in Preußen weg muß, esse fie ihren Theorien die Zügel schießen lallen können. Die Sozialdemokraten und Demokraten unterscheiden sich hierin nicht. Sie haben die Erinnerung, daß der große Bruder im Jahre 1849 gekommen ist. um den kleinen Buben in Ordnung zu bringen, die fich zu ausgelassen gebärdeten. Die Wiederholung würde ja ebenso verlaufen, solange der große Bruder sich gleich bleibt. Darum soll Preußen durch ein demokratisches Wahlrecht geschwächt werden, und wenn es dann in seinem Innern durch eigene Wirren vollauf beschäftigt ist, kann man im Süden bequem alles durcheinander bringen, ohne von dem großen Bruder gestört zu werden. Der Plan ist bei einigen wahrscheinlich durchdacht, bei den weiften messt instinktiv erfaßt. Es liegt fa auch nahe, daß die Umsturzparteien sich zuerst gegen den wenden, der ihnen am meisten im Wege steht. Um diesen Plan zu erfassen, braucht man nicht einmal viel Verstand. Eigentlich müßte
Nord und Süd.
Di« „Correspondenz des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" veröffentlicht die folgende Zuschrift eines angesehenen Mitgliedes bet nationalliberalen Partei in Baden, die fich in aller Entschiedenheit gegen di« unbefugte Einmischung nichtpreußischer' Politiker in die inneren Angelegenheiten Preußens wendet:
„Macauley sagte einmal in einer seiner Reden, es sei ziemlich gleichgültig, nach welchem System ein Parlament gewählt werde, immer werde ein gewisser Teil fähiger und unfähiger Gewählter herauskommen. Das ist gewiß richtig. Ich habe die Heftigkeit der Liberalen im Kampf um die „Verbesserung" des preußischen Wahlrechts nie recht begriff—, eben weil mit die Sache gar nicht so wichtig vorkommt. Bei einer erheblichen Radikalisierung des preußischen Wahlrechts würde die Sent-nz Macau- leys fteilich kaum mehr Geltung haben, und auf die Radikalisierung arbeiten die Linksparteien entf(f){eben hin. Aber nut die Sozialdemokraten wissen, was sie tun. Sie allein werden bet ge- winnenbe Teil fein, da bte Massen immer den weitgehendsten Schlagworten folgen. Ee-
Dann fiel mir ein, daß man doch wenigsten- dem Pastor Bescheid sagen mußte. Ich ging bis zur Haustür zurück und sagte dem Kutscher, der immer noch auf das Brautpaar wattete, daß er die Trauung abbeftellen solle; die Braut fei nicht Wohl. Er riß die Augen weit auf vor Staunen und fuhr eilig davon.
Schwerfällig stieg ich die Trepp« im Trauerhaufe wieder hinan. Meine Kraft war zu Ende. Der Kopf war mir bleischwer. Ein Mühlwetk schien darin zu arbeiten. Ich wollte nur mein Tuch urntutt und dann nach Hause geben. Russe wollte ich habe, — nut Ruhe. Nichts mehr hören und (eben müssen. Drin stand noch bet Stuhl vor dem Spiegel, auf dem Anni zuletzt gesessen. Der Schleier lag daneben und auch der Kranz. Jemand hatte Wohl darauf getreten. Ich hob ihn auf und legte ihn auf den Tisch, ebenso den Brautstrauß. Mochte eS fie im Sarge schmücken. Keinen Schmerz empfand ich, nur eine stumpfe Gleichgültigkeit. Vom Nebenzimmer klang das wild« Schluchzen des unglücklich«, BränttgamS; ein« fanfte Frauenstimme sprach dazwischen. Gan, genau hörte ich fie. als spräche jemand im Keller. Vor meinen Augen tingln rote Kugeln, immer größer. Immer feuriger Ich griff halffuchend um mich. Zu spät — ich Sch — tief, immer tiefet. , -< -—'
(Fortsetzung folgt)
in das Schlafzimmer. Und dann hörte ich einen Schret einen Schrei, bet nichts Menschliches hatte, sondern dem Aufbrüllen
Die Jnfertionsgebühr beträgt für die 7gespaltene geüe ober deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Cer lag: Foh. Ang. Koch, llniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. T. Hihewth, Marburg, Marti 21. — Telephon 55.
Wind und warf ins Gestcht “
Sie wankte und WLee vom Sessel geglitten, wenn wir sie nicht aufgefangen hätten. Mit bebenden Fingern löste ich den Schleier wieder und öffnete das Kleid. Dann trugen wir die leichte Gestalt aus das Bett im Nebenzimmer. Die alte Frau Achinger stürzte davon, um Wasser zu holen. Anni richtete sich eben empor; ihre Augen waren wett geöffnet; ein wildes Entsetzen entstellte ihre Züge.
Heinz soll kommen! stieß ste hervor. Ich will nickt sterben fetzt, Schwester Marie, ich will nicht sterben! Heinz soll kommen. Dann sank fie wieder zurück.
Ich beugte mich über fie und schob den Arm unter ihren Kopf.
Heinz soll kommen, murmelten die blassen Lippen noch einmal. Ich hab' gewußt — daß er — Kurt — erschossen hat, — ich — hätte ihn — doch — geheiratet. — Ich habe ihn — so — lieb.
Dann noch einmal ein jähes Aufbätnnen, ein Aufschrei: Hein;? Der Körper sank in die Kissen zurück. Das Herz stand still. Anita von Romm war heimgegangen. Ein Herzschlag hatte dem jungen Leben ein jähes Ende gemacht
Die alte Schwiegermutter war auf den Stubl neben dem Bett niedergesunken und hätte ihre Hände vor« Gesicht geschlagen. Wit waren beide wie gelähmt vor Entsetzen.
Ein Wagen kam in schnellem Trabe die Straße heraus und hielt Vor dem Hanse. Der Bräutigam kam. um die Braut zu holen. Ich hörte den dumpfen Knall, mit dem der Wagen- schlag einschnappte. Wie im Traum ging ich hinaus, dem Manne entgegen. Er sah sehr glücklich aus. Seine Hand hielt einen sehr herrlichen Strauß aus Myrten und gelben Rosen. Spreche» konnte ich nicht, aber an meinem Gesichte mochte
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chanisch tappte ich am Hause entlang. Eine Schar Knaben kam die Straße herauf mit blaugefrorenen Gesichtern und glänzenden Augen. Sie hatten fich bei den Händen gefaßt und fangen ans voller Kehle: O du fröhliche, o du fefige, gnadenbringende Weihnachtszeit!
den Bevölkerungen der Mittel- und Kleinst«», ten eine andere Frage viel nahet liegen, nämlich die Ordnung ihrer eigenen Finanzen. Die Defizite wachsen von Iaht zu Jahr die Pump, wirtschaft wird nicht sowohl aus Rot, sondern aus Ueberzeugung eingeführt, da man sie ass» Heilmittel anpreist, um „Kuliuraufgaben" zu erfüllen, denen man mit laufenden Mitteln nicht gerecht werden könnte. Dazu die vnfin- nige Wirtschaft bei den süddeutschen Staats- bahnen! Und keine Geneigtheit, die Opfer zu bewilligen, die zur Gesundung nötig wären, denn neue Steuern sind schlechte Wahlhilfen! Und unter dem Gesichtspunkt bet Wahlen wird die ganze innere Politik gemacht. Das muß zu bösen Dingen führen. Ich frage mich, ob sich der llebergang zum Einheftsstaat, bet auf poli- tischem Gebiete noch ganz in nebelgrauer Fern« zu schweben scheint, vielleicht auf bem Gebiete der Finanzen vollziehen soll, so baß einet bet kleinen Staaten nach bem anderen finanziell ohnmächtig wird, rote Waldeck schon vor Jahrzehnten? Auf dem Wege dazu sind rott. Leider hat das Gefühl der eigenen Schwäche einen krampfhaften Preußenssaß ausgelöst, rote et seit 1866 nicht mehr zu beobachten war. Sicher ist' die kleineren Staaten können unmöglich einer so großen Beamtenapparat aufrecht erhalten wie ein Großstaat, sie können unmöglich ihre Beamten so hoch entlohnen, sie können überhaupt nicht mehr Schritt halten, weil sie entroeber gualttativ Zurückbleiben oder finanziell ihre Sieuerzahler überanstrengen müssen. Letzteres ist bereits bet Fall in Baden, das die höchsten Steuern Deutschlands hat. Hier hätte man vor der eigenen Tür genug zu kehren und brauchte fich nicht so leidenschaftlich um die preußische Wahlrechtsfrage zu kümmern."
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."