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‘ Folge. vom alten Torpedoy^fen tn Düster», broof ging die Fahrt mit einem Unterseeboot, »das von dem Torpedoboot D. 10 und dem Hebe- - sthifs »Vul'an' begleitet wurde, ht die offene See wo eine Reihe von Manövern auSgesührt Wurde. Die Fahrt währte drei Stunde«.

I — Der verband atabemfich Oebildetee Seher» * Deutschlands nahm in seiner Jahresversammlung in Magdeburg EntschNeßungen an, in denen die endlich«

i Festlegung des Osterfestes, sowie bU Gleichstellung der akademisch gebildete« Lehrer mit den Beamten gleicher Vorbildung, »er allem den Richtern erster

; Instanz, gefordert wurde.

t — Einführung des allgemeinen Schelkverkehrs bei ä den ReichsverwaltungsbehSrden. Der deutsche Han­delstag hatte seinerzeit an den Reichskanzler ». Beth- »ann-Hollweg eine Eingabe gerichtet, in der ersucht wurde, es möge bei sämtlichen Behörden der Reichs- »erwaltung angeordnet «erden, sich bei Zahlungen des Poftüberweifungs- und Scheckverkehrs zu be­dienen. Auf diese Eingabe hat nunmehr der Reichs­kanzler feine Antwort dahingehend erteilt, daß es die Reichsverwaltung fich stet« angelegen fein lieh, die Zahlungsweise durch Giroverkehr und Echeckkonti tunlichst zu fördern und bah auch nach dem Berroal- tunasberichte der Reichsbonk der Giroumsatz der Reichskaffen bedeutend zugenommen hab«. Nunmehr wird auf dieser Bafis der Giroverkehr bei sämtlichen Nassen der Reichsverwaltung und sämtlichen Reichs- Lankanstalten eingeführt werden. Für einen Teil der xassen der Reichsverwaltung kommt allerdings, wie der Reichskanzler bemerkt, außer dem Anschluß an den Reichsbankgiroverkehr ein weiterer Anschluß an den Bostscheckverkehr nicht m-hr in Betracht, wie H. B. bei den Kassen der Konsulate, der Schutzgebiete »fm, weil ein solcher Anschluß entweder mit großen Schwierigkeiten verbunden oder überhaupt praktisch Mndnrchführbar ist. Dagegen wird bei allen übrigen Zahlstellen der Reichsverwaltung von nun ah der Giroverkehr ausnahmslos gehandhabt werden.

— Suftschiffmanäver in Köln. vom 22. bis 29. Roril, zu welcher Zeit de» Inspekteur der Berkehrs- trupven ». Lynker in Köln weilt, wird mit allen bret stationierten Schiffe«, 2“, „St 1" und .P 3“ gefahren, vom 4. bis 21. April fahren nur „M 1* «b ,P 2“ und vom 30. April bis Mitte Mal mtr •3 i“. Zum Leiter der Hebung ist Major Neumann

Luftschifferbataillon bestimmt.

*' — Ein« Zeitschrift für die polnische Jugend wird

'16W 1. April ab in Ostrowo herausgegeben werden. Das neu« Blatt, die erst» derartige Zeitschrift in Dearlchland. soll der »»wischen Jugend als Freund »ad Führer dienen, sie in den Grundsätzen de» Elav- ^heaa und der Rationalität erziehe« sowie ihr all» De meines ytb nationale» Wissen bereichern.

Die sozialdemokratischen Lehrer. Der frü- Hee» Lehrer Holzmeter, der wegen soztaldemo- Ikatischer Betätig««- an« dem Dienst entlossen Awrve» mutzte, tritt nach der „T. R' am 1. April ■» die Redaktion der sozialdemokratischen ,Bre- M«r Bürgerz ettung' ein. Ein anderer, wegen «er Bebel-Gratulation entlassener Bremer Leh- »er, «amen« Döring, ist dem „Hamburger ^cho' »geteilt worden. Uebrigeu« soll Holzmeier bei »eu nächsten Reichstagswahlen tn Bremen al« Haztaldemokratischer Kandidat aufgestellt werden.

Ausland.

k •* etrflrob trab bk deutsche Flotte. London.

9L März. (Unterbau«). Der Abgeordnete Bow- tbras.) fragte Mac Kenna ersten« ob seine Anftnerksamkett ans die offizielle deutsche Erklär- ■M ll-lenkt worden sei daß vom Datum de« offi- Brllen Banauftrage« bi« zum Datum der In Aienftstellung der Bau der .Nassau' .Westfalen' wnb .Rheinland', sowie .Posen' 40, 87, 37 resp. 86 Monate erforderte, zweiten«, ob irgend ein lB^mtd vorliege zu der Annahme daß trgeub «te deutscher Dreadnought in weniger al« 36 Monate« gebaut worden sei oder hätte gebaut werden können und dritten«, ob er noch an der Erklärung festhalte, daß brittsche Dreadnoughts vom ersten Auftrage 618 jur Zett der Jndienst- stellung in 24 Monaten gebaut werden könnten, ßowte schließlich, ob ein Dreadnought selber in 18 Monaten gebaut worden sei. (Fortsetzung siehe tratet Setzte Nachrichten).

■ •* vom Balkan. Saloniki, 31. März. Divi-

fionsgeneral Dschavid Pascha meldet, hn Mlafet Kossowo nehme wegen der stets zahlreicher aus- buchenden Arnautenbanden die Unstcherhett zu. 'Die Bevölkerung von Ipek weigere sich, die Er­werbssteuer zu entrichten und schloß die Basare. -Dschavid Pascha erbat fich Verhaltungsmass : segeln.

■ Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller vriginalartiket ist gemäß § 18 de» ^Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe • „Oberheff. Ltg.' gestattet.)

Marburg, L April.

* Kirchliches. Der Gottesdienst i« der reformier» ten Kirche findet am künftigen Sonntag nicht «m * Uhr, sondern nm 2)4 Ahr statt.

* Geologische Landesaufnahme. Die geo­logische Spezialaufnahme tn der Umgebung von Marburg wurde auch im verflossenen Jahre fort» geführt. Die Aufnahmen erstrecken fich augen­blicklich auf den mesozoischen, also außerhalb des «hen Gebirges liegenden Teil der Blätter Mar- burg und Niederwalgern, die ht ihrem östlich der Lahn gelegenen Teile ungefähr fertig gestellt »find. Da auch im alten Gebirge westlich der »Lahn eine Reihe von Aufnahmen bereits vorlie­gen, so werden die Blätter der Umgebung von Marburg in nicht zu ferner Zett erscheinen kön­nen. Bei dieser Gelegenhett sei darauf auftnerk- sam gemacht, daß di« geologische« Epeziaüatten denen ausführliche Erläuterungen beige! gt find» ineben wissenschaftliche« Zwecken insbesondere für •>cn Gebrauch in der Praxis bestimmt find insbe- -sondere für die Zwecke der Landwirtschaft und 'Bodenkultur, Steinbruchsbettieb, Wasseranlage«, Bergbauuntersuchungen usw. Erschienen sind bisher aus der weiteren Umgebung von Mar­burg die Blätter Dillenburg, Oberscheld, Her» bo7N, Ballersbach hn Hessische« Hinterland, sowie 4 Blätter des Kellerwaldes. Zu beziehe« find die Karie« zum Preise von 2 X tnll. ge­

druckte Erläuterungen entweder bei feder Buch­handlung oder dirett von der vertriebsstell« der Königlichen Geologischen Landesanstatt Berlin N 4, Jnvalidenstraße 44.

• Beamtenpersonal Nachrichten. Ernannt: der Pfarrer Eisenberg z« Renda, Klasse Eschwege, zum Pfarrer hi Kruspis, Klasse Hers selb. Per- liehen: dem Steuersekretär Schmidt ht Köln die Rentmeisterstelle bei der Königlichen Kreiskasse in Gersfeld, dem im Kirchendienst angestellten Hauptlehrer Birlettstamm in Niederkaufnngen der Kantortttel.

* lieber eine Maßregelung int Oberlandesgerichts- bezirk Lasse! berichtet die Franks. Ztg.' vom Ober­landesgerichtspräsidenten tn Lasse! ist gegen einen tm hiesigen Bezirk al» Richter tätigen polnischen Ge­richts-ssessor, eine« frühere« Rechtsanwalt, die Amts- fnspension verfügt und da, Disziplinarverfqhren na­türlich zur Amtsentsetzung eröffnet worden. Dem Assessor wird vorgeworfen, er habe bei einer Gelegen­hett .Pole«' hoch lebe« lasse« und auch Termin« versäumt. Das Blatt meint: Dar Grund für fia» scharfe vorgehen zur Amtsentsetzung ist natürlich die Bekundung polnischer Gesinnung. Denn wegen de, andern Borwurfs erfolgen ja sonst nur Mahnungen, Geldstrafen oder leichtere Disziplinarstrafen. — Man wird zunächst nähere Nachrichten abwarten müssen.

* Stadttheater. Die gestrige Aufführung von Hermann Bahr« neuem Lustspiel »das Konzert' war sehr gut besucht und hatte große« Erfolg. Wir kommen auf bte Aufführung morgen zurück.

• Stadttheater. L» sei nochmal« auf di« letzte Borstellung der Spielzeit hingewiesen, u - mit der außer Abonnement fiattfindenden Wiederholung des »Fidelen Bauer" am nächsten Samstag einen hei­teren Abschluß findet. Die Preise zu dieser Borstel- lung find wieder di« ermäßigte« der vorletzten Auf­führung be» Stückes. — In der zweiten Hälfte des Mai werde« von Direktor Steingötter mit dem Operettenpersonal >-s Emser Kuttheater« eine Reihe mebetnti Operetten in den Etadtsälen gegeben wer­de«. Es muß auf starke Beteifigung an diesen Auf­führungen gerechnet werden, da die Aufführungen moderner Operetten mit ersten Kräften sehr hohe Kosten verursachen. Näheres wird noch bekannt ge­geben, doch sei heute schon mitgeteilt, daß die ge­wöhnlichen Preise gelten solle«.

• De» Hunde» Klage. „Jetzt muß ich mein Leben lassen, ich und mancher Kamerad.' — Am L April tritt sowohl die Kreishundesteuer rote auch die er­höhte Hundesteuer im Stadtgebiet, wie aus der dies­bezüglichen Notiz zu ersehen ist, in Kraft. Wir glau­be« gern, daß ei« richtiger Hundeliebhaber seinen braven »Bello" so leicht nicht abschafft, auch wenn et etwa» mehr Steuer« dafür bezahlen muß. Ein Ge­mütsmensch, der fich erst an ein Tier — es braucht gar nicht einmal ei« Hund tu sein — gewöhnt hat, empfindet e» schmerzlich, wenn er es plötzlich misset muß. E» gibt aber auch viel« Leute, die anderer Meinung find, und so wird wohl in diesen Tagen mancher Hund, weil er Steuern kosten soll, {ein Da­sein beenden müssen.

* Preussische «lassenlotterte. Die Erneuer- «ngSlose, sowie die Freilose zur 4. Klaffe der 222. Königlich preußischen Klaffenlotterte sind nach den §§ 5, 6 und 13 des Lotterieplans unter Vorlegung der entsprechenden Lose an« der 3. Klaffe bl« zum 4. April d. I.. abends 8 Uhr, bei Verlust des Anrechts einzulösen.

• Die Aprilnarrra. Heute ist der Erste vom April, da hält vor Schreck da« Echo still, da wird die Magd vom Rocke gebügelt, die Frau vom Zimmer aufgeriegelt, der Kürschnermeister vom Fell geflopst, der Fleischer von der Wurst ge­stopft, der Fritz vom Kirschkern ausgespuckt, der SetzerlehrNng vom Buch gedruckt, die Schule wird in den Maxel geführt und Anna, die Köchin, vom Teige gerührtl — So, nun wissen wir's. Also die »richfige verkehrte' Welt! Da ist'« kein Wunder, daß die Hunde fliegen lernen und die Bratwürste cm der Zimmerdecke herumspazieren. — Das »zum Narren halten' oder »in den April schicken' am Ersten be« wetterwendischen Monats ist ein aller Volksscherz, der seiner Lustigkett wegen auch heute «och allgemein bekannt ist. Vor allen ist er bei der Jugend beliebt. Wenn nun beute der eine oder andere an diesen wichtigen D«g nicht gedacht hat, so ist da« nicht unsere Schuld.

* Auch ein Aprilscherz. Heute sandte man uns eine „April"-Momentaufnahme der Marburger elek- irischen Straßenbahn.

• Alft Bauernregeln vom April. April frißt der Lämmer viel. — April kalt und naß, Mt Scheune und Fatz. — »ernt der April bläst in . fei« Horn, steht es gut mit He« und Korn. — «vril und Mai fürwahr, sind die Schlüssel zum ganze« Jahr. — Je früher im April der Schleh- dorn blüht, desto eher vor Jakobi die Ernte blüht. —» Ist der April auch noch so gut, er schickt dem Bauern ben Schnee auf den Hut. — Aprilenbllü tut selten gut — April warm, Mai kühl, Juni naß, füllt dem Bauern Scheuer und Faß. — «prilrege« ist dem Bauer gelegen. — Auf naffen April ein trockener Juni folgen will. — Kalter April, bringt Brot und Wein viel. — Raffer Avril, be« Bauern Will. — Kommt April­sturm schon bei Zetten, ist da« Ende wohl zu leiden. — Bringt der April viel Regen, so deutet da« auf Segen. — Der April kann raten, nut der Mai halt Matze«. — Gedeiht tm April die Sckmeck uud die Ressel, so füllt sich Scheuer und Fässel. — Ist der April sehr trocken, so geht der Sommer nicht auf Socken. — Frösche zu Anfang April, bringen den Teufel ins Spick. — Bane« im April schon Schwalben, gibt'« dick Futter, Kor« und Kalben. — Bleibt der April recht son­nig warm, so machff« den Lauer auch nicht arm. — Heller Mondschein im April, schadet be« Blüten viel. — Maikäfer, die hn April schon schwirren, müssen bann hn Mai erfrieren. — Besser Wassernot im April, al« bet Mäuse lusti­ge« Spiel. — April dürre, macht bte Hoffnung irre. — Im April mutz bet Hollunder sprossen, sonst wird be« Bauern Wie«’ verdrossen. — Je eh r im April bet Schlehdorn blüht, je früher bet Schnitter zur Ernte zieht. — De« April« Lachen, berbirbt be« Landmann« Sachen.

• Auf zum Turnen! In unserem gestrigen biesbezügfichen Arttkck find bte Schlußzeilen durcheinander geraten und teilweise anSaelassen.

ES soll heißen, daß in Marburg der Turnverein, di« Turngemrtnde und der Männer Turnverein der Deutschen Turnerschast angehören.

* Die Hundesteuer für das 1. Halbjahr 1910 (1. April bis 30. Septbr. 1910) ist in den ersten 8 Tagen des Monats April — ohne besondere Aufforderung — an die Stadthaupckaffe während ber Dienststunden von 9 bis 12% Uhr Vormit­tag« zu entrichten. Bei der Bezahlung wird die Hundemarke nebst Hundesteuerzettck verabfolgt. Die Hundesteuer beträgt für einen Hund halb­jährlich 12 X, für zwei Hunde in einen Haus­halt 30 Jl. Der ermäßigte Hundesteuersatz für einen Wachthund kommt nur dann in Betracht, wenn ber Wachthund tagsüber an der Kette liegt und das bett. Hausgru dftück mindestens 100 Meter von dem nächsten bewohmen Gebäude entfernt ist.

• Strafkammer. Ein junger Bursche namens M.-tz aus Gießen, der bei einem hiesigen Geft^stsSefitzer als Kutscher in Stelle war und als solcher täglich über Land zu fahren hatte, stand wegen Untreue vor Gericht. Es handelte fich nach bei Anklage um Geld­beträge in Höhe von etwa 160 JL, bte er nach und nach, ohne daß er dazu berechtigt war, für fich ver­braucht hatte. Als einzigen Grund für feine Hand­lungsweise gab er an, daß er gezwungen gewesen sei, täglich Wirtschaften zu besuchen und da hätten ihm bte nut für Getränke täglich bewilligten 50 Psg. Spesen nicht gereicht. Deshalb habe et fich aus ben einkassierten Geldern einen Zuschuß aneignen müssen. Der schon vorbesttafte Bursche wurde zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. — Bei dem folgenden Falle stellte sich heraus, daß der gerichtsbekannte .große .Unbekannte' sich jetzt in der Nähe Gladenbachs aufhält. Ein 20j8hriger Bursche namens Sänget aus Hattenrod stand nämlich tratet der Be­schuldigung hn Januar ht der sog. KnrzmÜhle bei Gladenbach, die bekanntlich jetzt «nbewohnt ist, eingebrochen zu seht trab einen kupfernen Kessel hn Wette von 50 X gestohlen zu hoben. Ferner legte ihm bte Anklage zur Last, beim Ber- kauf von altem Blck auf der Justushütte bei Weiden bansen durch Unterschrift sich ben Namen Kars Assmann beigckegt zu haben. Der Ange- Nagte gab heute an. et habe den Kessel ehrlich gekauft und auch wieder verkauft. Et sei an dem fraglichen Tag ans der Justushütte gewesen und habe dott im Auftrage seines Vaters Blei (bas auch gestohlen fein soll) verkauft und auch eben­falls auf dessen Befehl, den falschen Romen untersckrieben. Später fei er tn Gladenbach tn der Ulrich'schen Wirtschaft gc’jefen und auf dem Heimwege sei die Sache passiert. Ein älterer Mann namens Ludwig Müller aus Gladenbach, ber bei bet Mühle gestanden, habe ihm gerufen und dabei den Kessel für 1,50 X verkauft. In Erdhaufen seien ihm fflr den Kessel dann 17,50 X bezahlt. Auf Befragen gab ber Zeuge ferner an, daß ber .Unbekannte' seinen Weg butch daS Fenster genommen habe. Früher hatte bet An­geklagte bie Tat eingestanden. Al« bas Gericht zwecks Vernehmung von Zeugen eine« neuen Termin ansetzen wollte, gab btt junge Mann feine Tat zögernd zu. Das Urteil lautete aus 8^4 Mon. Gefängni«. wovon 2 Mo«. Unterfuch- «ngShaft ht «nredhtttng kommen.

♦ Scköffeugericht. Eine ältere Fra«, Mt eine Nachbarin mit allerhand Ausdrücken belegt und dadurch bckeidigt hatte, wurde zu 30 Jl Geldstrafe verurteilt. i J

Biedenkopf, 31. März. Der Kreistag hat ht feinet letzten Sitzung beschlossen, die Kosten für die Drucklegung der von den Lehrern de« Streife« gesammelten Volkslieder zu übernehmen, wenn der Staat einen entsprechenden Zuschuß leistet.

Lckw-insberg, 31. März. In tiefe Trauer wurde heute die Familie Gastwitt Konrad Siebert von hier versetzt. Der 12jährige Sohn Friedrich war beim Ausladen von Steinen am hiesigen Bahnhof seinem Batet behilflich gewesen. Bei Abwesenheit des Vaters hatte wahrscheinlich der Junge mit Hilfe seines Bruders versucht, die beiden Steinwagen zu­sammen zu föppeln und ist hierbei so unglücklich zwi­schen die Puffer geraten, daß er blutüberströmt «ach einer Viertelstunde seinen Geist aufgab.

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Arolsen, 30. April. Dem Komitee für die bei Gelegenheit des Viehmarftes zu Arolsen stattfin- dende Verlosung von «ich, Wirtschaft«- und Haushalttmgsgeräten ist die Erlaubnis etteift worden, zu der diesjährige« Ausspielung auch tn den Kreisen Cassel-Stadt und Land-Hofgeismar, Wolfhagen, Fritzlar, Frankenbetg (Regierungs­bezirk Cassel), Warburg (Regierungsbezirk Min­den) und Brilon (Regierungsbezirk Arnsberg) Lose zu vertreiben.

Bad Rauhei«, 31. März. Der Hessischr Landeslehrerverband, welcher 3400 Mitglieder zählt, hielt heute unter Vorsitz feine« Obmannes Hauptlehrer Hoff aus Darmstadt feine Jahres- verfammlung hier ab. Zu derselben waren etwa 600 Mitglieder erichienen.

Steinfurth bet Bad Nauheim, 31. März. Di«- neuerbaute Wettertal-Bahn ist nun nach Heber» Windung dicker Schwierigkeiten schttiggestellt. Die londespolizeifiche Abnahme fand heute statt. Die Tellstrecke Rockenberg-Griedck ist schon fett Mai v. Js. in Betrieb. Mit Samstag, 2. April, Wird der volle Betrieb ausgenommen.

Dillenburg, 31. März. Am 1. Ostertag, ben 27. März, nachmittags %3 Uhr, verschied in der neuerbauten .Billa Felseck' an ber van Brmn- desstraße tm fast vollendeten 92. Lebensjahre der zweitälteste Einwohner unserer Stadt, General­leutnant d. Arnoldi.

Frankfurt, 31. März. Dem Kommerzienrat Eduard Bett-Frankfurt a. M. (Mitinhaber bet Bankfirma Lazard Speyer-Ellissen Frankfurt a. M. b. R.) wurde ber erbliche Adel unter bet RamenSsorm .Bett von Speyer' verliehen.

Rotenburg, 30. März. Die hiesige Stadtge­meinde inseriert, daß sie Bauplätze tn Größe von 1—25 Morgen Mr Gründung industrieller Unter­nehmungen umsonst zu vergeben hat. Dort haben die städttschen Körperschaften jedenfalls, als e« noch Zett war, fich für genügend unbebaute« Ge­lände geforgt, bezw. es für die Stadt ange­kauft und durch das Unterlassen der Anlage brach- liegender Straßen sowick Zinsen gespatt, daß sie jetzt sogar in der Lage find, Bauplätze zu ver­schenken. Wenn die Bemühungen Erfolg haben, kommt'« wieder zehnfach ein.

Apolda, 29. März. Die elfjährige Tochter btt Witwe Meißner aus Niederroßla, die sich auf einem Baumstumpf an der Ilm schaukelte, stck dabei ins Wasser und ertrank.

Düsseldorf 30. März. Die Stadtverordneten- Sitzung stimmte bettle einem Verttage mit der Deutschen LustschiffahriSgesellschast über die Ber» anftal'img von Flügen von Düsseldorf aus in bet Zeit vom 18. Juni bi« 31. Juli und vom 1. Ot> tobet 1910 bis 31. Mai 1911 gu, in dem sich bie Stadt verpflichtet, außer entsprechender Herrich­tung des Landunasvlatzes eine Ballonhülle zu bauen. Die der Stadt entstehenden Kosten tuet» den 109 000 Mark betragen. — Außerdem wurde beschlossen, der Düsseldorfer Ortsgruppe des Deutschen Lustflottenvereines zur Veranftaftung von Schauflügen eine Beihülse von 3000 Mari jn gewähren.

Münster. 3t. März. Der Archivar, Archivrttt Dr. Emll Tbeuner. früher ht Marburg, ist von Münster an das Staatsarchiv in Hannover ver­setzt worden.

Unpolitische Tagesnachrichtem

Schneetreiben. Wien, 30. März. In ganz Niederösterreich herrscht Schneetteiben; die ' Straßen Wiens find mtt Schnee bedeckt.

Gasexplosion. Breslau, 80. Mürz. Die schwere Gaserplosion, durch die drei Menschen getötet und fünf schwer verletzt worden sind und die einen Materialschaden zur Folge hatte, ent­stand dadurch, daß ein im ersten Stock wohnender Lehrer, dem ein intensiver Gasgeruch auffiel, tzeu Hausmeister veranlaßte, fich in eine zur Zeit . leerstehende Wohnung im Erdgeschoß zu begebe«. *1 Unvorsichtigerweise betrat der Hausmeister trotz der Warnung des Lehrers die leerstehende 88oy” mraa mit einem brennenden Lichte. I« dem selben Augenblicke erfolgte eine heftige Del»- -'f Nation. Sämtliche Fenster flogen heraus, und der hintere Teil des Hauses stützte krackend zu­sammen. In allen Gagen wurden Sckreckens- rufe taut. Auch in der weiteren Umgebung wurden Scheiben zertrümmert und Fenstertteuze berausgerissen. Den Lehrer sanden die alsbach berbeigeeilten Pofizisten und Fmerwehrmamv kckaften in einer Ecke der Patterrewohnung zwar noch lebend auf, doch starb er auf dem Wege nach dem Krankenhause. Der Hausverwalter W, merkwürdigerweife mtt leichteren Verletzungen davongekommen, sein Sohn und feine drei Töchter wurden schwer verletzt unter den Trüm­mern hervorgezogen. Ein anderes Kind M Lehrers konnte noch nicht geborgen werden. — VreSlau, 31. März. Der Regierungspräsident -rmtächtigte daS Polizeipräsidium, eine Belohn­ung von 500 X auszusetzen für Angabe«, die jur Ermittelung des Täter« führen, der gestern Abend ht der Einbaumstraße die Verbindungs­stücke zwischen der Hauptgasleitung ttnb den Gasmessern abgeschraubt und gestohlen hat.

Selbstmord und Selbstmordversuch. Wands- beck, 30. März. Der 45jährige Goldschmied Baygadt wurde im Bett erschossen aufgefunben. Durch einen Schutz ht den Kopf tödlich verletz! lag vor dem Bett die um zwei Jahre ältere Ebesrau. Aus einem Zettck von ihrer Hand beißt eS, sie könne den Tod ihres Manne« nicht überwinden.

Gesunkener Dampfer. London, 31. März, Der Dampfer „PerikleS' der Aberdeen Linie, welcher sich auf der Fahrt von Australien via Eap der guten Hoffnung nach England befand, ist südlich vom Cap Leenwin an der Südweft- fpttze von Australien aufgelaufen. Sämtliche Passagiere, sowie die Mannschaften vermochte« zu landen ^Perikles' ist gesunken.

Dft Tättgkeit des Aetna. Catania, 31, März. Dft Tätigkeit des Aetna hat rechts. zu- genommen. Der Lavastrom rückt infolge ab­schüssigen Geländes mit einer Geschwindigkett von 35 Metern in der Stunde in der Richtung auf Cisterna Regina bei Borello vor.

Mord. Chemnitz, 31. März. Der Arbeit »r Ma; Mann aus Mittweida schnitt heute Mittag, ■ wie die .Allgemeine Zeitung' meldet, feinen beiden Kindern tm Alter von zwei und vier Jahren den Kopf ab und tötete bann durch Messerstiche die 14jährige Tochter der abwesen­den Wirtin. Die Wirtin fdbft wurde, als sie nach Hause zurückkehrte, ebenfalls von dem Mann überfallen und getötet. Der Man« legte hierauf Feuer auf dem Boden des Hauses an trab erhängte sich. Herbeieilende Hausbewohner schnitten ihn noch rechtzeitig ab, sodatz er ins Leben zurückgerufen werden konnte. Dft Ur­sache der Tat ist unbekannt. Auf dem Tische fand matt mtt Kreide die Worte: „Ich habe da« Leben satt.' i

Der Befehl den Unteroffiziers. München,. 31. März. Der Unteroffizier Erich Lange von der 3. Schwadron deS 1. schweren Reiterregi­ments wurde vom Kriegsgericht zu 19 Tagen Mittelarrest verurteilt, weil der Reiter Aigner von anderen Soldaten auf Befehl des Unter­offiziers mehrfach schwere Mißhandlungen M dulden hatte.

Hochschulnachrichten.

X Die Versammlung akademisch gebildeter Lehrer wählft als Ort der nächstjährige« Tag­ung Dresden.__

Vermischtes.

Zur Hebung de» Wiener Fremdenverkehr» wurde« i« der eben tagenden Hotelierskon­ferenz folgend« Neuerungen einstimmig «im Beschluß erhoben: 1. Jeder Zureisende erhält vom Landesverband für Fremdenverkehr ein Zimmer mit zwei Betten kostenlos zugewiesen Ankömmlinge au» Galizien erhalte« vorerst Badekarten. 2. Die Verköstigung der Fremden hat die Semeinde Wien zu übernehmen, die zu diesem Zwecke die Festessen in Permanenz zu erflären hat. Jeder Reisende ist hierzu geladen und erhält bei jeder Mahlzeit eine silberne datiere gefüllt mit Tabakspezialitäten soroft eine Freikarte zur Fahrt „Rund um Wien“. 3. 8m Tage de, Abfahrt wird ihm vom Ber»? band der Hoteliere feierlichst eine goldene Ahe! überreicht. ,