mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Oberhemstze Zeitung" er;a>eint täglich mit Ausnahme der I Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- I jährlich durch die Post bezogen 2 25 <Ä lohne Bestellgeld), bei I unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 "Jt. |
Marburg
Frettag, 1. April 1910.
Die Jnsertionkgcbühr beträgt für die "-gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jatzrg.
Zweites Blatt.
Die preußischen Sparkaffeu im Jahre 1908.
Bor einiger Zeit hat das Statistische Landesamt «ine Ueberficht über die Sparverhätnifle in Preußen JÄ Jahre 1908 veröffentlicht, die einen interessanten Einblick in unsere wirtschaftlichen Verhältnisse gestattet. Bon den Jahren 1904 bis 1908 ist das letzte Fahr hinsichtlich der Bewegung der Sparkassenbücher das ungünstigste. Stellen wir die neu ausgegebenen und die zurückgenommenen Bücher in Vergleich, so ergibt sich nur ein lleberschuß von 356 737 Stück, d. h. über 36 000 Stück weniger als im Vorjahre. Es ist aber nicht gerechtfertigt, hieraus allein einen ungünstige« Rückschluß auf die finanzielle Fähigkeit des Volkes zu machen, denn mit der in den letzten Jahren andauernd fortschreitenden Verbreitung des Sparkassenbuches wird der Kreis der eventuell neu eintretenden Sparer immer kleiner; dieser Kreis ist . überhaupt nicht mehr so groß, denn auf 100 Einwohner im preußischen Volke entfallen fast 31 Sparkassenbücher. Besonders stark haben die Bücher mit «ehr als 600 -4t und die ganz kleinen Bücher zuge- nommen, ein« Tatsache, die nicht gerade erfreulich ist, denn die großen Bücher dürften zum größten Telle tm Eigentum der bessersituterte« Klassen oder jurifki- scheu Personen u. dgl. sein, und d°. Zunahme der untersten Klasse ist zum Telle wenigstens durch ein Herabfinken aus höheren Kreisen entstanden. Allerdings müssen auch eine Menge von neuen kleinen Sparern in die Kaffen eingetreten sein; denn dem Zugänge in die unterste Klaffe au» den nächsthöheren Klaffe« steht ein Abgang infolge Abhebung der ganz kleine« Einlagen nicht gegenüber.
An dem Rückgänge des Ueberfchuffe» der Sparkassenbücher gegenüber dem Vorfahre find ganz besonder» Hohenzollern und die Stadt Berlin beteiligt. Wie schon im Vorjahre ist in Hohenzollern die Zahl der zurückgenommenen Bücher größer al» bet der neu ausgegebenen. Während dieses Minus der neuen Bücher in Hohenzollern nur gering ist, 44 Stück, beläuft e» sich in dem Stadtkreis Berlin auf 18 380 Stück. Alle anderen Provinzen haben dagegen einen : lleberschuß des Zuganges zu verzeichnen, der wie z. B. !tn Brandenburg, Schlesien .Sachsen, Hannover, Westfalen und die Rheinprovinz recht erheblich ist. In i Brandenburg beträgt er 51034, in Schlesien 32 346, in Sachsen und Hannover 25 648 bezw. 41 232 Stück; am größten ist er in Westfalen und Rheinland mit 56 055 bezw. 84 926 Stück. Danach kann man sagen, daß da» Bild der Sparkasienbücherbewegung nicht so ungünstig ist, wie das der Vorjahre; bedentt man aber die verschiedenen trüben Einflüsse, unter denen die Volkswirischast im Jahre 1908 zu leiden hatte, so ist da» Ergebnis doch noch erfreulich; die Zahl der Sparkassenbücher hat immer mach reichlich doppelt so stark zugenommen wie die der Bevölkerung.
Roch günstiger zeigt sich die Uebersicht, wenn wir die von den Sparkassen verwalteten Beträge in das
Auge fassen. Danach waren Ende 1908 in den preußischen Klassen 9121,32 Millionen an Einlagen vorhanden; schreiben wir die Zinsen hinzu, so belaufen sich diese auf 289,32 Millionen Mark, d. h. mehr, als noch im Jahre 1900 der gesamte Zuwachs, eingerechnet den lleberschuß der Neueinlagen über die Rücklagen, betragen hatte. Da sich die Neueinlagen auf 2528,20 und die Rückzahlungen auf 2365,7 Millionen stellen, so ergibt sich als Endbestand 9573,09 und ein Zuwachs von 451,77 Millionen Mark. Es zeigt sich, daß der Zuwachs größer war als im Vorjahre, wo er sich auf 331,68 belief. Man darf wohl annehmen,
daß die preußischen Sparkassen Ende 1909 die zehnte Milliarde an Einlagen bereits überschritten haben.
Um das Bild voi:,tändig zu machen, müffen wir end h von dem Zuwachse durch zugeschriebene Zinsen absehen und nur das Verhältnis der Neueinlagen zu den Rückzahlungen in das Auge fassen. Der Ueber- fchuß der Neueinlagen über die Rückzahlungen beläuft sich auf 162,45 Millionen Mark. Wenn auch das Vorjahr mit 67,34 nicht unwesentlich schlechter dasteht, so bleibt 1908 doch gegen die sämtlichen Vorjahre bis 1895 mit Ausnahme von 1899 und 1900, zurück. In den beiden Minderjahren betrug der
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JDas neue englische Überlandbahn-Projekt LONDON-CALCUTTA
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Man muß es den Engländern lasten, daß sie es vortrefflich verstehe«, im Trüben zu fischen und Während andere sich zanken, im Stillen ihr Schäft lein zu scheren. Die Orientkrise hat England nicht daran gebindert das große Projekt, das unsere Karte veranschaulicht, auszuarbeiten und seine Ausführung sicher zu stellen. Die eigenarfigen Verhältnisse in Indien, wo die eingeborene Bevölkerung bestrebt ist, sich von der englischen Oberherrschaft zu emanzipieren, haben es die Engländer schon lange schmerzlich empfinden lasten, daß die Verbindung dorthin so mangelhaft war. Der Ingenieur Everbu hat im Auftrage der englischen Regierung daher ein Projett ausgearbeitet, das eine schnurgerade Verbindung Londons mit Kalkutta vorsieht, die lediglich an den Meeresteilen durch große Trajetts unterbrochen wird. Geplant sind drei Gleise, von denen das mittelste dem direkten Postschnellverkehr London—Kalkutta dienen soll. Auf diesem Gleis sollen die Erpreßzüge fahren, die 250 Klm. in der Stunde zurücklegen können und falls nicht die Meerfabrt auf den Eil- trajektne eine so geivalttge Verzögerung von einer Stunde ans dem Kanal und drei Stunden auf dem Schwarzen Meer beanspruchen würde, die genau 7900 Klm. lange Strecke in nicht ganz 32 Sttmden durchfliegen würden Aber 36 Stunden
Fahrzeit für die Strecke London—Kalkutta, die jetzt 16—17 Tage erfordert, sind auch schon ein Jdeal- zustand. Die beiden Außengleise sollen dem Lokal- verkehc dienen und die Bahn ertragreich machen. Auch auf diesen Gleisen wird mit der größten Ge fchwindigkett gefahren. Die Strecke Stuttgart—Ulm wird 14 Minuten erfordern, Ulm -München 25 Minuten. Wir erwähnen diese Zahlen nur um die kolossale Geschwindigkeit zu erläutern, ivelche die Züge ereichen sollen. Die Wagen erhalten zur Beseittgung des Luftwiderstandes vorn ein schnabelförmiges Gestell, so wie unser Bild sie schildert. Die Bahn durchschneidet auf freier Strecke größtenteils minderwerttges Areal. Die Dammkrone ist 16 Mir. breit projektiert. Das ergibt bei einer Höhe des Dammes von 6 Mir. eine untere Breite des DammeS von 34 Mtrn. Hinzutretcn auf beiden Setten die Parallelwege nebst Gräben, so daß man auf eine Gesamtbreite von 45 bis 50 Mtr. rechnen muß. Oben rechts in unserer Zeichnung ist ein Querschnitt des Bahndammes gegeben. Alle Wege und Bahnen werden unter ober über diesen Damm hinweggeführt, so daß nirgends eine Riveautteuzung stattfindet. Die Bauzeit ist trotz der Riesenlänge der Strecke nur auf drei Jahre veranschlagt. Der erste Spatenstich cr= solch bereis am 1. April.
12 <Rachdruck verboten.)
Semester Anni.
Erzählung aus dem Leben einer Dtakoniffe. Bon P. Wilhelmy.
: Sortleyung. I '
Mir gegenüber saß so ein ganz junges Bürschchen, im ersten Semester, denn kaum der erste Flaum auf der Oberlippe sproßte, der aber einen ziemlich losen Mund hatte. Er war entschieden betrunken, und ich, des Trinkens ungewöhnt auch nicht ganz nüchtern. Mir stieg das Blut zu Kops und so gerieten wir scharf aneinander. Wenn ich daran zurückdenkc — Doktor Acbinger sprach wie zu sich selbst —, die Keine Hinterstube mit der richtigen Kneipen Atmoshpäre, voll Rauch und Wein- und Niergeruch, dazu die roten Gesichter und stumpfen Augen meiner Kommiliwnen, äh — et machte eine Bewegung des Ekels —, der jung« Mensch m-r gegenüber mußte von dem wunden Punkt n eines l ebens gehört haben, es ware^ ja verschiedene aus meiner Heimat dort, die alle darum wußten, und auch, wie schwer ick an der Sache trug. Genug, er spielte mit einemmal ziemlich derb daraus an. Ich kannte mich nicht vor Wut. Ich sprang auf und schlug ihft mit der geballten Faust ins Gesicht.
Wir waren alle sofort nüchtern. Natürlich wurde die Sache nach akademischem Brauche ausgetragen. Damals hielt ich es selbst für gar nickt anders möglich. Mit der Pistole in der Hand standen wir uns eines Morgens auf einer einsamen Lichtung des Grünewalds gegenüber.
Muß ich Ihnen noch sagen, Schwester Marie, ^aß dieser junge Mensch Annis Bruder war? Sehen Sie — er hob die Rechte —, mit dieser Hand habe ich ihn erschossen. Mitten ins Herz, nh habe es nicht güvollt. Wahrhaftig nicht.
Ich zielte auf den Arm und traf das Herz. Ach, als er vor mir aus dem Rasen lag, das junge fiische Blut — Ackinger bedeckte die Augen mit der Hand und stöhnte teife auf —, ich sehe noch den Blick voll Haß, mit dem er sterbend mit letzter Kraft die Hand, die ich ihm bot. zurückwies; er hat das Leben gewiß sehr lieb gehabt.
Froh geworden bin ich seitdem nie wieder. Das Kainsmal brannte an meiner Stirn. Als ich meine Festtlngsstrafe verbüßt hatte, satteste ich um und wurde Mediziner. Mein Leben sollte dem Dienst der Menschbeil geweiht fein. 9(ber der Hotz gegen meine Mutter wuchs und wuchs in mir. War sie es nicht der ich mein ganzes Elend oerdanfte? Indessen hoffte sie wohl noch auf die Stunde, die ihr mein Herz neu gewinnen sollte; denn als ich durch einen seltenen Glücksfall die Stellung hier bekam, zog sie, kurz entschlossen auch hierher. Sie wissen ja. wie wenig sie mich sah.
Dann kam sie, meine kleine, süße Anni. Zum ersten Male ging die Sonne warm und rein in meinem Leben auf Zu schön, um dauernd bleiben zu können. O, Schwester Marie. Sie ahnen ja nicht, wie ich sie liebe — seine Stimme bebte vor Innigkeit —; seit der Stunde, wo ich sie sah habe ick gerungen damit, ich wagte ja nicht, meine Hand nach einem solchen Glück auszustrecken. Aber als sie mir hier gegenüberstand und mich mH ihrer süßen Stimme anflehte, sie nicht nach Hause zu schicken, da durchfuhr es mich plötzlich: sie Nebt dich auch. Und kübn nahm ick die holde Blüte an mein Herz Ich war so glücklich Schwester Marie, allen Menschen war ich gut, sogar meiner Mutter konnte ick verzeihen.
Und nun — mm ist es wieder da. das enffetz- liche Gespenst. Hätte ich Annis wahren Namen eher gewußt, wahrlich, ich hätte sie gemieden. Ich konnte ja nicht ahnen, daß der Name Tiefenbach nur der Name ihres Pflegevater- fei.
Run ist es zu spät, was soll denn nun werden, Schwester Marie? Kann ich denn überhailpt morgen zu ihrem Vormund fahren und ihm sagen: Hier bin ich, der ben Pflegesohn ermorbete, gib mtr nun die Tochter zum Weibe; muß er mir nicht die Türe weisen, unb anderseits, darf ich es der zarten Menschenblüte dort oben ins Gesicht schleudern: Du kannst mein Weib nicht werden, dein Bruder starb nicht durch ein Fieber, wie man dich glmiben machte, er fiel im Zweikampf, und ich bitt sein Mörder! Das hieße eine dreifache Last aus die Schultern dieses ahnungslosen Kindes legen. Ich kann es nicht als Mensch, ich darf es nicht als Arzt. Annis Herzfehler ist durchaus nicht so leicht zu nehmen, eine solcke Aufregung könnte sie auf der Stelle töten. Soll ick zum zweiten Male zum Mörder werden? Zum Mörder des Wesens, das ich am meisten liebe auf der Welt?
O, Schivester Marie, ick habe gekämpft und gelitten in diesen Tagen, fast Übermenschlick. Sie sind gut und warmherzig raten Sie mir, was soll, was kann ich tun? Ich kann meine Anni nicht lassen. Darf ick sie denn als Weib an mein Herz nehmen? Wird nicht der Mutige Schatten des Toten ewia zwflcken uns stehen?
Seine Augen forschten verzweifelnd in meinen Zügen. Ich war tief erschüttert. Das Schicksal des Mannes mir gegenüber schnitt mir in die Seele. Dennoch überlief mich ein leises Grauen. Mir war, als müßte ich jetzt nock an der schmalen wetßen Hand dort bas rote Blut Reben sehen. Arme, kleine Anni! Ich schloß momentan die Auaen unb backte angestrengt nach. Was würde wobl Anni sagen, wenn sie ben Verlobten plötzlich bergeben sollte? Sie war ein leidenschaftlickes Gescköps, unb ick wußte mtr zu genau, wie sehr sie ibn liebte An mir hing sie schließstch auch, unb ein Bruch mußte sie von hier fort unb einem ungewissen Schickscck entgegenführen.
lleberschuß 145,47 bezw. 95,37, von 1901 ab an aber bis 1905 stets über 300 und 1906 243,83 Millionen Mark. Es ist zu hofien, daß mit dem Jahre 1908 eine andauernde Wendung zum Besseren eintritt, und zu dieser Hoffnung berechtigt die Tatsache, daß nur in den Hohenzollernschen Landen, im Stadtkreise Berlin nun in ben Provinzen Ostpreußen und Sachsen die Neueinlagen geringer waren als die Rückzahlungen. während an diesem Minus im Vorjahr auch noch die Provinzen Westpreußen und Schleswig- Holstein teilnahmen, die es doch in dem Jahre 1909 auf ein Plus von 8606 bezw. 4087 . II gebracht haben.
Vermischtes.
Eine Entdeckung, die in allen Ländern der Erde ungeheure Sensation hervornifen wird, meldet man aus Rinerika. Professor Hewett, ein Chemiker von Beruf, an einer großen Universität Canahas, hat einen neuen Stoff erfitnden, der dem menschlichen Körper die Fähigkeit verleiht - zu fliegen. Professor Hewett hat mit diesem rätselhaften Stoffe die interessantesten Versuche angestellt. Er schreibt darüber: „Sobald der Stoff zu tüirfen anfängt, hat man zunächst das wundervolle Gefühl, als ob man immer leichter würde. Schließlich fühlt man die Kraft in sich, mühelos vom Boden emporzuschweben unb in beliebiger Höhe leicht unb sicher durch die Lust zu gleiten. Ich habe auf diese Weise am ersten Tage meiner Versuche 3 Kilometer in einer Höhe von 50 Metern, am fünfen Tage aber schon 10 Kilometer in einer Höhe von 100 Metern zurückgelegt. • Das Ueberraschendste ober bei dieser verblüffenden Entdeckung ist, daß der geheimnisvolle Stofs, dessen chemischer Charafter noch nicht ermittelt ist. sich nur in dem bekannten Kathreiner- sckcn Malzkaffee findet und sonst nirgends. Prof. Hewett vermutet, daß der Stoff sich erst im Verlauf des feinen Herstellungsprozesses, ben Kathreiners Malzkaffee bis ut seiner Vollendung burchmacken muß, auf bisher noch nicht aufge- klärte Weise entwickelt. Weitere Forschungen über biefe hochinteressante Entdeckung werden eifrig angestellt und dürsten morgen ihren Höhepunkt erreichen.
Die Zeitungsmuhme. Welch' rührendes Interesse für persönliche Details die amerikanischen Zeitungen zeigen, machen folgende Auszüge an« einem Wochenblatt in Minto (Kanada) flar: Mrs. G. W. Smith, die sehr krank war, erholt sich langsam wieder. Eli Pinner ist auch krank unb in ber Hanb des Arztes. Alcrander Dumfries, von Weyburn, ist hier auf Besuch. Sandy sieht gesund tmd vergnügt ans, jedenfalls bewohnt er ejttc gesunde Lokalität. Er scheint jedoch nicht allzusehr an bas Glück der Ehe zu glauben, denn er ist nock Junggeselle. Ein whisky spotten (jemand aus einem Ort. wo Alkohol n'cht verboten ist) war diese Woche in unserer Stadt. Er mußte trocken gehen, wie wir auch. Mister Webber hat sich eine neue Hose gekauft. weil in feiner alten ein Lock war.
Der Mann in der Damenkapelle. In einem Barmer Konzerilokal musizierte fett einiger Zett eine „Dame* in einem Orchester. In den lebten Tagen tauchten Zweifel auf. ob man es wirflich
Rein, nein, das ich unmöglich! Ohne es wollen sagte ick es ganz laut. Anni darf nie etwas von der Sache erfahren. Sie, Herr Doftor, müffen Herrn von Tiefenbach sofort flar machen, daß es bestimmt Annis Tod sein würde, wenn sie unter fo furchtbaren Umständen von Ihnen ge trennt würde. Sagen Sie ihm. daß Sie nicht ahnten, wen Sie in Anni vor sich hatten. Ich glaube nicht, daß er Ihnen sein Jawort versage« wird.
Dr. Achinger atmetete erleichtert auf.
Wir fprachen »och eine Weile hin u::b her. E« blieb dabei, daß an dem Programm nichts ge- ändert wurde.
Meine Mutter, der ich in der ersten Mierke,' alles vorgehalten habe, hat mir auch fo geraten Aber Ihr Urteil ist mir wertvoller, Schwester Marie, sagte er beim Abschied und drückte mir warm die Hand.
Dann ging ich.
Das war eine Rächt! — unruhig warf sich her Kranke hin und her, dabei unzusammenhängende Worte murmelnd, das Halbdunkel im Zimmer fie mir auf die Nerven. Aufdringlich laut hörte ich die Uhr ticken, dazu hämmerte mein eigener banges Herz; ich hatte das Gefühl, als ob eisige Hände es umkrallten. — Entsetzlicher Gedanke' Anni das Weib eines Mörders! des Mörders bei eigenen Bruders, Mord bleibt Mord! auch wen« er durch akademische Traditionen sanktionier- wird. Das eine ober stand in mir fest: Mochte be- Mcmn den Fluch durchs Leben schleppen müsse« Anni war dem Kampf nicht gewachsen. Für sie mußte diese unselige Verkettung der Umstände et« Geheimnis bleiben. — Endlich, endlich wurde ich abgelöst. Wie zerschlagen schlich ich mich «ch, oben. I
(Fortsetzung folgt.)