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Crttes Blatt

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Der heutigen Nummer liegt bet Kreisblatt Nr. 26.

im Staat ttnb in den Gemeinden, keines- falls die kapitalistischen Interessen ausschfießlich maßgebend find."

nationales Hindernis hervorgerufene Agitation a» und eine schwere politische Krisis drohte in ein« SaitzaY« zu ««den, denn die regellose Aktion kenn­zeichnete den überreizten Willen der öffentlichen Meinung, zum Zweck der Wiederaufrichtung de» Lau. d« und zur Befestigung der Regimes, womit di« na. tionalen Vestrebungen unlöslich verbunden find, ein« Aenderung der politische« Methoden durchzusetzen Auf die Vorschläge meiner verantwortlichen Rat- geb« wird die t, dem Artikel 107 der Verfassung er- wähnte revifionistische Kammer zusammenb-rufen, di« über di« reformierenden Bestimmnngen beschlie­ßen wird. Ich bringe Ihnen meinen königliche» Dank zum Ausdruck für den edlen Eifer und die Hin- gebung an da» Vaterland und die Dynastie, von der Sie bet der Erfüllung Ihrer Aufgabe im Laufe dieser außerordentlichen Tagung erfüllt gewesen find. Sie habe« hierdurch meine Regierung in den Bemühun- gen um erne endgültige Wiederaufrichtung de» Lan­de, und die Wiederherbeiführung der für da, Wohl de» Vaterland« so notwendigen R^he unterstützt. Elthen, 30. März. Die Zeremonie der Verlesung bei Thronrede vollzog sich In einfachen Formen. Ma« bemerkte zahlreiche Offiziere in Galauniform. Di« Tribünen waren überfüllt; da» diplomatische Korps war vollzählig anwesend. Um 104 l»hr trafen der König und die Königin in gesonderten Wagen vor der Kammer ein. Als der König, der Admirolsuni- ft>rm trug, den im Eitzungssaale aufgcschlagen.'n Xbton bestieg, wurde et mit lautem Beifall empfan­gen. Rach der Verlesung ertönten Rufe:6» leb« bet König!« «l» bet König ben Saal verlassen hatte, erklärte Dragumi», bas durch die Thronrede vollendete Werk sei ein Werk der nationalen ver- söh"""g. Die Erklärung würde mit Beifall auf- genommen.

Zum innere» Konflikt in «nglanb. London. »0. März. (Unterhaus.) Ein offiziell« «mendm ment zu der Resolution der Regierung wirb am Do» ner»tag beantragt und die Debatte am Montag abenb geschlossen werden Da» offizielle «menbe- ment, welch« von Sir Robert Finlay beantragt wird, ist folgenb«: Rach bet Ansicht b« Kauf« eine starke wirksame Zweit- Kammer notwendig. Da» Ha«, ist bereit, vorschläz» für die Reform Mb Zusammensetzung der bestehenden Zweiten Kammer in Erwägung zu ziehe«, lehnt « aber ab, sich mit Vorschlägen wetter zu befassen, welche de» ganze« Nutzen jeder zweiten Kammer, wie fi, auch zusam­mengesetzt sein möge, vernichte« wch die einzig« Sicherung entfernen werde«, dagegen baß die Re- gier««- große Senderunge» n-t» nur aha« die Z» stlmmung, sondern gegen di« Wünsche bet Mehrheit der Wähler vornimmt.

Ab-ssinie«. Rom, 80. März. DieAgenzia Stefanf meldet au» Abbi, Abeba unterm 28. März: ffi« erscheint sicher, daß bte Fürsten bet Sd>oafi2u tu nicht verzichten werden und die Regier,:,.a^-welt behalten unter Ausschluß der Äaf«cr.n in ttUm Re. gterungsgeschäften. Die Möglichkeit von Zwts^. ffiOe« und Konflikten scheint gegenwärtig ntch» zv bestehen. Mehrere der Kaiserin günsttg g^n«:e Fürsten wurden in Ketten gelegt. Ragrdatus Kaile, der frühere Minister des Auswärtige« ,«eb de« Ha» del», bet von bet Kaiserin abgesetzt worden war, wurde in da» Amt de» Handelsminister» wieder ein­gesetzt, während Ragadara» Agusa da» Amt b« Jtb nister» de» Aeußern erhalte« hat, Apte Sorgte blerbt Kriegsminister, Ro, Iaffama, Vormund des Kronprinzen, wurde al, Haupt der g-genwättige, Regierung anerkannt. E, ist eine Persönlichkert mtt hochfNegendem Geist. Ihm verdankt man. daß « bi» jetzt noch nicht zu schweren Verwickelungen ge« fomme« ist. Er trägt auch zur Errichtung eine« Regiment» bei, da» eine Garantie für die Sichrrheil und Ordnung im Innern und für bte Achtung bet Rechte bet Ausländer bietet.

Die Sehnsucht b« Frankfurter Blatt« nach einer parlamentarischen Regierungsform mag ja groß sei», baher die Schmeichelworte. Bi» jetzt habe« wir fie trotzFranks. Zig." nicht und «erden sie zum Segen b« Reiche» auch hoffentlich in absehbarer Zett nicht bekommen. Die konservative Pattei aber würde, sowttt wir ste kennen, am allerletzten dara« denken, ein derarttg«, in anderen Ländern längst ta feinen schädlichen Folgen erkannt« System zu wünschen.

Größere Beachtung aber verdient di« weitere Darlegung desGenossen' Edmund Fischer, die nichts mehr und nichts weniger zum Ausdruck bttngt, als daß die Schlagwotte von Klassenstaat und Klassenherrschaft haltlos und töricht find. Das ist in der Tat eine Ketzerei, wie sie größer bisher sett'st in den ..Sozialistischen Monatsheft ten' nicht erschienen ist und die auf keinen Fall ungeabnet bleiben kann. Aber eS wird auch den sozialdemokratischen Patteicheoretikern schwer werden, die Fischerschen Ausführungen zu wider- legen. Eigentümlicherweise knüpft der Verfasser nämlich an eine enthusiastische Auslastung der Leipziger Volkszeitung' vom 4. Dezember 1908 on. in der das Blatt an der Hand eines De- ttchtes des Züricher StadtratS über seine Erfahr- ungeu mtt der städttschen Regiearbeit nachwieS wie entbehrlich die Kapitalisten seien und welcher Vorteil ben Kommunen und der Gesamtheit aus der Eigenproduktion erwachse.Auf solche Vor- teile', so beißt es in jenem Leipziger Artikel hier- auf deswegen zu verzichten, weil auf der andern Seite ein paar Leute, die wähnen. Unter­nehmer zu sein, in Wirklichkeit aber nur Schma­rotzer sind, um ihren Gewinn kommen, kann sicherlich nicht die Aufgabe von Behörden fei«, für die die Begriffe Volkswohl und Unternehmer­profit sich nicht decken.

Zutreffend bewerft hierzu Fischet, daß da« Leipziger Sozialistenblatt hiermit schon zugtbt, ti beständen bürgerliche Behörden auch die Ge- meindevettretung Züttchs Hai eine büraerliche Mehrhttt, für die die Begttfte Volkswohl und Unternehmerprofit sich nicht decken. Aber unzu­treffend ist es, wenn der Verfafler weiter schreibt die kommunalen Bettiebe. die nicht tm kapita- listischen Intereste errichtet würden, diente«, ob ihre Behörden es wollten ober nicht, dem ent­gegengesetzten, anttkapitalistischen, also sozia­listischen Intereste, und somit liege der Gemeinde- sozialismu« auf der Entwitklunaslinie zur sozialistischen Gesellschaft. Das würde nur der Fall sttn können, wenn die, wie erwähm, erfor­derliche« Grenzen von den Kommune« und den staattiche« Aufsichtsbehörden nicht tnnegehalten würd«. Um so zutreffender ist jedoch eine andere Schlußfolgerung des Verfasters. Er schreibt näm-

»Daraus (aus der von bürgerlichen Mehr­heiten beschlossenen Kommunalisierung der Be­liebe) geht hervor, daß in der heutige« Gesel-

M«e große sozialdemokratische Ketzerei.

Ju den .Sozialistischen Monatsheften' Phil»- fophiett .Genosse' Edmund Fischer Mer den Ge- melnbesozialismuS, d. h. über die Kommunali- sterung von Gewerbebetrieben. ES ist genugsam bekam«, baß bte sozialdemokratischen Mitglieder 1 Gemeindevertretungen darauf binarbetten, daß möglichst viele Bettiebe den Pttvatunterneh- mern entzogen und In He eigene Regie der Kommune übernommen werden sollen. Dieser Umstand und die fernere Tatsache, daß die So- zialdemottatie auch die Verstaatlichung der Berg­werke fordett, dienen dem .Genossen' als Be- weis dafür, daß die sozialdemokrattsche Partei : Mit ihrem auf dem Berliner Pattettage gefaßte« Beschlüsse, wonach .Sozialdemokratte und Staatssozialismus unvereinbare Gegensätze' fein sollen, gebrochen habe. Das wird die offi­zielle Sozialdemottatte keinesfalls Mgeben Und nach unserem Dafürhalten mtt Recht. Denn der Begriff StaatssozialiSmu« und Gemeindesozia- lismuS ist gemäß jener Patteitagsresolntion ein anderer, als ihn Fischer im Auge hat. Richt der Verstaatlichung oder Kommunalisierung sollte da­mit Widerstand geleistet werde«, sondern der ttgeutlichen Sozialreform, der Fürsorge für He Arbeiter.

Wenn der GemttndesozigliSmuS, wie ihn Fischer meint und wie er eS wünscht, mit Riesen- I schritten vorwärts ginge, wenn die Gemeinden nnmtfhaftsam Bettiebe in ihre Hände nehmen wollten, dann würde am allerwenigsten die so- zialdemokrattsche Partei etwas einznwenden haben. Dann würde auch Fischer- Schluß be- rechtigt sein, daß der GemeindesozialiSmuS den Begin« der Sozialisierung überhaupt darstelle I «nd daß die Sozialdemokratte diesen Vorgang I durch ihre praktische Mitardett beschleunigen und I zum Ziel? führen müßten. Aber hi» zu einer I derarttgen Entwicklung ist e- noch reichlich Zett. I Der Verstaatlichung wie der Kommunolistenntg I find schon au? Gründen der Selbsterhaltung so I enge Grenzen gezogen, daß die Sozialdemokratte I dabei nicht auf ihre Kosten kommen wird. Immer- I bin kann die fast enthusiastische Beurteilung deS I Gemeindesozialismus und seiner Fortschritte att I Mahnung zu recht großer Vorsicht m,s diesem I Gebiete beachtet werden. |

Marburg Freitag, 1. April 1910.

Ausland.

** Roosevelt. Expräfident Roosevelt setzte auf dem DampferPrinz Heinrich" des Rorddeutschen Lloyd He Reise nach Neapel fort, wo bte Ankunft fahrplanmäßig am Samstag erfolgt. Kairo, 30. ®l5rj. Die Nationalpartei veranstaltete mehrere Kunbgebungen gegen Roosevelt, bet tn seinem Uni. oersttätsvortrag bemerkt hatte, baß Aegypten «och nicht verfassungsreif sei. Man rief in ben Straßen: »Hoch die Verfassung l Rieder mit Roosevelt!" Der nationalistische Führer Lybey Kamel nnb bet Führet bet Bolkspattei sprachen Roosevelt bie Berechtigung ob, nach viertägigem Aufenthalt tn Aegypten eine fBi bas Land so wichtige Frage zu entscheiden und behaupten, baß et nur au, Liebe pc England erklärt habe, baß Aegypten für eine Selbstregierung noch nicht reif sei.

Reuotdmmg in Griechenland. Athen, 30. März. Die Thronrede, die bet König heute vormittag 11 Uhr i« der Kammer zur Bettes««, brachte, lautete: Seit Mitte August dauerte bie durch ein peinlich«

Deutsches Reich.

Dia Reise be« Prinzen Eitel Friedrich. Alexa» brien, 30. März. Prinz unb Prinzessin Eitel grieb. rich traten an Bord betSchleswig" vom Norddeut­schen Lloyd bte Reise nach Jaffa zur Teilnahme <m ben Einweihungsfeierltchkeiten tn Jerusalem an.

Deutschland und England. London, 30. Mär». (Unterhaus.) Middlemore (kons.) fragte den erste« Lord der Admiralität Mc Kenna unter Bezugnahme aus die Tatsache, daß nur zwei gepanzerte Schiffe während te» kommenden Etatsjahr« in Dienst ge- stellt würden, wie Hel gepanzerte Schiffe vom L April 1910 bis 31. März 1911 von Deutschland fettig- gestellt würden? Mc Kenna erwiderte, nach der amt- lichen Mitteilung, bie von den deutschen Marine- behörden stamme, fei der Kreuzervou der Tann" bas einzige gepanzerte Schiss, dessen Bau zur ange­gebenen Zeit vollendet werde. Daraus setzte da» Haus die allgemeine Beratung über die Resolutious« betr. das Obethau» fort.

Der Bürgermeisterring existiert auch tn Sachsen. Da»Schulblatt der Provinz Sachsen" be. richtet darüber in Rr. 34, 1909:Sämtliche Bürger- meister der Städte von mehr al» 10 000 Einwohnern haben wie Oberbürgermeister Banst in der Stadt- Verordnetenversammlung zu Quedlinburg am 17. August erklärte beschlossen, vorderhand überhaupt keine Ortszulagen $n zahlen. Rur Magdeburg g» währe solche." Dagegen wird gemeldet:Ammen- borf (Saalkreis), da» als kleine Lanbgemrinbe an dem Kartell nicht beteiligt ist, hat ffli feine Lehrer 280 Jt Vrttyulage beschlossen.'

Da« fünfzigjährige Jubiläum begeht am 1. April dieKölnische Volkszeitung'. Aus bie- fem Anlaß ist eine von dem früheren langjährigen Hauptredakteur Dr. Herman« Cardauns verfaßte Festschrift erschienen, vom Verfasser als eine Chronik der Zeitung bezeichnet. Sie Hetet aber wehr, nämlich eine Fülle von zeitgeschichtlich in­teressantem und wertvollem Material. Die Vor­geschichte schildert He verschiedenen Gründung«, versuche be» BettagSbuchhändlerS Joseph Bachern in Köln an« dem Ende der fünfziger Jahre de« vorigen Jahrhunderts, «m 81. Mär, 1860 er- schienen He .Kölnischen Blätter', He unmittel­bare Vorgängerin der fetzigen .Kölnischen Volk«- zeitung". Am 1. Januar 1869 trat He Titelände­rung ein und gleichzeittg die bedeutende Erwei­terung de« UmfangeS der Zeitung. Sett Begin« der siebziger Jahre, welche Überhaupt unter der Einwirkung des kirchenpolittschen KonftiftrS in Preußen und im Deutschen Reich einer Zentrums- Presse im eigentlichen Sinne erst zum Dasein und zu größerer Bedeutung verhalfen, dattett der Aufschwung der .Kölnischen Bolkszeünng', wel- cher sich von da ab stettg fortgesetzt hat. Im Jahre 1869 zählten die .Kölnischen Blätter' 8 Redafteure, die .»ölnffche volkSzeitung' hat deren heute 16. eingeschlossen die 3 auswärtigen Vertreter In Berlin und Rom. Außer der Fest- schritt veröffenttichl der Verlag der .Kölnische« Volkszeitung' auch eine umfangreiche, 64 Seiten umfassende Jubiläums Festnummer, welche zahl­reiche Beiträge hervorragender, ftn öffentlichen Leben stehender Männer und Frauen deS In- und Auslandes enthält.

Politische Umschau.

I UeberflSssige Sorge«.

I Professor v. Schmoller hat in einem ArtikelDas I preußisch« Junkertum" behauptet, die konservative I Partei rechne darauf, Herrn v Heydebrand und der I Lasa demnächst auf dem Posten Hs Minister» de» I Innern zu sehen. Die Krauss. Ztg." schreibt hinzu: I *3« jedem anderen, nur einigermaßen parlamen- I tarisch regierten Reiche würde der siegreiche Führer I einer großen gesetzgeberischen Kampagne, bet eine I Mehrheit bildete, deren Willen durchsetzte und ben I leitenden Staatsmann beseitigte, tn die Regierung berufen worden sein. Da» sei unterblieben, weil bei «ns bekanntlich auch tn dem Augenblick, wo durch die Entlassung Bülow» diese Dokttin ad absurdum ge­führt worden, Kanzler unb Minister nicht durch par- lameMarische Mehrheiten gestürzt werden sollen unb auch He Führer solcher Mehrheiten nicht auf leitenbe Posten berufen würden. Herr v. Heydebrand bringe nicht nur die Eigenschaften ein« Ressortministers mit, sondern auch, was man von unseren meisten Ressortministern nicht behaupten könne, diejenige, daß er wer sein eigen« Reffort hinaus Interessen «nd Verständnis fit bie gesamte Politik habe. Der Liberalismus tn allen feinen Schattierungen würde klugerweise gegen Herr« o. Heybebtand nicht» ein« wenden können. Seine Berufung würbe klare ver- hältniffe schaffe«, unb bte seien immer wünschens-

^"f*r^*"S90büht beträgt für die 7g-jpallene Zc:ie '

eher deren Roum 16 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. ie a»

Universitäts-Buchdruckerei 45. Jghtg,

Inhaber Dr. L. Hitzrroth, Marburg, Martt 21. Lelchchö« 55. v

. 7". *eM ?7>sblatt für die Kreise Marburg «nd Kirchhain

und den Beilagen. »Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage.«

_ .«enofle' Edmund Fischer aber geht in seinen Ketzereien noch weiter. Er führt aus: .Wäre der

I Staat so einfach zu beftniem, daß man ihn als I ,7,HErrschaftsinstrument der Kapitalistkafle be- I zeichnen tonnte, so müßte er jede Entwicklung zu verhindern und zu unterdrücken suchen. He den

I Interessen entgegenstehen. Das

I ttttst °ber nicht nut nicht allgemein zu, sondern I ben weiften Füllen ist das Gegenteil zu beob- | Een. Der von der Sozialdemokratte so sehr I verhaßten .Burcaukratte' stellt sich der re- I visionistische Ketzer merkwürdigerweise sym- I pathisch gegenüber. Er führt aus, daß bie staat- I l-che ..Bureaukratie' vielfach die Gemeindever- | treiungen erst zur Durchführung hygienischer wohnungspolizeilicher und sozialer Maßregelen

I zivingen müsse, daß also ihre Eingriffe in die I Autonomie der Gemeinden lange nicht so bebent* 1 sich seien wie die Privilegien bet Besitzenden in I den Kommunalwahlrechten. .Selbst politisch | konservativ gesinnte Beamte, die sich gegen jede | Erweiterung der politischen Freiheiten und Rechte I stemmen, sind in kommunalen Verwaltungs- I fragen, in den Fragen der Wohnungspolittk, der I kommunalen Produktion, auch in Fragen deS I Armenwesens usw. vielfach fortschrittlicher als I die freisinnigsten Stadtverordneten oder Ge- I meinderatsmitglieder, die ihr einseittges. materi- I elleS, geschäftliches Interesse wahrnehmen.'

I Das sind alles Wahrheiten, die den Sozial- I bemofralen oft genug vorgehalten, von diesen I aber stets leidenschaftlich besttitten worden sind.

I Am wuchtigsten aber trifft das Schlagwort von I der .kapitalistischen Herrschaft im Alassenstaat' die folgende Stelle deS Fiscbettchen ArttkttS:

I »Mtt den kapitalistischen Interessen kann man weder die heutige Staatsmaschine noch bte heutige Gesellschaft überhaupt ettlärcn. Wäre eS so daß auf bet einen Seite bie mächtige Kapitallftenkassc ftebt, deren Werkzeug He staatlich und kommunale Verwaltung ist, mit der zunehmenden Prolrtari-

1 fierung aber immer größer wird, während die andere Seite dadurch abnimmt, so könnten sich in der heuert: Gesellschaft keine anttkapitalistischen Tendenzen durchsetzen, und die Klasse der sozia- listischen Proletarier müßte erst zur Mehrheit ge­worden sein und die polttische Macht, die Dikta- tut deS Prolttariats. erreicht haben, bevor die sozialistische Entwicklung beginnen könnte, «bet dem ist nicht so, bie Kapitalisten sind in bet Min- dethett..... Mit Hefen Ausführungen ist das

Gerebe von Klasseustaat unb Kapitalistherrschatt grünbftch ad absurdum geführt. Und besonders wirkungsvoll fhib He Fischerschen Darlegungen deshalb, weil fie ans der Illusion süßen, die von ihm gepriesene Entwicklung bewege sich in ben Richtlinien, He zum sozialdemokratischen Zu­kunftsstaate führen. Wollten die .Genossen' aus solche Weife das .Hineinwachsen' in die Zu- künftSgesellschast erreichen, dann würden fie gar lange warten müssen. Inzwischen ober wird der Fischersche Nachweis von dem Nichtbestehen des kapitalistischsten Klassenstaates wertvoll fein. Wenn die offizielle Sozialdemokratte von ihren Straßendemonstratton-S und Generalstreiksbe- strcbungen weniger tn Anspruch genomm-n sein wird, dann dürfte sie wohl auch Zett finden, sich mtt den Fischerschen Ketzereien zu beschäftigen. Oder weiß der Oberste der Theorettker, Karl KautSky. nichts dagegen einzuwenden?

Marburg und Umgegend.

(«achdruck aller Otiginalattikel ist gemäß tz 18 d« Urheberrecht» nur mit der deutliche« Quellenangabe »Oberheff. Ztg." gestattet.)

_ Marburg, 31. Mär».

Der Monat April. Der Februar trurb zmn Rarrenmonat gemacht, der April ist einer. Derrn fei« Sonnengeflunker ist oft nut eine lachende Maske! Sonnenlicht, Hagel, Rege« und Schnee scheinen jetzt miteinander wetteifern zu wolle«. Datum werden die Menschen auch gleich am 1. April zum Aprtlnarten geführt Kaiser Karl der Große nannte den April Ostermonat Der Landmann sagt: .Stellen Blätter an den Eich« schon vor Mai pch ein, gedeiht im Lande Kon, und «ein. .Verblühen nur bte Kirschen aut. «ntch Roggen tm Blühen dann was R«htes tut'

Sonnenschein fahre» wir

m Öen rrenz ptnetn .

» AuSfielllnig bei ochrtchschule. Auch in Ho. sem Jahre hat Fräulein I. Ursprung im be« Hotels Freidhof eine «roßeAnLcchl wert-