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GßechM ZeilM mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain und den Beilagen: »Jach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

H2 71 Sonn« und Feiertage, *-=« jährlich durch die Po

um io Pfennige, für vtenamen 30 Pfcnmge. ie lag: Joh. Aug. Koch, UniversitätS^Suchdruckerei 40. xyUpifll . Hitzeroth, Marburg. Markt 21. Telephon 55.

Inhaber Dr. C.

Die JnsertioNSgebühr beträgt für die Tgefpaltcne geile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige.

Druck und Perl ~ ~ - --------- -

Marburg

Donnerstag, 31. März 1910.

TieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der ~ "ige. -r Der Bezugspreis beträgt viertel. Post bezogen 2 25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 7<Ä.

Ausland

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Als ich älter wurde, empfand ich den Schänd-

meine Liebe ich habe ste ihre Schuld Leben glitt.

** Finnland. Petersburg, 29. März. Das Expose zu der Gesetzes-Vorlage über Finnland stellt die Be­hauptung auf, daß Alexander I. mit dem finnischen Volke auf dem Landtag« in Borgo keinen Vertrag über die künftige politische Verfassung Finnlands abgeschlossen habe: das Versprechen weitgehendster Vorrechte sei ein Akt monarchischer Gnade und Erotz- mut gewesen: insbesondere sei er auch keine inter­nationalen Verpflichtungen hinsichtlich der Rechte und Vorrechte Finnlands eingegangen. Es existiere kein Akt, der Finnland zum Staate erhebe oder von der Schaffung einer besonderen finnländischen Staatsgewalt spreche. Finnlands Autonomie basiere auf dem guten Willen der russischen Staatsgewalt. Das llebergreifen der finnischen Gesetzgebung aus dem örtlichen in das allgemein staatliche Gebiet be­ruhe auf zufälligen Schwankungen der gesetzgeberi­schen Praxis. Nach dem Expose zu der Gesetzes­vorlage über Finnland werden die Grundlagen des Gesetzentwurfs dahin bezeichnet, daß Finnland in inneren (andere Reichstale nicht berührend) Ange­legenheiten nur die provinzielle Selbstverwaltung genieße, daß die Reichsgrundgesetze für Finnland ebenso obligatorisch wie für die übrigen Reichsteile sind, daß ferner in allen nicht rein finnländischen An­gelegenheiten die Meinung des finnländischen Land­tags ausschließlich eine beratende Bedeutung habe und daß zum Nutzen Finnlands im Reichsrat und in der Reichsduma Vertreter der Bevölkerung Finn­lands eingefügt werden. Weiter heißt es darin: llm falschen Deutungen vorzubeugen, muß bemerkt werden, daß die Gesetzvorlage nur bezweckt, in der finnischen Grenzmark die unentreißbaren Rechte und vitalsten Jntereffen Rußlands zu sichern. Dabet be­zweckt die Vorlage durchaus nicht die Vernichtung der inneren Autonomie Finnlands oder die Entnatio­nalisierung der Finnen, noch Anschläge auf ihre Kul-

zu erhalte«. Aber ich tonnte nicht, gehaßt sei. jener Stande, da durch der erste tiefe Schatten über mein

ibeiv hriftc, wllte.

Ja, dann hat sie mtt einem Leben voller Liebe an dem Kinde gut machen wollen, was über­haupt nie gut zu machen geht. Es mag ja tolerante Leute geben, die dem Weibe einen Jugendsehltritt nachsehen ich nicht? Ein Weib hat seine Ehre rein zu halten. Seine Augen flammten. Sie hat wohl über dem Fluch der Welt gestanden, aber ich, ich, Schwester Marte, ich habe ihn tragen milff en. Nichts wurde mir er fpart. Erft damals, als ich ei« Kind war, dann fpäter als Student, und jetzt ein qnalvolles Stöhnen entrang sich der Brust des unglücklichen Mannes, jetzt streckt es seine Hand auch nach dem Liebsten, das ich besitze.

Wie habe ich als Kind meine Mutter geliebt und verehrt, bis ich's dann als großer Junge von meinen Schulgefährten ersnhr o, die Ju­gend ist grausmn, Schwester Marie, die kennt kein barmherziges Verschleiern. Wie es mich traf - erst glaubte ich es nicht ich weiß noch, wie ich mein Schulränzel in den Staub warf, zwei von den Spöttern packte und mit den Köpfen aneinanderstieß. bis ihnen das Blut aus der Nafe lief. Dann stürzte ich nach Hause. Mutter, wo ist mein Vater? fragte ich ohne Umschweife. Sie wurde so weiß wie das Tischtuch, das sie in der Hand hielt. Also docht

Wer hat dich denn darauf gebracht? sagte sie langsam. Komm mein Junge, wir werden dar­über reden.

Sie erzählte mir dann so viel von ihrem Leben, wie es meinem Jugendversiand faßlich war. Viel war es nicht, ihr lag wohl vor allem daran, sich

tur. Die Annahme des aufgestellten Programms be­deutet nicht die Verwirklichung aller seiner Einzet- heiten: noch weniger begründet wäre die Annahme, die in Aussicht genommenen Maßnahmen werden un­mittelbar finnländtsche Gesetze außer Kraft setzen und zur sofortigen Einführung russischer Staatsgesede führen. Die Reformen sollen nach Maßgabe b?- wirklichen Bedürfnisse durchgefübrt werden, uni.. Berücksichtigung sowohl der örtlichen Interessen al. auch der des ganzen Reiches." Hebet die Vertre tung Finnlands im Reichsrate und in der Reichs duma führt das Expose u. a. aus, daß die gleich­berechtigte Mitarbeit der von Finnland gewählten Reichsratsmitglieder und Reichsdumaabgeordnet:n der Idee der Staatseinheit besser entspreche als eine Vertretung durch Delegierte Finnlands und daß für die von Finnland gewählten Mitglieder des Reichs­rats und der Reichsduma die Kenntnis der russischen Sprache erforderlich ist.

** Born Balkan. Sofia, 29. März. Am 27. März 3 Uhr nachmittags, schossen türkische Soldaten auf btt bulgarische Patrouille, die bei dem Grenzposten von Tatackioej (Bezirk Kazim Aghatsch) eine Runde machte. Es entwickelte sich ein Gewehrfeuer, das bis abends dauernd am 28. März wieder ausgenommen wurde, nachdem die Türken durch Infanterie und . Kavallerie verstärkt worden waren. Bisher find Verluste auf Seiten der Bulgaren nicht bekannt. Ein türkischer Soldat wurde auf bulgarischem Gebiet ge­tötet. Wahrscheinlich gab es auch einige Verwundete. Der Kriegsminister befahl, das Feuer sofort einzu- stellen. Heute tritt eine Kommission von türkischen und bulgarischen Offizieren zur Untersuchung de« Zwischenfalles zusammen

** Türkei Konstantinopel, 29. März. Die Kam- mer setzte heute die Besprechung der Interpellation Lufti Über die Affäre der französischen Kohlenminen- Gesellschaft in Herakles fort und sprach nach lebhafter Debatte dem Bautenminister mit 129 gegen 65 Stirn« men ihr Vertrauen aus.

wie die Beziehung zwischen Schule und Haus, die freiere Gestalwng de« Unterrichts auf der Oberstufe und die Einfühbung staatsbürgerlichen Unterrichts.

Lehrerenilassunge« im Regierungsbezirk Brom­berg. Wie diePosener Reuest. Rachr." melden, hat die Regierung zu Bromberg infolge einer vom Kul­tusminister erhaltenen Weisung einer größeren An­zahl von Lehrern ihres Bezirks es heißt achtzehn zum 31. März schriftlich die Entlassung aus dem öffentlichen Schuldienst bekannt gegeben, weil diese nicht rechtzeitig die zweite Lehrerprüfung abgelegt haben sollen.

Martin Biedermann in Geldschwierigkeiten? Der vielgenannte Posener Güterschlächter Martin Biedermann (sprich: Bjedermann) befindet fich in Geldschmierigkeiten. Wie betSchles. Ztg" aus Posen gemeldet wird, wurde dort das Automobil Biedermanns zwangsweise öffentlich versteigert und brachte 4900 Jk. Ein Coupe wurde für 300 <M. ver­kauft. Daran schloß sich der gerichtliche Verkauf von Möbeln in der Wohnung Biedermanns.

Erzählung aus dem Leben einer Diakonisse. Don P. Wilhelmy.

IForticpung.)

So kam der Tag heran, an dem er nach Gcrmrode fahren wollte. Es wat der zwölfte November, an einem Samstag. Montags wollte er zurück fein. Anni zog zwar ein Schmoll- mäulchcn und konnte sich gar nicht denken, daß sic ihren Heinz zwei ganze Jage nicht sehen sollte, fügte sich aber doch in den Gedanken, daß ihr -Glück ja von dieser Reise abhinge. Sie war viel zu wenig Menschenkennerin, als daß ihr das zer­streute Wesen ihres Verlobten anfqefallen wäre.

Die Nacht vom Freitag zum Samstag hatte Ich zu wachen bei einem jungen Mann, den Doftor Achinger vor kurzem mtt großem Geschick operiert hatte und dessen Pflege äußerste Sorg- falt erforderte. Der Arzt machte an dem Abend mit seinem Assistenten noch einen Rundgang «durch sämtliche Räume, um diesem genaue Weis­ungen zu geben, und kam auch in daS Zimmer, in dem ich beschäftigt war.

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fleck immer deutlicher. Scheu zog ich mich zurück. Nichts (ernte ich kennen von den harmlosen Freu­den der Jugend; denn den leichten Sinn meiner Eltern hatte ich nie geerbt.

Als ich das Ghmnasium verließ, wählte ich das Studium der Rechte. Ich glaubte nun von Familienbanden frei zu werden. Aber sie mußte mich sehr wohl lieben, die alte Frau dort et wies mit der Hand nach der Richtung, wo daS Haus der Mutter lag sie wollte durchaus in meiner Nähe bleiben und zog mit mir nach Berlin. Sicherlich hat sie's gut gemeint. Aber mich er­regte es immer mehr gegen ste. Warum heftete sie sich an meine Fersen? ,

Ich mietete mir in Berlin, wett von ihrer Wohnung entfernt, eine einfache Studentenbude und lernte wie ein Unsinniger. Ich wollte schnei fertig werden mit dem Studium, um ins Aus­land gehen zu können. Freunde hatte ich auch iw Berlin nur wenige. Ich war ein finsterer Gesell, man ging mir gern aus dem Wege. Nur fdtew erschien ich auf der Kneipe. Meine Mutter be­suchte ich nie. '

Mein Studium näherte sich seinem Ende, als das Schicksal mir einen furchtbaren Stretch spielt«.' Am Geburtstag des Kaisers fand alljährlich etne große Kneiperei statt. Der Tag ist gerade auch mein Geburtstag, es war mein 26. Da bekam ich, ich weiß selbst nicht recht tote, auf einmal bew Einfall, dabei fein zu wollen. Ich begab mich also ins Kneiplokal. Natürlich wurde ich mit Hallo begrüßt; die anderen hatten wohl den ga» jen Tag herumgefumpst und waren alle sch«, ziemlich animiert

Zuerst ließ ich mir die Laune nicht verderbe»; aber jemehr die Stimmung Vorschrift, beftom* mußte ich die Zielscheibe ihres Witze- fein, - j

(Fortsetzung folgt.)

tete er auf einen Stuhl, et selbst fetzte sich vor ien Schreibtisch, blätterte eine Weile in aller-

(Nachdruck verboten.)

Sl'weftcr Ami.

Politische Umschau.

Der Arbeitsplan der Parlamente nach Opern.

> die Tage seiner Abwesenhett geben Cine halbe Stunde später kam der iärtet, und ich ging hinunter in das Sprech- nmer. Achinger erwartete mich bereits. Stumm

Deutsches Reich.

Christlich - Sozialer Kongreß. Hannover, 29. März. Der 15. Christlich-Soziale Kongreß wurde heute in Anwesenheit von etwa 3000 Personen er­öffnet.

Der Verband der akademisch gebildeten Lehrer Deutschlands hält heute, morgen und übermorgen in Magdeburg seinen Verbandstag ab. Zum ersten Male seit der 1904 erfolgten Gründung des Ver­bandes ist die gesamte deutsche Oberlehrerschaft aus allen Bundesstaaten vertreten. Die Mitgliederzahl übersteigt 18 000. Neben den zur Beratung stehenden Fragen des engeren Standesinteresses stehen in der Mehrzahl solche von großem, allgemeinem Interesse,

Eid ganz gewöhnliche, Hetzmanöver.

DieDanziger Allgem. Ztg.« erinnert an folgende Ausführungen des Fürsten Bismarck, die der Altreichskanzler am 16. Februar 1885 im Reichstage dem Abgeordneten Rickert gegenüber gemacht hat:

,,. . . Was Sie (die Fortschrittsparteiler) krankt und was Ihnen unbequem ist. und was Sie veranlaßt, hauptsächlich den Grundbesitz

Der Reichstag beabsichtigt, nach Ostern zunächst das Reichsbesteuerungsgeseh, das Haus­arbeitsgesetz und die Gewerbcordungsnov^lle Eber die Lohnbücher, das Stellenvcrmittlergesetz, das Beamtenhaftpflichtgesetz, den Entwurf zur Ausftihrung der Berner Konventton und das Ab- kommen über die Verlängerung des schwedischen Haudelsvettrages zu verabschieden, ferner sollen der Entwurf über die Zuständigkeit des Reichsge­richtes und der Entwurf der Reichsverstcherungs- erbnung in erster Lesung beraten werden. Für die Beratung dieses Materials werden drei Wochen ausreichen. Man rechnet damtt, die Session bereits Ende April auf den Frühherbst zu vertagen. Der Landtag Hai noch kein größeres Gesetz in dieser Session bisher verab­schiedet und die Zeit nach Ostern wird hier die Ernte bringen. Die Wahlrechtsvorlage wird vom Herrenhaufe zunächst zu prüfen sein, während das Abgeordnetenhaus den April hindurch noch mit tot Ettttsberattmg beschäftigt fein wird. Vor Pfingsten will die Zweite Kammer nebenbei noch die vorliegenden kleinen Gesetze erledigen und die erste Lesung der zu erwartenden Eisenbabn- anleihe Vorlage vornehmen. das Herren­haus wird fm April neben der Wahlvorlage die rheinische Sandgemeindeordnung. das ost- I preußische Wegegesetz und die Vorlage über die Reinigung öffentlicher Wege beraten. Die Arbeit des Abgeordnetenhauses nach Pfingsten wird die Verabschiedung der Herrenhausgesetze und des SekundörbahngefttzeS gewidmet fein, das erst sehr spät dem Herrenhause zugehen wird. Vor Mitte Juni ist an einen Schluß der Session nicht , iu denken.

lei Papieren und sagte zunächst gar nichts. Dann warf er mit plötzlichem Entschluß den Drehsessel herum, so daß sein Gesicht mir zugekehrt war, unb sagte: Ich habe Sie hierher bestellt, um Ihnen eine Geschichte zu erzählen, Schwester Marie. Passen Sie gut auf! Sie klingt wie ein Märlein, nur schade, daß sie keins ist. Es war einmal ein junges Mädchen, reich und schön, eine Waise, die im Hause ibres Onkels, eines alten Landpastors, erzogen wurde. Alles entzog man hier dem jungen, lebhaften Geschöpf: nur arbeiten sollte es lernen, um auch einmal einen Landpastor glücklich zu machen. Aber das Mäd­chen hatte mit dem Talent auch beu leichten Sinn seines Vaters, der ein gefeierter Geigen- künstler gewesen war, geerbt, und wollte sich dem Zwange nicht fügen. Als es bann majorenn war, ging bas junge Ding, das bisher nichts von der Welt kannte als sein enges Dorf nach München, um Musik zu studieren. Natürlich waren Onkel und Tante Pastor starr vor Entrüstung und sag­ten sich von der Verlorenen los. Und sie litt wirftich Schiffbruch.

Die Stimme des Mannes klang müde, er stützte den Kopf schwer auf die Hand.

Rach einer Pause fuhr er fort: In München lernte das Mädchen einen Maler kennen. Schon, leichttertia. unerfahren, wie sie selber. Der wurde ihr Schicksal. Sie wurde sein Weib, ehe sie seine Gattin wurde. Dann ging es, wie es ge­wöhnlich zu gehen pflegt. Er ließ ste mtt dem Kinde sitzen.

Doftor Achinger war mtt geballten Fäusten aufgesprungen. Er befand sich in furchtbarer Er­regung.

Wissen Sie, wessen Geschichte das ist, Schwe­ster Marie, es ist die Geschichte meiner Mutter!

Er lachte wild aus.

Stadtoerordfleten-Sitzung.

)( Marburg, W. März.

Der städtische Etat.

Am heutigen dritten Feiertag begannen nachmit­tags um 3 Uhr die Stadtverordneten mit der btes- jäbrigen Etatsberatung.

.Stabte. Rohde, als Vorsitzender der Etatskom- mission, hielt zunächst eine kleine (Einleitung«» ansprache. Er iwes darauf hin, daß der Etat dies-1 mal ein finsteres Gesicht zeige. Müßten doch rach Voranschlag 5,37 225 M. gegen 472000 <M im Vorjahr, also ein Mehr von 85 000 <M durch direkte Steuern : aufgebracht werden. Das komme durch die erhöhten Gehälter, Meafall des Fleischhellers in Höhe von 29 300 M, 4000 M. Fleischsteuer, Wenioereinnabme der Branntwein- und Umsatzsteuer usw. Die zur Deck­ung vorgeschlagenen erhöhten Gebühren für S/iAe, Kanal, Umsatzsteuer usw kämen dabei wenig ic. wacht. Bei den städtischen Werken habe man die Verteilung der Ueberschüsse anders geregelt und <m Lbrioen die äußerste Sparsamkeit walten lassen.

Man begann nunmehr mit der Beratung bet all- gemeinen Verwaltung. Stabt». Stumpf gab hier d« Referat unb brachte bie Vorschläge ber'Knmmissl-« Mr Kenntnis. Stabte. Dr. Maurmann stellte bei

Schwester Marie, sagte er zu mir, ich schicke 'einen Wärter, der Sie einen Augenblick vertreten soll. Sie selbst erwarte ich ht meinem Sprech zimmer, da ich Ihnen noch verschiedenes sagen Möchte.

Er sprach ganz ruhig, und ich glaube nicht daß er auch mir noch genaue Vor-

I aussondern zu wollen aus der Menge, damit <jCjlCUUltüCtl | £:e geringe Kopfzahl sich gegenüber haben,

° I die Sie bei allgemeinen Wahlen überstimmen

1 sür das zweite Quartal 1910 I können was Sie bekümmert, das ist die Tat-

«uif dieOberhessische Zeitung" nebst I daß Bauer und Großgrundbesitzer immer

**«" 8kUwn *»<* iS"hK; |

Hon (Warft 21), unseren Ausgabestellen in I Grundbesitzer sind im ganzen eine Stütze der I

Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs- I Monarchie und der bestehenden Regierung nach I

dorf, Hachborn, HeSkem-M öllu, Lei- I ^rer ganzen Gesinnung, und in ber Tendenz. I

V . ' i Zwietracht zu säen, da geniert es Sie daß diese

venhofen, Dreihaufen, Wittelsberg, Verschmelzung allmählich und unaufhaltsam Rieberweimar, Rieberwalgern, I vor fich geht. Es sind das die heilsamen Folgen I Damm und Lohra sowie von allen Poll- £et Gesetzgebung, die im Anfänge von vielen I nUaUmHh u x _ v p I i)ei Bevorrechtigten peinlich empfunden wurde: I

«nftauen unb Lanbbnefträgern entgegengenom- die Abschaffung aller rechtlichen unb prinzipiel­len I len Prärogative de? größten Grundbesitzes und I

I namentlich der früheren Ritterschaft. Wir I 1 größeren Grundbesitzer find heutzutage in | unserem Gewerbe nichts weiter als die größten I Bauern, und der Bauer ist nichts weiter als I der kleinere Grundbesitzer.....Der Herr Ab- I

geordnete Rickert hat die Klasse der Eroßgrund I besitzer. die er heute der öffentlichen Abneigung I zu überliefern suchte, noch enger definiert; er I hat von denen gesprochen, die Quadratmeilen I besitzen. Nun. meine Herren, das sind all»r- | dings noch weniger; aber selbst diese Wenigen haben Anspruch auf gleiche Gerechtigkeit mit allen unb auf gleiche Behandlung; und es ist nicht die Aufgabe einer besonnenen Zukunfts- polftik. gerade diese Leute mithic nisror ost der öffentlichen Abneigung auf diese Weise zu denunzieren. Ich halte das für ein ganz ge­wöhnliches sozialistisches Hetzmanöver gegen die reicheren und reichsten Klassen; die Armen gegen die Reichen, die kleineren Besitzer gegen die großen kurz: divido et impora.....Ich

will mötne Erwiderung damit schließen, daß ich die Herren nochmals bitte, nicht zu glauben, daß sie nicht sozialistisch hetzen, wenn Sie den Großgrundbesitz immer als Ziel, noch dem zu schießen, hinstellen, sondern wenigstens den Mut haben, zu sagen: ja, unsere parlamen­tarische Taktik macht eg uns wünschenswert Zwist zwischen die verschiedenen Klassen der Landwirte und ihre Arbeiter zu säen, und des­halb behaupten wir die Verschiedenheit bet Interessen"..... (Stürmischer Beifall

rechts, wiederhaltes Zischen links.)"