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MchjW Jeilmg mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain und beit Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

M 70

ID« »Oberl-effische Zeitung' erscheint täglich mit ':r.ic der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel» jährlich durch die Post bezogen 2 25 * (ohne Bestellgeld). bei unseren geitungSstellen und der Expedition (Markt 21), 2<X.

Marburg

Doimerstag, 24. Mürz 1910.

I Die JttsertionSgebühr beträgt für die 7gejpattene Zeile I oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. I Druck und Berlag: Job. Äug. Koch, UniversitätL-Buchdruckerei I Inhaber Dr. L. Hiheroch, Marburg, Markt 21. Telephon 65. |

45. Iahrg.

Erstes Blatt.

Die deutsche FlottenpoliM dunkel? - Da«Berliner Tageblatt- bringt tn einer Betrachtung über Schlachtschiffe unb Panzer« kreuzer den Satz:Das deutsche Volk aber hat le jedes mündige Volk ein Recht darauf, |tt wissen, wohin es geführt wird. Und es ist un» - verantwortlich, die Geschäfte derart zu führen, daß das Ausland von unserer Flottenpoliti «ehr weiß als das Inland. Darum bleibt es dabei, daß das Flottengesetz mit noch ein ge­schichtlicher Begriff ist."

Der erste dieser drei Sätze witt> keineswegs bestritten,' was die beiden anderen anlangt, so muß die in ihnen enthaltene Behauptung Wun­der nehme», daß das deutsche Volk nicht wisse, wohin es auf dem Gebiet« der Flottenpolitt «efirhrt werde. Soweit wir unterrichtet feüb, ist die Vertretung des deutschen Voltes im Reichs­tage nicht nur ein Organ um zu hären und zu sehe», wohin. die Reift geht, sondern in ihre Hände ist auch die Entscheidung gelegt, ob der non der Regierung für wünschenswett und not­wendig erachtete Weg beschritten «erden ftl odt nicht. Der Deutsche Reichstag nun hat nicht nur das Flottengesetz von 1900 nach sehr gründlicher Erörterung und nach Ausführung mehrerer Aenderungen des ihm vorgelegten Entwurfs bewilligt, sonder» auch di« später nach Ansicht der Marineverwaltung notwendigen Er. gänzungen gutgeheißen. Jene Ergänzungen trugen bet» fortschreitenden Flusse der militari« scheu und technischen Entwickelung Rechnung,' ohne ihre Einfügung wäre der geformte Sinn and der Zweck des Flottengesetzes von 1900 ein. fach illusorisch geworden. Ma» sollte von dem genannte» Blatte eigentlich ermatte», daß es Darüber unterrichtet wäre, wie ernst und ge­wissenhaft die Volksvertretung hier ihre Auf- stabe aufgefaßt hat. Oder will dasBerliner Tageblatt" dem Reichstage de» Vorwurf ma­chen, es sei unverantworttich, die Geschäfte der- art zu führen, daß das Ausland von unserer Flottenpolitik mehr wisse als dasInland". Ist das der Fall, so sei die Frage gestattet, wen es denn unterInland" versteht. Jeder Deutsche, der die Absicht hat, sich über Inhatt und Weg unserer Flottenpolitik zu unterrichten, braucht sich ja nur, falls er dem amtlichen und halbamtlichen Material mißtraut, an einen Ab- geordntten seiner Partei zu wenden. Dieser müßte ihm stets umfassende und «schöpfende Auskunft geben können, denn auch das Berliner Tageblatt" dürfte annehmen, daß der Abgeordnete, bevor sie die Marineforderunqe» bewilligen. oder verwttgern. sich gründlich über ihre» Inhalt und Zweck unterrichtet haben. So­viel mir wissen, werden alle diese Dinge in der Budegetkommission jedes Jahr unter lebhafter Beteiligung der Patteken gründlich erörtert. Mbt es also einInland", das von unserer Flottenpolrtik nichts weiß so ist das sicher zu be­dauern, aber Schuld diesesInlandes". Hof­fentlich kümmert es sich in Zukunft etwas gründ­licher and fachlicher nm dieses gerade für Handel

7 (Nachdruck verboten.)

weiter Annt.

Erzählung aus dem Leben ttner Diakonisse. Bon P. Wilhelm,.

(Rortfe^ung.)

Die zusagende Antwort Henn v. Tiefen­bachs traf umgehend ein. Wie sonderbar wird es mir ftin wenn ich dort oben wieder allein hause. Annj war übrigens auch gar nicht so erfreut, wie man nach ihrem anfänglichen Heinuoehschmerz hätte erwarte» können. Sie fth mich ganz erschrocken an, als ich ihr von dem Briefe ihres Onkels erzählte.

Wer hat denn hingeschrieben daß ich wieder zn rückkehre? fragte sie neugierig.

Run. Doktor Achinger.

Doktor Achinger!? wiederholte sie langsam. Dann wandte sie stch kurz ab und ging aus bet Tür.

Das arme Kind. Wir konnten ihm hier keine Heimat bieten. Ob Annis Los im Haufe der Verwandten wohl ein goldenes war? In den ersten Tagen ihres Hierseins hatte sie mir Erzählt, fortaegangen wäre sie gern von dort, *t in «in Kranke rhaus hätte sie nicht gewollt, «ine Dftkonissin werden, mit einem grauen Kinel und solcher Mütze. Damit hatte sie ihrem Soi-gelbild eine ernsthafte Grimasse geschnitten. .Mein -- das mochte sie nicht! Sie hatte ge- .glauöt. hier dürfe man niemals lachen und höre mir immer seufzen und stöhnen. Aber hier ;«äre es ja schön natürlich, dachte ich, wen» -««» »Ur als Gast behandelt wird sie bliebe

W gern hier, und ft (itf, habe sie über­

und Industrie so wichttge ©eilet; dann wird auch eine Aeuherung wie die vorliegende: das Flottengesetz fei nur noch ein geschichtlicher Be­griff, W de» Unmöglichkeiten gehören. Das Flottengesetz von 1900 wäre heute eingeschicht­licher Begriff- und al« verknöchert zu bezeich­nen, wenn nicht die patriotische Einsicht des Reichstages durch Vertretung und Ergänzung der Bewilligungen die Gefahr von unserer Zukunstsflotte abgewendet hätte, zu qualita­tiver Minderwertigkeit verurteilt zu sein. Vor dem Auslande haben wir nichts zu verbergen und auch nichts vor ihm verborgen: wer aber im Inlaiüw nicht weiß, was das Ausland weiß, bet sollte es lieber nicht sagen, sondern durch das Studium des reichhaltigen Matettals in aller Sttlle feinet Unkenntnis abhelfen.

Frau von Tiefenbach schien Annt absolut nicht zu liebe» und sich um jeden Prtts von deren Gegenwart besteien zu wollen. Wer weiß, was sie für Gründe hatte. Vielleicht mochte sie nut nicht die junge Schönheit neben sich aufblühen sehen. Genug, Anni sollte fort.

Der Zufall, d«r heimtückische Geselle, sandte der junge» Frau ganz uuerwarttt «tue Hilft

war da von bet Mutter her ein Onkel vorhanden, ein alter Junggeselle. Dieser lebte wrt feiner noch älteren Wirtschafterin die schon Anms Mutter auf de» Armen getragen hätte, aus feinem einsamen Landgut. Der nahm die beide» Kinder mit und adoptterte sie auch einige Jahre darauf. Run mochte eine herr­liche Zeit für das Geschwisterpaar begonnen haben. Personal war keins da und der Onkel ließ die Kinder machen, was sie wollten Anni hatte den großen Bruder leidenschaftlich geliebt und ebenso umgekehrt. Wenn er aus der Schule in der nahe» Stadt kam, hatte et mit bet Kleinen" im Eartze» herumgetollt, sie auf

Erfahrungen über bi« Mangel und Schwächen des englischen Schul- und Erziehungsweftns in einer sehr gründlichen Studie tn bet Monats­schrift für höhere, Schulweftn veröffentlichen, di« zu folgendem Endergebnis als Vergleich des deutschen und englischen Erziehungswesens kommt: Das englische Schul- und Etziehungs- wesen steht dem deutschen in jeder Beziehung nach. Seine Organtfttion stankt an mangeln­der Einheitlichkeit. Die Männer, denen die Er­ziehung der Jungend anvettraut ist, ermangeln einer gründlichen wissenschaftlichen und päda­gogischen Bildung. Infolgttiessen bann das Er- ziehungswerk nicht mit bet erforderlichen Gründlichkeit betrieben werden. Eine stüh- zeitige Spezialisierung, Lbertttebene Wertschätz ung des Examens-, 6Hpettbten= und Berechtiq- ungswesens, sowie einseitiger, unpädagogischer Sportbetrieb trage» zur Entwertung des Er-

«hAHtiiA» HmfAmi I -iehungswesens bei Den jungen Leuten, die

vouilflye umiiyUH. tos ^be» treten, werden nicht die idealen und

Das ungarische Abgeordnetenhaus. I praktischen Lebensgüter mitaegeben, die für Zu den vorgestrigen Vorgängen im nngari Angehörige eines modernen Volkes unerläßlich scheu Abgeordnetenhaus« schreibt die .Dtsthe. Ta ausgebaute Prinzip

«. I der Standesschul« beleidigt unser soziales Em

Pfinbcn. Dem Herrn Professor Rogozinski wird gen Mimster rücMchtsvollerweise nur m,t weniger I Professor Gurlitt, der Lobrttmer des englischen handfesten Gegenständen zu werfe». die wie Pa- Schulwesens schon einige stäftige SBorte fegen, pierschnitzel und dergleichen schon vor der Mniister- I

b«npt tei"«» Menschen auf bet Wett. Ich sei I feinen Schultern reiten lassen und auf dem ihre liebe gute Pflegemama; bamit hatte sie I Teich spazieren gefahren.

tb« weiche Wange zärtlich an bte meine ge= I Später war et dann nach Berlin gegangen schmiegt. Von ihrer Vergangenheit konnte ich I um dort zu studieren, und gleich im ersten wiraus ihren Erzählungen «in klares Bild I Jahre feines Dortseins hatte ihn ein heim- Ach. und gerade diesem Silbe entnahm I tückisches Fieber hinweggerafft und die Klein« "as b^n meinem Liebling »och sehr I auch dieses Schutzes beraubt. Anni sprach nicht

,arTTen «f be" Weg streuen würde, wenn I gern von ihm. Für diesen Verlust hatte sie nicht eine andere Person rechtzeitig dazwischen- I schon mehr Verständnis gehabt, wie für den der.

i<f> ®Qr Eltern, und sie hatte ihn wohl noch nicht ganz

Anms Vater wat Offizier gewesen und I überwunden. Ihre Augen standen immer voll ? - eine gänzlich verarmte, adelige Dam« ge- I Tränen, wenn sie einmal von ihm sprach heiratet:tt konnte sich wohl dann nicht «ehr I Sein Bild hatte sie mit gezeigt. Sie trug "E'-w^MiUtat polten, wenigstens erzählte Anni, I «s stets bei sich in einem kleinen Medaillon das daß ihr Papa schon sehr jung vom Heer abae- I sie unter den Kleidern an einem schmale» Eold- gongen und in einem kleinen Sadeort Bade- I kettchen um den Hals trug. Er hatte nicht viel ditektor geworden wäre. Außer Anni war noch I Aehnlichkeit mit Anni, aber es war ein anqe- etn Knabe der Ehe entsprossen, zehn Jahre nehmes Iünglingsgesicht. llebermut und Keck- fruher als dieft selbst war et geboren. Kurz I beit lachten aus den offenen, braunen Augen nach Annis Geburt wat die Mutter gestorben. I Wie viel besser würde Anni es haben wen» Zwei Jahre darauf folgt« auch bet Vater, aber I er lebte; aber Gottes Gedanken sind nicht unsere noch ^h es nicht gar zu traurig aus für die bei- I Gedanken. Kein Mensch hatte daran gedacht den Waisen. I daß Herr von Tieftnbach noch heirate» könnt«

und doch geschah das Ungeheuerlich«. Gleich nach dem Tode der alten Wirtschafterin hatte er sich eine Frau ins Haus geholt, und dazu ein« die schön und jung war. Da war es aus gewesen mit den goldenen Tagen der armen, kleinen Waise.

bank niederfielen. Und tot Wiener Reichsrat war I 11 1 ' -------------- '

sogar der ärgste persönliche Angriff auf einen Mi- I <R»{A

nistet bet übrigens noch konditionaleSchuft", den I vruijujc» <nnu'*

der «bg. Wolf dem Grafen Badeni zurief, und I Der Reichskanzler in Rom. Rom, 22. März, dem er allerdings bei dem nachfolgenden Duell in I Der Reichskanzler begab stch heute Vormittag der Reitbahn noch einen Pistolcntreffer am rechten I ***** Uhr mit dem Gesandten v. Flotow Arm des Ministerprästdenten hinznfüate. In an ^ach dem Quirinal wo et von dem Könige in deren richtiggehend patlamentatisckzen Ländern "L»-DerK°ntg

uff»«* 1,,«. v,ä . - ... < I verlieh dem Reichskanzler wahrend bet heutigen

-ZS? I Audienz den Annunciatenorden. Rach bet barer Ausetnandersetzung tmi einem Mimster Audienz begab sich der Reichskanzler nach der hat. grundsätzlich bte Rebenranme des Parlaments Eonsulta und besuchte den Minister des Aeu dafür zu bevorzugen. In Oftnpest bat man also I ßern, Guieciardini; die Besprechung zwischen gestern einen Rekord aufgestellt. Interessant ist | den beiden Staatsmännern bauerte drrtniertel habet die Frage, ob die Schuldigen gar keine I Stunden.

©träte für ihre Ausschreitungen erleiden werden: I HEsse». Darmstadt, 22. März. Nachdem da sie aber ,t» Ausübung ibres parlamentarischen I in der Ersten Kammer heute von dem Bericht- Berufs" das Diskuswerfen übten, das für die drei I erstattet eine Erklärung verlesen worden wat, Minister eine Woche Wundbebmtdluua zur Folge Ausschuß bet Ersten Kammer

hat, wird ihnen vennutNch weder der Steas-, noch I mH Bedenken, um einen Konflikt

bet RitnrnAfrr '' 7/° I mit bet Zweiten Karner zu vermeiden, der von

5cnw ** der der letzteren beschlossenen Steuererhöhung bei SX Ir »utreten sich entschlossen hat, ist eine endgültige

,,Un6 6Iet6t schließlich auch noch, I Einigung zwischen den beiden Kammern nun- ob bte Ungarn, wenn sie auch zur Zeit der Pbra I mehr dahingehend erzielt worden, daß die Ein­sen- und Phantompolttik der Demagogenpartei, I kommensteuer um 15 Prozent und Re Per die gestern tot Reichsrat um ihre durch die Reu- I mögenssteuer um 20 Pfennige pro 1000 ,4t er­wählen bedrohte Existenz kämpfte, gründlich satt | höht wird. Di« Regierung hat schon früher ihr zu sein scheinen, imstande fern werden, aus diesem I Einverständnis hiermit erklärt.

unerhörten Skandal die richtigen Lehren ,u ziehen' I ~ ®u8 bct protestantischen Kirche Bayerns. Denti»« , I Der neuemamrte Präsident des protestantischen

Kn ^ch-s Erztehungsweseu. Obetkousistotiums to Bahetn Dt. von Bezzel z»

urefats Pr^rttor , «nglischen Schul- vor Rektor der Zentealdiakonissenanstalt in Reu

dettelsau in Niederfranken, wendet sich in einem Oberrealschule dortfelbst. als Bottragslehrer"in I dluffeben ertegenben erlafoatt bte Geistlichleit ge« einer höheren Töchterschule und als Mitglied I fien e zunehmende Unktrchlichkeit und willentliche bet Prüfungskommission für alle Schulen mit I Abwendung von den Lebenskräften des Evange- beuffchem Unterricht tn der Graffchaft Lancas- I ^mn8 und die Gegensätzlichkeit unter den Trägern hir« Gelegenheit hatte, bas englische Schulwesen | bc<8 geistlichen Amtes. Er erklärt mit aller Be eingehend zu studieren, wirb demnächst seine I stimmtheit, daß von einer Gleichberechtigung der

Richtungen to bet Kirche feine Rede fein könne Theologische Richtungen in Ehren, aber hier find religiöse Differenzen vorhanden, bei denen nich! bte eine Meinung, welche vor dem erhöhten Jefus die Knie beugen und die ihm als Herrn gebieten heißt, wie die andere, die beides verweigert, in gleichem Recht sein kann. Bon eigener Nnzuläng- lichkett ost gedrückt und um Hilfe verlegen, viel be­kümmert und wenig noch erfreut, will ich gern, Zeit, Kraft und Erfahrung meinen Brüdern zui Befragung und wenn es sein darf, zur Belehnm. widmen, aber auch den Ernst des Handelns, wem, dazu die Stunde gekommen ist, nicht versäumen In alldem weiß ich mich mit meinen hochverehrten Amtsgenessen in der Kirchenleitung eins."

3* Landeshut-Jauer ist durch den Tod des fteistnnigen Abgeordneten Hermes ein« Neuwahl nötig. Der Kreis Landesbut-Iauer- Bolkenhain war ehemals im Besitze der Ratio- nalltberalen und zwar von 1871 bis 1884. 188t wurden die Nationalliberalen von den Freisin­nigen abgelöst. Im Jahre 1887 siegte der ver­storbene Abgeordnete Dr. Hermes zum ersten Male. 1893 und 1898 siegte Dr. Hermes stets erst in der Stichwahl mit. sozialdemokratischer Unterstützung übet den konservativen Kandi­daten. Bei der letzten Wahl erhielten im ersten Wahlgange Hermes 5728. Lissel (Reichsp.) 5050. Etezchan (Zentrum) 4307 und Krätzig (Soz.) 5019 Stimmen. In der Stichwahl siegt« Her­mes mit 9340 Stimmen, der freikonservative Kandidat erhiett 7495 Stimmen

Eisenbahnfrrikarten für Abgeordnete. Ber­lin, 22. März. Die Frage der Gewährung von Eisenbahnfteilarten an die Mitglieder des Abge ordnetenhauses wird bald nach Ostern auf dem Verordnungswege geregelt werden, die Abgeord neten werden noch im April tn den Besitz von Freikarten für die preußischen Bahnen gelangen, die zur Fahrt zwischen Berlin und dem Wohnorte in bdi- igcr Wagenklasse berechtigen.

Was mtr im Reichskaud möglich ist Etwas, was nur in Elsaß-Lothringen passieren kann, kam nach derT. R." anläßlich einer Schwurgerichts- Verhandlung in Kalmar zutage Jahrelang ist dort ein Franzose nicht nur Mitglied des Gemeindetats sonder» auch des Bezirkstages gewesen, hat dort eine große Rolle gespielt, den Mund sehr voll ge nommen, bis er eines Tages wegen Unterschlag ung zu mehreren Monaten Gefängnis verurteilt wurde, aber auch dabei wurde noch nicht entdeckt, daß der gute Mann zu Unrecht im Gemeinde, it und Bezirkstage faß. Er flüchtete, um der Situs- Verbüßung zu entgehen, nach Belfert, dem Zu­fluchtsort aller Leute, bte mit den deutschen Gerich­ten in Konflitt kommen, und als nun die Siaats- anwalffchast von Frankreich die Ausliefentng des Verbrechers forderte, da ... ja, da erttärte Jean Voell, so heißt der Ehrenwerte, daß er Franzose sei, er habe 1873 für Frankreich obfiert. Run end­lich sah die deuffche Behörde die Optantenliste nach, und siehe da. es stimmte.

Die Stuttgarter Genossen haben am Sonn­tag einen lärmenden Zug vor He pr-, ßffcke Ge sandtschast unternommen, um dort das Reichstags- Wahlrecht für Prerlßen zu fordern. DerSchwöb.

in Gestalt eines entfernten Verwandten, bet als Gast nach Germrode kam. Dieser sah di« junge Waise und hätte bas schöne Geschöpf gar zu gern als Gattin in fein Haus geführt.

Anni wollte sich ausschütten vor Lachen, wenn sie von diesem Heiratsvlan ihrer Tante sprach. Rach ihrer Schilderung, di». weinet* feits nicht als ganz zutreffend, aberkennen konnte, mußte der Freier allerbnqs ein Aus­bund von Häßlichkeit fei». Klein, wohlbeleibt mit einet riesigen Glatze: o, sie konnte ihn aus­gezeichnet kopieren, wenn sie kurzatmig, nach Art asthmatischer Leute, und mit einem nach- schleifenden Fuß durch das Zimmer hintte.

Aber der betreffende Stert hatte etwas, was in der Welt all feine Mängel aufhob ein wohlaefrilttes Portemonnaie und wäre ja wirftich für Anni, von diesem Standpunft aus betrachtet, eine anständige Versorgung gewesen. Aber sie wollt« nicht, wollte absolut nicht, selbst als di« Tante als schweres Geschütz die Droh­ung. Anni als Pflegerin in ein Krankenbau« z« stecken, aufftchr; und sie fetzte ihren Willen wirttich durch.

Der Onkel batte erst nicht recht gewollt; aber die berrschsüchtige Frau hatte ihm feine Ruhe gelassen. Ein armes, adeliges Mädchen, das sich nicht »erheiraten wollte, fei am besten für fein Leben versorgt in diesem Berufe; und alle seine Einwendmngen. daß Anni noch ft jung fei und sich ft noch immer verheirate» Knute und so weiter, hatte sie ,n entttästen wußi. im Hetzen hoffte sie wohl selber, Anni würde den dicken Vetter der Ktankenhauslust vorziehen. So hatte der Onkel dann schwere» Herzens feine Einwilligung zu einem Probe, fthr to solcher Anstatt gegeben. (Fortf. felgt)