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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: «Mach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.«
45, Jahrg.
"W1 ßü Sonn- und Feiertage. vi=. jährlich durch die Pof
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wir brauchen bier ei« denken Sie, Schwelt« lange mit dem Mobei Passen Sie auf. eine« Geschichte an die große
Die Arbeit baust sich, tüchtige Kraft. Oder Hedwig wird sich noch Sanerseben begnügen? Tones bringt sie die
Die Juserttonlgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder beten Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige — Druck und Verlag: Foh. «ug. Koch, UniversttatS-Buchdruckerei ^haber Dr^T. Httzeroch, Biburg, Markt 21. - Telephon 55.
ich mutz Schwester Anni am ersten November wieder nach Hause schicken, da« ist bi« nichts für sie; sagen Sie. haben Sie überhaupt eine Ahnung, durch wessen Machtspruch diese zart« Puppe zur Krankenpflegerin gestempelt wurde, absurde Id«! Der Mensch mutz fa entschieden schwachsinnig seins Datz etwa« bei ihr nicht in Ordnung fei, sah ich gleich, und an das Märchen von der BleichSuckt, das Sie sich da haben auf« binden lasten, habe ich noch nie geglaubt, na, nun habe ich'« raus, das arme Ding hat einen organischen Herffebl«.
Heb« mein Gesicht rann vielleicht ein leichte« Erschrecken. Ich mutzte fa, datz Anni nut kurze Zeit hi« bleiben würde, aber sie fetzt schon beraeben. — Der Arzt deutete es anders.
Gott, ste kann alt werden dabei; aber Pflege. Ruhe. Schonung mutz ste haben. Wir können ibr dies alle« nicht bieten: gewiß, wir haben sie geschont bis fetzt, alle Arbeit andern anfaepackt, das bißcken, was ste tun sollte, haben Sie ihr abgenommen. Er machte eine abwehrende Handbewegung, denn ich wollte protestieren. Ach ich weitz fa. ich habe nur nichts sehen wollen. Das geht fa doch nicht auf die Dau«?
Die „OberhrMsche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der — Der Bezugspreis beträgt viertel« ju.,...«, v«lu) Poft bezogen 2,25 .* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <X.
nickt lange gedauert. Ihre Freundschaft mit Doktor Achknger hatte an einem Sonntag Morgen begonnen, an feuern Sonntag, an dem ste mir einen gehörigen Sckreck eingefagt hatte.
Sie war morgens ganz vergnügt und munt« aufgestanden und hatte ihre Toilette fast beendet — nur noch das Haar —, ste war eben vor den Spiegel getreten, als ibre blühende Farbe sich ganz plöstlich in ein grünliches Gelb verwandelte, der Kamm entfiel ihr« Hand, auf ihr« Stirn standen dicke Sckweisttropfen, einen Halt suckend, griff sie um stch. ich sprang schnell hinzu und bettete ste auf das Sofa: bann holte ick Doktor Ackinq«. Er schüttelte den Kopf. Es sind Herzkrämpfe. sagte er zu mit nach einer kurzen Hnterfuchunq. Er schrieb etwas auf. was denn auch den Anfall bald beschwichtigte, ste war den ganzen Tag über matt; aber abends war sie schon wieder wohlauf und lackte mich mit meiner Beforonis aus.
Ach. das find meine HerzkrSmpfe. die habe ick als Kind viel öfter und noch viel schlimmer gehabt; uns« att« Hausarzt sagte, die verwachsen stch.
Doktor Ackina« war am Nachmittag einige Male oben gewesen und hatte nack d« Patientin gelehen, von nun an waren die beiden gute Freunde.
An dem Montag, der fettem Sonntag folate, tief mich der funoe Arzt in sein Zimmer und zeigte mir einen Brief, der an Herrn v. Tiefenbach. Annis Obeim. adressiert war.
Ich habe eben an He«n v. Tiefenbach ae- schrieben, sagte «. Sie werden Ihren Schütz, ling bald wied« Io» werden. Schwest« Marie.
Etatsfahre in V«bindung stehe. Wie die Londoner Blatt« melden, ist der Abgeordnete Byles ersucht worden, seine Anftage und die in ihr enchaltene wichtige Aegelegenheit einmal die Oeffentlichkeit beschäftigt hat, steht zu erwarten, datz in den weiteren Perhandlungen bes Unterhauses üb« Marineangelegenheiten auch das Ententeverhältnis zwischen Erohbri- tannien und Frankreich zur Sprache gebracht werden wird, und datz bann bie englische Regierung kaum um die Notwendigkeit herum- kommen wird, die gewünschte und nicht nur für die englische Flottenpolitik bedeutsame Auskunft zu erteilen.
(Nachdruck verboten.)
Schwester Pinnt
Marburg
Mittwoch, 23. Minz 1910
Tumult im unganichc»
Abgeordnetmbaule.
In der gestrigen Sitzung kam eS zu einfach un- «hörten Skandalszenen. Die „Frkf. Ztg." berichtet ausführlich darüber:
Das königliche Handschreiben, das die Einladung zu d« morgen erfolgenden Auflösung des Abgeordnetenhauses enthält, wurde ruhig zur Kenntnis genommen, sodann überreichte Graf Battvünyi den Protest der Justhpattei gegen die Auflösung im Exlexzustande, durch welche der Staube des Volkes an bie Heiligkeit des Eides der Krone erschüttert wird. Dem Protest schlossen sich auch Kostuch und die volkspartei an.
Als hierauf der Miuisterprästdent Graf Khuen den Standpunkt der Regierung verteidigen wollte, verändette sich mit einem Schlage die ganze Situation. Aus den Reihen d« Justh« und Kostuthpattei Wurden dem Ministerpräsidenten schwere, mitunter unflätige Beleidigungen zugerufen. Es entstand ein riesiger Lärm. Der Ministerpräsident konnte nicht sprechen und die Sitzung mußte unterbrochen werden. Rach Wiedereröffnung der Sitzung erscheinen alle Minister im Saal. Graf Khuen erhebt sich. Es ettönen Stufe: »Gesetzesverletzer hinaus! Erschlagt ibn!* Da er im entstehenden riesigen Lärm nicht verständlich ist, nähert stch Graf Khuen dem Tisch der Stenographen. In diesem Moment springt der Abgeordnete Eitner auf den Ministerpräsidenten zu und stößt ihn roh vom Tisch weg. Dies war das Signal zu einer förmlichen artgenscheinliich in den gestrigen Parteikon- serenzen geheim beschloffenen gewalttätigen Erneute.
Abgeordnete der Justh-, Kostuth- und d« Volkspartei stürmten plötzlich in Masten aus die Mini- ftetbäule, gegen welche von anderen Abgeordneten unterdeffen ein förmliches Bombardement mit schweren Büchern. Tintenfässern, Sesteln und allem, was nicht niet» und nagelfest war, eröffnet wurde. Im Saale hött man unartikuliertes Schreien, man sieht Gruvven von Abgeordneten im Handgemenge. Alle Minister und viele Abgeordnete scharen stch um den Grasen Khuen, um ihn zu schützen. Die Abgeordneten Pozsgav, Endreh, Zacharias und andere stoßen den Schutzwall zurück und werfen dem Grafen Khuen Schwere Bücher und alles, was ste in die Hand bekommen aus unmittelbarer Nähe gegen den Kopf. Acker- bauminist« Graf Serenhi, die Abgeordneten
Erzählung aus dem Leben ein« Diakonisse. Von P. Wilhelmy.
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Schwester Hedwig lächelte ihr falschstes Lächeln. So haben Sie gleich eine Probe von den Dornen unseres Berufes. Schwest« Anni, sagte sie mit ihrer öligen Stimme. Mit unserem Dottor ist nicht gut Kirschen essen.
Ich lenkte schleunigst das Gespräch ab, tobem ich die Bibel holte und unsere gemeinsame Abendandacht begann.
Wir erhoben uns, um uns zur Ruhe zu begeben. Anita sollte mit ihr« Lehrkovegin das Zimm« teilen; aber als ich mich von der andren verabschiedet hatte und schon oben auf dem Korridor war, kam mir etwas nachqehuscht; zwei weiche Arme schsangen sich um meinen Hals und eine liebe, ängstliche Stimme bat flüsternd; O. Schwester Marie, gehen Sie nicht von mit, lasten Sie mich mit in Ihr Zimmer, ich mag Nicht zu den Fremden dort unten. Ich will auch ganz bescheiden sein, nur ein ganz, ganz kleines Plätzchen, ganz in d« Ecke, nicht wahr, Sie Jäger Ja!
Ich fUnb zögernd und sah in bas liebe Gesicht, bas an meiner Schult« lag. Gegen alle bestehenden Vorschriften sagte ich einem Wärter bann aber doch, daß er in meinem Schlafzimmer noch ein Bett aufschlagen solle. Es ist ja nur für kurze Zeit, beruhigte ich Schwest« Hedwig «nb mein eigenes Gewissen. So hatte sich der
Blondkopf eingeschlichen in mein Zimm« und in mein Herz.
Anni war noch ein rechtes Kind, ein Sonnen» kind! Als sie merfte, datz ste hier alle Herzen im Sturm gewonnen hatte, Schwester Hedwigs ausgenommen, datz jeder ihr Liebe erzeigen wollte, und datz wir sie alle, ich an der Spitze, verzogen, waren ihr« Tränen bald getrocknet, ihre heitere, liebenswürdige Natur brach durch, lleberall hörte man ihr helles Lachen, so datz ich manchmal schelten mutzte. Aber ernstlich böse fein konnte man ihr gar nickt. Wenn sie so ein „gemacht zerknirschtes" Gesichtchen schnitt ob« gar mit mir mit einer meinet Würde und beginnenden Korpulenz durchaus unangemessenen Schnelligkeit durch das Zimmer walzte, mutzte ich wider Willen lachen. Dottor Achinger nickte ihr oft freundlich zu, wenn « sie so heiter sah.
Das ift recht, Schwester Anni, Sagte er bann wohl, bringen Sie uns nur den Frohsinn ins Haus, wir brauchen ihn so nötig!
Et Schien überhaupt etwas ergriffen zu fein von dem Strom d« Lebenslust, bet von meinem goLhaatigen Liebling ausging. Oest« wie sonst Satz « abends bei uns int Eßzimmer und plauderte wie an jenem ersten Abend, sogar Streiche aus seiner Studentenzeit tarnen zutage, so daß unf« fröhliches Lachen oft in ben dunkeln ©arten hinausschallte.
Auch die alte Frau Achinger kam häufiger zu uns, seit Anni bei uns war. und hörte mit stillem Lächeln dem so gesprächigen Sohn zu. Anni hatte wohl anfänglich vor diesen beiden Menschen ein wenig Scheu gehabt; ob« bei ihrer sich leicht anschließenden Natur hatte bas
Gras Moritz Esterhazy und Emil Ragy decken Ahnen mit ihrem Leibe, erhalten jedoch Hiebe und auch ihnen fliegt alles mögliche ins Gesicht. Die Verwirrung ist unbeschreiblich, die Gesichter d« Grafen Khuen und Serenhi sind mit Blut bedeckt, man tust nach Aerzte«.
Präsident Gül, d« nicht im Stande ist. Ordnung zu schaffen, suspendiert abermals die Sitzung. Gras Khuen und Serenhi werden aus dem Saal gebracht. Ein Arzt legt dem Grasen Khuen, der oberhalb des rechten Auges und der Wange ziemlich schwer verletzt ist, und dem an der Stirne verletzten Grasen Serenhi Verbände an und er» klärt, die Heilung w«de etwa acht Tage in An- spmch nehmen. Mittlerweile erscheint auf Verfügung der Polizei die Rettuugsgesellschast tot Hause. Die Minister wurden nach Hause gebracht.
Rach Wiedereröffnung der Sitzung, welcher die Minister nicht beiwohnten, sprichst Präsident GLl sein Bedauern üb« die des Parlaments unwürdigen Szenen aus. Abgeordneter Hentz fordert die Abgeordneten, welche die Minister verwundete«, aus, stch zu melden. Da niemand stch meldet, rüst Hentz: „Feige Gesellen!" Auch Graf Apponhi for- bert die Abgeordneten, welche bie Würde des Hauses verletzten, auf, sich zu melden. Die Abgeordneten Eitner und Zacharias melden stch. Abgeordneter Hollo versucht, bie Ausschreitungen mit der wegen der fortgesetzten Gesetzesverletzungen fett Jahren herrschenden erregten Stimmung zu entschuldigen. Als sodann der Abgeordnete Hentz das Wort ergreift, entsteht abermals ein riesiger Lärm und die Sitzung, muß Wied« aufgehoben werden.
Budapest, 21. März. Die sämtlich d« Iusthpartei angehörenden Abgeordneten Zacha- ttas, Ludwig Beck, Otto Hoffman und Sigmund Eitner erffärten tot Verlaufe der heutigen Sitzung, daß ste es gewesen seien, die gegen die Ministerbank Hefte und Büch« geworfen hatten, und baten das Abgeordnetenhaus für ihr ungebührliches Benehmen um Verzeihung. Die Verletzungen des Ministerpräsidenten und des Acker banminlsters sollen von bronzenen Tintenfaß- deckeln betrübten.
Budapest, 21. März. Die Regierung will die Staatsanwaltickast beauftragen, die Urheber der heutigen Ausschreitungen festzustellen und ste zur Verantwortung zu ziehen. Abends veranstal- teten die Sozialdemokraten Volksversammlungen zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechts, nach deren Sckluß Mallendemonstrationen stastsanden, wobei Raketen und Petarden zur Exvloston gebracht wurden. Die Polizei schritt mit blanker Waffe ein. Mehrere Personen wurden verwundet und 12 verhaftet.
Deutsches Reich.
— Schenkung. Dem Kais« ist von dem bis- bttigen deutschen Gesandten in Buenos Aites, Herrn v. Waldthausen, ein Kapital von 200000 Mark zur Verfügung gestellt worden, dessen Zinsen zur Förderung deutsch« Bildungs- und Wohlfabrts-Einricktungen in den drei Laplata. Staaten Argentinien. Uruaay und Paraguay. ins6efonb«e zur Förderung deutscher Schulen verwendet werden sollen. Der Kais« hat das
Bestellungen
/' für das zweite Quartal ISIS
Gus die „Oberhessische Zeitung" nebst Ihren Beilagen werden von unser« Ezpedl- Aon (Markt 21), unsere« Ausgabestellen tu Kirchhain, Reustadt, Wetter, Ebs- darf, Hachborn, HeSkem-Mblln, Bei* denhosen, Drei Hausen, Wittelsberg, Riederweimar, Riederwalgern, Damm und Lohra sowie von allen Post- anstalten und Landbriesträg«« entgegengenem* men.
Glocke, und Sie bekommen die Schönste Nase —, ich vielleicht auch. Am ersten November werden wir Schwester Anni heimfckicken. Es ich auch, besser so, setzte er wie in Gedanken hinzu. . i (Fortsetzung folgt)
Kapital dankend angenommen und es zur wei* toten Veranlassung der Schatullverwaltung überwieSen.
— D« deutsche Reichskanzl« in Rom. Rom, 21, März. D« Reichskanzler traf heute Nachmittag in Begleitung des Gesandten v. Flotow hier ein und wurde am Bahnhof von dem Botschaft« v. Jagow, dem preutz. EeSandten Dt. v. Mühlberg, dem bayerischen Gefandten Frhrn. von und zu d« Tann-Ratsamhausen. dem Frei- Herrn Ritter zu Erünstein. dem Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt Fürsten Scafea und dem Generaldirektor des Auswärtigen A^^ tos Bollati empfangen. Der Reichskanzler nahm im Palais Caffarelli Wohnung. — „Popolo Romano" schreibt: D« Befuch bes Reichskanzlers ist für uns die willkommenste Bestätigung b« Unveränderlichkeit der herzlichen Beziehungen und Gefühle zwifchen den beiden Dynastien, Regierungen und Nationen. Der Reichskanzler wird in Rom die Sympathischste Aufnahme ftnben. D« „Messagero" schreibt: Die Reise bes Reickskanzlers habe eine bemerkenswerte politische Bedeutung, weil sie bestätige, welch' enge Bande des Bündnisses unb btt Freundschaft Deutschland und Italien verknüpfen, und den Beweis liefere, daß die Beziehungen der beiden Regierungen ausgezeichnet sind.
— vberpräfident Gras Zedlitz. Der „Staatsanzeiger" meldet: Oberprästdent a. D. Graf Zedlitz-TrÜhschl« wurde zum Mitglied des Herrenhauses auf Lebenszeit berufen.
— Privatbeamtentag. Halle, 21. Marz. Hier fanb heute ein zahlreich besuchter mitteldeutsch« Privatbeamtentag statt. Die nach einer R^>e des Reichstagsabgeordneten CtreSemann ein. stimmig angenommene Resolution betont, bag die Erklärung des Staatssekretärs Dr. Delbrück große Beunruhigung unt« die Privatbeamten getragen habe und fordert, daß das Reichsamt des Innern ein Privatbeamten Versicherung» gefetj auf d« Grundlage der zweiten Regie» ungsschrift noch in dieser Session einbringe.
— Die Schlußabffimmung üb« das Wahl« rechtsgefetz. Der Senioren-Konvent des Abge. orbnetcnbaufes hat sich dahin geeinigt, daß die verfassungsmäßige, wiederholte Beratung und Abstimmung über das Wahlrechtsgefetz am Dienstag, den 12. April, stattfindet.
— Die Verminderung unf«« Kolonialtruppen. Berlin, 21. März. Die „Norddeutsche Allgem. Zeitung" weist auf ben im Februarheft bet „Revue bes Troupes Coloniales" erschienenen Artikel hin, in welchem anläßlich bes in unmittelbarer Nähe bes Eisenbahnbaues ausgebrochenen Aufstandes in der französischen Kolonie Cotedl Voire über bie ver- hängnisvollen Folgen verfrüht« Verminderung von regulären Truppen in den afrikanischen Kolonien Klage geführt wird, und knüpft daran die Bemerkung: Bei dem ständigen Drangen nach Verminderung unfetes Schutztruppenfato verdienen Liefe Erfahrungen auf kolonialem Gebiete ein« so erfahrenen Macht weitgehende Beachtung. ___
— Die Beschießung deutsch« Ballons an der russischen Grenze. Mit Rücksicht auf frühere« Mitteilungen in bet Presse, wonach heutig Ballons beim Hebet fliegen der deutSch-russiSch« Grenze von russischen Grenzsoldaten beschossen worben sinb, dürfte die Nachricht von Interesse
Französisch-Enalische Entente.
r Es Scheint, daß der englischen Regierung demnächst Gelegenheit gegeben werden soll, sich über den Charakter der btitiSch-französtSchen Entente unb die zwischen England und Frankreich für den Kriegsfall getroffenen Abmachungen amtlich zu äußern. Die Frage ist neuerdings in Fluß gebracht durch einen im März- Heft des „Nineteenth Century erschienen Artikel der von Lord ßamington, einem Mlatbeitot des früheren Premierministers Salisbury, her- rührt und der die Behauptung aufftollt, daß zwischen England unb Frankreich ein Abkommen einseitiger Natur getroffen sei. in dem Ginne daß zwar England d« französischen Re- publick zu Hilfe kommen müsse, wenn diese von Deutschland angegriffen werde, daß ab« umgekehrt sich Frankreich nicht verpflichtet habe, England beizustehen, falls biefes von Deutsch. Mttld angegriffen werbe. Vielleicht angeregt ? durch diesen Artikel hat bas Paris« „Journal des Dubais" die Frage gleichfalls behandelt, «nb pvar in einem Artikel, in dem bie Beziehungen zwifchen der auswärtigen Politik Frankreichs unb dem neuen französischen Flottenprogramm unterfucht werden. Das „Jour-- nal bes Dubais stellt fest: Es sei eine der Aufgaben der französischen Flotte, dem englischen Handel, der über bas Mittelmeer zum Suez- Kanal geht, vollstänbige Freiheit und vollkommene Sicherheit gegen alle Gefahren zu gewährleisten und weiter, in Konslittsfällen der französischen und englischen Flaaae bie abfoiute Herrsckaft im Mittelländischen Meere zu sichern. Der Artikel des genannten Blattes «klart dabei. daß England ein Recht habe, diele Dienst- leistunaen von Frankreich zu verlangen. Auf den bedeutsamen Inhalt befes Artikel, hat ein Mitglied des Unterhauses, der Abgeordnete Knies, in einer privaten Mittelung den Premierminister Asguith aufmerksam gemacht unb an ihn bie Frage gerichtet, ob bie Ausführung des „Journal des Dubais" dahin zu verstehen feien, baß ein militärisches ob« maritimes Abkommen zwifcken den beiden Nationen, ohne daß dem Unterbaute bisher davon Kenntnis gegeben märe, getroffen worden sei und ob der Premierminister, falls biefe Annahme zutreffe, in der Lage und gewillt fei, sich darüber zu äußern, ob unb wie biefes eventuelle Abkommen mit den bedeutend gesteigerten Ansord«- ungen für die englische Flotte Im nächsten