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45. Jahrg.

N 68

Zweites Blatt

gtgcn die Klerikalen angetreten hat, sah sich frilb gezwungen, den Kompsg^üsten des inhnn

schnell, sicher, und ruhig sachlich ohne

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sigenlen Flügels der radikalen Partei, der

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(Nachdruck verboten.)

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Ein ausgedehnter Nachrichtendienst hier schnelle und sichere Bekannt« Ttraflamnier« und Schwurgericht?, dc» hiesige« Landgerichts, drN

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Die politischen Folgen der Unter­schlagungen in Frankreich,

Man kann nicht sagen, daß der ungeheure Skandal, der durch die Enthüllung des Liqui­dators Duez heraufbeschworen worden ist. der radikalen Partei und ihrer Sache gerade sehr zu gute kommt. Das Land steht vor den Wahlen.

dem alten Comdes geführt wird, entgegen kommen und abermals zum Kampf zu rufen 6r. et en wohl Aufsichten auf die Wahlen

Lie JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespalt?v.e Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Bug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg. Markt 21. Telephon 55.

8s ift fiit jkdtkMW« ton Wert,

gMiitid tu unserer schnell lebenden Zeit über di« Gescheh-

als ich ihr die Stufe schloß, merkte ich, wie schlecht ihr Herz funktionierte. Mochte immer­hin die hochgradige Erregung etwas schuld daran sein, so hätte es doch der Andeutung von Tiefen= bachs nicht bedurft, um mein geübtes Auge er­kennen zu lernen, daß hier ein Fehler vorlag, entschieden ein Erbteil von der Mutter.

Die Kleine mochte instinktiv emfinden, daß ihr von mir eine warme Zuneigung entgegen­gebracht wurde. Sie wurde ganz zutraulich, und als wir eine Stunde später in das Speise zimmer gingen, war ste ziemlich gefaßt, nur die Augen sprachen noch von den vielen Tränen, die sie heute geweint hatten. Mir war gar nicht banges einem so holden Wesen, wie Anita es war, mußten stch ja die Herzen öffnen, und wenn nicht, nun. dann war ich da, um sie die kurze Zeit zu schützen. Sie hatte mir erklärt, datz sie .Ulf keinen Fall länger als ein paar Wochen bei uns bleiben würde.

Rur einen fürchtete ich Doktor Achinqer, der war nicht durch Liebreiz zu gewinnen. Ich wollte es ihm aber schon gelegentlich beibringen, daß unsere neue Hausgenossin nur als Gast zu betrachten sei. Die beiden anderen Schwestern waren schon im Zimmer, als ich mit Anyi k7n- Irat.

Schwester Hedwig stand am Eßtisch und füllte die Suppe auf. Schwester Luise kam uns ent­gegen. ich stellte meinen neuen Schützling vor uni die drei Frauen reichten sich die Hände, wo­bei ich mich innerlich amüsierte über Schwester HÄrwigs ölige Empfangsworte. Sie beeilten sich ja beide, eine liebenswürdige Seite herauszu­kehren. ob sie es aber ganz ehrlich meinten, weiß ich nicht. Ich fing hinter Annis Rücken einen halb spöttischen, halb abfälligen Blick auf, der aus de« matten Auge« Schwester fiebmtgs üb« be* Tffch zu der Jüngere» hinüberflog. .

tionalwahlen die Mißbräuche des gegenwärtigen Wahlsystems bereits zur Diskussion stehen, fallen di« Liguidattonsflandale auf doppelt frucht­baren Boden. Wenn man bisher annahm, datz die bevorstehenden Wahlen den Radikalen zwar etwas Eintrag, aber den Klerikalen keinen und den Sozialisten nur Nutzen bringen würden, so erscheint es numnher nicht ausgeschlossen, daß au h dieKlerikalen gewinnen. Indes kann zurzeit niemand beurteilen, ob die Gewinne der an­deren Parteien an den jetzigen Mehrheitsver­hältnissen viel ändern werden.

Dann erklang auf dem Korridor ein fester, energischer Tritt. Anni schreckte sichtlich zusam­men, sie sah ängstlich gespannt nach der Tür, mir selbst klopfte das Herz ein bißchen, als Doktor Achinaer nun über die Schwelle schritt. Er trat schnell an den Tisch heran und sagte eine flüchtige Entschuldigung, falls wir schon auf ihn gewartet hatten; an die erwartete Hausgenossin dachte er gar nicht mehr. Erst als ich mit Anni in den Lichttreis der Lampe trat, blickte er gleich­gültig auf.

Ach so er hielt inne, sein Blick blieb an dem Gesicht des jungen Mädchens haften, etwas wie Staunen und Bewunderung malte sich in feinen Zügen.

Anni war errötet. Zaghaft blickte sie zu ihm auf. Ob der Mann wohl ahnen mochte, was im Herzen des armen Kindes vorging, das hier so ganz allein unter lauter Fremden stand?

Ich heiße Sie als unsere neue Hausgenossin willkommen, sagte er langsam, indem er ihr die Hand reichte, und hoffe, daß Sie gern bei uns fein werden, dann, mit einem halben Lächeln nach mir herüber: Ich gratuliere Ihnen, Schwe­ster Marie, Sie haben sich ordentlich ein Stück holde Jugend ins Haus geholt.

Ich triumphierte. Bei Tisch saß Anni dem Doktor gegenüber und ich bemerkte, daß sein Blick oft, sehr oft. fein liebliches Gegenüber streifte. In den grauen Augen stand ein war­mes, mitleidiges Leuchten. Er war heute gar niibt wie sonst, er plauderte lebbaft von diesem und jenem., sfetst schien es, als brauchte ich mir keine Borwürfe zu machen, wenn ich an jene kleinen Uebertreibungen dachte, die ich mir heute auf dem Wege vom Bahnhofe, angesichts der gläubigen Kiuderaugen hatte zuschulden kom­me« lassen. Der Fremde,. der plötzlich herein­geschneit wäre ,f» bett Meinen Kreis, der an

zuteil werden, ermöglicht auch »ach««,. Die Berhanblunge»

Marburg

Dienstag, 22. März 1910.

andere Momente und Fragen in den Vorder­grund, die der radikalen Partei keineswegs an­genehm sind, wie die Frage der Proporttonal wähl und die Steuern.

Der jetzige Skandal lätzt nun allerdings die taktische Lage gerade in bezug auf die Wahl­frage als etwas verändert erscheinen. Er liefert den radikalen Gegnern ein in jeder Hinsicht wundervolles Material. Man ist versucht die Frage zu stellen, ob nicht di« Entdeckung dieser Unterschlagungen gerade in dem jetzigen Zeit­punkt durch irgendwelche mit den bevorstehen­den Wahlen zusammenhängende Machinationen bedingt sei. Daß von den konfiszierten Milli­arden ein großer Prozentsatz in allerlei mehr oder weniger polittschen Taschen verschwunden ist, war feit langem bekannt. Die Gegner der Radikalen werden es sich haben angelegen sein lasten, alles Material, besten sie habhaft werden konnten, sorgfältig zu sammeln, um noch vor den Wahlen den Skandal ausbrechen zu lasten. Sei dem. wie dem sei, polittsch beabsichtigt oder sirkcht,' die Enthüllung wird jedenfalls bei den Wahlen eine große Rolle spielen. Frankreich ist mit feinen parlamentarischen Zuständen keineswegs zufrieden. Man hat bei zu vielen Gelegenheiten gesehen, wie enge dieser Parla­mentarismus mit den Geschäftsinteresten einiger Cliquen zufammenhängt, wie viel in der Be­handlung der Sachen persönliche Vorteile von Parlamentariern, ihrer ProtSgös oder ihrer Protektoren mitspielen. Man weiß auch, daß all dies trotz aller schönen programmatischen Worte unter der radikalen Partei seit Panama und Dreyfus um kein Haar bester geworden ist. Frankreich hängt aber so sehr an den gro ßen Worten ,die so kunstvoll gehandhabt werden und sich mit diesem Parlamentarismus so gut vertragen, daß trotz aller Einsicht in die parla­mentarische Korruption eine gegen das Parlt- ment gerichtete Bewegung nicht zustande kommt. Deswegen muß stets den ganzen Unwillen, den solche Skandale auslösen, nicht der Parlamen­tarismus als solcher, sondern die gerade an der Regierung befindliche Partei entgelten. In der Bewegung für das Proporttonalwahlrecht kommt viel von dieser Mißstimmug zum Aus­druck. da man glaubt, daß diese Erscheinungen des Parlamentarismus in dem Wahlrecht be­gründet sind. Da nun in der Frage der Propor-

Die radikale Partei hat bisher alles mögliche getan, um die Kirchenfrage, unter deren Zeichen sie in dem letzten Wahlkampf gesiegt hat, aber­mals in den Vordergrund zu schieben. Sie lat aus diesen Gründen einige intransigente Aeuße- rurgen einzelner Bischöfe freudig begrüßt und nach Kräften ausgeschlachtet. Briand, der sein Ministerium mit Worten des Friedens auch

Ausland.

** König Peter reift. Belgrad, 19. März. Die Route für die Fahrt König Peters von Petersburg nach Konstantinopel ist neuerdings dahin abgeändert worden, daß sich der König nicht über Belgrad, sondern über Moskau, Kiew und Reni donauaufwärts bis Somovit und so­dann über Sofia nach Konstantinopel begeben wird.

** Aus Bulgarien. Sofia. 19. März. In­folge der Rustschuker Ereignisse verhandeln die Rationalisten, die progressiven Liberalen, die Radikalen, die Demokraten unb die Sozialisten über die Bildung eines oppositionellen Blockes zur gemeinsamen Bekämpfung der Regierung.

** Bergarbeiterstreik in Amerika. Cincin­nati. 20. März . Die vereinigten Bergleute von Amerika erteilten dem Lohnkomitee der Zentral­staaten die Ermächtigung, unter allen Beding- unaen eine Einigung mit den Bergwerksbesitzern herbeizuführen, nur dürfe auf die Forderung nach einer Lohnerhöhung nicht vollständig ver­zichtet werden. Dieser Beschluß ebnet den Weg zu einem Uebereinkommen.

** Die Reinigung der griechische« Arm«. Athen. 19. März. Die Blätter veröffentlichen ein von 200 Offizieren an den Kriegsminister gerichtetes Gesuch, in dem neuerlich die Reinig­ung der Armee verlangt wird.

von

mo­de» ver-

fenem Abend um der. runden Tisch in unserem Eßzimmer saß, hätte wirklich glauben können, hier wohne das wahrhafte Glück. Die Fenster waren geöffnet, draußen hörte man den warmen Regen herniederrauschen, drinnen ein fröhlicher Plauderten; die gelbe Flamme der Lampe fang leise. ,

Achinger war mir nie ganz unsympathisch gewesen, ich hatte ibn immer verteidigt, wenn' die anderen ihn schalten, trotzdem sie manchmal nicht ganz unrecht batten; heute wußte ich, daß mein Idealismus diesmal recht behalten hatte. Er war ein guter Mensch, trotz der Eiswände,; hinter denen er sich verschanzte; oder kann der schleckst und hart sein, der ein wundes, heimweh­krankes Herz versteht und ibm ganz unmerklich und zart ein neues, trautes Heim zeigt?

Schwester Hedwig konnte es sich allerdings nicht versagen, zum Schluß einen Mistklang hineinzubringen und mit allerlei Fachsimpe- j leien zu kommen; wie nun alles werden würde, es mußte doch alles anders eingeteilt werden/ und wie und wo Anni ihr Werk zuerst angreifen sollte, na, weitläufig und erbaulich, wie Schwe­ster Hedwig immer war.

Aber unser Chef schnitt ihr das Wort schroff ab: Wir batten ja* allerdings schon oft Ge­legenheit. Ihre unermüdliche Tüchtigkeit zu be­obachten, Schwester Hedwig, sagte er mit scharfer Ironie; aber jetzt, in der Nacht noch Schwester- Anni einen Krankenpflegekursus erteilen $e wollen, erscheint mir doch ein wenig übereifrig.' Ich glaube, unsere neue Hausgenossin wird et uns bester Dank misten, wenn wir ihr jetzt 6e« leaenhett geben, sich von derReise und den neue» Eindrücken gründlich auszuruhen. Damit erhob' er sich, wünschte uns Gute Nacht und verließ Mr Zimmer.

(Fortsetzung folgt.)

Ausschlag gegebrn haben. Das mag ganz standliche und fluge Taktik der radikalen Partei gewesen fein. Spielt die Kirchenfrage bei den Wahlen nicht die Hauptrolle, so kämen dadurch

nen am 23., 24. ober 26. März beim Hauptmelde­amt, Frankfurierstraße 6% (Zimmer Nr. 10 und 11) wahrend der Zeit von 8 Uhr vormittags bis 7 Uhr nachmittags ihre Kriegsbeorberungen ober Paßnottzen unter Ablieferung ber bisherigen in Empfang nehmen. Die nicht abgeholten Kriegsbe­orderungen und Paßnottzen werben in der Zeit vom 29. bis 31. Mär; in Marburg durch Orbon- nanzen attf-gelrogen und zugleich die bisherigen abgeholt. Die Mannschaften des beurlaubten« standes müssen dafür Sorge tragen, daß ihnen bi* Kriegsbeorberungen bezw. Paßnotizen ohne Ver­zögerung an biefen Tagen ausgehänbigt werben können. In ben Orten, welche zu dem Orisbe- stellbezirk Marburg gebären, erfolgt die Zustellung wie seither durch die Bürgermeisterämter.

* Vortrag. Heute (Montag) Abend, 8V2 Uhr, findet im Saale des Hotels Freidhof ein vom hie­sigen Naturbeilverein veranstalteter Vortrag des Herrn Raturheilpraktikers Bruno Köhler statt über das Thema:Kinderkrankheiten" (Scharlach, Ma­sern, Diphtherie usw.) Rack dem Vortrage event. Diskussion. Auch Nichtmitglieder sind freundlichst eingeladen, und bürste dieser Vortrag von fetten eines alteren Praktikers, ber über reiche Erfah­rungen auf diesem Gebiete verfügt, manche wert­volle Anregung bieten. Näheres siehe int Inse­ratenteil.

* Billige und schnelle Poft «ach Amerika. Die nächste Briefpost nach Newyork ist gleich­zeitig eine schnelle und billige Gelegenheit für die Beförderung von Briefen nach Abgang der Post von Köln am 18. über Queenstown. Die 10 Pfg.-Briespost geht am 22. früh von Bremer­haven mit dem fälligen SchnelldampferKaiser Wilhelm II. Der Dampfer ist am 29. Marz in Newyork fällig. Die letzten 10 Pfg.-Briefe gehen in der Nacht vorber von Hannover 3.47, von Osnabrück 3,27, von Bremen 3,00 Uhr. Rach- ! versande zu dem Dampfer mit allen anderen ' Arten von Briefsendungen gehen am T? abends 6,01 von Köln nach Southampton. 10,45 nach Cherbourg Sendungen, die auch bielt An. schlüste versäumen, gehen am 23 früh 4.27 von Köln nach Queenstown. Eie werden dort mH dem fälligen Dampfer der White Star-Linie be. fördert, der von dort am 24 abgebt und am 30. ober 31. März in Newyork fällig ist.

* Warnung vor Tuchhiindferr.. Seit einigen: Tagen wird der vordere tnsrüÄ von Hauste, rern mit Anzugstoffen sehr viel besucht. Mei- stens wird der fünf- bis zehnfache Wert für die Ware (meist f»genannte Reste) gefordert. Die Käufer erhalten bann, wenn sie sich auf Han­deln verstehen, die Ware kn ber Regel zu Spott. ' preisen. Bei genauem Zusehen finben die Käufer dann, daß die Ware selbst geschenkt za ' teuer ist und nicht mal ben Macherlohn wert ist. Ein Bewohner de? vorderen Hunsrück zahlte für einen solchen Rest 21,50 <</., ben derselbe Händler bei einer anderen Famlie für 4,50 Jt losschlug Diesem Manöver fielen auch noch viele andere Familien zum Opfer. Im Inkeresie. ber Allgemeinheit wird vor diesen Schwinde­leien gewarnt.

-Bezirk bekanntlich die Kreise Marburg, Kirchl .Frankenberg, Ziegenhain und Homberg umfaßt, tvc; iben ebenfalls in der »Oberhesstschen Zeitung", soweit 'sie Interesse beanspruchen könne«, in objektiver Form Mitgeteilt.

Unsere Neueinrichtung, akwelle Ereignisse so schnell Wie febe größere Zeitung im Bilde oorzuführen, hat große« Mnklang gefunden und wird auch wettet beibehalte» , werden. _____________________________________

Die UnterhaltungsbeilageNach Feierabend" wird in ben meisten Fallen zweimal wöchentllch beigelegt Werden und wie bisher spannende Romane und Er- zshlungen bringen, damit in noch größerem Maße für llttterhaltungS-Lesestoff gesorgt ist

Di« eigen? für unsere Gegend bearbeiteteLa«d- Wirtschastliche Beilage" unterrichtet über alle Frage« des Gartenbaues und der Landwirtschaft.

Ran abonniert auf dieOberbessische Zettnng7 bei allen Postämtern für 2 M. 25 Pfg., bei der Expedition (Marburg, Markt 21) und den ZeitungS- ' stelle- für 2 M. vierteljährlich.

Ne« zugeheude Abonnenten erhalten dieOber» hessische Zeitung" bi- zum 1. April gratis zugestellt. Weschiiftsstell- derOberbessischen Zeitung"

Markt 21.

DieOberhessische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn, und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 226 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 2 iX.

wefter Anni.

Erzählung aus dem Leben einet Diakonisse. Von P. Wilhelmy.

(Fortsetzung.)

. Wieder bedurfte es eines langen Zuredens meinerseits, bis sie mir endlich folgte. In mei­nem Zimmer schien sie sich wohler zu fühlen. Ich selber liebte eine freundliche, geschmackvolle Um­gebung und hatte den beiden kleinen Räumen, die mir zur Verfügung standen, ganz den Stem­pel meines eigenen Wesens aufgedrückt. Da standen alte Stücke von dem Hausrat meiner Eltern in friedlicher Gemeinschaft mit modernem Zierkram, sogar ein großer Schaukelstuhl machte sich am Ofen breit. Ich freute mich, daß ich am Morgen ordentlich im Garten geräubert und alle Schalen und Basen mit ben letzten Herbstblumen gefüllt hatte. So wurde der scharfe Karbolgeruch ' vergessen über dem Duft der sterbenden Kinder des Sommers.

Meine junge Schutzbefohlene mußte nun ihr Reisekleid mit dem vorgeschriebenei« grauen An- ftaltskostüm vertauschen. Es wollte mir absolut nicht gelingen, die Haarfülle unter dem kleinen weißen Häubchen festzuhalten; immer wieder drängten sich fürwitzige, goldene Löckchen hervor. So zart sah ste aus, daß man sich des Gedankens, daß die kleine Anita entschieden nicht zu dem für sie ausgewählten Beruf paßte, nicht er wehren konnte; ihre Tante mußte in der Tat fe6t hart fein, und hatte es auch sicher nur ihren Verbi «düngen mit unserer Oberin zuzu- fchreiben, datz Anni überhaupt angenommen werbe« war.

Wir können nur starke, energische Menschen teawhen; Anni war wähl beide» nicht. Semi

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Originalartttel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Qberheff. Ztg." gestattet.)

Marburg, 21. März.

* Militärisches. Ende Mär; werben wieber neue Kriegsbeorberungen «nd Paßnottzen ausge gebcn. Die Mannschaften des Beurlaubtenstan­des tverden deshalb auf folgendes aufmerksam ge­macht: Me Kriegsbeorberungen «nd Paßnottzen werden nicht wie bisher durch die Bürgermeister­ämter, sondern jepem einzelnen bireft durch die Post zugestellt. Die Empfangsbescheittigung (Post­karte), 'welche ber Kriegsbeorbenmg bezw. Paß notiz beiliegt, ist nach Unterschrift am 1. April durch die Post an das Hauptmeldeamt zurückzusen den. Die Posttarte (Quittung) muß von dem Post­amt abgestempelt fein, zu welchem der Wohnort des Empfängers gehört. Die in Marburg woh­nenden Mannschaften des VeurlaubtenstandeS kön-

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Illach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

-Hetze unterrichtet zu werden.

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