mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.«
Jti 68
Tic „Obrrheinkchc Zeitung" erjcheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Beuuggprat« beträgt viertel, jährlich durch die Post bergen 955 X (ohne Bestellgeld>, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 X.
Marburg
Dienstag, 22. März 1910.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zette oder bereu Raum 16 Pfennige, für Reklamen BO Pfennig«. — Druck und Verlag: Joh. klug. Rod), UniversitätS-Buchdruckeret Inhaber Dr. T. Hiheroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
45. Jahrg.
Erstes Blatt.
Der Reichskanzler in Rom.
Der Reichskanzler von Bethmann Hollweg ff am heutigen Montag in Rom eingetroffen enb wird sich ungefähr acht Tage dort aufhalten. Er handelt fich hier in erster Linie um einen Höflichkeitsbesuch, wenn man will um einen An. Lrittsbesuch. Seit Herr von Bethmann Holl» weg die auswärtige Politik im Deutschen Reich« teilet, hat er noch nicht Gelegenheit gehabt, die Bekanntschaft der italienischen Staatsmänner zu Wachen und fich dem Monarchen des verbündeten Italien vorzustellen. Das geschieht nunmehr, »nd kedilich darin, in dieser Fühlungnahme liegt die politische Bedeutung des Besuches. Es find zur Zeit weder zwischen Italien , und Deutschland, noch in der internationalen Politik Fragen aktuell, die Konferenzen zwischen deutschen und italieni- scheu Staatsmännern eine hochpolitische Bedeutung in einer bestimmten Frage verleihen könnten. Wenn auch die österreichisch-rusflschen Verhandlungen ganz Europa interesfieren, so handelt es fich doch dabei nicht um ein di« poli. tische Situation irgendwie umgestaltendes Ab» kommen, sondern lediglich um die Wiederher, pellung von Beziehungen, die in der letzten Zett nicht mehr normal gewesen find. Auch aus dem Balkan ist es trotz der für Bandenunruhen günstigen Jahreszeit erfreulicherweise vorläufig ruhig. Die Äaskankörige find auf Besuchsreisen begriffen, und bei diesen Besuchsreisen handelt r§ fich mehr um kleine Eitelkeiten und Prestige- ^agen gewisser Persönlichkeiten, al» um neue Kombinationen. Die Dreibundfrag« ist eben« wlls nicht aktuell. Die Erneuerung de» Drei- Bundes wird erst in einigen Jahren zur Dis- kusfion gestellt. In Italien, wo man fich in den letzten Jahren an eine so heftig« Anteil, «ahme der öffentlichen Meinung in der Dret- bundfrage gewöhnt hatte, ist er inzwischen recht still geworden. Es hat eine gewisse nüchtern« Beratung der wirklichen Sachlage und der fak- lisch«» Interessen Platz gegriffen, die dem Drei, -und und auch der italienischen Politik zugute ßommt.
Die großen Phrase» brauchen fich eben auch Ab, zumal wenn es ans Tageslicht kommt, daß «nter der patriotischen Gebärd« sich di« übelst« 'Korruption versteckt. Wenn die Italiener so lun, als wäre das Bündnis eine ihnen unbequeme Feste!, die sie entbehren können ,so ist da» Nichts weiter als, wie man hier sagen würde, din Bluff, der nur gewagt wird, weil sie sich im Schutze dieses Bündnistes eben so sicher fühlen. Es gibt Leute, die der Ansich find, daß die italienische Diplomatie sich ohne dies Bündnis viel weniger Extravaganzen erlauben und sich na» knentlich nach Wien einer weit peinlicheren Höf. lichkeit befleißen würde.
Man kann mit Sicherheit annehmen, daß der Reichskanzler, der neulich im Reichstage gesagt hat. er kenne keinen ärgeren Vorwurf gegen die Führung der auswärtigen Politik als den der Schwäche, in Rom nicht in den Fehler verfällt, de» Eindruck zu erwecken, als bedürfe Deutschland der italienischen Freundschaft. Wenn die. ftt Eindruck vermieden wird, so kann die enge Fühlungnahme des Kanzlers mit den italienischen Staatsmännern nur gute Folgen haben.
Politische Umschau.
Anftalte, mit Reformlehrplänen bestehen jetzt, im Jahre 1910. 105. davon 6 nach Altonaer, die übrigen nach Frankfurter System. Bon diesen Anstalten find 18 staatlich und 87 «icht staatlich. Darunter 24 Gymnasien. 8 Progymnasien. 63 Realgymnasien und 17 Realpro. gymnafien. Daß die Gesamtzahl (108) höher ist «l» die Zahl 105, kommt daher, daß mehrfach, bei Aber 50 Anstalten, verschiedenartige Schularten «niteinander verbunden sind. Solche Berbin- dungen bestehen bei 8 Oberrealschulen und 48 Realschulen.
Bon de» Mädchenschule» waren am 1. März 1910 361 als höhere Lehranstalten anerkannt, davon 170 öffentliche und 171 private. vor der Neuordnung gab es 892 als höhere Lehranstalten bezeichnete Anstalten, darunter 310 öffentlich« und 582 private) es verbleiben also als gehoben« Mädchenschulen unter der Regie- kung 468 Schulen, darunter 107 öffentliche und •61 private. An weiteren höheren Bildungs- gnstalten find vorhanden 201. davon 118 öffent- Ache und 83 private. Frauenschulen 28 öffent« Ache und 44 private, 96 höher«'Seminare, dar« «nter 63 öffentliche und 33 private. 33 Stüdien- Nnstalten, darunter 25 öffentliche und 8 private.
Roch in Berhandlung find 10 höhere Bil. bungsanstalten, darunter 7 öffentliche und 3 private. Sie setzen sich zusammen au» 9 höheren
Seminaren, darunter 6 öffentlichen und 8 privaten. und einer öffentlichen Studienanstalt.
Bon den Bolksschuffeminaren find 21 nicht- staatlich, darunter 10 öffentliche und 11 private. 17 find staatlich, darunter 7 für evangelische und 10 für katholische Zögling«. r,
Herr ». Verlach ’ -
sendet nnS folgend« Berichtigung:
I. In Nr. 63 Ihres Blattes schreiben Sie, Herr v. Verlach laste seit Monaten von Dorf zu Dorf geharnischte Resolutionen gegen die „Pfaffen' fasten. Diese Behauptung ist unzutreffend. In keiner einzigen der von mir oder meinen Freunden veranstalteten Versammlung ist im Wahlkreise Marburg das »ort Waffen in Reden, geschweige denn In Resolutionen gebraucht worden.
H. In Ar. 63 behaupten Sie, die von der Demokratischen Bereinigung am 13. Mär, in Berlin veranstaltete Versammlung, in der ich sprach, sei mit einem Hoch aus die Sozialdemokratie geschlossen worden, ohne daß ich gegen diesen Schluß der Bersammlung protestiert hätte. Di« Bersammlung ist jedoch von dem Borsitzenden mit einem Hoch auf daö gleiche Wahlrecht gefchlosten worden, worauf die Versammlung mit einem Hoch auf mich ant- wartete. Ich hatte als» keinen Anlaß, zu protestieren.
Selbstverständlich nehmen wir jederzeit auch ohne Hinweis auf den i 11 des PreßgefetzeS fach- lich« Berichtigungen auf, selbst wenn sie von Gegnern kommen, di«, wie Herr v. Gerlach, unS stän- dig — gelinde gesagt — beschimpfen. Fetner bemerken wir zu
I. Herr v. Gerlach hat Recht, den Kamps gegen die „Pfaffen' führt er in Berlin, der würde auch In Marburg, wo Herr v. Gerlach noch immer auf die Unterstützung des Zentrum« hofft, recht unangebracht sein. Den Ruhm eine« geschickten Agitator« aber wollen wir ihm nicht streitig machen. Interessanter und bedeutungsvolle, wäre eS aller- ding« gewesen, wenn Herr von Gerlach die Sin- schräukung „tm Wahlkreise Marburg' au« seiner Berichtigung fortgelassen hätte, und wenn er etwa versichert hätte, daß ihm der Kamps gegen die .Pfaffen' überhaupt fern lieg«. Dann wäre e« wirklich «ine Berichtigung unserer Bemerkung in Nr. 62 gewesen, in der wir geschrie- den hatten: .Seit Monaten läßt Herr von Gerlach von Dorf zu Dorf geharnischte Resoluttonen fassen gegen .Junker', .Psassen', gegen die „Dteiklaflen- fchmach' und «och einige« ander«.' Schon der Schluß .und noch einig«» andere' zeigt deullich — und Herr v. Gerlach wird da« gewiß auch finde«, — daß wir die augenblicklichen Hanptan- grlffrpunkte der radikalen Hetze kenn,eichneu wollten. Biff Herr v. Gerlach bestreiten .daß das rich» ttg ist, und daß auch die .Kernwort«' richtig wie» dergegeben sind. Uns geht «8 um die Sache. Wir wolle« doch nicht mit Worten jonglieren. Die Bericht« au« feinen und feiner Wanderredner Versammlungen im einzelnen zu studieren, erläßt uns wohl Herr v. Gerlach. Wir bestättgen ihm also gern, daß wir un« wörllich genommen mit den .Pfaffen' geirrt haben. Herr v. Gerlach greift .im Wahlkreise Marburg »Kirch Hain- Frankenberg' die Pfaffen nicht an!
II. Herr D. Gerlach weiß, — er ist ja selbst Verleger eines Provinzblatte« — daß wir inbetresf dieser Dinge auf die Berliner Berichte angewiesen sind. Unsere Darstellung beruhte auf einem Berichte der .D. Tgsztg.'. Wie den Bericht selbst, können wir natürlich auch nicht die Berichttgung des Herrn v. Gerlach auf ihre Wahrheit nachprüfen. Das einfachste wäre doch, Herr v. Gerlach wendete sich zunächst an t>ie „D. Tgsztg.', die wird in der Lage sein, die Richttgkeit seiner Berichttgung festzustellen. Aber bi« jetzt haben wir in diesem Blatte keine Berichttgung v. G.'S gelesen. Es wär« ja möglich, daß sie unS entgangen wäre und wir wären für Aufllärnng dankbar. Vielleicht kommt sie auch noch. Die Zusammensetzung der Versammlungen der demokrattschen Vereinigung ist ja wie bekannt vom .vorwärts' selbst al« fast rein fozialdemokrattsch bezeichnet worden, so daß die von uns übernommene Rottz von dem Schluß der Bersammlung sehr wohl glaubhaft erschien. Wir bedauern et. wenn falsche Nachrichten über Hrn. v. Gerlach« .Tättgkett außerhalb Marburg«' verbreitet werden, zumal die richtigen ja gerade hinreichen, ihn für unsere Gegend genügend zu charakterisieren. Und gerade W* Tättgkett des Hern v. Gerlach draußen, wo et ungehindert auf Wahlrücksichten (Schonung de« Zentrums und trotz alles LlebeswerbenS um fozialdemokrattsche Gunst auch des nattonalen Gefühls), ist für uns daS reizvolle an ihm. Wir werden dieser Sette seiner Tättgkett stets eine gespannte Aufmerksamkeit widme». Die alten Tiraden über die ganze Sippschaft
von den .Junkern' bis zum Freisinn inkl., gegen Pollzei und Justtz oder auch gegen den s-f-f.Ober- Heß' usw. find wirttich polittsch belanglos und uninteressant.
Deutsches Resch.
- »«such Kaiser Wilhelm» tn «Bien. Wie di« „91. Fr. Pr." erfährt, ist als sicher anzunehmen, daß Kaiser Wilhelm II. die Wiener Jagdausstellung besuche» wird, liebet ben Zeitpunkt diese« Besuche, find jedoch noch keine Be» sttmmungen getroffen. Man erwartet, Kaiser Wilhelm werde im Laufe de» Sommer, kommen, und zwar zu einer Zeit, in der der Freindenzug »och nicht stark ist.
— Ein« Sendung be» Generalobersten o. d. Goltz nach Argentinien. Auf einem Herren- diner, zu dem Freiherr von der Goltz-Pascha al» Präsident der Deutsch-Asiatische» Gesell, schäft vorgestern eingeladen hatte wünschte et in einer Ansprache der Gesellschaft auch fernerhin eine stetig«, gedeihliche Entwickelung. Zum Schluß verabschiedete er sich auf längere Zeit vom Präsidium, da, arte er ausführte, der Kaiser ihn mit einem besonderen Auftrage nach Ar- aentinien entsandt habe. Di« Tatsache, daß der Kaiser einem Mann, wie Exzellenz v. d. Goltz, mit einer derartigen Mission betraut, zeigt, welches Gewicht unsererseits auf die Bezichun- ge« zu Argenttnien gelegt wird.
— Reichstagsabgeordneter Dr. Hermes f. Berlin, 19. März. Der fortschrittlich« Reichstagsabgeordnet« Dr. Hermes, Echtiffführer de» Reichstages und Direktor de» Berliner Aquarium» ist. heut« Nachmittag plötzlich gestorben.
— Zu de« Differenzen zwischen Herrn v. Olden- bürg und de« bayerischen Kriegsminister von Horn erhalte« die .Münch. R. Nacht.' von dem Kriegsministerium folgende Auffchlüffe: t. Die Nachricht, daß eine Forderung be« Krieg«mwistet« durch Herrn v. Oldenburg erfolgt fei, trifft In leinet Weise zu. st. Dem Kttegsministet ist afferdingS zur Kenntnis gebracht worden, daß Herr v. Oldenburg sich durch feine Aeußetungen in der bayerischen Abgeordnetenkammer, fafi« sie so gelautet haben, wir ein Teil der Presse sie brachte, beleidigt fühle. In Voraussicht, daß die« im Reichstage zur Sprache komme, wurde die von dem bayerischen MilttSrbevollmSchttgten zu gebende Antwott feftgelegt. Der Wottlaut der von Generalmajor Gebsattel tot Reichstag verlesenen Erklärung entspricht dieser Festlegung. Im Sbttgen wurde der Militärbevoffmächttgte ermächtigt, die gleiche Snt- wott erforderlichenfalls auch Herrn v. Oldenburg persönlich zu geben. — Die ganze unerquickliche Affäre mit ihrem Nachspiel im Reichstage ist hof- fenüich nunmehr au« der Welt geschasst, nachdem die konservative Pattei auch ihrerseits Herrn von Oldenburgs scharfe Zurechtweisung der Herren Müller und Haußmann verutteilt hat. Andret- settS darf aber das gehässige Verhalten bet Linken, die im Herrn v. Oldenburg nut ein Mittel zu einer Skandalmacherei sieht, nicht verdunkelt werden. Seht zutteffend schreibt die nat.-liberale „Magdeburger Zeitung: „Sachlich hätte der Abg. Müllet selbstverständlich die Aeußetungen Oldenburg? Übet die bayettsche Armee bekämpfen können, aber gerade das hat er nicht getan. Er hat dem Abg. von Oldenburg höhnend nachgefagt, er mfiffe fich durch die Aeußerung des KttegstninistetS be» leidigt fühlen. Et stellte sich alfo in biefem Falle auf einen extremeren „Ehrenstandpuukt* als Ol- benburg selbst: bagegen verlangte er von Oldenburg. daß er fich durch feine, Müllers, eigenen höhnenden Wotte nicht beleidigt fühlen falle. Wer den Zweikampf nicht will, muß di« Beleidigung von Differenzen durch Erklärungen, wie sie gleich- fam zwischen dem bayerischen Kttegsministet und Herrn von Oldenburg ausgetaufcht waren, als ebreitvoll anfeben und darf nicht höhnisch auf den einen Teil weisen: „Du hast eine Ohrfeige gekriegt.' — Der „Reichsbote' sagt: „Leidet ist die Ettahrung nicht neu, daß gerade die radikalen, agi- tatottschen Gttster, welche mit der Ehre de« Räch- sten leichtherzig umspringen, die größte Empfindlichkeit zeigen, wo eS ihre eigene wette und überschätzte Pettönlichkeit gilt. Sie verlangen das Reckt, alles zu verhöhnen und hetabzureißen, und krttschen vor Entttistung, wie die Müller. Haußmann. Wirmer, wenn man ihnen einmal etwas unsanft auf die Zehen tritt. Die steisinnigen Herren mußten wissen, daß Herr von Oldenburg alS Offizier diese schwere Beleidigung Müllet« nicht ruhig hinnebmen, sondern sie zurückweisen tottfle. Gerade deshalb wat e« so ungehörig, daß sie ibn beleidigten und noch viel ungehöriger, daß sie dann schtten, als Herr von Oldettburg ihre Ebtenktän- kung mit ebenbürtiger Münte zurückzablte.'
— D«r Fürsorge fit ehemalige Teilnehmer M be* Feldzüge« 1864, 1866 **b 1979/71 hat.
wie die Borstände der einzelnen Landesverei» vom Roten Kreuz, auch da, Zentralkomitee bet Deutsche« Vereine vom Rote« Kreuz ein« besondere Aufmersamkett zugewendet. Mit Bardet- Hilfen zur bessere« Pflege ihrer Gesundheit sind allein im Jahre 1908 2047 Veteranen unter» stützt worden. Die Zahl derjenigen, welche unentgeltliche Brunnen- und Badekuren genösse« haben, ist in letzter Zeit forffchreitend gewachsen. Sie betrug im Iahte 1904 im ganzen 59, iw Jahre 1908 zusammen 284. Fortgesetzt wird a« der behaglichen Ausstattung der in Kisstngen, Ems und Wiesbaden bestehenden Veteranenheime vom Roten Kreuz gearbeitet. So wurde« im Berichtsjahre 1200 dem Zentralkomitee meist kostenlos überwiesene Bücher dorthin gesandt zur Vergrößerung der schon früher gegründeten Bibliotheken.
— Ausbau der Invalidenversicherung. Bekanntlich lieg es im Plane der Reichsversiche- rungsordnung. den Kreis der gegen Krankheit versicherten Personen mit dem der gegen Invalidität versicherten möglichst gleich zu machen. Rach dem Jnvalidenversicherungsgesetz sind gegen Invalidität versicherte Personen, die al« Arbeiter. Gehilfen Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten gegen Gehalt oder Lohn beschäftigt werden. Bon diesen Personen unterliegen der Krankenverficherungspflicht bisher nicht: die land- und forstwirffchaftlichen Arbeiter. Dienstboten. die unständigen Arbeiter, deren Arbeitsvertrag auf kürzere Zeit al» eine Woche geschlossen ist. ohne daß die Verhältnisse von vornherein di« Erneuerung des Vertrages über eine Woche hinaus wahrscheinlich machen, alle im Wandergewerbe beschäftigten Personen, zahl- reiche Arbeiter, Gchilfen, Gesellen und Lehrlinge, die in nicht gewerbsmäßig sich vollziehenden Bettteben beschäftigt sind, die niederen Kirchenbtt>iensteten Schuldiener, Pförtner, Hetzer, Köchinnen und sonstige» Personal in de« dem Unterricht und der Erziehung gewidmeten Anstalten, die in nicht versicherungspflichtiqe« Betrieben gege» Entgelt beschäftigten Insasse« von Atbeiterkolonien. die Bediensteten von sonstigen nicht auf Erzielung eines Ueberschusses gerichteten Mohlfahrtseinrichtungen, die von Beamten beschäftigten Hilfspersonen, Wäscherin«, nen. Plätterinnen. Näherinnen, die in de« Wohnunaen ihrer Kunden arbeiten. Bedienstete in bet Flößerei, der Prahm- und Fahrt 'riebe, sowie beim Schiffsziehen, Führer von Kraftwagen und Kutscher sonstiger Fahrzeug«, soweit diese nicht gewerblichen Zwecken dienen, Gehilfen und Kutscher von Aerzten und Zahnärzten, sowie schließlich die bezahlten Pfleger. Pflegerinnen, Wätterinne«, soweit sie in den Gemeinden ober in öffentlichen Krankenhäusern. Universitätskliniken und ähnlichen, keinen Gewerbe- bettieb darstellenden Anstalten sich bet Krankenpflege widmen. Sie alle, sowie die Hausgewerbe, treibenden sollen der Krankenversicherung-- pflicht nunmehr unterstellt werden.
— Die Zunahme der Aerzte. Die Anlagen zu dem fetzt im Reichstag« zur Verteilung ge- langten Entwurf einer Reichsversicherunasord. nunq enthalten eine Fülle interessanten Mate, rials. Go ergibt fich zum Beispiel aus der bei» gegebenen Aerztestattsttk. daß die relative Zunahme bet Zahl bet Aerzte gegenüber bet Zunahme bet Bevölkerung in einzelnen Gegenden ganz enorm ist.
— Frauenstimmrecht in bet kommunalen Ar- menpffege. Dessau, 18. März. Der anhalttsche Landtag nahm Vie Regierungsvorlage bett. Abänderung der AusführungSbestimmungen zum Untetttützungswohngesetz an. Danach wird den Frauen das Stimmrecht in bet kommunalen Ar- menpflea« verliehe«.
— @ht Probe vo« Loyalität der Elsatz-Loth- ttnger liefert, bet „Tägl. Rundsch.' zufolge, et« «elterlicher Vorfall in Metz. Der dortige Garde- Verein batte vor einigen Tagen Einladungen au seine Mtglteder geschickt, in denen alS ein Pttnkt zur Tagesordnung genannt war, „Besprechungen über die Feier de« 40jähttgen Jubiläums'. Al« Antwort darauf erhielt der Gardevetttn einen eingeschriebenen Brief, in welchem zwei Mitglieder ohne weiteres ihren Austritt aus dem Verein erklärten, die zugleich Mitglieder beS „Souvenir Fran^aiS' sind, vo« denen einer fogat eine führende Sofft als Filialvotsitztnder führt. Die deuffche Totenfeier alfo gab den Austrittsgrund. Dieser Einspruch gegen die deuffche Erinnerung«« feier ist recht lehrreich.
— Verurteilter Hetzet. Das Landgettcht Braunschweig verurteilte den „Braunschw. R. R.' zufolge be« Redakteur Wesemever des fozialdemokt» fischen .Bolksfreund' in Braunschweig Wege« Beleidigung deS btaunfchwttgischen StaatSmini- sters Dr. von Otto zu acht Monaten Gefängnis, Die Beleidigung wurde in mehreren Artikeln ge»' fanden, die anläßlich bet am 26. Januar stattge- babtett polizeilich unterdrückten WahlrechtSdenum- ftrgfione« in dem genannten Blatte erschienen sinh,