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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

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TieObertwiftschr Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezuggprei» beträgt viertel­jährlich durch die Poft bezogen 8 25 Jl (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

Marburg

Sonntag, 20. Minz 1910.

Die Jnserttonlgebühr beträgt für die Tgefpal'enc geile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Job. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Erstes Blatt

Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.

i Die Tätigkeit des Abgeordnetenhauses bis zu den Osterferien.

Die Erregung, welche die Finanzreform tm Gleiche in die Bevölkerung hineingetragen hatte, Ist in Preußen durch die von der Thronrede an- tzekiindiste Reform des Wahlrechts abgelöst, wenn nicht gesteigert worden. Selbst da, wo sich bei der gesetzgeberischen Tätigkeit unseres Ab­geordnetenhauses keinerlei Zusammenhänge mit der Wahlresorm ergaben, wurden ste von der Agitationspresse künstlich hineinkonstrutert und dadurch das Interesse der Bevölkerung von den Beratungen der preußischen Volksvertreter über Fragen, deren endgültige Lösung einzelne Be­rufsstande maßgebend beeinflussen wird, abae- lenkt. Die Etatsberatungen haben erklär­licherweise auch in dem hinter une liegenden Tagungsabschnitt wieder den größten Teil der Sitzungen in Anspruch genommen. Der Abge- odnete v. Pappenheim wies bei der allgemeinen Besprechung auf die dauernd fallenden Ein­nahmen aus den Betriebsverwaltungen und namentlich aus der Bergverwaltung hin und »erlanate die Einsetzung einer Sachverständigen, kommisiio« zur lln'ersuchung der Ursachen di*, ses Rückganges: nicht durch neue Steuern, son­dern durch Hebung der Betriebsverwaltungen und äußerste Sparsamkeit müsse man zur Ge­sundung der Ftnanzverhältnisie gelangen. Bei Beratung des Landwttschaftsetat, trat der Ab. geoduete v. Kessel für die Revision der länd­lichen Bauordnung, für scharfe Abwehrmaß. regeln gegen die Einschleppung der Klauenseuche für größeren Schutz des Obstbaues usw. «in. Abgeordneter Kuntze bemängelte die unzureich­enden landespolizeilichen Vorschriften zur Ver­hütung der Verbreitung der Pferdebrustseuche, und Abgeordneter Dr. Hahn führt« die schon seit langem zwischen dem Bund der Landwirte und dem von der nattonalltberalen Abgeordneten Wachhorst de Wente und Wamhoff begründeten Bauernbund" notwendig gewordene Ausein­andersetzung herbei. Beim Zolltarif wollte der Bund der Landwirt« den Doppeltarif für alle landwirtschaftlichen Produkte, um einer nur Körnerbau treibenden Gegend dieselben vor. teile zuzuwenden, wie einer Viehzucht treiben, den. Der Mangel an Schuh für di« Schweine, und Pferdezucht, sowie für den deutschen Wein- und Gartenbau habe den Bund d«r Landwirte veranlaßt, nicht für den Zolltarif zu Kimmen. Beim Forstetat wurde die äußerst wichtige Ent- waldungsfrage behandelt und Maßregeln ge­fordert, um den Entwaldungen großer vesttz. ungen entgegenzutreten. Weiter führte man darüber Beschwerde daß bei den Abholzungen nicht genug Brennholz für den kleinen Mann eingeschlagen werde, sondern überwiegend nur Bauholz. Beim Iustizetat beklagte man daß heute so oft wegen Unzurechnungsfähigkeit des Angeklagten das Verfahren eingestellt werde oder gar Freispruch erfolge. Roheitsverbrechen

Eine Alleinfahrt im BallonSchwaben".

lieber seine von Stuttgart au« unternom­mene Führerfahrt hat Herr Leutnant Karl Iusti aus Marburg, bekanntlich Mitglied des Fahrtenausschuffes auch des Kurhess. Ver. f. Luftschiffahrt, intSchmäh. Merkur" einen an­ziehenden Bericht erstattet, der freundlichst auch uns zur Verfügung gestellt wird.

T«r BallonSchwaben" ist Eigentum der Ballonfabrik Riedinger, wird aber als Ballon des Augsburger Vereins für Luftschiffahrt ge­führt. Er faßt 780 Kubikmeter. (Der Ballon .Marburg" 1260 Kubikmeter,) und wiegt 320 Kilogr. Seine bisher größten Fahrten, geführt von Herrn A. Riedinger ft., waren von Gerst­hofen (bei Augsburg) nach Martinitz, 70 Kilo­meter südlich von Prag und von demselben Aufstiegplatz nach Kolditz. Beide Landungs­plätze sind etwa 330 Kilometer von Gersthofen Entfernt, und die Strecken wurden von dem Ballon in 15 bezw. 16 Stunden zurückgelegt. Am Sonntag, den 20. Februar, 10.40 vorm. stieg derSchwaben" zum 20.mal in die Lüfte. Er hatte bereits 15 Wasserstoff- und 4 Leucht­gasfahrten hinter stch.

So ganz allein eine Luftreise anzutreten, ist ein eigenartiges Gefühl. Aber gerade darin lient ein besonderer Reiz, der mich schließlich auch veranlaßt hat, diese Fahrt auszuführen. Träge schlich mein Ballon den Neckar entlang, über die Daimlersche Fabrik weg auf Obertürk- heftn zu. Der Cannstatter Exerziervlah nahm sich von oben herunter großariig aus! Der mit

müßten mit möglichster Schärfe bestraft und irr­sinnige Verbrecher dagegen unschädlich gemacht werden. Abgeordneter Hammer nahm sich der Besserung der wirtschaftlichen Lage der Een. dannen an. Eine Vermehrung der Dienstwohn­ungen für st« sei angezeigt, ebenso wie die Ge­währung freier Reife und die gleiche Ver­günstigung mit den Gerichtsvollziehern auf Penstonssähigkeit de« Kleidergeldes. Abgeord­neter v. Kesiel krittsterte den umständlichen und teuren Verwaltungsmodus der Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung. Bei der zweiten Be­ratung des Bergetats trat Abgeordneter v. Arnim:ZLsedom für das dem Reichstag vor­liegende Reichskaligesetz ein. Deutschland sei da« größte Produttionsgebiet und müsie den Kalimarkt beherrschen. Wir brauchen billige und stabile Inlandspreise und höhere Aus­landspreise. damit nicht der deutschen Landwirt, schäft in ungehöriger Weise Konkurrenz gemacht toetben kann. Der Etat der Handels- und Ee- werbevenvaltung bot wieder Gelegenheit, für die Interessen des Mittelstandes im Abgeord- netetchause einzutreten. Abgeordneter Hammer bat den Minister im Interesse weiter Kauf­mannskreise für die Vermehrung der Aus- nabmetage Sorge zu ttagen, und den in Be- amtenkreisen und Bureaus bettiebenen Privat, handel möglichst einzuschränken. Die Lehrer unb Beamten sollen im Hinblick auf die enor­men Summen, die der Mittelstand für ihre erhöhten Besoldungen aufzubringen hätte, end­lich von der schweren Konkurrenz, die ste ihm durchs ihre Konsumvereine macken, ad- lassen. Der Redner forderte mehr Berücksickttg. ung der Handwerker und ihrer Genossenschaften bei der Vergebung von öffentlichen Arbeiten. Abgeordneter Malkewitz trat für die Interessen de, Handwerkerstandes bei der gesetzlichen Regelung der Meisterkurse, der Sicherung der Bmtforderung. de« Lebrlingswekns und der Vertretung in den Handwerkskammern «in. Abgeordneter Fetisch verlangte Vermehrung der Bauqewerksschulen in Preußen und eine größere Einstellung von Fachlehrern an den Fortbild- ungsschulen.

An Gesetzentwürfen stand bereits zu Berat- ung das Gesetz betreffend die Reisekosten der Staatsbeamten. Es wurde betont, daß die Reisekosten bet Beamten insgesamt eine Höhe erreicht hätten, die zu Bedenken Anlaß geben. Es erfolge «ine Auweitgehende Zulassung von Dinstreisen, und der aufgebotene Beamten­apparat stände in keinem Verhältnis zur Be­deutung der zu erörternden Sache. Abgesehen von der ungerechtfertigten Belastung der Staatskasse leide das Ansehen der Bevölkerung darunter. Die Eheis der Behörden sollten nur die im Interesse des Dienste« erforderlichen Reisen zulaflen. Der Redner wünschte ferner, daß die Beamten mehr die Bedürfnisse der Be­völkerung kennen lernten und in engerer Füh­lung mit den örtlichen Verhältnissen bleiben und kommen möchten. Die Vorlage wurde einer Kommission überwiesen.

An Interpellattonen wurden erledigt, die des Zentrums und der Polen betr. die Maß­regelung von Beamten und Lehrern in Katto- witz sowie die de, Rationalliberalen. bett.

amtliche Maßnahmen gegen Beamt« in der Provinz Posen wegen ihres Eintretens für die Rattonalliberale Partei. Die Diskussion ergab in beiden Fällen da« korrekte Verhalten der

mir gleichzeitig aufgesttegene BallonStutt­gart" war etwa 1 Klm. vor mir. Als ich mich gegen 11 Uhr Obertürkheim näherte, drehte mein Ballon, der inzwischen 1000 Meter Höbe erreicht batte, nach Nordosten. Fellbach links liegen lassend, zog er über Waiblingen weiter. Der tiefet fliegen®«Stuttgart" hatte immer noch Südostkurs. Diese Erscheinung bestätigte die kurz vor dem Aufstieg eingettöffene Nach­richt der meteorologischen Station. Es hieß darin:In niederen Schichten Nordwestwind, etwa 6 Sekundenmeter. Ueber 800 Meter Südwestwind, der auch nach der Wetterkarte für heute in Ausstcht steht." Der BallonStutt­gart" folgte meinem Beispiel, ging auch höher und drehte ebenfalls nach Rordosten. Letztere Fahrtrichtung hielt ich so ungefähr bis zur Landung ein. Einen schöneren Tag hätte man für eine Alleinfahrt gar nicht finden können. Hätte ich nicht gewußt, daß es der 20. Februar war, würde ich diesen Tag für Pfingstsonntag 1910 gehalten haben. Im Mantel zu fahren war bald unerträglich. Zeitweise lehnte ich am Korbwand, um mir die abwechslungs- und stimmungsreichen Raturbilder des Schwaben- landes zu bettachttn. Niemand störte mich da­bei durch Fragen, die sonst einen Ballonführer bisweilen nervös machen können. Es ist etwas Herrliches, auf einem schönen hohen Berge ganz allein Betrachtungen anstellen zu können. Aber im Ballon ist es eigentlich noch schöner. Denn das Panorama wechselt von Minute zu Minute und mit dem Wechsel kommen immer »lebet an­der« Gedanken. Zollfrei find fi« fa, nur gut,

Regierung. Im Hinblick auf die ernst« nation­ale Lage in Oberschlesten hat si« die einzig richtige Stellung eingenommen und in, beiden Fällen ihre Polenpolitik in konsequenter Weise fortgesetzt. Die übrigen Sitzungen nahm der parlamentarisch« Kampf um die Wahlrechts­reform in Anspruch.

Deutsches Reich.

Der Dank des Kaisers. Auf das vom Ost­asiatischen LiebeSmahle gesandte Huldigungstele­gramm ist an den Vorstand des Ostasiatischen Ver­tins das folgende Antworttelegranun eingetroffenr Der Kaiser und König hat sich übet das freund­liche Gedenken der Teilnehmer an dem Ostasiati- schen Ltebesmahl sehr gefreut und läßt allen Be­teiligten vielmals danken. Auf Allerhöchsten Be­fehl bet Geheime Kabinettstat v. Balentini.*

Hof und Gesellschaft. Kaiser Franz Josef hat Dr. ft nipp v. Bohlen-Halbach die Eiserne Krone zweiter Klasse verliehen Die Mitglieder des Direftoriunls der Firma Krupp erhielten eben­falls Auszeichnungen.

Vom Reichskanzler. Berlin, 18. März. Der Reichskanzler wird morgen abend seine Reise nach dem Süden antteten und Montag ftüh in Rom eiutreffen. Sein Aufenthalt in Rom wird voraus­sichtlich mindestens bis Ostersonntag dauem.

Die Veteranen. Berlin, 18. März. Um den Veteranen von 1870 wie 1895 so auch fetzt nach 40 Jahren den Besuch der Schlachtfelder zu er« leichtem, bestimmte der Kaiser, daß auf den Strecken der preußifchheffischen Staats- und Reichseisenbahnen während deS Monats Mai bis Ende Dezember der Fahrpreis für die Steifen der Kriegsveteranen nach den Schlachtfeldem und zu­rück auf den Wilitörfahrprets herabgesetzt werde. Für die 8. Klaffe werden eine Mtlitärfahrkarte, für die 2. Klaffe zwei Militärsahrkarten zu lösen fein; auch wird die Benutzung der Schnellzüge ohne Zuschlag fteigegeben. Die näheren Bestim­mungen werden rechtzeitg bekannt gemacht.

Ausland.

* Professor Wahrmund. Wien, 18. März. Im Abgeordnetenhaus gab Unterrichtsminister Graf Stuerghk in Beantwortung der Inter­pellation über die Abmachungen zwischen dem Unterrichtsministerium und Professor Wahr« mund bet Ernennung des Letzteren zum Pro­fessor de« Kirchenrechtes an der Prager deut­schen Universität zunächst «ine eingehende akten- mäßige Darstellung des Falles. Er betont«, der akademische Senat der Prager deutschen Universität habe auf Grund des Aktenmaterials über dessen erschöpfenden Eharakter kein Zweifel bestehen könne, sich hinsichtlich der Auffassun­des Falles beu Anschauung be« juridischen Profefforenkollegsum« einstimmig angeschlossen. Die Stellung Wahrmunds zu den Kollegen unb den akademischen Behörden habe fich so un­haltbar gestaltet, daß die F rderung be« Pro­fessorenkollegiums der juridischen Fakultät Prag«, die sie in Form eines Beschlußantrage« an das Ministerium zum Ausdruck brachte, daß nämlich dem durch die Berufung Wahrmunds an die deutsche Universität geschaffenen Zu­stande soball» wie möglich ein Ende bereitet

daß sie auch steuerfrei sind, denn sonst hätte ich nach meinet Landung unglaublich viel bezahlen müssen.

Das einzige Lebewesen an Bord außer mit war eine Fliege, die ich gegen 12 Uhr mittag« in 1100 Meter Höhe, anscheinend ein Mittags- schläfchen haltend, als blinden Passagier, der sich beim Aufstieg eingeschlichen hatte, ent­deckte! Eine Menge Menschen scheinen ihre Blicke selten gen Himmel zu richten, denn in einer ganzen Reihe von Dörfern wurde ich gar nicht bemerkt. Ist man aber von einem scharfen Kinderauge erspäht , so genügt aus der kleinen Kehle das Schlachtgefchrei:Au e Luftballon!" oberder Zeppelin", das durch kräftige Unter­stützung von Hunden und demlieben gebet» vieh" besonders melodisch wirtt, um da« ganze Dorf auf die Seine zu bringen. 1.15 nachm. passierte ich in 980 Meter Höhe Oehringen und damit breitete fich da« Kaisetmanövergelände unter mir aus. Unsere zwei letzten Tages­märsche konnte man ganz Übersehen, und manche nette Manövererinnerung wurde in mir wach. Ich ertappte mich «inigemale bei Selbstgesprä­chen, auch gesungen habe ich öfters da oben; nur gut, daß es niemand gehört hat. Ich will Ir­lich sein: Auf die Dauer wird'« einem so ganz allein dock ein bißchen langweilig. 2.45 Mer­gentheim in nächster Nähe!

Mein Ballon fiel plötzlich stark, was mit nicht nut meine eigenen Ohren mitteilten (durch den vermehrten Lustdruck auf« Trommel­fell), sondern auch Kinderstimmen eines nahen Dorfe« mit dem Rufe verrieten: ^Wl, der lan-

werde, nicht unbegründet erscheine. Hierbei komme noch in Betracht, daß auch von einet ersprießlichen Tätigkeit des genannten Pro­fessors nicht gesprochen werden könne, da nach dem Jnskriptionsergebni« des Wintersemester« in dem Parallelkollegium Wahrmunds übet da« System des Kirchenrechtes lediglich drei Hörn eingeschrieben gewesen seien

* Persien. Täbris. 18. März. Wie ver­lautet. haben sich Sattfit Khan und Sagtet Khan nachdem ihnen gewaltsame Entfernunt durch persische reguläre Truppen angedroh: worden wat, bereit erklärt, sich mit ihren Reitern nach Teheran zurückzuziehen. Die Re. gietung zahlt bie Reisekosten im Betrage von je 3500 Toman.

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Marburg und Umgegend.

(Äadjbcud aller Crigtnalartifel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Ouellenangabr .Öberhess, Zig." gestattet.)

Marburg, 19. März.

* Palmsonntag. Schon im 4. Jahrhundert kam in der griechischen Kirche der Palmsonntag auf, doch wurde er von bet römischen Kirche erst im 7. Jahrhundert ausgenommen. Seinen Wa­rnen hat bet Palmsonntag von bem Brauche der genannten Kirchen, am letzten Fastensonntag zur Erinnerung an den festlichen Einzug de« Heiland« in Jerusalem Palmzweige zu weihen. Die Palmweihe geht vor sich. indem mehrere Zweige am Hauptaltar ntebergelegt, unter Segensformeln unb Räucherungen mit Weih­wasser bespritzt unb dann unter di« Teilnehmer der Prozession verteilt werden. Zn Ermange­lung von wirklichen Palmzweigen, resp. Palm- blättern, werden auch Zweige von Silber- päppeln, Weiden. Haselnußsträuchern, bestenfalls Zweige von Buchsbaum ober Oliven verwendet. In vielen katholischen Gegenden ist der Glaube verbreitet, ein durch einen Palmbusch geweihtes Haus schütze dieses vor Blitz, und vor Feuer überhaupt. Selbst in den protestantischen Ge­genden Schlesiens ist dieser Glaube verbreitet. Auch verschlucken dort die Bewohnet f«genannte Weidenkätzchen, um sich bas ganze Jahr hindurch vor Fieber. Hals- unb Zahnschmerzen zu schützen.

* Universität. Die philosophische Fakultät der hiesigen Universität hat dem in den Ruhestand ge­tretenen Kurator Herrn Geh. Oberjustizrat Prof. Dr. Schollmeyer in Anerkennung, seiner wenn auch nur kurzen, jedoch allgemein anerkannten Wirk­samkeit an der hiesigen Universität den Titel Ehrendoktor verliehen. 1

* Kgl. Gymnasium Philippinum. Der soeben erschienene Jahresbericht des Kgl. Gymnasiums Philippinum für das Schuljahr 1909/10 wird durch ein Verzeichnis der Direktoren und Lehrer des Marburger Gymnasiums von seiner Reu­gründung im Jahre 1833 bis Ostern 1910, von Prof. Friedrich Engelhard, eingeleitet. Im gan­zen werden hier 201 Lehrer aufgeführt, die in dieser Zeit an der Anstalt wirtten. Der Jahres­bericht enthält ferner ausführliche, vom Direktor verfaßte Schulnachrichten. Die Schülerzahl be­trug am 1. Febr. 1909 zusammen 257 und am gleichen Datum dieses Jahres 258. Der Religion nach find 220 evangelisch, 20 katholisch, 1 dtssiden- tisch und 17 israelitisch. Aus Preußen stammen 240, aus dem übrigen Reiche 14 und aus dem

bet!" Alt unb jung rannte querfeldein auf den schnell finkenden Ballon zu. Da das Gelände seht günstig unb bet Wind sehr schwach wat, setzte ich facht« auf den Boden auf unb hüpfte langsam iweiter. Ein kleiner Bengel wat bis auf 50 Meter herangekommen unb ich benutzte die Gelegenheit, um mich genau zu orientieren. Als nun auch die vielen anderen Menschen kon- zentrffch auf mich zugelaufen tarnen, führte ich den Stteich aus, den ich mit schon lange vorge-, nommen hatte: Ich gab ein wenig Sand und. empfahl mich den verdutzten Gesichtern bet Dorfbewohner! Die Felddienstfähigkeit ihrer Lungen haben fi« bei dieser Ballonvetfolgung einwandsftei feststellen können. -Etwas zu viel Sand hatte ich geopfert, denn bet Ballon stieg- auf 12 Meter.

Gegen 3% Ahr sichtete ich den Main unb faßte ben Entschluß, noch diesseits be» Flusses zu landen, da mein Balast so wi« so nicht mehr lange ausgereicht hätte. Auf Ochsenfut» ging die Fahrtrichtung unb ein kleiner Ventilzug ließ den Ballon fallen. Rur 800 Meter von der Bahnstation entfernt landete ich seht glatt auf einet Wiese, ohne den geringsten Flurschaden anzutichttn. Einige Zuschauer erwarten mit, ste hätten stch gewundert, wie geschickt ich btt schöne Wiese ausgesucht hätte! Ich ließ sie in bem Glauben, verpackte mit hilfsbereiten Hän­den meinen Ballon und dampfte über Sßflnbute' imch Stuttgart.

______ Ceti