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45. Jahr»

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Zweites Blatt

Bahnhof von Arens mit dem Madraguohaf« verbinde« soll, stürzte ein. Zwei Arbeiter emu den getötet, zwei schwer verwundet.

Gas Explosiv«. Potsdam, 18. Marz. 8!» in der Rächt drei Unteroffiziere de, Regiment» Eardedukorps die Bedürfnisanstalt in der Kaserne aufiuchten und Licht machen wollte^ erfolgte eine heftige Gasexplosion. Zwei Unter­offiziere wurden schwer, der dritte leicht verletzt. Die Ursacke ist Undichtigkeit der Gasleitung.

Gesunken. Lissabon, 15. März. portugiesische Schaluppe, die den Hafen von Ilha do Pico (Azoren) bei hohem Seegang verlassen hatte, ist gesunken; dreiunddreisiig Personen find ertrunken. _ ._

Cholera auf Java. Amsterdam, 15. März. Wie dasHandelsblad" aus Batavia meldet, breitet sich die Cholera auf Java immer weiter aus; täglich kommen durchschnittlich 41 Erkrankungen vor. , _.

Da, neue Pariser Schönheitsideal. Die Meister der Schönheitspflege haben für dreie Saison neue Stichworte ausgegeben.Bleicher Teint und hellblondes Haar", lautet die Parole. Es ist jetzt Mode, keine roten Backen mehr zu haben Die modäne Schönheit von heute ver­zichtet darauf. Rot aufzulegen sondern kargt im Gegenteil dafür, daß das Gesicht so bleich wie nur irgend möglich aussieh. Dafür muffen d« Lippen desto röter erscheinen, die Anqenbranen werden scharf markiert, aber sebr fein gezogen und unter den Augen wird dunkelblau aufgelegt, um die Augen desto grösier und leuchtender er­scheinen zu lasten. Etwas t»»a ist nur an den Nasenflügeln und den OhrlSvpcken gerattet. Das Trizianrot und die Kostoni-nfarbe der Haare ist verschwunden.Man" trägt jetzt ganz hellblondes Eoldhaar. Das Rotblond war de- reits zu allgemein geworden und lebet Eriken, der Barstadt war in der Lage feine Kundin durch Wasche mit Superoxnd modern zu farven. Die neue Farbe dagegen ist schmier.aer herzu- stellen. Das Haar mutz einen lanadauernden und dafür desto kostspieligeren Bleickvrozeß durchmachen, und vorläufig ist es erst einigen allererst Haarkünstlern gelunaen, die richtige Schattierung zu renffen. Das Tragen von Sckönheitsmasken vor der Toilette nimmt auch immer mehr zu. Eewtste Schönbeitsdoktoren stellen für jede ihrer Kundinnen eine kneztell gearbeitete Mask her, die, in Lilienmilch ge­taucht eine Stunde lang getragen werden mutz. Verschiedene Mastaaen nach dem Gebrauch der Mask« find unbedingt notwendig, um der mondänen Schönheit die richtige Wirkung zn verleihen.

Marburg

Donnerstag, 17. Mörz 1910.

leise Murmeln der Wogen, die die Bewohner allabendlich in den Schlaf sangen.

In den vielen Jahren meiner Tätigkeit als Martha-Schwester batte ich schon zu wiederhol­ten Malen hier Aufnahme gefunden, und auch dieses Jabr war die Reibe an mir. Aber ich hatte eg schlecht getroffen dieses Mal; die Hälfte meines Urlaubs war fast verstrichen und noch nicht ein einziges Mal hatte mir der Himmel ei" '-eundlilbes Gesicht gemacht. Petrus mutzte « .-den etwas geaen mich haben. Bleiern hinl'-n die Wolken über der See. die ganze Ge­gend in einen blauen Mantel hüllend. Wenn die Sonne manchmal einen kramvfhaften Ver­such machte, siegreich hervorzubrechen und hier und da am Firmament ein blaues Zipfelchen vorlugte, bums? schob ein« unsichtbare Hand die schweren, grauen Wolk-nvorhänge wieder zu­sammen und klatsch! klatsch! rann der Regen von neuem an den Fensterscheiben herab. Es war wirklich zum Verzweifeln.

Ich stand in der geöffneten Haustür und schaute mißmutig in die eintönige Landschaft hinaus. Keine Menschenieele weit und breit, nur Kublmann, unser altes Hausfaktotum, kam schwerfällig die Straße heraufgestapst. Ich ver­mutete wenigstens, datz er es war. wenn ich auch vorläufig weiter nichts sah, als einen un­geheuer großen Familienschirm und ein Paar kurze Beinchen, die eiligst unserem Hause zu- strebten.

Natürlich war er's? Unter dem Arm trug er die schwarze Mappe, in der er täglich vom Schulzen, der eine gewichtige Person im Dorfe war und auch die Poft verwaltete, die Postsachen für uns beraufholte.

©«n Morgen ock, Schwester? rief er mir schon von weitem zu und schlotz fein Ungetüm von Schirm so energisch, daß die Tropfen sprühten und ich mich schleunigst etwa» «etter

ES gibt immer noch Mittler, welche ihren Säug- linaen zuviel Kuhmilch geben und dadurch deren et» Nahrung stören. Nur durch richtige Berdunnun, macht man die Kuhmilch zu einer zweckmäßigen «aug. lingsnahrung, und erst der Zusatz von »Kufeke macht sie so leicht verdaulich wie die Muttermilch.

Die Jnserti««»gebühr beträgt für die 7gespaUeue Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, Universitätr-Buchdruckere» Inhaber Dr. T. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 56.

Ein Musterbild für die Moral des AnknnstsftaateS

Metel folgender Vorgang: Im August 1907 fam ein Mädchen mit ihrem unehelichen Kmde «ach Berlin und ließ kurz darauf seine Mutter, die im Mai desselben Jahres von dem Manne «ach 25jähriger Ehe verlassen worden war, au» Königsberg nachkommen; Da die Mutter schwer krank war und es dem Mädchen nicht möglich «ar, sie allein zu ernähren, wandte ste sich an ihren Pater, einen organisierten Maurer, mit der Bitte um Unterstützung, jedoch ohne jeden Erfolg. Als die kranke Mutter in diesem Jahre starb ließ sich endlich der Seiet herbei, 20 M St Bestreitung der Begräbniskosten zu schicken.

i die Rot für da» junge Mädchen von Tag zu Tag größer wurde, wandte es stch schließlich an den Zentralverband der Maurer Deutschlands in Hamburg, der nach den Statuten verpflichtet ist, das Sterbegeld demjenigen zu zahlen, der das Begräbnis besorgt. Der Zentralverband wollte indefien nichts geben, sondern sandte an den Vorstand des Zweigverein» Königsberg ein Schreiben, in dem e» unter anderem hieß:

Zu der Unterstützungsfache des Kollegen Laubinger hat der Vorstand beschlossen, daß weder der Kollege Laubinger noch dessen Tochter SterbegeÜ» erhalten soll. Der Vorstand lehnt also die Sterbeunterstützung in beiden Fällen ab. Wie wir schon unterm 27. d. Mts. Mitteil­en. verstehen wir unter einer Ehe das Zu­sammensein und die Bestreitung der Unterhalt- nngskosten der Frau durch den Mann. So habe« wir schon oft Sterbegeld für Fälle be­willigt, wo die Ehegatten in sogenannter wilder Ehe lebten. Versichert ist ja im Verbände da» Mitglied selbst und seine Fra«. Al» Ehefrau de» Kollegen Laubinger kann die Verstorbene nicht mehr gelten. Sie wohnte die letzten 2% Jahre in Berlin bei ihrer Tochter. Der Kollege Laubinger kümerte sich nicht um st«. Wir müssen die Ehe deshalb (!!) al» geschieden ausehen und hat Kollege Laubinger deshalb kein Recht auf Sterbegeld, insbesoiidere, als er ja auch nichts zu den Sterbekosten beigetragen hat. Wir kön­nen aber auch der Tochter das Sterbegeld nicht bewilligen, weil die Verstorbene in keiner Weile Rechte und Pflichten am Verband hatte, feit sie von ihrem Manne weg war."

DieFreis. Ztg.", der das Schreiben des Zentraloerbandes im Oriainale vorlieat, be­merkt sehr richtig zu dem Vorgänge:Wir bal­len es für unnötig, diesen Brief mit einem län­geren Kommentar zu versehen. Ueber die Reckts- wge, die vollständig klar ist, wollen wir schon gar nicht reden. Am erstaunlichste« aber sind die Auffassungen der Hamburger Genossen über die Ehe.Der Kollege Laubina« kümmerte sich nickt um seine Frau. Wir müssen die Ehe des­halb als geschieden ansehen." Das ist eine Auf­fassung, wie man sie sogar dem zielbewußten So­

zialdemokraten nicht zutrauen sollte. Selbst, wen« ein Recht auf Unterstützung nicht vorläge, so müßte in diesem Falle, da eine Rotlage vor­handen war, der Verband aus freien Stücken einspringen. So aber sucht er sich seinen gesetz­lichen Verpflichtungen durch eine geradezu klas- fische Begründung zu entziehen.

TieOberheffifchr Zett«»," erscheint täglich mit AuSnatzmeder Sonn- und Feiertage. Der B e z u a 8 p r e t» betrSgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2.25 <X Bestellgeld), bei unseren ZeitungSstellen und der Expedition (Markt 21), 2

mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ,Mch Feierabend« lwöchentlich« Unterhaldmgsbellage) und Landwirtschaftliche Beilage."

1 lRachdruck verboten.)

S^wester Anni.

Erzählung aus dem Leben einer Diakonisse. Von P. Wilhelm«.

Auf dem äußersten Zipfel einer Ostsee-Insel, eingebettet zwischen Wald und Wasser, liegt das kleine Dörfchen ®. Nock ist es unentbedt von Eomerfrischlern und Ausflügler«, und die Bewohner, alles alteingesessene Fischer, find je­der Neuerung aWjoft: sie sehen de« Fremden, den ein freundlicher Zufall einmal hierher ver­schlägt mit scheelen Augen an. Kapital zu schlagen aus den landschaftlichen Reize« ihrer schönen Heimat sind ste längst nicht pfifig genug. Ein einziges Haus beherbergt Sommergäste. E» ist dies ein zierlicher Bau im Schweizerstil, wie aus einer Spielzeugschachtel genommen, der hart am Waldesrande, etwas abseits des Dorfes, aufgeführt worden ist. Reizvoll heben stch feine leuchtendroten Mauern und spitze« Giebelchen ab von dem satten Grün des Waldes. Das Marthaheim"! di« Stiftung eines reiche«, hochherzigen Mannes, der vor Jahren von einer Schwester des Martha Orden» mit aufopfer: Hingabe in schweren Leiden gepflegt worden «ar. Rach seiner Genesung ließ er dies Haus bauen und bestimmte, datz alle Jahre eine ge­wisse Anzahl von Martha-Schwestern hier einige Wochen Ruhe und Erholung finden sollten. Ja ausruhen konnte man hier! Jede, die einmal hier gewesen war, wußte davon zu reden. Wochenlang vorher schon freute man sich, wen« e$ hieß, zurückzukehren, di« kräftige Waü>- und Seeluft wieder atme« zu dürfen, und Rast zu letten in dem Frieden des roten Hauses dort oben am Meer, in dessen Stille kein anderer Laut von der lärmenden Wett hineindrang et» Mt flüsternde« Stimme« dea Walde» und da»

Verantwortlick für dir Redaktion'.

Dr. vbil. Earl Hitzeroth in Marburg.

von wildem, brennendem Heimweh gequält, da» nach und nach immer stiller gewogen und zule» zanz eingeschlafen war. Heute standdas liebe alte Rest wieder mit greifbarer Deujlichkeir vor meinen Augen! Goldene Jugendtage grüße« mich, ick sehe die alte Kastanienalle«, di« big an. das düstere, verwitterte Tor führt, den schone«,,, etwas verwilderten Friedhof,. auf dem die, Meinen nun schon lange schlafen. Was blühte« dort für viele Veilchen! Die ganze Luft wenn sie blühten, erfüllt von ihrem süßen Duft. Wie oft babe ich mit den Spielkameraden eine ganze Schürze voll gepflückt, und dann ging «, froh des Raubes, bopp. hopp mit wehende« Röckchen und glühenden Wangen zur hintere« kleinen Pforte hinaus, damit «ns berttltt, Friedhofswächter nicht «wischte. Richt weit a» tmvon liegt das Pfarrhaus.

Auch daran hängt eine Erinnerung. Ich hab« ste lange nicht bannen können, diese innerung an jenen warmen Sommernachnnttag> mit blauem Himmel und lachendem Sonne» schein, an dem der Flieder mir viel viel süß« zu duften schien, als sonst immer und die Bien­chen geschäftig zwischen den chen bin- und bersummten. Und unter den duftenden Büsche« standen zwei Menschenkinder. Pastors Hans m» ich. Er stolz in der Würde feines eften W» denen Abiturienteneramens hatten un»

an ben Händen gefaßt und bauten Luftschloss«, wie man sie nut baut, wenn man noch ganz jun» und töricht ist.

Dann kommen andere Bilder. Düst«, miß einem Trauerflor verhangen. Zwei Sarge eww den in ganz kurzer Zeit aus unserem Hause fort, getragen. In wilder Verzweiflung stand ich «I den Gräbern mein« Eltern. Damit hatten dich goldenen Tage mein« Jugend et« End«

(Fortsetzung folgt.)

Deutsches Reich.

SrSstn Wedel. Am nächsten Frettag findet unter dem Protektorat der Gemahlin des Statt­halters Frau Gräfin Wedel in Straßburg eine Wohltätigkeitsvorsteklung statt. Mitglieder des Sttaßburger Stadttheaters und der Pariser Opu werden zugunsten der Ueberschwemmte« an der Seine und im Elsaß zwei Akte aus dem ^Tann­häuser" und anderes ausführen. Uns will schei­nen, f» bemerk die R." sehr richtig, daß die Frau Gräfin besser beraten gewesen wäre, wenn sie sich nach den unliebsamen Zwischenfällen der letzten Zeit auf eine Wohltätigkeitsvorstellung lediglich zugunsten der Elsässer und ohne Mitwir­kung der Pariser Oper beschränkt hätte.

Reue Dampferverbindung. Hamburg, 14. März. Wie von zuständiger Seit« mitgeteilt wird, richtete die Hamburg-Amerika-Linie einen neuen Dienst nach Rew-Orleans ein, um den in Amerika öffentlich ausgesprochenen Wünschen möglichst zu enffprechen. Es soll versucht werden, die Einwanderung von dem dichter besiedelten Norden nach dem aufblübenden Süden abzulei ten. Die Hamburg-Amerika-Linie erklärte stch bereit, auch hierfür gewisse Opfer dadurch zu bringe«, daß ste nach New-Orleans trotz der längeren Reise die gleichen Raten berechnen wird, wi« nach den nördlichen Plätzen.

Marburg und Umgegend.

lRachdruck aller vrtginalarttket ist gemäß S 18 de» Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberhess. 8tg.* aestattet.)

Marburg, 16. März.

* Vom Wetter. Mit dem Mondwechsel ist das schöne Frühlingswetter einem kühleren und unsicheren gewichen, das auch vielfach schon etwas Regen gebracht hat. Der letzte Sonntags- Spaziergang war wesentlich beschränkter, wie vor acht Tagen, dafür aber auch der Märzen­staub etwas gelöscht. Auch auf den Aeckern und in den ©Arten roitb man oft etwas Feuchtigkeit gebrauchen können. Di« Meteorologen find im Zweifel über die kommende Witterung. Ver­schiedene halten Nachtfröste, sogar Schnee für möglich, andere meinen, wir würden mit einigen Regentagen davonkommen. Schnee um Mitte März, wenn et nickt zu bösartig kommt, ist ja trotz des bekannten Wortes ificht zu arg; wir find Heuer nur stark verwöhnt.

* Bom neue« Fahrplan. Wie dieSrorm- schen Kursbüch«" mitteilen, durchlief in letzt« Zeit die Tagespresse eine Nachricht, nach welcher die Herausgabe der Eisenbahnfahrplane seitens bet Direktion nut noch einmal im Jahre erfol­gen sollte, so daß demnach jährlich auch nur ein einmaliges Erscheinen der Kursbücher angenom­

men werden könnte. Hiermit wäre dem Publi­kum aber sicherlich nut im schlechtesten Sinne ge. dient Denn veröffentlicht z. B. schon die Kgl. Preußische Eisenbahndirektion Königsberg i. Pt. mit Bezugnahme auf die geplante Reuet- ung in ihrem ersten Fahrplan-Entwurf folgende Notiz:Etwaige weitere Aenderungen für de« Winter werden durch ein Ergänzungsblatt mit­geteilt", so ist hierdurch schon genugsam ange­deutet, daß e» bisher in der Praxis noch nie­mals gelungen ist, einen absolut starren Fahr­plan für das ganze Jahr in» voraus festzulegen. Wenn nun aber jede der 30 großen Eisenbahndirektionen Deutschlands (abgesehen von den Hunderten von Kleinbahndirektionen) und jede der ca. 150 Eisenbahndirektionen des Auslandes zum Winter auch nur ein Ergänz­ungsblatt mehr ober minder großen Umfang« die jetzt fast allwöchentlich stattfindende teil­weise Eröffnung von ,. Zt. fast 90 Neubau­strecken, die Eröffnung neuer Stationen usw. außer Acht gelassen zur Veröffentlichung bringt so ist es danach wohl jedermann offen­bar welchen Zufällen bei vielleicht Tausenden von Aenderungen für ben Winter sich das reisende Publikum aussetzen würbe, falls es sich mit den Sommetplänen auf die Winterrerse be- Setien wollte und umgekehrt. DieStorm-

hen Kursbücher" werden daher die bisherigen Sommer- und Winter-Ausgaben im Interesse des reisenden Publikums nach wie rot beibe- halten. _

* Regierung und Turne«. Dre Ausblldungs- turfe für Turnwarte und Vorturner von Tut» vereinen der Deuffche« Turnerschaft an bet preußischen Landesturnanstalt, die Zweimal ve« suchsweis« abgehalten würben, sollen zu einet ständigen Etnrichtung werden. Alljährlich ein­mal sollen in Anbetracht des regen Interesses, das sich dafür In der Deutschen Turnerschaft ge­zeigt und des zu guten Erfolges, ben sie gehabt hat hundert Kursisten zu einem zwanzigtägigen Kursus nach Berlin einberufen werden. Sebet Teilnehmer erhält die Eisenbahnfahrkatte er­stattet unb außerdem ein Tagegeld von 4 4t. Die Kossen eines solchen Kursus, die die Staats­kasse trägt, belaufen sich auf etwa 24 000 <*.

Frankenberg, 14. März. Beim Bäckermeister Vöble wat am Sonnabend ein Brand ausge- brochen Als die Feuerwehr anrückte, stand das Wohnhaus schon in lichten Flammen, die jeden­falls genährt durch die im Hause und in bet an­grenzenden Scheune lagernden Erntevorrate, sich rasch auf diese verbreiteten, so daß das ganze Annnffen dem Elemente »um Ovfer gefallen war.

Biermünde«, 13. März. Mitten aus seiner Tättqkeit bat gestern der Tod unseren hockbe- kagten Bürgermeister Berget hinweggerinen. Troß seiner 76 Jahr- war bet geistig unb kör­perlich noch rüstige Mann bis zuletzt unermüd­lich tätig.________ _

Unpolitische Todesnachrichten.

Tunnel Einsturz. Marseille, 15. März. Ein im «au befindlicher Tunnel, welcher de« in ben Hausflur zurückzog. Sie roeten sich noch en düchtiaen Schnnpen holen, wenn Ste hi« draußen stahn und stch den Himmel an­kieken. meinte « treuherzig. Dat's n hellscken Zug hier boben bie bat intfamtse Weder un bat Hütt noch lang nicht to regen up. Ick spür dat all in meine Rein'. Mit dieser tröstlichen Ver­sicherung schritt er ben Flut entlang unb ver­schwand im Zimm« bet Hausmutter.

Als ich später das Eßzimm« betrat, sah ich sckon von weitem neben meinet Kaffeetasse ein sckma»es weiße« Kuvert tiefen. Reuqieria trat ick näb«. es geschah nur höchst fetten, daß die Vast etwas für mick brachte. Anaehörioe. die sich für mich interessierten, hatte ich nicht, bie Eltern waren tot, Geschwister hatte ich nie ge­habt und Korrespondenzen mit anderen Leuten führte ich grundsätzlich nicht. Was sollte bie Fremde ben Fremben saoen? Außerdem hatte ich auch gar keine Zeit zu solchen Sachen. Diese energischen steilen Schriftzüge waren mit aber doch bekannt: sie waren van der Hand unserer Oberin. Also etwas Dienstliches. Ohne son­derliche Neugier schob ich ben Brief in meine Tasche, um ihn nachher in meinem Zimmer zu fefcit

Nie hätte ich geahnt, daß sein Inhalt mich lo erteaen würde. Zu wiederholten Malen hatte ich ihn nun schon gelesen unb immer noch et» mal glitten meine Augen über bie roenine« Zeilen. In M. batte man ein neues Kranken­haus gebaut, unb ich sollte als leitenbe Schwest« in dasselbe eintreten.

M., ich stützte den Kopf in bie Hand, -lickte hinaus auf bie unruhig bewegte Wasser­fläche. Drang nicht bet tiefe, voll« To« bet Heimatglocken zu mit Übet das Meer? Ich hatte sie so geliebt, diese eherne Stimme. M. wat meine Vaterstadt, die ich vor mehr den« dreißig Jahre« als huwe» Ding »erlass«, zuerst