■f
Die FnserttouSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile
oder deren Raum 16 Pfennige, )ür Reklamen 80 Pfennige. — je
Druck und «erlag: Joh. «ug. Koch, UnwerfitLtS-Buchdruckerel *U. xJUtJiy»
<e nn Sonn« und
Jl§. UD jährlich du,
Inhaber Dr. «. Hitzeroth', Marburg. Markt 21. — Telephon 56.
Aronlohn obodebnt. ongenom-
tauchte die vor ihm liegende Hetzer ein und schrieb hastig in großer Schrift die Worte hin: „Ich erteile meiner Tochter die Erlaubnis, Heinrich Tresoriers Frau zu werben *
Dann setzte et seine Unterschrift darunter und reichte ihr das Blatt hin.
„Da! Stimm! Jetzt kann ich', nicht mehr widerrufen!"
Mit einem Laut der Dankbarkeit, vor Freude farbloser, als sie es |e vor Schmerz gewesen war, sank sie zu seinen Fitzen, schmiegte ihr Gesicht an seine Knie und brach in d« leidenschaftliches Schluchzen aus. Er hätte ste gern getröstet und beruhigt, aber er konnte keine Worte finden. Die beinahe leblose Gestalt vor Augen, erschrocken, bestürzt über seine Tat, aber doch unfähig, ste zu bereuen, konnte er nichts tun, als den blonden Scheitel feines Kindes liebkosen, wie et’« dereinst manchmal getan hatte, wenn die Kleine auf seinen Knieen eingeschlafen war.
Besprechung geschlossen. Der Antrag wird gegen die Stimmen der Linken § 21b wird in der Komm!ssivnsk"sb»ng men. der Rest des Gesetzes debastelos
fallen, li'tz sich doch diese Heirat in ihren Augen sicher kmnit entschuldigen, daß ste einen Aus»! gleich des Kapitals dorstellte. Beim Verlassen' der Kirche bot bet rad kak« Bolksttibun bet Baronin Tresorier ritterlich ben Arm unb folgte mit ihr hinter Tochter und Schwiegersohn dem von Gold strotzenden Schweizer, der mit der' Hellebarde voranschritt. Courcier nahm sich sehr stattlich aus: sein schwarzer Bart hatte' heute etwas Versöhnliches, Schmiegsames. Al», et die dichtgedrängten Reihen der Zuschauer durchschritt, hörte er einzelne Brocken der Unter-' Haltung seiner Kollegen.
„Soviel ich höre, hat er die .Revolutionäre Partei' wieder gekauft?"
„Ja, sie wirb aber umgetauft, sie heißt fetzt die Flepublikanische Partei'."
„Oh? Courcier fühlt, was sich in der Politik verwirklichen läßt und was nicht. Er ist et« Mann, mit dem man rechnen mutz . . ."
„Der? Ehe ein halbe. Iaht um ist, wird er Minister sein!"
Ein Wonneskbouer durchrieselte den erprobten Politiker, während sein Blick auf Gilberte und Heinrich ruhte, die im Strahlenglanz ihre, Liebesglückes dahinwandelten. Als das funqe' Ehepaar in den Wagen gefttegen war, der ste zum Frühstück in den Palast der Eltern führe« sollte, fragte die Baronin den Abgeordneten: „Sie fahren doch mit mit, Herr Courcier, ft» meinem CoupS?"
Und bet Erbe Blanquis «widerte mit seinem verbindlichste« Lächeln: „$on Herze« gern, Fran Baronin.
Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 21.
wenn dein Herz danach verlangt, bleibe mit meiner Zustimmung!"
. Ein Freudenstknmmer verklärte das Gesicht des fungen Mädchens.
„Du wirst milb aber besuchen?"
„So ost du willst? Ich verspreche es dir."
.Zch danke dir, Papa . . . nun bin ich befriedigt."
Er fast an ihrem Tisch. Sie hatte sich neben ihn gestellt und beugte sich über ihn, daß ihr Köpfchen seine Schulter berührte.
„Du siehst es ja Gilberte heute ist ein Tag, wo ich weiches Wachs in deiner Hand bin," sagte er nach einer Weile mit vor Rührung erstickter Stimme. „Nütze die gute Stunde . . . bleibt dir sonst nichts zu wünschen übrig?"
Sie gab keine Antwort, aber er fühlte, wie ihr Herz plötzlich heftig zu hämmern begann: er sah schwere Tränentropfen langsam auf den Kragen ihres Gewandes fallen. Er verstand sie wohl: ihr innerstes Gefühl drängte nach Aussprache, aber die Angst, sein Mißfallen zu erregen, macht« sie stumm. Und diese sanfte, duldende Entsagung bewirste mehr, al, ihre frühere Bestimmtheit unb Entschlossenheit, mehr, als erneute Bitten und Beschwörungen bewirft hätten. Er fühlte, wie sie in seinem Arm vor Schmerz und Angst erbebte, und et sagte sich, daß es von ibm allein abhänge, ihr Glück und Ruhe zu verschaffen.
Ohne ein Wort zu verlieren, griff et nach einem der liniierten Blätter, woraus seine Tochter ihre kleinen Schul« schreibe« ließ,
Heinrich Tresors« und Eilbette Courtt« mürben in der Kirche Saint Honorö d' Eylau getraut. Der Groß-Vikar Brossard selbst stand am Altar und der Abgeordnete Courtter wohnte der Trauung bei. Die ganze Kamm« war anwesend, die Linke dem Bat« Courcier, die Rechte dem Baron Tresori« zu Ehren. Der Präsident de« Senats ist in die Sakristei gekommen, um seinem „verehtten Abgeordntten" die Hand zu schütteln und die Glückwünsche der Pattei find über die Matzen herzlich ausge-
Berltner Wahlrechlskundgebungen.
(Herrn ». Gettachs Versammlung. )
Die „Demokratische Vereinigung" veranstaltete am Sonntag in Berlin eine Wahlrechisversamm- lung. Herr v. Gerlach und Frau Regine Deutsch hielten die Ansprachen. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie und mit dem Gesänge der Marseillaise geschlosien. (Mr lesen nicht, daß Herr v. Gerlach gegen diesen Schluß sein« Versammlung protestiett hätte. D. Red.) Nach der Versammlung versuchten die Genoffen nach dem Frtednchshaine zu ziehen. Da dott alles polizeilich gespertt war, wollte man einen in bet Rahe liegenden Exerzierplatz besuchen. Plötzlich stellten sich jedoch den Genoffen statte Polizei-Abteilungen entgegen, sodaß ste ihre ursprüngliche Absicht nicht ausführen konnten. Die Polizisten wurden wieder gröblich beschimpft. Rach bet Mitteilung eines Berliner demokratischen Montagsblattes hatte« auch einige zwölfjähttge Knaben einen „Wahlrechtsumzug" veranstaltet. Dasselbe Blatt teift mit, daß an den Demonstrattonen seht viele Weiber und Kind« teilgenommen hätten. Btt d« Kundgebungen Würbe auch Frau v. Gerlach verhaftet. He« v. Gerlach erklärt bertttS, baß «T dieserhalb ben Rechtsweg beschreiten werde. Uebrigens ist daS von der Staatsanwaltschaft gegen v. Gerlach eingeleitete Strafverfahren eingestellt worden. Ra, also?
Marburg
Mittwoch, 16. März 1910
Hieraus begründete Aba Pgibntcke (forrfthr. Vp.) den Antrag Aronsohn. Nack welchem dem Gesetz ein neuer Arttkel anaefÜgt werden soll, in welchem besondere Bestftnmunaen über die Wahlurnen. die Sttmmzettel und die Wahlzellen aefor» dett werden. Durch solche Bestimmungen wie sie andere Bundesstaaten und das Ausland bereits haben. Es soll eine Sicherung des Wabsgebeim- niffes gewährleistet werden. (Beifall btt den Frei- stnnigen) — Ferner steht zur Bercttuna eine Resolution d« Kommiff'ön die Reaeruug zu ersuchen, bei d« Revision des Strafgesetzbuches mtf die An- nähme der Bestimmung Hinzuwitten, durch welche die Beftagung von Zeugen darüber, wem et btt der geheimen Stimmabgabe leine Stimme gab. verboten wird Im zweiten Teil bitter Rttolu- tton werden dieselben Bestimmungen wie in dem Anttaa Aronsohn attordett. sie sollen aber nicht dem Gttetzt anaesüat. sondern in das Wahlreale- ment ausgenommen werden. Abg Frhr v. Richt- boten (fnnf >: Wir lehnen sowohl den Antrag auf Erlaß eines Gesetzes als auch die Rttolutton d« Kommission ab. 9ög. Liebknecht (Soz.) befürworte den Antrag Aronkobn.
Hiermif wurde die Resolution der Kommission oeaen die Sünimen der Rechten anaeuommen.
Der Antrag Aronsohn wurde gegen die Stimme.r der gesamten Linken abgelehnt.
Nächste Sitzung Mittwoch: dritte Lesung d« Wablrechtsvorlaae: Keine Vorlage«.
men. Zu § 13, die Abteilungslisten betreffend, be- gründtte Abg. Meyer-Diepholz (natl.) einen An- trag der Nationalliberalen, demzufolge, falls im Stimmbezirke Geschäftsräume ein« öffentlichen Behörde vorhanden sind, die Anlegung der Ab- tttlungslisten nicht in Pttvaträumen erfolgen darf. Der Antrag wurde abgelehnt. 8 13 wurde nach den Kommtffionsbefchlüffen angenommen, ebenso
48 <Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
£ Bon Georges Ohnet.
(Fortsetzung und Schluß.)
„Auch vor einigen Wochen war diese Pflicht schon vorhanden."
„Denn hab' ich sie jetzt beff« begreife« Gelernt."
„9t«n den«, Gilbettei" sagte der Bat« mit zuckenden Lippe«. „Ich will, daß du mit mir «rückkehrft. ... Du sollst volle Freiheit habe« deine Religio« auszuübe«, ab« du sollst dich nicht mehr von mir trennen. Ich bi« zu einsam. 8« vetlaflen . . .“
Gilberte umarmte den Bat« und küßte ihn herzlich.
„Ich «erde mich deinem Willen fügen. Papa, «mb bitte dich um Verzeihung, daß ich dir weh Deta« habe."
Er hielt sie mit ausgestreckte« Armen von sich <6 und schaute ihr in die Augen, als ob et ihre Geheimste« Gedanken lesen wollte.
„Ist dar volle, lautere Wahrheit? Willst h« mich nicht täuschen?"
Sie schüttelt« mit schwermütigem, entsagendem Ausdruck den Kopf.
„ßflgtn habe ich nicht gelernt, Papa."
Jetzt zog « fit, an sich, drückte ste leidenschaft- Rch an sein Herz und machte kein Hehl mehr «MS fein« tiefen Ergriffenheit.
„Wie mir da» wohl tut, Gilberte . .. du hist mein -«ter, tapferes Mädchen! Bleibe hier,
halt Bestimmungen über di« Ermittelung des Wablergebniffes.
Abg. Lttnett (So,.) bemerkte, die ^Emission arbeite bei diesen Paragraphen liebem». Vizepräsident Krause tief den Redner zur Ordnung. Abg. Viereck (fteikons.) begründete den Antrag auf Einführung eines neuen § 20a. nach welchem der Minister des Innern anordnen kann, daß in ben Wahlbezirken, in beiten die Zahl der Wablmänn« 500 oder mehr beträgt die Wahl der Abgeordntten in Gruppen der Wahlmänn« votzunehmn ist. Geb. Rat Falkenhayn reklätte sich für den Antrag.
Darauf wird der Antag Viereck angenommen.
§ 21 (Berufung der Wahlmänn«) und § 21a (Prüfung b« Wahlmännerwablen) wurden debattelos angenommen. Nach dem § 21b werden die Abgeordntten durch die Wahlmanner in öffentlich« Abstimmung gewählt.
Abg. Kopsch (fottschr. Vp) begründtte bett' Antrag Aronsohn. na» welchem die Abgeordntten in geheimer Wahl gewählt werden sollen. Die Konservativen sind sich ihrer Wähler bei vollkommen geheimer Wahl nicht sicher. Nur durch Beeinftus- sung und Terrottsmus behauvten sie ihre Wabl- freife. (Lachen bei den Konservativen.l Das Zentrum ist in ditt« Frage nichts weit« als ein Handlang« des ostelbischen Junkertums. (Beftall bei den Freisinniaen. Lachen im Zentrum.) Abg. Campe (natl.) erklärte sich für den Antrag Aronsohn. Aba. Giesbetts (Ztr.): Wir sind sür die ae- meine Abstimmung, weil sie den Terror cms- fchließt, der von den Konservativen in unerhörter Weise ausgeübt wird. Wenn das Zentrum ietzt auch die geheime Absttmmuna bei den Wahlen der Abgeordntten vreisnibt, dann muß sie als d« Judas unter den Patteien bezeichnet werden. Abg. v. Malkewitz (kons): Mr stimmen für den Kommissionsbeschlnß. Die Urwähler müssen ttne Gewähr dafür haben, daß in tbeem Sinne die Abgeordneten gewählt werden. Unttch"g »ff we Behauptung der Freisinnigen dgß die Wghsmänner vom Landrat aufgeftettt werden Aba Warna (fteikons.) bestritt daß die «latzlmänn« vom Landrat aufaeftellt w«den. Es ist ganz unrichtig, wenn behmipttt wird die Antiongv'-H«gten -e Hannover seien eine Ovvosi""n<wa--»ei Sie sind durchaus regi«ungsfäbig.. Ich t-aß die
Ratwnglliberalen sich der Mebrtz-it btt dittem Gesetz anschließen werden. Er daß in der Veit- ten Lesung das Gttetz die Gestaltung «hält, b« auch die Nationalliberalen zuvimmen können.
Rach weiteren Bemerftmaen der Abg Gies- bertS (Ztr.) und Kopsch (forrschr Bv) wird die
Die „Oberheüische Zeitung" erschttnt täglich mit Ausnahme der '» Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- taoriicu vutd) bie Post bezogen 2,25 Jl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeiwngöstellen und der Expedition (Mattt 21), 2 X.
Wahl). § 16a enthält bie Bestimmungen über die Wahl der Wablmänn«, die in jeder Abteilung aus der Zahl der Sttmmb««httgten Wähler des Wahl- bezitts oder, falls die Gemeinde aus mehreren Sttmmbezitten besteht, aus der Zahl der ftimm- berechttgten Wühler der Gemeinde gewählt wttden sollen.
Abg. Frhr. v. Richthofen (kons.): Wenn eine wesentliche Abänderung dieses Paragraphen vor- genommen wird, haben wir erhebliche Bedenken, ob wir überhaupt für das Gesetz stimmen können. Abg. Dippe (natl.) begründtte einen Antrag Hob« recht, nach welchem die Wahlmänn« aus der ganzen Stadt ob« bem Lanbkreile. dem der Stimm« bezirk angebött, gewählt werden können. Abg. Frhr. v. Zedlitz (fteikons.): Wir können für den Anttag H obrecht nicht stimmen, sind aber bereit, die Grenzen weiter zu ziehen, als die Kommission eS will. Abg. Pachnicke (fottschr. Bp.) und Aba. Ströbel (Soz.) ettlätten sich für den Antrag Hoo- recht. Abg. H«old (Ztr.) ist für den Kommiffions- bttcbluß.
Darauf wurde der Anttag Hobrecht gegen die Stimmen der getarnten Linken abgelehnt und der Paragraph nach den Komrniflonsbeschlüffen angenommen.
Zu 8 17. demzufolge die Fristwahl obliaawttfch sttn soll begründete Abg. Gttck« (kons.) ttnen Anttag Ahrens wonach in Ottschasten mit nicht mehr als 500 Einwohnern die Wahl in gemeinschaftlich« Versammlung und zu bestimmter Swnde di« Terminwahl stattfinden foll. Abg. Viereck (fteikons.) begründete seinen Anttag aus Wiederherstellung b« von der Kommission gestrichenen Bestimmung b« Regierungsvorlage, daß Abteilungen von mehr als 500 Wählern in Abteilungs- gruvven geteilt werden können. Ferner soll dem Obervräsidenten die Befugnis auf Anordnung der Terminwahl gegeben w«den. Aba. Hoff (fottschr. Vp.) ettlärtt sich für die obligatorische Fristwahl und empfahl die Ablehnung aller Abänderungs- anttäge. Abg. Gottschalk Solinaen (natl.) stimmte bem Borrebner zu. Geh. Rat Falkenhayn bat, ben eilten Teil bes Antrages Viereck anzunehmen. Die Regierung hat den ttcbttgen Weg eingeschlagen, indem sie sowohl die Fttstwadl wie die Termin- wadl zuließ. Abg. Lttnett (Soz): Die Termin« Wahl ösfntt d« Wahlbettnffussung Tür und Tor. Das höchste Recht der Wähler wird mit teuflischen Mitteln illukottsch gemacht. Vizepräsident Kraute bat den Redn«, sich in feinen Ausdrücken zu mäßigen. Aba. Herold (Ztt.) begründete den Anttag Bell, nach welchem in den Orffchaften mit nicht mehr als 3000 Einwohnern die Wahl entweder eint Terminswabl oder Friftwahl fein fall. Mft Wahlbeeinffussungen hat die Termins- und Fristwabl nichts zu tun. Nm WablMeinflussungen zu v«hindern, haben wir ja die aebebne Wahl der Wablmänn« bttcblossen. Vizepräsident Kraute: Racb dem Stenogramm ist während der Rede des Abaeordneten Lttnett der Zwifchenruf .Irrenhaus' gefollen den icb gerügt haben würde wenn ich ibn gebött hätte. Der Abgeordnete Seine« bat dann erklärt: Wenn Sie mit bietem Zuruf das Abgeordnetenhaus meinen, fo haben Sie Recht. Wegen dief« Aeußerung rufe ich ben Abg. Lttnett zur Ordnung.
Hiermit wird der Anttag Bell und der erste Teil des Auttaats Vi«eck angenommen und mit Meter Modifizierung darauf auch der § 17. Die §8 17a und 17b. die die aus der direften Wahl sich «gebenden Konfeguenzen bebanv-in sowie bie §8 1R und 10 ^Ernennung der Wablkommissgrei wurden debgttetos gngenommen. Der § 20 ent-
Die Beisetzung Dr. Luegers. ,
Wien, 14. März. Mit einem selbst in Wien noch nicht gesehenen Pompe wurde heute Vor* mittag um U12 Uhr die Leiche des Obeibfltg«.; meister Dr. Lueger von b« Volkshalle bes Rat-: Hauses aus zu Grade getragen. Nahezu bis gesamte Bevölkerung von Wien war Zeuge btt» ses Schauspiels. Bevor b« Tcauerzna sich in Bewegung setzte, widmet« Vizebürgermttster Dr.' Neumayer bem Beschlichenen Worte de» Abschieds. Inzwischen begann sich der Zug z«! ordnen. An sttner Spitze schritten unzählig«! Verein«, Corporationen geistliche Orden usw. Hint« 18 über unb üb« mit Kränzen beladenen Wagen folgt« her Leichengalawagen, hinter bem Bebienstete der städtischen Leichen», bestattuug die Bürgermeisterkette, die Orden - und Insignien trugen. Trauerkutschen folgte« mit ben Schwestern des Verewigten. Diese«! schlossen sich die städtischen Angestellten, di« B«»> zirksvertretungen, di« Präsidenten de- Herrenhauses und Adgeorbnetenhauies. Herrendaus- mitglieber, Rttchsratsabqeorbnete, sämtliche Pürg«meist« bet Gemeinben Rieber-Oesier-^ reichs. Offiziers«borbnungen unb anberen. Ttt- Zug bewegte sich über bie Ringstraße und hielt! vor bem Reichsratsgebäub«, wo Präfibent Dr.' Pattali unb Lanbmarschallsttlloertr«« Frhr.- von Freubenthal Ansprachen hielten. Vmiti Reichsratsgebäube bewegte sich b« Trauerzugj. zur Etefansftrche. Altäre. Säulen und Wönb«! der Kirche waren mit schwarzem Tuch ausg«»!
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: Illach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbellage) und .Landwirtschaftliche Beilage"
Aus den Parlamenten.
"• ■ Deutsch« Reichstag.
Sitzung vom 14. März. .
Zur Verhandlung steht der Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei . , w
Aba. Bondettcke« (Ztt. Elf.) behandelt die «rage b« Gleichstellung Elsaß-Lothttngens. Der Laudesauschuß sei bis jetzt gleichsam nur ein Dilfsansschuh bes Reichstages. Die Garantie«. bU der Reichskanzler neulich gefordett habe für ttne Gleichstellung bet Reicbslande seien vorhan- be«. Die Dittatur stt zwar gefallen, aber ihr Seift stt geblieben. Ab«. Dr. Gregotte (LarhrZ forbert ebenfalls bie vollen Rechte als Bnnbesstaat für Elsaß Lothringen. Abg. Böhle (So,.) verttitt Ebenfalls bie Forderung der Erhebung der ReichS- fande zum autonomen Bundesstaat und die Einführung des Reichstagswahlrechts. Abg. Rau- Wann (fottschr. Vp.) mehrt, die Elsaß-Lothrinaer . feien jetzt so weit, daß sie sich ihr« Zuaeborigkett zu Deutschland bewußt wäre«. Ma« dütte dott bie Bedeutung der Sprache nicht überschätze«, zumal ja unsere ganze Kultur doch gewiffermaße« unter Mithilfe v« ftanzösiscben entstanden stt. Abg. Hieb« (natl.) betont, daß die Bettuche. El- faß-Sothttngen auch inn«lich zurück,uwinnen, ttnen vollen erfteulichen Ettola noch nicht gehabt habe« Redner stimmt sodann dem Verlangen «ach Autonomie zu. Gegenüber dem Vonedn« müsse et doch die hohe Bedeutung b« deutschen Kultur g«abe für Elsaß Lothringen betonen. Reichskanzler v. Bethmann Hollwe«: Schon am 13. Dezember vorigen Jahres habe et gesagt, daß bie Reform der Verfassung d« Reicbslande b« gemeinsame Weg stt, daß bk Gewährung b« Autonomie aber Garantien erforbne. bie bi« Elsaß Lothringer selbst geben müssen. Er gebe z«, daß diele Garantien nicht ettordcrn, daß in allem Einzelnen sich schon die AnHSnaltchkett an das Reich entwickelt Habe Ab« wenn immer Wied« deuffih-feindlich« Besttebunaen zum Ausbruch kämen, so sind das nicht Garantien, wie sie gefor- Hett Werden müssen. Man dütte jedoch nicht ein* Mitte Vorfälle übertreiben. Er Habe infolgedessen einen Gesetzentwutt ausarbttten laffen. Neb« ben KnHakt könne er erst Mitteilungen machen, wenn her Entwurf das Stadium des Bundesrats hint« sich habe. Abg. Ricklin (Ztt.. Els.) will keine demokratische Republik Brotefsser und Sepgrottsten zu fein. Haben bie Elsass« schon längst sich ab- Sewöhnt. Abg. Hoeffek (Reichsv) begrüßt bi« Er- ürung des Reichskanzlers die Mißttmten in manchen Kreisen Elsaß-SotHringenS beseftiaen Wird. Abg. Fehrenbach (Ztt.) betont, daß Effaß- LotHttrtaen deuffch ist und Meiben wird Frankreich habe nickrtS Verlockendes mehr für das Reichslanb. Rach einer weiteren Rede des Abg. Hauk (Ztt.) wurde der Geaenstand vettassen und fit die Beratung über das Gehalt des Reichskanzlers einpetreten, wobei die allgemeine Debatte begann. Aba. Franke Rattbor (Ztt.) bttnyt Bo- fckwerden über die Handhabung des V«einS- jzttebes in feinem Kreise vor. Aba. Hantzman« ttorff-hr. BP ) ttitt ftir eine Verstgndimcug mtt Frankreich ein: insbesondere dütte die Mannesmann Angelegenheit darin keine Ttttbuna b«btt- füfiren. Redner geht dann ans unser Verhältnis zu Eualand näher ein. das durch unsere Schutzzollpolitik ungünstig beeinflußt werd«.
—»— : p
Preußisches Abgeordnttentzau».
' Sitzung vom 14. März.
Am Miulstertische: Minister des Innern von Moltke. — Die zweite Lesung der Wablrechts- tzorlape wird kottaesetzt. § 12. die Wähler kisten bettessend. wurde ohne Debatte angenom-