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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
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Erstes Blatt.
Umschau im Auslande.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
'>70 Millionen Mark fehlen nach den An- gaben des Schatzsekretärs jetzt bereits in der englischen Staatskasse. Da die Regierung ihre -or der Auflösung des Parlamente» ausgesprochene Absicht, noch vor Ablauf des Etatsjahres das Budget wieder einzubringen, zugunsten der radikalen Forderungen nach'einer Erledigung der Betofrage» aufgegeben hat so wird das Defizit naturgemäß noch weiter steigen. Auf der einen Seite wird di« Schuld än der Finanzkalamftät den Lords in die Schuhe geschoben, auf der anderen Seit« wird d«r Schatzkanzler dafür verantwortlich gemacht. Es S* daß die Lords nur insofern an dem Entliehen des Defizits die Schuld tragen könnten. als ste rm vorigen Jahr das Budget zuruck- wiesen. Für das Fortbestehen und weitere An. wachsen des Defizit» trifft dagegen das Kabinett Asquith und di« liberale Partei volle Verantwortung. Denn die Lords haben nur von einem ihnen zustehenden konstitutionellen Rechte Gebrauch gemacht, als He durch ihr Veto die Befragung des Volkes durch das Budget er- zwangen. Das Kabinett Asquich hat dagegen ohne- Rot die Einbringung der Budgetvorlage auf unbestimmt« Zeit hinausgeschoben und dadurch diä Verwirrung der Finanzen gefordert, sowie alb» parteipolitischen Erwägungen die Verabschiedung des Budgets nicht herbeigeführt Auch: hier steht man wieder, wohin das parla» imcrfaritoe Regime führt. Die Interessen de» Landes Werden von der regierenden Partei unbedenklich hinter die Parteiinteressen zurückg«. stellt, und wenn dies Verfahren für England bisher ohne Nachteil geblieben ist, so ist das nur der außerordentlichen Begünstigung des Landes durch feine geographische Lage und der dadurch herbeigeführten politischen Entwicklung -u verdanken.
Der finnische Landtag ist unter Auspi- jicii eröffnet worden, die ihm kein günstigeres Sttncksal verheißen, als seinen vorzeitig aufgelösten Vorgängern. Sein« Zusammensetzung ist für die russische Reichsregierung in jeder Hinsicht unannehmbar. Zwar empfindet man ein« gewisse Befriedigung darüber, daß di« beiden Parteien, welche die Politik in erster Reihe auf ihr Banner schreiben, nur eine Stimme gewonnen haben, während die wirffchaftliche Inter- esien verfolgenden Parteien eine erhebliche Stärkung erfahren haben. Dies weist darauf hin. daß fiii die Masse des finnischen Volkes nicht politische Intereffen im Vordergründe stehen, sondern der Kampf ums Dasein. Das ist verständlich, wenn man berücksichtigt, daß % der finnischen Bauern landlos sind, und daß die Arbeitsverhältnisse in den Städten mit jedem Tage schlimmer werden. Andererseits nehmen aber die Sozialisten unter den wirtschaftlichen Parteien den ersten Platz d. h. % ». H. ws gesamten Abgeordnetenbestarches ein. Da die russisch« Regierung eine Wiederauflös- ung des Parlaments für zwecklos erachten wird, so bleibt nur noch die Anwendung von Zwangsmitteln bis zur temporären Außerkraftsetzung der ^finnischen Landesverfassung möglich.
Schon seit geraumer Zeit nimmt man mehr und mehr ein Murren der indischen Völker über di« englische Herrschaft, welche die Halb- insel dergestalt ausbeutete, daß sie aller Reichtümer zum Trotz heute ärmer gewoichen ist, als zur Zeit der Mongolenherrschaft.. Diese Unbormäßigkeit der Eingeborenen hat mit ihrer wachsenden Intelligenz zuqenommen. Abendländische Anschauungen haben die einstige unantastbare Autorität ber Engländer zerstört die mit europäisch-n Wissen vertraut gewordenen Inder find zum Bewußtsein erwacht und gefährden die englische Herrschaft durch da» Streben nach einer nationalcnSelbstreqierunq alsUeber- gang zur vollen Selbständigkeit. Grundsätzlich wurde bisher der eingeborenen Jugend feder Weg einer Teilnahme an der Regierung ihres Daterlarches versagt. Zum Glück für England existiert bei der gemischten Bevölkerung noch kein einheitliches indisches Nationalgefühl, es fehlt aber nicht an Versuchen zur Einigung. Mit dem stärkeren Rasscempfinden wächst auch di« Begeisterung ffir da» eigene Volkstum und der Haß gegen die Weißen. Wie die Situation sich aber neuerdings gestaltet hat. so vermag bei einem Ausstand nur Gewalt Indien für Eng land zu erhalten.
Die Lage in Griechenland, di« vor wenigen Wochen noch versprach, den ganzen Os-cn in Flammen zu setzen, hat sich in bemerk
enswerter Weise beruhigt und Europa Zeit gelassen, zu erkennen, daß die wahr« Gefahr in Mazedonien liegt. Der beruhigende Einfluß in Eriechenklnd war di« Entdeckung, daß «ine auswärtige Anleihe unbedingt erforderlich sei. wenn da» Land nicht zahlungsunfähig werden und vor allem, wenn die Armee reorganisiert werden sollte. Es ist der Militärliga jetzt selbst klar geworden, daß Europa einem Lande, das fich in den Händen eines Häufleins unzufriedener Offiziere befindet, auch nicht einen Pfennig leihen würde. Die Finanziers in Pans und Berlin leihen fast jedem etwas, das sich Staat nennt, aber eine Militärrevolution schreckt sie davon ab.
Deutsches Reich.
— Prinz Eitel Friedrich. Neapel, 11. März und Prinzessin Eitel FttÄttch trafen StL$°.Im,ttoV=Ui,r h»r tin und begäbe! i'ch Uort zum Hafe. wo die Einschiffung auf Heinrich" des Norddeut- schen Lloyd erfolgte. Um 1 Uhr nachmittags Mag der „Prinz Heinrich" nach Alexa^ria tn
— Wünsch« der Zoll-Aufseher. Aksitteniei« «nd-Sekretäre. Berlin, 11. März.' K? verband der deutschen Zoll-Aufseher -Affistm- ten und Sekretär« hat an den ReichsN^ne
Aus dem Reichstage.
54. Sitzung vom 11. März.
, ...Auf der Tagesordnung steht zunächst die sozia- llstlsche Interpellation bett. Verweigerung der Genehmigung zu der öffentlichen Versammlung im Treptower Park vom 6. März. Abg. Ledebour (Soz.) sucht die Interpellation zu begünden, indem er von der Voraussetzung ausgeht, daß eine Verletzung des Vereinsgesetzes vorliegt, als man die Versammlung im Treptower Park verbot. Red
wub> da er Ausdrücke wie Schamlosigkeit und ähnliche Redewendungen gebraucht, wiederholt zur Ordnung gerufen werden. Staatssekretär Delbrück führte aus, daß dem Reiche ein Eingreifen in die Exekutive der Einzelstaaten nicht zusteht. Für die Versammlung im Treptower Park war die dortige Ortsbehörde zuständig, und bei dieser war eine Genehmigung nicht nachgesucht worden. Als dann bekannt wurde, daß ein .Spaziergang" stattfinden solle, hat die Amtsbehörde den Park geschlossen und die Unterstützung der Berliner Polizei nach« gesucht. Es ist Klage in dem Verwaltungsstreit erhoben worden, die Klage wird durch alle In- stanzen getrieben werden. Richtig sei ja. daß De- monstratronen an sich nicht geeignet sind, Besürch- mngen wachzurufen. Aber es komme auch dabei »er Zweck der Demonstrationen in Betracht. Er glaubt' auch daß der Gang der Ereignisse dem r«ht gegeben hat. Wenn tat« mchnch Unbeteiligte, Unschuldige, Frauen und Kinder an Leben und Gesundheit gefährdet wür- den. so sei das zu beklagen, auch im Interesse der Polizei, die Wochen lang in nervöser Anspannung {•'^ebf bat Aber wenn solche Ausschreitungen stcütgefuichen haben, so sind daran nicht ohne Schuld dieienigen. die ohne Genehmigung den Aufzug veranstaltet und damit der Polizei das Recht und die Pflicht zum Einschreiten gegeben haben. Abg. Hertling (Ztr.) meint, wenn die Ge fahr einer Störung der öffentlichen Sicherheit vorliege, so sei das Verbot berechtigt. Abg. Stund £?<>“.) meint es handle sich um einen einzigen Fall, über den das Oberverwaltungsgericht ent- schelden wird. Die Interpellation sei deshalb verfrüht Abg. v. Richthofen (kons.): Die roten Zahnen waren geradezu eine Provokation der Po Uzei. Dieser könne er nur die vollste Anerkennung huner Kreunde aussprechen und hoffen, daß sie
Weise in Zukunft vorgehen werde Abg. Müller Meiningen (Fortschr. Vp.): Irn vor- liegenden Falle sei das Verbot rechtlich ganz un« Wbar gewesen. Woher wisse der Staatssekretär, daß die Spaziergänger anderes wollten, als sich S re" L*Ä!Wstasses erfreuen? (Au! Die Red.) Abg. v. Dirffen (Reichsp.) hätze alles an- ^re/ber erwartet, als eine solche Interpellation. Unverfrorenheit der sozialdemokratischen Partei habe alle überrascht Die Abg. Lieber.
von Sonnenberg lwirtsch. Vg.) und Werner ;E;e verlesen Erklärungen ihrer Parteien, wo- rm diese ihr Urteil vertagen, bis die Gerichte ge« Sr,r Ä*- dw« Heine (Soz.) führt dann in längerer Rede aus, daß der »Spaziergangs im lns Werk gesetzt wurde,'als mau Pnrk zur Abhaltung einer Ver- temrnlung unter freiem Himmel verweigerte. So hätte er einen politischen Charakter erhalten.
felgt bann die Weiterberatuna des Post- bse ^b(t Erstens (Fortschr. Vp ), Hammacher Einzelwünsche Vorbringen. Bei der Abstimmunq über die soa Ost- markenzulage für die mittleren Äamtei- * imh U.Ärbe°En der Post wird da das Äreau sich nicht schlüssig werden kann, die Entscheidung durch «^^bllpruna berbeigeführt. Dabei stellt sich die Beschlußunfahigkerl des, Hauses heraus. Die S'tzuna wird geschloffen und eine neue eine Viertelstunde spater anberaumt.
Ausgaben werden bewilligt, nach kurzen Erörterungen au» die einmaligen ?"^5?ben. Bei dem außerordentlichen Etat be- LueJ! „ba. Hammache» (Ztr), daß für das Fern- fP.^fpefen 20 Millionen Mark weniger in den Etat eingestellt seien als im Vorjahre Die Aus- to£rben bew'^'al und alsdann der Rest des
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Bittschrift gerichtet, In der der Reichstag gebeten wird, den Reichskanzler zu ersuchen, im Bundesrate dahin wirken zu wollen, daß „1. die Beamten der deutschen Zoll- und Steuer« Verwaltungen Reichsbeamte werden, oder daß 2. ihre Besoldung s-, Anstellungs-, Ausbildungsund Beförderungs-Verhältnisse in Rütfficht auf § 16 Ziff. 4 des Staatsvertrages vom 8. Juli 1867 in Uebereinstimmung gebracht und ebenso auch ihr« Dienstbezeichni'ngen «inheftlich geregelt werden. 3. im Interesse von Handel, Gewerbe und Industrie in allen Bundesstaaten des Zollvereins baldigst obligatorisch« Fach- schulen zur methodischen Ausbildung der Zoll- Auffeher hn Zoll- und Steuerdirnst eingerichtet werden." Der Bittschrift ist eine ausführlich« Begründung beigegeben .
— Wieder ein deutsches Gut in polnischer Hand. Posen, 1(^ März. Di« Firma von Drwenski und ßangnet schreibt dem „Posener Tageblatt": „Rittergut Wilhelmshöh, 1600 Morgen, im Kreise Bromberg, bisheriger Besitzer Pfefferkorn (ein Deutscher) ging durch Kauf in den Besitz der Parzellierungsfirma von Drwenski und Langner (Inhaber Martin Biedermann) über. Di« Uebergabe ist bereits erfolgt."
— Zum Kampf gegen die Schund und Schmutz llteraüir. Die Provinzialschulkollegien geben eine neue Verfügung des Kultusministers vom 15. Februar weiter, in der erfreulicherweise neue Truppen zum Kampfe gegen Schund und Schmutz auf den Plan gerufen werden. Schon jetzt beteiligen sich die Kreise der Volksschnflehrer mit Eifer und Erfolg an diesem Kampfe; sie schon auf dem Seminar dazu auszurüften, ist die Absicht des Ministers. Den künftigen Lehrern des Volkes soll — womöglich durch den Direttor — eine ausreichende Kenntnis unseres Schatzes an guten Volks- und Jugendschriften vermittelt werden. Zugleich aber sollen sie den Charakter und die Gefahren schlechter Lektüre an geeigneten Proben kennen lernen — zweifellos ein durchaus glücklicher Gedanke. — Richt ganz so aussichtsreich ist es, wenn in der Verfügung auch die Verwalter von Schülerbiblotheken und die Lehrer des Deutschen an den höheren Schulen zur Mitarbeit aufgerufen werden. An diesen hat, wenn die Beobc^h- tung nicht trügt, die Seuche ihren Höhepunkt bereits überschritten. Trotzdem ist auch die Mahnung des Ministers dankenswert und verdient gewissenhaft beherzigt zu werden.
— Die »sozialdemokratisch« Lehrer Bremen«" Das aus Bebel gesandte Glückwunschtelegramm der sozialdemokratischen Lehrer Bremens dürfte wie die „Köln. Ztg." meldet, für di« an der Abfassung und Absendung beteiligten Herren sehr unangenehm« Folgen haben. Es haben schon 435 BolkMullehrer einen das Vorgehen ihrer sozialdemokratischen Kollegen mißbilligenden Beschluß gefaßt. Die Schulbehörde hat eine tn den Schulen bekannt gemacht« Verfügung erlassen. Sie sagt darin, daß es sich um ein Dienstvergehen handle, das die Beteiligten als ungeeignet für den Dienst als Staatsbeamte und Lehrer erscheinen lasse und daß, wenn sie bekannt wären, unnachsichtlich gegen sie das Verfahren auf Dienstentlassung eingeleitet würde. Es find etwa 35 Herren der Behörde bekannt geworden, die am Tag« der Dienstentlassung des Lehrers Holzmeier versammelt gewesen find und sich wohl meistens in unüberlegter Weis« der Absendung des Telegramms anoeschlossen haben, das erst dadurch seine volle BÄeutung bekommt, daß die Lehre« eine Kundgebung gegen die Schulbehörde und das Gericht beabsichtigten und deshalb Herrn Bebels „Kassenkampf" verherrlichten. Zweifellos wird die Behörde nach abgeschlossener Untersuchung entschieden vergehen. Es herrscht groß- Empörung über den radikalen Flügel der Lehrerschaft, der fich von einigen Sozialdemokraten ins Schlepptau nehmen läßt und durch seinen Ton und sein Gebaren die ruhigdenkenden Lehrer aus den Vereinsversammlungen vertreibt
Ausland.
88 Zum Fall $uete. Paris, 11. März. Heute wurde bei den Angestellten und bei dem Schwager des Liquidators Duez Haussuchungen vorgenommen, die aber ohne Ergebnis waren. Dagegen führte die Haussuchung, die bei einer Person abgehalten wurde, deren Name nicht genannt wird, zur Beschlagnahme von 300 wichtigen Aktenstücken. Die mit der Untersuchung Über die Liquidation der Güter der Kongregationen beauftragte Kommission des Senats wird beim Senate beantragen, daß in das Finanzgesetz die Bestimmung «ingefügt wird, daß dte Liquidatoren der Kontrolle bet Finanzinspektoren unterstellt find, und daß ein Richter beauftragt wird, die Rechnungen einer jeden Liquidation zu prüfen und dafür zu sorgen, daß
bte Rechnungsablegung beschleunigt «ich. — (Kammer. Fortsetzung.) Jaurtz brachte dann dte Angelegenheit des Liquidators Leconturier zur Sprache, der die Fabrikmarke der Eraich Chartreuse, die einen Wert von 8 Million«, hat. für 500 000 Frs. einem Hause zugesprochen hätte, das ihm 60 000 Francs gegeben hätte, um die Konkurrenz zu beseitigen. Jaurtzs forderte, daß die Regierung erklären solle, warum Leconturier straflos geblieben sei. Berry (ProgrH- fist) sagte, es seien politische Erwägungen, die die Wahl der Liquidatoren geleitet hätten. Diejenigen, die die Liquidatoren ernannt und die Ernennung trotz Kenntnis ihrer Veruntreuungen aufrecht erhalten hätten, ttügen di« Verantwortung.
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Universität Frankfurt.
Die „Frkf. Ztg." schreibt: „Der Kultusminister erflürte, die Frage sei noch nicht an ihn herangetreten, er habe aber „nach den Zeitungsnachrichten" allerdings Bedenken gegen eine solche Einrichtung Der Minister meint wohl die konservativen Zeitungen, die allemöglnhen Tatarennach- richten über die Universitätsgründung verbreitet haben, und auf dieser einfeitigen Kenntnis beruhen jedenfalls auch die Ausführungen eines konserva- ttven Redner, der die Bedenken des Berichterstatters sich zu eigen machte. Selbstverständlich fehlt da nicht die Abneigung gegen die Großstadt; dies« konservattve Gesinnung hat sich ja erst vor wenige« Tagen im Plenum bei der Eingemeindungsfrage betätigt. Wir wollen auf diesen Einwand und andere Befürchtungen heute nicht eingehen. Sie sind ja. wie gesagt, schon früher von uns gewürdigt und auf ihren wahren Wett zurückgefühtt worden, auch hat ein freisinniger Redner mit Geschick sich gegen diese Antiakademiker gewandt Man wird es frellich mit ihm nicht erklärlich finden, warum man eine Gemeinde hindern will, eine Universität zu begründen, in unserem Falle in der Hauptsache eine Sttsttlngsuniversität. Die konservattve Weltanschauung allerdings kann sich nicht damit befteunden, daß dann der freien Wissenschaft absolut keine Hinderniffe in den Weg gelegt werden, und sie hat „Bedenken", wie auch der Kul.us- minifter, obgeich dem Staat eine finanzielle Last abgenommen werden soll. Sein Kollege von der Finanzfakultät dürste kein so bedenkender Herr sein. Vor allem aber liegt vorläufig der Schwerpunft der Franffutter Universitätsfrage in Frankfun selbst, denn es handelt sich um die Beschaffung bet Mittel, ohne die Stadt selbst erheblich zu belasten. Watten wir also erst diese Entwicklung in aller Ruhe ab! Dann werden wir uns der Mühe unterziehen, dem Hern Kultusminister eine bessere Information zu verschaffen, als ste ihm durch die Lektüre konservattver .Zeitungsnachrichten' zuteU ge- worden ist.'
Daraus geht jetzt erstens hervor, daß man in Frankfurt nicht an ein Fallenlassen bei Projektes denkt. Zweitens aber auch, wü unangenehm die vorzeitige Erörterung der Ange« legenheit den Frankfurtern ist. Interessant ist man beim Finanzministerium mehr Entgegenkommen zu finden hofft als beim Kultusminister. Rach Frankfurter Rezept läßt sich mit Geld alles ma- chen; selbst wen es sich um Preisgabe wichtiger staatlicher Rechte handelt. Hoffentlich werden bh Heren gründlich eines besseren belehrt. Ihren Hauptgegner wittern sie aber natürlich in der „ton- servattven Weltanschauung', die die mittleren und historischen Städte als Kulturzentren erhalten wif- sen will und sie nicht dem Moloch Großstadt opfert, wie auch der Widerstand der Rechten gegen baS Frankfurter Projett in der Kommission beweist.
Dieser Widerstand wird so fest sein, daß man umsonst dagegen Sturm läuft.
Das Eingeständnis, daß die Angriffe bei rechtsstehenden Presse die Sache vorläufig zum Stillstand gebracht haben, erscheint uns Werwolf Die .Tatarennachrichten' über das, was man Ix. Frankfurt beabsichtigt, hat diese Presse — wir schmetcheln uns, das einigermaßen bestimmt jx wissen — nur aus Frankfurter Blättern bezogen. Sie sind auch von diesen bis jetzt nicht widerrufen.
Der „Frff. Generalanzeiger' meint: „Auch bei dieser Gelegenhefi tritt wieder hervor, daß, abgesehen von parteipolittschen Erwägungen, der Haupteinwand gegen den Frankfurter Universitätsplan nut die Neuartigkeit einer solchen städttschen oder „freien* Universität ist. Aber wenn es bisher in Deuffchland noch keine solch« Universität gab, s, kann das auf die Dauer kein Grund sein, ihr über» Haupt die Existenzberechtigung adzusprechen. Es muß vielmehr künftig von einem ganz andrrrn Ge< sichtspuntte aus an die Frage nach der Berechtig ung einer Uniberfität Frankfurt herangetreten werden. Man muß ausgehen von den tatsäch»