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Zu bet Fahrt, die au die Gestade Staubt» uaviens gehen wird, ist auchEeheimrot Pro- fessor Hergcfell eingeladen worden. Der Ge­lehrte weilte bekanntlich vor kurzem mit dem Grafen Zeppelin in Hamburg, um für die ark­tische Expedition Propaganda zu machen. 6s be- besteht beste Aussicht, daß der Halleubau für die nordischen Luftschiffe in Hamburg zustande kommt. Professor Hergesellt wird anläßlich der Nordfeefahrt Gelegenheit haben, dem Kaffer und dem Prinzen Heinrich über die Sachlage Bericht zu erstatten.

Deutschland und England. Berlin, 10. März. DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" schreibt: Die englische Presse bringt wieder ein­mal detaillierte Angaben über den großen KreuzerH", der bei Blohm n. Boß in Ham­burg auf Stapel steht, dessen erste State 1909 be­willigt wurde. Nach diesen Mittelungen soll das Schiff 21 500 Tonnen Wasserverdrängung besitzen und Maschinen von 70 000 Pferdestärken haben, die ihm «ine Geschwindigkeit von 27,5 Seemeilen geben sollen; ebenso werden deta'l- lierte Angaben über die Armierung gemacht Durch Erkundigung an maßgebender Stelle stellten wir fest, daß die englische» Daten Zahl für Zahl falsch find; sie richttg zu stellen liegt fei" Grund vor, da entsprechens . en Gepflogen­betten anderer Nattonen an dem Grundsatz, pofittve Angaben über unsere Schiffsbauten wäbeend des Baustadium» nicht zu veröffent­liche", im Interesse bet Landesverteidigung nack sie oor festgehalten werden muß.

Die «oltkebüste in »er Walhalla. Mün­chen, 8 März. Die feierliche Enthüllung der Moltt-büste in der Walhalla bei Regensburg findet vorauMchtlich am 10. Mai statt. Der Prinzregent von Bayern beabfichtigt, fich bei diese. Feier durch den Kriegsministet Freiherrn » »mrn »ertteten zu lassen. E» werden dazu »itter anderem Einladungen ergehen an den Reichskanzler, an die Spitzen der Reichs- und der dsv<rischen Staatsbehörden, an das baye­rische Kriegsministerium, an den preußischen Genrralstab und an Mitglieder der Familie Mottke.

Sozialdemokratische Interpellation wegen de» Straßendemonftrattone». Berlin, 10. März. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichs­tage« hat beschlossen, folgende Jnterpellatton einzubringen: "Ist dem Herrn Reichskanzler be­kannt, daß der Polizeipräsident von Berlin für eine zum 8. März nach dem Treptower Park bei Berlin einzuberufende öffentliche Bersammlung unter freiem Himmel im Widerspruch zum § 7 des Dereinsgesetzes, der die Versagung der Ge­nehmigung nur zuläßt, wenn Gefahr für die ösientliche Sicherheit zu befürchten ist, di« Ge­nehmigung verweigert hat? Welch« Maßregeln gedenkt der Reichskanzler zu ergreifen, um der­artige BeeintrSchttgung des Versammlungs- recht» für die Zukunft z «verhüten?"

Dr. Lueger f.

Der Bürgermeister von Wien ist, wie wir be­reits kurz meldeten, gestern früh nach langem To­deskampfe verschieden und mit ihm eine bedeutend« Politische Persönlichkeit «ms dem österreichischen Lede». Er war der Gründe« d«r heut« herrschen­den «hristlich soziale» Pattei und ein bedeutender Kormmmalpolttiker, dem Wien viel verdankt. So­fort nach dem Abeben des Bürgermeisters Dr. Lueger wurden auf de« Türmen des Rathauses Trauerfahnen gehißt, auch särnfliche Komnmnal- »nd zahlreithe Privatgebäude zogen Trauerflaggen auf. Bon der Gemeindevettretung wurde in der ganzen Stadt folgende Todesanzeige angeschlagen: »Der Wiener Bevölkemng, »er das ganze Witten «nd alle Liebe ihre-. Bürgermeisters gegolten hat, gibt das Präsidium des Wiener Gemeinderates be­kannt, daß Dr. Lueger heute 8 Uhr früh vettchieden ist." Durch Exttaausgaben der Zeitungen wurde die Todesnachricht in der ganzen Stadt in Krzester Zeit verbreitet. Das Leichenbegängnis Dr. Lue­gers wird auf Kosten der Gemeind« Men veran­staltet werden und Montag 11% Uhr vormittags stattfinden. Me es in derReuen Freien Presse" heißt, wird der Kaiser an dem Leichenbegängnis teUnehmen, ebenso sämtlich« in Wien weilenden Erzherzöge, das gesamte Ministerium, das dtplo« malische Korps, der größt« Teil der ReichsratS- und Landlagsabgeordneten, Gemeind«- und Stadt- räte.

Ausland.

Eholera-Epidemi«. Amsterdam, 10. März. DasHandelsblad" meldet aus Batavia: In Samarang ist eine Cholera-Epidemie ausgebro­chen, die i» bedrohlichem Charakter zunimmt. Die Durchschnittszahl der täglichen Todesfälle beträgt 20.

China. Peking, 10. März. Die Vorlage des Komitees zur Ausarbeitung konstituttoneller Gesetze übe, die Abschaffung derSklaverei wurde von der Regierung genehmigt. Bon nun an ist der verkauf wie der Kauf von Menschen bei strenger Strafe verboten.

Ter preußische Kultusminister gegen die Frankfurter UniverfiiStspläne.

Sie wir gestern durch Extrablatt bekannt ga­ben, hat der Kultusminister in der Budgetkommis pon des Abgeordnetenhauses zu dem Projekt einer Universität in Frankfurt a. M. ettlätt, er habe dazu zwar noch keine Stellung genommen, jedoch habe er Bedenken, eine Universität auf anderer Grund­lage als der bisherigen ins Leben zu rufen.

Lon konservativer Seite war auf die Zeitungsnachrichten hingewiesen worden, wonach

Absicht bestehe, in Frankfutt a. M. aus Stif- Amgen und anderen der Gemeinde zugängliihen Mitteln, eine Universität zu errichten und auf das Bedenkliche eines folchen Unternehmens fettens )d»er Gemeinde aufmerksam gemacht worden. Der Minister antwortete, » auch er bis jetzt nur durch

bitten» Vorbaben »et Stadt

Frankfutt unterrichtet fet und gab die obige Er­klärung ab. Zwar ist, lote man steht, die ErLä- rung noch mehr voränfig gegeben, sie dürste aber zunäthst genügen, um die Frankfutter Machenschaft tot ins Stocken geraten zu lassen. Erfreulicher­weise hat sich der Kultusminister auf den Stand­punkt gestellt, wie er in den Attikeln betKreuzzei- tung" nnd derPost' zum Ausdruck kam, gegen die dieFttf. Zig." damals so heftig Sturm lief. Der Wunsch nach einerfreien", d. i. rostoemokra- ttschen Universität in Frankfutt, hat demnach »et- läufig keine Hoffnung auf Erfüllung. Die letzten Vorkommnisse in Frankfutt und speziell die Haft hing der Stadtverordnetenversammlung hei den Wahlrechtskrawallen hat gewiß nicht dazu beige­tragen, unseren Ministerien Frankfutt als Dr eine freie" Universität geeignet zu empfehlen.

Wir haben ja bereits vor längerer Zeit darauf hingewiesen, daß die Patteien »er Linken das Frankfurter Vorhaben mtterstützeu würden und so ist es denn auch bereits in der gestrigen Kommis- fionssitzung gekommen. Rach derFttf. Ztg." wies ein freifinniger Redner darauf hin, daß die Gemeinden große Opfer für das höhere Schul­wesen gebracht und es ihrttsests erst dazu gebracht haben, daß höherer Schukunterttcht ausreichend erteilt werden könne. Ts fei nicht erklärlich, wa­rum man eine Gemeinde daran hindern wolle, eine Universität zu begründen, wenn sie es für zweck­mäßig erachttt. Da di« Wissenschaft voraussetz- ungslos sei» müsse, Mimten politische Fragen hier­bei nicht mttsprechen. Auch sei es kein Hindernis, eine Universität in eine große Stadt zu ter v. feine Universitäten würden von den Studierenden, na» mentlich in den ersten Semestern mit Vorliebe aus­gesucht. Die Erfahrung habe aber gezeigt, daß ge­rade in den großen Städten, nameutfich auch von den Studierenden, die von kleineren UnWersttäten an die größeren ziehe», sehr fleißig gearbettet wird und zwar mindestens so viel tote an den kleinen Universitäten. (Der Jperr hätte bei jeder Prüstmgs- kommission daS Gegenteil erfaßen können. D. Red.)

Von konservativer Sette war geltend gemacht worden, die Gründung einer freien Universität sei ein Gegensatz zum bisherigen Prinzip, wonach Universitäten nur vom Staate erhalten werden. ES würden auch darunter kleinere Univerfitäten leiden, und eS sei z« besorgen, daß zu wett »ach linK gehende Tendenzen sich geltend machen kön­nen. Auch entstehe die Frage, ob eine Großstadt sich für die Gründung einer neuen UniversttSt an sich eignet. Das dürste auch richtig fein.

Uir Marburger können uns der Stellungnahme der Regierung nur freuen, wenn wir auch wissen, daß Herr AdickeS so leicht nicht von der Berwitt- fikbung seines Manes abstehen wird. Di« poll- ttsche Lage fit aber überhaupt z. Zt. derartigen Plä­nen nicht günstig und wird auch.hoflenüich so bleiben. Immerhin wird man von seilen der oh der Marburger Universität Interessierten gut da­ran Mn, auch noch künftig den Frankfurter Plänen in geeigneter Weise entgegen zu treten.

Marburg und Umgegend.

(»adjfcrurf aller Ortginatartiket ist gemäß § 18 de» Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe »Qberhess. Mg." gestattet.)

Marburg, 11. März.

* Volkszählung. Für die Bolkszählunq am 1. Dezember hat der Bundesrat fetzt die näheren Bestimmung«» beschlossen. Für die Nachrichten über die Persönlichkeit de» einzelne» ist das Amtsgeheimnis zu wahre«. Doch können ein­zeln« Landesregierungen verfügen, daß die Angaben auch zu anderen Zwecke» als den ernt» liche» statistischen Arbeiten benutzt werden. Die Fragen sind dieselben wie früher. Die Ergeb, nisse der Zählung find au» den einzelnen Bundesstaaten i» 12 Tabelle« zu bestimmten Zeiten dem Kaiserlichen Statistisch»» Amt mit- zuteilen. Dieses bearbeitet die Tabellen für das Reich und veröffentlicht sie sobald als möglich.

* Bo« »et Post. Bei Verpackung von Druck­sachen für die Postbeförderung wird von den Absender» häufig dadurch gesündigt, daß nut ein Streifband verwandt und lose umgelegt oder ein ungeeigneter Bttesumschlag gewählt wird. In die HHitgeoffnetee taschenförmigen Falten solcher mangelhafte» Etteifbandsend- »ngen, sowie in die offenen größeren Briefum­schläge mit «ach innen eingesteckter Berschlutz- klappve, die von de» Postbeamten mit gutem Gründe alsBrieffallen" gefürchtet werden, verschieben fich unbemerkt Briefe und Postkar­ten und machen dann als blinde Passagiere wider Willen oft weite Irrfahrten in den Drucksache« mit. Günstigenfalls werden fie von einem Postbeamten i« ihrem Versteck entdeckt oder vom Empfänger der Drucksache zurückge- gebe» und gelange« mit größerer oder geringe­rer Verspätung in die Hände der Adressaten; andernfalls sitzd sie verschwunden. In welchem Umfange solche Verschiebungen Vorkommen, geht daraus hervor, daß bei einem Postamt in 14 Tagen 36 Briefsendungen i« Drucksache» durch Postbeamte entdeckt worden find. Die Postver­waltung ist fortdauernd bestrtot. durch geeig­nete Vorkehrungen die de» anderen Sendungen von den Drucksachen her drohende Gefahr abzu­wenden. Im eigensten Inttesse des Publikums liegt es, Me Postverwaltung in diesen Bestreb- »ngen z» unterstützen, den« dieselben Gefahren, die ein Versender durch mangelhafte Verpackung seiner Drucksachen andere» bereitet, drohen den eigene» Briefen und Karten durch Drieffallen von anderen Absendern und wen» einem Ver­sender auch vielleicht noch kein Leid in dieser Beziehung widerfahre» ist, kann der böse Zufall jeden Tag einen wichtigen Brief von ihm oder an ihn in eine solch« Falle fuhren. Bei größe­re» Drucksachen, die unter Band verschickt wer­den sollen, bietet sich als wirksamstes Mittel zur Vermeidung breiter Spalten die Anlegung eines Kreuzbandes an Stelle des einfachen Streifbandes. Kann man fich aber hierzu nicht entschließen, dann sollte man wenigstens ein aus gutem Papier gefertigtes Streifband so eng wie nur möglich um die Drucksache legen und außerdem eine feste kreuzweise Umschnürung mit

Faden oder Gummiband yerumschlingen. Bei Drucksachen, Me in größeren Briefumschlägen zur Absendung kommen sollen, mären tunlichst Umschläge anzuwenden, deren Berschlußklappe fich nicht am breiten oberen Rande, sondern sollte man Me Berschlußklappe mit einem zu- genarttgen Ansatz in einen äußere« Schlitz des Umschlag einstecke». Roch eins sei den Brief­schreibern hier z» ihrem eigenen Besten nahe- gelegt, M« Verwendung von Briefumschlägen normaler Eröße. Je kleiner und schmaler die Fsrm einer Briefsendnng, desto größer die Ge­fahr ihrer Verschiebung in eine Drucksachen­sendung.

* Versendung tum Paketen während der Öfter« zett. Die Versendung mehrerer Pakete mit einer GostpÄetadress« ist für die Zett vom 2». bis ettifchl. 27. März weder im inneren deutschen Ver­mehr »och im Verkehr mit dem Ausland ausge­nommen Argentinien gestattet. Aach Argentt- uieu tonne» auch in dieser Zett mehrere, jedoch höchstens 3 Paket«, mit einer Postpaketadrefle versandt werden.

»Silberne Hochzett begingen gestern, toie man mv zuteilen wünscht, di« Eheleute Schuhmacher- meister und Vereinsdiener Kern in der fhtgelgaffe.

Ein Gerücht, nach welchem sich gestern ein Mann im Walde Sei der Moos eiche erhängt haben soll, hat fich nicht bestätigt. Wenigsten- wurde bei den Nachforschungen nichts gefunben.

Schöffengericht. Ein kürzlich von der Straf­kammer wegen allerhand Vergehen bestraster Bursche namens H. ans Eappel, stand gestern we- gen einer äußerst rohen Handlungsweise vor dem Gericht. Es hat sich nämlich herausgestellt, daß er derjenige war, der vor einiger Zeit aus reinem Uebennnt ttn Eappeler Felde ein Schaf tötete und dann liegen ließ. Er wurde zu der Gesamtstrafe von 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Ein junger Kaufmann, der fich der Zechprellerei schul­dig gemacht und auswärts verhaftet worden war, wurde jn 70 Jt Geldstrafe verurteilt. Ferner be­schäftigte fich daS Gericht mit einem nächtlichen Studentenspektakel, der sich kürzlich auf dem Markt- Platze abspielte. Der Hanptübeltäier wurde we­gen Ruhestörung zu 20 und wegen Verursach­ung eines Auflaufs M 100 Jt Geldstrafe verurteilt. Zwei wettere Beteiligt« kamen mtt 50 und 25 Jt Geldstrafe davon. Zum Schluß wurde «och ein wegen Sohlendiebstahls Angeklagter zu 3 Tagen Gefängnis verurteilt.

Schweinemattt. Auf dem gestrigen Schweine­rn arft standen 950 Ferkel und Läufer zmn Verkauf. Ganz kleine Ware kostete pro Paar 4060 Jt, 912 Wochen alte Läufer 7090 Jt und größer« Ware 100140 Jt pro Paar. Der Handel war lebhaft.

Roßdorf, 10. März. Kooperator A. Schaub wurde zmn Kaplan zu Großauheim ernannt, an seine Stelle kommt Kaplan AloyS Bilz aus Hosen­feld.

Schwurgericht.

(Schluß der Verhandlung gegen U. Connett)

Auch im weiteren verlauf bet Verhandlung beharrt« der Angeklagte darauf, daß er mit sei­nem Schießen fich nur habe den Rücke» decken wolle». Aus der Vernehmung der jungen Fra«, »m die e» fich handelte, ging allerdings auch hervor, daß Bernhardiiri etwas Grund hatte, auf feine» Landsmann eifersüchtig zu fein. Die Geschworenen bejahten schließlich die Schuld- srage bezüglich des versuchten Totschlag» und billigten auch Milderungsgründe zu. Das Ur­teil lautete dem Anträge des Staatsanwalt» ge­mäß auf 4 Monate Sefüngni».

5. V«rhandlung»tag.

)( Marburg, 11. März.

Der Gerichtshof ist wie folgt gebildet: Land­gerichtstat Heer, Vorsitzender, Laichgerichtsrat Klingenbiel und Assessor Schäfer, Beisitzer. Die öffentliche Anklage vertrat Assessor Kalb, »ie Verteidigung hatte Rechtsanwalt Rau über­nommen.

Als Geschworene wurden ausgelost: Schreinermeister Dickhaut, Homberg Spediteur Wilhelm Schneider, Marburg. Kaufmann Fritz Trost, Frankenberg. Kaufmann Georg Hausmann jun., Wetter. Kaufmann Amandus Weber II., Kirchhain. Privatmann Salomon Menael. Marburg. Landwirt August Kaffer, Allendott.

Landwirt Konrad Happel, Sinkershanfen. Kauft» an» Christian Frettag, Botten.

Landwirt Lenz, Eckelshmtsen.

AusMer Jakob Löwer, Cabdorf.

Bäckermeister Philipp Rüffel IV.. Gladenbach.

Beim heutigen letzten Fall der diesmaligen Schwurgerichtsperiode handelte es fich um eine Anklage gegen den Landwirt Wilhelm Finger­hut aus Heine im Kreise Frankenberg wegen schwerer flrhundenfäffchung.

Dem Angeklagten, der im Iahte 1877 in Heine geboren ist, wurde zur Last gelegt, im Jahre 1909 dadurch eine Urkunde ge­fälscht z» habe», daß er fich für seinen Bruder ausgab. Ferner soll er eine Schuldurkunde gefälscht und diese auch zur Be­glaubigung vorgelegt haben. Wie au» der Ver­nehmung des Angeklagten hervor ging, kam der Angeklagte im Jähre 1909 hier in Marburg zu einem Notar, gab fich für seinen Bruder, de» Maurer Fingerhut aus, und ließ sich eine Ur­kunde ausstellen, in welcher er seinem Bruder Wilhelm (also fich selbst) Generalvollmacht übet fein gesamtes vermögen erteilte. Dann nahm er auf den Namen seines Bruders und seiner Mutter bei der Sparkasse in Battenberg mit die­ser Urkunde ein Darlehen von 800 Jt auf. Das betreffende Schriftstück, da» vom Ortsgericht in Rennertehausen beglaubigt war, fälschte er da­durch, daß er hinter den Namen seines Bruders die Worteund der Witwe Fingerhut" einfügte. Er gab heute' zu feiner Verteidigung an, daß sei» Bruder in Meineringhausen gearbeitet und feine Mutter dank gewesen fei. Beide feie» da­

mit einverstanden gewesen; an eine strafft«» Handlung habe dabei niemand gedacht.

Der Bruder des Angeklagten bestätigte diese Angabe. Sie sei«« in Geldnöten gewesen un» um eine Anleihe von 800 -st bei der Satten her. ger Kasse machen zu können, hättest fie fich so verabrttto. Die 800 <* seien auf zchei in der Gemarkung Rennertehausen liegend« Grund­stücke aufgenemme« worden. Er fei? der Mei­nung gewesen, daß der Bruder da» alles mache» dürft. (Schluß folgt.)

Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Kelsa. 10. März. In einem Wäldchen hin­ter unserem Orte wurde vor einigen Abend«» uf »er Leipzig« Landstraße der Landwirt Franz Barth aus Lichtenau, der fich auf der Rückfahrt von Eassel befand, überfalle» un»i du ch Messerstiche verhetzt. Er saß auf einem Leiterwagen mit de» Zügeln in der HauL. Plötzlich Säumten die Pferde auf und in dem» selben Moment erhielt der erschreckte Fuhrman« einen Stoß mit einem Messer in den Rücken. Er hielt «l$be£b die Pferde an und sah, wie * ein Mann im schnellen Laufe- hinter den Säumen verschwand. Der Stoß war zum Glück auf einem starken Leder gürte! abgeprallt, wes­halb B. unverletzt üliei.

Niederschelden, 10. Mär-, Der 32 Jahre alte verheiratete Schichtarbeiter Möhrtg, auf der Char- lottenhütte beschäftigt, Mrzt« gestern Vormittag aus einer Höhe von 25 Metern durch den Leer- f<f)<V'-'t hinab auf einen mit Koks beladenen Ha^nu Dabei erlitt er flotte Schädelverletzungen sowie Brüche beider Arm» mA Beine, sodasi « ein« Stunde nach dem Unglück veffchitt». Der B«st»k- bene war Sator zweier unverfvrgt« Kinder. t

Herbornfeelbach, 9. März. Gestern friertnt Mer dte August Rerzschen Sheteute das seltene Fetz W i goldenen Hochzett. t

Bad Nauheim, 10. RErz. DaS SerbandSfihto ' ßen des Rttteldentsthew SchGtzenveebcmdeR 19W ' findet hier statt. ,

Frankfutt *. HL, M. Mkttz. Sestern Vormtttag erhielt das Dienstmädchen eines KcuffmaunS tum*. Auftrag, am Schalter bei Postscheckamtes «tuen 1 Scheck einzukofferen. D« Beamte händigte M; einen Hundertmarkschein au*. Kurz nachdem ft» ; die Zett erreicht hatte, trat et» toeManntor an je , heran mtt dem Bemerken, der Schein in ihrer I fei ta falsch, fie solle sich nut tote« anderen geftM lassen, nahm »en Hundertmarkschein nstd Wrt schwand. Das brave Dienstmädchen versuchte to t rauf, am Postschakter toten echten Schein zu erhob»! tot, fand jedoch bei dem Beamt« toenig Serftätoe 1 nis. Des Gauners wird man kaum habhaft wem j den.

Lfttt kmrg, io. Mär z. Ddk Stadtverottmafr« bewilligten 1323-Ä für »ie Eirffchtung des«»j Rektor Michel» warm empfohlenen Kochunte» richt, für M» toexfte-chenklosse ter «eilte- ßh»le.

Schlüchtaen, 10. «ÜtL Zu einer wahr»«./ Schlacht artete «tue Schlägerei ee», Me sich ttn* ter Italienern, Me beim San des Distetoastoo Tunnels beschäftigt find, entspann. Eister ter' Arbeiter Mito ndt aufgefchlitztem Bauche tot am Kampfplatz«, zwei andere SchwerveeletzH» kamen ins hiesig« Krauketchaw». Die zwei litte find geflüchtet. J

Mecklar (Kreis Äersfetb). 10. März. 12jährige Tochter de» Mühkenbefitzer» Ksiru» kam in ter elterlichen Mühle der TronsmWo» ga nahe, von der sie erfaßt und mehrere MM- herumgeschleudert wurde. Da, Kind war- «H der Stell« tot.

Siegen. 9. März. Eine geheimnisvolle teilung macht 1» folgendem die6kg. 3tK"L Es ist nicht» ja fein gofpennen, e» kommt doch endlich an Me Sonnen, und wenn ein oent gessenes Rottzbuch schließlich Me PeranlaftunG dazu werden mutz. Ein solch»» wurde in einem Nachbarort Stegen» kürzlich vorgefumden et* davau, konnte men Me intereffautestest ver­merke entnehmen Sier Lieferungen »on Würst­chen, Sauerbraten, Plock- und Fl-eifchwurft stst auswärtige Wirt« zu so niedrigen Preisen, Ml eben nur Fleisch vomHottehüh" in Magst kommen konnte. Daß zwischendurch» auch »«G Hundefleisch mit geliefert wurde, vermag feien« falls den Appetit nicht zu erhöhen. Wie *aW hört, tft eine Untersuchung bereit» einetfeilMI und wttd das Nähere sich beim ergeben.

Kreuznach, g. März, vom 80. Juli M, V August findet hier das 29. Rittelrheinischst Kreisturnfest statt. Ein Garantiefond St iw Äi« deutender Höhe gezeichnet und somit eine Bchrrck Grundlage für da» großzügig angelegte FeK gegeben. Aus der dicht bei der Stadt gelegene* Pfngstwiese werden große Festbauten errichtet, ein Wettschwimmen in der Nahe ist geplant\ und auch für Bolkstekustignnge« ein Platz vor« gesehen. Mehrere hundert Flaschen edelsten Raheweins haben der Preßt und MustftAns- kchuß für die zwei schönsten Festlitoer als Pteiff ausgesetzt. Außer dem Festbuche soll noch eine g-eftgeituna in fünf Nummern herausgi»§ebe» > werden. y

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Hochschulnachrichten. )

X Jena, 10. März. Der Professor der Seotogie- , an der UniversttSt Jena Dr. Erntt Pyilffftft ist, ) Jahre alt, in Assuan in OberSghpten gestorben \

Unpolitische Todesnachrichten, i

verbrannt. Breslau, 9. März. In d« ' Schule zu Saaras kam eine Hährige Schülerin, beim Aufhängen ihrer Jacke bet glühenden Ofentür zu nahe. Die Kleider gerieten ist. Brand und das Mädchen stand sofort i« Warn- i men. Es erlitt so schwer« Praudumnden, daß \ es bald darauf starb. f

Keuftitt zwischen Aerzte« vu» Patienten» In der städtischen Heimstätte für brustkranke i Männer in Buch bei Berlin habe» gestern? 23 Patienten gleichzeitig ihre sofortige Entlass ' ung erbeten und auch erhalten. Der Gründ < liegt in Differenzen die zwischen diese» Pattoto i ten und den Aerzte» «msbmchen. 1