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Der Kaiser antwortete im gleichen Ginne tttd) die­ser Briefwechsel hatte zur Folge, daß Mißver- ständniffe, die zwischen dem deutschen und dem englischen Hofe herrschten, beseitigt wurden. Aller Wahrscheinlichkeit nach wird im Lause dieses Som­mers eine Zusammenkunft zwischen König Eduard und Kaiser Wilhelm in Kronberg am Taunus stattfindcn. Bisherigen Dispositionen zufolge soll dieser Besuch des Königs nicht den Charakter einer offiziellen Staatsviflte tragen, sondern mehr fami­liärer Natur sein.

Deutschland und England. London, 9. März. (Unterhaus.) Der Abgeordnete Bytes fragte Mac Kenn«, ob die Erklärung des Reichskanzlers in der Reichstagsfitzung vom 5. Marz bezüglich der englisch-deutschen Beziehun­gen das demnächst dem Parlament vorzulegend« Flottenbudget in einschränftnder Weis« beein­flussen würde. Mac Kenn« erwiderte: Der freundliche Ton der Rede des deutschen Reichs­kanzler wird herzlich erwidert, aber ich muß darauf Hinweisen, daß unsere Flottenbudgets nicht auf der Annahme basiert werde«, daß andere Nationen beabsichtigen, uns gegenüber unfreundlich zu sein, oder daß wir beabsichtigen, Zargen sie unfreundlich zu sein. (Beifall.) Sie werden aufgestellt, um den Stand unserer See­macht zu erhallen und hängen von den tatsäch­lichen Flottenausgaben anderer Mächte ab. Ich weiß nichts davon, daß irgend welche öffentliche Erklärungen deutscher Minister di« A^icht an- .gedeutet haben, die gesetzlich festgelegten Aus­gaben des deutschen Flottenprogramms abzu­ändern.

Gräfin Wedel und d«r Abg. LtetterlS. Die .Straßburger Post- schreibt:Der kaiser­liche Statthalter wird, wie wir anderslauten, den Meldungen gegenüber feststellen können, sich weder nach Berlin begeben, noch ist von ihm ein Bericht ilfei die jüngst von un» besprochene Angelegenheit «ingefordert worden, und vollends ron einer Statthalterkrifis ist in keinem Augenblick die Rede gewesen. Es heißt jede- Augenmaßes entbehren, wenn von einer solchen Krisis gesprochen wird eines Vorkomm­nisses wegen, das man wohl bedauern muß, das aber bei nettem nicht hinreicht, um das Ver­trauen zu erschüttern, das Graf Wedel durch sein von deutschem Geiste getragenes, gerechte, und zielbewnßtes Wirken im Lande sich in hohem Maße erworben hat.- Sehr richtig? Immerhin ist «, bester wenn solch« Dinge wie in Straßburg meist offen Vorkommen.

Ausland.

** Der Fall »uej. Paris §. Mär». Di« Senatskommission für die Untersuchung der Liguidation der Güter der aufqelästen Kongre- ;ationen beschäftigte sich mit der Angelegenheit >uez. Dem Vernehmen «ach erklärt« Perrier, der mit dem Studium der Akten betraut war. die Passiven Tue»* betrügen tdjnt, nicht fünf Millionen. Die Kommission gab der Ansicht Ausdruck, daß das Gericht damit, daß e, 148 Liquidationen nur drei Liquidatoren übertrug, «inen schweren Fehler begangen hab«. G, wur­den Anträge dann angenommen, wonach «ter- sucht werden soll, unter welchen Umständen tmb durch westen Fürsprache Duez za« Liquidator ernannt und im Amte erhalte« wurde: ferner soll di« Regierung aufgefordert werd« festz». stellen, ob die Zahlungen bet Liquidatoren regelmäßig erfolgen und welche Verwendung die «ingezahlten Gelder finden.

Marburg und Umgegend.

^Nachdruck aller Originalartikel ist gemäß j 18 M Urheberrechts nur mit der beutlicben Quellenangabe ! .Oberhefs. gtg.* gechtttet.)

r'"~'. Marburg, 16. Mär».

* Die Anmeldung der schulpflichtige» Sinder für die evangelischen Bürgerschulen, die katholische Volksschule und die Vorschule soll am Montag, den 14. März, nachmittags 24 Uhr In den be­treffenden Schulgebäuden stattfinden. Schulpflüh» tig find diejenigen Kinder, di« bis zum 3L März d. Js. das 6. Lebensjahr vollendet haben, auf­nahmefähig diejenigen Kinder, die bi» zum 30. September d. IS. 6 Jahre alt werden. Bei der Aufnahme ist der Geburts- oder Taufschein und

Im Fortbildungsverein

sprach, wie bereits gemeldet, Prof. Schenck »Ueber die Farbenempflndungen-. Der Vortragende machte zunächst auf die allgemein« Bedeutung un­serer Sinnesorgane aufmerksam, di« unser« Be­ziehungen zu unserer Umgebung vermitteln. Das 'geschieht so, daß die Sinnesorgan« durch gewtffe von den Gegenständen in unserer Umgebung aus­gehende Einwirkungen, sogenannt« Sinnesreiz«, erregt werden und daß diese Erregung durch den Sinnesnerven dem Gehirn zugelettet dort ein« Sinnesempfindung hervorruft, auf welche sich unsere Wahrnehmung der Gegenstände in unserer Umgebung gründet. Den verschiedenen Stones- »rgane entsprechen verschiedene Sinnesreiz«; jedeS Sinnesorgan ist besonders eingerichtet zur Auf- «ahme eines besonderen Sinnesreizes, de» wir den adäquaten Reiz des Sinnesorganes bezeich­nen. Wenn wir nun den Wert der SinneSempfin- dungen für die Wahrnehmung der Dinge iu uns«- rer Umgebung richtig einschätzen wollen, dann muffen wir uns unterrichte» über di« gesetzmäßi­gen Beziehungen, welch« zwischen der Beschaffen- heft der Sinnesreize und der Art der bewirkten Empfindung bestehen. Ueber diese Beziehungen, -Nvett ste speziell den Lichtfinn betreffen, macht der Vortragende nun eingehendere Angaben, und er «rläutert diese Angaben durch Versuche.

' Die Lichtempftndun gen teilen wir ein in die Aachlose Empfindung (Weiß, Grau) und die Far- ^nempftndungen; letztere find einzuteilen in di« «trch das Spektrum hervorgerufenen Empfin- »mgen: Rot, Gelb, Grün, «lau, Violet und ihr« Zwischenstufen, und in die nicht im Spektrum ver- Cetenen Purpurnuancen. Der adäquate Reiz des uges, den wir gewöhnlich Licht nenne», besteht.

I Impfschein, M Kinder«, dte stho» «der« Schulen besucht habe», «ch das letzt« Schulzen». «iS vorzulegr». Di« Bezirke der evangelischen Bürgerschulen im Nord- und Südviertel trennt «in« Linie, die über M« Miftr von Schlotztreppe, Windgaste, Nikolaipraß«, Marktplatz, Hirschberg, Lahnwr muh der Weiden Häuser Brücke führt, ganz Weiden Hausen wich zum Gebiet« der Rordfchule gerechnet,

* Gewerbliche Fortbildungsschule. Die Sftent- I liche Prüfung der Schüler der gewerblichen Fort­bildungsschule findet statt Sonntag, 13. März, von 11 bis 1 Uhr, im Zeichensaale der Nordschule. Die Zeichnungen sind ausgestellt in der Turnhall«.

vcamtenprrsoual - Nachrichten. Ernannt: Forstaufseher Kremer zu Wetter, Oberförsterei Oberrosphe, vom 1. Februar 1910 ab zum Förster o. «. Ueberwiesen: der Regierungsasteflor von Guencher in Laubau der Königlichen Regierung in ®affet zur weiteren dienstlichen Verwendung. Verfiehen: dem Rentmeister volensfi in Gersfeld vom 1. April d. I. ab die Rentmeisterstelle bei der Königliche« Kreiskafl« in Melsungen.

* Sine große Felddienftübung zwischen den Garnisonen Gießen, Butzbach und Marburg zwi­schen Großenlinden, Lützellinden und Hörnsheim fand gestern statt. Das JSgerbataillon kehrt« abends wieder zurück.

* Forstliches. Die Oberförsterei Hilders int Regierungsbezirk Eassel ist zum 1. Mai 1910 zu besetzen. Bewerbungen müssen bis zum 20. März eingehen.

Die 16. BerbandS Versammlung der Lehrer mW Freunde des FortbikdungSfchnlwefens im Re­gierungsbezirk Cassel findet am SS. und 30. März in Eassel statt. Am ersten Tage findet nachmittags von 46 Uhr eine Besichtigung der im Schulhause Frankfurterstraße 26 ausgestellten Arbeiten der Schüler der gewerblichen Fortbildungsschule I zu Cassel statt. Die Haupwersammlung beginnt Mittwoch, morgen- 10 Uhr, Im Saale der Mur Hard Bibliothek.

* Vortrag. Morgen Freitag nachmittags 5 Uhr spricht in der Fachschule Frl. Wessel aus Frankenberg über ihre Erfahrungen und Erlebnisse alS Missionarin der Rhein. Misstonsgesellschast.

* Hat Jesus gelebt? Der Vortrag Prof. Jü­lichers, für den ein so reges Interesse herrschte, ist nun im R. G. Elwertschen Verlag im Druck er­schienen und bereits heute Nachmittag in den hie­sige» Buchhandlungen erhältfich. Preis 50 Pf.

vom viophontheater vor dem Barfüßertor Wird uns mftgeteiü, daß für die nächsten Tage Wehet ein aus Dramas, Humoresken und Natur­aufnahmen bestehender sehr ansprechendes Pro- gramm zu sehen ist. Da die Vorführungen im Saale stattfinden, hat man die Annehmlichkeit, daß man nicht direkt vor den Bildern zu sitzen braucht. Der im Biophontheater allabendlich von 8 Uhr an auftretenden österreichischen Damenkapelle wurde gestern Abend von einem Musiksteunde für ihre trefflichen Leistungen ein Lorbeerkranz überreicht.

Feuer. Vergangene Nacht gegen 4 Uhr brach im Dachgeschoß de- Kaufmann Sautzschen Hauses in der Barfüßerstraß«, vermuttich infolge eine- Defektes des Schornsteins, Feuer aus, das rasch um sich griff. Dwk dort schlafende Dienstpersonal konnte sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Feuerwehr der Oberstadt war rasch Mr Stelle »nd nach etwa einstündiger Arbeft konnte hie Ge­fahr als beseitigt gelten. Di« ebenfalls herbeige- eilte Weidenhäuser Feuerwehr brauchte nicht in Tätigkeit M treten. Der Schaden ist erheblich.

* Für «emeindeobst nahmen die Kreise Kur- heffeus im Jahre 1909 insgesamt 191918,57 X ein. Auf een Kreis Marburg entfallen, wie schon mttgeteUt, 11706,30 JL

Marbach, 10. März. Das Hotel zum JDeufe ßhen^aiser- ging durch Kauf an einen Herrn «ns 3kna über, der es am 1. April übernimmt.

4- Lterzhausen, 10. März. Bei der heuttgen GemeinderatSwahl wurden in der 1. Klaffe Konr. Becker, in der 2. Klaffe Joh. Vollmer einstimmig toiebet- und in der dritten Klaffe I. Emmerich neugewähtt.

Wie hi« Physik lehrt in Schwingungen der unwäg- bare» Substanz, des Aethers, der tot Weltall über­all vorkommt. Die Aetherschwingungen erfolgen sehr schnell, die Zahl der Schwingungen in einer Sekunde beträgt 500 bis 800 Billionen. In dem gewöhnfichen Weißen Licht wie es tot Tageslicht vorhanden ist oder z. B. auch von der elektrischen Bogenlampe geliefert wird, sind alle die verschie­den schnellen Lichtschwingungen zusammen ent* haften; man kann sie aber durch Brechung in einem Prisma von einandee trennen und dadurch werden die einfachen Lichter sogenannt in Ge­gensatz zu den Mischlichtern erhalten. Jedes einfache Licht bewirft eine besondere Farbenemp- findung: all« dir durch einfache Lichter hervorge­rufenen Farbenernpftodungen sind demnach tot Spektrum vertreten. Künstlich« Mischung von zwei oder mehr einfachen Lichtern, die in Versuche» vorgeführt wurde, ergab, daß zunächst durch Misch­ung von einfachem toten und einfachem blauen Lichte die tot Spektrum nicht vertretene Purpur­farbe erhalten wird, ferner, daß schon durch Misch- ung von zwei passend gewählten einfachen Lichtern die Weißempflndung bewirft werden kann (ein Pa« einfache Lichter die vermischt Weitz geben, nennen wir Komplementärfarben) und schließlich datz wir durch passend gewählte Mischungen von überhaupt nur drei einfachen Lichtern, eines roten, eines grünen und eines blauen alle überhaupt mög­liche» farbigen und farblosen Empfindungen er­halten können. Darauf macht her Vortragende auf die Farbenbfindheft aufmerksam. Jedes nor­male Auge ist in gewissen Teile» farbenblind. Nur die Mitte der Netzhaut des Auges, mit der wir die in her Mitte des Gesichtsfeldes stehenden Gegen­stände beobachten, ist mit dem vollen Farbensinn ausgestattet, die seitlichen Netzhautteile find far­

I 8. März. Bei bei »HeilkLnst-

I »tr Dicomett und Zimmermann in Harten- I tod, gegen di« die Voruntersuchung wegen un- I lauter«» Wettbewerbs, fortgesetzten Betruges und fahrlässiger Körperverletzung, gegen Zim-

I wermann auch wegen Beamtennötigung, schwebt, laut ^Hint. Anz.- am Montag von dem f*S- Amtsgericht Hierselbst unter Leitung des Pattsrichters Wagner «nd unter Zuziehung der Kreisarztes Dr. Ten bäum, des Apothekers Arlt, des Oberwachtmeisters Funk «nd zweier Gew barmen eine Hausfvchung abgehalten.

! t Aazcfahr, 10. März. In seiner Werkstatt wurde gestern ein hiesiger Einwohner, der Schrei­nermeister Cremer, von dem Tod erellt. Ein Herz-

! schlag machte feinem Leben ein Ende.

Homberg, 9. März. Ein neunjähriger Junge von hier wollte sich morgens vor dem Schulgange seine Strumpfbänder mit einem spitzen Messer zurecht nesteln. Dabei fuhr et mit der Hand so unglücklich aus, daß ihm das Messer durch das Augenlid in den Augapfel drang. Aerztliche Hilfe kam zu spät. Das Auge war ausgelaufen. Der Junge hat das Augen- licht verloren.

Haina, 8. März. Hier wurde der Briefträger B. feit gestern abend vermißt. Heute morgen wurde er in einer Scheune in Haina erhängt aufgefunden.

Laasphe, 9. März. In Diedenshausen wurde «in Fall spinaler Kinderlähmung festgestellt. Vorsichtsmaßregeln wurden getroffen. Zur diesjähtigen Aushebung mußten sich nenn Mi litärdienstpflichtige aus Weidenhausen steh­len. Bon diesen wurden lautWittg. Kreisbl." acht für tauglich befunden. Das sind also rund 89 Prozent (88,88), ein Prozentsatz, der wohl selten erreickst werden dürfte.

Ziegenhain, 9. März. Der Kgl. Ritiw.ei^-- a. D. und Fideikommisbesitzer August von Schwertzell zu Willingshausen in Rommers­hausen ist zum Ehrcnritter des Johanniter- Ordens ernannt.

Berleburg, 8. März. Die Königliche Eifen- bahnbauabieikung hier vergibt die Ausführung der Oberbauarbeiten auf der freien Strecke und den Bahnhöfen der Neubaustrecke Raumlaito- Berleburg-Allendorf und zwar auf den Teil­strecken von Raumland nach Berleburg und von Arfeld nach Battenberg. Hierbei blieb Mindest­fordernder Herr H. Bertram-Frankfurt (Oder) mit 56029 M. Die höchste Forderung stellten Richter und Palmowski mit 131 590 «M, mehr als das Doppelte. Als der Arbeiter Jakobi aus Allendorf mit Planieren in dem am Bahn­damm entlang führenden Graben beschäftigt war, kippte plötzlich von dem vorbeifahrenden Materialzug ein Wagen um und stürzt« samt seinem Inhalt von zwei Kubikmetern Felsmasse auf den Unglücklichen. Der Getroffene rvar so­fort tot

Schwurgericht.

(Schluß der Verhandlung gegen Philipp Leicht aus Gladenbach.)

Um ein Bild der Unterschrift des Ange­klagte« zu geben, hatte man tot Gerichtssaal eine große Tafel ausgestellt, auf welche eine aner­kannte und di« bestrittene Unterschrift des Leicht bedeutend vergrößert zu sehen waren. Der Schreibsachverständige, wie auch ein Gerichts­chemiker tarnen bei ihrer Vernehmung zu dem Resultat, daß die Unterschriften dieselben seien. Auch die Bücher des Apothekers, aus welchen hie vom Arzt verordneten Arzneien entnommen worden waren, stimmten völlig mit den Büchern des Arztes überein. Es wurden auch mehrere Zeugen vernommen, welche bekunden sollten, daß der in Frage kommende Arzt ge­ringfügige Erkrankungen aufbausche und in die Länge ziehe. Etwas Bestimmtes wußte jedoch keiner der Herren, meistens Bürqermeister aus Ortschaften des Amts Gladenbachs, anzugeben. Die Geschworenen bejahten schließlich die Schuldftage bezüglich des wissentlichen Mein­eids. Das Gericht erkannte wie früher auf 1 Jahr Zuchthaus, fünf Jahre Ehrverlust und dauerrtoe Unfähigkeit, vor Gericht als Zeuge vernommen zu werden.

(4. Berhandlungstag.)

)( Marburg, 10. Mär».

Der Gerichtshof fetzt sich au» folgenden

benblind, fo daß die von der Sette her auf das Auge auftreffenden Lichter nicht all« in der rich­tigen Farbe erkannt werden oder gar überhaupt nicht mehr farbig erscheinen, selbst wenn sie mtt der Retzhautmitte betrachtet farbig erscheinen. Die äußerste» Randteile bn Netzhaut sind total farben­blind, sie vermitteln nur farblose Empfindungen; nach innen grenzt an diese total farbenblinde Zone eine Zone an, die rotgrünblind ist, d. h. mtt der die Rot- und die Grünempfindung nicht zustande ge­bracht werden kann, wohl aber noch die Blau- und die Gelbempfindung. Die Farbenbfindheit der settlichen Netzhauttelle wurde in Versuchen gezeigt Außer der totalen Farbenblindhett der äußersten Netzhautzone kommt noch eine andere in jedem normalen Auge vor, die bei Beobachtung licht- schwacher Gegenstände tot Dämmerlichte zu erken­nen ist: Im Dämmerlichte erkennen wir auch keine Farben und zwar auch nicht bei Beobachtung mtt der Retzhautmitte. Das liegt daran, daß wir zum Sehen im Dämmerlichte einen anderen lichtemp­findlichen Apparat des Auges benutzen, als zum Sehen tot Hellen; der Dämmerungsapparat, der total farbenblind ist der Volksmund drückt dies durch die Worte ans: bei Nacht sind alle Katzen grau wird gebildet von den f»genannten Stäb­chen der Netzhaut, der Hellapparat, der wenigstens in der Netzhautmitte mtt dem vollen Farbensinne ausgestattet ist, wird gebildet von den sogenann­ten Zapfen. Der Dämmerungsapparat unter­scheidet sich noch vom Hellapparat dadurch, daß ersterer gegen rotes Licht verhältnismäßig sehr wenig empfindfich ist; schwache rote Lichter im Dämmerlichte gesehen erscheinen daher ganz schwarz, während z. v. entsprechend schwache blaue Lichter im Dämmerlicht noch recht hell er­scheinen. Diese Eigenart des Dämmerungs-

Herren zusammen: Landgerichtsrat Heer B«. sitzender, Landgerichtrat Eefing und Äsiestor Schäfer, Beisitzer. Die Anklage vertrat Ertofl I Staatsanwalt Sasels, die Verteidigung führte I Rechtsanwalt Schneider.

Die Geschworenenbank setzte sich wie folgt I zusammen:

I Kaufmann Georg Hausmann jun., Wetter.

Ackennann Magnus Johannes Geißel, Specks- toinfel

Auszüger Jakob Löwer, Caßdorf. Privattnann Salomon Menges, Marburg. Mühlenbesttzer Adolf Röll, Marburg.

Landwirt Konrad Happel, Sinkershausen.

I Bäckermeister Philipp Rüssel IV., Gladenbach.

' Landwirt Lenz, Eckekshaufen.

Oberlehrer Ernst Mattin, Marburg. Schreinermeister Dickhaut, Homberg Kaufmann Amandus Weber II., Kirchhain. Landwirt H^toiq Happel, Oberarenzebach.

Heut« handelte es sich um eine Anklage gegen einen italienischen Bahnarbeiter namens llmberto Sonnati aus Scansono wegen Tot­schlag. Da der Angeklagte die deutsche Svrache nicht verstand, wat ein Dolmetscher, der Schacht- meister Gabolo, zu der Verhandlung mktheraw- g^ogen.

Der Angeklagte, der früher beim Bau der N>ertalbahn beschäftigte Erdarbeiter Ämberto Sonnati, ist im Jahre 1885 in Scansono in Ita­lien geboren. Ihm wurde zur Last gelegt, i» der Rächt vom 6. zum 7. Februar seinen Lands­mann, den Arbeiter Bernhardlni, vorsätzlich ye, töten versucht zu haben. Wie aus der nehmung des Angeklagten, die durch den Dol­metscher übersetzt wurde, zu entnehmen war, fand am 6. Februar in Hatzfeld in der Riesch«» Wirtschaft eine Tanzbelustigung statt. Bei der Gelegenheit habe ihm Bernhardini ein Dein gestellt und dadurch sei der Streit entstanden, in dessen Verlauf man ihn hinausgeworfen hätte. Nachher habe Bernhardini gerufen, er wett>e ihn jetzt tokschlagen «nd aus diesen» Grunde, hauptsächlich aber, um ihm Angst ja machen, habe er viermal in die Lust geschossen, ohne auf Bernhardini zu zielen. Die Ursache des feindseligen Verhältnisses zwischen den bei­den Südländern war das ewig Weibliche, Bernhardini, der «in« junge Frau besitzt, war nämlich auf Umberto Connatt eifersüchtig Bernhardini hätte ihm schon mehrfach mit deut Messer aufgepaßt und aus diesem Grunde habe er sich mit dem Revolver bewaffnet, behauptete der Angeklagte.

Aus der Vernehmung des Zeugen Stbachb» meisters Limbach ging hervor, daß der Ange­klagte an dem Abend fortwährend den Bern« hardini verfolgte u. ihm nachgegangen war. Dis Beiden seien ftüher immer gute Freunde ge­wesen. Ob die Veranlassung des Streites das Beinstellen des Bernhardini gewesen, «ußts dieser Zeuge nicht anzugeben.

Schluß folgt.)

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Hessen-Nassau und Nachbargebiete.

Frankfurt a. M., 9. März. Der Finanzaus- schuß der Internationalen Lvstscksiffahtts Aus­stellung (Jla) hat in seiner heutigen Sitzung beschlossen, auf die Garanttezeichnungen eine Quote von 20 Prozent einzurufen. Die defini­tive Schlußabrechnung bleibt noch vorbehalten. Dieselbe kann, da noch eine Reih« von Pro­zessen schwebt, erst in einigen Monaten statt­finden.

Schmalkalden, 9. März. Aus der Grube Stahlberg wurde der 57 Jahre alte Zimmer­mann Dittmar aus Floh durch herabstürzende Steinmassen verschüttet. Der Verunglückte starb bereits nach einer Viertelstunde.

Rödelheim, 9. März. Vorgestern abend gegen 12 Uhr wurde auf dem Babngeleise auf der Eisenbahnbrücke in der Rühe des Bahnhofes Rödelheim der Arbetter Theobald Eh aus der Obergaffe tot aufgefunden. Etz ist vermutlich von dem Homburger Eilzug nach 11 Uhr oder von dem letzten nach Eronberg fahrende» Zug überfahren worden; die Leiche kam nach dem Rödelheimer Friedhof. Etz verlor vor einiger Zeit nach längerer Krankheit das Gehör, sodaß anzunehmen ist. daß er infolge seines Leidens von einem herannahenden Zuge überrascht und überfahren wurde.'

apparatrs kann zu merkwürdigen Verwechselungen führen: Eto Dragoner mit einem, im Hellen be­trachtet, hell leuchtenden roten Kragen, sieht im Dämmerlichte aus wie «in Artillerist, weil der Kragen nun ganz fchtvarz und viel buntler, toi« das Blau des Rockes aussieht. Mtt dem Dämme­rungsapparate sehen tote die Farbe» in ettoa dem­selben Helligkeitsverhältnis, to welchem sie von der gewöhnlichen photographischen Platte wieder- gegeben werden, die auch gegen rares Licht unemp­findlich ist, mU dem Hellapparate dagegen to der Art, wie sie vo» der f»genannten orthochromati­schen, d. h. der für rotes Licht empfindlicheren photographisch« Platte, wieder gegeben werden. Farbenblindbett, und zwar fowohl Rotgrünblind- hett. als auch totale Farbenbfindheit kommt bei manchen Menschen auch beim Hellapparate bis in di« Nehhautmitt« hineiuragend vor. Der Vor­tragende geht dann noch kurz auf die theoretischen Vorstellungen ein, die man sich to der Physiologie vo» der Einrichtung des farbenempfindliche» Apparates macht «nd auf die Frag«, wie die Fav« benbfindhett aus diese» theoretischen Vorstellungen heraus zu erklären ist.

Zum Schluss« macht er aufmerksam auf die Be­deutung, welche her Farbensinn für uns hat. Die Bedeutung wird besonders klar, wen» wir beden­ke», was der Farbenblind« nicht pt unterscheide» vermag. Er ist nicht im Stande, Gegenständ«, die verschieden gefärbt aber gleich hell sind, von «iw- ander auf Grund der Lichtempsindunge» zu tratest scheiden. Der Rotgrünblinde verwechselt rotes und grünes Licht, er ist deshalb nicht M verwem. de» to Berufen, bei bene« hie Unterscheidung de» roten und grünen Lichter erforderlich ist, z. B. tott Eisendahndienst, to welchem rote und grün« SiG»; »alüchter verwendet werde»,