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mit dem Krezsblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."
Die „Oberheijtjche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezöge« 2 25 X (ohne Bestellgelds, bei unseren ZettungSstellen und der Expedition (Markt 21), 2 ’<Ä.
Marburg
Dienstag, L März 1910.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltcne Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen SO Pfennige. — Druck und Verlag: Jäh. Äug. Koch, LniversitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
45. Jahrg.
Zweites Blatt.
Umschau im Auslande.
Die Zänkereien innerhalb der engltscheu Regierungsparteien scheinen die Unionisten kalt zu lassen; es wird sogar behauptet, daß di« Opposition den Premierminister unterstützt hab« und »och weiter unterstütze« werde, damit das Sabine« »och etwas am Leben bleibt und bte Finanzen i» Ordnung bringt. Die Uniontsten werde« vor allem ihre Maßnahmen treffen, daß das Land nicht dem iännummersystem überantwortet oder die Gewalt des Oberhauses gar zu sehr eingeschränkt wird. Diese obere Sammer wird naturgemäß immer konservativ sein und in Zeiten der Gefahr den Sonservatwe« im Unterhaus« ein« Rückendeckung bieten. Bielfach wird gesordert, tu einem neu zu schaffenden Senate die Uebersee- siaaten vertreten sein zu lassen, die imperialistische Idee soll dadurch einen weiteren pränanten Ausdruck gewinnen. Die Britischen Ueberseesiaaten Würde» aber kaum damit zufrieden sein, wenn ihre Vertreter unbedeutende Anhängsel der einen oder anderen polttschen Partei bildeten; auch Würde eS die Here« wenig interessieren, wenn sie über den englische« Elementarunterricht oder über die Konzeffionierung englischer Wirtshäuser mit beraten und bestimmen sollten. Borzugstarise möchte« Wohl dann daS übrige tun, um eine gewaltige Mauer um alle britischen Länder des Erdballs zu ziehen. Mr fürchten aber, daß es gerade die Kolonialländer sind, die den erste« dick« Strich durch diese Rechnung mache« werde«.
GS unterliegt keinem Zweifel, daß sich tu China Wandlungen vorbereite«, bte eine wesentliche Steigerung bet Macht diese- Riesenstaates ankündigen. Die durch Befehl des Kaisers lkwangsü 190R angckündigie Verfassung ist Wineswegs ein leeres Bett geblieben. Er hatte für Durchführung seine- Ziele- neun Jahre feft- geseyt, wobei jedem Jabr bestimmte Aufgaben gestellt waren. Städte, Siedelunge« und Dörfer haben Selbstverwaltung erhalten, Vorbereitungen für eine große Volkszählung sind getroffen und Schulen für Ausländer eröffnet worden. Reben- her gehen die Bemühungen, das Laster de- Opiumrauchens ein,«schränke« und den obliga- torischen Schulunterricht einzuführe«. Mit Energie schreitet man auch an die Vervollkommnung der Armee. Die Garde-Division ist soeben komplett geworden, das Ziel ist die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht. Es ist erstaunlich, ,ote populär der Kriegsdienst geworden ist und mit welchem Stolz die Chinesen auf ihre junge Armee blicken, wie denn überhaupt eine tiefe patriotische Bewegung durch das Land geht. Daß sie zu einer neue« Abschließung Chinas von bet Außenwelt fuhren könnte, darf Wohl als ausqeschloffe« gelten, ober sie kann ein gewaltiger Fakwt bet neuen asiatischen Bewegung werden.
Im Abgeordneteuhause wurde am Sonnabenb nach unwesentlicher Debatte eine Resolutton der verstärkten Gemeindekommission angenommen, wonach bei allen Ettraemein- dungsfraqen von erheblicher Bedeutung der Provinziallandtag gehört werden mutz um» die Bestimmungen. die dauernde Sonderrechte schassen, in die Eingemeindungsverträge tunlichst nicht auf- genommen werden sollen. Ebenso schnelle Erledigung fanden in zweiter Lesung die Vorlagen bett. Erweiterung der Stadtkreise Esten, Köln o. Rh., Ratibor, Kiel, Harburg und Magdeburg. Abg. v. Brandenstein (kons.) beantragte, die Vorlage betr. Erweiterung des Stadtkreises Flensburg auf Grund der nachträglich eingegangenen Petitionen und der Erklärungen des Abg. v. Boni« (freitonf.) nochmals an die Kommission zurückzuverweisen. Dem Anträge wurde zugesttmmt. Bei der folgenden zweiten Lesung des Handelsetats wünschte bet Abg Fetisch (kons.) eine bestere Ausbildung der Fachschullebrer an den Baugewerksschulen Es ollten nicht Berufslehrer, sondern vielmehr lehrende Fachmänner sei«. Die aus der Praxis her- vorgeangenen Lehrer verschwänden immer mehr; bald würde die ganze Lehrerschaft akademisiert sein. Der Minister sollte diese Frage dem Land- desgewerbeamt zur Prüfung vorlegen. Ferner sei eine Vermehrung der Bangewerkschulen nötig; 25 solcher Schulen seien für Preutzen zu wenig. Der Lehrplan müßte dem Eisenbetonbau und dem Holzbau mehr Berücksichtigung schenken. Die Aufnahmebedingungen müßten verschärft und mindestens fehlerfreie Beherrschung der deutschen Sprache gefordert werden. (Beifall.) Minister Sydow wird die Lehrerfraae dem Landesgewerbeamt vorlegen. Abg. MaKewist (kons.) zollte dem ftüheren Hcndelsminister Delbrück dankbare Anerkennung und erhoffte vom Minister Shdow das gleiche Entgegenkommen, namentlich dem Handwerk gegenüber. Beim notwendigen weiteren Ausbau des Versichenlngwesens müßten die Schultern der Arbeitgeber mehr geschont werden, das hätten endlich auch die Liberalen eingesehen. Bei den staatlichen Lieferungen sollten die einzelnen Handwerker, ihre Innungen und Verbände mehr Berücksichttgung finden. Es sei zu beklagen, daß die Einführung des zweiten Teiles des Gesetzes zur Sicherung der Bauforderunqen (Siche nlngshvpothek) vom Minister abgelehnt worden sei. Für die Bestrebungen des Handwerks auf dem Gebiete der Jugendfürsorge erbat der Redner d;e tatkräftige Unterstützung des Ministers. Wer die Jugend hat, der Hai die Zukunft« (Lebhafter Beifall.) Abg. Dr Grünender« (Ztr.) fragte nach dem Stande der Privatbeamten Versicherung und nach dem versprochenen Wohnunasgesetz. Das Haus vertagte sich auf Montag vorm. 11 Uhr.
Aus den Parlamenten.
Im Reichstag
gab «S am Samstag zunächst längere Debatten übet bte Bekämpfung bet Säuglingssterblichkeit und bet Tubetkulose. Von verschiedenen Seiten wurde Erhöhung des Betrages von 40 000 gewünscht. der für ersteren Zweck im Etat ausgeworfen ist. StaatssekretSr Delbrück sagte Erwägung zu. wies aber darauf hin, daß auf diesem Gebiete die Hauptarbeit von den Kommunen zu leisten sei. Zu längeren Verhandlungen gab dann «och der 4 Millionen-Titel zur Herstellung von Kleinwohnungen süt Arbeiter und Beamte An- laß. Im Anschluß an die Betrachtungen über Wohnung-- und Bodenreform kündigte Staatssekretär Delbrück für das nächste Jahr eine Denkschrift über Erbbaurecht an. Dann war nach elftägigen Verhandlungen bi« zwrit« Lesung diese- Etats beendet, und das Hau- ging zum Etat der Marineverwaltung über. Aba. Gras Oppersdorf (Ztr.) wiederholte die Ausstellungen, die von feiten des Zentrums in der Budgetkommission gegen die VerwalMng erhoben worden waren wobei er namentlich von einer .Monopolstellung" der Firma Krupp sprach. Staatssekretär v. Tirpitz wies nach, weshalb die Verwaltung mit den von Graf Oppersdorf empfohlenen Firmen Ehrhardt und Tvsten nicht habe ins Geschäft kommen können. und teilte mit, daß sich die Verwaltung verpflichtet habe, drei Jahre lang nur bei der Firma Krupp zu bestellen, nachdem diese mit den Preisen heruntergegangen sei. Die Verwaltung hat durchaus kaufmännisch gehandelt, die Lieferungen bet Firma Krupp sind stets vollkommen zufriedenstellend und höchst vorteilhaft gewesen. Der Staatssekretär betonte dabei, daß die deutsche Marine die besten und billigsten Panzerplatten besitzt und daß unsere Flotte binHchtlich ihrer Kriegsleistung den Vergleich mit anderen Flotten sehr wohl aushalten kann. Die Abg v. Puttiv (kons.) und Dr. Semler (nalib.i dankten dem Staatssekretär für diese Erklärungen und pftichteten ihm bei in der Werttchätzung des deuttchen Flottenmaterials und in der Anerkennung des Gefechtswertes der beut« schon Kriegssahrzeuge. Abg. Dr. Südekum (Soz.) beschwert sich über das schnelle Wachstum der Ausgaben für die Flotte, die unsere ganze Sozial- Softttk zum Verdorren bringe. Auch hätte sie die Harfe Schwenkung in der Polittk der Großmächte hervorgerufen und sei das Moment der Beunruhigung gewesen, wie der Wahlaussall in England beweise. Reichskanzler v. Bethmann Hollweg, der während der Rede des Abg. Südekum erschienen war, gab nähere Auftlärungen über unser Verhältnis zu England Unsere miswärtige Polittk sei nicht nur England sondern allen Ländern gegenüber lediglich darauf gerichtet, die wirtschafttichen und kulturellen Kräfte Deuttchlands frei zur Ent- faltunq zu bringen. Er sähe aber nicht ein, wie dies das fteundschaftliche Verhältnis zu einem Lande stören sollte, das uns wirttchastlich und kulturell so nabe steht wie England. Den freien Wettbewerb aller Rattonen könne keine Macht der Erde mehr ausschalten oder unterdrücken. Er sei überzeugt daß auf dieser Grundlage die vertrauensvollen Beziehungen zur englischen Regie- nrng sich künftig fortentwickeln und gleichzeittg die Bolkssttmmung in diesem Sinne beeinflussen werde. (Lebhaftes Bravo.) Abg Erzberger (Ztr.) polemisiert gegen den Abg. Semler und tadelt scharf Herrn Gaedkes Vorgehen im B. T. Redner geht dann noch in längeren Ausführungen auf bas Kruppsche Monopol ein. das aus irgendeine Weise gebrochen werben muß Staatssekretär p. Tirpitz gibt Aufschluß über das Zulagewesen und bestreitet die Richtigkeit bet vom Borebner angegebenen Zahlen.
Hessen-Nassau und Nachbargebrete.
Fritzlar, 4. März. Der Gütermakler Max Katz tauschte gegen Mitte vorigen Monats das von ihm käuflich erworbene Karnahlsche Gut in Giflitz mit 150 Morgen Land gegen den 110 Morgen großen I. Kunzemannschen Hof dahier. Herr Katz parzellierte den letzteren und hat die gesamten 110 Morgen Land in 2—3 Tagen wieder zu verkaufen gewußt. Es wurden dafür verhältnismäßig sehr hohe Preise erzielt. So wurden bei dem Grundstück nahe dem Dorfe an der Straße Eiflitz-Mehlen 25 Ar mit 300 <*, jenseits bet Vier an der Straße 25 Ar mit 1800 <M verlaust. Ei« Acker bei Lieschenruh, welchen Hdrr Heinrich Wende erstand, erzielte den Preis von 2000 M. Der Letztere verkaufte dann wie- der an Herrn Bauführer Echätte in Affoldern
schlagen, ohne ihm das geringste ZugestSiwnis zu machen."
„Dann, mein' ich. könnten wir endlich frühstücken,"' erklärte der Baron erheitert.
Als er feiner Frau den Arm bot, bemerkte er lächelnd: „Die Kleine wird'» wohl nie ganz einsehen, wie wir uns abrackern mutzten um ste zur Millionärin und Baronin zu machen!"
13. Kapitel.
Ee «ar drei Uhr nachmittags, als Heinrich in der »ourgognestvatze au» dem Wagen stieg und in den Hof des Bourbonpalastes trat. Gr wandte sich der Haupttreppe zu, aber ein Türhilter vertrat ihm den Weg und fragte nach einer Nnlatzkarte, die er nicht besaß. Dadurch lich er sich aber nicht irre machen, sondern beauftragte einen der Aufwärter mit der Meldung, daß Baron Tresorier den Abgeordnete« für di« BendSe einen Marquis Eerneuil, zu sprechen wünsche. Rach kurzer Zett kam der Marquis selbst heran».
„Ste find'», mein lieber, junger Freund!" rief der Legitimist. „Ich hatte Ihren «ater vermutet. War in aller Welt habe« denn Sie hier zu schaffen? Sind Ste etwa mtt einem Eheckbuch ausgerüstet?"
»Nein? Ich will keine» Menschen Stttltch- kett in Gefahr bringe«, aber eine« Besuch bei einem Kammermitglied machen, und da man mir den Zutritt verweigerte . . .*
freilich, freilich! Da» geschtcht der Bombe« halber,- versetzte der Abgeordnete. „Seit da» Attentat stattfand, läßt man die harmlosesten Leute nicht mehr ohne Einlaßkarte herein, aber den Schurke«, die eine Karte haben, stehen alte Türen offen. Da» versteht man unter Rechtsschutz für die Versammlung."
(Nachdruck verboten.)
Die Tockter des Abgeordneten.
Von George - Ohnet.
iftorttetznnn.»
„Mein Plan ist sehr einfach. Ich werde in des Lowe« Hohl« gehen und mich gründlich und ehrlich aussprechen mit diesem Tourcier. Seit er weiß, wer ich bin, habe ich ihn ja gar nicht mehr gesehen, und ich muß stff, Gesicht erblicken mutz seine Stimme hören . . *
„Aber du hast vorhin mit Gewaltsamkeiten gedroht . . .“
„Töricht genug. Sinnlose Worte, «eil ich 1« doch nicht in der Lage bin, sie in Toten um. rufetzen — Dummheiten, rote sie einem tm Zorn entschlüpfen!"
„Wenn dich aber tm Gespräch mit Tourcier der Zorn aufs neu« hinreitzt?-
„Jch werde an Gilberte denke» und ruhig bleiben."
„Und was willst du ihm den» eigentlich sagen?"
„Was mein Gefühl, mein Herz mir eingebe» wird."
»Und wenn er dir kein Gehör schenkt?"
„Itann wüßte ich. daß von ihm nicht« mehr zu hoffen ist. Bis dahin hab' ich meine Zweifel darüber."
,Fku« gut, mein Kind" sagte Fra, m» , Tresorier, „ich ball? es kür wichtig daß du bf*- ; Jem Drang, der vielleicht eine Eingebung ist. polgst J^enfall» kannst du dem Abgeordnete« Megenüber deinen Vater und mich mit verbind- , Ach mache» . . was du ihm auch zu sagen wagst. ,Wltr werden deine Worte nicht widerlege«.
Mcht wahr, lieber Mann?"
! gewiß! Diese beiden Kind« glücklich
zu machen, das ist die Hauptsache ... und müßte ich selbst darauf verzichten, bei der nächste« Wahl in Bizy wieder gegen diesen Tourcier aufzutreten. . . . Der Himmel weiß, daß ich da» mtt kein kleines Opfer bringe!"
Heinrich überlegte eine Zeit lang, dann fragt« er mit großem Ernst: „Darf ich so weit sichen, Papa, deine politischen Grundsätze für meine Person zu verleugnen?-
Tresorier fuhr zusammen, und ein seltsame, innere» Unbehagen prägte sich auf feine« Züge» au».
„Es tut mir weh, Heinrich, daß ich au» dieser Frage «sehen mutz, wie wenig Gewicht du darauf least, rote wenig ste dir Herzenssache sind. Fabelhast, wie diese jungen Leute samt und sonder» von Gleichgültigkeit angesteckt sind Monarchie. Republik, diese Verfassung oder eine andere, wa, kommt'» ihnen drauf an! Rur btejSnten kennen «och Treue, politische» Ge-
J? Vapa! Ste Treue kenne ich auch, ab« am Herzen liegt mir nur die Treue für meine SUberte."
„(Ei ist jung," sagte die Mutt« lächelnd,
« ist verliebt, da mutz man Nachsicht ilben,, lieber «an», um so mehr, al» « nicht glücklich ist."
Immerhin. mein Sohn," bemerk» bet BrnfteT ein lenkend, „geh' wenigstens nicht
bte gemäßigte Sinke hinaus!"
Heinrich umhalste den Pater mtt stürmisch« Zärtlichkeit.
Ach, Papak Wie erkenn' ich deine £te5e «n dem ungeheuren Opfer, bas du mit damit bringst! Aber fd ganz ruhig, ich werde deine Erlaubni, nicht mißbrauche«, im Gegenteil... I jetzt will ich -ei tiefem Tourcier alle» heran» '
25 Ar zum Preise von 3000 <M. Herr Schatte kaufte von Herr« E. Emde da» alte Wohnhaus. Gr will dasselbe abbreche«, auf dem neue* kauften Grundstück wieder austichten lassen usttz bte Wohnungen an Talsperrenarbeiter eee» mieten. Der erzielte Durchschnittspreis für die zum Kunzemannschen Gute gehörigen Grundstücke beträgt ungHähr 1300 für de« Morgen. Vor 4 Jahren wurde erst das Jungemannsche Gut von 112 Morgen parzelliert.
Gaffel, 5. März. Der Polizeipräsident zog die Genehmigung, die er der fozialdemokratb schon Partei für die am Sonntag auf dem „Forst" zu veranstaltenden Wahlrechtsvemon» ftrattonsversammlung unter freiem Htmmch und für anschließenden Demonstrattonszug er« teilte, zurück.
Gieße«, 4. März. Der „Gieß. Anz." schreibt: Billige Fleischpreise hat trotz der h<chen Bieh- preise und der angeblich zu hohen Schlachte -ühr die Earnisonverwaltuna bei der Fleischverdingung für das zweite Vierteljahr erzielt. Es kam dies daher, weil die hiesigen Metzger tu letzter Zeit bei großen Lieferungen sich stark« Konkurrenz machen. Unter 6 bis 8 Angeboten verlangten Louis Bogt Witwe, Konrad State komefius und Hch. Simon für das Kilogramm Ochsenfleisch 1.26 M., für Kuhfleisch 1 «st und für Hammelfleisch 150 <M; ferner Fritz Echlörb für Schweinefleisch 1.36 «st und für ausgelaffene» Schweinefett (Schmalz) 1.40 «st. Die Ladenpreise sind um 20 25 Pro ent höher.
Frankfurt a. 5. März. Der erste Todes Preisreitens des Franffurter Rennklubr t« Hippodrom ging bei ausverkauftem Haufe von statten. In der Fürstenloge waren anwesend u. a. der Kronprinz und die Kronprinzessin, das Erotzherzogspaar von Hessen, die Kronprinzessin von Griechenland, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Prinz und Prinzessin Albett von Schleswig-Holstein, Prinzessin Sibylle »o» Hessen, Herzog Franz Joseph in Bayern. Die Hauptkonkurrenz, die Staatspreisreitkonkurrenz, gewann Major v. Eicke, Husaren-Regt. Rr. 7, den Ehrenpreis des Erotzherzogs von Heffen tu der Springkonkurrenz gewann A. Becker-Frankfurt. Während der Teepause nahm die Kron- prinzesfin an dte mitreitenden Damen der Äeite konkurrenz die Preisverteilung vor. In der Staatspreiskonkurrenz hatte auch ein Pferd des Kronprinzen mit konkurriett, das von Leutnant v. Zabeltitz geritten wurde und den vierten Platz belegen konnte.
Höchst a. 9L, 5. März. „Was hast du heule- getan?" Üeber dieses Thema sollten neulich die Schüler der Fortbildungsschule in llnter- liederbach einen Aufsatz schreiben. Unter den abgelieferten Arbeiten befanden sich zwei, dte durch ihre lakonische Kürze bemerkenswert waren. Ein« lautete: „Ich bin Landwirt!" und überließ dem Lehrer, sich aus diesem Geständnis alles übrige herauszulesen. Die andere, war noch kürzer: „Dienstgeheimnis?" schrieb der Witzbold, der auf der Bürgermeisterei al» Schreiberlehrling sitzt. Wird der Herr Eh«f seine Freude an dem Kerlchen haben!
Queckborn, 5. März. Die Ci"" Gießen Tyt in der letzten Zeit wiederholt erhebliche G«. ländeankäufe bei ihrem Wasserwerk vorzcnom-
Plaudernd stiegen sie die Treppe brr zur Galerie hinauf.
„So, jetzt find Eie an Ort und Stelle und bedürfen meiner nicht mehr,- sagte bet Marquis.
„Doch, ich habe noch eine Bitte! Wollen Eie den Abgeordneten Tourcier benachrichtigen lasten, daß er hier erwartet werde?"
„Tourcier?"
„Ganz richtig, aber bitte, sorgen Ste, das, ihm mein Marne nicht genannt wird. Wenn er wüßte, wer ihn erwartet, mär' er im stand, gar nicht m kommen."
„Oho! Haben Sie einen Angriff auf ihn vor, und ahnt er da»?-
„Wahrhasttg nein?"
Gut, gut! Ich werde es ihm persönlich melden."
„Tausend Dank, verehrter Rarqui»!"
„GrÜßen Ste Ihren Vater."
Er ging und Heinrich blieb allein in dem breiten, den Sitzungssaal umlaufenden Gang. So ost eine Tür aus und zu ging, drang au» dem Innern ein Sttmmengewirr heran», da» große Verwandtschaft mit dem Summen und Tostn einer schlecht im Zaum gehaltenen Schulklasse hatte. Mitunter übertönte die Stimme des Redners die lärmend« Unterhaltung, rote etwa in der Schute der Mahnruf des Lehrers. Zuweilen gab der Präsident mit feiner Klingel ein Zeichen, und man konnte sich dann in de« Zirkus versetzt fühlen, wo das Wagenrennen st angekündigt wird. Offenbar war eine fachliche Debatte über wichtige praktische Fragen tm Gang, denn kein Mensch schien zuzuhören. Zw«t Zeitungsberichterstatter gingen an Heinrich vorüber.
(Fortsetzung folgt.)