Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespalienc Zeile
M 5ä
Zweites Blatt
Taschi Lama, der zukünstiae Dalay Lama
&
<
t
t
< .
r
unwiderleglich bewiesen, wie verheerend manche Gewerbekrankheiten auf Leben und Gesundheit der Arbeiter einwirken und ihre Lebensfähigkeit so beeinträchtigen, daß ste um zehn und noch mehr Jahre früher sterben als der Durchschnitt der gleichaltrigen Bevölkerung unseres Vaterlandes. Ist es nicht der Tod, fo tritt friizeitig Invalidität ein, welche die Arbeiter auf die staatliche Invalidenversicherung oder die kirchliche und kommunal« Armenpflege anweist. Und zu beachten ist noch, das, manche Ee- werbekrankheiten auch auf die Nachkommenschaft eine überaus ungünstige Einwirkung haben, wie sich an der geringen Militärtauglichkeit der jungen Jickustriearbeiter erkennen läßt. Was
soll man dazu sagen, daß, wie vor kurzem bet den Beratungen des Landwirtschaftsrates zur Sprache kam, nach einer einwandfreien Statistik das Land weit mehr als die von ihm geforderte Anzahl der Mtlitärtauglichen liefert und die Großstädte dabei unter der Hälfte zurückbleiben. So liefert z. B. die Provinz Ostpreußen 140 v. H., Berlin dagegen nur 42 v. H., München 49 v. H. und Frankfurt a. M. 48 v. H. Das platte Land und der Landbau bieten di« besten Bedingungen für die körperliche Entwickelung und den steten Ersatz der menschenverbrauchenden Großstädte. Manche Gewerbe- krankhekten wirken auch sogleich und unmittelbar auf die Nachkommenschaft ein. s» sind z. B.
Frühgeburten und Fehlgeburten bei den mit Blei beschäftigten Arbeiterinnen eine häufige Erscheinung.
Die Eindämmung solcher Schädigungen, und womöglich ihr« gänzliche Ausschaltung ist daher auch für unser Volk eine hochwichtig« Aufgabe, zu deren Lösung sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Techniker und Arzt, Gesetzgeber und Sozialpolitiker zu gemeinsamem Handeln die Hand reichen müßen. In erster Linie kommen natürlich die zunächst beteiligten Kreise in Betracht, die Fabrikherren, die Arbeiter, die Innungen und Handwerkskammern, denen auf diesem Gebiete auch wohl die reichsten Erfahrungen zur Verfügung stehen dürften. Treten diese Kreise nun mit den ausländischen Interessenten in Fühlung und Austausch ihrer Erfahrungen, so kann das Resultat nur ein nützliches sein, aus dem In- und Ausland reiche« Segen ziehen können.
mit kaltem Blut erwürgen könnte! Ach! Wenn der Unmensch nicht Gilbertes Vater wäre . . ."
Der Bankier und feine Frau blickten mit Entsetzen auf ihren ruhigen, sanften Sohn, den zum erstenmal im Leben in ihrer Gegenwart der Jähzorn übermannte, daß er mit blutunterlaufenen Augen, erdfahlem Gesicht wie ei« Tobsüchtiger um sich schlug.
„Was liegt daran?" rief er schließlich, sich etwas faßend, „dieser Zustand kann ja nicht andauern? Ich ertrüge es nicht!"
„Was kannst du dagegen machen, mein armes Kind? Du rennst gegen unübersteigliche Hin- derniße an, den Widerstand des Vaters und den festen Entschluß der Tochter!"
„Kann ich sie nicht übersteigen, so werd' ich sie aus dem Weg schaffen, diese Hinderniße .. . so wird's nicht fortgehen."
Auf seinem Gesicht war ein so fester, feuriger Entschluß zu lesen, daß die Eltern erschraken.
„Ich setze voraus, daß du keine Unbesonnenheit, keine Gewaltsamkeit planst," bemerkte der Baron.
„Nein, Papa."
„Setze auf keinen Fall den Ruf des jungen Mädchens aufs Spiel ... er muß dir heilig fein."
„Lieber sterben als sie schädigen."
„Ums Sterben handelt sich's vorderhand noch nicht!" warf die Mutter ein.
„Komm, beruhige dich ein wenig und fetze der Mutter und mir auseinander, wa» du he Schilde führst." ,
(Fortsetzung folgt.).
Marburg
Smntag, 6. März 1910.
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain s
und den Beilagen: „Rach Feierabend" lwöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage.
Die vor einigen Tagen gemeldete Vertreibung des in Shasa residierenden budhistischen Oberhauptes, des Dalat Lama, hat die allgemein« Aufmerksamkeit wieder auf das non allen asiatischen Ländern wohl bisher am wenigsten bekannten Tibet gelenkt. Die Chinesen scheinen der Loyalität des weltlichen utti) geistlichen Beherrschers Tibets schon seit längerer Zeit kein Vertrauen mehr entgegengebracht zu haben. Sie sind schon darum offenbar entschloßen, der Herrschaft des Dalai Lama ein für allemal ein Ende zu bereiten, und di« bisher nur dem Namen nach
Deutsches Reich.
— Zur Erhebung des Scheckstempels bei de« Spar- und Darlehnskaßen hat das Reichsschatz- amt bestimmt, daß bei diesen Spar- und Darlehnskaßen der Scheckstempel nicht zu entrichten ist. wenn es sich um Guthaben handelt, über di« nicht anders als int Wege der Barabhebung verfügt werden kann, und wenn außerdem die Zahlungen aus dem Guthaben ausschließlich gegen Vorlegung des Sparbuchs behufs Eintragung der Abhebung durch die Eenoßenfchaft erfolgen dürfen. — Trotzdem werden die liberallen Zeitungen und Agitatoren nicht aufhören, den Scheckstempel, für den die liberale« Kommißionsmitglieder in der Reichsfinanzkommission übrigens selbst gestimmt haben — der Abg. Mommsen (Frs. Vgg.) schlug sogar di« Entrichtung dieses Stempels durch eine Briefmarke wie in England vor —, als ungeheure Belastung des erwerbstätigen Mittelstandes hinzustellen. Zu diesem Zweck ist sogar oft von liberalen Versammlungsrednern fälschlicherweise behauptet worden auch die Abhebung bei den öffentlichen Sparkassen würden vom Scheckstempel getroffen. Ueber di« besondere Gebühr von 25 bei Schecks die von den Großbanken eingeführt worden ist, darüber schweigt allerdings die liberale Höflichkeit.
— Die Eoflngerste. Berlin, 2. März. Der „Reichsanz." veröffentlicht einen längeren zusammenfaßenden Artikel über die bisherigen Ergeb- niffe der Versuchsfütterungen mit Eostngerste. Danach wurden in keinem Falle die behaupteten schädlichen Wirkungen des Eostns festgcstellt, daß die beobachteten Störungen und Schädigungen tatsächlich durch Verfütterung von Eostngerste veranlaßt waren, dagegen ist es in einer Reihe von Fällen gelungen, die wahren Ursachen in Verunreinigung oder Dumpfigkeit der Gerste oder in Rotlauf, Backsteinblattern oder Schwcineseuche amtlich zu ermitteln. Bei den amttich vorgenommenen Versuchen wurden nachteilige Einwirknn- gen auf das Wohlbefinden und die Nutzungen der Versuchstiere nirgends beobachtet, vielmehr sogar bei Berfütternng mit reinem Eostn erhebliche Gewichtszunahmen beobachtet. Ein beim Beginn
Vorstellung, daß seine Gilberte solche Unbill erdulden sollte, und er versank in trübes Schweigen, begann aber dann plötzlich: „Dahin hat also ein rücksichtsloser, beschränkter Vater seine entzückende Tochter gebracht? Und wann wird die Prüfung enden? Jetzt ist sie Novize . . . kein Mensch weiß, ob Courcier seinen Eigensinn je aufgeben wird, und tut er's nid#, so legt sie da» Gelübde ab. Nach der Folterqual, für in diesem jammerwürdigen Zustand zu wißen, wird mir dann der hoffnungslose Schmerz werden, auf ewig von ihr geschieden zu sein. Wenn das Gelübde in diesem Orden auch kein auf alle Zeiten bindendes ist, ein Mädchen wie Gilberte nimmt ein einmal gegebenes Versprechen nicht zurück, und ist ste erst Klosterschwester, dann bleibt fie's. . . . Was soll dann aus mir werden?"
Frau von Treforier war sehr bestürzt. Sie hatte gehofft, mit der Nachricht von Gilbertes Tapferkeit und körperlicher Leistungsfähigkeit Trost zu spenden und Freude zu bereiten, statt deßen rief ste nur Jammer und Verzweiflung hervor. Auch ihr Mann war ganz niedergeschlagen.
Wenn ich mich ht die Lage dieses Courcier versetze?" bemerkte er. „Mich würde der Jammer zu Boden drücken."
„Dieser Courcier ist ein Scheusal?" brauste Heinrich auf. „Willst du den Menschen etwa bemitleiden? Ich hätte eher Lust, in den Bourbonenpalast zu gehen, ihn an seinem langen Bart zu packen, auf den das Kamel so eitel ist, ihn durch die ganze Friedensgalerie zu schleifen und mit Fußtritten zu bearbeiten. Dies« Mensch« hasse ich derart, daß ich ihn
bestehende Souveränität Chinas in Tibet zu einer tatsächlichen zu gestalten. Ein solches Unternehmen scheint umsomehr Erfolg zu versprechen, als die Pekinger Regierung sich in den vor ihr ergriffenen Maßnahmen und zwar der militärischen, der vollen Zustimmung von fetten Englands, mit dem vorher eine Verständigung erzielt worden zu sein scheint, erfreuen darf. Unser heutiges Bild zeigt den bishergen Dalai Lama, sowie den zu seinem Nachfolger ernannten bisherigen Taschi Lama, der mehr chinesen- fteundlich gesinnt sein soll.
In der Pretzburgstraße wurde die Heimkehr der Baronin mit fieberhafter Spannung ermattet. Heinrich rannte immer von einem Zimmer ins andere, und sogar den Sanfter hatte es heute nachmittag nicht in seinem Geschäft gelitten. Man ließ der Baronin nicht die Zeit, ihren Hut abzunehmen; Mann und Sohn zogen sie stürmisch in ihr kleines Wohnzimmer, wo sie Bericht erstatten, alle Einzelheiten schildern sollte.
„Aber, Heinrich, so laß mich doch gti Atem kommen," wehrte sie ihn lächelnd ab, selbst voll Ungeduld, ihm Freude zu bereiten. „Also denn! Sie ist ganz heil und unversehrt, blüht sogar wie eine Rose, sieht in dem dreiteiligen, weißen Häubchen und den groben, blauen Strümpfen reizender aus als je, hat in dem grauen Wollkleid «ine Figur, die fast der Andacht gefährlich werden könnte? Als ich sie sah, ordnete sie Leintücher in einen Schrank, aber am Tag vorher hat ste, rote ich hörte, sogar den Hof gekehtt . . ."
„Gekehtt I" tief der Bankier entrüstet.
jawohl, und zwar soll fie's sehr gut machen. Sie soll den großen Reisigbesen mit erstaunlicher Kraft und Sicherheit regieren.“
„Also wie die unglücklichen Straßenkehrerinnen?“ wimmerte Heinrich. „Wie diese armen Geschöpfe, die wir frierenb und fröstelnd an der Arbeit sehen, wen« wir früh zur Jagd fahren, und die dem Vater und mit so leid tun ? Ach, mein Gott, mein Gott?“
Ja. nur daß Gilberte kein« Lohn dafür et» hält?“
Heinrich konnte die humoristische Auffassung feinet Mutter nicht teilen. Ihn empörte MU
GewerbklraMeilkn und Arbeiterschutz.
Die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschuh hat ihre sechst« Delegiertenversammlung auf den 26. bis 28. September 4 noch Lugano einberufen. Die Hauptgegeu- stände der Verhandlung werden die Beratungen über die gewerblichen Gifte, >ie Heimarbeit, ote Nachtarbeit der Jugendlichen, den Maximal- arbettstaa in ununterbrochenen Betrieben, den Arbeiterurlaub und die Eewetbeaufstcht bilden. Mit Recht wird in neuester Zeit dem Handwerk und Gewerbe in ihrer Beziehung auf die Gesundheit der Arbeiter großes Interesse gewidmet. so daß fich sogar eine eigene Wissenschaft auf diesem Gebiete, die Gewerbehygiene, herausgebildet hat. Ihre Uranfänge liegen etwa 200 Jahre zurück, als Ramazzini mit seinem Werke über die „Krankheiten der Handwerker" die erste zusammenhängende Darstellung der Eewerbekrankheiten und die Mittel zu ihrer Verhütung gab. 200 Jahre, was für eine enorme Veränderung hat sich während dieser Zeit in Handwerk und Gewerbe vollzogen.
Nach einigen schüchternen Versuchen, di« kaum 100 Jahre zutücklieg«, find wir imnitt« hineingetreten in das lebenskräftige Zeitalter der Technik, der Mafchin«, des Dampfes, der Elektrizität, und dieses Zeitalter hat Gewerbe und Industrie zu einer ganz gewaltigen Blüte emporgeführt. Man denke nur einmal an die kurze Zeit, welche di« Luftschiffahtt gebraucht hat, um zu ihrem jetzig« Stande zu gelangen. Ganz neue Eewerbszweige find erschienen und haben festen Fuß gefaßt, ste haben aber auch eine Reihe von Berufsleiden mit hervorgebracht, die den Arbeitern und den Beamt« Tod und Siechtum bringen und deren tatkräftige und erfolgreiche Bekämpfung eine der vornehmsten Pflichten aller industriell« Kreise bildet. Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem nicht eine neue Erfindung gemacht oder ein neues Produkt hergestellt würde, es vergeht aber auch kaum ein Tag. an dem nicht neue Schädigungen erkannt würden, den« die mit dies« neuesten Industriezweigen Beschäftigten ausgesetzt find. Mit diesen eigentlichen Gewerbekrankheiten stehen auch die Betriebsunfälle in innigstem Zusammenhänge, deren starkes Wachs« der gesteigerten Zunahme der Maschinenverwendung entspricht, da die Maschinen leider vielfach noch de^ nötigen Schutzvorrichtungen entbehren. Diese Gefahr« auf dem gewerbehygienischem Gebiete sind aber noch umso größer, als es stch hierbei in zahlreichen Fäll« nicht um solche Arbeiter Üanbeft, die in der vollen Lebensblüte und Widerstandskraft stehen, sondern um solche, die durch schlechte Wohnungsverhältniße. Alkoho- lismus, unzureichende Ernährung, übertttebe- nen Lebensgenuß bereits geschwächt stnd und der Krankheit ein günstiges Angriffsfeld darbtet«.
Die Bedeutung der Bestrebungen der Jnter- nattonalen Vereinigung für Arbeiterschutz für die Volksgesundheit und Volkswohlfahrt ist nicht zu unterschätzen. Die Statistiken haben
2ie „CfcttUtfindje firitiiiifl" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel, jährlich durch die Poft bezogen 9 26 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 2 'Jl.
to (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet «storttetzung.i
„Wie gütig von Ihn«, gnädige Frau, daß Sie mein heißestes Verlangen ahnt«! Er ist also nicht krank? Dieser rauh« Winter hat seiner Gesundheit nicht geschadet?"
„Rein, mein Kind, wieso benn? Er hat ja einen warm« Ofen, daheim und in der Kammer, aber Sie werden recht frieren? Die Zellen find sicher eisig?"
„Kalt zu schlaf« ist ja so gesund."
„Und Ihre armen Händchen stnd ganz rot..*
Die Baronin streichelte Gilbertes allerliebste Hände, die von der groben Arbeit, der ste fich unterzog, freilich gerötet, aber noch nicht hart geworden waren, und sah ihr, gerührt über den Mut, die Ausdauer und Entsagungskrast des jungen Kindes, mit mütterlicher Zärtlichkeit in die Augen.
„Ach. gnädige Frau," sagte Gilbette ernst, „wenn ich gar nichts zu leid« hätte, könnte ich mir's ja nicht verzeihen, meinemVater Kummer und Schmerz zu bereiten."
Frau von Treforier drückte noch ein« Kuß auf die reine ernste Stirne, dann folgte sie der Oberin, um di« Besichtigung der Anstalt fottzu- setzen. Heinrichs Name war zwischen d« beiben Frau« nicht genannt worden, und doch war Gilberte an diesem Abend von einet inner« Freudigkeit erfüllt, die ste lange nicht mehr empfinde« hatte. Die Schwester Therese wunderte sich ei« wenig, fit lei bet Arbeit ei« Liedchen
oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — ie cy-t.».-
Druck und Verlag: Joh. «ug. Koch, UniversttälS-Buchdruckerei 49. xZUljlg.
Inhaber Dr. 6. HitzeroH, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
»bg« setzte * üalay Lama
s