Einzelbild herunterladen
 

............................

und den Beilagen:Nach Feierabend« twöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtichastliche Beilage."

.« 53

TieQberbeiiilche Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren Ze,!ung?stellen und der Expedition (Markt 21), 2 «M.

Marburg

Freitag, 4. März 1910.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder beten Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, llniverfitätS-Buchdruckerri Inhaber Dr. T. Hiheroth, Rarburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Aus den Parlamenten.

t' Deutscher Reichstag. /

- ' 46. Sitzung vom 2. Mär.,.

Tie Beratung des Etats des Reichsamts des Innern wird heute fortgesetzt. Zuerst wird über die mehr als 50 Resolutionen abgestimmt, die zum Cioatssekretärtitcl eingegangeu find, die zum größten Teil angenommen werden. Zum Ka- .Allgemeinfonds« haben die Rationallche- ralcn eine Resolution einaebracht die die Grün- tLna und Nnterbaltung einer Reichsanstalt für Lumckstffahrt und Flugkechnik in Friedrichshafen möglichst bald fordert, und zwar unter Leitung des Grafen Zeppelin. Alle Parteien waren mit der Idee einverstanden, nur wurden Zwei»-! saut, «b gerade Friedrichshafen der geeignete Ork da­für fei. zumal es ia Graf Zevvelin. dem olle Red­ner höchste Aneckennung zollten, abgelehnt habe, die Leimna zu übernehme».

Aba Eieber (na!l.): Die aekorderte Anstalt solle nicht einseitig dem Zepvelinfchen Stiftern die­nen, sondern allen. Die Regierung solle eine Sachverständigen Aomm-Mon berufen und auch den Graten Zevvelu, biniuüehen. Abg. Graf karur-r Zieserwitz (kons.l meint, zu den Kosten der Anstalt müsse nian aber auch die befeipote Industrie her eben «»h sich mit einem Reichs- zuschust begnnaen. Die Platzfraae müsse jedoch fr: >fästig geprüft werde t umlontebr da Graf Zevvelin die Leitung gbgelebnt haste Dbg. Del- trück tkrs Ra i tritt für eckeickueitiae S^alvma einer Bersnchsanstalt zur Rvsrstmg de? Materials ein Stagts'ekretär D-lstrstck hat graste Bedenken nicht nur s'iianeieller R"<nr Eine solche Reichs­anstalt würde das Reichsamt schwer belasten.

Tann en'svann stch eine lange Ansivroche über unsere Seefischerei, für b;e eine R-folution stil kiae 9tast>Ua'-!?e sacherk. Die ^re^ünniaen furch iicn. dast dadurch d'e »nsländifche Si^cherei beem- trüchti.rl werden könne n»d d-rlanaken dieselbe Veraünstiaung für alle Tische die in einem beut tfe» Kalen an Land aestracht würden Ron gll-n Selten wurde der Werl der Kochfeelischerei kür unsere Bolts-rnästrnng betont und allerlei Vor­schläge gemacht, fte tmf eine E«*ondere Ksbe w erittoen Auch vwrden Anregungen gemacht wie es vielleicht N'öasich fei. in Rai befindlichen Iiststerstoote» nioastchst schnell Kille zu bringen. Tast dabei der drastllofen Telegraphie Sine aroste Rolle zugewiefen wurde, braucht Wohl nicht erst betont zu werden.

Aba. Dr.-cke knall l bedmteri dann, dast tcim Vostdan'Nsrchifsstierfebr «ach Ostasten und Anstralien die kleinen Firmen von den arösteren gedrückt würden. Direktor des Reichsamts von IononinreS betont demaeaenüber, hast die Re- dieruna nicht einareifen könne da e? stch um nicht subventionierte Kirnten bandle. Aba Dahlem »Ztr 1 fordert scharfe Belämvstmg der Restlmis- kraukbeit «nd strenge Dnrchfüstrnng des Wein- jpcfette5 Abg Rr-Nt zu Schönaich starnlath tnatf , weist auf d'e Tätigkeit der Zentralstelle für Volks- Wohlfahrt hin. '.

Im Abgeordnetenhause

Wurde am Mittwoch die zweite Lesung de? Bera- «tats fortgesetzt Minister Endow gab Anffchliisse über den Stand der klnterfnchnng über die Nr- ßachen der Radbod Katastrophe. Vor Abstblnh der LerichMcheu t1uferfiick»>nci könne sine Denkschrift 66er da? Grubenunglück nicht dorgcckeat werden. D'"' Anfrs-trungsarbeiten waren im dollen Gang«, mllitten gl>er mit der größten Rnrstcht doraenom- «teit werden um neue Nnalücks'äffe *n verhüten. !P,nr möglichsten Sicherung des Betriebes für di« Kfa fünft v'strden die Arbetter mit elektrischen Pom«

88 sRachdruck verbeten )

Die Dotier des Abaeordneten.

Von Georges Ohnet. lfiortfetzung )

».Willst du mir Zwang auferleqen im Name» der Freiheit? Ist das dein« Achtung vor dem Recht der Persönlichkeit?"

Das kst richtig!" ries Coureier stöhnend. ,.$d) würde ja mein ganzes politisches Elau- hensbekennfnis widerlegen ... so kann ich mir doch «icht selbst »ns Gesicht schlauen? Und doch . . . mei» Kind meinen Feinden preir- gebe». . . . Äch? wenn stch's am andre handelt, scheint es immer so leicht, einen solchen Knoten zu durchhauen, ist man aber selbst vor bi« Frag« gestellt. . . . Gilbert«, du stehst ein, wie schwer <65 mir wird, stehst, daß ich mich «icht in deinen Verlust ergeben kann. . . . Was mußt ich tun. «m dick mit zu erhalten?"

Ti< Baterliebe über di« Eigenliebe stegen lasten! Ten Ehrgeiz, eingebildete Feinde nie­derzuwerfen. «icht höher stellen als den Wunsch dein Kind glücklich zu wissen? O Papa, willst du mich zu deinen Küsten sehen, voll heisten Danks, voll anbetender Liebe? Kieb mich dem Mann, den ich liebe!"

Da würdest du mich ja auch verkästen."

Aber jeder Tag meines Lebens wäre erfüllt von Dankbarkeit, von Bewunderung deiner Großmut, während ich so mein Leben ver­trauern werde in Berzweiflung über dein« Hartherzigkeit."

Courciet atmet« so schwer, als ob ihm Be­klemmungen die Brust zusammenschnürten.

Lieber im Kloster als bei den Tresoriers!" entschied ex mit dumpfer Stimme.

»So leb denn wobt, mein Baler k" flüstert«

p«n ausgerüstet, fände eine stärkere Rieselung statt und würden die ausströmenden Wetter auf ihren Gehalt an Grubengas untersucht. Die Anregung des Abg. Macco lnatl.) zur Hebung der Renta­bilität wären jedenfalls ein wertvolles Material für die Subkommission. Bei Festsetzung der Löhne müsse man auf die allgemeine Konjunkttrr $>:;nehmen. Den Antrag Boramann (Soz.) bitte er abznlehnen. da seine Ausführung sehr große Kosten vemrsack'en würde. Abg. Korsanth (Pole) meinte den Rückaana der Arbeiterleistun­gen aus die schwieriger gewordene Kohlengewin­nung znrücksühren zu können. Abg. Imbufch (Ztr ) Ivie? die Anariste des Abg. Leinert (Soz.) aus das Zentrum, da? stch stets arbeiterfrenndlich bewiesen habe, zurück und bebtntbfete, dast die Sozialdemokratie die während des Streiks für die notleidenden Bergleute gesammelten Gelder an die rnsfifchen Revolutionäre gesandt stabe. Abg. Schmieding lnatl) meinte, daß Privatbetriebe stets rentabler grste'tten würden, wie Staats­betriebe. An der Befferstellnng der Arbeiter leien nicht nur Zentrum und Sozialdemokratie inter­essiert, sondern sämiliche Barteten und Bevöl- keN'.ugsfchichten.f'ie von ^fftrft Bismarck inaugu­rierte Arbeiferfürsorgegefebgeb'mg stabe mir durch die sreimdliche H-zfttma aller Parteien lo wett ge­deihen köilnen. Abg. Gvbsing (frf Bv) bedauerte die nicht in die Gtatsdestatte gestöriaen vattei- volitttchen lind WastlreckstKdebatten. Der Redner forderte eine klarere und dnrckistchtiaere Etatsvor- laae dann würden a"-b gr-zstere Etträae erzielt werden können. Die Abg. Dr. Lobmann lnatl.) ,<nd Gronawski llltr) benutzten da? Wort wie- bentm nur. um stch meaen rurücktteaender ^or» kornninifse bei den Wahlen aeaenleitta d-r Unter« stützimg der Soziald'nnokrgtte zu beschuldigen. Gin Schlnstantrag führte das Ende der ^-statte herbei. Der Antrag Boramann rSoz.) wurde ast- aelebnt. Das Kans vertagte stch nm 5 ttstr auf s^reitga na^rnittaa 1 Itbr. sfortletzuna der heu­tigen Beratung. Handels- und Gewerbeetat.

*

ffu? den stvmmttstonen.

Berlin, 2. März. Die Iuftickommifsion des Retchstaaes bat beute nach lebhaster Debatte di« Deleidiattüg^bargäravsteN nebst den dazu vorlle- aenden Anträgen abaelebnt. so dast es nach den Beschlüssen der Kammistion bei dem bisherigen RechtSznstand bleibt.

Berlin 2. März. Die Bndaetkommisston des Reichstags beriet heute den Etat für Kiautfchou. Hierbei reate ein Sozialdemokrat die Herabsetzung der Zahl der Besatzung an. Der Staatssekretär erklärte, die BesatznnaSstärke sei vom Reichstage im Einvernehmen mit der Marineverwglttmg sest- geleat tvorbcn. Eine wesentliche Reduzierung würde in OstasteN so ausgesastt werden als woll­ten wir uns rurückziesten. Gegen in China ent­stellende Unruhen reiche die Besatzung vallwiumen für den Schutz der Kolonien aus. Die Bcsatzungs- stärke übe eine Rückwirkung auf untere Stellung im wirttchattlichen Leben. Ostastens aus.

PoNttsche Umschau.

gut Hundertsahrstter der Berliner Nnivetfititt werden die eingcladenen vier Akademien des In­stitute de France nicht erscheinen. Der Präsident der Akademie der Wiffenschaften hat einem Be­richterstatter erklärt, bei der Feier hätten die Uni­versitäten den Vortritt, danach kämen in alpha­betischer Reihenfolge die Akademien. Infolge­dessen wäre die Stellnng der offiziellen Vertreter des Instituts des Franee etwas lächerlich. Schließ-

Kilbcrte unter strömenden Tränen. Er wollte sie nicht ansehen und wandte ihr den Rücken zu.

Tief erschöpft, gebrochen von diesem letzten Kampf, ging das Mädchen seufzend hinaus.

Als Goutcier dann am Abend zum erstenmal allein am Eßtisch säst, ergriff ihn tiefe Traurig, leit. Bo« feindseligen vorwurfsvollen Blicken der alten Dienerin verfolgt, schlang er hastig ein paar Bissen hinunter, dann fluchtete er in sein Zimmer und steckte sich eine Zigarre an, um bei ihr Trost zu suchen. Aber aus den blauen Wölkchen, die sich zur Decke «mporkräulelten, grinste ihn das Gesicht des Bankiers höhnisch an, daneben tauchten die trüben Zuge des falschen Gervais auf, und ganz schattenhaft erschien da» «eines blaffen, zarten Nönnleins im gro- öollkleid und weißen Häubchen, das ihn an feine Tochter erinnerte. Die Derstimmung wuchs: sie wollte nicht weichen,

Ich hätte diesen Tresoriers das Geld für dieRevolutionäre Ptrtei" schon heimzahlen sollen," dachte er. Morgen sollen sie', beko-rn- men.

Eine gewisse Kruppe von Polittkern hatte ihm nämlich einen anständigen Preis für di« Zeitung geboten, und der Verkauf hatte sich mir dadurch verzögert, daß Eourcier sich die Fort« führung der Redaktton auf weitere drei Jahr« sichern, seine Kollegen aber freie Hand behalten wollten. Man bot ihm zwar an, ihn als Haupt, redakteur zu behalten, ließ sich aber auf keine bindenden Zusagen ein, und im Gefühl, wie gering seine Sicherheit dabei wäre, hatte er bi, jetzt das Geschäft nicht abschließen möoen. Die Notwendigkeit, den Tresoriers ihrSündengeld" vor die Füße zu werfen, ließ ihm indes feine andere Wahl, und da» erfüllte th« mit neuem

sich müsse man sich auch ohne Chauvinismus sagen, daß die Bettreter der französischen Aka­demien in eine etwas schwierige Sage geraten könnten, da sie vielleicht Reden anhören müßten, durch die ihr nationaler Stolz verletzt würde. Ferner wird bettchtet, der ständige Sekretär der Akademie der Inschriften habe bei der Beratung über diese Frage gesagt, man könne von den fran­zösischen Akademien nicht verlangen, daß st« die preußischen Universitäten verherrlichten, die das Geschlecht von 1870 vorbereitet, gebildet und er­zogen hätten. Der letzte Grund ist wohl der be- beitfenbere.

Der neue Reichstagspröfident.

Der zum ersten Präsidenten des Reich», tags gewählte Hans Atel Tammo Eraf von Schwerin aus dem Hause Schwerinsburg, preußischer Rittmeister a. D., Herr aus Löwitz im Kreise Anklam und Mariawerth in Mecklen- burg-Strelitz, ist fast 63 Jahre alt. Eraf Schwerin-Löwitz ist mit einer Reihe von bür­gerlichen Gelehrtenfamilien Berlins nahe ver­wandt. Der älteste Bruder feine» Vater», Eraf Maximilian Schwerin-Putzar, Minister des Innern im Ministerium der neuen Aera, hatte ein« Tochter Schleiermachers zur Fran. Eraf Hans Schwerin focht 1866 gegen Oester­reich und 1870 gegen Frankreich, erwarb das Eiserne Kreuz und nahm 1881 als Rittmeister und Eskadronchef den Abschied, um stch der Ver­waltung feines Besitzes zu widmen. Er hat stch feitdem hervorragende Verdienste um die preußische Landwirttchast, namentlich um Moorkultur und Viehzucht erworben. Nachdem er 1886 Mitglied des Preisausschuff«, und bee Kreistages in Anklam geworden war, erlangte er allmählich die führende Stellung in der Landwirtschaft. So ist er Präsident des deut­schen Landwirtlchaftsrates. Er führt den Vorsitz der Landwirftchaftskamme« für bi« Provinz Pommern und ist u. <t Mitglied der Zentral moorkommiffion und des Bezirkseifenbahnrates in Berlin. Dem Reichstag gehört et feit 1893, dem Abgeordnetenhaus« seit 1898 an. Im Reichstage vertritt er den Wahlkreis Stettin l, Anklam-Demmin, er fitzt bei den Deutfch- Konservativen und ist auch MttgliÄ des Böv. fenausfchuffes unb des landwirtschaftlichen Ausschusses. Mehrmals wurde Graf Schwerin- Löwitz als künftiger Minister bet Landwirt, schäft genannt, so nach dem Abgänge de» Her» von Podbielstt.

Reue Demonstrationen ft» Aussicht.

Für nächsten Sonntag hatten bte Berliner Sozialdemokraten tot Treptower Park große De- monsttattons-Versammlungen geplant. Pollzei» präsident v. Iagow hat aber einen Anttay ans polizeiliche Genehmigung abgelehnt, da die keik- ttebmer der früheren Demonfirattonszüae. um bte es sich bei den jetzigen auch tot wesentlichen han­deln würde, bewiesen haben, daß sie Gefetzwidttq- feit nicht scheuen, und eS wäre fomtt Gefahr für die 5ffentn<6e Sicherheit zu befürchten. Eine Be» fchwerde beim Minister des Innern v. Moltte hatte keinen Erfolg. Diefer erklärte, et könne sich

Kroll gegen dieWucherer", Vatet unb Sohn. Einen Augenblich schoß ihm bet Gedanke durch den Kops, sich an Iacquinot zu wenden. Dielet hatte endlich Mittel und Wege gefunden, sich den Posten eines Ministers bet öffentlichen Ar­beiten z« angeln, und et hatte ihn alfo bitten können, feint Zeitung ans dem Geheimfonds für die Presse zu unterstützen. Allein et hatte ja sein Leben lang mit großem Pathos die Auf­hebung dieses schädlichen Repttlienfond« gefor­dert und konnte jetzt, wo et das Opfer feiner Rechschafsenheit geworden war. diese verderbNche Einrichtung doch nicht gut heißen, indem et selbst daraus schöpfe. Dieser Skrupel hielt ihn zurück, andererseit, wat er auch gar nicht sicher, wie Iacguinot fein Anfinnen aufnehmen würde. Et hatte ihn erst neulich in feinem Leitartikel ein wenig auf die Hörnet genommen, und bet einstige Kamerad wat empfindlich. Afenn aber bet Minister gern auf feinen Vorschlag eingt- gangen war«, so würde die Folge fein, daß er ihm hinfort zur Verfügung stehen, auf den lei­sesten Wink ein« Lanze für ibn btechen müsste, und bet Eedanke, ht feinet Zeitung den Ruhm de» Freunde ausposaunen zu sollen, war ihm peinlich, nnerttäglich.

So schloß er den Handel ab und hatte di« Genugtuung, dem jungen Ttesorier zwanzig, taufend Franken mit der Bitte nmpostwen­dend«" Empfangsbescheinigung übersenden zu können. Roch am selben Abend erhielt et diese Quittung und Überla» st« mit grimmigem Ver­gnügen.

Mein Geld haben fie doch genommen!" sagt« «r sich.Ich habe nicht» von ihnen, aber fie haben mein Geld."

Die zwanzigtausend Franken de» Abgeotd- wte» Eourcier erschienen ihm »Lmlich bedeu-

nicht in bte örtlichen Angelegenheiten bes Polizei­präsidenten mischen, da er die lokalen Verhäft- niffe nicht übersehen könne und, falls et den Po­lizeipräsidenten desavouiere, damit eine Betont« Wörtlichkeit übernehme, die er nicht zu übernehmen vermöge. Zudem könnten die sozialbemkrattsche» Führet wohl für ihre Leute, für bte organisierten Patteigenossen, einstehen, nicht aber für bett Jan­hagel, der stch fo oft bei solchen Kundgebungen einfinde. Der Vorwär-s* sieht darin eine Ver­höhnung des Volkes unb erklätt, es würben sich trofriflebem* am Sonntag Hunberttausenbe von Wahlrechtsjreunben im Treptower Park zu einem ftteblichen Spaziergange* einfir.be«; komme ei hier zu Polizeiatta-ren, fo trage bie Verantwor­tung Herr v. Iagow.

.........- i --''..LL'.'.J' -------- 1 'JJI

Deutsches Reich.

Die Jtalienreise des Reichskanzlers ist, wie Berliner Blätter erfahren, nunmehr enbgülttg auf das letzte Dttttel des März angesetzt worben. Herr v. Bethmann-Hollweg wirb sich etwa 2 Wochen in' Italien aufhalten, unb an beit offiziellen Besuch' in Rom wird sich bann eine kurze Erholungsreise anschließen

Heber den Zwischenfall Gräfin Webel- Wetterlö soll nach der .Tägl. Rbsch.* von Berlin aus Bettcht eingeforbert worben feto. DieFrkf. s Ztg." verurteilt natürlich bie angeblich allbeutshe Hetze nm solcher Kleinigkeiten willen. Herr, Sonnemann, bet Begrünbet des Blattes war ja' auch gegen bte Annektion im Jahre 1870.

WjährigeS Senator Jubiläum. Hamburg, 2. März. Bürgermeister Dr. Burcharb ist M seinem 25jähttgen Jubiläum als Senator folgen­des Telegramm des Kaisers zugegangen: Eurer Magnifizenz spreche ich zu dem heutigen Tage, an dem Sie vor 25 Jahren bie mit so reichem Erfolg gekrönte Tätigkett als Mitglieb bes Senats bet Freien Hansestadt Hamburg begonnen haben, herzliche Glückwünsche ans. Möge es Ihnen noch lange vergönnt feto, Ihre wertvollen Dienste dem Wohle deö Reiches vnd Ihrem Heimatstaate z« widmen. Wilhelm I. R.

Oskar geegte f. Bonn, 2. März. Der ordentliche Honorarprofessor und frühere Direktor des Kölner Fttebttch Mlbelm-Gymnastums, Ge­heimrat Oskar Jaeger, ist in bet vergangenen Rächt hier tot 80. Lebensjahr gestorben. Csfar Jäger wat eto berblentet Schulmann, Verfasset einetWeltgeschichte* unb einet zweibänbigeo .Deutschen Geschichte*. In beut Streit um bii Schulreform wat et einet bet Hauptverfeckter bei klasstfchen GdmnasimnS unb lange Zeit Vor­sitzender des Deutschen Gymu^stalvereinS.

KeMistteetapekt Berlin, 2. STStj. In bet Schauspiel eroetfemmtung, die gestern Ah«nd in der Philharmonie stattfand und die ziemlich erregt verlief, handelte es sich um die Annahme einet Resolution, in der der baldig« Erlaß eine» R«i6 stbeateraesetzes gefordert öfrb. Den besonderen Interessen der weiblichen Bühnenangehörigen soll in diesem Gesetz Rech-

tenb wertvoller als jene zwanzigtausend Fran­ken des Herrn Gervais, und er hatte das Gefühl, daß der jung« Mann nun in feiner Schuld stehe.

Diese angenehme Selbsttäuschung sollte ihm indes nicht fangt gelassen werden. Schon am andern Tag« entdeckte et an der Spitze einer Sammelliste de» Vereins zur Errichtung von Wärmstuben den Posten:Eilberte, zwanzig- tansend Franken." Er bebte vor Zorn, als er's fas, und erwog, ob er nicht an Heinrich Tre- fortet schreiben und ihm erklären solle, daß er ihn für einen Schurken halte. Bei näherer Ueberlegung mußte er jedoch zugeben, daß bet junge Mann anständig und richtig gehandelt habe, und so blieb ihm nichts, als stch immer tiefer in das Gefühl der Vereinsamung unb bitteren Menschenhaffes hineinzuwühlen. Et wat wirklich übel daran. Von seiner Macht­stellung in bet Presse herabgestürzt, ohne wei­ter« Sebeutung als di« eines Abgeordneten, wie es viele gibt, mußte «t nun auch die demü­tigende Erfahrung machen, die gestürzten Grö­ßen nie erspart bleibt. Leute, die sich gestern noch schweifwedelnd um ihn bemüht hatten, um in denparlamentarischen Plaudereien" er­wähnt zu werden, waren über Nacht so kurzfich- tig geworden, daß fie ihn auf der Sttaße nicht erkannten. Er wurde nicht mehr zum Vorsitzen» den feiner Fraktton gewählt, und bei den Wah­len in die volkswirtschaftliche Kommission mußte et einem blutjungen Abgeordneten von bet gemäßigten Linken weichen, bet kaum sechs« undzwanzig Jahre alt war. Ein Milchbatt. du Wickelkind! Unb et, Courciet, der Schüler Bfantsuis, bie feste Säule bet äußersten Linke»!«

(Fortsetzung folgt.)

---*.- ,.Z