45. Jahrg.
Erffes Blatt
radikalen Oppositionsparteien und nicht der Sache, für die Graf Posadowsky seine Lebensarbeit einsetzte.
möglichen Gegnern Waffen gegen die eigene Regierung, ja gegen das eigene Vaterland in die Hand zu spielen, das geht denn doch über jedes erträgliche Maß politischer Takt- und «nstands- verletzung hinaus. Entweder liegt hier eine krasse Ignoranz in nächstliegenden Dingen vor; denn wer über Marinefragen in so aggresswem Tone schreibt, der hat die „verdammte Pflicht und Schuldigkeit', sich de- allgemein zugänglichen Materials vorher zu benrächtigen und seine Ergebnisse sich anzueignen. Oder der Verfasser hat den Stoss gekannt: dann ist er mit einer außerordentlichen Leichsserttgkeit, einem bedauerlichen Mangel an Verantwortlichkeilsgefühl vorgegangen.'
Graf Posadowsky hat in der radikal- deuiokratischen Zeitschrift „März' einen Artikel geschriben, der sich unverkennbar gegen den jetzigen Reichskanzler wendet. Graf Posadowsky, der frühere Staatssekretär des Innern, der Herrn v Bethmann Platz machen mußte, übt in dem Artikel eine, wenn auch in der Form konziliante, in der Sache aber vernichtende Kritik.
Er wendete sich gegen die Schissahttsabgaben und meint, die Stimmung, die sich bei den Verhandlungen über die Wahlrechtsvorlage nur zu deutlich geltend gemacht habe, scheine den Institutionen de? Reiches wenig freundlich zu sein. Dann heißt es Weiler: „Auch die Gegner de» Rcichstagswahlrechts, welches mit dem Reiche gebMen ist, müssen anerkennen, daß unter der Herrschaft dieses Wahlrechts in Deutschland auf gesetzlichem und wirtschaftlichem Gebiet» eine un gebeure Kulturarbeit geleistet ist, und daß die aus Grund dieses Wahlrechts gewählte Körperschaft noch stets die Mittel gewährt hat, welche zur Verteidigung unseres Vaterlandes zu Lande und zu Wasser notwendig waren. Der Streitpunkt, der im Winter 1906 zur Auflösung des Reichstags führte, kann nicht als ein solcher betrachtet werden, bei dem es sich ernsthaft um Versagung der Mittel zur nationalen Verteidigung gehandelt hatte. Solange aber der Reichstag in dem llmfange, in dem «r es bisher getan hat, seinen nationalen Pslich ien genügt, scheint es recht fehlsam, das Reichstagswahlrecht als eine für da? Reich politisch verfehlte «üd schädliche Einrichtung hinzustellen, um je als alle Parteien de? Reichstages und Ebenso die Vertreter des Bundesrats bei vielfachen Belegenheiten auf das bestimmteste erklärt haben, haß e» khnen völlig fern liege, das ReichSwahl- yecht anzutasten . . . Das Deussche Reich ist ein sehr künstlicher, ganz eigenartiger Aufbau, geschaffen in einer Zett, die selten reich an bedeutenden Männern «nd opferfreudigem Wagemut war. Man sollte sich aber hüten, einer einzelnen gesetz- ßtchen Maßregel halber, auch wenn sie sich ftnan- slell «nd wirtschaftlich rechssertigen läßt, oder auS Mißstimmung darüber, daß das Reichstagswahl- recht auch der schärfsten Opposition in erheblicher Anzahl Vie Tore der gesetzgebenden Körperschaft hes Reichs geöffnet hat, eine gewisse partikulare Mißstimmung gegen die Verhältnisse im Reich überhaupt osten heraus zu bekennen oder wenig- pens verständlich genug durchblicken zu lassen. Gegensätze und widerstreitende Interessen innerhalb »es Reiches sind bereits reichlich vorhanden. Ein zu starkes parsikulareS Selbstbewußtsein ist nut geeignet, die schon vorhandenen Reibungs- slächen, die in einem Bundesstaate aus politischen und wirtschaftlichen Gründen unvermeidlich sind, noch zu verschärfen.'
Diefe Aussührungen rufen überall die lebhaftesten Erörterungen hervor. Zu dem Punkt der Retchstagsauflösung 1906 bemerkt der „Vorwärts': „Womit die Wahllüge des Hottentotten blocks auch von Posadowsky gebrandmarkt ist.' Andere Blätter weisen darauf hin, daß die Auflösung des Reichstags s. Zt. auf einsttmmigen Beschkuß des Bundesrates erfolgte, weil nach der Meinung des Bundesrates und der Rechsrcgicr ung »er Reichstag die Mittel versagt hatte, die zur nationalen Verteidigung notwendig waren. „War der damalige Stellvertreter des Reichskanzlers anderer Meinung, so hätte er nicht eine Stunde länger Im Amte bleiben dürfen' Ferner meint per „Vorwärts': Graf Posadowsky habe für den fetzigen Reichskanzler, den „Geschäftsträger des schwarz blauen Blocks', nur — . Verachtung Auch (1) ihm sei Herr v. Bethmann Hollweg der Reichssetnd, der den ReichsgeLaNken zurückfctzc hinter den preußisten Partikularismus. — Von allzu großem partikularem Selbstbewußssein In Preußen hört man sonst hauptsächlich in Süd Deutschland reden, wo man andrerseits sich jedes Urte« von den „Preußen' über innere Zustände höflichst — und mit Recht — verbittet
DaL Reichstags Wahlrecht anzutasten ist noch keinem Polittker eingefallen und wenn Herr von Bethmann erst vor kurzem für sich sowohl Wit für He Verbündeten Regierungen dies erklärte, so kann mau die in dem Artikel des Grasen Posa- dowsky liegenden Verdächttgungen nur beklagen. Aus »em Schmollwinkel des a. D. Ministers feuML derartige Pfeile zu schießen, mag vielleicht
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Marburg
Donnerstag, 3. März 1910.
Berliner Tageblatt und Deutschland.
Wie wenig in der Tat das weit verbreitete „Berliner Tageblatt' das Empfinden des deusschen Volkes vertritt, ja auch nur es kennt, wie wir gestern schon ausführten, zeigt folgende Nachricht:
Der ehemalige Oberst und jetzige linksliberale Agitator Gaedke veröffentlicht im „B. T.' folgende Entdeckung: Deutschland baue nicht 48 Linienschisse, wie das Flottengesetz von 1900 Vorsicht, sondern tatsächlich 58; denn die großen Panzerkreuzer seien doch nichts andere» al» Linienschiffe.
Das ist natürlich für die Engländer ein gefun- denes Fressen. Die Londoner Blätter, denen keine englische Regierung Schiffe genug bauen kann, drucken lange Aussätze unter charakteristischen Ueberschristen ab; so der „Standard':
Eine deussche Martneüberraschung (!). Linienschiffe gebaut als Kreuzer.
Oberst Gädkes Enthüllungen.
Die Grenzen de» Flottengesetze» überschritte«.
Die „Daily Mail':
Deutschland» Seemacht.
Die wahre Lage der Dinge.
58 Linienschiffe.
Der „Daily Erpreß':
20 Extra-Linienschiffe.
Deutschland maskiert die StRtle seines Programms.
Die „Münchener Neuesten Nate.' meinen dazu sehr richttg: „Daß sich ein Deusscher findet, und noch dazu ein vormaliger Offizier, der sich — wir wollen hoffen: lediglich um seiner unstillbaren Eitelleit zu srönen — dazu hergibt, de«
Ausland.
** 3« Duell erschossen. Wien 1. März. Der Etatthaltereikonzipist Dr. Oskar Mayer der den Freiherrn von Wioderhofer im Duell erschoß, hat sich dem Landgericht gestellt. Er gibt die entschieden« Erklärung ab, daß der tödliche Ausgang des Zweikampfe» einem unglücklichen Zufall zuzuschreiben sei.
“ Frankreich. Paris, L März. Professor Painleve teilte in der .France Militaire" mit, daß der Militärausschuß der nationalen Luftschi ffahrtsgesellschast mehrere Sitzungen abge- halten habe, in welchen General de Lacoix seine Ansichten über die Verwendung von Lenkballon» zu Kriegszwecken dargelegt habe. General de Lacroix ging von dem Grundsatz aus, daß vor allem die ganze Rheingegend zu überwachen sei. Dieselbe solle in drei Abschnitte eingeteilt werden, der erste zwischen Maß und Mosel in der Richtung von Köln, der zweite zwischen Mosel und Rhein in der Richtung von Straßburg, und der dritte die Gegend zwischen Straßburg und Basel umfassen Die _ zur Ueberwachung verwendeten Lenkballons würden einen Flug- Rayon von etwa 300 Kilometer haben. Die Taktik hänge mit der Ausrüstungfrage -usam-
Die Gräfin Wedel und Abg. Wetterle.
Der Redakteur des intransigenten „Journal de Colmar", Reichstagsabg. Abte Wetterlö der Führer der französischen Partei in Effaß-LoA- ringen, der wegen seiner überscharsen Werbearbeit häufig Zusammenstöße mit der Regierung und reichsdeutsch gerichteten Männern hatte und der kürzlich wegen beleidigenden Angriffs auf einen deutschgefinnten Gymnafialdirektor zwei Monate Gefängnis verbüßte, rühmte sich, von der Gemahlin des Statthalters im Gefängnis einen französischen Brief und Kotillongaben erhalten zu haben. Daß er zu dieser Behauptung berechtigt war. bestätigt ein in der gestrigen Abendausgabe der „Straßb. Post" veröffentlichter Artikel, der sich in kritischer Weise mrt der obigen von einem siiddeusschen Blatte aufgenommenen Mitteilung befaßt, die Gräfin W^el habe an den Abg. Wetterlö. als er noch im Gefängnis saß, einen französisch geschriebenen Brief und Kotillonaaben von ihrem letzten Ballfest gesandt. Wetters habe den Brief später triumphierend gezeigt. Eine der „Straßb. Post" von zuständiger Stelle zugegangen« Erklärung bestätigt die Behauptung der Gräfin Wedel pfleg« alljährlich Bekannten, die am Fest nicht terl- nahmen, Erinnerungszeichen zn übersenden; darunter hätten sich diesmal auch Wetters und seine Mutter befunden Mit Polittk habe die Angelegenheit nichts zu tun. Di« „Straßb. Post" bedauert, sich dieser Auffassung nicht anschließen zu können. Wetterlö gegenüber sei peinlichste Zurückhaltung notwendig gewesen; er habe die Güte der Gräfin gröblich zu Reklame- zwccken mißbraucht.
Auch wir sind der Ansicht, daß die Angelegenheit leider doch sehr mit viel Polittk zu tun hat. Die Gräfin Wedel ist die Gattin des Mannes, der als Statthalter berufen ist, darüber zu wachen, daß in dem deutschen Erenzgau das Deutschtum erhalten und gestärkt und das Französlingstum niedergehalten werde. Man wird vielleicht einwenden, daß die Franzosen nicht unsere Feinde seien, wenigstens zur Zett nicht da wir ja mit Frankreich in Frieden und erträglich gutem Einvernehmen leben. Ganz richtig aber die Französlinge im Reichslande sind unsere Feinde und sie find es gegenwarttZ mehr als je. Seit Monaten häufen fich dre höchst unerquicklichen Vorgänge, die dartun, daß diesen Leuten nichts erwünschter wäre, als wenw das mit deutschem Blut zurückerworbene Elsaß-Loth- ringen mietet Frankreich anheimfiele. Diese unerbaulichen Vorgänge ereignen fich unter der Statthalterschaft des Grafen Wedel häufiger cf» vorher und auch aus diesem Grunde hatte die Gattin tes Statthalters sich zehnmal besinnen müssen ehe fie dem Manne, der der hervorragendste Führer ter reichsländischen Franzos- linge ist ein« Aufmerksamkeit erwies. Daß dieser Brief in französischer Sprache abgefaßt war, macht die Sache natürlich noch schlimmer.
Aus den Parlamenten.
Fm Abgeordnetenhause stand am Dienstag die zweite Lesung des Berg- etat» zur Beratung. Abg. ». Kessel (ton).) bedauerte den ständigen Rückgang der Einnahmen sett dem Jahre 1899. Als Gründe dafür kämen in Betracht der häufige Wechsel in den Direktorstellen. bedjngt durch di« hohen Gehälter de, Privatindustrie und der ständige Rückgang der Arbeiterleistungen. Der Staat arbeite viel zu teuer es müsse eine Verbilligung des Beinetes möglich zu machen sein. (Beifall.) Minister Eydoro erklärte fich bereit, die Arbeiter der von der Budgetkommission eingesetzten Submission nach Kräften zu unterstützen, um die Gründe für den Rückgang der Einnahmen seststellen zu können. Ein Antrag Borgmann (Soz.) und Gen. wünscht künftig für jedes Staatswerk vergleichende Angaben über Alter, Löhne, Beschäftigungsdauer, Arbeitszeit und Ferien der Arbeiter, sowie vergleichende Berichte über den Anteil tes Arbeitslohnes an den Selbstkosten der Pr«chukte, di« Arbeiterleistungen, die Arbeiter- und Pensionsversicherungen, Arbeiterschutzbestimmungen, Zugang und Abgang der Arbeiter. Abg. Mac« (natl.) sprach gegen diesen Antrag. Abg. »ruft (Ztr.) meinte, der Rückgang der Einnahmen sei durch die großen Neuanlagen in Westfalen und Oberschlesien bedingt. Redner sprach noch über die Klagen, welche über eine unzulässige Kontrolle bei de: geheimen Wahl der Sicherhettsbeamten geführt worden find. Minister Sydow erklärte, daß di« geheim« Wahl dadurch vollständig gesichert sei, daß di« Stimmzettel in gleicher Beschaffenheit, und von gleichem Format von der Erubenver- waltung geliefert werden und keine äußeren Kennzeichen haben dürfen. Oberberghauptmann e. Belsen erklärte, daß aus einem Rückgang der Arbeiterleistung kein Vorwurf gegen die einzelnen Arbeiter erhoben werden soll. Abg. Leinert (Soz.) befürwottete den Antrag Borgman« (Soz.) und wünschte, daß der Minister dm Löhne der Bergarbeiter generell erhöhen mochte. Der Redner wandt« fich gegen die Verunglimpfungen der Sozialdemokratie durch das Zentrum und behauptete, daß di« Abg. Granowski Bart- scher und Sauermann nur mit Hilfe der Sozialdemokraten gewählt »Otten roaren nög. Spinzig (freit) meinte, daß dre Ertrage der fiskalischen Werke fich zweifellos erhöhen lrchen, aber doch nicht so schlecht waren, an« fie hftr verschiedentlich hingestellt worden waren. E» würde der Bergwerksverwaltung in Radom» erwünscht sein, wenn fich eine Kommission de» Abgeordnetenhauses an Ort und Stelle über di« Ursachen der Katastrophe informieren wollt^ Das Haus vertagte die Weiterberatung «f Mittwoch mittag 12 Uhr. Schluß 5 Uhr.
men. di« gegenwärtig studiert werde, so roflttes das Luftorpedo und verschiedene andere Erst«» dungen geprüft . Die Aeroplan sollen mit einem torpedoartigen Geschoß ausgerüstet werde« • und gewissermaßen die Rolle der Torpedoboot« in der Luftschiff-Flotte spielen. — Die Vertreter des Verbandes te: Lokomotivführer und Heizer der verstaatlichten Westbahnlinien hielten gestern Abend «ine Versammlung ab, in der fie beschlossen, nochmals beim Minister der öffentlichen Arbeiten vorzusprechen, um ihre Forderungen, insbesondere die wiederholt verlangte Lohnerhöhung durchzusetzen, und falls dieser Schritt ergebnislos sein sollte, in den Ausstand zu treten.
* • Guadeloupe. Paris, 1. Marz. Wegen der auf Guadeloupe ausgebrochenen Streikunruhen beschloß die Regierung, fünfzig Mann der Pariser republikanischen Garde nach Potnt a «Bitte zu entsenden. ___
* * Türkei. Konstantinopel, 1. Marz. In tei vergangenen Nacht ist der Justizpalast in Adana abgebrannt. _.
* * Mule, Hast». Paris, 1. Marz. Ein« Havasnote bestätigt, daß der Sultan von Marokko auf die von dem Konsul Caillard am 23. Februar überreichten Forderungen erklärte, dies« Forderungen würden erfüllt werden. Zwei Tage später schränkte er die Vollmachten El Mokris in den Puntten der Anleihe und der Entlassung der türkischen Instrukteure «in. Daraufhin teilte ihm Gaillard mit, die Frist zur Ratffizierung des Abkommens sei abgelaufen und er werte Fez sofort verlassen. Jetzt befahl bet Sultan endgilttg. alle Forderungen zu erfüllen Der die Art dieser ausdrücklich bezeich- nendet Brief enthielt auch Abschriften der El Mokris gegebenen Vollmachten, die auf ine Anleihe und auf die Uebeteinkommen übet dre von Marokko zu leistenden Sicherstellungen sich beziehen. Frankreich wird auch eine Abschrift der Jnsttuttion erhalten und eine wird den schert fischen Behörden zum Zweck ter Durchführunc bet Uebeteinkommen gegeben. Endlich schreitet der Maghsen zur Ernennung eines Obergrenzkommissars und erklärt, die türkischen Instrukteure entlassen zu wollen.
Deutsches Reich.
— Ernennung. Der „Staatsanzeiger' ver- öffentticht die Ernennung des Landrats Dr. Freiherrn Schenck zu Schweinsberg aus Leer zum Geheimen Finanzrat und Vortragenden Rat beim Finanzministerium.
— Hansabund. Berlin, 1. März. Aus das Begrützungstelegramm, welches der Gesamtaus- schuß des Hansabundes heute vormittag an ben Kaiser gesandt hat, ist nachmittags folgende Antwort eingegangen: „Geh. Justizrat Dr. Rießer, Hier. Ich habe den steundlichen Gruß des Gesamtausschusses des Hansabundes für Gewerbe, Handel und Industrie gclegenllich seiner ersten Tagung gern entgegengenommen und dank« bestens für den Ausdruck treuer Anhänglichkeit. Wilhelm I. R.*
— Frei erfunden Berlin, 1. März. Die „Nordd. Allg. Ztg.' schreibt: Die Meldung des „Echo de Patts', wonach Graf Aehrenchal bei seinem Besuch in Berlin die Abberufung des deutschen Botschafters in Wien durchgesetzt habe und dessen Nachfolger Staatssekretär v. Schön fein werde, wird von der deuffchen Presse mtt Recht angezweifelt. Wir stellen fest, daß die Angaben des „Echo de Paris' ebenso fret erfunden sind wie alle Gerüchte über eine angebliche Verstimmung zwischen dem deuffchen Boffchaster in Wen und dem Grafen Aehrenthal.
— Gesundheitszustand de» junge« Fürsten Bismarck. Berlin, L März. Die über den Ge- sundheitszustand des jungen Fürsten Otto von Bismarck verbreiteten Gerüchte enffprechen erfreu« licherweise nicht den Tatsachen. Der junge Fürst leibet zwar an leichter Nierenaffektton, die jedoch tonen Anlaß zu Besorgnissen gibt. Bon einer Operation ist nicht die Red«.
— Wahlrechtsantrag der sozialdemokraffschen Fraktion im Abgeordnetenhaus«. Berlin, 1. März. In der Wahlrechtskommissiom des Abgeordnetenhauses ist von sozialdemokrattscher Sette folgende Resoluffon ttngebracht worden: „DaS HauS der Abgeordneten wolle die Regierung ersuchen, noch in dieser Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, durch den a) allen in Preußen wohnenden über 20 Jahre alten Deuffchen ohne Unterschied des Geschlechts das gleiche und direkte Wahlrecht mtt geheimer Sttmmabgabe unter Zugrundelegung des Propottionalwahlsystems gewähtt; b) auf Grund der Ergebnisse der jedesmaligen Volkszählung und entsprechend dem Grundsatz des Ge- setzes vom 27. Juni 1860 vor jeder Wahl eine anderwette Feststellung der Wahlbezitte für die Wahl zum Abgeordnetenhause herbeigeführt und die Gesamtzahl der Abgeorimeten neu bestimmt wird.'
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