mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Jach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
HL 49
Erstes Blatt
JR. und 600 000
Neubauten 300 000 -4t, 850 000
dem Schuldienste entfernt. Diese Verur-
t« aus
t
ren Betrieb geeigneten Buchführung und Kostenberechnung vertraut $u machen. Seit Jahren bestehe« solche Kurse fitr die Gewerbe der Schlosser, Schneider, Schuhmacher, Tischler «. a. und eS ist zu erwarten, daß mtt der Zett auch die anderen Gewerbe nachfolgen werden. Der Besuch lst gut; Wie ein Bericht auS Hannover mttteilt, haben an den dorttgen Shtrfen in vier Jahren 303 Personen teilgenommen, und zwar 266 an den Vollkursen und 37 an den Teilkursen; von diesen 303 Personen waren 121 selbständige Handwerker und 182 Gesellen. Die Berichte über den Verlauf der Kurse lauten außerordentlich günstig, besonders werden die Fülle der Lehrmittel, di« Mannigfal- ttgkett der Werkzeuge und Maschinen und auch die zum Tell vorzüglichen Leistungen der Teilnehmer hervorgehoben.
Kommt nun zu diesen Einrichtungen noch ein festgefügtes und gutgelettrteS Genossenschaftswesen im Kleingewerbe, so brauchen die Handwerker noch lange nicht zu verzagen. Auch für diesen Zweck setzt der Etat in diesem Jahre einen Betrag von 30 000 M aus, ebenso wie im Vorfahre. Er- fteulich klingt die kleine Bemerkung, die im Etat deS vorigen JahreS unter dem Tttel „Förderung der Fortentwickelung des kleingewerblichen Ge nossenschaftSwesens" steht: „Ml Rücksicht auf die in steigender Höhe eingehenden Rückzahlungen und vorhandene Ersparnisse früherer Jahre genügt für dieses Jahr ein Betrag von 30 000 JR.* Sie beweist, daß die Entwicklung deS kleingewerblichen Genossenschaftswesen? eine gute gewesen lst, und wenn in diesem Jahre der Unterstützungsbettag sich wieder nur auf 30 000 JR beläuft, so zeigt dieS, daß die gute Entwicklung angehalten hat und zu den besten Hoffnungen berechtigt. ES ist Wohl zu verstehen, daß allen diesen Einrichtungen aus den beteiligten Kreisen die größte Aufmerksamkeit ent- gegengebracht wird, wie ste auch von allen Freunden des Handwerk? die wärmste Anerkennung und die wettgehende Förderung finden.
dann genauer auf die Finanzreform und Steuer- ftagen ein und polemisiert gegen den Bauernbund, der nur durch daS Geld deS HanfabundeS bestehe. Wenn die Nationalliberal« so weiter mtt der Sozialdemokratie gingen, dann würden ste den Erfolg ja bei den nächsten Wahlen sehen. Er sei aus der nationallibercllen Partei ausgetteten, wett diese ihre früheren guten Bahnen verlasse« habe. Abg. Gothetn (stets. Vgg) wünscht größere« Schutz des Wahlgeheimnisses durch Einführung geeigntter Urnen. Er polemisiert wie immer gegen unsere WirtfchaftSpolttik. Abg. David (So,.) begründet die von seiner Partei zum Etat deS RerchSamtS des Innern eingebrachte Resolutton, die keinen Sprung in den Zukunftsstaat bedeute«.
Problem, der äußerst charakteristisch ist für bte nationale Gesinnung des deutschen Großkapital«. Während die beulst Regierung durch Aufwendung von Hunderten von Millionen das Deutschtum vor der Polonifierung zu schützen sucht, sehen die Schützlinge des Freisinns, bar alle« nationalen Empfindens, auch hierin lediglich eine Geschäftssache und unterstützen die antt- deutschen Bestrebungen der Polen mit den Geldern ihrer deutschen Volksgenossen. „Zu dem Prachtbau des Basar Poznanski", führte Prof. Bernhard aus, „hat eine außerpr-ußische Hypothekenbank 1 Million Mark gegeben. Für das polnische Eewerbehaus Dom Przemyslow gab dieselbe Bank über y> Million. Dieselbe Dank hat eine Häuserreihe polnischer Unternehmung mit 225 000 -4t, 220 000 -4t, 200 000 -4t 120 000 -<t 150 000 -4t beltehen und für andere polnische
Marburg
Sonntag, 27. Februar 1910.
Politische Umschau.
Die nationale Opferwilligkeit de« Großkapitals.
Auf eine Versammlung der freien Studenten, schäft der Universität Berlin hielt kürzlich Prof. Bernhard eine« Vortrag über da» Ostmarken»
Die Weiterbildung der Handwerksmeister und -Gesellen.
Neben den Lehrwerkstätten, die sich in letzter Zeit als Mittel zur Hebung deS Handwerks ganz vorzüglich bewährt haben, und die deshalb auch in dem diesjährigen Etat gebührend durch erhebliche Ueterstützungsbeiträge bedacht worden sind, verdienen die sogenannten Meisterkurse, für die diesmal 107 000 M (t. V. 97 000 JR} ausgeworfen sind, besondere Erwähnung. Ste sollen den selbständigen Meister und Gesellen die Ausbildung geben, die sie zu erwerben bisher keine Gelegenheit hatten, und sollen sie über alle Errungenschaften der Reuzeit auf ihrem Gebiete dauernd auf dem Laufenden erhalten. In enger Anlehnung cm die berettS von den Handwerks- und Gewerbekammern. den Innungen und Gewerbevereinen eingerichtete« Kurse, die in den meisten Fällen Abendkurse und so organisiert sind, daß die Handwerker ohne Störung in ihrem Berufe an ihnen teilnehmen könne«, sind seit etwa 1900 in Hanover, Köln, Dortmund, Posen, Magdeburg und anderen Städten Kurs« mit vollem Tagesunterricht geschaffen worden, deren Dauer auf 6—8 Wochen berechnet ist, neben benen aber auch noch Teilkurse von istägtger Dauer laufen. Zu den letzteren werden nur feto- ständige Meister zugelassen, während <m den erste- ren Meister und Gesellen teilnehmen können. Doch haben die selbständigen Meister de« Vorzug und von den Gesellen diejenigen, die sich t« Kürze selb- ständig machen wollen. Im Anschluß an die Kurs« hat man in Dortmund und Köln stehende Ausstel- lungshallen für das Kleingewerbe errichtet, die gut beschickt und besucht sind. ES tst hocherfteulich, daß neben dem Staate auch die beteiligten Kommunen und Provinzen sowie die Handwerkskammern ihnen ihr Interesse zuwenden und Mttel zur Verfügung stellen.
Die Meisterfttrse sollen keine Konkurrenzanstal- ieft sein für die staatlicherseitS bereit« errichtet« oder unterstützt« BaugewerkS-, Maschinenbau-, Kunstgewer^- und Handwerkerschulen oder bie von Kommunen, Jnnungsverbänden oder Privat- leltten errichteten sozialtechnischen Lehranstalten. Ihr Zweck ist vielmehr, wie z. v. daS Progrcnn« der Veranstaltung in Hannover auSdrückfich hervorhebt, den Teilnehmern Gelegenheit zu Met«, sich mit allen Neuerung« auf dem Gebiete deS be- tteffend« Handwerks bekanut zu mach«, sich theoretisch und plastisch weiterzubtlden, Kenntnis der zu verw«denden Materiali« und Rohstoff« z« erlang«, mustergülttge Werfftättsetnrichttma« kennen zu tarnen und sich mtt der für ein« mtttle-
teüung Holzmeyers hat ein« Anzahl bremischer Lehrer veranlaßt, folgendes Telegramm an de« Abgeordnet« Bebel zu richten: „Die aus Anlaß der Dienstentlassung deS Genoss« Lehrer Holz- meyer verfammeltm sozialdemokratischen Lehrer Bremens entMet« dem Führer des Proletariats ge seinem 70. Geburtstage ihr« herzlichsten Glück- Wunsch und geb« der Hoffnung Ausdruck, daß ihm «och eht recht langes Wirken tot Dienste de? KlassenkampfeS befchied« fein möge. Die fozial- demokrattfch« Lehrer Bremen?.*
Dazu schreib« die „Leipz. N- N.': „Mr müf* s« «ach der «ns vorliegenden Meldung anneh- m«, daß diese unglaubttche Protestkundgebung anonym abgesandt Word« ist. Sollten die „sozial- demokrattsch« Lehrer d« Mut besessen haben, mtt ihrem Ram« in die Oeff«tlichkeit zu trete«, fe würden ste wohl bald de« Weg ihres „Ge- nossen* Holzmeher geb«'
Und die „Staatsbürgerztg." meint: „Wie der Senat sich d«M stell« wird, ist ja schließlich seine und Bremens Sache, aber man sollte meinen, daß nun auch dem verbohrtest« Freihetts-Philister die
Aus den Parlamenten.
Aus de« Reichstage.
Im Reichstaae beschäMctte man sich gestern auS Anlaß einer Resolution Behrms mtt der Frage der Einschränkung der Schmutz- und Schundttteratur. Es war erft«lich. zu hör«, daß unsere Reaieruna daaeam Maßregeln treff« will, und daß mau auch durch eine internationale Konferenz in Paris Schritte daaea« tun will. Nun wurde eS lebendig. Herr Wachhorst be Beide polemisierte gegen die konservative Partei und den Bund der Landwirte, was Her« Diederich Hastu auf dm Plan rief, der bedauerte, da'ß er gerade Her« Wachborst be Wente in d« Reichstag bet» hoff« habe, ebenso wie er Her« Dr. Böhme- Marburg empfobl« habe. Der erstere Herr hab« ihm in einer Versammlung voraeworfen. er sei einmal mtt Her« Erzberger zusammen spazier« aeaangen. und doch habe sich Herr Wachborst bt Wente mtt ibm zusammm und einem Zentrums- Herrn photographier« lass«. Die < Rational- liberal« hätten sich fett der stttnanzreform geändert und ging« jetzt geg« die Rechte agitatorisch vor, Me angeblich einen .Raubzug auf die Tasch« der Steuerzahler" unternommen habe. Redner gebt
Im Abgeordnetenhaufe
wurde am Freitag mit der zweiten Beratung des Etats deS Ministeriums deS Inne« fortgefahren. Aba. Kloppenburg (®ane) beklagte sich über die Stellungnahme der Regierung aeamüber dem Dänmtum, wogegen Abg. Dr. Schifferer (nathb.) die Regierung bat, auf dem betretenen Wege fort* zufchreiten. Minister v Moltke bemertte hierzu, daß die bett. Maßnahmen lediglich zur Stärke des Deuffchtums Getroffen würden. .Abg. .Strosser (tonf.) wandte sich geg« den Graf« Moltke (frei* kons.i, der sich gelte« über die Kritik des Abg. v Pappenbetm gewundert hatte, die diefer an dem Minister weg« der Germanims-Brofchüre geüM habe. Der Redner verteidigte das Vorgehen der Schutzleute in Hanover, Dortmund. Frankfurt a. M Breslau usw. In Breslau wär« die Schutzleute durchaus fachgemäß vorgegangen. Ebenso verteidigte der Redner das Vorgeh« der Pofiret gegen Stteikpostm, die oft mtt Gewalt die ArbettS* willigen von der Arbeit zurückhalt« wollt«. Rach einwandsftei« Berichten fei nachgewiesm. daß bei dm Frankfurter Sttaßendemonstration« von der Polizei erst blankgezoaen sei, nachdem aus der Menge auf sie Schüsse abgegeben worden wären. Die große Mehrheit des Voffes wolle nichts von derartigen Aufveittchrma« der Mass« wissen, die al? ein Einexerzteren auf die Revolution zu be, zeichnen fei« (Lebhafter, anhaftender Beifall.) Abg. ffrbr. v. Zedliß (fteikons.) bezeichnete den Massenstreik, mtt dem die Sozialdemokrat« droh- t«. als Landes- und Hochverrat; die Anreizung dazu müßte als solcher bestraft werden. Ab«. GronowSN (Ztt.) meinte, der Appell zum Zufam- mensteh« geg« die Sozialdemokratie sollte hauvt- sächftch an die Linke gerichtet werden. Abg. Hammer (tonf.) beklagte es. daß dem Handwerk immer noch durch staatftche und städtifche Nnternehmun- g« Konkurr«z gemacht werde. Abg. Graf vm» der Recke (Tonf.) griff auf ehren Antrag des dort- gen Jahre? bett, bat KonttnaentierunaSwef« to der Provtozialbesteuerung zurück und ersuchte MU baldige Einbrinmmg der bett. Vorlage.
ää» ke ßentmtifleet«.
Die Vudgetkommiffion des Reichstage« ging nach Erledigung des MarineetatS zu dem Etat für Kiauffchan übet. Bei der Beratung der Beamt«. besoldnnasordmmg wurde aus Antrag der Gub- kommission an dem Gouverneuraebatt. das sich au« 18 000 JR Gebalt. 22 000 jR Kolonialzulage und 10 000 JR Revräsentationsaelder msammen- fetzt, et« Abstrich von 10 000 JR beschlossen.
JR gegeben. Eine andere — ebenfalls außer- preußische — Hypothekenbank hat einem polnischen Führer den Erwerb eines vielum- prittenen Hauses erleichtert, indem sie ihm 400 000 JR zur Verfügung stellte, dieselbe hat eine Viertelmillion kn ähnlicher Weise geliehen usw. ufto. Die polnische Perbandsbank, die Zentral- und Ausgleichsstelle des gesamten polnischen Genoss«schaftswesens, steht nämlich in bauernbet Geschäftsverbindung mit einer Berliner Großbank." Prof. Bernhard hält btt Unterstützung des polnischen Finanztostems durch die deutsch« Bank« für so wesentlich, daß er überzeugt ist, es würde zusammenbrechen, wenn es anginge, ihm diese Unterstützung zu entziehen. Aber es gefit nicht, so meint er, „das Kapital läßt sich nicht hindern, dahin zu gehen, wo es eine etwas höhere Verzinsung erhält". Diese beiden „deutsch«" Banken find die Hamburger «ich die Mecklenburger Hypothekenbank.
Sozialdemottatische Lehrer-
Bor kurzem wurde der bremische sozialdemo- kratische Lehrer Holzmeher im Disziplinarverfah-
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespal!cnc Zeile
ober bet« Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. — is
Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniverfitätS*Buchdruckerei tU. U l y.
Inhaber Dr. T. Httzeroth, Marburg. Markt 21. — Telephon 55.
Tie „Oberhesiische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn* und Feiertage. — Der Bezugspreis bettagt vrertel- jährlich durch die Post bezog« 225 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Martt 21), 2 *.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Zur Messias-Aufführung.
Im vergangenen Jahre brachte uns die Oratorienaufführung des Konzert-Vereins die Mathaus-Passion, diesmal werden wir das populärste Werk von Händel, Bachs größtem Zett- genoss«, hör«, d« Messtas. Die außerordentliche Verschiedenheit dieser Werke, die fich zeitlich doch so nahe steh«, erklärt fich leicht, w«n man in Betracht zieht, unter welch« historisch« Voraussetzungen ste «tftanden sind. Bachs Chorwerke find durchaus protestantische Kirchenmusik. Sie bilden den Höhepuntt und Ab- schluß in der Entwickelung der d«tsch-protestan- tischen Orgel- und Vokalmusik be» 17. und 18. Jahrhunderts. — Händel tst zwar auch durch dieselbe Schule gegangen wie Bach, wandte fich dann aber der italienisch« Musik zu. So wurde er in der 1. Periode seines Schaffens ein weithin gefeierter Konponist der neapolitanischen i Qper und als solcher wirkte er auch zunächst tn i England. Vielleicht trug das Scheitern seiner Operunternehmungen in London nicht am wenigsten dazu bei, daß er fich später fast ausschließlich dem Oratorium zuwandta Die Kunstform des Oratoriums übernahm Handel gleich, falls von den Italienern, doch trag« feine Werke noch deutlich die Spur« ihrer Entstehung aus der Oper. Seine erst« Oratorien behandelten weltliche Söffe und auch in Irenen mit biblischen Stoff« wie Esther und Dabora tritt das religiöse Moment ganz hinter dem dramatischen zurück. Dem entspricht es auch, daß die Aufführungen nicht wie bei Bach in der Kirche, sondern stets im Theater stattfanden, ja feht Oratorium Acis und Galatoa wurde sogar einmal als Oper mtt handelnden Personen auf» geführt und sogar in d« von Händel geleitet«
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Aufführungen sang« Chor und Solist« in Kostümen vor einer der Handlung entsprechenden Theatersz«erie, wenn auch nicht agiert wurde. Da», worin fich Händels Oratorium von seiner Oper besonders unterscheidet, ist die stärkere Beteiligung des Chors unb die freiere Behandlung de» Textes, der nicht me^r an die Regeln der Bühne gebund« war. In dieser Beziehung geht der Messias am weitest«. Der Text stammt von J«n«s, doch war Händel wahrscheinlich auch daran beteiligt. Groß und neu gegenüber dm ander« Text« Händels ist dabet seine fast ausschließliche Zusammensetzung aus Watten der heilig« Schttst. Der Messias ist im Jahre 1741 in der erstaunlich kurzen Zett von 24 Tage» komponiert. Die erste Aufführung fand am 13. April 1742 tn einem Wohltätigtoitskonzett in Dublin statt. Daß da» Orchester in der Original. Partitur nur sehr sparsam bedacht tst, wird darauf zurückzuführ« sein, daß ihm in Dublin nicht die Mittel zur Beifügung stand« wie in London. — Später schenkte Handel die Pattitur einem Findlingshaus in London, an dessen Begründung er auch beteiligt war, und diese wohl- tattge Stiftung verdiente jährlich hohe Summen durch Aufführung des Werkes.
Was di« Musik dieses Meisterwerke» angeht, so erkenn« wir noch beute seine ob« erwähnte Verwandtschaft mit der Oper in der grandiosen Erfassung des Dramatisch«, währeich da» Religiöse nicht so breit ausgeführt und auch nicht so tief erfaßt ist, wie bei Bach. Die Hauptvorzüge der Händelschen Musik sind leichte Faßlichkeit und Wahrheit im Ausdruck und in btt Wiedergabe des Textes verbünd« mtt einer genialen Formvollendung, wie sie mtt gleicher Mühelosigkeit nach ihm eigentlich nur Mozart Wieder erreicht hat.
Stadttheater.
Salome. Drama bt einem Aufzuge vou Oscar Wilde. Hieraus: Der schlechte Ruf. ®» Rokokoscherz von Oscar Blumenthal. I« Szene gesetzt von Dtt. Herman» Steingätter.
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Unter ben mannigfach« Versuchen, die knappe» Berichte der Evangelist« Über des Täufer- Schick- sal zu dramatisier«, ist Oscar Wildes Drama ohne Zweifel bet erfolgreichste geblieben, vor alta» durch seine psychologisch gerechtfertigte und glaub- hafte, wenn auch nicht unbestrittene Motivierung des Begehrens der Salome nach dem Haupte be? Prophet«. In feinet knapp« Eharaktetisttt ist das Drama ei» geniale- Kulturbild der Zett einer untergeh«b« überlebten Kultirrwelt mtt dem siegesbewußt sich verkündend« Gottesreiche. Empört sich auch da» sittliche Empfind« des gesund« Mmsch« geg« die tiefe Verworfenheit dieses Zeitalters, geg« die perverse Sinnlichkett der Salome, so müss« wir doch anerkennen, mtt welcher Raturwahrhett der Dichter daS Mil« schildert, und wie folgerichtig die Person« und ihre Handlung« auS ihrer Zett heran- unS verständlich werden. Die Gegensätze in d« ost bang« oft jauchzenden Stimmung« leb« in bet Sprache des Drama», der oft eine schwüle Süße oft eine rauhe Wucht eigen ist. Die Regie de» Hem» Sühne hatte gut daran getan, die allzuschrill« Gegensätze M dämpf« und hatte eine dem poetisch« Sehalt des Stücke» angepaßte Stimmung geschaffen. Die Rolle her Salome gab Frl. Sybil »am mehr al»
die der Melide Geleg«hett Prob« ihrer drama- tischea Fähigkett« abzuleg«. Ihre Verständnis- volle dezente Auffassung der kompliziett« und gewagten Rolle zeigte ein beachtenswertes Talent, von irgendwefth« Uebertreibungen hielt sie sich glücklich fern. Here Dir, Steingötter erzielte durch febre» getragenen, ost recht salbungsvollen Ton d« rechte» Gegensatz de» weltabgewandten Propheten zn ben tot Sinnmgennß fich berauschenden Hösftng«. Eine Glanzleistung bot Herr Gühne als HerodeS. Meisterhaft gab et die feige Todesfurcht be» verweichlichten Tyrannen, seine schwäch- liche und schwankende Stellung zum Prophet« und seine rasende Begierde zur Tochter feine» Weibes wieder. Das Publikum danfte für diese Vorstellung, die gewiß eine bet ausgeglichenste» bet ganz« Saison ist, mtt reichem Beifall.
Der hieraus in Szme geh«de allerliebste Ro- i kokoscherz Oscar Blumenthals mtt sein« galante» Vers« und sein« harmlos« Geistreichigkeit« war recht geeignet, die durch die .Salome'-Aust sühtung erregten Rerv« in wohltuender Weise M beruhig«. Herr Dtt. Stetng öfter hatte für d« Einakter ein« stimmungsvoll« Hintergrund ge- schaffen. Die flotte Darstellung «Üedigte fich ihrer Aufgabe mtt der dem Stücke schuldig« Grazie und wurde hauptsächlich vou ben Herren Pauly und Marx uxb Frl. Ftänzi Koch, die wir leider allzu fetten auf der Bühne sehen, unterstützt, So wat der gestrige Abend einer der wohlgo« lungmst« bet ganz« Spielzeit, W. ßft J