Einzelbild herunterladen
 

MchM Milung

mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: »Aach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."

M 48

DieOberheffische Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2«Ä.

Marburg

Sonnabend, 26. Februar 1910.

Die JnserttonSgebühr beträgt für die 7gespaltenc Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Iahrg.

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 16.

Bestellungen für den Monat Mürz aus dieOberheffische Zeitung" «ebfi ihren Beilagen werden von unserer Expedi- tton (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, HeSkem-Mölln, Lei­denhofen und Dreihausen sowie von ave« Postanstalten und LandbrieftrSgern entgegenge- nommen.

Die wirtschaftlichen Folgen der Ausstände und Aussperrungen.

Die letzten Jahre haben in bunter Reihen­folge im In- und Auslande eine Meng« von größeren und kleineren Arbeitseinstellungen und Arbeitsaussperrungen gebracht, die sehr tief ein­schneidende Folgen für das Allgemeinwohl des betreffenden Volkes gehabt haben. Speziell im deutschen Vaterlande haben wir in Kttrninit« schau und im Ruhrrevier, im sächsisch-thüringi­schen Weberei- und Färbereibezirk, in der Ber­liner Elektrizitätsindustrie, im Schneider- und Baugewerbe das traurige Schauspiel erbittert­ster Sohnkämpfe gehabt, und im Auslande wa­ren es in den letzten Monaten namentlich Frankreich und Schweden, welche die Augen der ganzen zivilisierten Welt in der in Rede ftehen- denBeziehung auf sich zogen. Die wirtschaftlichen Folgen dieser Arbeitsstörungen sind so groß, daß der Volksfreund nicht achtlos an ihnen vorüber- gehen kann; denn sie bedeuten große materielle Verluste, von denen beide Teil«, die Arbeitgeber wie di« Arbeitnehmer, hart getroffen werde«. Wenn nun auch, wie die Erfahrung gelehrt hat, niemals ganz zuverlässige Unterlagen zur Sc- rechnung der mannigfachen direkten und indirek­ten Schädigungen auf beiden Seiten gegeben werden können, so ist es dennoch gelungen, ein Bild zu schaffen, aus dem man nicht zu unter- fchätzende und an die Wirklichkeit nahe heran­reichende Schlüffe zu ziehen vermag. Nachdem jetzt die Lohnstreitigkeiten in Schweden kaum beendet find, dürsten die Untersuchungen für unsere Leser gerade jetzt von höchstem Jntereffr sein.

Das Arbeitsamt der Vereinigten Staaten von Nordamerika veröffentlichte vor einiger Zeit eine Reihe von hochintereffanten Zahlen über die durch Streiks und Aussperrungen verursach­ten Verluste, Zahlen, die man bei der von allen Seiten anerkannten Sachlichkeit und Reichhatt- igkeit der nordamerikanischen Arbeits- und Lohnstatistik als durchaus typisch betrachten kann. Aus diesem Grunde hat auch das Königl. Preußische Landesamt einige Tabellen aus dem amerikanischen Berichte wiedergegeben welch« « die Verluste der Arbeitgeber und Arbeitnehmer ans Lohnstreitigkeiten in Nordamerika in den ^^Jahre» 1890 bis 1900 veranschaulichen. Aus

31 lNgchdrnck verboten.)

Die Tochter des Abgeordneten.

Von Georges Ohnet.

l Fortsetzung, i

Eourcier prallt« zurück. Er hatte an einen Sieg ohne Kampf geglaubt, jetzt ging der Feind zum Angriff über.

Das sollte mich nicht verletzen," rief er, wenn dieser alte Schurke die Frechheit hat, mir seinen Hanswurst von Sohn als Schwiegersohn anzubieten?"

Wenn er's nicht getan hatte, was wüidest du dann über Vater und Sohn gedacht haben? Am Tag vorher hast du mir gesagt, der Baron werde diese Heirat nimmermehr zugeben, und sein Sohn könne nur unredliche Absichten haben. Du konntest nicht Worte genug für die Veracht­ung finden, die dir dies«, wie du meintest, un­redlichen Absichten einflößten: nun ist dir der Antrag gemacht worden, den du für so unwahr­scheinlich hieltest, und du willst ihn ablehnen?"

Daß die Tochter so logisch sprach, brachte Courcier außer sich.

Ja, ich will ihn ablehnen? Ich habe keine Lust, mich für den Bedienten meines Schwieger- fofjns ansehen zu lassen! Ich weiß, wie dieses Volk denkt! Ein Bündnis mit ihnen schließen! Ich. der Abgeordnete Courcier, den auch die klebelwollendsten stets als unbestechlich gelten kaffen mußten? Schweig mir davon! Was wür­de überdies meine Partei dazu sagen?"

Endlich sprichst du das Wort!" entgegnet« W®e?te bitter.Das ist des Pudels Ker«

diesen Zahlen läßt stch dann ein Rückschluß auf deutsche Verhältniffe machen.

Wir wollen auf di« Wiedergabe bet toten Zahlen verzichten und nur für beide Arten der Arbeitsstörung aus Lohnstteittgkeiten anführen. Schauen wir zunächst auf die Arbeitseinstell­ungen, so entfiel z. B. im Jahre 1890 auf die ausständigen Arbeiter in einer Gesamtzahl von 298 939 Mann ein Verlust von rund 74 Millon. Mark auf einen Arbeiter rund 210 <M., während an Unterstützungen rund 5y2 Million. Mark gezahlt wurden an einen Arbeiter rund 16,80 <M. Von Ausständen wurden 8116 Bettiebe bettoffen, und diese hatten einen Ge- samtverlust von rund 25 Millionen Mark ein Betrieb rund 3196 J*.. Es geht hieraus hervor, daß die Gesamtverluste der Arbeiter ungleich größer waren als di« der betroffenen Betriebe. In einem Jahre des zur Jüufttation herange­zogenen Dezenniums war er sogar um mehr als das Dreifache größer als der heimgesuchten Be­triebe.

Bei den Aussperrungen treffen die nämlichen Beobachtungen zu. So entfiel im Jahre 1891 auf die ausaesperrten Arbeiter in einer Gesamt­zahl von 31 014 Mann ein Verlust von 3^> Mil­lionen Mark auf einen Arbeiter rund 198 Mark, während sich die Unterstützungen auf rund 0.2 Millionen Mark beliefen für einen Ar­beiter rund 8.40 Mark. Die Zahl der aussper­renden Betriebe betrug 546 mit einem Eesamt- verlust von rund 2,5 Millionen Mark, so daß sich der Verlust des einzelnen Betriebes auf rund 4560 Mark belief.

Es muß nun zugegeben werden, daß Aus­dehnung und Gefüge der Organisationen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in Nordamerika andere sind als in Deutschland und einen un­mittelbaren Vergleich schwer zulaffen: soviel gebt aber aus den angeführten Zahlen unzwei- felbatt hervor, daß die Lohnkämpfe unter allen Umständen sehr teuer sind, und daß sie die Ar­beiter. die in sie verstrickt werden, meist auf Jahre hinaus schwer schädigen, wenn neicht ganz ruinieren. Die Zahlen zeige« auch, daß di« Ar­beitgeber den Kampf länger auszuhalten ver­mögen als die Arbeitnehmer, und daher sollten stch wahrlich die Hetzer der hohen moralischen Verantwortung bewußt werden, welche aus ihnen ruht, wenn sie zum AuHtand reizen, öder zur Aussperung Veranlaffung geben. Es ist und bleibt doch im letzten Grunde ein tiefet und schmerzhafter Schnitt ins eigene Fleisch bet Ar­beitet. der bei einiger Ruhe und Mäßigung leicht vermieden werden könnte.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

Die allgemeine sozialpolitische Debatte, die sich an den Titel Gehalt des Staatssekretärs knüpft, nimmt noch immer ihren Fortgang noch immer werden die oft erörtetten Themata fortgesponnen, ohne daß neue Momente dabei zutage gefördert werden könnten Dos Fntereste ist denn gncki wie die Besetzung des Haukes zeigt, bei allen Parteien sehr matt geworden. Der Abg. Werner (d. Rsp) betonte die Notwendigkeit des Schutzes der Land­wirtschaft besonders aeaen Seucheneinschleppung. wünscht auf der andern Sette die Hebung des Handwerkerstandes die allein durch Einführung des großen Befähigungsnachweises möglich sei, und forderte insbesondere eine Reichswarenbans steuer. Der süddeutsche Zentrumsmann Göring,

deiner Pattei opferst du dein Kind? Du fürchtest den hämischen Tadel von Freunden, die dir so treu gesinnt find, daß sie dich immer im Stich ließen, wenn sie in der Lage gewesen wären, dich zu fördern, und sich deiner nur erinnetten, wenn sie dich brauchen konnten."

Das ist sehr richtig!" stimmte Courtter ei. Ich weihe meiner Partei mehr Hingebung, als die Partei mir je gezeigt hat: aber darin besteht mein Ruhm, meine Ehre, ich freue mich zu sein, wie ich bin. und ich werde mich nicht ändern. Und dir. mein Kind, nehme ich durch den Jam­mer den ich dir jetzt bereite, viel künftiges Leid ab. ' Wenn du wüßtest, was für Enttäuschungen die Ehe mit einem Tresorier dir bereiten würde . . . niemals wirst du in seinen Kreisen als ebenbürtig angesehen werden, niemals wirst du seine Ansichten und Ziele teilen können. Ein, zwei Jahre würden ste dich Hochhalten, dann würde die Zeit ihre Wirkung getan, der Gatte sich innerlich dir entfremdtt haben, dann wür­den die lieben Schwiegereltern dick' als Aschen­brödel behandeln, und du hättest deinen Vater verlaffen. verraten um nichts und roieber nichts! Dann bliebe dir nichts übrig, als zu mir zurückzukehren und dein Geschick zu bereuen? Ich bitt« dich, mein Kind, verbeiße dich nicht in Trotz unb Groll, denke ruhig nach und. vor allem, habe Vertrauen zu deinem Vater. In höchstens zwei Jahren werden meine Eefinnungsgenoffen und ich selbst am Ruder sein, dann heiratest du einen wackern Jungen, der eine Zukunst hat und eines Tags ganz Frankreich mitsamt seinen Tresoriers beherrschen wird. Nur so-

ein Tischlermeister, meinte nicht mit Unrecht, daß den Arbeitern ein« größere sozialpolitische Für­sorge zutell geworden sei als dem selbständigen gewerblichen Mittelstände, den Handwerkern. Er behandelte dann in ausführlicher Weise di« Mittel, durch den noch dem Handwerk geholfen werden könne, Ausbau der Organisation, der Kreditge­währung, des Submisstonswesens u. a. m. Auch der nationalliberale Abg. Findel stimmt eine Klage an, dem int Gegensatz zu Industrie, Land­wirtschaft und Arbeitern keine Staatshilfe zuge­wendet sei, und der immer mehr Gefahr laust, zum Hörigen des stch immer mehr konzenttieren- den Großkapitals zu werden. Er wies warnend auf die Staaten hin, die an dem Mangel eines lebenskräftigen Mittelstandes zugrunde gegangen stnd. Der Abg. Carstens (fff. Vg.) goß die Schale seines Zornes auf den Staatssekretär aus: schöne Borte habe er aber über die Schiffahrtsabgaben, eine bessere Vertretung der deutschen Industrie im Ausland und andere wichtige Fragen schweige er sich aus. und dann solle er dem Mittelstände die beste Förderung angedcihcn lassen, die ihm zuteil werden könne durch ein gutes preußisches Wahlrecht? . . .

Es folgte schließlich eine Rede des Sozialdemo­kraten Hoch.

Aus dem Abgeordnttenhaus«.

In der gestttgen Sitzung des Abgeordneten­hauses wurde die allgemeine Besprechung der Ver­waltung des Innern fottgesetzt. aber nicht zu Ende geführt. Der Abg. Graf von Moltke (freikons.) be­gann die Verhandlungen mit einer Rede, in der er sehr nachdrücklich mit der gesttigen Rede des Abg. Dr. Liebknecht und mit der Sozialdemokratie im ganzen abrechnete. Im Eingang hatte er die Em­pfehlung des Buches .Fürst Bülow und seine Zeit" durch die Berliner Korrespondenz gemiß- billigt. Dann folgte der Abg. Cassel (freis. Vp.) mit der Aufzählung der aus der Prelle bereits be­kannten freisinnigen Beschiverden über ein ver­meintliches parteiisches Verhalten der Behörden zu Gunsten der Konservativen: daran knüpfte er eine sehr nachdrückliche Polemik gegen die stozial- demokratftchen Straßendemonstrationen und nahm dabei sogleich die Polizei gegen die übertriebenen 91nfd)ulbiaynocn der Sozialdemokraten kräftig in Schutz. Rach ihm erklärte der Minister des Innern daß er, sobald ihm die paralamentarischen Ge­schäfte Zeit ließen, die Verwaltungsresorm wieder in Fluß bringen werde, ging dann auf die einzel­nen von den Vorrednern angeführten Beschwerde­fälle ein und erledigte sie in so unpatteiischer und sachlicher Weise, daß selbst die Linke befriedigt war. Dann folgte eine endlose Polenrede des Abg. Switla, nach welcher der Unterstaatssekretär im Ministerium des Innern durch eine Reibe ekla- tanter Fälle die von dem Vorredner erhobenen Beschuldigungen zurückwies. Alsdann vettagt« das Haus die wettere Beratimg bis Freitag 12 Uhr.

ani den Kommissionen.

Wahlrechtskommisston des Abgeordnetenhauses. In der gestrigen Sitzung der Wahlrechtskommis­sion des Abgeordnetenhauses tottrbc die erste Le­sung der Wahlrechtsvorlgge zum Abschluß ge­bracht. der Beginn der zweiten Lesung auf Don­nerstag. den 3. März, vormittags 10 Uhr, festge­setzt und beschlosien. die vorliegenden Resolutions- anträge am Schluffe der zweiten Lesung zu be­raten. Zunächst wurde die Diskussion über den Antrag, die Wahl der Abgeordneten öffentlich vornehmen zu lallen, fottgesetzt. Sie führte wie­derum zu einer lebhaften Auseinandersetzung zwi­schen dem Zentrum und den Sozialdemokraten. Von freisinniger Seite wurde der Anttag in län­geren Ausführungen bekämpft, von den Konser­vativen und dem Zentrum vetteidigt. Schließlich wurde der Gegenanttag auf geheime Abstimmung bei der Rbgeordnetenwahl mit 19 gegen 9 Stim-

. lange halte aus solange gib deinem Vater Kredit, und du wirst erleben, was für ein glän­zendes Los ich dir bereite?"

Das junge Mädchen schüttelte traurig den Kopf.

Wir verstehen uns nicht mehr, Vater: ich sprech« von Liebe, du von Ehrgeiz. Ich würde das armseligste Dasein an der Seit« eines ge­liebten Mannes dem glänzendsten Los aus der Hand eines mir gleichgültigen Menschen vor- zieben. Mein Herz gehört diesem Heinrich Tre­sorier und ich bitte dich inständig, gib mich ihm zur Frau."

Du faselst! Du bist unzurechnungsfähig? Ich habe die Pflicht, dich vor dir selbst zu schützen!"

Wenn meine Mutter lebt«, würde sie mit mir bitten . . .

Deine arm« Mutter hatte viel dumme» Zeug im Kopf?"

Sie glaubte an Gott."

Daraus ersiehst du ja, daß fie geistesschwach war?"

Es waren schon viel harte Worte zwischen Vater und Tochter gefallen, dies aber war das grausamste, das entscheidende, denn es schnitt dem jungen Mädchen durch bie Seele.

Dann ist die Eeistesschwachheit wohl aus mich vererbt worden." erwiderte Gilberte mit mildem Lächeln.Möge mit, falls ich das Un­glück habe, die Erfüllung meines Herzenswun­sches bei dir nicht zu erreichen, auch die Gnade zu teil werden, gleich ihr jung au» dem Leben

men der Nationalliberalen. Freisinnigen, Sozim- demottaten und Polen abgelehnt, der entgegen­gesetzte Anttag mit der gleichen Mehrheit ange­nommen. Die übrigen Bestimmungen der Vor­lage wurden unter entsprechender Einfügung bei notwendigen Aenderungen wegen Beibehaltung der indiretten Wahl unter unwesentlicher Diskus­sion sämtlich angenommen. Für die zweite Lesung wurde dabei die Erlediaung der Frage Vorbehal­ten. welche Teile des Gesetzentwurfs unter den Schutz der Verfassung zu stellen seien.

Die Kommission des Abgeordnetenhauses für den Gesetzentwurf betreffend die Reisekosten und Tagegelder für die Beamten beschäftigte sich in der gestrigen Genergldebatte speziell mit der Frage der Freifähttscheine. Die große Mehrheit der Kom­mission kam zu einem ablehnenden Standpunkt, zum Teil aus Gründen die in der Schwierigkeit der Kontrolle und der Schwierigkeit der Verrech­nung liegen, zum Teil aus materiellen Gründen, die in der Stellung der Beamten und in der Schwierigkeit der Ausstellung von Freifcheinen durch die vorgesetzten Behörden liegen.

Die G-schäftsordnungSkommission d-s Reichs­tages beschloß zum Paragraphen 48. daß. wenn außerhalb der Tagesordnimg ein Vertreter de? Bundesrats dos Mort nimmt, auf Anttag durch Be^luß des Reichstages die Diskutti darüber eröffnet werden kann.

' Politische Umschau.

Ein Radikal-Liberaler über das preußisch» Wahlrecht.

Der radikal-liberale badische Hochschulpto- feffor Vöhtlingh in Karlsruhe hat jüngst ein« Broschüre veröffentlicht, in der er sich in Form eines Zwiegesprächs auch mit gern gleichen uni geheimen Wahlrecht beschäftigt. Aus die Frag« nach seiner Stellungnahme zum allgemeinen direkten und gleichen Wahlrecht antroortet et da folgendermaßen: Alles mit Maß. am rech­ten Ort zur rechten Zett. Die Verfasiung einer Dorfgemeinde eignet sich nicht für eine groß« Stadt. Ein Gemeinwesen wie die Schweiz, noch nicht so groß wie Sachsen oder Bayern und aus Kantonen zusammengesetzt, von denen einzeln« nicht mehr Einwohner zählen, als eine rnäßize Provinzialstadt in Deutschland, kann unmög­lich in bezug auf politische Organisation und ^Betätigung des einzelnen Bürgers mit einem so großen und verwickelten Staatswesen wie das Deutsche Reich auf dieselbe Stufe gestellt werden. Von einer kleinen Landgemeinde ist «s selbstverständlich, daß jeder Vollbürger bei der Beratung der gemeinsamen Angelegenhei­ten zugegen ist. So hielten es auch die ersten Ansiedler in Nordamerika. Bald genug ist je­doch bei fortschreitender Kultur und zunehmen­der Bevölkerung auch in politischen Dingen eine Arbeitsteilung, die Vertretung unerläßlich ge­worden. Die Entsendung eines Abgeordneten auf das Rathaus, in den Landtag oder Reichs­tag ist bereits ein indirektes Verfahren. Des­wegen wird noch keiner feines Stimmrechts be- raubt. Est modus in rebns. Was ich behaupte ist, daß das allgemeine, direkte, gleiche Wahlrecht, gar das geheime? noch lange nicht Freiheit und Recht verbürgt und noch viel weniger die Herrschaft der Intelligenz, worauf es bei Wahrnehmung der gemeinfamen Inter­essen aller schließlich doch wohl ankommen dürfte.^

*

zu scheiden, damit ich nicht allzuviel leiden muß."

Dies« Antwort voll schneidenden Wehs brachte den Vater aus einen Augenblick zur Be­sinnung. Er erkannte, wie elend das Kind, an dem sein Herz ja doch hing, durch ihn werden sollte, und mit einer Aufwallung seiner sonsti­gen Güte schloß er Gilberte in die Arme.

Mein armes Kind, du bringst mich zur Verzweiflung! Glaube mir, es macht mich nicht weniger unglücklich als dich, dir so widerstteben zu müssen, aber ich hab« die unerschütterlich« Ueberzeuaung. daß es zu deinem Besten ge­schieht. Willst du dich an die Menschen weg­werfen, die ich mein Leben lang bekämpft habe, die ich als meine Todfeinde betrachte? Denk doch auch ein wenig an mich . . . geduld« dich... watte ab ... du wirst mir bald recht geben.... Er wird dich vergeffen, dieser junge Mensch... was bleibt dir dann außer deinem Batet?*

Gott."

Gott!" tief Courcier mit erneuter Heftig­keit.Jetzt kommt Gott an die Reihe? Wo, wo ist et denn, dieser Gott? Da oben über den Wolken, in einem Märchentemvel auf einem goldenen Thron, ein anspruchsvoller, tang- bärtiger. zornmütiger Herrschet mit einem Hof­staat von Engeln, die auf der Baute klim­pern?"

Stein, mein Vater, er ist ganz schlicht, ganz groß, ganz voll Barmherzigkeit: fein Tempel ist dieses trostlose Herz, besten einziger Beistand et ist, feit du mit das deinige verschlossen hast.*

(Fortsetzung folgt»