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45. Jahrg.

M 47

Die Jnsertionsgebühr beträgt für die 7gespa!tcnc Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 25. Februar 1910.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."

TieDberr.ciiitchr Z eitung" crjchemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Ter Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen' 2 25 =* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 'M.

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für den Monat Mtrz

auf dieObcrhessifche Zeitung" nebst ihren Beilage» werden von unserer Expedi­tion (Markt 21), unseren Ausgabestellen in Kirchhain, Neustadt, Wetter, Ebs­dorf, Hachborn, Heskem-Mölln, Lei­denhofen und Dreihausen sowie von allen Postanstaltrn und' Landbriesträgern entgegenge­nommen.

Frankfurt.

Einen Wahlrechtssturm gab es vorgestern, wie bereits kurz gemeldet, im Frankfurter Stadtparlament, wo die Sozialdemokraten und Demokraten im Sinne derFrankfurter Ztg." gegen die Polizei Sturm liefen. Nur die Na- tionalliberalen versuchten auch der Vernunft zu ihrem Rechte zu verhelfen, und der Abgeordnete Tromershausen meinte mit Recht, die Herren sollten sich doch auch einmal wie die Polizisten Pfeffer in die Augen werfen lassen, wie sie dann wohl über die angeblichen Hebelgriffe der Po­lizei dächten. Gegen die Stimmen der National­liberalen wurde am Schluffe folgende dreiste Resolution angenommnn:

Mit Rücksicht darauf, daß das Verhalten der Polizeiorgane am 13. Februar geeignet ist, sowohl das verfassungsmäßige Recht öffentlicher Kundgebungen und die Sicherheit harmloser Passanten (!) zu gefährden, als auch den Fremdenverkehr zu beeinträchtigen, ersuchen wir den Magistrat, an zuständiger Stelle Verwah­rung einzulegen, damit die Wiederkehr solcher Vorgänge vermieden wird."

Der Oberbürgermeister Adickes hatte dem­gegenüber sehr richtig ausgeführt:

Der Magistrat kann nur dem dringenden Wunsch Ausdruck geben, daß zur Vermeidung der Wiederkehr solcher den guten Ruf unserer Stadt und ihre wirtschaftlichen Jntereffen schwer schädigenden Vorgänge bei Verfolgung von Be­strebungen auf Aenderung gesetzlicher Bestim­mungen alles unterlaffen werden möge,was nach dem bestehenden Rechte ein polizeiliches Ein­schreiten mit allen seinen nicht vorherzusehen- : den Konsequenzen mit Notwendigkeit herbei­führen mutz. Wer im jetzigen Augenblicke es Unternimmt, das in dem bestehenden Gesetz nicht anerkannte Naturrecht auf die Straffe zu ierzwingen, nimmt ein« überaus groffe Verant­wortung auf sich. Der Magistrat warnt ein- drinalich vor solchem Vorgehen."

2Bit meinen, daß in der Tat diese Haltung > der Stadtverordnetenvertretung den Charakter der Stadt als einer demokratisch- sozialdemokratischen Domäne so gut wie nichts anderes illustriert.

Und in diese Verhältntffe hinein sollte der Staat eine Hochschule geben. Wir hoffen, dah guch diese Ereignisse den zuständigen Stellen

88 (Nachdruck verboten.)

Die Tochter des Abgeordneten.

Von Georges Ohnet. (Fortsetzung.!

Mit linder Hand, voll Achtung unb Vorsicht durchforschte der Priester das willig vor ihm aufgeschlagene Buch dieses reinen, jungen Ge­müts. Willig ließ das junge Mädchen all sein Herzeleid in dies« trostbereite Seele überströmen und entrollte Schritt für Schritt ihre so freudig , beginnende Liebesgeschichte, der jetzt ein so schmerzlicher Abschluß drohte. Gilberte ver­hehlt« nichts, weder die Winkelzüge, wodurch Heinrich sich ihr genähert, noch die harmlose Täuschung, die sie dem Vater gegenüber ange­wandt hatte. Weder der Name Tresorier, noch der des Abgeordneten Eourcier schienen den lei­sesten Eindruck auf den Eroßvikar zu machen. Er hört« ernst und gesammelt, fast andächtig zu, stellte da und dort eine Frage, die den einzelnen Vorfall ins rechte Licht und Verhältnis rückte, und ließ Namen und Persönlichkeiten so gänz­lich beiseite, als ob sie für ihn nicht die geringste Bedeutung hätten. Als Gilberte mit ihren An­gaben zu End« war, verharrte er eine Weil« in schweigendem Nachdenken, als ob er auch in sich selbst einen Streit zu schlichten hätte.

Meine Tochter!" begann er dann.Wenn sch Ihren Gedankengang richtig erfasse, so sind Sie zu mir gekommen, um sich über Ihre sitt­lichen Rechte dem Vater gegenüber belehren zu lassen? Nur über die sittlichen, denn die gesetz­lichen unterliegen nicht unserem Urteil. Nun denn! Gottes Gebot antwortet klar und ein­fach:Du sollst Vater und Mutter ehren." Sie ßnd dem Vater vor allem Gehorsam schuldig, Und sollte es Ihr Lcbensglllck kosten, seinen Willen zu ehren, Sie müssen sich ihm beugen.

zeigen, wie wenig paff«nd gerade Frankfurt für «ine preußische Hochschule ist!!

Nicht unerwähnt bleibe auch die Haltung derFrankfurter Zeitung". Sie macht dem Magistrat und Herrn Adickes wegen seiner ruhigen Haltung die bittersten Vorwürfe. Nach Herkommen und Brauch kann man ja von der magtstratlichen Steifnackigk«it nicht viel erwarten, wenn es sich darum handelt, gegenüber der Regierung und ihren Organen I Selbstbewußtsein zu zeigen und öffentlich dar- I zutun, daß die Stadt sozusagen auch ein nicht I unwichtiges Gebilde im Staatskörper ist." Viel anders wird es dieVolksstimme" , auch nicht ausgedrückt haben.

Bei den gestrigen Versammlungen, die be­reits um 4 Uhr angesetzt waren, um ein« De­monstrationsfeiern der Arbeiter zu erzwingen, wurde unter anderem von einem Redner aus- geführt, daß die freiheitlich gesinnten bürger­lichen Parteien entschieden Freunde der Wahl­rechtsbewegung seien. Das gehe schon daraus' hervor, daß viele Arbeitgeber ohne weiteres den Arbeitern um vier Uhr freigegeben hätten. Die anderen seien Wahlrechtsfeind«.Die Zeit wird kommen, daß die Arbeiter auch gegen den Will«n d er Arbeit­geber die Fabrik verlassen werd en."

Dann bekam die Demokratie für ihre brave .Haltung eine allerdings unbestimmte Zu­sage, die dieFranks. Ztg." wegen ihrerWich­tigkeit" wörtlich behalten hat.Hält sich die bürgerliche Linke weiter so, dann wollen wir viel vergessen." (Zustimmung.)

Nun ist es ja bald erreicht das Ziel, Arm in Arm mit den Genossen die Mandate zu erobern

Zwischenfälle ereigneten sich gestern im An­schluß an die Versammlungen nicht.

Aus den Parlamenten.

Aus dem Reichstage.

Dem Hause sind eine ganze Reihe von weiteren Beileidskundgebungen anläßlich des Hinscheidens seines ersten Präsidenten zngegangen, die zur Kenntnis gebracht werden. Nachdem dann das Reichskonttollgesetz schnell einer Kommission über­wiesen worden war, wobei von konservativer Seite an einem drastischen Beispiele gezeigt wurde, mit welchem Burcaukratismus man manchmal in der Oberrechnungökammer verfähtt, wurde in die Weiterberatung des Etats des Innern cingetreten. Dabei nahm der konservative Abg. Graf Carmer (Zieserwitz) Gelegenheit, auf eine möglichst schnelle Erledigung der Privatbeamtenvcrsicherung zu drängen und die Vorlegung eines Gesetzentwurfs noch in dieser Session zu verlangen. Herr Strese- mann stellte eine Reihe von handelspolitischen Forderungen auf und meinte u a daß unsere Hochschutzzollpolitik bei der Abschlicßung von Han delsvetträgen hinderlich sei. Dem gegenüber wies Statssekretär Delbrück darauf hin, daß gerade sie unseren gewalllgen Aufschwung auf allen Gebieten verursacht habe. Unsere Industrie war nur durch sie befähigt, die letzte wirtschaftliche Krise im Ge­gensätze zu anderen Ländern so ruhig zu über­stehen. Unser Zolltarif habe sich als gute Waffe zum Schutze unseres ganzen Erwerbslebens er­wiesen. In längeren Ausführungen setzte er sich dann mit den Vorrednern auseinander und ging auf deren Wünsche und Beschwerden näher ein.

Mißbilligt er also die Verbindung, die Sie ein­gehen möchten, so fügen Sie sich seinem Gebot und suchen Sie ihn b' r* keine anderen Mittel umzustimmen als durch freiwillig« Unterwer­fung und kindliche Liebe.

Gilberte hatte sein Urteil gesentten Hauptes gehört. Kampf und Schmerz in ihrer Seele ver­drängten jeden Schimmer von Farbe von ihren Wangen.

Das hat mir mein eigenes Gefühl auch ge­sagt, und Sie befestigen nur einen längst in mir keimenden Entschluß. Was auch geschehen möge, ich will den Mann, den mein Vater verwirft, nicht zum Gatten nehmen . . . aber wer, wer wird mir die Kraft verleihen, dieses Opfer wirk­lich zu vollbringen?"

Gott!" versetzte der Priester mit leuchten­dem Antlitz und volltönender Sttmme.Unser göttlicher Erlöser, den Eie nicht kennen und von dem Kraft und Gnade ausgehen. Beten Sie zu ihm, lieben Sie ihn, dienen Sie ihm, und er wird Ihnen Ergebung und Frieden schenken. Wenn ich Ihnen ernstlich rate, Ihrem Vater gehorsam zu sein, so befehle ich Ihnen mit noch größerem Ernst, sich dem Schöpfer zuzuwenden, der unser Vater ist. Sie würden unrecht handeln sich dem Willen des leiblichen Vaters zu wider­setzen. aber «in viel größeres Unrecht wäre es, die göttliche Herrschaft zu verkennen, nachdem sie Ihnen geoffenbart wurde. Wenn Ihr irdischer Vater Ihren Augen Tränen entlockt, der himm­lische wird sie trocknen. Wenn der eine Ihnen Schmerz auserleqt, wird der andre Ihnen lohnen, daß Sie die Prüfung bestanden haben."

Schweigen trat ein. Gilberte saß bitterlich weinend in dem kahlen Gemach, durch dessen ein­ziges Fenster nur ein kleines Stück des blauen Himmels sichtbar war. Sie sah ein, daß jede Hoffnung auf Glück für sie verloren war. Mit

Abgeordnetenhaus.

Bei der zweften Beratung des Etats des aus- wättigen Amtes erkundigte sich Abg. Hackenberg (natlib.) nach dem Stande der Verhandlungen über die Abttetung von Neutral-Moresnet. Staatssettetär Frhr. v. Schoen erwidette, daß die Verhandlungen noch nicht zum Abschluß gekom­men seien. Der Etat der Oberrechnungskammer wurde genehmigt, desgleichen debaftelos der Etat des Kriegsministeriums. Bei der folgenden Etats­beratung des Etats des Ministeriums des Innern wandte sich Abg. Dr. Bell (Ztr.) in scharfer Weise gegen die Empfehlung des BuchesFürst Bülow und seine Zeit" durch den Minister des Innern. Das Buch enthalte Beschimpfungen der katholi­schen Kirche, des Zentrums und der konservattven Pattei. venlnglimpse das Andenken des Ministers v. Studt und arbeite auf den Sturz des Chefs deS Marineamts hin. Minister v. Moltke erllätte, empfohlen habe er das Buch nicht und sich erst recht nicht mit dessen Inhalt identifiziert. Fürst Bülow habe ebenfalls ein Dankschreiben an den Verfaffer gerichtet. Abg. v. Pappcnheim (kons.) gab eben­falls seinem Erstaunen darüber, daß ein solches Buch, das die unerböttesten Beschimpfungen gro­ßer, bürgerlicher Patteien und tendenziöse Verun­glimpfungen geachteter, hervorragender Persön­lichkeiten entbält. vom Minister empfohlen werden konnte, in schärffter Weise Ausdruck. Er könne nur annehmen, daß der Minister das Buch weder ge­lesen, noch richtigen Bericht über seinen Inhalt be- kommen habe. Seine politischen Freunde können nickt annehmen daß ein preußischer Minister sich wissentlich zur Empfehlung eines solchen Buches hergebe und dadurch mit dessen Inhalt identifi­ziere (Lebhafter, anhaltender Beifall! Aba. Fritsch (natlib.) erklötte, et habe den Ausfüh­rungen des konservativen Redners nichts hinzuzu­fügen. Abg. Dr. Liebknecht (Soz.) befchwette sich in endlofer Rede übet die parteiische Handhabung des Vcteinsaesetzes. des Vteßaefttzes usw. gegen- übet bet Sozialdemokratie und holte sich zwei Ordnungsrufe. Minister v. Moltke trat den Heber* treibungen und falschen Behauptungen des Red­ners energisch entgegen.

Politische Umschau.

Deutsche."

Wiederum ist «in deutscher Besitz durch deutsch« Vermittelung in polnische Hände über- gegangen. DerSchles. Ztg." wird aus d«m Kreise Meseritz gemeldet: Es handelt sich um das 3500 Morgen große Rittergut Pannwitz, das bet kürzlich verstorbenen, gut beutfchgesinw. ten Frau Iba v. Zychlinski gehörte. Da es be­kannt war, daß die Erben, den Wünschen bet Verstorbenen gemäß, das Gut nicht an einen Polen verkaufen würden, wurde von den Polen der schon früher öfters mit Erfolg unter­nommene Versuch gemacht, das Gut durch deutsche Strohmänner zu erlangen. Ein deut­scher Güteragent in Posen brachte mit Hilfe ein«? Berliner EÜteragenten. der auch mit Martin Biedermann in Geschäftsbeziehunqen gestanden hat, den Erben als Käufer den Leut­nant a. D. Kurt v. Biedenfeld. der das Gut auch für 665 000 =M bei einer Anzahlung von einer Viertelmillion kaufte. Bei der Auflass­ung zahlte der Posener Aoent als Bevoll­mächtigter. ohne daß «s den Verkäufern beson­ders aufgefallen wäre, den Kaufpreis für die Gattin des Herrn v. Biebenfeld, die darum auch

Wehmut, aber ohne Reue über seine Worte be­obachtete der Priester das arme junge Wesen. Was er ibr gesagt hatte, hatte er sagen müssen. Sein Gewiffen hatte es gefordert. Endlich erhob sie sich, trocknete ihre Augen und blickte muttg lächelnd zu ihrem strengen, Erlichen Berater auf.

Mein Vater, ich danke «s Ihnen, daß Sie so zu mir sprechen. Ich weiß nicht, was die Zu­kunft für mich im Schoß hält: aber es mögen Stunden der Anfechtung kommen, wo ich viel­leicht einer Hilfe bedarf gegen die eigene Schwachheit. Erlauben Sie mir, wieder zu Ihnen zu kommen?"

Sie werden mich immer bereit finden, mit Ihnen zu fühlen und Sie zu trösten, mein Kind."

Auf Wiedersehen, mein Vater."

Sie verneigte sich, und er spendete ihr mit feierlicher Gebärde seinen Segen.

Hoffen Sie auf Gott, mein Kind, und gehen Sie in seinem Frieden!"

In der Vorhalle saß die alte Rosalie und wartete geduldig mit dem von ihr unzertrenn­lichen wollenen Strickzeug. Gilberte nickte ihr zu, und sie verließen den erzbischöflichen Palast, die junge Herrin mit schwerem Herzen, aber innerer Sicherheit.

Die Mahlzeit war schweigsam verlaufen. Vater und Tochter hatten kein Wort gesprochen; das Aus- und Eingehen bet alten Dienerin wat bet einzig hörbare Laut gewesen. Jetzt saßen sie ebenso schweigsam im Wohnzimmer bei­sammen. Der Abgeordnete war ein Kampfhahn, der wahrhaftig vor keinem Streit zurückschreckte; seine politische Laufbahn bewies es zur Genüge. Seit einer Stunde aber war ihm kläglich genug zu Mute; der ruhige Blick feines Kindes lebrte ihn die Angst kennen. Nach dem gestrigen Auf­

eingetragene Besitzerin des Gutes wurde. Gleich nach der Auflassung wurde das Gut zu- nächst an den polnischen Gutsbesitzer Dr. Jaworowicz aus Dziadkowo, Kreis Gnesen, verpachtet, um später an ihn als Besitzer abge. geben zu werben.

Der Freisinn nnb die Polenfrage.

DieOstdeutsche Korr." bemängelt daß das neue liberale Einigungsprogramm mit keinem Worte von der Polenfrage Notiz nimmt. Ei heißt da:

War es den Vereinigten freisinnigen Par­teiführern nicht möglich, die klaffende Lücke auszufüllen, welche das Parteiprogramm der bürgerlichen Linken mit Bezug auf die Polen­frage bisher aufwies? Will man sich auch fernerhin damit begnügen, die erprobte Polen­politik der preußischen Regierung von Grund auf zu verurteilen, ohne irgendwelchen Ersatz dafür anzugeben? Die nationalen freisinnigen Parteigänger hätten wohl erwarten dürfen, daß in dem Einigungsprogramm auch ein« Politik zu Worte kam, die Mittel und Wege angab, die wichtigste innerpolitische Frage Preußens zu lösen. Das ist jedoch nicht der Fall und die nationalen Kreise Preußens und Deutschlands müssen damit rechnen, daß auch die zukünftigen fortschrittlichen Volksparteiler in diesem Puntte ebenso versagen werden, rote die vereinzelten freisinnigen Gruppen dies bisher getan haben." Hierzu schreibt dir Kreuzzeitung" sehr richtig:

Als die Polen für die Finanzresorm sttmmten, wie entrüstete sich da auch der Links­liberalismus über die Konservativen, die sich nicht scheuten, mit den staatsfeindlichen Polen zusammenzustimmen. Es wurde, um den Kon­servativen dag Odium mangelnden nationalen Bewußtseins aufzubürden, sogar das völlig haltlose Märchen von einem Bündnis mit den Polen erfunden. Und dieselben Leute, die sich so wacker entrüsteten und die ganze Polen- politik der preußischen Regierung durch die Konservativen gefährdet sahen, «rächten di« Polenfrage, die Fürst Bülow, auf den der Liberalismus nach seiner Entlassung ganz be­sonders große Stücke hält, für das wichtigst« innerpolitische Problem erklärte, in ihrem Programm nicht einmal des Erwähnens füi wert.

Demonstrationen.

Halle (Saale), 22. Febr. Die hiesige Pali, zeiverwaltung veröffentlicht heute eine amtlich« Darstellung der Zusammenstöße der Wahlrechts- demonstranten mit der Polizei am Sonntag, den 13. Februar. Daraus geht hervor, daß ein Polizeiwachtmeiüer und acht Polizeiserge- anten von faustgroßen Steinen getroffen, und daß Tätlichkeiten anderer Art gegen 11 weitere Polizeibeamte ausgeführt wurden. In sieben Fällen mußte mit der Waffe eingeschritten werden, nachdem die dreimalige Aufforderung zum Auseinandergehen erfolglos geblieben war. Infolge der Beteiligung an den Exzessen ist das Ermittelungsverfahren einqeleitet wor­den. gegen 33 Personen wegen Auflaufs bezw Aufruhrs, gegen 31 wegen Richtbefolqum

tritt war er aus dem Haus gestürmt und hatte auswärts gespeist, beute vormittag hatte er in der Kammer gefrühstückt, so war dies Beisam­mensein das erste nach Tresoriers Besuch. Daß eine Auseinandersetzung mit der Tochter unver- meidlick war, sah er ein, und Eilbertes deutlich zur Schau getragene Ruhe und KaltblLtiakeit machten ihm Sorge. Dem Gespräch auszuweichen daran dachte «r nicht, aber er wartete mit ner­vöser Spannung und Bangigkeit darauf. Als er fetzt das Kreuzband von einer Abendzeitung streifte, trat Gilberte, statt wie sonst ihre Hand­arbeit zu holen, zum Kamin, wo er in seinem Lehnstuhl saff.

Es wird dir hoffentlich nicht unangenehm: sein, Papa, wenn ich auf die Vorgänge von gestern abend zurückkomme, um die möglichen Foloen in Ruhe mit dir zu besprechen."

Sie sah ihn fest und offen an, und er wich ihrem Blick nicht aus.

Das halte ich allerdings auch für ttnunu. gänglich nötig. Wir müssen beide genau wissen,' wie wir mit einander dran sind und wc^u wir uns entschlossen haben. Du hast mir gedroht.,

Das war sehr unrecht von mir, Papa!" fiel ihm Gilberte mit Demut ins Wott.Ich bitt« dich um Verzeihung."

So so! Das klingt fa verständig unb ist schon ein Fortschritt!" bemerkte Eourcier mit Genuatuung.Du scheinst bir also mittlerweile klargemacht m haben, wie verletzenb unb empör, enb die Zudringlichkeit dieses anmaßenden Menschen für mich war. der den Frieden unsrer Häuslichkeit stören mußte."

Rein, daß sein Besuch verletzend für dich gewesen wäre, sehe ich nicht ein!"

(Fortsetzung folgt.)