45. Jahrg.
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Zweites Blatt
Zum 100. Todestag Andreas Hofer.
J
Andreas Hofer Zum lOO.Todes-
Am 20. Februar dieses Jahres jährt sich zum hundertsten Male der Tag, der mit blutiger Flammenschrift in den Annalen der österreichischtirolischen Geschichte vermerkt ist, Hofers Tod. Andreas Hofer, der tapfere Sandwirt, der ganz Tirol gegen den welschen Eroberer und Erbfeind verteidigte, wurde am 27. Januar durch Verrat in einer Sennhütte auf der Pfandalm im Pasieyertal, wo er sich versteckt hielt, gefangen genommen und nach Innsbruck, später nach Mantua gebracht und daselbst am 20. Februar 1810 erschossen. Der heLenhafte, volkstümliche Freiheitskämpfer wurde in St. Leonhard im
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zecke ober deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und «erlag: Joh. «ng. Koch, UniversttatS-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
Dit-Sennhüte auf d<r :,wo Hofer gefangen wurde. (xy.Jan.ieio)
Pasieyertal am 22. November 1767 geboren. Schlicht und einfach, aber kräftig an Geist und Körper, voller Gottvertrauen und hohen Muts, wurde er nachdem er früher Landesdeputierter und in den Feldzügen von 1796 Schützenhaupt- mann gewesen, im Jahre 1809 die Seele des Tiroler Aufstandes und nach mehrfachen glan- Siegen Oberkommandant seiner befreiten Hei- nat. Nach dem Wiener Friedensschlutz kämpfte er aber auf eigene Faust weiter, mußte der Uebermacht weichen und fliehen. Bald darauf ereilte ihn sein Schicksal. Seine Leiche ist in Innsbruck in der Franziskanerkirche begesetzt.
Marburg
Sonntal!, 20. Februar 1910.
Die Einrichtung ist kurz folgende:
Jeder Sparer erhält eine Sparbüchse (d. i. die Haussparkasie); den Schlüssel dazu behält aber die Verwaltung der Sparkasse, so daß der Sparer selbst di« Büchse nicht öffnen und die einmal hineingelegten Beträge nicht nach Belieben wieder herausnehmen kann; diese müsien vielmehr bis zur Leerung der Büchse durch die Verwaltung darin bleiben. Diese Büchsen bleiben Eigentum der Sparkasse: bis zur Zurücklieferung seitens der Sparer wird ein dem Werte der Büc^e entsprechender Betrag der ersparten Gelder zurückbehatten. Der Wert der Sparbüchsen schwantt; es gibt schon billige Sparbüchsen zum Preise von nur 20 Pfg.. nur
erfolgt hier der Verschluß durch einen mit dem Stempel der Sparkaflen-Berwaltung versehenen Klebestreifen.
Die Sparbüchsen werden nun innerhalb bestimmter Perioden von der Sparkassen-Verwal- tung bei dem Sparer selbst in desien Gegenwart entleert und der Inhalt festgestellt und gebucht, oder der Sparer bringt sie, wann er will zur Kasie hin, und hier erfolgt dann in seiner Gegenwart Feststellung und Buchung. Die Büchse erhält der Sparer nach der Leerung verschlossen wieder zurück. Die Beträge werden entweder vom Tage der Ablieferung oder von einem bestimmten späteren Zeitpunkte ab (z. B. vom 1. des auf die Ablieferung folgenden Monats an) verzinst. Selbstverständlich
Die ^Vberhe8iiu,e ocuur.ö" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2 25 * (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 «*.
Heim Sparkasse für Marburg. I
Von intelligent homtnes, quam magnum vectigal I sit parsimonia (Cicero, Paradoxa). I
Dieses Wort des römischen Schriftstellers, I welches für das römische Volk und noch mehr I für das leichtsinnige Völkchen der Griechen, zu- I mal in seinen Kolonien, besonders gelten I «achte, darf heutzutage nicht mindere Geltung I auch für die im allgemeinen wirtschaftlicher I veranlagten germanischen Völker, nicht zuletzt I für das deutsche Volk, beanspruchen. Denn ein I Volk, welches, wie wir, bei einer Einwohner- I zahl von rund 64 Millionen jährlich etwa I 4 Milliarden Mark für alkoholische I Getränke (für diese allein etwa 3 Milliarden) und Tabak ausgibt, kann unmöglich Noch Anspruch darauf erheben, das rechte Verständnis für Sparsamkeit zu haben. Und doch ist gerade die richtige Sparsamkeit nächst dem Fleiße die größte wirtschaftliche Tugend eines Volkes. Freilich ist der Sinn für Sparsamkeit nicht bei allen Klasien unseres Volkes in gleichem Maße im Schwinden begriffen, z. B. nicht ! bei der bäuerlichen und auch nicht bei der ländlichen Arbeiterbevölkerung, wohl aber z. B. bei den breiten Masien der großstädtischen Arbeiterbevölkerung.
Alle Bestrebungen, die darauf abzielen, den Sinn für Sparsamkeit und verständige Wirtschaftsführung wieder zu wecken und zu fördern, müsien deshalb von jedem Volksfreund« mit Freuden begrüßt und mit Eifer unterstützt werden.
Bei diesen Bestrebungen wird man besonders im Auge behalten müsien, daß „viele ^Wenig ein Viel" geben und daß durch viele kleine unnötige Ausgab en im Laufe eines längeren Zeitraumes Vermögen vergeudet werden. Ergibt doch eine unnötige tägliche Ausgabe von nur 15 Pfg. unter Hinzurechnung von 4 Prozent Zinsen in zehn Jahren schon eine Ausgabe von 670 Mk., eine solche von 50 Pfg. in dem gleichen Zeitraum« eine Ausgabe von 2334 Mark.
Es kommt deshalb darauf an, die sichere Ersparung auch klein er und k lei n st er Beträge zu ermöglichen. Dies setzt aber wieder voraus, daß das Sparen dem einzelnen Sparer so einfach, so bequem und so billig, wie möglich, gemacht wird.
Welche Bedeutung in dieser Hinsicht den so segensreich wirkenden Schulsparkassen (Psennigsparkasien) zukommt, istftü'er einmal in dieser Zeitung in zutreffender Weise von anderer Seite gewürdigt worden.
Unter den für Erwachsen« — aber auch für Kinder — in Betracht kommenden Svar-Sqste- men (Sparkarten, Sparmarken, Abholungs- System Heim-Sparkosie) verdient das von dem Amerikaner C. O. Burns im Jahre 1889 em- gcführbe System der Haus- oder Hetm-Spar. kasie ganz besondere Beachtung, weil kein anderes System in gleicher Werse geeignet ist, das Ersparen kleiner Beträge so einfach, bequem und billig und zugleich so sicher zu gestalten.
£i‘« Erschiessung Hofers in der Festung hfl nfua am2Äftbruarl814»>
• (Nach «inerlithographie )
ins feindlich« Lager übergehen sah und sich von seinem wichtigsten Bundesgenoflen im Stiche gelaßen fühlte, schlug der Baron im Unmut auf seine Stuhllehne.
„So. das ist also das Ende vom Lied, Mutter und Sohn gegen mich verschworen! Zum Kuckuck, Frau, du bist unverantwortlich schwach! Kannst das lange Wickelkind nicht fünf Minuten weinen sehen, ohne den Kopf zu verlieren? W'e soll ich's denn jetzt anstellen. seinem stürmischen Drängen zu widerstehen? Ihr würdet mich ja als blutdürstigen Tyrannen ansehen, wozu ick weiß Gott, nicht das mindeste Talent haße!"
Verdrießlich und mürrisch, aber doch 'Lon etwas ruh'ger, ging er im Zimmer auf unb ab, bis er schließlich vor der Grupp« von Mutter und Sohn stehen blieb, die sich zärtlich umschlungen liehen und gegenseitig über die gemein- [am ausgc standen« Not sich zu trösten suchten.
..Ist Re denn wirklich hübsch, diese Kleine? fragte er brummig , ,
„Ach Papa! Du sollst sie nur sehen!"
..Schlechtes Blut! Hab' kein Zutrauen! Wird uns noch alle verrückt machen . . . wozu übriaens nicht sehr viel fehlt!"
„Ach! Sie ist gut, sanft, reizend . .
„Vorher — das ist immer so! — aber was nachher kommt."
„Wenn du fünf Minuten mit ihr gesprochen hast, schwärmst du für sie . . . der Mama ift's auch so ergangen!"
„Ach di« Mama schwärmt noch lange nicht, du hast ihr nur den Kopf vollgeschwatzt!"
„Doch, lieber Mann," erklärte Frau von Tresorier. Das Mädchen hat wirklich einen
29 lRachdruck verboten.)
Die Tockter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
«Fortletzung.»
Mehr und mehr von heftiger Rührung ergriffen konnte Heinrich die letzten Worte nur mit Anstrengung herausstoßen. Tränen strömten über seine Wangen, und als ihm die Stimme unter Schluchzen versagte, stand er stumm und hilfsbedürftig vor den im Innersten ergriffenen Eltern. Nebeneinander fitzend, blickten sie beide bestürzt und erschüttert auf diesen Sohn, der ihr höchster Stolz und ihre Freude war und nun der Verzweiflung nahe zu sein schien. Ihr festgegründetes, glückliches, glänzendes Dasein schien vernichtet, in Trümmer zusammenzustürzen. Die Mutter vermochte den Augenblick nicht länger zu ertragen: sie grif nach der Hand des Sohnes und zog ihn ßrnft in ihre Arme.
„Komm mein Kind, krank machen sollst du dich nicht," sagt« sie zärtlich tröstend. Du zitterst ja am ganzen Leib . . . komm, laß dich küsien! Haben wir dir denn je weh tun wollen, dein Vater oder ich? Wir haben ja nichts auf der Welt, als dich, daß weißt du wohl, und rvenn du unglücklich würdest, was sollt« dann aus «ns werden? Dein Vater wird schon Mittel und Woge finden, deine Angelegenheit zu frohem Abschluß zu bringen, überlaß du es ruhig ihm. ... Du weißt ja, er ist ein Mann, der alles zu Ende führt, was er angreift, und e» wird Mitleid fühlen mit uns beiden . . . ß, ist ja so gut . . ." . .
Als er seine Frau vor seinen Augen derart
eigenen Reiz, sie würde unserem Hause in jeder Hinsicht Ehre machen und bei deiner Leiden- schaft für alles, was hübsch ist. . ."
„Ach so! Geht's aus der Tonart? Nächstens wird man mir erklären, ich müße sie als Kunstgegenstand für mein Haus erwerben!"
„Den köstlichsten deiner ganzen Sammlung!"
„Jedenfalls den kostspieligsten! Zum Kuckuck . . die Tochter eines Courcier! Wird ein nettes Aufsehen machen in der Gesellschaft! Das Gerede!"
„Du weißt wohl, daß der Klatsch sich nicht an dich heranwagt . .. ein Mann, wie du, braucht ihn nicht zu scheuen." , ,
Der Baron konnte sich eines selbstgefälligen Lächelns nicht enthalten.
„Allerdings, man verfähtt im allgemeinen glimpflich mit mir. Die Welt hat ihre Milde auch nötig in diesem Fall, denn 's ist in der Tat die reine Narrheit."
„Es ist? Du sagst also nicht mehr es wäre?"
„Wie soll ich's denn anstellen, fest zu bleiben, wenn ihr beide mich bis auf's Blut quält?"
Heinrich umhalste und küßte den Vater, daß diesem fast der Atem ausging. Und während er den keines Widerstandes Fähigen noch fest umschlungen hielt, sagte er: „Du mußt es auf dich nehmen, mit Courcier zu sprechen!" u
''Das ist unumgänglich luftig! Er wird sich ja im geheimen riesig geschmeichelt fühlen, wenn du diesen Schritt tust ..."
„Vielleicht fühlt er sich lange nicht so geschmeichelt, als ich mich gedemütigt fühle/
„Wär'» dir lieber, wenn die Mama hinginge?"
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
bleibt es dem Sparer unbenommen, die ersparten Befräge jederzeit oder unter Einhaltung einer kurzen Kündigungsfrist bei der Kasie wieder abzuheben: ein Zwang, die ersparten Gelder währerü) eines bestimmten Zeitraumes bei de» Kasie zu belasien, wird nicht geübt.
Dieses System ermöglicht es dem Sparer einerseits, jeder Zeit auch die kleinsten Beträge ohne Wege und Stege und ohne kleben oder etwas schreiben zu müsien, zurückzw- legen, und macht es ihm andererseits unmöglich, die einmal in die Büchse gelegten Bettage wieder herauszunehmen und so dem SparMveck« zu entziehen; es unterstützt ihn auf solche Weile in seiner moralischen Widerstandsfähigkeit gegenüber den Versuchungen, die zur Ersparung bestimmten Beträge zu unnützen Zwecken zu verwenden. _ ,
Ganz besonders eignet sich dies System auch dazu, für bestimmt« Zwecke im Laufe eine, be- stimmttn Zeit, etwa eines Jahres, größere Beträge — und noch dazu zinstragend — anzu- sammlen (z. B. das Geld zur Beschaffung der Wintervorräte, des Feuerungsmaterials für den Winter, zu einer Bade-, Erholungsreise tm Sommer, zu Weihnachtsgeschenken u. dgl m.). Wenn der Sparer es selbst übernimm^ zu diesen Zwecken im Laufe des Jahres nach und nach Beträge zurückzulegen, so finden diese bei den mannigfachen, sich in der Zwischen^n einstell-nden wirklichen oder vermeintlichen Be- dürfnisien meist vorher eine bestimmungs- widrige Verwendung. Dem schiebt die Heim- Sparkasie einen Riegel vor.
Dieses System ist deshalb ganz besonders geeignet, die Spartätigkeit zu erweitern und den Sinn für Sparsamkeit in den j weitesten Schichten der Bevölkerung zu beleben und zu fordern. Es hat denn auch von Amerika aus einen Siegeszug nach Schweden, Norwegen und Dänemark anaetteten und vielfach auch schon tn Deutschland zumal auf dem Lande bei den ländlichen Darlebnskosien, Einaang gefunden. 'In Amerika sind Millionen solcher Heim-Sparbüchsen in Gebrauch: nach den für dieses Land aufgeltellten Berechnunaen werden durchschnittlich jährlich 400 M in jede Heimsparkasie eingelegt. Der hiesig« Beamten - Verein hat getreu seine sonstigen gemeinnützioen Bestrebungen beschlossen die Heimsvarkasien-Ein« richtung auch für die hiesige Stadt ins Leben gerufen, und zwar nicht nur für seine Mitglieder ' deren Anoehörige und Dienstboten, sondern auch für weitere Kreis« der hiesigen Bevölkerung. Dabtt wird indesien nicht beabsichtigt eine eigene Sparkasse z u gründen (die würde eine veränderte Organisation erfordern) : der Beamt en-Ver ein will vieleher nur als Sparvermittelungs Stelle tätig werden und zwar in der Weise, daß et nach Ablauf des Sammeljahres die Spargelder auf die Namen der einzelnen Sparrer bei den von diesen bestimmten Sparstellen — fei dies nun die städtische Sparkasie, die Marburger Bank, bet Spar- unb Bauverein ober einer Privät-Bankier — anlegt. Währenb bes Sammeljahres würden die Gelber ber der hiesigen stäbtischen Sparkasse
„Nein, nein! Ich gehe ja ... ich will's ja tun! O, dieser Courcier! Will's Gott, Jbentmmt «t sich wenigstens anständig, sonst . .
„Du wirst doch nicht Händel mit ihm suchen, ihn nicht herausfordern? Soll ich dich begleiten?"
„Nein, das schickt sich auch nicht, und ich möchte dich auch nicht zum Zeugen meiner Erniedrigung haben."
„Du wirst also morgen hmgehen?
„Warum denn so eilig?"
„Weil weitere Ueberleaung überflüssig ist... der Entschluß könnte höchstens an Kraft ver- lieren."
„Ach, Junge! Du gibst mir meine Schwas heft auf dem Butterbrot zu esien! Und ich hat« solch eine schöne Partie für dich im Auge . .. Mn kleine Hennecourt!"
„Bitte, bitte, sprich mir nicht von der!
„Zwei Millionen Mitgift und eine bet schönsten Jagden Frankreichs . ."
„Uitb eine Braut, häßlich rote die sieben fänden! Da ist mit meine Gilberte ohne Mitgift und ohne Jagd doch lieber!"
„Und von dem Jungen hab' ich immer gesagt, er sei mir zu vernünftig!" seufzte bet Baron mtt einem wehmütigen Buck auf jetne Ftau „Der hat die versäumten Jugendefeleten mit Blitzesschnelle nachgeholt!"
Nicht umsonst haben die alten Gott Eros mit Flügeln dargestellt," rief Heinrich übermütig.
„Unb mit verbundenen Augen," bemettte bet Vater trocken.
Mit diesem harmlosen Wortgeplankel war die, so hitzig eröffnete Schlacht beendigt und btt Abend verlief in ungestörter Einigkeit. (F. !■)
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