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MchM Heilung

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

M 43

TieOberhenttä!- Zeitung" erscyemt täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 226 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 '<M.

Marburg

Sonntag, 20. Februar 1910.

Die JnsertionSgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. 6. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg.

Drittes Blatt.

Marburger Milchverein.

E, liegt uns der soeben herausgegebene Ge­schäftsbericht des Vereins für das Jahr 1909 vor, welcher mancherlei Interessantes enthält und uns veranlaßt, einen kurzen Auszug un­teren Mitbürgern mitzuteilen, um dieselben auf das segensreiche Wirken und die erfolgreiche Arbeit des Vereins in Bezug auf das Ällgmein-

«ohl der Stadt hinzuweisen.

Bekanntlich besteht der Verein schon seit vielen Jahren und hat während diHer Zeit durch seine unentgeltliche Verabreichung von Milch

an arme kranke Personen der Stadt manches Leid und manche Not gemildert. Seit ca. fünf Jahren hat sich die Tätigkeit des Vereins er­weitert, indem er nach Einrichtung eines Säug­lingsheims in der medizinischen Klinik eine M i l ch k L ch e gründete, welche es sich zur Auf­gabe machte, für Säuglinge aller Schich­ten der Bevölkerung der Stadt ein« wandsfreie Milch und sachgemäße Säuglings­nahrung zu liefern, für den Wohlhabenden natürlich zu einem Preise, der sich etwas über die Selbstkosten erhebt, für die Minderbemittel­ten zu einem sehr ermäßigten Preise oder auch unentgeltlich.

Aus dem diesjährigen Bericht ersehen wir, daß der Verein im vergangenen Jahre noch eine bedeutende und wichtige Erweiterung durch die Einrichtung einer Mütterberatungs­stelle erfahren hat. In derselben findet unter geordneter ärztlicher Kontrolle unentgeltlich eine Unterweisung unbemittelter Mütter tn der Ernährung und Pflege ihrer Säuglinge statt. Die Beratung wird jeden Dien»- tag Nachmittag von 8 4 Uhr abge- halten und zwar fand sie tn der Zeit von Ende Mürz bis Ende Oktober in einem Raum neben dem Säuglingsheim unter der Leitung de» Herrn Dr. Sittler fett November in den Räu­men der medizinischen Poliklinik unter Leitung des Herrn Prof. Dr. Müller statt. E» wurden im vergangenen Jahre jeden Dienstag durch, fchnittlich 9, im Ganzen 89 Kinder vorgestellt. 78 der vorgestellten Säuglinge wurden durch 830 Hausbesuche von 2 mit der Säugling». Ernährung und -Pflege vertrauten Damen kontrolliert. In der Mütterberatungsstelle wird eifrige Propaganda für das Selbststillen der Mutter betrieben, es wird auf die Schäden einer falschen Ernährung hingewiesen und jede Au», kunft über eine vernünftige Säuglingspflege ge­geben. Der Verein richtet an die Mütter der Stadt die herzliche Bitte, dieser neuen Einrich- tung ihr Interesse zuzuwenden und arme Frauen auf den Nutzen derselben aufmerksam zu machen.

Im Uebrigen dürste noch Folgende» aus dem Geschäftsbericht von allgemeinem Interesse sein.

Die Preise für die Tagerportivne« sind folgende:

TtbtVt B s»r Mnt-riemlttekU

60

60 , 60

70

70

2**,

Pf. 35 85 , 40 . 40 , 50 , 50 .

Tabelle A für Wohlhabend«.

1*) 2)

1 Monat 35 Pf. 45 Pf.

2 , 35 . 45 .

1*1

25 , 30

30 '

40 .

40 ,

45 .

Sei nicht voller Tagesportion tritt eine ent­sprechende Ermäßigung ein.

Preis -er Rohmilch allgemein 50 Pfg für den Liter.

8 ; 45

4 < 45

X, . 45

. 55

t . 55

8" . 55

Unter besonderen Verhältnissen kann bei Tabelle B noch eine Ermäßigung eintreten.

Für die in der Poliklinik behandelten Kin­der sind monatlich zwischen 46 Mk. zu zahlen.

Die Milch bezw. Säuglingsnahrung wird auf Wunsch in die Wohnung gebracht, uni) wird hierfür wöchentlich ein Zuschlag von 25 Pfg. genommen. Im Uebrigen muß die Milch rc. in der Milchküche (Klinikstraße 1) abgeholt werden. Zur Erleichterung des Abholens der Milch find aber in der Stadt noch 3 Abhole­stellen eingerichtet und zwar:

im St. Jakobsstift in Weidenhausen, im Schwesternheim im Leckergäßchen, beim Konditor Klingelhöfer, Haspelstr. 21.

Alle Bestellungen müssen in der Milch­küche selbst erfolgen.

Bezüglich der Preise möchten wir bemerken, daß dieselben im Vergleich zu den Preisen in den meisten anderen Städten, welche Milch- küchen haben, auffallend mäßige find. Der Preis von 50 Pfg. für den Liter Rohmilch mag wohl etwas hoch erscheinen, indesien auch dieser <st niedriger wie in anderen Städten, und es kst dabei in Erwägung zu ziehen, daß hier, wirr-

) Für Milch-, Wasser- und Milch-Haf«.

Wrim-Eemenge.

) Für Milch-Kindermehl-Gemenge.

lich eine Milch geliefert wird, welche unter ärzt­licher Aufsicht auf da» strengste bakteriologisch kontrolliert und daher, soweit überhaupt mög­lich, keimarm ist.

Im Ganzen mürben von der Milchküche des Vereins im Jahre 1909 17 686 Tagesportionen verabfolgt, welche sich, wie folgt, zusammen­setzen:

Rohmilch 2491 Tagesportionen,

für Wohlhabende 2391

für Minderbemittelte 1648

für in der Poliklinik

behandetteSäuglinge 42L1

im Säuglingsheim 5281

unentgeltlich 1621

Im St. Jakobsstift wurden durch den Verein im Jochre 1909 5384 Liter Milch an 64 bedürf- ttge kranke Personen unentgeltlich verausgabt. Die Milch (y2 bis 1 Liter pro Person) wurde den Betreffenden teilweise für die Dauer des ganzen Jahres, teilweise auf kurze Zeit ge- wähtt.

Die Mitgliederzahl des Vereins betrug für das Jahr 1909 194 mit einem Beitrag von 881 Mark gegen 202 Mitglieder mit 963 Mark int Jahre 1908 ; 94 Personen bezahlten, ohne Mit- glieder zu sein, 290 Mark (101 Personen mit 216,50 Mark im Jahre 1908).

Die Gesamtausgabe des Vereins für das Jahr 1909 beträgt 6420,06 Mark, die Gesamt- einahme 6042,44 Mark.

Zu unserem Bedauern ersehen wir hieraus, daß die Zahl der Mitglieder und die Summe der Beiträge zurückgegangen ist und daß der Verein mit einem Fehlbetrag von ca. 800 Mark abschließt. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, da» Interesse unserer Mitbürger für den Verein, der nut das Wohl seiner Mitbürger im Auge hat, zu heben und ihm neue MitgliÄer zu­zuführen. Denn in dem gesunden Heranwachsen unserer Jugettt» liegt die Zukunft unsere» Vol­ke», und gerade das erste Lebensjahr der Men­schen ist oft entscheidend für die Gesundheit des ganzen Lebens. Fehle, in der Ernährung und Pflege des ersten Jahres lassen sich später gar nicht oder nut schwer wieder gut machen.

Vermischtes.

Zwei Einbrecher von Bauern totgeprügelt wurden in dem russischen Grenzott Ehorzellen. Zwei al» gefährliche Einbrecher gefürchtete Brüder wurden von einer etwa 30 Mann star- ken Rotte Bauern verfolgt und etwa zwei Kilo­meter Hinte, Ehorzellen eingcholt. Die Bauern stsselten beide Einbrecher unb schlugen mit Wagenrungen, Schwengeln und Knütteln so lange auf ste ein, bi» sie tot waren.

Bösartige Mathematik. Untersuchungs­richter:Sie sind beschuldigt, diesen Mann ver­prügelt zu haben. Erzählen Sie den Hergang." Der Vorgeladene:Wir unterhielten uns zuerst ganz gemütlich. Auf einmal fragte et mich : Wenn eine und eine halbe Henne in einem und einem drittel Tag ein und ein viertel Ei legt, wie viel Eiet legen drei dreiviertel Hen­nen in dreizehn Stunden?" Untersuchungs­richter:Es ist gut. Den hätte ich auch vsr« hauen." _________________________________

Mitteilungen aus dem Leserkreise.

Unter dieser Rubrik veröffentlicht die Redaktton Stimmen aus ihrem Leserkreis. Für die hierin aus­gesprochenen Ansichten und Tendenzen übernimmt die Redaktion (außer der preßgesetzlichen> keine Ver­antwortung, diese bleibt vielmehr dem Ein­sender überlassen.

Eine neue Liebesgabe für die glück­lichen Hausbesitzer hat unser Magistrat diesen in Aussicht gestellt und eben den Stadt­verordneten zur Vorlage gemacht, er will näm­lich das notwendigste, was der Mensch zum Leben'nötig hat, uns verteuern, um mit der Mehreinnahme von 18000 den Ausfall des sog. Fleischhellers decken zu können. Die Stadt nimmt eben 75 M au» dem Verkauf von Wasser an die Abnehmer, d. h. die Hausbesitzer, ein und diese müssen sie bezahlen und sich mit ihren Mietern abfinden. Außerdem erhebt die Stadt eine Miete für Wassermesser. die auch noch einmal 12 Prozent des Anlagekapital» aus­macht. Frankfurt, Wiesbaden, Fulda, Eassel, Hanau und Darmstadt stellen den Konsumenten die Wassermesset gratis, weil nach dem Bürger­lichen Gesetzbuch die Stadt für da. Gemäß gut Zumessung des Wassers keine Vergütung et- heben darf, aber in der Art umgangen wurde, durch den Regulattvabschluß mit den Ab­nehmern.

In der Stadt Fulda kostet nach tz 5 der Ordnung 1 Kubikmeter Wasser 20 4 und al» Mindestsatz werden 10 <* erhoben. Die Stadt Eassel erhebt ebenfalls nach § 19 d. O. 20 4. Die Entnahme von Wasser ist obligatorisch utü) wird nach dem Mietwert berechnet und da» Geld wird in Form einer Steuer von dem Mieter und Eigentümer erhoben. Wohnungen bis 200 «M find frei, übe, 400 «M bezahlen 3 Prozent de» Mietwertes. Hanau erhebt ebenfalls für den Kubikmeter 20 4. Die Ab­nahme ist ebenfalls obligatorisch und wird nach dem Mietwett vom Hausbesitzer und Mieter er­hoben. Frankfurt erhebt im Sommer nach § 16 o. D. 25 4 und im Winter 15 4 Wassergeld für den Kubikmeter, außerdem find die Wohnungen veranlagt, wie in Hanau 4 Prozent der Miete, da» von dem Mieter dirett

Halleyesche Kometenlaufbahn.

Durch da- Erscheinen bei Hallehschen Kometen, bet bereit- in den Tagen des Mittelalters als Vorbote furchtbarer Katastrophen tote Pest, Krieg ttfto. gefürchtet wurde, bereiten sich die kleinen Menschen dieser Erde auf einen Weltuntergang

neuem bet Erde. In bet Nacht vom 18. zum 19. Mai erreicht et seine größte Erdennähe mit 23 Millionen Kilometern. Hierbei muß die Erde durch den Schweif deS Kometen gehen und da bet Schweif giftige Gase zurückläßt, durch den .alles

vor! Der ftomet kreuzt am 11. März zum ersten Male die Laufbahn der Erde und erreicht am 20. April die größte Sonnennähe, Sodann schneidet bei Komet die NennSbabn und nöbett s> st von

Lebende" auf der Erde erstickt werden würde, fürchtet man den schon so oftmals prophezeiten Weltuntergang.

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erhoben wird. Wohnungen bis 250 M sind frei. Darmstadt erhebt 22 4 und im Groß» konsum 17 4. Mannheim erhebt 3 Proz. des Mietwertes von dem Mieter und Eigen­tümer oder 20 4 für den Kubikmeter. Wetzla rerhebt 20 4 für den Kubikmeter bi» abwärts zu 10 4.

Wenn man heute nachdem das Regulativ erst vor 10 Jahren einet genauen Umarbeitung unterzogen wurde, dieses schon wieder um» modeln will, sollte man es aber nicht auf Kosten der Hausbesitzer, die ohnehin seit den letzten Jahren mit neuen Steuern beglückt wurden, tun, und dadurch die finanziellen Verhältnisse bet Stadt aufzubessern suchen, am allerwenig­sten durch Erhöhung des Wassergeldes. In Weidenhausen hat die Stadt noch eine Anzahl Brunnen, deren ehedem in Marburg 30 waren,' zu unterhalten und die Stadt hat die Verpflich­tung, einem jeden Bürger das Wasser gratis Ju liefern. Vor 28 Jahren hatte man noch einen Brunnenmeister und die Stadt nahm für Was­ser kein Geld ein, im Gegenteil, sie hatte noch fcebeutenbe Unkosten. Jetzt will man den Ver­kauf des Wassers zu einer frischmelkenden Kuh machen und die weggefallenen Verbrauchs­steuern durch eine indirekte erhöhte Wassersteuer zu decken suchen zum Nachteil der glücklichen Hausbesitzer, welche keine Gehaltszulage und OttsgeÜrerhöhung haben. Hoffentlich wird die gewählte Kommission zur Prüfung dieser Ange, legenheit den Bürgern keine neue indirekte Steuer aufhalsen helfen.

Briefkasten der Redaktion.

Rach O. Wir glauben Ihnen gern, daß Sie sich durch die Michelbacher Notiz beunruhigt fühlen. Es ist ja mehr als selbstredend, daß Handwerksmeister, wenn sie zur Arbeit gehen, an solche Sachen nicht denken. Die gerichtliche Untersuchung wird wohl Aufklärung geben, ob und wie sich der Vorfall zugetragen hat und wer der Täter sein kann. Die Ueberfallene muß doch am besten Auskunft geben können, wie der Betreffende ausgesehen hat.

Verantwortlich für die Redaktion: Dr. phil. Earl Hitzeroth in Marburg.

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