mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend- (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage."
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‘£te „Cbt-n.i Zett nag" crjcijcim täglich mit Ausnahme der Sonn« und Feiertage. — Der BeiugSprei« beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2 26 <X (ohne Bestellgelds, bei unseren Zeitungsstelle« und der Expedition (Markt 21), 2 ’X.
Marburg
Sonnabend, 19. Februar 1910.
Die Jnsertiousgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile oder beten Stauet 15 Pfennige, kür Stella men SO Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Lug. Koch, llniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Der heutigen Nummer liegt bet KreiSblatt Nr. 14.
Der Zwischenfall ToutSe.
Der Zwischenfall Tout^e verdient Beachtung als ein weiteres Glied in der Kette der Mißverständnisse, EmpfinÄichkeiten, Absurditäten und Widersprüche, die in dem republikanischen Frankreich infolge der Gegensatz« zwischen der demokratischen Politik rund den militärischen Interessen des Landes an der Tagesordnung find. Der Hergang ist kurz folgender: General Tout6e, der Kabineltsvorstand des Kriegsministers General Bmn, hatte den Generalstabshauptmann Savmreau beauftragt, ihm die zur Beantwortmg einer Interpellation nötigen Unterlagen |U beschaffen. Drei Tage vergehen, ohne daß Eavoureau den erhaltenen Austrag ausführt. General Tout4e trifft in der Kammerfitzung vom Dienstag seinen Untergebenen. Nach den Bericht des Pariser „Temps" ist General Truttte rückfichtsvoll genug, die Vorhaltungen, die er dem Hauptmann zu machen hat, nicht in Gegenwart der Abgeordneten zu machen. 5t bittet ihn, mit ihm fich in einen an den Sitzungssaal anstoßenden Raum zu begeben, und tuf dem Wege dahin, an der Tür, macht er ihm die notwendigen Eröffnungen. Trotzdem Labtn Abgeordnete das Gespräch gehört! EenerÄ loutte erklärt, auch nicht ein beleidigendes »der verletzendes Wort gebraucht zu haben. „Ädiglich," so erklärt et, „bet von mit angewendete petemptorische Ton hat bei btei oder vier Personen, die an die ans den dienstlichen Beziehungen Mischen Offizieren verschiedener Grade fich ergebenden Umgangs- formen nicht gewöhnt sind. Ueberraschung Hervorrufen können." Dieser an fich harmlose und nebensäcklicke Vorfall ist nun von Mitgliedern der Kammer zu einer Haupt- und Staatsaktion aufgebanscbt worden. Zn höchster Aufregung, wie es heißt, beschwerten sich mehrere Abgeordnete bei dem Kammeworfitzenden Brifion. Dieser wieg den General Tout^e, der, über die Wirkungen des Zwffckenfalls unterrichtet, zurückgekommen war, um die erforderlichen Aufklärungen zu geben, in brüsker Weise ab und fetzte sich seinerseits mit dem Kriegsminister in Verbindung. Der Kriegsminister, der bereits einem Mitglied« der Kammer, dem Abgeordneten East, das Versprechen gegeben hatte, daß der Kammer Genugtuung werden solle, konferierte mit dem Ministerpräsidenten Briand. Das Ergebnis war, daß General Tout^e seines Amtes enthoben wurde. Selbstverständlich haben noch andere Dinge zu der Animosität von Kammermitgliedern gegen den General Tout-e beigetragen. Er war bei einem Teil der Abgeordnete« mißliebig geworden, n)»:f er den Versuchen, auch in militärischen Personalfraaen den Willen der Kammer durchzusetzen, mit Entschiedenheit entgegengetreten war. Der Ministerpräsident Briand hat nach den vorliegenden Berichten keinen Augenblick gezögert, den Vorstand des Militärkabinetts ins Unrecht zu setzen un- die Beschwerde der Kammer als begründet anzuerkennen. Er hat damit gleichzeitta aner- kannt und ausgesprochen, daß auch in Fragen der militärischen Disziplin nicht die militätt-
28 i Nachdruck verboten.)
Die Dokter drs Abaeordneten.
Von Georges Ohnet.
«Fortsetzung l
Heinrichs Gesicht sagte so deutlich: „Wenn er weiter nichts ist!" daß die Mutter eilends hrn- zufetzte: „Ich wüßte nicht, was uns Schlimmeres hätte widerfahren können."
„Ich bitte dich, Mama, übertreiben wir die Sache nicht. Sie ist wichtig und ernsthaft, das geb' ich zu, aber nicht unabänderlich, und schließlich immer noch viel günsttger, als zum Beispiel ein lahmes Bein!"
„Abscheulich!" rief die Baronin entrüstet. „So dentt die Jugend von heutzutage, und das kann mein Sohn sagen?"
„Komm, komm, Mama," beschwichttgte sie Heinrich. „Ich bitte dich, stellen wir uns doch Nicht auf den Etandpuntt des Großinquisitors! Du weißt ja ganz gut, daß ich kein Umstürzler bin, aber schließlich lebe ich doch mit meiner Zeit, und etwas Geistesfreiheit steht jedem wohl an. Seien wir duldsam . .
„Aber schließlich ... du wirst doch nicht im Sinn haben, dich nur auf dem Standesamt <raue« zu lassen, nicht wahr? Und ein Mäd- chen das nur getauft worden ist . . . ja, wer I
ob sie es überhaupt ist? Sie sagt e» Wvar, aber ..."
8tou von Tresoriier beendete diesen Satz denn das Wort i erstarb ihr auf den Lippen.
P* Türe des nebenam ilegenden Salons hatte ßch geöffnet und ihr Mann stand auf der 1
scheu Vorgesetzten, sondern die Mitglieder des Parlaments da» letzte Wort zu sprechen haben! Naturgemäß habe« die militärfeindlichen Blätter diesen Standpunkt mit Begeisterung aufgegriffen; sie verlangen ihrerseits, daß roiebet zu dem früheren System, die Chefs der Heeres- und der Marineverwaltung aus dem Zivilstande zu entnehmen, zurückgekebrt werde.
Angesichts solcher Vorgänge, unter denen der Zwischenfall Tout^e, wie gesagt, durchaus nichts Neues ober Ungewöhnliches ist, ist wirk, lich schwer zu sagen, ob man die Höchstkomman- dterenden der französischen Armee und Marine mehr blauer« soll, wenn fie selbst an der Spitze der militärischen Verwaltungen berufen werden, oder wenn sie unter dem Oberbefehl und unter bet Kontrolle eines Abgeordneten die Aufgaben ihres dienstlichen Berufes erfüllen sollen. In beide« Fällen habe« fie beinahe täglich und stündlich mit Einflüssen. Jnitt- guen und Einmischungen zu rechnen, die in parteipolitischen Interessen und Rücksichten ihren Ursprung habe« und vor denen alle Bestrebungen in Armee, und Marineftage« ausschließlich das militärische Prinzip zur Geltung zu bringen, zu Schanden werden müssen. Derartige Zustände sind, wie eine nahezu vierzigjährige Erfahrung in Frankreich zeigt, mit dem Melen des republikanischen Staatswesens anscheinend unzertrennlich verbunden, und sie müssen als warnendes Beispiel alle diejenigen abschrecken, die in Deuffchland dem Parlament in ähnlicher Weise ein Einspruchs- und Verfügungsrecht in rein militärischen Angelegenheiten zuerkennen wollen.
Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
Am Reichstage stand gestern wieder ein Tole- ranzanttag des Zentrums zur Verhandlung. Der Zentrumsredner ersucht den Reichskanzler, butd) Verhandlung mit den Bundesstaaten dahin zu wirken, daß Beschränkungen der religiösen Frei- hett. soweit solche bestehen, auf dem Wege der Gesetzgebung beseitigt werden. Zur Begründung des Antrages wirft Äbg. Fürst zu Loewenstein zuerst einen Rückblick ans die Geschichte der früheren Toleranzanttäge. Haltlos sei der Vorwurf, als wolle das Zentrum mit seinen Anträgen nur die Interesse« bet Katholiken wahrnehmen. Redner führt dann aus. daß in Sachsen, Mecklenburg und Braunschweig die Ausübung katholischer Amtshandlungen vielfachen Besckränkungen unterliegen. Ueberall sonst in Deuffchland und auch in seinen Kolonien dürften die Katholiken sich konfessionell betäffgen. Abg. Winckler (kons.t ertlärt, daß seine Freunde dem Anträge aus Kompetenzbedenken nickt znstimmen könnten. Der Reichskanzler müsse in solchen Fällen, die zur Zuständigkeit der Bundesstaaten gehören, aus dem Spiele bleiben. Er muß sich wie der Reichstag jeder Einwirftma auf die Einzelstaaten enthalten. Es müsse deshalb mich der Schein eines Aufsickrsrecktes des Reickes über die Einrelstaaten vermieden werden. Aba Everling inatl > vereint die nöffge Klarheft in dem Anträge. Das Zentrum setze hier verschiedene Bundesstaaten unter Anffnge und verlange, daß der Reichstag sich dem anschließe. Das dürfe jedoch nicht geschehen. Außerdem sei es unzuttef- fenb. daß die Katholiken in einzelnen Bundesstaaten schlecht behandelt würden. Wenn diese nock mehr Duldung beanspruchten, dann sollten sie z. B in Elsaß-?otsirinaen diele erst selbst einmal ausüben Abg. Müller-Meiningen (fts. Vp.) meint, daß der Antrag mit der größten Vorsicht
Schwelle. Mutter und Sohn tauschte« angstvolle Blicke aus: dem Familienoberhaupt gegen- bet wate« sie auf der Stelle wieder Verbündete.
„Run, nun? Was geht den« hier vor?" fragte der Vater, vollends hervorttetend. „Man verstummt, wenn ich komme? Die Unterhaltung schien wir etwa, erregt zu sein, es sah stark noch Zank au» . . . handelt sick's immer noch um die Grillen dieses jungen Herrn, die den Friede« des Hauses stören? Was hat fich zu- gettagen? Ich bitte alle« Ernstes um Aufklärung!"
„Mein liebet Mann," begann die Baronin, fich opfermutig in die Bresche stellend, „du wirst es gewiß verzeihlich und begreiflich finden, daß ich neugierig war, dieses junge Mädchen kennen zu lernen. ..."
„Dieses Fräulein Eourcier?"
„Ja, ich hab' sie daher bitten lassem mich zu besuchen, und eben ging sie sott . . . ."
„Gut! Wie findest du sie?"
„Entzückend! Es gibt fein anderes Wort, als entzückend!"
„Sieh 'mal einer an!"
„Nur . . . das hat mich in die äußerste Bestürzung versetzt . . hab' ich im Lauf des Gesprächs von ihr erfahren, daß sie keinen Begriff von Religion hat, nie ihre kirchlichen Pflichten erfüllen lernte."
Die Baronin war auf einen Zornesaus- bruch gefaßt, aber ihr Mann verzog feine Miene.
„Nun?" fragte er ganz ruhig. „Warum wunderst du dich beim darüber?"
aufzunehmen ist. Solange die Kirche Mittel vom Staate beziehe, müsse sie sich auch staatliche Auf- stchtsrechte gefallen lassen. Er lehne ein Eingreifen des Reiches hier In die Rechte bet Einzel- staaten im Interesse bei Friedens ab. Abg. David (Soz.) glaubt, daß das Zentrum durch diesen An- ttag seine Finanzrefotmsünden bei seinen Wählern vergessen mache« wolle. Seine Partei trete jedoch dafür ein. Redner empfiehlt dann einen sozialistischen Zusatzantrag, der da fordett Unab- hängigkett aller staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten von der Zugehörigkeit oder Richt- zugehötgkett zu einer Religionsgemeinschaft, daß kein Kind gegen den Bitten deS Erziehungsberechtigten zur Teilnahme am Religionsunterttcht oder Gottesdienst angehalten werden sott und daß der Austritt auS einer Relegionsaemeinschaft erleich- tert werbe. Abg. Frhr. v. Gamv (Rp.) gibt eine kurze Erklärung seiner Partei ab. bte sich gegen den Anttag richtet, da et ein Eingriff in die Rechte bet Einzelftaaten ist. Abg. Brandys (Pole) stellt sich auf ben Standpunkt des Zentrums und bringt eine Reihe polnischer Beschwerden vor. Abg. Liebermann v. Sonnenberg gibt ebenfalls eine kurze Erflärunq seiner Pattei gegen den Anttag ab. Abg. Ftht v. Dettling (Ztt.) wundett sich, daß der Anttag auf solchen Widefftand gestoßen sei, ttotzdem doch alle Parteien auf dem Boden seiner Grunbsätze ständen. Für die Zusatzanttäge der Sozialdemokraten könne daS Zentrum nicht stimmen. — Die Abstimmung über den Zenttums- anttag ist eine namentliche und findet Freitag statt. Ein Vettammgsanttaq wird abgelehnt und daS Haus tritt in die erste Beratung deS Entwurfs eines Gesetzes bett. Abänderung der 85 114a usw. der Gewerbeordnung ein.
Aal ben ftemmifftenen.
Die Wahlprüfungskommission deS Reichstags erklärte am Donnerstag die Wahlen der Abg. Arnstadt (kons.), gewählt in Mühlhausen-Langensalza, und Mayer (Pfarttitchen, Ztt.) für ungültig.
Betti«. 17. Febr. Die WahlrechtSkommiffio« des Preußischen Abgeordnttenhauses lehnte die Vorannahme der 88 6 und 7. bett, normale Bildung von Wahlabteilungen, und den naffonallibe- ralen Anttag zu 8 6. in bett Gemeinden, welche mehrere Stimmbezirke umfassen, eine Drittelung in der Gemeindtt vorzunehmen, gegen die acht (Stimmen der Nationalliberalen und Fteikonset- vativen ab. Ebenso wurde abgelehnt ein nativ- nalliberaler Vorschlag zum 8 7. nach welchem die Zahl der Wähler jeder ersten Abteilung mindestens 10 v. £>., jeder zweiten Abteilung mindestens 20 v. H. Wähler bettagen sott. Der hierzu von fteisinniger Seite gestellte Anttag. daß in der ersten Abteilung midestens 20 v £>., In der zweiten mindestens 30 v. H. Wähler wählen sotten und auch der zum zweiten Absatz des 8 6 gestellte Antrag, von der Anrechnung der 2000 X übersteigenden Beträge der Einkommensteuer nebst ben darauf fallenden Zuschlägen anzunehmen, wurde abgelehnt. Die Beratung bet 88 8—10 nahm einen negativen Verlauf. E? wurden zunächst alle zu diesen Paragraphen von den Konservativen, bet nationalliberalen unb frei konservativen Seite gestellten Anttäae regelmäßig geaen ble Stimmen lediglich der Anttagsteller abgelehnt. DaS Zentrum, die Linksliberalen und die Polen erllätten von vornherein jede gesetzgeberische Lösung des Gedankens, andere Momente alS die Besitz und Steuerleistung für das Aufrücken in die höheren Abteilungen heranzuzieben. für unmSalich, daher stimmten sie mit 11 Stimmen gegen jeden Vorschlag. Die Konservativen wollten lediglich eine kleine An'ghl ehrenamtlicher Berione« in Höhere Wahlabteilnngen mifrücken lassen, die Rational- liberalen die Mitglieder von staatlichen und kommunalen sowie beruflichen öffentlich rechtlichen Vettretungskörpern. sowie Personen, welche 12
„Wie? Du bist nicht empört . . . außer dir . . ."
„Warum sollte ich denn empört sein? Das hatte ich mir wohl gedacht, gor nichts anders erwartet! Wie sollte es denn anders sein? Da sucht ihr euch die Tochter eines Straßenräubers aus unb seid bann höchlich verwundert, daß fie keine Heilige ist! Ihr seid wirklich naiv, Kinder."
Bei dieser Folgerung sank Heinrich, der anfangs aus seines Vaters unerwatteter Mäßigung erhöhte Zuversicht geschöpft hatte, ganz geknickt in einen Lehnstuhl unb vergrub verzweiflungsvoll sein Gesicht in die vorgestreckten Hande.
„Heinrich?" rief Frau von Tresotter erschüttert unb setzte zu ihrem Mann gemenbet hinzu: „Fühlst bu denn nicht, wie weh du unserem Kinde tust?"
Soll ich etwa bte Wahrheit vor ihm verheimlichen? Ich behandle meinen Sohn als Mann. Er hat sich auf ein Abenteuer eingelassen. das nur üble Folgen haken kann, unb ich möchte ihm aus bet Schlinge helfen, ehe es zu spät ist."
Heinrich «ahm seine Hänbe vom Gesicht, dessen Blässe und Schmerzensausdruck die Eltern in tiefster Seele erschreckte, unb entgegnete mit fester Stimme: „Ich weiß meinem Vater nut Dank dafür, baß er mich als Mann behandelt, und als Mann werde ich ihm Rede stehen. Ohne mein Zutun und mein Verschulde«, rein zufällig, habe ich Fräulein Eourcier kennen gelernt: ich habe eine tiefe Neigung zu ihr gefaßt unb betrachte fie als völlig unschuldig an allem.
Jahre selbständig einen Beruf ausgeübt oder sich, in einem öffentlichen oder Privatdienst befunden hätten. Die Freikonservativen stimmten den ersteren nationalliberalen Anträgen mit bet Einschränkung bei, daß nur Mitglieder höherer kommunalen Verttetungen einbezogen werden sollten, sie beanttagten außerbem. baß von bet britten in die zweite Klasse aufrücken sollen. Personen.' welche bei einem Einkommen von 1800 X und mehr zehn Jahre selbstänbig Gewerbe ober Landwirtschaft betrieben haben. Die nächste Sitzung hrttb am 22. Februar stattfinben. __
Politische Umschau.
Dee Süden und der preußische MinisterptSfidenl.
Die Sübbeuffche Reichskottespondenz" wendet fich in ihrer vorgestrige« Nummer gegen einen Leitartikel bet „Münch. Neuesten Nachrichten", der »u ben Ausführungen, ble bet Reichskanzler unb Ministerpräsident in seiner Rede übet die preußische Wahlreform dem Interesse Süd- beutschlands an dieser Reform gewidmet hat, Stellung genommen hatte. Die Korrespondenz nennt die Ausführungen des genannten Blattes eine unglaubliche Entstellung der Wotte des leitenden Staatsmannes, wittierholt den genauen Wortlaut bet auf Süddeutschland bezüglichen Stelle unb schließt mit ben Motten: „Vollkommen berechtigt und begründet" hat es Herr v. Btthmann-Hollweg genannt, daß man sich in ganz Deuffchland für das Schicksal bet preußischen Wahlreform interessiert. Er hat sich bte Kritik aus bem Reiche nicht verbeten und hat über SWdeutschland in Wendungen gesprochen, bte das Gegenteil partikularistischer Engherzigkeit find. Er bekennt sich ausdrücklich zum Föderativstaat, weil dieser allein de« Gliedstaaten bte Entfaltung ihrer Eigenart sichert. Er verlangt für Preußen die Erhaltung des Zusammenhangs mit der gesamtdeutschen Entwicklung er will, daß Preußen seine Stärke dem Reiche dienstbar mache. Er fordert Achtung und Verständnis für die besonderen politischen Kutturwerte, die mittel- und süddeutschen Wesen geschaffen haben." Der Reichskanzler darf wohl beanspruche«, daß man die Erklärungen, die er als preußischer Ministerpräsident abaibt, im Reiche genau zur Kenntnis nimmt. Hätte man dies in Süddeutschland überall getan, so wäre eine Resolution wie die des Volkvereins Groß-Stuttgart, die „aege« die grundlose Beschimpfung der deutsche« Südstaaten" durch Herrn v. Bethmann-Hollweg protestiert, gar nicht möglich gewesen. Es lieat, nackdem bet Reichskanzler als preußischer Ministerpräsident so enffchieden auf die de« nichtprensiikchen Reichsteilen geschuldete Rücksicht hinaewielen bat, nicht bet geringste Anlaß vor. in die Behandlung der preußischen Wahlrechtsfrage einen Gegensatz zwischen Nord und Süd hineinzutragen. — Karlsruhe, 16. Febr. Zu den Auslassungen der „Süddeutschen Reichskorrelvondenz" bemerkt d'e „Karlsruher Zeitung": Wir können dieser Darstellung nur in vollem Maße zustimmen unb, hoffen, daß sie auch in Baden dazu beitraaen werde«, eine gerechtere Würdigung der Ausführungen des Reichskanzlers zu bewirken, wenigstens in denjenigen Kreffen. die das entscheidende Gewicht auf einiaende und nicht auf- trennenbe Momente i« den Beziehungen zu dem führende« Staate Deutschlands legen.
was ihrem Vater zur Last gelegt werden kann. Ich frage also euch beide, ob ihr dazu beitragen wollt, mein Lebensglück zu sichern, ich bitte euch, alles zu tun, was in eurer '.Nacht steht, um die Schwierigkeiten zu beseitigen, womit ich zu kämpfen habe« werde. Ohne eurei Beistand ist es für mich ein Ding der Unmöglichkeit, sie zu überwinden, mit eurer Hilfe hoffe ich, daß es mit gelingen wird. Ihr habt an mir bisher einen gehorsamen Sohn gehabt: ich wüßte nicht, daß ich euch je Kummer bereitet hätte. Jedenfalls wäre es unwissentlich geschehe«: auch in diesem Fall würde ich nirfft minder aufrichtig eure Verzeihung erbitten. Daß ihr mich liebt, daran kann ich nicht zweifeln, denn ihr habt mir zu viele Beweise davon gegeben, und ihr könnt mein Unglück nicht wünschen. Habt also Erbarmen und helft mir, dieses junge Mädchen bet üblen Umgebung zu entreißen, worin sie lebt, helft mit die Erziehung ihrer Seele auf dieselbe Höhe zu bringen, wie die ihres Geistes, sie zu derselben sittlichen Vollkommenheit zu führen, die ihr die Natur in allem Aeußern verlieeh« hat. Ich bitte euch herzlich, weist die Forderung, die ich an euch stelle, nicht ab, vergeßt, was euch gegen sie einnimmt, überwindet eure Vorurteile. Bringt dem Mädcheni meiner Wahl dieselbe Nachsicht entgegen, die ihr so ost an mit geübt habt, und mein ganzer Lebe« soll euch durch erhöhte Kindesliebe bezeuge«, von welch heißet Dankbarkeit wein Herz erfüllt ist ..."
(Fottsetzung folgt)