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MchM Jeilung

mit dem Kreisblatt kür die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen:Nach Feierabend« twöchentliche Unterhaltungsbeilage) und.Landwirtschaftliche Beilage.«

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile

oder deren Raum 15 Pfennig«, für Reklamen 30 Pfennige. je

Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerei tO. v)Uljlff<

Inhaber Dr. L. Hiheroth, Marlmrg, Markt 21. Telephon 55.

Marburg

Freitag, 18. Februar 1910

TieOderl,e«uche Zeitung« erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 25 * (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2

MühlheimWipperfürth.

Mülheim a. Rh., 16. gebt. DaS Ergebnis her Reichstagswahl im Wahlkreise Mülheim-Wip- perfütth-Gummersbach ist nach den amtlichen Mit­teilungen folgendes: Abgegeben wurden 40 918 Stimmen, davon wurden 20 375 für den Ober­landesgerichtsrat Marx-Düffeldorf (Ztt.), 10 922 Wr den Schriftsteller Dr. Erdmann-Köln (So,.). *äW6'2 für den Rechtsanwalt Falk-Köln (naüib.) Dind 1135 für den Pfarrer Holmann-GummerS- »ach (chrtstl.-sozial) abgegeben. Zersplittert waren« 24 Stimmen. Die Stichwahl ist auf den 26. gebt, angesetzt.

Im Jahre 1907 erhielten de Witt (Zentr.) 19 958, Fischer (natlib.) 11218 und Gilsbach (Soz.) 8538 Stimmen. Damals wurden zusam­men etwa 39 800 Stimmen, gestern etwa 40 900 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung war also wesentlich lebhafter. Das Zentrum hat 409 Stimmen, die Sozialdemokratie 2389 Stimme« gelvonnen, während die Liberalen 2757 Stimme« verloren haben. Selbst wenn man die chttstlich- sozialen Stimmen ganz dem nattonalliberale« Kandidaten zurechnet, so bleibt ihm et« «mpstnd- licher Verlust. Ein neuer Beweis, daß di« radi­kalen Parteien von der Hetze, wie ste z. Zt. zwi­schen den Parteien anläßlich der Reichsfinanz- reform noch immer besteht, am meisten profitieren. Hoffentlich sehen die Nationalliberalen bald et«, daß das weitere Linksrücken thnen dte recht« Seite entfremdet, ohne ihnen auf der Linken ir­gend welche Sympathien zu bringen. Im radi­kalen Lager habe man für ein kleine- Zugeständnis keinen Sinn, das wird höchstens noch lächerlich gemacht. Hier verlangt man nicht mehr und nicht weniger, als daß der NationalliberallSmuS feine Traditionen über den Haufen wirst d. h. frei- fmnig wird. Man lese nur, was dieFrankfurter Zeitung« zu der Wahl schreibt:Dieser Rückgang ist ftir die Nationalliberalen eine harte Lehre. So gut sich die Rationalliberalen in der Reichsfinanz- frage gehalten haben, so wenig kann der entschie­dene Flügel der bürgerlichen Linken von ihrer übervorsichtigen Stellung in den Wahlrechts­kämpfen befriedigt sein; vielleicht liegt gerade hier der Grund für den Mißerfolg der Rational- liberalen.«

Rede des Reichskanzlers beim LandwirWaftsrat.

Berlin, 16. Febr. Bei dem beute Abend tut HotelAdlon" stattgebabten Festbankett des Deutschen Landwkrtschastsrates hielt der Reichskanzler folgende Rede: Meine Herren! Für die freundliche Begrüßung die mir in Ihrem Kreise durch ihren verehrten Herren Präsidenten und durch den Herrn Borredner zu Teil wurde, bin ich aufrichtig dankbar. Es ist nicht das erste Mal, daß Sie mir gestatten Ihr East zu sein und wenn auch im Nebenamt« darf ich mich doch als Ihren Berufsgenoffen betrachten. Ich bitte aber darauf kein beson­deres Ecwicht zu legen denn, mein hochver­

dienter Herr Amtsvorgänger Fürst Bülow ge­hörte zu den Kanzlern ohne Aar und Halm und hat sich doch um die deutsche Landwirtschaft Ver­dienste erworben, die ihm nie vergeffen werden können und deren zu meiner großen Freude, Herr Graf Schwerin-Loewih vorhin unter Ihrer allgemeinen Zustimmung mit Dank und Aner­kennung gedachte. (Bravo.) Für die vom Fürsten Bismarck inaugurierte unib vom Für­sten Bülow fortgesetzte Wirtschaftspolitik bin ich in meinen bisherigen Aemtern so oft öffent­lich eingetreten, daß es keiner Bersicherung bedarf, daß ich an dieser Politik festyalten werde (Bravo.) Graf Schwerin hat mit Recht hervor- gehoben, daß diese Politik nicht nur den Inter- effen der Landwirtschaft, sondern auch denen von Gewerbe, Handel und Industrie dient. (Eine# der schlagendsten Beweise dafür erblickte ich darin, daß Deutschland die letzte große Wirtschaftskrisis ohne wirklich gefährliche Er­schütterungen überwunden hat und überwindet. (Beifall.) Aber meine Herren, ich will nicht eigentlich von Politti reden, sondern mich streuen unter solchen Landwitten weilen zu dür­fen. Was der Landwirt in seinem Beruf jahr­aus jahrein üben muß Unverdroßenheit, Aus­dauer und Geduld ist mir nötig, wie das tägliche Brot. (Heiterkeit.) Zwischen Saat und Ernte liegt auch in der Politik eine lange Zeit und wer bei schlechtem Wetter gleich das Bettrauen verliert der taugt zum Staatsmann so wenig wie zum Landwitt. All die Hagel­schauer der Kritik, die auf mich niedersausen machen mich nicht irr«, wobei mir als Wetter­schutz nicht so sebr der schon etwas abgetragene Mantel des Pbilisophen dient den mir freund­liche Mitmenschen immer wieder um di« Schultern hangen, (Große Heiterkeit) als die Ueberzeuaung daß mir die Pflicht gegen Kaiser und Reich zu handeln gebietet wie ich handle. (Lebhafter Beifall.) Bor Ihnen, meine Herren die ste aus allen Gauen unseres Vaterlandes auch au» dem Süden hier zusammengekommen flnd, betone ich aber besonders gern die Pflicht gsaen das Reich. Sie wiffen, um die Angriffe besonders scharf und verletzend zu machen stempelt man mich zum preußischen Pattiku- larister und sagt mit Mißachtung deutschen Wesens zu. Ich wüßte nicht wie ich deutscher denken könnte, als wenn ich Preußens Beruf wie ich es neulich aussprach darin erblicke ich selbst stark zum erhalten dann aber seine Stärke in de« Reichsdienst zu stellen. (Bravo.) Und wenn ich neben der Eigenatt Banerns, Schwa­ben und Sachsens auch die Preußens als be­rechtigt hinstelle, glaube ich, meine Herren, dar­in gerade von deuffchen Landwirten richtig verstanden zu werden. (Sehr richtig.) Denn am tteuefte« und zähesten halt an der Eigenatt, seiner Heimat und seines Stammes der deutsche Bauer, der deuffche Landwitt fest und nie habe ich wahrgenommens daß er stch in der Liebe zu unferm gemeinsamen Vaterlande von iraend jemanden übertteffen ließe. (Bravo.) Möge es immer so bleiben, möge die deutsche Landwirtschaft dem deutschen Volke nickt nur Fleisch und Brot sondern als edelste Gabe Männer darbringen. die gesund an Leib und Seele über ihrer eigenen berechtig­ten Wünsche und der Liebe zur ernteten Heimat niemals die Pflichten gegen die Allgemeinheit

27 (Nachdruck verboten.)

Die To^ter des Abgeordneten.

Von Georges Ohne«.

iFortschung.)

Gott sei gelobt! Wir werden diese un­wissende Seele retten, und sie wird meinem Herzen dadurch nur um so teurer sein! Aber, mein liebes Kind, Sie muffen ernstlich Nach­denken über alles, was da so unerwartet zwi­schen uns zur Sprache gekommen ist. Es ist eine bedeutsame Frage, die nicht nebensächlich be­handelt werden darf. Eine weittragende sttt- liche Umgestaltung tritt an Sie heran, und Si« müssen sie willig ja wa» sage ich? Sie muffen sie mit sehnsüchtigem Verlangen will- kommen heißen. Ich will jetzt nicht weiter dar­über sprechen ... ich müßte sonst fürchten, Ihr« Willens- und Eeistesfreiheit zu beschränkend

Die Baronin batte ihr inneres Gleichge­wicht wieder errungen. Mit der weiße«, schlan­ken Hand Eilbertes Wange streichelnd, setzte st« mit innigster Zärtlichkeit hinzu:Mein kleine» Heidenkind! Bis jetzt haben Sie nur die Natur angebetet, und der ste schuf, ist Ihnen ftemd und unbekannt geblieben . . . wem haben denn Ihre Lehrer sein Meisterwerk zugeschrieben? Etwa dem Zufall?"

Gilberte lächelte und ein gewisser Mutwille blitzte in ihren Augen auf.

Dem Zufall? Rein, gewiß nicht, gnädige Frau! Wer könnte das annehmen? Einfach der folgerichtigen Entwickelung der Ma- Ntie . . ."

Sichelnd hielt ihr die Baronin den Mund WU - i

Kleines Ungeheuer! Stille, stille? Sie lästern ja den Schöpfer? Mein Gott! Von unfetm himmlischen Vater keine Silbe, aber Darwins Lehre wird ihnen gepredigt! Jetzt aber, liebes Kind, verlaßen Eie mich! Wir habe« für unsre heuttgr Nachtruhe schon zu viel geschwatzt, hoffen wir. daß die morgig« zuver- fichtlicher zu erwarten sein wird."

Die Baronin war aufgestanden und fühtte das junge Mädchen der Tüte zu. Im Vorübet- gehen fiel ihr in einem der schönen Elasschtänke worin ihre Kostbarkeiten ausgestellt waten, ein Gegenstand in die Augen. Es wat ein kleines in violettes Leder mit Goldornamenten gebun­denes Büchlein, dessen vergilbte Blätter ein Schloß in Kreuzesform zusammengepreßt hielt. Frau von Tteforier blieb sieben, öffnete den zierlichen Schrank, nahm den Band heraus und reichte ihn ihrem Gast.

Sie solle« nicht mit leeren Händen von mir gehen, Gilberte: nehmen Ci« diese» Büchlein. Seinen geschichtlichen Wert werden Sie zu schätzen wiffen, wenn ich Ihnen sag«, daß es Eigentum der Madam« Elisabeth war, der Schwester Ludwigs XVI.; ste hatte es im Temple bei stch, und es wat ihr Tröster, während ste auf den Tod wattet«. Der selb­ständig« Wert seines Inhalts aber steht noch höher . . . «s heißt .Die Nachfolge Ehriftt'. Le­sen Sie darin! Sie werden noch Spuren der Tränen jener Märtyrerin entdecken, der es ge­holfen hat, mit Ergebung zu leiden. Es ist da» schönste Wirk, das Menschengeist und Menschen­hand hervotgeb«t haben, und e» wird Sie den erkennen lehren, den man Ihn«» sträflich r,.,, -i

und das große Vaterland vergessen. -(Lebhafter Beifall.) Dann wird auch die Reichsregierung ihr« Arbeit für da» Wohl der Landwittschast wie bisher mit Freudigkeit und voller Kraft in dem Bewußtsein tun können, damit nicht agrarischen Sonder-Interessen, sondern der Ge­samtheit unseres gesamten Volkskörpers zu dienen. (Bravo.) Die deutsche Landwirtschaft sie blüh« und gedeihe, sie lebe hoch!

Aus den Parlamenten.

Deuffche« Reichstag.

37. Sitzung vom 16. Februar.

Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung des Arbeitskammergesetzes, wobei zu­erst Abg. Will (Ztt.) meint, es sei zu beklagen, daß die Arbeitersrkretäre nicht zur Wahl in die Ar- beitskammern zugelaffen sind. Abg. ». Winter- fetdt-Menkin ikons.) hält es für richttg, daß in die Arbeitskammern nur wirkliche Arbeiter, aber kein« ArbeitersekretLre gewählt werden dürfen. Er ist ferner einverstanden mit der Ausdebnuna der Auf­gaben der Arbeitskammern aus Mitwirkung bei Tarifverträgen und auf Förderung paritättscher Arbeitsnachweise, ebenso damit, daß die Verhand­lungen der Kammer nicht öffentlich fein sollen. Abg. Horn Reuß (natl.) hält die endgülttge Re­gelung dieser Frage für absolut notwendig, «8 aber für verfehlt, gleich überall Kammern zu er- nchten. Dte Befttgnis zur Erlaubnisetteilung für Errichtung müsse der Bundesrat haben. Abg. Nauman« (frs. Vg.) verlangt, daß das akttve Wahlrecht mit 21 und das passive mit 25 Jahren zu beginnen habe, auch tritt Redner für das öffent­liche Verhandel« der Kammer ei«, tot« für di« Wählbarkefi bet Arbeitersekretäre. Staatssekretär Delbrück führt aus: Die Erlaubnis zur Errichtung von Kammern muß der Landeszenttalbebörde bleiben, weil diese ja das Bedürfnis am besten be­urteilen können. Für die Nichtöffentlichkeit der Verhandlungen fei für die Regierung maßgebend gewesen, daß die Verhandelnden so am besten vor äußeren Einflüssen bewahrt bleiben. Deshalb habe man auch dir Arbeitersettttäre ausgeschlossen, die an ein Programm gebunden sind. Die Ar­beitskammern sollen ein Instrument des FttedenS sein. Aba. Segien (So,.) meint, der ganze Ent­wurf nähme nur das Interesse der Arbeitgeber wahr. Abg. Schmidt-Altenburg (Rp.) ist von der Notwendigkeit von Arbeitskammern überhaupt nicht überzeugt. Der Abg. Kulerski (Pole) verttitt dann die Forderungen der früheren Kommission. Nach einer Rede des Abg Behrens (wittschaftl. Vg), der besonders warm für die Zulassung ber Arbeitersekretäre eintrat, wurde der Entwurf an eine CTonmfHon von 28 Mitgliedern verwiesen.

Das Haus ttat dann in die erste Beratung des Entwurfes eines Lausarbeitsgesetzes ein. das Staatssekretär Delbrück bearündtte. Er schilderte die kompffzietten Verhältnisse, die gerade in der Heimarbeit eine einheitliche Regelung er­schweren. Grundsätzliche Bedenken hätte die Re- aiernng gegen eine FttHaung der Löhne. Des­halb bitt« er. die Frage der Tarifverträge mit dieser Vorlage nicht «t vergüteten. Abg. Pieper (Zentt.) billigt es, daß man die Heimarbeit aus der großen Gewerbenovelle herausgenommen habe und ist mit der Registtieruna der Heimarbett zuftieden. Doch sei ohne behördliche Regelung der Lohnftaaen eine annehmbare Lösung dieser Frage nicht möglich. Abg. Henning skonl) hofft auf ein günstiges Ergebnis in der Kommission, doch müsse man dem BundeSrat einen gewissen Spielraum lasse«.

Im Ubaeordnettnhaufe

wurde am Mittwoch die zweite Beratung des Ivstizetats fortgesetzt. Abg. p. Salden«

Mit leise zitternder Hand empfing Gilberte den kostbaren Bands sie wollt« ein Dankenswort stammeln, aber Frau von Tresotter zog ste mütterlich an sich und küßte sie innig. Die Tür ging jetzt auf; wie von einem Traum umfangen sah Gilberte ihre alte Getreue im Vorzimmer sitzen, und mit einem stummen aber beredten Abschiedsblick trennte si« sich von der Mutter des Geliebien.

9. Kapitel.

Vom Fenster feines Zimmers aus. hinter« Vorhang versteckt, hatte Heinrich Gilberte ins Haus treten feben. Es war für ihn ein Augen­blick höchster Wonne gewesen, den et mit wild pochendem Herzen durchlebte die Geliebte die Schwelle de» Elternhauses überschreitend. Diese erste Besitzergreifung, die in seinen Augen eine endgültige war bann daß Gilberte nicht die feinig« werden könnte, war eine verpönte Mög­lichkeit hatte er ja selbst vorbereitet und her- beigefühtt, und dabei eine Tatkraft und Be­harrlichkeit entwickelt, die an ihm neu waren. Seine Gelassenheit und etwas weichlich träu­merische Art hatten sich in Entschiedenheit und Unternehmungslust verwandelt. Er war zum Kampf bereit und gewappnet, und am Sieg zweifelte er keinen Augenblick.

Dem gedämpften Ton von Schritte« und Türöffnen lauschend, sagt« et stch: .Letzt geht ste dre Haupttreppe hinauf, jetzt muß sie gleich vor Mamas Wohnzimmer stehen, jetzt tritt st« ein, jetzt sehen ste sich! Wenn sie nur Nicht ängstlich und verschüchtert ist?"

So sehr et sein Gehör anstrengte, mehr roar nicht zu unterscheiden. Aufgeregt ging et, um die Zeit totzuschlagen, im Zimmer bi« und her.

Politische Umschau.

Reue Exzesse.

(Seftetn abend beschäftigten sich in Re«. Münster wie derHollsteinische Courier" meldet, zwei Versammlungen mit dem Ba­

lkons.) wünschte Teilung des Amtsgerichts Wils» nack und Errichtung eines neuen Amtsgerichts üt Wilsnack. Der Iuftizminister erwiderte, daß di< Errichtung eines neuen Amtsgerichts in Wilsnack bereits erwogen werde. Abg. v. Dirffe« (ftf.) trat für die Vermehrung der Landrichter im Land­gerichtsbezirk Kottbus ein. Der Minister will di« Erfüllung dieses Wunsches im Auge behalten. Abg. Lieber (natl) empfahl die weitere Einricht­ung von Ortsgerichten zur Enttastung der Land­gerichte bei Taxationen, Versteigerungen u. dergl. Abg. Cahenslv (Ztt.) befürwortete die Errichtung solcher Gerichte namenllich für Hessen- Nassau. Ein Regierungskommiffar betonte, daß für Hessen Nassau die Errichtung von Otts- gekichten in solchen Städten, in denen bereits ein Amtsgericht bestehe, gesetzlich unzulässig sei. Abg. Cassel (frs. Vp.) rügte es. daß in Berlin eine Reihe von Rechtsanwälten nur an einem Land­gericht, andere dagegen an allen dreien zugelassen wären. Abg. Witzmann (natl.) beklagte das Ueberhandnehmen der Berufungen durch die Amtsanwälte gegen Schöffcngerichtsutteile. Es wäre richtiger, viele Verfahren wegen gering­fügiger Uebettrttungen einfach niederzuschlagen. Abg. Büchteman« (ftf. Vp) erklärte, daß hn Kreise Hirschberg i. Schl, große Erregung dar­über herrsche, daß seit 1906 sieben Mordtaten un aufgeklärt geblieben seien. Abg. Witzmann (ntl.) fragte, wie es mit der Einführung der Steno­graphie in den Iuststdienst siebe und bedauette, daß noch lange nicht alle Amtsgerichte Fern­sprecher besitzen. Geheimrat Fritze erllärte, daß mit der Stenographie und den Schreibmaschinen Versuche angestellt und Fernsprecher dott einge­richtet würden, wo stch das Bedürfnis danach hermlsstelle. Auf die verschiedenen Wünsche bett, die Stellung der Kanzleigebilfen wurde vom Re- qierunastttche darauf hinaewiesen. daß ste in vottgen Jahre um 100 v.H. ausgebessett worder wären.

war bald am Karnin, um nach der Uhr zu sehen, bald am Schreibtisch, bald am Fenster. Mit Befriedigung beobachtete er, daß die Unter­redung sich in die Länge zog. Endlich, nach drei Viertelstunden war eine gewisse Bewegung hör­bar, eine Türe fiel ins Schloß, ein leichter Schritt erklang in der Halle, der Besuch mußt« zu Ende sein. Er trat ans Fenster, sah Gilbert« au» dem Hause treten und im Geleit ihrer alte« Rosalie quer durch den Ehrenhof schreiten. Sie hielt de« Kopf gesenkt, die ganze Haltung ver­riet innere Versunkenheit. Der Pförtner öff­nete die kleine Tür neben seiner Wohnung, und Eilbette verschwand. Eine große Traurigkeit, für die er keinen Grund hätte nennen könneru kam über Heinrich) mit einem Gefühl, als ob sich Eiseskälte über sein Herz ausbreite, stand et hinter der Scheibe und starrte auf die mit Sand bestreut« Zufahrt. Der Eindruck war so peinlich, daß er ihn möglichst schnell abschüttel« wollte. Er suchte eilends seine Mutter auf.

Die Baronin saß sehr nachdenklich wieder auf demselben Platz vor bem Kamin, wo sie bei Eilbertes Eintritt gesessen hatte. Als der Soh« hereinstürmte, dessen Spannung ihr wohl be­greiflich war, sagte ste:Eben ist sie fort, mein Kind, und leider . . . leider Gottes ist ste ent­zückend."

Ja, warum denn leidet Gottes, Stoma."

Weil alles, was wir von feiten des greu­lichen Vaters zu fürchten haben, nichts ist im Vergleich mit der Entdeckung, die ich an ihr selbst machen mußte!"

Wieso, Mama? Was meinst du nur?" Sie hat kein« Religion, mein Sohn!" , (Fottsetzung folgt.)

<ht« den Remmifftonen.

Berlin. 16. gebt. Die Wahlprüfungskommis- ston des Reichstages erklärte die Wahl des Abge­ordneten v. Kaphengst (kons., 5. Frankfurt Oder- Wahlkreis) für unailtig.

Berlin, 16. gebt. (Budgetkommislion des Reichstags ) Beim KapitelInstandhaltung der Flotte und Wersten" in Höhe von 36 872 855 M führte Staatsminister v. Tirpitz aus, daß im all gemeinen die Verwaltunasbcamten der Marinr kaufmännischer dächten und handelten als dies al und zu angenommen würde. Die Untetbeamten sollten zukünftig vor Einttttt in den Staatsdienst eine mehrmonasige kaufmännisch- A'n-Hild"ng durchmachen. Bei den höheren Beamieu müsse darauf bestanden werden, daß ste eine vollwettige |urtftir*e Ausbildung erhielten. Schwierig fei, auch ihnen die erwünschte kaufmännische Ausbil­dung zuteil werden zu lassen. Tie Anregung eines nationalliberalen Abgeordneten, diese Beamten durch eine zeitweise Beschäftigung in Privat­betrieben auch kaufmännisch auszubilden, werde dankbar benutzt werden.

Die konservattve Fraktion des Abgeordneten­hauses hat folgenden Antrag einaebracht: Das <hgns der Abgeordneten wolle beschließen: feine Geschäftsordnung dahin zu ergänzen, daß wirk­same Bestimmungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung des Hauses und zur Ei .schränkuna von Reden, welche die Zeit des Haukes ungebührlich in Anspruch nehmen, gettoffen werden.