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allerdings manchem die vorgeschlagenen Bestim mungen noch nicht weit genug gehen.

Nachdem der Entwurf einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen war, vertatst« stch das Haus auf Mittwoch: Arbeitskammergesetz. Haus­arbeitsgesetz. Aenderung der 88 114a usw. der Gewerbeordnung.

Nachklänge

zu den Wahlrechtsdemonstrationen.

Gegen die ReichstagSabgeordueten Ledebour, Stadthagen und Fischer wird, wie Berliner Müt­ter bören, wegen Vergehens gegen das Vereins- Gesetz (Abhaltung von Versammlung«« unter

sollte man auch nicht ver- allen Deutlichkeiten hinzu-

unserm Reichstagswahlrecht weit weit demokra-

freiem Himmel ohne vorherige polizeiliche Anmel­dung am 13. gebt.) ein Strafverfahren eingeleitet werden. In verschiedenen Stadwerordnetenkolle- gien ist auf sozialdemokrattfchen Antrag über die Demonstrationen verhandelt worden, meistens zu dem Zwecke, um gegen die Polizei «Sturm zu tau« fen. In Halle hat nun Bürgermeister v. Holly eine außerordenüich vernünftige Ansicht geäußert: Die Arrangeure wußten, daß sie ihre Anhänger zu gesetzwidrigen Handlungen anstisteten. Des­halb gerade, weil die Denronsttation gesetzwidrig war, wurde sie unternommen. Die «Schutzleute sind schwer gereizt und beschimpft und bedroht worden. Man hat sie Bluthunde genannt und hat st« mit Steinen beworfen. Wenn solche Be­schimpfungen und Bedrohungen der Schutzleute Vorkommen, dann sollen sie die Waffe gebrauchen, die ihnen zum «Schutze gegeben ist. Ich bebaute seht, wenn auch Unschuldige verletzt sind; festge­stellt ist das noch nicht. Aber ich muß sagen: wer sich in Gefahr begibt, leidet «Schaden."

Der Revisionist Hein« hat Übrigens die Wahl- rechtsnmzüge als etwas sinn- und zweckloses ver­urteilt. DerVorwärts" und dieLeipziger Volksztg." sind daraufhin sehr böse. DerVor­wärts" meint:Es ist uns aber unerfindlich, wie GenosieHeine sich in einem Moment der Aktion plötzllch der Partei entgegenstellen und eine der Aktion dienende Veranstaltung dazu mißbrau­chen kann, seine Privatmeinung gegen die Partei­meinung zur GelMng zu bringen." Di«Leip;. VolkszeiMng" wird gar offenherzig, indem sie schreibt:Die Straßendemonstratton ist etwas mehr als eine Bravourleistung der Partei, etwas, war nur sie machen kann. Sie ist etwas, waS sie machen muß, wenn sie eben auch in Zukunft das fein will, was sie in der Vergangenheit war: der getreue Ekkehard (II) bet Masten, die Partei deS allgemeinen Vertrauens, die nicht bloß ihre Aufgabe darin erblickt, Vormund und Wortfüh­rerin der Maste zu sein, sondern sie zur Selbstän­digkeit und zur Tat zu erziehen. Darum: Auf die «Straße! Auf die Straße!"

DieL. 8." läßt sich ferner zu folgendem Lobeshymnus auf die Demonstrationen ver­leiten;Nur die Sozialdemokratie darf zu den Müttern" hinabsteigen, bei deren bloßer Er­wähnung den bürgerlichen Dr. Faust schon das Grauen packt. Für sie bedeutet jede selbständige selbstbewußte Regung der Masten einen Zu­wachs an Macht, Einfluß und Kraftgefühl. Für jene ist es der Beginn der Götterdämmerung."

Wie dieseGötterdämmerung" aussieht, be­richtet dieT. R." indem sie der Meldung des Auftrittes vor bet Pfingstkirche ht Berlin folgendes hinzufügt: In Halle wurde einem unreifen Burschen, der nach dem allgemeinen Wahlrecht schrie et zählte wohl zwölf oder dreizehn Jahre, ein sechsläufiger geladener Revolver abgenommen.

ES ist unerftndllch, wie Leute, bk sich noch ju ben bürgerlichen Politikern rechnen, bet« artigeBravourleistungen, bi« nut bk Sozial- bemofratie machen kann und machen muß", unter­stützen könne».

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Marburg und Umgegend. (Nachdruck aller Criginatartilel ist gemäß § 18 deS, Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe Qberheff. 8tg.' gestattet.)

Marburg, 16. Febr.

* Der neue Kurator bet Universität Mar­burg. Als Nachfolger des Geheimrats Prof., Schollmeyer wurde wie bereits gemeldet, der vortragende Rat im Kultusministerium, Wirk­liche Geheime Obermedizinalrat Prof. Dr. Adolf Schmidtmann zum Kurator der Univerfi- töt Marburg unter Beilegung des Charakters als Wirklicher Geheimer Oberregierungsrat er­nannt. Echeimrat Schmidtmann ist 1851 zu Wasmuthshausen, Kreis Homberg, geboren. «Seine Hauptlehrer waren die Marburger Profestoren Roser Dohrn, und Schnndt-Rlmp» (er. 1879 ließ er sich in Wilhelmshaven als praktischer Arzt nieder, wurde 1880 Kreis, physikus, 1890 Regierung?- und Medizinalrat bei der' Regierung in Oppeln, kam 1894 nach Breslau und folgte noch in demselben Jahre einer Berufung in das Kultusministerium, zu­nächst als Hilfsarbeiter, von 1895 ab als Vor­tragender Rat. Von feinen vielen wissenschaft­lichen Arbeiten haben zuerst die Veröffentlich- engen über die Feststellung unb das Wesnn bet

49 re. in.

Ausland.

** England. London, 15. Febr. (Unter­haus.) Das Parlament wurde heute förmlich eröffnet. Im Unterhaus« wurde Lowther ein­stimmig zum Sprecher wiedergewählt. Alsdann vertagte sich das Haus auf morgen.

** London, 15. Febr. Die königliche Sank- tion der Wahl Lowthers zum Sprecher des Unterhauses wird dem Unterhaus morgen be­kanntgegeben, die Mitglieder werden sodann den Huldigungseid leisten. Da diese Zeremonie den größten Teil der Woche in Anspruch nimmt, so wird die Thronrede nicht vor dem 21. Febr. zur Verlesung gelangen. ___________________

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ein Wahlrecht das tischet ist als das englische, das nicht große Mengen von Wcchlern einfach aus­schließt von der Wahl. Es ist nut staatsklug wenn gewissermaßen als Gegenge- richt das preußische Wahlrecht nicht auch so völlig demokratisiert wird, daß man auch für Preußen der Sozialdemokratie das Heft in die Hand gibt.

mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

und den Beilagen: ,Iach Feierabend» (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage."

PoNttsche Umschau.

Der Fall Dammann erledigt.

Zum Fall Dammann erhält dieRhein-Wests. Ztg." von dem Bruder des Ermordeten folgende Zuschrift:Mit Bezug auf bk Artikel des Privat­dozenten Dr. A. Wirth Über bkEntschädigung bet persischen Regierung an Pastor Dammann" bebaute ich, Anlaß zum Borwurf gegen das Aus­wärtige Amt gegeben zu haben. Als ich im Ge­spräche mtt Herrn Dr. Wirth behauptete, «s sei nichts gezahlt, habe ich in gutem Glauben gehan­delt, da meine Mutter, Frau Pastor Dammann, mich trotz Anfiage völlig in Unkenntnis Über blt Sache liefe, fa bafe ich durch bk Zeitung ba8 erste Wort bavon hörte." Unter blefen Umständen hält auch Privatbozent Dr. Wirth, wie et schreibt, seine Vorwürfe gegen das Auswärtig« Amt nicht aufrecht.

Aus den Parlamenten.

Deutscher Reichstag.

feeuk wurde zunächst bi« erst« Lesung bes Gesetzentwurfs bett, den Absatz von Kali­salzen fortgesetzt und zu Ende geführt. In der Debatte ergaben sich im großen und ganzen die gleichen Gegensätze, bk bereits in bet gestrigen Sitzung neben den schwerwiegenden allgemeinen Bedenken hervorgetreten waren. Mit besonderer «Schärfe wurde die Vorlage von dem Zentrums­elsässer Abg. Dr. Rickkin bekämpft, der damit der jungen elsässischen Kaliindustte zu Diensten sein wollte. Ganz überwiegend kamen heute die In­teressen der Kaliverbraucher zur Geltung. Vom Standpunfte des Kalibergbaues und as Vertteter betfenigen Kreise, in denen hauptsächlich Kalisalze gewonnen werden, sprachen die Abg. v. Damm (wirtsch. Vg.), v. Dannenberg (b. k. F.) und Werner (Refitt.) sämllich in der Hauptsache gegen den Gesetzentwurf. Dieser wurde schließllch einer Kommission von 28 Mttgliedern überwiesen.

In der Wahlrechts Kommission des Abgeord- netenhauseS würbe am Dienstag zunächst über den freisinnigen Antrag, der die Emfubrung des Reichstagswahlrechts bezweckt, verhandelt und zwar zunächst nur Über die zwei Telle des An­trags auf Einführung 1. des gleichen, 2. des ge­heimen Wahlrechts gesondert. Der Vertreter der Sozialdemokratie zog seinen Antrag zurück, nach­dem llargestellt worden war, dafe dieser Antrag geschäftsordmmgswidrig sei. Nach längerer De­batte, in welcher die Vertreter des Zentrums, der Freisinnigen, Polen und Sozialdemokraten für das gleiche Wahlrecht eintraten, wurde die Ein- Ührung desselben mit 15 gegen 11 Stimmen ab­gelehnt. Für das geheime Wahlrecht traten aufeer den vorgenannten Parteien auch die Nationallrbe- ralen ein. Der Minister des Innern «rllärte,, dem Anträge in diesem Teile entgegentreten zu müssen. Das geheime Wahlrecht wurde mit 15 gegen 13 Stimmen der beiden konservativen Fraktionen angenommen. Hierauf wurden bk einzelnen Paragraphen bet Regierungsvorlage beraten. Die 88 1 und 2 wurden ohne wesentliche Debatte angenommen. Zu 8 3 lag der Antrag des Zen­trums vor, bas in der Vorlage und dem bisheri­gen Rechte vorgesehene Mindestalter der Abgeord­neten vom 30. auf das 25. Lebensjahr herabzu­setzen. Der Antrag wurde mit 15 gegen 11 Stim­men abgelehnt. Gegen den Antrag stimmten di« Konservativen. Freikonservativen und Rational- liberalen. Der 8 3 wurde daraus in der Fassung der Regierungsvorlage angenommen. Zu 8 4 lag ein Antrag der Konservativen vor, welcher an Stelle der vorgeschlagenen direkten Wahl die inbirefte Wasil aufrecht erhalten will. Der Mi­nister des Innern sprach sich gegen ben Antrag an« woran sich eine längere Debatte knüpfte. Di« Abstimmung soll erst nach »eratung des § 21 stattfinden.

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltene Zeile ober beten Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pftnmge , <fsTMx unk Berlaa' Job. Ang. Koch, UmversitatS-Buchdruckerei Donnerstag, 17. Februar 1910. | JnhÄber^Dr. «."tzitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Deutsches Reich.

Der neue Oberprästdent bet Provinz Brandenburg. Zum Oberpräsidenten der Pro­vinz Brandenburg ist an Stelle des in den Ruhestand tretenden Wirklichen Geheimen Rats von Loebell der Unterstaatssekretär im Mini­sterium für Landwirtschaft usw., Wirklicher Ge­heimer Rat von Tonrad ernannt worden.

Handelsbilanz. Berlin, 15. Febr. Der Wert der deutschen Einfuhr belief sich im Jan. des Jahres 1910 auf 681,09 Millionen Mark, der Wert der Ausfuhr auf 542,8 Millionen Mark. Im Vorfahr betrug die Einfuhr 616,2, die Ausfuhr 466 Millionen Mark. Außerdem wurden für 13,9 Millionen Mark Edelmetalle ein-, und für 66 Millionen Mark ausgeführt, gegen 14,3 und 22,5 Millionen Mark fm Vor­jahre.

Zum Beste« der lleberschwemmte« i« Frankreich. Berlin, 15. Febr. Prinz Heinrich von Preußen überwies dem Zentralkommitee für die Annäherung zwischen Deutschland und Frankreich, das unter dem Präsidium des Präsidenten des Herrenhauses steht, zu Händen des «Schatzmeisters des Komitees. Bankdirektor Leopold Steinthal Hierselbst eine namhafte Summe zum Besten der Ueberschwemmten in Paris. Mehrere inaktive preußische Staats­minister und Staatsminister der Bundesstaaten sowie viele hervorragende Persönlichkeiten, etwa 300, schlossen sich gleichfalls dem Komitee an.

Kraftstil! Die berühmteLeipz. Voksztg." läßt sich In der Polemik gegen die Wahlrechts- Reform zu folgenden Aeußentngen hinreißen: Was der meineidige Verbrecher auf bem blut- bambfenben Throne bet Romanows als Wahl­recht für bie brltte wohl gemerkt, für bk britte Duma ausgestumpfstnnt hat, bteses aus jeber Pore Blut unb Schnaps triefende Wahl- rechtsuntier, bas ist es, was man uns jetzt tu

Preußen alsWahlresorm" zu bieten wagt. Daß biefe Anleihe bei Väterchen unbewußt geschehen, ist für Preußen unb seinen führenden Junkerknecht nur um so bezeichnender." Kommentar über­flüssig.

Sie Sauerrede des Abg. Liebknecht. I« bet letzten Sitzung des Seniorenkonvents de» AbgeoÄnetenhauses war erwogen worden ob sich nicht Maßregeln treffen ließen, um derart sinnlose Dauerreden zu beschneiden, wie sie bet Abg. Liebknecht bei der ersten Lesung der Wahl­rechtsvorlage hielt. Die Beratung darüber kam aber zu keinem Ergebnis. Jetzt meldet eine parlamentarische Korrespondenz, daß sich eine Beschlußfassung in dieser Angelegenheit aus einem recht interessanten Grunde erübrigte. Es wurde nämlich vom Vertreter der sozialdemo- kratischen Partei die Erklärung abgegeben, daß die sozialdemokratische Frattion selbst einsehe, daß, wie die Verhältnisse einmal liegen, die Erledigung der Geschäfte durch so lange Reden, wie sie der Abg. Liebknecht gehalten hat, nicht erschwert werden dürfe. Man habe be­reits in der Fraftion darüber gesprochen unb sich dahin geeignet, daß künftig solch lange Reden von sozialdemokratischer Seite nicht mehr gehalten werden dürfen. Diese Erklärung gab de« Wortführern der übrigen Parteien Veran­lassung, diesen Teil der Besprechung für erledigt zu erklären.

Aufgeregte Demokraten. Der Volks­verein Groß-Stuttgart hielt eine Öffentliche Versammlung ab, in der eine Resolution gegen Bethmann Hollwegs Wahlrechtsrede angenom­men wurde.Die Versammlung protestiert mit Entschiedenheit," so heißt es dort,gegen die grundlose Beschimpfung der deutschen Sud­staaten durch den preußischen Ministerpräsiden­ten, Reichskanzler v. Bethmann Hollweg in der Donnertagssttzung des preußischen Abgeord­netenhauses, in der als Folge demokratisch­politischer und parlamentarischer Einrichtungen wie wir sie besitzen, einen Rückgang der Kultur und Erziehung und eine Verflachung und Ver­rohung der parlamentarischen Sitten erblickt." «Sehr richtig bemertt dazu dieT. R.":Von den Herren hat wahrscheinlich keiner die Rede des preußischen Ministerpräsidenten gelesen. Wag Herr v. Bethmann Hollweg über die Ver­rohung der parlamentarischen Sitten sagte, war ganz allgemein gehalten und bezog sich nicht auf Württemberg oder das weitere Süddeutschland. Es wurden die süddeutschen Verhältnisse viel­mehr an anderer Stelle gestreift, und hier führte der Kanzler in völlig loyaler Anerken­nung der bundesstaatlichen Eigenarten lediglich aus, daß sich eines nicht für alles passe; woraus man bei einigem guten Willen doch nur heraus­lesen kann, daß ein Wahlrecht sich nach den be­sonderen Verhältnissen unb den politischen Auf­gaben eines jeden Landes zu richten habe. Wozu also der Lärm?"

Das englische Wahlrecht.

Ma« schreibt uns:

Richt für bie Genossen, sondern auch für bk Unentwegten bürgerlichen Freiheitsschwärmer ist Englanddas Musterländle", in dem hoch und hehr die Göttin mit der phrygischen Mütze auf bem Thron sitzt. Und wenn es gilt, irgend­eine der beliebtenpolitischen Entrechtungen" zu brandmarken, unter denen nach der Theorie bet Freiheitsapostel Deutschland unb in letzter Zeit besonders Preußen schmachtet, dann weisen . pe mit gespreizten Fingern und mit erhobener Stimme nach England.

Aber England besitzt meber ein allgemeines noch ein gleiches Wahlrecht unbbas Volk", wie es unsere Unentwegten auffassen, die fluk- tierenbe Arbeitermenge, ist am allerwenigsten berufen, an der politischen Entscheidung mitzu­wirken. Die Engländer, die man auf liberaler und besonders demokratischer Seite so gern preist, find viel zu kluge Politiker, um auf die allzu leicht mit demagogischen Mitteln zu lenkende große Masse das Heil des Staates zu stellen. Grundeigentum und Besitz sowie Selbständigkeit des Haushaltes find di« wesentlichsten Grundbedingungen für das Recht feine Stimme in die Wagschale zu werfen. Beim Besitz ist der ererbte gegenüber den anderen Arten erheblich bevorzugt, alle anderen Desitzarten aber müssen einen solchen von fünf Pfund Sterling aufweisen, unb ähnlich sind die Abstufungen für die Erbpächter von Land und Geschäftsräumen, selbständigen Wohnungen aber Dienstwohnungen, endlich Astermieter, die aber mindestens zehn Pfund Sterling Miete ffit bie unmöblierte Wohnung bezahlen müssen. Wohnt ein Angestellter mit seinem Dienstherrn in einem Hause zusammen, dann nützt ihm aber auch der selbständige Haushalt nichts, er hat in einem solchen Falle kein Stimmrecht. Vor allem aber ist bie Bestimmung interessant, daß jeder Wahlberechtigte innerhalb der letzten zwoff Monate dieselbe Wohnung innegehabt haben muß, was durch eine fortlaufende Listenführung auf das genaueste kontrolliert wird.

Zwar ist das englische Wahlrecht direkt, aber erst seit dem Jahre 1872 geheim und vor allen Dingen nichts weniger als gleich. 160 000 Personen haben mehr als eine Stimme, unb wenn sie zur rechten Zeit an dem Orte bet Wahl fein können, dann steht mehrfacher Stimmabgabe nichts im Wege. In London gibt es sogar eine Wahlberechtigung bis zu 31 Stimmen, bie sich auf eine Person vereinigen. Nebenher laufen eine Reihe von Vergünstig­ungen, z. B. für die Graduierten an den Uni­versitäten, die außer ihrem eigentfidjen noch ein besonderes Stimmrecht besitzen, das sie sogar brieflich ausüben können. Und vor allem gibt es drüben keine Diäten, nut die Vertreter der Gewerkschaften erhalten aus der Gewerkschafts­kasse eine Entschädigung.

In allen Stücken ist also bas Wahlrecht bet Engländer recht seht von unserem Reichswahl­recht verschieden, vor allem aber recht weit entfernt von der Vorstellung, daß in dem Lande der sogenannten politischen Freiheit bie in unseren Tagen blindlings gepriesene Göttin mit bet Binde vor den Augen ihres Amtes walte. Man rühmt bie Engländer als Meister bet Politik, unb das soll man gelten lassen. Sie haben trotz ihres gerühmten .Fortschritts" nicht die blinde Masse als Stütze des Staates er- wahtt, sondern die verantwortlichen Faktoren, deren Staatsbewußtsein im besten Sinne das Fundament bildet, in Rechnung gestellt. Sie haben klar erkannt, daß nicht bie plumpe Gleich­heit den Bestand und gesunden Fortschritt ver­bürgt fonbetn fein unterschieden, unb wenn man oie Engländer uns immer als Muster vor

Der Reichstag wandte sich dann bem zweiten Gegenstand« der Tagesordnung, dem Entwurf eines Stellenvermittlungsaesetzes, zu und erledigte dessen erste Lesung. Wie Staats­sekretär des Innern, Delbrück, in einer kurzen Be­gründung au5führte. sollen mit der Vorlage die bestehenden Mif-.siände auf dem Gebiete der Stel­lenvermittlung beseitigt werden. Indern künftig­hin die Ausübung des Stellenvermittlergewerbes von der Erteilung einer behördlichen Konzession abhängig gemacht wird, sollen die unreellen Eti- stenzeu ausgeschaltet werden. Die vorhandenen Betrieb« werden unter Aufsicht gestellt, die hierzu notwendigen Maßnahmen können von den LandesheHörden eingeleitet werden. Die Wirkung des neuen Gesetzes wird unb soll fein, daß ' privaten Stellenvermittlungsbetriebe mehr mehr ausgebaut werben. Die anschließende batte ergab, daß bk Parteien ftu großen ganzen auf bem Boden bet Vorlage sieben,

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