mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Aach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
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Die „Obrrheiiüche Zeitung" erschernt täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 2 25 <X (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <£.
Marburg
Sonntag, 13. Februar 1910.
Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gespaltcne Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Koch, UniversttätS-Buchdruckcrri Inhaber Dr. t. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Iahrg.
Zweites Blatt.
Domberr Sander in Gnesen
hat sich durch sein patriotisches Verhalten ge- logentlich des Kaifersgeburtstages, das er durch Hraushängen einer Fahne in den Landesfarben und Illuminierung seiner Wohnung an den Tag gelegt bat, den Unwillen der Polen zugezogen. Der „Dziennik Bydgoski" (20. 1. 10) schreibt hierüber u. a.: Jedenfalls sei die uralte Käthe« drale das erste Mal Zeug« einer Illumination Lei einer solchen Gelegenheit gewesen, und man dürfe sich nicht wundern, wenn das polnische Volk zu dem ihm aufgedrängtenDomherrn kein Vertrauen habe. Die „Gazeta Grudztadzka" (20. 1. 10) wirft dem Domherrn Sander vor, daß er stch mit Gewalt in einen Gegensatz zu seinen polnis-^en Schäilein stellen wolle. Dagegen stellt ber „Kurier Poznanski" (30. 1. 10) in einem anderen Talle wiederum den Satz auf: „Wie mir no» den polnischen Geistlichen verlangen, daß ■fte sich auf kirchlichem Gebiete den Polen und Deutschen gegenüber von Gerechtigkeit leiten lassen, kn ihrer bürgerlichen Tätigkeit aber polnische Vatrioten sein sollen, so stellen wir auch an die deutschen Geistlichen keinen anderen Anspruch olg daß sie in der Kirch« sowohl den Polen und deutschen gegenüber gerecht seien, aber anste'-basb der Kirche offen als preußisch« Patrioten auftreten sollen." — Weiter bat Dom- h»rr Sander doch nichts getan, aber die Gkrechtia« keitso'-nndsäi-e bab-n bei den Polen nur für die polnischen Geistlichen Geltung, während die de-'tschen Geistlichen, wie es leider noch so vielfach den 9W«n in ^iebe geschieht, ihren Patriotismus verberaen sollen.
Ein weiteres Unrecht hat stch Domherr Sander dadurch zu schulden kommen lasten, datz er im po:nisch«n Arbeiterverein zu Enefen ein« „pclnische Rede" gehalten und dabei groben Beifall geerntet bat. Leber diesen «inem „deutschen" Geistlichen gezollten .polnischen" Beifall ist die polnische Preste ganz entrüstet. Aber daß der Domherr Sander in diesem Falle auch im Sinn« der polnischen Geistlichen gehandelt bat. kann ste nicht abstreiten. Denn der „Kurfer Voznanski" must selbst konstatieren, dast auf der letzten Versammlung der Patrone und Bizevatrone des Verbandes der polnischen Arbeiterverein«. ein angesehener Geistlicher den Grundsatz ausgestellt bat, dast die polnischen Geistlichen auch in deutschen und die deutschen ! Geistlichen auch in polnischen Vereinen wirken . sollen. Aber nach Meinung der Volen darf dieser Gruudsaü eben nur von den polnischen Geistlichen befolgt werden.
Aus diesem widerspruchsvollen Hin und Her iber polnischen Zeitunaen gebt aber di« ein« be- wustte Abstcht deutlich hervor, dem deutschen katholisch«« Geistlichen in Posen dar Leben so . schwer wie irgend möglich zu machen.
24 (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
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„Ist denn ein solches Bubenstück zu fasten? Und ich bin auf alle Mätzchen dieses Schurken hineingefallen wie ein grüner Jungel Er sah ja so ehrlich, so unschuldig aus, und überdies zahlte er! Kann man sich denn so etwas vorstellen? Er zahlte! Ich habe ihn dreißig» tausend Franken aus der Tasche ziehen sehen, wie unsereiner etliche Nickel herauszieht . . . warum? Ja, wozu? Offenbar um mich in di« Schlinge zu locken, um mir einen Strick zu Drehen. . . . Dreißigtausend Franken gibt doch kein Mensch für nichts und wieder nichts au«, nur au, Vergnügen am Ausgeben . . . Eines schöne« Morgens hätte ich, an Händen und Lüsten gebunden, aufwachen können, diesen gemeine« Reattionären auf Gnade und Ungnade prsisa«geben, und sie hätten noch versucht, mich zum Verrat an meiner Partei zu zwingen! Ach, die Herren kennen den Courcier schlecht, lieber Tod als Verrat, zehnmal lieber Tod?"
Er war dunkelrot im Gesicht: die Haar« seines langen Bartes sträubten stch ordentlich vor Wut und zitterten bis in die äußersten Spitze«. Mit einer Gebärd«, die dem Darsteller eines Danton Ehre gemacht hatte, schlug er ein wildes Gelächter auf.
„Haha! Ich hab die Pulvermine bloßgelegt, jetzt mögen sie nur kommen, sie werden ihre vlauen Wunder erleben!"
Dieser Wutausbruch batte ihn erleichtert; fein Schritt wurde etwas ruhiger und die Schrmpfworte schienen versiegt zu sein.
' „Aber, Papa," wagte Gilberte jetzt zu fragen, »wie hast du es denn erfahren?"
„Auf die natürlichst« Weise von der Welt.
Politische Umschau.
Di« deutsche« Sterbetafel«.
Der soeben erschieneDand 200 der Statist!' des Deutschen Reich, enthält die Berechnung neuer deutscher Sterbetafeln für das Jahrzehnt 1891 bis 1900. Die neuen Tafeln find dazu bestimmt, an die Stelle der im Novemberheft der Jahres 1887 erschienenen deutschen Sterbetafeln zu treten, die aus den Sterblichkeitsverhältnissen der Jahre 1871/72 bis 1880/81 von dem damaligen Direktor des Kaiserlichen Statistischen Amts, Dr. Becker, berechnet waren. Nach einer ausführlichen Angabe der Unterlagen, di« bei Berechnung der Sterbetafeln zu Gebote standen, wird die Verechnungsweise, die ein wenig von der Beckerschen abweicht, auseinandergesetzt, auch wird besonders auf di« B«rücksichttgung der Zu« und Fortwanderung eingegangen. Die neu be- rechneten Sterbetafeln geben unter Zuhilfenahme der Beckerschen Tafeln ein Bild über die Aenderung der Sterblichkeitsverhältniste in den letzten dreißig Jahren. Für die „mittlere" Lebensdauer des männlichen Geschlechts ergab sich aus den Sterblichkeitsverhältnisten der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts der Wett 35,58, aus denen der neunziger Jahre 40,56 Jahre. Für das weibliche Geschlecht ergaben die entsprechenden Tafeln die Zahlen 38,45 und 43,97. Die „wahrscheinliche" Lebensdauer ist von den siebziger bis zu den neunziger Jahren bei dem männlicken Geschlecht von 38,1 vis 48,85. bei dem weiblichen von 42,5 auf 54,9 Jahre gestiegen.
Es ist somit eine recht bedeutende Besterung der Sterblichkeitsverhältniste in der deutschen Bevölkerung nachg«wiesen.
Um den Unterschied der Sterblichkeitsver- hältniste in den verschiedenen Teilen des Deutschen Reichs kennen zu lernen, wurden Sterbetafeln berechnet für die östlichen, mittleren und westlichen Provinzen Preußens, für Bayern, Wütttemberg, Baden Elsaß-Lothringen, Hesten, Oldenburg, Mecklenburg - Schwerin für die Staatengruppe Braunschweig und Anhalt, für zwei thüringische Staaten gruppen und für die Hansestaaten Hamburg, Bremen, Lübeck. Alle dies« Tafeln gelten für den Zeittaum 1891 bi, 1900 und sind nach denselben Grundsätzen berechnet, wie die Tafeln für das Deutsche Reich.
Zum Vergleiche deutscher und außerdeutscher Sterblichkeitsverhältniste sind noch Tafeln für England, Frankreich, Oesterreich, Italien, Niederlande, Belgien, Schweden und für einen nordamerikanischen Staat beigefügt, di« all« annähernd denselben Zeitraum umfassen.
Ernst Moritz Arndt und Otto Ernst.
Otto Ernst, der Dichter des Flachsmann und typische Vertreter eines heute in manchen Kreisen beliebten „Liberalismus", hat eg gewagt, mit folgenden Motten fein Mißfallen über den alten Patrioten Arndt auszudrücken. Er schreibt wörtlich:
„Der Teutomann E. M. Arndt, besten wider- wättige Franzosenfrestereien (!) im Lichte der damaligen Zeit allenfalls erklärlich waren, lei«
Ich wußte schon, datz mein letzter grotzarttger Attikel von vorgestern: .Die Revolution und ihr« Anstifter' dem Polizeiministerium zu denken gegeben hatte . . . man rührte sich! Heute treffe ich den kleinen Marvejouls, der Hilfsarbeiter bei Präsidenten ist; er stellt mich in der Friedensgalerie und sagt: ,Ach, Courcier, Sie wollen also Krieg aufs Mester mit uns führen?' — ,J«,' gab ich ihm zurück. .Ihr wißt es wohl, einen Ktteg ohne Waffenstillstand.' — .Das ist nicht nett von Ihnen,' machte er, .Sie pochen etwa, zu stark auf unsre Gutmütigkeit . . . wenn wir wollten, könnten wir Sie ja mit einem Wott niederstrecken.' — Mich nieder« strecken, und wie?' — .Sehr einfach. Wir brauchten nur in den Regierungsblättern veröffentlichen zu lasten, woher und von wem Ihre Zeitung das nöttge Geld bezieht?' Run, du kennst mich ja und kannst dir denken, wie mir das Blut zu Kopf stieg. .Jedenfalls nicht von Euch!' schreie ich ihn an. .Für mich giblls keinen Reptilienfonds! Richt ein Stück Brot würd' ich aus solcher Hand nehmen!' Da kichert der kleine Zierbengel und wirst mir hin: .Geschmacksache! Ihnen ist also Jesuiten- und Orle- anistengeld lieber . . .’ Nun sagt er mir ins Gesicht daß mein .stiller Eeschäftsteilhaber'nicht Eervais heiße, sondern Tresorier, daß er zu dieser Partei gehöre, dies und das getan habe . . . lauter Dinge, die ich ebenso gut wußte als er, und schließlich läßt er mich einfach stehen. Wie zur Salzsäule erstarrt stand ich unter Mirabe« aus Büste, der sich über mich lustig zu machen fäien — auf dies« Weise hab' ich's erfahren! Kann sich denn ein anständiger Mensch einen Dia/isf'na.chen von solchen Winkelzügen, solcher Schlechttgkert! Jesuiten, jawohl da Hatte er ganz recht, dieser kleine Marvejouls Jesuiten und Orleanisten, die leisten stch so etwas! Man erkennt ihr Fabrikzeichen! Aber di« Sache wird
der aber noch unserer heutigen Jugend als Muster patriottscher Eestnnungslyttk aufgedrungen werden, ist neben John Sand, Maßmann, Fttes, Fallen u. a. eine für die Beschränktheit des Rationalismus recht bezeichnende Erscheinung. (!) Er, der den Mund für die nationale Freiheit bis zur höchsten Unschönheit vollnahm, war im Grunde ein vollkommener Reaktionär. Er ist für unser heutiges Gefühl ein Patriot, wie «r nicht sein soll, und für di« nationale Erziehung kein Vorbild, wie wir es brauchen." —
Wir hängen diese Aeutzerung niedriger, denn Herr Otto Ernst (Schmidt) ist auch eine bezeichnende Erscheinung für die Att. wie heute ästhetische und sonstige moderne Herren den Gedanken eines kraftvollen Nationalismus untergraben. Sehr richtig bemerkt die „T. R":
„Herr Ernst sollte doch gerade im Hinblick auf die Bescheidenheit seiner eigenen Leistungen stch hüten, selbst den „Mund voll zu nehmen". Er hat nicht das Zeug dazu, den Sänger des Liedes vom „EM, der Eisen wachsen ließ und keine Knechte wollte", von der Höhe herrbzu- holen, auf Vie ihn die Begeisterung einer großen Zeit gestellt hat. Ersetzen für Deutschlands Jugeiü» kann weder et ihn, noch Heinrich Heine. Und wenn ihn Herr Ernst zum Reaktionär macht, vielleicht weil Ernst Moritz Arndt ein frommer Mann war, dem das evangelische Gesangbuch schöne Lieder verdankt, so kennt er die Geschichte wenig. Denn Ar^dt wurde bekanntlich im Alter von der Reaktton in die politis.'e Untersuchung gegen die deutsche Burschenschaft einbezogen und verlor auf 20 Jahre sein Reckt, zu lehren. Erst Friedrich Wilhelm IV. setzte den Siebzigjähriger, wieder i.r seine Rechte ein.
Freisinnige Zeitung und Demokraten.
Di« „Freisinnige Zeitung" roenbet sich scharf gegen die „Demokrattsche Vereinigung". Diese sckreibt: „Schon vor Monaten erklärten diese Herren, nun sei die Zeit gekommen für das Anwachsen der bürgerlichen Demokratie. Aber um die Herren v. Gerlach und Breitscheid wuchs nicht nur nichts an, sondern von den paar Männern, die in der ersten Begeisterung ihnen gefolgt waren, schlug stch einer nach dem andern seitwärts in die Büsche. Darum verzichten jene „Demokraten,, von vornherein vorsichtig auf die Aufstellung eigener Reichstagskandidaten, obwohl inzwischen Reichstagsersatzwahlen In den verschiedensten Landesteilen und unter den verschiedensten Patteikonstellattonen stattgefunden haben. Dagegen wandert Herr Dr. Breitscheid unermüdlich in die Bezirke, in denen die Sozial- demokratte in Frag« kommt, und fordert zur Wahl des Soziawemoktaten auf. Das hat er jüngst auch in Eisenach gemacht und zwar, indem er dabei lebhaft gegen den Abg. D. Naumann polemisierte, der kurz vorher in dem Wahlkreise Eisenach-Dermbach zugunsten des National- liberalen aufgetreten war. Ob es gerade eine sehr liebenswürdige Tätigkeit ist, unter Verzicht auf jede Propagierung der eigenen Ideen den Schlepper für ein« ander« Partei zu spielen, darüber brauchen wir uns wohl nicht auszusprechen.« — Wir haben dem nichts hinzuzusetzen!
nicht in Gemütlichkeit ablaufen . . . wenn bie» ser Gervais ober vielmehr Tresorier mir in bte Hände läuft, so soll er inne werben, daß man den Nachfolger eines Blanqui nicht ungestraft an der Nase herumführt."
„Bist du denn aber auch sicher, Papa" wandte Gilberte schüchtern ein, „daß dieser Herr Tresorier wirklich solch macchiavellistische Pläne verfolgt hat? Di« Wahrheit könnte vielleicht bedeutend einfacher und harmloser fein, als man dir gesagt hat und alg du annimmst.«
Courcier hielt plötzlich in seinem Lauf inne und pflanzte sich vor der Tochter auf.
„Was hat denn diese Aeußerung zu bedeuten?" fragte er mit hochgezogenen Brauen und strengem Blick. „Sei so gut und erkläre dich ohne Hinterhalt . . . weißt du etwas Bestimmtes darüber? Sollte dieser Gervais sich dir an- vettraut haben?"
„Ja, Vater, und gerade heut« . .
„Und er sagte dir? . . ."
Gilberte gab keine Antwott, aber ihr Schweigen war so beredt, daß es dem Vater wie Schuppen von den Augen fiel und er ihr die ganze Geschichte vom Gesicht ablas Run war Heinrichs Handlungsweise fteilich erklärlich ja sie erschien ihm sogar recht verständig, deutlich und prattisch, nur minder erfreulich für den Familienvater, nicht minder verhängnisvoll für den Polittker. Nach kurzer Ueberlegung, wottn «r die Sachlage bis in ihre fernsten Folgen weiter entwickelt hatte, hielt es Courtter für notig,, die Tochter ins Verhör zu nehmen.
„Also um deinetwillen hat er sich bet uns eingeschlichen?" begann er mit selffamer Ruhe.
„Ja, Papa."
„Run, mein Kind, die Handlungsweffe das Verhalten dieses jungen Mannes wird durch rieses verändert« Ziel keineswegs entschuldbarer, denn nun tritt M dem Unrecht, da, er
Ausland.
** Oesterreich. Haag, 10. Febr. In der heutigen Sitzung wurde die Debatte über den angeblich vom Deutschen Kaiser an die Königin gerichteten Brief fottgesetzt, der die Drohung enthalten haben soll, der deutsche Kaiser müßte niederländisches Gebiet besetzen wenn nicht die Niederlande ihre Verteidigungsmittel gegen England in Stand setzen würden. Der Minister des Aeußeren erklärte kategorisch unter Berufung auf seine ministerielle Verantwortlichkeit die Königin habe niemals einen solchen Brief, noch ein Telegramm noch eine Note noch irgend ein anderes Schriftstück betreffend die Verteidigungsmittel gegen England erhalten, sie habe niemals eine Unterredung mit dem Deutschen Kaiser über dieses Thema gehabt und niemals sei Jemand im Auftrage des Deutschen Kaisers an die Königin herangetreten un. hierüber zu sprechen. Der Minister schloß seine Ausführ. ungcn mit dem Ausdrucke hoher Sympathie füi den Deutschen Kaiser desien aufrichtige Freundschaft sich so ost und so deutlich gezeigt habe. Der Deputierte Vanloe Senfe fragte in Abwesenheit des Deputierten von Heeckeren, warum man denn wenn im Jahre 1904 die Gefahr einer fremden Einmischung nickt bestanden habe heimliche Maßnahmen ergriffen habe, geaen einen plötzlichen Angriff. Die Regierung hätte bester getan, davon abzusehen, ihre uneingeschränkte Sympatbie für Deutschland auszudrücken, da zwei Mächte hier in Betracht kämen. Darauf wurde die Debatte geschlossen. — Wien, 10. Febr. Der Handelsminister übermittelte dem Präsidium de? Abgeordnetenbauses einen Gesetzentwurf betreffend das Verbot der Nachtarbeit von Frauen in industriellen Unternehmungen, wie es der Entwurf zur Durchführung der Berner Konvention vom Jahre 1908 bestimmt, dem Oesterreich-Ungarn beigetreten ist.
Marburg und Umgegend.
(Radibr.ict aller Originalartikel ist gemäß § 18 des Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." aestattet.)
Marburg. 12. F-br.
* Ehejubiläums - Medaillen. Während des Jahres 1909 sind 1648 Ehejubiläums-Medaillen verliehen worden; davon entfallen auf die Provinzen Ostpreußen 43, Westvreußen 38. Brandenburg 222, Pommern 85, Pofen 56, Schlesien 88, Sackfen 176, Schleswig-Holstein 118, Hannover 214, Westfalen 197, Hesten-Nassau 97, Rheinprovinz 330 und Regierungsbezirk Sigmaringens Es gehörten. 1227 Ehepaare bet evangelischen, 343 bet katholischen, 35 der mosaischen Religion an. Ein Eh -aar zu den Mennoniten. ein Ehepaar zu den Baptisten und ein Ehepaar zu den Jrvingianern. 13 Ehepaare gehörten bet reformierten und 27 einer gemischten Religion an. 24 Ehepaare feierten ihr 60jähriges Jubiläum; 2 mit bet Zahl 65.
* Errichtung von SchÜlerbiichereien an ge- werbl. Fortbildungsschulen. Auf Anregung des Ministers für Handel und Gewerbe werden zur Zeit an den im Regierungsbezirk bestehenden
durch fein Eindringen in meine Tätigkeit mir zufügen kann, noch das Unrecht, das seine Zudringlichkeit möglicherweise dir persönlich zu- sügt. Hat er denn die Bermestenheit gehabt, dir sein« Liebe zu erUSren?"
„Das mußte er wohl tun, und ich kann dir nur sagen, daß es in der feinfühligsten Weise geschah."
„Und worauf zielt« er denn ab?"
„Aber, Papa, auf das einzig Mögliche! Er hat mich innig gebeten, seine Frau zu werden.«
„Du!" tief der Abgeordnete empört. „Cour- ciers Tochter, eines Aristokraten Weib werden?«
„Würdest du deine Zustimmung verweigern, Papa?"
„Es wär« höchst überflüssig, wenn ich mich an der Zerstörung dieser Luftschlösser beteiligte," versetzte Courcier mit Bitterkeit. „Du wirst schon sehen, was die Familie Tresorier dazu sagt! Gilbette Courtter als Schwiegertochter der Frau Baronin, einer Frau, die ihr Wappen auf jeden Wagenschlag malen läßt, einer Freundin der Mutter des Prätendenten, bet Vorsteherin bet Propaganda vom Orden des Heiligen Herzens! Laß dir das nicht träumen, mein armes Kind! Du wirst schon erfahren, was wir in den Augen dieser Leute sind! Für ihr Söhnchen, den jungen Baron, ist höchstens eine Prinzessin gut genug! Weißt du denn' nicht, daß dieser Tresotter seine anderthalb Millionen im Jahr einsteckt .redlich' verdient an der Börse, indem man andern das Fell Übei die Ohren zieht, das ehrlosest" Handwerk, das die Welt kennt! Und all das Sündengeld sollte- der Tochter eines Courtter in den Schoß fallen? Vor die Fuße würde ich's werfen, aber dieser Muh« werde ich enthoben fein ... es wird uns gat nicht angeboten werden." i
(Fortsetzung folgt.)