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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: „Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage."
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Tie „Oberheyliche Zeitung" erscheint täglich mit Ausnaüinc dec Sonn» und Feiertag«. — Der Bezugspreis beträgt vierteljährlich durch die Post bezogen 225 JL (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 ’Jt.
Marburg
Sonntag, 13. Februar 1910.
Die Jnsertionsgebühr beträgt für die "gespaltene Zeile oder -deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Aoh. Aug. Koch, Universitäts-Buchdruckerci Juhlcher Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 55.
45. Jahrg.
Erstes Blatt.
Die heutige Nummer umfaßt 3 Blätter.
Der erste Tag
>ei Wahlrechtsdebatte im preußischen Abge- «rbnetenhause — ein sogenannter „großer Tag" — stand vollständig unter dem Eindruck der grosszügigen und inhaltsreichen Rede des neuen Ministerpräsidenten. Die unqualiftzierbare Art, in der die Sozialdemokraten Herrn v. Bethmann empfingen, war offenbar darauf gerichtet, die Rede in ein anderes Fahrwasser zu lenken. Frei, lich ohne Erfolg! — Nebenbei sei bemerkt, daß die Pfuirufe der Genossen von der gesamten Presse auf das nachdrücklichste verurteilt werden. R u r das „Berliner Tageblatt" ist mit dem nationalliberalen Abg. Schiffer nicht zufrieden und meint, dessen Polemit gegen die Sozial- demokratte hätte er auf ein« bessere Gelegenheit verschieben können. Der „Vorwärts" spricht natürlich von einer Heldentat. — Herr v. Bethmann gilt ja längst in den Parlamenten als überlegener philosophischer Kopf, und er kann sich rühmen, auch das Ohr des Gegners zu haben. Ueber die Vorlage selbst sagte er wenig. Mit größter Sachlichkeit, die sich vorteilhaft abhob von der demagogenhasten Pbrasenhaftigkeit, mit der die Wahlrechtsfrage bislang von den meisten behandelt wurde, zeigt« er, worauf es bet der ganzen Reform ankomme. Aus dem Geiste des preußischen Staates heraus, seiner Eigenart, seiner Kulturkraft und seinen nie bezweifelten Leistunaen entwickelte er die Forderungen, die man billigerweise an ein Wahlrecht stellt, das berufen sein soll, Preußens Macht zu erhalten. Seine Ausführungen sind überzeugend, zumal sie sich nur auf die Grundlagen bezoaen und da» Detail offen ließen, wo dann freilich manche» geändert werden muß. Richt übel rechnete er ferner mit den Demagogen ab, die bei jeder Eeleasnheit ihr „Nest" beschmutzen und in der Herabsetzung ihres preußischen Vaterlandes sich nicht aenuq tun können. Die albernen Phrasen „reaktionär" usw. haben in der Tat nicht die geringste Berechtigung und mit Recht zeigte Herr o. Bethmann, welche Kulturleistungen Preußen In der Tat aufzuweisen hat und wie das „reaktionäre" preußische Parlament die Verstaat- lrcknng der Eisenbahnen fertig gebracht habe, was der „demokratische" Reichstag nie zugelassen haben würde.
Kritik muß sein und wird sein, aber leider ist der Byzantinismus nach unten heute so gewachsen, daß die Furcht, von den radikalsten Elementen im Schimpfen übertrumpft zu wer« den. auch bei sonst rußig denkenden Menschen zu weilen die tollsten Blüten treibt. Niemand wird dem anderen seinen gegnerischen Standpunkt und eine sachlich« Kritik verübeln wollen, die gehässige Form der Krittk, wie sie speziell in der Wahlrechtsfrage immer wieder geübt wird, verdiente die Zurechtweisung seitens des Ministerpräsidenten.
Die Erklärungen der einzelnen Parteiredner ließen sodann erkennen, daß die Vorlage in der vorgeschlagenen Form nicht auf Annahme rechnen darf, daß man aber bereit ist, an einer Lösung der Fraae positiv mitzuarbeiten. So hängen die Aussichten der Wählreform jetzt davon ab, ob es gelingen wird, in der Kommission die rechtsstehenden Parteien unter einen Hut zu bringen.
Einige Urteile der Presse über die Verhandlungen seien angeführt: - ■ '
„Hamburger Nachrichten": „Den Beweis der Reformbedürftigkeit des preußischen Wahlrechts hat Herr v. Bethmann Hollweg nicht erbracht, eher den Beweis des Gegenteils. Er hat nicht einmal versucht, die Notwendigkeit der Reform darzuleqen. Hätte er doch sonst das treffende Urteil der letzten Thronrede w derlegen müssen, das für das preußische Abgeordnetenhaus die höchste Anerkennung enthält, eine Anerkennung, die die Wertschätzung des preußischen Dreiklassenwahlsystems als eines das Staatswohl wahrenden und fördernden, durchaus bewähtten Wahlrechts einschließt!"
Die „Germania" meint: „Manches von dem, was der Ministerpräsident in feiner heuttgen Rede gesagt hat, war nicht nur interessant und lehrreich, sondern auch vollinhaltlich viel bedeutsamer, als die schöngeistigen Reden des Für. pen Bülow, aber manches ist auch anfechtbar. Was aber die Wahlrechtsvorlage für Preußen »nbetrifft. so konnte man aus der Rede des Ministerpräsidenten schließen, daß die Regierung ßch nicht auf alle Einzelheiten derselben fest- fegen will, sondern auch Verbesserungen zugäng- Nchsein wird, wenn dabei die „preußisch« Eigenart* gewahrt wird."
Die „Nationalzeitung" schreibt: „Besonders bei den Nationalliberalen hat der Ministerpräsident sehr enttäuscht. So viel man ihm auch zugeben mag, in seinem Bekenntnis zum konservativen Dogma vom Staate ist Herr von Bethmann Hollweg weiter gegangen, als es sich mit seinen vorgettagenen Lehren von der Unparteilichkeit der Regierung verträgt. Die Regierung hat erklären lassen, daß sie an der öffentlichen Stimmabgabe festzuhalten gesonnen sei. Wenn die Regierung durch Herrn von Bethmann Hollweg das letzte Wort in dieser Frage gesvrochen hat, in der die ganze Wahlrechtsvorlage sich konzentriert, so muß man in der Tat an ihrem Erfolg nicht nur zweifeln, sondern verzweifeln."
Die „Freisinnige Zeitung" findet kein unbedingtes Festhalten an der öffentlichen Wahl heraus: „Der Ministerpräsident versicherte, die Regierung hatte an der Oeffentlichkeit der Wahl fest. Ob unter allen Umständen oder nur vorläufig, darüber sagt er bezeichnenderweise nichts. Es ist also nicht ausgeschlossen, daß die Eventualität einttitt, die Herr von Bethmann Hollweg gleichfalls schon andeutete: daß di« Regierung sich unter gewissen Umständen von den unbedingten Vorzügen der geheimen Wahl überzeugen läßt."
„Berliner Tageblatt": „Herrn von Beth- manns Rede war ein einziger Protest gegen Neuerung und Fortschritt."
Der „Vorwärts" überschreibt seinen Artikel mit „Pfui!" Zum Schlüsse heißt es: „Die Arbeiterklasse verabscheut die Stagnation, sie verabscheut die Reattion, deren Vertreter Herr von Bethmann ist. Sie weiß — und seine heutige Rede vettieft diese Ueberzeugung aufs neue — daß sie in Herrn von Bethmann den scklimm- sten Feind jeder kulturellen Wetterentwickelung erblicken muß, und sie »heb nicht eher ruhen, bi» das System überwunden ist, das einen Beth. mann Hollweg als Ministerpräsidenten möglich macht."
Aus den Parlamenten.
Aus dem Reichstage.
Die gestrige Beratung des Militäretats stand ebenfalls noch unter dem Zeichen der Einzelfragen und Einzelwünsche, sodaß sie meist aus zahllosen kurzen Reden und Gegenreden bestand. Einen breiten Raum nahmen Mittelstandsfragen ein. die sich haupffächlich mit den Verhältnissen zwischen Handwerkern und Militärverwaltung beschäftigten. Auf konservattve Anregung war seiner Zeit die Behörde von Militärhandwerkern zu Zivilhandwerkern übergegangen. Jetzt verlangt eine natio- nalliberale Resolutton eine Aenderung dann, weil dadurch die Kosten sich gesteigett haben. Doch empfehlen fast alle Redner das bishenge Svstem. wenn auch mit einigen Aenderungen in der Aufsicht, bei- znbehalten. Auch die Sozialdemottatte entdeckte ihr handwerkerffeundliches Herz, konnte jedoch nicht umhin zu betonen, daß doch schließlich das Heer nicht dazu da sei. den Niedergang des Handwerks aufzubatten. Bei dem Titel Garnisons- und Serviswesen wurden für die Verlegung von Garnisonen in eine Reihe von Städten Wünsche laut, besonders wurde emvfohlen, dabei dir kleinen Landstädte zu berücksichttgen. Bon freisinniaer Seite wurde dann über Hätten bei der Handhabung der Konttolle gegenüber Reservemannschaften gellaat. jedoch konnte der Regierungsvettrtter die Grundlosigkeit der vorgebrachten Beschwerden nachweisen.
PreußischeS Abgeordnetenhaus.
Sitzung vom 11. Februar 1910.
Die erste Beratung der Wablrechtsvorlaae wird fottoeletzt. HauS und Tttbünen sind mit besetzt.
Abg. Herold (Ztr.): Die Vorlaae findet unseren Beifall nicht. DaS Reichstaaswahlrecht bewähtt sich gut; unter seiner Geltung wurden die sozial- pofittschen Gesetze, der Zolltattf und die Handelsverträge geschafien. Das Heer ist leistungsfähig, weil der Reichstag die Mittel bewilligte, welcher auch neue Einnahrneauellen zur Deckung bet wachsenden Ausgaben bewilligte. Wenn wir tot das gleiche Wahlrecht eintreten, liegt uns der Gedanke fern die Staatsautotttöt untergraben zu wollen. Umfturzbestrebungen können weniaer im Parlament bekämpft werden, sondern die sozialdemo- ttatische Gesinnung in der Bevölkerung muß hintangehalten werden. (Sehr richttg! rechts und im Zentrum). Wir treten für das geheime Wahlrecht nicht vom Patteiftandvuntt zus ein. sondern weil es der modernen Entwickelung enttvricht. Daß die Vorlage keine neue Waßlkreiseinteilung enthält, betrachten wir als einen Vorzug (Lacken links.) Die Verbesserungen des Enttvurses sind sehr gering und bestehen im wesentlichen in dem Ersatz des in- direften Wahlrechtes durch ein direktes, sowie in der Mattmieruna. Sehr bedauerlich ist. daß die Vorlaae nicht die geheime Wahl enthält, welche von weiten Bevölkerunassckichten seit lange ge- lordert wird. Sckwere Bedenken haben Wit geaen dte Bevor,ngunq der Beamten und Militäranwär- ter. wie wir überhaupt die fttiterien. welche für das Vluralwablreckt geltend sein sollen, für verfehlt batten. Die BeibehalMng der Drftteluna in den Sttmmbezitten bewachten wir als einen Vor- zua. 5sn der Kommission werden wir vettuchen, Verbesserunaen an der Vorlage hetbeizuführen. (Bettall im Zentrum.)
Minister des Fnnern von Moltke: Nachdem der Miniterpraiwent den Sftmdpuntt über de Frage
der geheimen Wahl eingehend darqelegt hat, gehe ich hierauf nicht ein. Die Gründe, welche früher gegen die Einführung der direften Wahl geltend gemacht wurden, liegen heute nicht mehr vor; die indirette Wahl beeinträchtigt die polittsche Betättg- ung. Das Wahlverfahren ist hierbei höchst umständlich. Der Abgeordnete Träaer bemängelte, daß durch die Mattmierung mir 1300 Wähler bettoffen werden. Er ließ dabei den indireften Ein- fiuß außer Acht, welcher in das Aufrücken der minderbesteuerten Wähler besteht. Man erbfickt in der Abstufung eine ungerechtfertigte Benachteiligung der Erwerbsstände und eine große Berücksichtigung des Beamtentums sowie eine Begünstigung der Leute mit dem Zivilvettorarmasschein. Das ist eine unmttesfende Beurteilung der ganzen Vorlage. Letztere sind Leute, welche eine lange Reihe von Fahren etwas leisteten. (Lacken links. Beifall reckts.) Dasselbe gilt von den Männern in dem Ehrendienst. Geaen unsere Vorschläge wird viel einqewendet (Heiterkeit), aber es ist nicht wünschenswett. daß aus der dritten Abteilung Intelligenz und Verständnis für das öffentliche Leben ganz enttchwinden. Mr wollen den Arbeiterstand nickt in der dritten Abteilung isolieren und die Arbeiter nickt als mindetwerttge Wähler abstempeln. Alle Ahteilunaen sind untereinander gleich und gleich aut. (Gelächter links, Zustimmung rechts.) Aus diesen und anderen praktischen Gründen Warne ich überhaupt, bei den Unterscheidungsmettmalen zu weit zu gehen. Wer wie wir die materielle Leistung für das Staatsleben unter Berücksichtigung des realen Besitzes als Grundlage für die Abteilunasbildnnq erhalten will, muß eine reichere Gliederung der Gruppen hier Vorleben. In der Kommission wird sich hoffentlich in eingebenden Erötterungen das Richttge finden lassen.
Abg. Frhr. v. Zedlitz (freikonf.): Durch die Welt geht eine starke demokratische Strömung, zum Teil ein direkter antimonarchischer Zug In Preußen wuchs er namentlich unter dem Einfluß des Reichs- tagswablrechts. Diese Sttömung erblickte in dem preußischen monarchischen Charatter des Staates das schwerste Hindernis seines Zieles. Dieses Hindernis soll durch die Demokratisierung des Wahlrechts überwunden werden. Der preußische Staat wird jetzt innerhalb und außerhalb des Hauses venmgNmpst, wie es ähnfich von den Angehörigen eines Staates noch nicht vorgekommen ist (Sehr richtig! rechts.) Trotz jener Angriffe gilt Bülows Wort: .Preußen in Deutschland voran?" Mancher Mangel ist in Preußen an der Spitze bet Kultnrentwicklung. (Sehr richtig! rechts. Zustim- mung: Widettpnich links.) Die Behauptung, daß das preußische Wahlrecht einer Reinert Zahl Großgrundbesitzer einen überwiegenden Einfluß auf die VerwalMng der Regierung gibt, ist außerordentlich übettrieben. Wenn die Mehrheit des Hauses, früher linksliberal war. jetzt konservativ ist. fo brachte die zunehmende konservattve Sttömung es dahin. Die Großgrundbesitzer sind die Vettrauens- männet der Bevölkerung. Diese Entwickelung vollzog sich nicht unter dem Sckutz der Regierung. Wenn nun eine große Pattei über ein Drittel des Hauses verfügt, muß sie einen Einfluß auf die Regierung haben, besonders, wenn sie von einem so Willensstärken Mann geleitet wird, wie gegenwät- tta die konservattve Pattei. (Große Heiterkeit). Ein Uebelstand allerdings wäre es, wenn dieser Einfluß fo statt würde, daß man mit Wahrheit sprechen könnte vom — ungekrönten König. Das wäre verhängnisvoll. Der Ministerpräsident erflätte, daß die Reaieruna unabhängig von den Parteien dem Staatsinteresse bienen wolle, diese Anschauung muß auch in die Tat umgesetzt werden. Der Abgeordnete Träger nannte das gleiche Wahlrecht die Förderung der Gerechfigkeft. Dattn liegt aber keine Bereckttaung. toenn man die Entscheidung über Lebensftaaen der Natton in die Hand der Massen legt. Das ist keine Verminst, sondern Unvernunft. (Sebr ttcktta! rechts.) Die Mattmierung wird eine starke Verschiebung bet WahlrechtSver- bälttttsse zur Folge haben und vielfach zu einer Demokratisierung bet Urwablbezirke führen. Zugunsten des Mittelstandes werden wir beantragen, daß selbständige Gewerbestände, welche über 1800 J< Einkommen haben. In die zweite Klasse kommen. Die Arbeitettnteressen wollen wir nickt anders behandelt wissen als die der übttaen Stände. Daß die Leisttinaen im öffentlichen Menst zu einer höheren Klasse berechtigen, baffen wir für gerechtfertigt. Die Mehrheit meiner Freunde entschied sich für die öffentliche Stimmabgabe. Einen Entwurf mit geheimer Stimmabgabe würde das Herrenhaus ab« lehnen. Entweder kommt die Sache mit der öffent- lick-m Sttmmabaabe zustande oder garnicht. Wir müssen zu einer Reform gelangen, welche da« Wahlrecht fest fimdamenttett und bas preußische Staatswesen schützt. (Lebhaftes Bravo! rechts.)
Abg. Ströbel (Soz.): Die Wahlrechtsvorlage bedeutet eine ungeheure Provokation der arbeitenden Bevölkerung. Das Reickstagswablrecht ist allein ttchtta und muß faaar auf die Frauen ausgedehnt werden. Die Masse wird ungeheuerlich bedrückt wie auch der Mittelstand. Daß aus der Kommifston Brauchbares herauskommt dafür for- gen wir durch die Erregung des BolksfMrmes. (Lacken reckts.) Die Krone bettacktet das Volk mit feinbfefiaem Mißtrauen. Vizepräsident Dr. Kraule ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung. Sttöbel fottfahrend: Gegenüber dem Gesetzenttvutt sagen wir: .Fott mft dem im« famen. niederträchtigen Wahlsystem! Fott mit dieser hundsföttischen Vorlage?" Vizepräsident Dr. Äraufe ruft den Redner wiederum zur Ordnung. Kottantv (Pole): Es ist bedauerlich daß der Ministerpräsident vettucktte das R-ickstagswahlrechi öffentlich Herabzusetzen. Vizepräsident Pottck: AuS den Worten des Ministervräsidenten war dies nicht w entnehmen. Kottantv (fottfahrend): Ich sagte nickt, daß er eS bewußt sagte, vielleicht sagte er eS unbewußt. (Heiterkeit.) Da« DrttflassenwaHl- recht ist eine Karttkotur des wittllchen Wahlrechts. Auch die neue Vorlage bedeutete eine Entrechtung
der ärmeren Klaffen. Wir hören nicht auf w kämpfen, bis wir das Reickstagswahlrecht für Preußen erlangen. — Hieraus wurde die Weiter- beratung auf Morgen 11 Uhr vertagt.
Marburg und Umgegend.
(Rachdruck aller Ottginalattikel ist gemäß § 18 bat Urheberrechts nur mit der deutlichen Quellenangabe .Oberheff. Ztg." gestattet.)
Marburg, 12. Febr.
* Universität Das Vorlesung? - VerzeickniS filr das Sommer Semester 1910 ist erschienen und kann vom Universitäts-Sekretariat sowie durch den Buchhandel bezogen werden.
* Der 14. Februar ist der Sankt Valentinstag, der besonders in England und Amerika volkstümlich gefeiett wird. Alles was Valenttn und Va lenttne heißt, gehött an ihm zusammen, sofern sie das Los oder der Zufall zu Paaren stempelt. Diese Sitte der Valentinspaare stammt ans dem römischen Altettum, in England und Schottland ist sie seit Jahrhundetten bekannt und von hier aus später in Amerika eingefühtt worden. Scherze, Neckereien und Geschenke sind mit'dem Vielliebchen verbunden.
* Die Meininger Konzerte beginnen heute Abend 8 Uhr mit dem 9. Abonnementskonzert des Marburger Konzett Vereins. Morgen, Sonntag, y212 Uhr findet in der Universitäts-Aula die Kam- mermustk Matinee statt und nachmittags U5 Uhr das populäre Symphonie Konzett, zu welchem die Stehplätze nur 1 Ji kosten. Es sind noch genügend Starten zu haben, jedoch Sonntags mir an der Saalkasse.
)( Berichtigung. Zn unserer gesftigen Rottz muß es heißen, daß Herrn Prof. Dr. Visitor die Genehmigung zur Anlegung des Ritterkreuzes des Kgl. schwedischen Rordsternordens erteilt wurde.
)( Schwerverletzt wurde ht einem Hanse tot Südviettel beim Hantieren mit einer Schußwaffe ein junger Mann.
* Dreihausen, 11. Febr. Dem Kirchenälteste« und Kirchenkaffenmeister Landwitt Johannes WU- helm wurde das Allgem. Ehrenzeichen verliehen.
Herzhausen, 11. Febr. Ueber die Dimensionen der Eddettalsperre geben folgende Zahlen AuS- kunst: Niederschlaggebiet 1430 Quadratkilometer; Stauinhalt 202 Millionen Kubikmeter; Länge des Staues 25 Meter, überstaute Fläche 1100 Hektar; Mauerhöhe 48,6 Meter, Länge der Mauer: a) in der Krone 400 Meter, b) in der Sohle 270 Meter; Breite der Mauerkrone: 5 Meter; Breite ber Mauersohle: 34 Meter, Mauerwerksmaffe: 286 000 Kubikmeter. Berührt werden 5 preußische (Kirchlotheim. Herzhausen, Vöhl. Hattshausen, Asel) und 5 waldeckische (Bringhausen, RiederWerbe, Berich, Waldeck, Hemfutt) Gemeinden, von den vollständig verschwinden werden Asel, Bringhausen und Bettch tinb zum Teil Herzhausen und Rieder- Werbe; im ganzen 140 Gehöfte mit 900 Einwohnern. . Die anderen Gemeinden verlieren nur Grundstücke. i
*-?- Gemünden, 10. Febr. , Für die Herstellung ber Arbeiten zu Los V ber Eisenbahnstrecke Zimmersrode—Gemünden wurden folgende Gebote abgegeben Chttst (Mülheim) 450 748.15 Jl. Kallenbach (Hamm) 433 461.00 Jt, ©ehr. West (Elberfeld) 367 826,10 Jl, Böttner u. Co. (Dortmund) 363 281.65 Jl, Carl Brandt (Düsseldorf)' 434 504 60 Jl, Mai u. Co. (Elberfeld) 383 153,80 Jl, Riedermayer u. Götz (Stettin) 514227,00 Jl,' «rnhold Möller (Frankfurt) 427 761.91 Jl, Reis u. Gröll (Koblenz) 380 501.00 Jl .Pauli u. Bloch (Lixfeld) 477124.60 Jl. F. Lunge (Hörde i. Wests.)' 386 697,50 Jl, I. Kopf 394 664,30 Jl, Dickerhof ttj Wittmann (Biebrich) 407486 90 Jl, A. W. u. In-, lius »Wer (Cölbe) 393172,80 Jl, I. K. Müller (Schmalkalden) 446 952,20 Jl, Knöchel (Halle a. d. Saale) 439 924,75 Jl.
Erndtebrück, 11. Febr. Die Königliche Regierung bewilligte für bett Reubau der hiesigen Kirche einen Betrag von 6000 Jl.
Hessen-Nassau und Nachbargebiete.
Gießen, 11. Febr. Der „Gießener Anzeiger" schreibt unter ber sehr richtigen Stichmatte .Gefährliche Scherze', solgenbes: Am Fastnacht-Dienstag flog einem Herrn eine Knallerbse unmittelbar an bas Ohr und explodiette. Der Gttroffene mußte sich in ärztliche Behandlung begeben und. ber Arzt stellte fest, baß das Trommelfell geplatzt ist. Einer Dame flog in einem Lokal eine Knall-, erbfe auf die Ader des äußeren Handgelenks. Im Ru schwoll das Gelenk an und ber Familie war. durch den dummen Scherz das »ergnügen verdorben, denn Mann, Frau utfb Tochter mußten sich nach Hause begeben. ES wäre ganz ht der O*