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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain

tmb den Beilagen:Nach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) undLandwirtschaftliche Beilage.

Ai 36

DieOberhenirche Leitung erscheint täglich mit Ausnahme ier Sonn- und Feiertage. Der Bezugspreis beträgt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 26 Jl (ohne Bestellgeld), bei unseren Zeitungsstcllen und der Expedition (Markt 21), 2

Marburg

Sonnabend, 12. Febrnar 1910.

Die JnsertionSgebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile oder deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Lug. Koch, UniversttätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. T. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

45. Jahrg

Der heutigen Nummer liegt bei Kreisblatt Nr. 12.

Ministerpräsident von Hollweg zur Wahlreform.

Ministerpräsident von Bethmann Hollweg führte «estcrn im Abgeordnetenhause zur Wahlreformvor- fege folgendes aus:

Mit ihrer Uebereinstimmung sollen nach der Ankündigung der Thronrede vom 20.10.1908 durch das Ihnen voraelegte Wahlgesetz das Wahlrecht : zum Hanse der Abgeordneten auf den auf der Ver- fassunq beruhenden Grundlagen organisch .fortgebildet cherden. Ebenso wie damals lehnt eS auch heute die Regierung ab, diese Grund- ; lagen zu verlasse». Die Staatsregierung hat den Entwurf eingebracht, keiner Partei zuliebe oder zu- 1 leide. (Sachen links, lärmetide .Zurufe der Sozial- ' dcmokraten.) Suelft nach Popularität wird keinen Srtzritt der Regierung bestimmen. (Lachen links.) Man bat zwischen der Thronrede und der Ueber- . zcugung der Staatsregierung, ja der des Königs ' selbst einen Widerspruch festzustellen gesucht Da- r»u ist kein Wort wahr. Was die Thronrede an« , kündigt, ist die Willensmeinung Seiner Majestät des Königs, und für diese Willensmeinung tritt die kSnigliche Staatsregierung mit ihrer vollen Verantwortung ein. Daß die Sozialdemokrtaie das DreMassenwablrecht und jede nicht mindestens , aus das Reichstagswahlrecht binauskommende Re» ! form in Gründ und Boden verdammt, das ist nicht verwunderlich. Sie hoffen, mit einem Wahlrecht i auf breitester demokratischer Grundlage das Staatsgefüqe Preußens zu lockern. (Sehr richtig' : rechts), »nd erblicken darin eine Etappe auf ihrem Wege zur allmählichen Unterminierung des mon­archischen Staates. (Sehr richttg! rechts; Unruhe und Rufe bei den Sozialdemokraten: Auf dem Wege der Vernunft!) Auf dem Wege werden wir den Herren nicht folgen. (Aba. Borgmann: Sie werden schon müssen! Gegenrufe rechts: Ruhe!) Und darum bleibt jede Agitation und jeder Zwi- schenruf, der von Ihnen erfolgt, auf die Entschlüsse der Staatsregierung völlig wirkungslos. (Abg. Borgmann: Abwarten! Sie werden schon lernen! Gegenrufe rechts: Ruhe!) Vizepräsident Dr. Porsch: Ich bitte um Ruhe! Ein Vertreter Ihrer Partei wird dann das Wort erhalten. Ick muß aber verlangen, daß Sie auch dieienige Ordnung respektieren die Sie für sich wünschen. (Lebhafter Beifall rechts, stürmische Rufe rechts: Zur Ord- ming rufen!) Die Geschäftsordnung gibt leider kein Mittel an die Hand, um gegen derartiges Be­nehmen vorzugehen. (Stürmische Rufe rechts: Raus! Die Leute sollen erst anständiges Betragen lernen!) Das Zentrum wird kaum an Sitzen ver­lieren, gleichgülttg, ob nach dem Reichstagswahl- reckit oder nach dem Dreiklassenwahlrecht refor­miert wird: höchstens würden die Persönlichkeiten wechseln. Und der Freisinn kein Mensch wird den Herren vorwerfen, daß hinter ihren Wünschen eigennützige Bestrebungen sieben. Die LandtagS- .wablstattftik ist vielfach anaegriften worden. Aber es ist auch vielfach der Aufmerksamkeit entgangen: 1 heute verdankt von den Herren, die die Freisinnige .Vereinigung ausmachen, nur ein einziger seinen Sitz einer Majorität auch in der dritten Wähler­klasse. also derjenigen Wäülerkasse, der man angeb- ich mit dem Reichstagswablrecht zum Siege ver­helfen will und die die entrechteten Volksmassen enthalten soll. In dem RennenumdieGunst der Massen werden Sie (zu den Freisinnigen) hinter der Sozialdemokratte immer um mehrere Mcrdekänaen zurückblicken. (Zustimmung rechts.) Sie würden zwar die Demokratisierung des preu­ßischen Staates, die Schwächuna der Konservatt- vcn erreichen und damit Ihre Wünsche erfüllen, aber lachender Erbe wäre ein dritter. (Sehr rich-

28 (Nachdruck verboten.)

Die Tochter des Abgeordneten.

Von Georges Ohnet.

(Fortsetzung.)

Wenn nur dein Bruder da wäre," tief et, da könnte er sich überzeugen, daß doch etwas vom Sozialismus an mit hängen geblieben ist!"

Du bist gut und großmütig, alle», was ich aus deinem Munde höre, tut meinem Herzen wohl . . . aber es ist schon spät . . . mein Vater kann jeden Augenblick heirnkornrnen, und ich möchte nicht, daß er dich hier träfe. ... Wenn deins Mutter mich wirklich zu sehen wünscht, wie soll ich's anstellen, mit ihr zusammenzu- 'trefsen?"

Wäre dir's peinlich, morgen im Lause des Tages in Begleitung deiner alte» Rosalie sie ganz einfach zu besuchen?"

'Bänglich wohl, peinlich nicht!"

Dann werde ich dich ÜFnmelben, und die Mama wird dich erwarten. Wenn'» möglich ist, so schiebe die Auseinandersetzung mit deinem Vater noch hinaus bis morgen abend, damit du am Tag über deine volle Kraft und Geiste«- freiheit verfügst."

Machst du dir Sorgen um den Eindruck, den »ch Hervorrufen werde?"

Nicht die geringste, wenn du ganz du selbst, (»befangen und nicht gedrückt bist! Dann wer« in dir überall die Herzen entgegen fliegen."

Wird dein Vater zugegen fein?d

1Nein, er ist tagsüber nie z« Haufe." 2

Und du?"

tig!) rechts.) Sie sind der Ansicht, daß der nackten Zahl und damit der großen Masse der polittsche Einfluß ausgeliefert werden muß, damit sich Preu­ßen glücklich entwickele. Ich bin der Ueberzeuguna, daß die nackte Zahl zwar der beguemste, aber nicht der alleinige Gradmesser für die politischen Rechte einer Nattott ist. Sie halten mit theoretischer Zähigkeit an einer übereinkommenen Forderung fest, unbekümmert um alle Erfahrungen, welche mit dem gleichen Wahlrecht gemocht worden sind und gemacht werden. Ich werde mich in eine theoretische Diskussion über die Vorzüge und Nach­teile des abgestt'.fteu Wahlrechts nicht einlassen. Mr würde» niemals zu prakttschen Ergebnissen hierin kommen. Es ist ja möglich, daß die radika­len Wünsche auf gewisse Kreise abgefärbt haben. Die Suagestionskraft ist im Zeitalter der Zeitungen groß. (Heiterkeit rechts. Unruhe links.) Kein Un­befangener sollte leugnen, daß die Wahlrechtsfrage auch für den gemäßigten Liberalismus zu einer sehr ernsten Frage geworden ist. Mir scheint viel­mehr, daß die Wahlrechtsfrage allmählich die For­mel geworden ist, in der alles, was an polittscher Unzufriedenheit und polittscher Mißstimmung be­steht, möge es mit dem Wahlrecht zusammenhän­gen oder nicht, zufammenoefaßt ist. (Sehr richttg! rechts. Zurufe bei den Sozialdemokraten: Mtt Reckt!) Und dann wird mich die erstrebte Reform als der Puntt hingestellt, um den sich alles dreht, und damit wird auch die erstrebte Reform als der Punft dargestellt, in dem alle Leiden titriert wer­de» könne». Der Engländer schützt den Englän­der nicht danach ein, ob er politisch oder religiös ebenso denft wie er. Bei uns sind wir noch nicht soweit. Bei uns heißt es noch beute, der denft an­ders wie ich. also steht er eine Stufe tie­fer. Daher kommt es daß unsere politischen Zu­stände von einem Geftibl der Bitterkeit erfüllt sind, das tiefer steckt als die Realität in volittfcher Hin­sicht. Nu» gibt es beim Dreiklassenwablreckt Dinoe. die als Mißstände empfunden werden und Mißstände sind, und man erwartet von einer robb titien Reform dieses Wahlrechts den Wandel aller Dinae. Das ist die Täuschung: es möchte sich hö­ren lassen, wenn es möglich wäre, die volitiscken Kräfte der Nation rein Ziffernmäßig genau aeaen- einander abzuwerten und dann die Derhöltnisse im Parlament znsammenzufassen. Aber das sind Theorien, untz wichtiger als die Theorie fcheint mir doch die Praris. Das ist zunächst unrichtig, daß das preußische Wablfpstem auf agrarische und feudale Verhäittiisse zuaefcknitten ist (Sehr richtig! rechts > Wie ist es denn in Wirklichkeit gewesen? Das Abaeordnetenbaus ist von fortschrittlichen zu nationalliberalen und von nattonattiberalen zu fonferhatiben Majoritäten gekommen. Dafür tft nicht die Form des Wablfpstems. fondern dafür ist die Stellung hefttmmend gewesen die die Parteien zu den aktuell-» politischen Problemen eingenom­men baden (Beifall rechts.) Es ist so sehr Sftte geworden. Preußen, als das Land der finsiersten Reaktion binzustellen (Lärm bei den Sotialdemo- kraten tmb Zurufe: Das tft be Wahrheit! Wider­spruch rechts ), daß ich mich schon im voraus aus die Kritik freue, die mir von denen zuteil werden wird, von denen diele Behaupttma mifaeftellt ioird. Ich ftirchfe sie aber nicht. Es ist notwen­dig. einer Farce, die immer wieder als ein Ge- fvenst aus vorrnärtlicker Zeft bervorkommt und schließlich im In- und Auslande als ein lebendiges Wesen onoefeben wird einmal ins Gesicht nt seben. (Sehr aut! rechts) Nicht um einen Lobes- bvmnus auf die preußischen Zustände anmstim- men. das wäre genau so abgeschmackt, wie das Hänfen von Schimpf und Schande, da? Beschmu­tzen des eigenen NesteS abaeMmtrnff und unwür­dig ist. (Lebhafter Beifall rechts. Gelächter links.) Kein Menfch kann der preußischen Einkmnmen- steuer und Vermögenssteuer vorwerfen, daß sie die Reichen zugunsten der Armen bevorzugt. Ich habe nicht geftmden. daß die Masse des preußischen Vol­ke? gerade unter dieser preußischen Staatssteuer- gesetzaebung seufzt. Dagegen wird gerade die ReichS-Steueraefetzaebuna als agrarisch aebrand-

Jch halte e» für passender, wenn ich nicht zum Vorschein komme ... ich will dich allein lassen mit der Mama, du wirst ja selbst sehen, welch seltene, entzückende Frau im in ihr findest . . . auch eine noch schöne Frau, obwohl ihr großer Junge sie älter erscheinen läßt. Vor allem aber ist ihr Wesen voll Anmut, voll Wohl­wollen ... ich bin überzeugt, du wirst sie Herz- lich lieb gewinnen, und sie dich erst!"

Gilberte wies lächelnd nach der Wanduhr.

Mein Herr, es ist hohe Zeit zum Rückzug!" Freilich! Wenn du mich nicht fortschicktest, blieb' ich bi» zum Abend da; in deiner Nahe hab' ich gar kein Gefühl dafür, daß die Zeit ver­geht.' Ach, wenn ich einmal immer bei dir fein darf, Gilberte, dich nie mehr verlassen muß? Dies« Vorstellung ist so beseligend, daß ich fast zweifle, ob sie sich verwirklichen kann!"

Schon kleinmütig?"

Au, Uebermaß der Sehnsucht!"

Kleingläubiger und vor allem ungehvr- famer Mann, e» muß geschieden fein!"

Ich feh's ja ein und kann mich doch nicht losreiße» . . . wenn ich nun ging« und hinfort diese Tür verschlossen fände, dich nicht mehr Wiedersehen sollt«? Mir drückt'» da» Herz zu­sammen wie im Vorgefühl kommenden Un­glücks." .

Sie sah ihn ruhig und offen an.

Und roürbeft du mich vergessen, w-un wir un» nicht mehr sehen sollten?"

Rein, Gilberte, aber ich wäre tief unglück­lich."

»Ich auch, un-l-cklich «m deinch- Miß M

warft, die wir in dem auf Grund des allgemeinen, gleichen, direften und geheimen Wahlrechts ge­wählten Reichstag beschlossen haben. Ich wüßte nicht, daß die Verstaatlichung der Eisenbahnen, diese für unsere aesaw . Finanzgebabrung grund­legende Maßregel, unsozial wär- Natürlich, die Sozialdemokraten verlangen sek»" Ad mehr^ (Zu­rufe der Soziademokraten: SnaiiHnnäTe*' n 9« her wer sich genauer umsteht wird finden, daß viele sehr gut geleitete Privatbetriebe in der Nachbar­schaft der Staatsbetriebe gar nicht in der Lage sind, den Arbeitern die gleiche Lebenshaltung zu ge­währleisten. wie die staatlichen. (Sehr richtig! rechts ) Ich muß noch einen weiteren bevorstehen­den Zug der preußischen Gesetzgebung anführen, den Ausbau der Selbstverwaltung im weitesten Sinne des Wortes. Der Schwervuntt der wirt­schaftlichen und kulturellen Entwicklung des Lan­des liegt in der Tätigkeit der Kommunalverbände, der engeren und der weiteren, der Gemeinden, Kreise und Provinzen und der Genossenschaften jeglicher Art. ftrrz in der Bildung aller Verbände, die dem Staatsorganismus eingegliedert sind, und die doch das Wohl und Wehe des einzelnen Staatsbürgers richtig zu beurteilen die nächsten sind. Daran sollte man doch erinnern, wenn man über die preußischen Zustände als reaktionär und rückständig spricht. Die Kulturarbeit, welche die preußischen Kommunen geleistet haben und leisten, braucht sich Preußen weder vor dem Inlands noch vor dem Auslande zu schämen. (Lebhafter Beifall rechts.) Eine solche Gesetzaebung aber, die diesen Gedanken verfolqt, die damit nur ausaebaut bat, wozu Stein und Hardenberg den Grund legten, kann man nicht reaktionär nennen. Ich glaube nicht, daß der gemäßigte Liberalismus die preu­ßische Gesetzgebung für so rückschrittlich bält. Ich glaube auch nicht, daß der gemäßigte Liberalis­mus der konservativen Partei im ganzen absolut rückschrittliche Tendenzen zuspricht. Was die Her­ren meinen, das ist das: sie behaupten, daß die Re­gierung in der Verwaltung und in der Anwen­dung der Gesetze die Konservativen etnfeitia be­vorrechte. daß sie einseitig konservative Anschau­ungen vertrete und daß sie das tue oder tuen müsse unter dem Drucke der mit dem Dreiftassenwahl- recht übermächtig gewordenen konservativen Par­tei. (Lebhafte Zustimmuna links ) Wir werden uns schon noch sprechen! (Heiterkeit.) Darum soll also das Wahlrecht geändert werden! Das führt mich zu der Stellung der Regierung zu den Par­teien. Ich habe böse Dinge darüber zu hören be­kommen. daß ich im Reichstag gesagt habe, wir könnten in Deutschland keine Parteiregierung ha­ben. Widerlegt hat mich niemand und kann auch niemand. Eine Partei, die es beanspruchte oder die es auch nur versuchte, eine Regierung in ihren Bann zu zwinaen, würde der Totengräber Preu­ßens sein. (Sehr richtig!) Preußenläßtsich nicht in das Fahrwasser deS Parla­mentarismus verschleppen, solange die Macht seines Köniatums unge* b r o ch e n i st. (Beifall rechts.) An der Macht die­ses Köniastums, dessen stolze Tradition es ist. ein Königstum für alle zu sein, wird nickt berührt werden. (Beifall rechts.) Auch die konservative Partei will und muß ihre Unabhängiakeit und ihre Selbständigkeit gegenüber der Regiening wghren. (Lachen und Rufe links: Umgekehrt.) Je mehr Sie (zu den Konservativen) Ihre Stärke allein auf die eiaene Kraft und die Ueberiettauna ihrer Ange- böriaen begründen, um so besser wird es nicht nut für die Regierung und den Staat fondern auch für Sie selbst sein, eine um so stärkere Stütze Preu­ßens werden Sie damit werden. (Beifall rechts.) Sie von der liberalen Seile behaupten vielfach, daß die politischen Beamten und in Sonderheit die Landräte nicht nur die Konservativen unterstützen, bei den Wahlen Jbttett Handlangerdienste leisten, sondern daß sie auch eine freie Wablentfaltung verhindern. (Erneute lebhafte Zustimmung links.) Der Beamte ist ein Diener des Staates. (Zuruf bei den Liberalen: Sollte er sein! Zurus bei den Sozialdemokraten: Ein Diener der Junker. Un«

meinetwillen. Vielleicht, wenn ich allein litte, könnt' ich mich drein ergeben, aber wenn ich dich ebenso unglücklich um meinetwillen, glaube mir. da würde ich allem trotzen können, um unser Leid zu wenden. Wirf allen Zweifel von dir ... wenn du mich wahrhaft liebst, wird nichts uns zu scheide» vermögen als unser eige- net freier Wille."

Und so liebe ich dich."

Dann auf Wiedersehen."

Sie drückten sich lange und innig die Hände, und es war, als ob in dieser Berührung der bebenben Finger die Hetzen selbst ineinander übergingen.

8. Kapitel.

Gilbert« und Heinrich hatten gewähnt, den Ausbruch des über ihren Häuptern hängenden Gewitters bi» zum übernächsten Tag, bis nach Gilberte» Besuch in der Preßburdstrahe Hin­halten zu können, es brach aber völlig unvorher­gesehen noch am selben Tag über sie herein. Als Eourcier aus der Kammer nach Haus« kam. ver- riet schon sein heftiger, dröhnender Schritt, da, Ungestüm, womit er Tüten auftitz und zuschlug, dem jungen Mädchen, daß et sich in außerge­wöhnlicher Gemütsverfassung befinden müsse. Et stürmte in sein Arbeitszimmer, mußte aber sein« Drucksachen und Papiere nur rasch auf de» Tisch gewogen haben, denn im nächsten Augen­blick schon verlietz er e» wieder und kam in» Wlchn-tmm«. Von einer Begrüßung feine Spur. Mit dem Rücken gegen de» Kami» lehnend, begann er in tragische» Ton:Schöne Geschichten, Me H heute haHe erfahre« Müsse«,

ruhe rechts.) Vizepräsident Dr. Porsch: Ich bttft wirftich, keine Zwischenrufe zu machen. Minister- Präsident v. Bethmann-Hollweg: Der Beamte tfi ein Diener des Staates und nicht Diener eteet Partei. (Stürmischer Widerspruch links, vielfacht Zurufe: So sollte es sein!) Wie bie politischen Be­amten die Negierungspolitik zu vertreten habe«, gegenüber allen Parteien zu vertreten haben. I« rüber bestehen feste und allgemein bekannte Grund­sätze. Ich sage: wo ein solcher Mißbrauch stgtl- ftndeu sollte, mißbillige ich ihn auf das ensschie» denste (Lautes Lachen links.) Lachen Sie nicht immer. Wenn Sie nichts Besseres dagegen etnw wenden haben, dann schweigen Sie lieber. (Lärm links. Zustimmung rechts.) Also ich sage, ich ver­urteile ebensogut jeden Mißbrauch, wie ich jedl Schikane verurteile. Alles das sind Neinlich« Maßregeln, die weder für den Staat, noch für de« Beamten, noch für die Partei würdig sind, für bk fit geleistet werben. Aber bagegen protestiere ich, daß man unserem politischen Beamtentum, itufere« Lanbräten in ihrer Allgemeinheit ober auch nur hl einem iraendwie nennenswerten Umfang bie Ten­denzen in ihrer Amtsführung anbichte, von bene» ick soeben gesprochen habe. Ausnahmen, bie über­all Vorkommen, bet Allgemeinheit zur Last zu le­gen unb von Gebräuchen unb Mißbräuchen ein­zelner auf ben Geist zu schließen ber in bet Ver­waltung herrscht. (Lebhafter Beifall reckfs) Ma» sagt, bas preußische Beamtentum sei verknöckert. Der Geist eines Beamtentums wie bas preußische ist nickt willkürlich, nicht zufällig. Er ist ae^o^en unb geworben mit ber Geschichte, mit ber Entwick­lung bes Staates, bei ber, was mott beute so gern vergißt, bas Beamtentum wirftich keine nnwsir« biae Rolle gewieft hat. Die aame G-fckickte bet Entwicklnna Preußens ist «in Zeichen dafür. Da? hat feinet Art ben ftrenaen unb vielfach barschen Charakter aegeben. burch den es bas Errnnaene behauptet hat. Wenn Sie bas konfervatip nennen wollen aber Preußen ist daiu^D ®ftaat ae- worben. (Beifall rechts) Der f**i . ^< ttale

Oraanismus Preußens, ben wi erh. .tet< ' llen. kann nur erhalten werden, wenn er von einem freien unb vontrteifslofen Meiste erfüllt ist (Lachen links.) hohe diese Ausführungen aemackt nickst um brr preußischen Verwaftuna eine Lohrede ,u halfen, ich habe dabei auch auf Mänael und Fehler binaewiefen. bie »u ihrem Teile fchittd sind an dem Mißmitt. der weite Kreise bes Volkes erfüllt (Sehr ricktig!) Dieser Unmut greift viel weiter tmb an« berSwo bin. als wohin Sie meinen, bie Sie mit febr richtig" zuriefen. Hinter diesem aanren Un­mut steckt bas unbehagliche Gefühl baß wir nach dem A'tsschwuna. den wir aettowmett haben un? kulturell in einer Periode ber Staonation befin­den. (Sehr ridttia!) Lassen Sie mich nur «wes Punfte herausareisen. Die Sorge darum, ob wir mit der höheren wissenschaftlichen Erziehung und Bilbnnq unserer Iuaend noch aus dem rfthtiaen Wege sind, erfüllt weite Kreise unteres Volkes mit eBforgnis. Mr werden uns der Löfnna diese? Ertiebunasproblems a«f die Däner pickt entstehen können. Und auf reliaiöfem Gebiet. Ich will nickst von Konfefsionen sprechen, es lieat mir auch fern, iraendwelche religiösen oder ftrcklichen Ueberieng« ungen anzufasten pder aar verletzen nt wollen, aber die tiefe reftajöse Beweauna die seit Jahren die weiten Sckicknen unseres Volkes bnrcktieht. ailtt tntr das Reckst baut, zu tonen daß der Drang nach innerlich vertteftem reliaiöfen Leben, der immer ein Grundpfeiler deutschen Wesens aewe- sen ist. hoffentlich für alle Znkunst bleiben wirb, nicht mehr überall borhonben ist Ich bin ahge- schweift. Aber man muß auf alle diele Quellen zurückaeben. um zu erkennen, weshalb biefe Miß- fthnmuna, von ber ich fprach in unserem Volke porbanben ist unb diese Mißstimmnna Perfangt mich ehte Reform des preußischen Wahlrechts Man wieat sich in der Hofsnuna. daß darin der Anfang zu allem Guten geftmden sei. wenn erst das preu­ßische Dreiflassenwahlreckt abaef (hofft Warden ist. Ich muß aber immer toaeber betonen daß bas ein großer Fehlgriff für alle bieieniaen ist. welcke in

mein Kind! Wahrhaftig, mag man noch so ab­gehärtet und dickfellig geworden fein, mag man noch so vielerlei Leute jeglichen Schlages unter dte Hände bekommen und Vorsicht gelernt haben, troß alledem stehen einem immer noch lieber« raschunge» peinlichster Art bevor. Unser Haus­genosse, dieser Gervais, der sich für einen glühen­den Republikaner ausgab, der meine Zeitung mit seinem Geld« unterstützte, der sich meinen Schüler, meinen Jünger nannte ... ach. mein Gott, mein Gott! Weißt du, wer ber Mensch ist?"

Gilberte war leichenbleich geworden vor Angst und Jammer. Mit erstickter Stimme brachte fie nichts heraus als:Aber Papa . . ."

Stein, nein, du kannst freilich keine Ahn­ung davon haben! Die Wahrheit übersteigt alles, was der Mensch fich vorstellen, was et fassen und glauben kann . . . man meint ordent­lich, es fei ein toller Traum! Dieser Mensch heißt nicht Gervais, ist ein geschworener Re- ertitpnät der mit die .Revolutionäre Partei' mit verschafft hat, um mich ins Verderben zu stürzen mir nachzuspüren, ein ehrloser Wicht, ein Spion, ein Tropf, mit einem Wort der Sohn meines Todfeindes, des Barons Tresotier."

Gilberte stieß ein leisesOh!" aus, dai «ebenso gut Widerspruch gegen des Vale« strenge» urteil, al» Abscheu vor dem Schuldigen bedeuten konnte. Blaß und wie Espenlaul xttternb, rührte fie fich nicht vom Fleck, tobet, bet Vater mit großen Schritten im Zimmer ans «nd aL ging enb wie ein Rasender mit gefeMz fe« Fürrfien vrnherfuchtette. (Forts. fotzt.)