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mit dem Kreisblatt für -ie Kreise Marburg und Kirchhain

Jli 32

Tic „Obrrtzrni.che .jeitung" cricyemt täglich mit Ausnahme der Sonn» und Feiertage. — Der Bezugspreis betragt viertel­jährlich durch die Post bezogen 2 26 Jt (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitungSstcllen und der Expedition (Markt 21), 2 TJt.

Marburg

Dienstag, 8. Februar 1910.

und den Beilagen: »Flach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und »Landwirtschaftliche Beilage."

Die JnsertionSgebühr beträgt für die 7gcspaltcne Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — Druck und Verlag: Joh. Aug. Rod), Universitäts-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hiheroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 65.

45. Jahrg.

Die Wahlrechtsreform in Preußen.

Die neuen Merkmale für das Aufsteigen in eine höhere Abteilung werden in den §8 8, 9 »nd 10 des Entwurfs behandelt.

Der § 8 will abgeschlossene Hochschulbildung, Mirgliel erschüft im Reichs- und Landtag, ehren­amtliche Tätigkeit in den Selbstverwaltungs« Anschlußbehötden und in den Verwaltung», kvrperschasten der höheren • Kommunalverbände, sowie Offiziersdienst im Heer und in der Ma­rine als Merkmale für das Aufsteigen ange­sehen wissen. Wähler mit solchen Merkmalen sollen aus der zweiten oder dritten Abteilung der nächsthöheren zugewiesen werden. Aktive Mitglieder der Parlamente und in Ehren­ämtern der Selbstverwaltung befindliche Wäh­ler stehen meist schon in gereifterem Lebens- alter. Sie werden durch ihre ganze Tätigkeit schon fortgesetzt durch auf eine verständnisvolle Beurteilung öffentlicher Angelegenheiten hin- gewielen. Sie sollen daher ohne weiteres auf die Erhöhung ihres Stimmengewichts nach § 8 Anspruch haben.

Für die ehrenamtlich in den Verwaltung»- körper der engeren Kommunalverbände tätigen Wähler schreibt der 8 9 des Entwurfs vor, daß sie aus der dritten in die zweite Abteilung auf- rücken sollen. Es fallen hierunter die unbesol- befrn Bürgermeister, Beigeordneten und Mit­glieder der Magistrate kreisangehöriger Städte und die ehrenamtlichen Vorsteher und Mitglie­der der ländlichen Gemeindevorstände. Ihnen an die Seite gestellt sind di« ehrenamtlich täti- gen rheinischen Bürgermeister, westfälischen Amtmänner und Amtsvorsteher in den übrigen Provinzen. Auch bei diesen Wählergruppen soll der Anspruch auf das erhöhte Stimmgewicht dauernd durch wenigstens zehnfährige Tätigkeit in den bezeichneten Ehrenämtern erworben werden.

Nach 8 10 sollen endlich der zweiten Abtei- lung diejenigen nach der Steuerleistung in die dritte Abteilung fallenden Wähler zugewiesen werden, welche mit einem Einkommen von mehr als 1800 Mark zur Staatseinkommensteuer ver­anlagt sind und entweder seit 15 Jahren sich im Besitze der Befähigung für den einjährig-frei- willigen Militärdienst befinden oder seit we­nigstens 5 Jahren ununterbrochen die Berech- /tigung zur Anstellung im Zioildienst auf Grund wenigstens zwölfjährigen militärischen oder gleickaellellten Dienstes oder die Berechttgung 'zur Anstellung iem Forstdienste besitzen. Beide Gruppen sollen nach dem Entwürfe den An­spruch auf die Zuweisung zur zweiten Wähler­schaft aber erst besitzen, wenn sie ein gewisse», schon reifere Lebenserfahrung und Einsicht in öffentliche Angelegenheiten gewährsndesLebens- alter erreicht haben und auch nach ihrer äußeren Lebenslaae zu den Angebörigen des Mittel« ^standes oerechnet werden können.

Die Feststellung des WahlergÄnisses soll sich folgendermaßen vollziehen:

Für jede Abteilung gesondert wird die Zahl ,der im ganzen Landtagswahlbezirk abgegebenen pültioen Stimmen zusammengerechnet, und der Anteil jedes Kandidaten an den abgegebenen gültigen Stimmen abteilungsweise nach Hun­dertteilen der Stimmen festgestellt. Die so ge­wonnenen Hundertteilzahlen aller Sfimmen ja-

20 (Nachdruck verboten.)

, Die Tochter des Abaeordneten.

>A Von Georges Ohnet.

kikortkehuna.»

1 Er hatte sich auf den Bodenteppich nieder­gekauert und schmiegte sein Haupt in den Schatz der Mutter, gerade wie er's als kleines Kind gemacht hatte, wenn er irgend eine Gunst er­betteln wollte. Mit mühsam verhehltem Lächeln und innigem Wohlgefallen blickte die Mutter auf den großen hübschen jungen Mann, der ihre Knie« umfaßt hielt, und leicht und zärtlich über fein Haar hinstreichend, dachte sie: „Er spricht nur von seiner Liebe zu dem Mädchen, aber ich denke, wie mutz sie erst ihn lieben . . . wie wär'» auch möglich, daß sie ihn nicht liebte? Ihn, den guten, grotzmüttgen. weichherzigen, sanftmütigen ! Jungen! Und den lasten wir verzweifeln! Wenn man ihn zwänge, sich von ihr loszusagen, werde er sich nie darüber trösten, sagt er, und ich ! glaube ihm! Aber wie, auf welch« Weise den Vater mürbe machen? Er ist entschlosten, seine Zustimmung zu verweigern, und merkt er, daß man gegen ihn arbeitet, so setzt er erst recht sei­nen Kopf darauf .. . eine unselige Verwickelung! Wie verhängnisvoll, dah dieser abscheuliche Demokrat sich unterstehen darf, eine so berückend« Tochter zu haben . . .“

. 2ah uns überlegen, Heinrich . . . wie wär's, wenn du «ine recht schöne Reise unternehmen würdest? Letzten Sommer sprachst du einmal davon, du möchtest Aegypten kennen lernen . . . da» würde dich zerstreuen, ablenken . . . man würde angenehme Reisegesellschaft für dich suchen, •as meinst du?"

der Abteilung werden für jeden Kandidaten zu­sammengezählt, ihre Summe wird durch drei geteilt. Gewählt ist, westen durchschnittlicher Stimmenanteil hiernach mehr als fünfzig vom Hundert beträgt. Bei diesem Verfahren wird da§ gleiche Gewicht de» Einflustes jeder der drei Abteilungen auf das Gesamtergebnis der Wahl innerhalb des ganzen Landtagswahlbe- zirks vollkommen«, gerechnet al» bisher. Das neue Verfahren hat ferner, wie aus­einandergesetzt wird, den wesentlichen Vorteil vor dem bisherigen, daß es nicht die Stimmen der Minderheiten, in den örtlichen Absfimmunqsbezirken vom Eiw- flutz auf das Gesamtergebnis ausschaltet, son­dern jeder Stimm« im ganzen Wahlbezirke für die Wahl des Abgeordneten zur Geltung bringt und den Blick der Wähler auf die Jnteresten de» ganzen Wahlbezirkes hinlenkt. Verhältniste der engsten örtlichen Umgebung werden infolge- desten in Zukunft einen geringeren Einfluß auf die Stellungnahme der Wähler üben, ab» es vielfach bei der Wahl der Wahlmänner in den Urwahlbezirken bisher der Fall gewesen ist. In der Ungewißheit des Wahlausfalls für den ganzen Wahlbezirk, der nicht mehr, wie es in rielen Urwahlbezirken jetzt schon mit der Auf­stellung der Wühlmannskandidaturen der Fall ist, den Wählern erkennbar feststehen wird, liegt ein starker Antrieb zu regerer Beteiligung an der Wahl, deren Belebung vor allem anzu- streben ist. Richt minder auch in dem nun­mehrigen Rechte jedes Wählers, unmittelbar 'elbst für den Kandidaten einzutreten, der ihm zum Abgeordneten seines Landtagswahlbezirkes am geeignetsten erscheint."

Pretzstimmen.

Berlin, 5. Februar. Zur preußischen Wahlrechtsvorlage schreibt di« „Kreuzzeitung", In» Beste, was man zu ihrem Lobe sagen könne, sei, daß sie sich vom Reichstagswahlrecht sehr fern hält. Entscheidend für das endgültig« Ur- xeil werde sein, wie man sich di« Wirkung auf die politische Weiterentwicklung des Volke» zu denken habe. Auch die „Deutsche Tageszeitung" hält mit ihrem Urteil noch zurück, meint aber, daß die Regierung sich zwischen zwei Stühle ge» setzt habe, und fragt, ob es unbedingt nötig ge­wesen sei, die bevorstehenden Kämpfe zu eirt- festeln. Da» neue Wahlrecht bedeute jedenfalls eine bemerkenswerte und bedenklicheSchwächung des Dammes gegen die tote Flut. Die „Post" rrmahnt di« Parteien, welche die Einführung des Reichstagswahlrechts in Preußen verwerfen, auf einen positiven Abschluß der Verhandlungen Über di« Wahlreform hinzuwirken. Die „Ger­mania" bezeichnet al« eine wirkliche Verbesse­rung de? bestehenden Wahlrechts di« beabsich­tigte Abschwächung seines plutokrafischen Cha­rakter» durch die Marimierung, sowie Privi» legierunq und neue Art der Stimmenzählung; ein großer und bedenklichster Mangel der Vor- lag« dagegen sei die Beibehaltung der öffent­lichen Abstimmung. Das Zentrum wird die ge­heime Wahl mit allem Nachdruck durchzusetzen suchen und e» sei erfreulich, daß auch national- liberale Blätter diese Absicht für bie Kommis­sionsberatung ankündigten.

Die linksliberalen Blätter ergehen sich in wütenden Ausfällen, Die „Berliner Volks-

„Willst du, daß ich fern von dir an meinem Herzeleid sterbe?" fragte der junge Mann be­wegt. . „Du willst mich fortlchicken, während ich so unglücklich bin, mich von dir stoßen, wo mir deine Mutterliebe und Güt« tausendfach mehr nr' täte als in Zeiten des Glücks! Nein, nein! Wenn ich da» Bitterste ertragen soll, so fei'» wenigstens in der Nähe der Einzigen, die mich verstehen, die mich bemitleiden, wenn auch nicht trösten können . . ."

Die letzten Worte klangen halb erstickt, ui* al» die Mutter sanft sein Gesicht aufrichtete, war es von Tränen überströmt, von Jammer derart zerstört, daß sie da» groß« Kind nur an ihr Herz drücken und mit ihm weinen konnte. Des halb und halb errungenen Sieges fioh, schmiegte sich Heinrich an die Brust der Mutter, als oh die Bitten, die er in solcher Näh« ihres Herzens leidenfchaflich flüstern wollte, um so sicherer Eingang finden müßten.

„Was verlange ich denn von dir, Mama? Nichts, als daß du sie sehen, mit ihr sprechen, mich nicht verdammen sollst, ohne geprüft zu h^ben ob ich entschuldbar bin. Sie wird dich bezaubern, wird dein Herz gefangen nehmen wie das meinige, dessen bin ich gewiß. Du mußt dann einseben, daß sie nicht dazu geschaffen ist, in ihrer jetzigen Umgebung weiter zu leben.. . . Was geht uns denn der Vater an? Nur sie mutzt du in Betracht ziehen! Di« Frau trägt den Namen des Mannes, sie wird ein anderes Geschöpf, fein Eigentum, so will'» di« Natur, so will's das Gesetz, und di« Liebe vollbringt dies« Wandlung? O mein Mütterchen, sich sie doch nur, sprich mit ihr, dann wirst du mein Bundes­genosse werden, »G ich Lin gerettet! Hai' ich

zeitung" nennt di« Vorlag« Hohn und Ver­spottung für das Volk, das rühmlichst bekannte „B. T." Herausforderung, e» spricht von bren­nender 6d>am und Empörung die „Frankfurter Zeitung", ein Machwerk, das Ungeheuerlichste, ärgste Verhöhnung,, der „Vorwärts" eine brutale und höhnisch« Kriegserklärung. Für die Entscheidung ist das alles von geringer Bedeu­tung, die Blätter würden ebenso gesprochen haben, wenn ihnen auch nur etwas vom Reichs­tagswahlrecht für Preußen vorenthalten wäre, die Regierung hat derartige Zugeständnisse, wie mancher sie auf dieser Seite erwartete, niemals in Aussicht gestellt, das konnte sie nicht — die Beratung im einzelnen wird nun zeigen, wo Verbesserungen an dem Entwurf zu machen sind.

Aus den Parlamenten.

Aus dem Reichstage.

Der Reichstag hat am Sonnabend einen Rekord während der letzten Sitzungsdauer ausgestellt. An lange Sitzungen war man ja einigermaßen ge­wöhnt. Aber kein Mensch hatte geglaubt, datz er sich eine solche Enthaltsamkeit würde auserlegen können. Das neue Handelsabkommen mit de« Vereinigten Staaten von Nordamerika stand zur Verhandlung. An seiner Annahme war |a nicht zu zweifeln, aber man glaubte doch, daß sich die Enttäuschung, weil nicht mehr erlangt werden konnte, in einigen längeren Reden geltend machen würde. Aber nichts von alle dem geschah, das Haus nahm debattelos das Abkommen gleich in allen drei Lesungen an. Mitbestimmend dafür war wohl auch die Tatsache, daß man unserm Handel und Industrie es ersparen wollte, die Störungen zu erleiden, die am 7. Februar sicher einaetreten wären, wenn kein Abkommen zustande gekommen wäre. Herr Delbrück konnte sich bei seiner Be- gründunasrede kurz fassen. Erfreulicherweise ist es wenigstens aelungen, Nordamerika zu bewegen, auf einige Forderungen zu verzichten, die einen Eingriff in unsere veterinärpolizeilicken Vottckttf- ten bedeutet hätten. Die erste und zweite Lesung fand einstimmige Annahme. Nur bei bet dritten stimmten die Konservativen geschlossen und ein Teil des Zentrums dagegen, um wenigstens in einer Form dagegen zu protestieren, datz die Ver­hältnisse die Regierung zwingen, einen derartigen Beitrag abzuschließen. Das HauS vettagt« sich bann bis Donnerstag.

Im Abgeordnetentzause würbe am Sonnabend die zweite Berawng bei Justizetats fortgesetzt. Abg. Boehmet ikons ) be­klagte es, baß beute so ost wegen Unzurechnung«, fähigkeit beS Beklagten bas Verfahren eingestellt werde ober gar Freispruch ettolge. Robeitsdeliste müßten mit ber größten Schütte bestraft, halb­wüchsige Buttchen sofort in bie Füttorgeanstalt gesteckt werden. Abg. Maitz (Ztt.) meinte, die Richter bürsten nickt so ost wechseln. Es sei not# wenbig, daß ein Richter bie lokalen Verhältnisse kennen lerne u. mit dem Publikum vertraut werde. Abg. BoiSltz (natlib.) empfahl die Rickterorgani» sation, die lediglich die Regierung bei Erreichung oer höchsten Ziele unterstützen wolle, dem Wohl­wollen des Ministers. Aba. Biereck (freikons) will mit dem System der Hilfskräste, namentlich bei den Landgerichten aufgeräumt wissen. Abg. Cassel (frcif. Vp) erklärte, daß feine politischen Freunde den Vorschlag ablebnten, eine Revision aus zu- fckließen. wenn Landgericht und Oberlandesqericht gleichlautend enffckieden hätten. Minister Befeler stellte sich dem Wunsche nach Berttnaerung der ©tbreibarbeit sympathisch gegenüber und erflärte, gegen die Richterorganisationen habe er keine Be-

dich auf meinet Seit«, bann ist mtt nicht bange, bann werden wir den Papa überwinden ... hat er dir nicht von jeher gewährt, wa» du nut wolltest?"

Di« Baronin lächelte unter Tränen.

„Klein« Schlange, wie du mich umzingelst! Wie beredt du fein kannst, wenn sich'» um dein« Liebe handelt . . . da» Talent hab' ich noch gar nicht an dir gekannt! Du schmeichelst mir und fetzest dich herab, mein Kind. Du weißt ganz flut, daß dein Vater einen festen Willen hat und daß ich mir nicht anmaße, ihn zu Über­winden. Er selbst muß au» freiem Entschluß anderer Meinung werden, aber womtt ihn um* stimmen?"

„Dazu werden wir schon Mittel und Wege finden! Also, Mama, du willst mein« Gilbert« sehen?"

„Deine Gilberte?" wiederholte die Baronin mit einem Anflug mütterlicher Eifersucht. „Ja, daran werd' ich mich nun freilich erst gewöhnen müssen, die zweite tn deinem Herzen zu sein."

„O nein, Mama, du wirst immer die etfie bleiben und fortan nicht nut in meinem, nein, auch in ihrem Hetzen! Wie wird sie dich ver­ehren und lieben, wenn ste dich erst kennt! Und du ... du wirst ja sehen, welch ein Töchterchen du in ihr findest!“

„Nun, e» sei! Sehen will ich deine Gilberte, aber wie, und wo, und wann?"

Heinrich wurde nachdenklich. Er stand und und setzte sich dann neben die Mutter.

„Wir müssen sehr vorsichtig zu Werk gehen, Mama, und du mußt mir Zeit lassen, alle» vor» zubereiten, den» ich kann sie dir nicht Hal» Über

denken, solange sie nicht ihre matettellen Inter­essen in den Vordergrund stellten. Abg. Peltafrlm (freis. Vgg.) bellagte die Ausführungen einet Rechtsanwaltes auf dem Rostocker Anwalts tage, wonach die Richter auf den Gang der mündlichen Verhandlungen kein Gewicht legen sollen, sondern lediglich nach den toten der Voruntersuchung ur­teilten. Das Haus vettagie die Weiterberatung auf Montag, vormittag 10 Uhr. Am Donnerstag soll mit der Beratung der Wahlrechtsvorlag« be­gonnen werden. Schluß 4V» Uhr.

Deutsches Reich.

— Deutschland und Amerika. Berlin, 8. F«br. Nachdem der Reichstag bas Gesetz betreffend dir Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Star ten von Amerika angenommen hat, hat bet Bundesrat über die Ausführung des Gesetzes Jtt beschließen. Wie wir hören, erscheint im Reich» gesetzblatt vom 7. Februar eineBekannimachunL wonach mf bie Erzeugnisse der Vereinigte» Staaten vom 8. Februar ab die in den geltenden Handelsverträgen zugestandenen Zollsätze anzu­wenden find. Die Erzeugnisse der Vereinigten Staaten werden demnach wie die 'Erzeugnisse der meistbegünstigten Länder behandelt.

— Auszeichnung. Apenrade, 5. Febr. Den Kapitänen Bendixen, Berg und lllderup ber drei Apenrader Schiffe „Mathilde", „Klara Jevsen "und „Helene" wurde vom Kaiser für die mit großer Bravour vollführte Rettung schiffbrüchiger Chinesen an bet chinesischen Küste ter Kronenorden 4. Klasse verliehen.

— lleberzeichnet. Berlin, 5. Febr. Das Er­gebnis bet Zeichnungen auf die beute aufge­legten Reichs- und preußischen Anleihen läßt sich zur Zeit zwar noch nicht genau feststellen, doch ist schon jetzt sicher, daß der aufgelegte Be« trai um mehr als 200 Millionen Mark über­zeichnet ist. Die Schuldbuch- und Sperrzeich- nungen belaufen sich auf über % Milliarde Mark.

— Der Münchener Journalistenstreik beendet. München, 5. Febr. Im Journalistenzimmer de» Landtages hielten gestern abend die Berichter- stattet eine Versammlung ab. Es wurde «in Beschluß gefaßt, in dem die Journalisten u. a. erklären: Wir vermögen auch dem Direktorium der Kammer ein in die Ausübung unseres Be­rufes hineingreifendes RLgerecht nicht zuzu- erkennen. Das Direttorium kann von der Jour- tialiftenttibüne nur Beobachtung bet Ordnung verlangen, die fiit alle Tribünen des Hauses gilt Dies« Ordnung ist von der Journalisten, tribiin« in keiner Hinsicht verletzt worden. Die Journalist en tribiin« bedauert, daß man, wenn Mißverständnisse bestanden, den schon stöber vorgeschlagenen Weg der persönlichen Ruck­spruche nicht gewählt hat. — Mit dieser Ant­wort der Landbagsberichterstatter auf die ge- - strige Zuschrift des Direktoriums ist die Arbeits-! einstellung beendet.

— Losin. Berlin, 5. Febr. Die „Norddeutsche Allgemein« Zeitung" schreibt Über die Verfüt- tetunfl, mit Eostngerste wurden von dem Kaiser Wilhelms-Institut zu Bromberg neue derartige Versuch« veranstaltet. Wie früher wurden auf dem Versuchsgute Mockei, drei Reihen versuchs­weise aufgestellt, wovon neben dem Beifutter die Reihe ein» zu 5 r. H. Körner — gefärbte Gerste, bte Reihe zwei zu 100 v. H. Köner —

Kopf zufiihren. Weiß fi« doch nicht einmal, roer ich bin!"

„Wieso? Du hast sie getäuscht?" I

„Konnte ich ander»? Siehst du, wenn ich al» Sohn meine» Vater» vor diesen Coutcier hinge- treten wäre, nicht «ine Minute hätte er mich ie seiner Nähe gebuß>et und ohne Umschweife würde er mit die Türe gewiesen haben. Wenn Rome» ohne Mask« in» Haus Eapulet gegangen wäre, * da hätte das Stück ball» ein Ende gehabt und wir wären um eine reizende Musik ärmer."

„Du machst noch Witze, Schlingel! Wollt« Gott, man hätte dir di« Türe gewiesen, bann wären wir jetzt nicht so Übel dran. Wie nennft du dich denn im Hau, be» bluLÜrstigen Un­

geheuer»?" a j-u;».

„Gervais, Heinrich Gervais." ,

„Aber auf welche Weise hast du btt beim Zcke tritt dort verschafft, ohne da» Mißtrauen be» Batet» und den Argwohn der Tochter zu er­wecken?" ' •

„Den Batet hab' ich an seiner schwachen Seit« gefaht, an bet Politik, und die Tochter ..."

„Die hast du umgarnt, wie vorhin mich, bn Bösewicht!"

„D nein, Mama! Roch ist kein Wott AM meine Lippen gekommen, da» fi« nicht ruhig hätte anhören dürfen . . . ich habe sie viel zu lieb um ihr nicht mit der höchsten Achtung zu begegnen! Noch hab' ich ihr nicht meine Liebe gestanden . . , sie ahnt nicht» davon . . . höch- ^tens* mag sie'» in meinen Augen gelejr ■ folgt,) y