45. Jahrg.
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Cie auf dem Herzen haben, aber bedienen Sie sich nicht mehr des meinigen. Uebrigens finde ich überhaupt datz Sie mit der ganzen Leitung der Zeitung i« falschem Fahrwasser segeln und ich will deshato nichts mehr damit zu schaffen haben. Statt große Gesichtspunkte aufzustellen, die idealen EruiMcitze und Lehren zu entwickeln, bringen Eie immerzu Persönliches und nehmen nur Tatsachen aufs Korn. Ich habe einen voll« ständig anderen Begriff von unserer Aufgabe und unseren Zielen als Sie. ... So, jetzt hätte ich mich ausgesprochen!"
Statt aufzubrausen, erbebte der Abgeordnete im stillen vor Schreck bei dem Gedanken, diesen nützlichen Beistand einzubützen, und gab feier« lich« Zusagen ab. Der Name Gervais sollte aus dem Blatte verschwinden, und er, Courcier, werde die alleinige Verantwortung für die Zeitung übernehme«. Im Grund war ihm di« auch sehr willkommen; er hatte dann keine Teilung des Einflusses mtijr zu fürchten. Von nun an würde man ihn allein in jedem Wott erblicken, vor ihm allein zittern. Da gerade wieder ein Artikel mit der Unterschrift Gervais' im Druck war, ein sehr gepfefferter, wottn Geistlichkeit und Papst durchgehechelt wurden, griff Courcier hastig nach Ueberrock und Hut, um durchs nächste Telephon dem' Abdruck des Namens vorzubeugen.
„Erwarten Sie mich hier... die Fernsprechstelle ist nur hundert Schritt von hier . . . in einer Viertelstunde spätestens bin ich zurück . . /'
Zum erstenmal war Heinrich jetzt mit Gilberte allein; weder die beobachtenden Blicke der alten Rosalie, noch Eourciers Wachsamkeit
Der heutigen Nummer liegt bet Kreisblatt Nr. 10.
Die Iusertiousaebühr beträgt sür die 7gespattene Zeile oder deren Raum 16 Pfennige, für Reklamen 30 Pfennige. — «erlag: Job. «^«^^Un^rfitätS.Buchhnlckeret Inhaber Dr. L. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 66.
Die Situation am Balkan.
Die Blätter aller Länder sind abermals von Pessimistischen Attikeln über die Balkanfiage voll. Es ist ein alter Satz, daß die Zett, da der Schnee W schmelzen beginnt und das Frühjahr einsetzt, Jüt diese Ecke ganz besonders gefährlich ist. Wenn man die jetzige Situation überdenkt, so mutz man allerdings zugeben, daß die pessimistische Ausfas- fung, die immer mehr zu Wotte kommt, in der Lage der Dinge wohl begründet ist. Gttechenland auf der einen, Bulgarien auf der anderen Sette. Seltsamerweise beschäftigt sich die Preste noch mehr mit der bulgarischen als mit der gttechischen Gefahr, obwohl die bulgarische ohne Zweifel wett weniger akut ist und den gemeldeten Heinen Zwi- schenfällen und Vorkommnissen in Macedonien keineswegs die Bedeutung zukommt, die ihnen zugeschtteben wird. ES ist nämlich — und batte find alle Kenner der jetzigen Lage einig — Überaus unwahrscheinlich, daß der zwischen Dnlgatten mid der Türkei vorhandene Zündstoff für sich allein anSreicht, um einen Krieg zwischen beiden Ländern zu entfache«. Wenn man von Griechenland absieht, bleibt Fttede auf dem Balkan. Zn- gegeben mutz allerdings werden, datz dieser Zündstoff für den Fall eines griechisch türkischen Ktte- ges miSreicht, um eine neutrale zuschauende Haltung Bulaattens sehr unwahrscheinlich zu machen. Sin griechisch-türkischer Konftikt würde sehr leicht die kttegettschen Elemente BulgattenS und ben entsprechenden Teil bet öffentlichen Meinung soweit stärken, datz diese der Regierimg die Neutralität erschweren und überdies für die Regierung selbst eine Versuchung sein würde, der einige dulgarffche Staatsmänner kaum widerstehen finiten. Kommt es also zu einem griechisch-türkischen Konflikt, so ist ein Eingreifen Bulgariens aller- dttrgS beinahe wahrscheinllch. Der Schlüssel der Lage Negt affo biS auf weiteres ht den Händen Griechenlands. Hier hat die Milttärllga die Macht tn Händen und auch in auswärtigen Dingen den Einffutz des friedliebenden König! so gut wie ansaeschaltet. Beschicken die Kreter die Nationalversammlung, so rücken die Türken, deren Geduld zu Ende ist und deren öffentliche Meimmg der Regierung ein wettereS Zurückweichen nicht gestattet, in Thessalien ein. Darüber besteht kein Zweifel und kein vernünftiger Mensch wird den Türken aus dieser Haltung einen Vorwurf machen tonnen. ES bleibt also nur zweierlei übrig, nm den Fristen zu wahren. Es müssen entweder die Gttechen zur Vernunft gebracht oder die Kreter mit Gewalt verhindert werden, die Rastonal-Ver- sammkung zu beschicken. Das erste ist schwer. Die Sttuaston in Athen ist eine derjenigen, wo die Vernunft jeden Einffutz aus die Haltung der Menschen zu verlieren pffeqt. Der König hat keinen Einffutz. das Ministerirnn ist nur der Mandatar der Offiziersliga und diese etnersettS von
der nattonalifttschen Sttmnmng getragen und andererseits eine Korporation von vielen Köpfen und daher mehr von Stimmungen abhängig als von Bernunstgründen. Da wird also wenig zu machen fein. So bleibt nur übttg, gegen Kreta Gewalt anzuwenden. Die ist die einzige Lösung und daher tatsächllch die Pflicht der Schutzmächte. Deren Fehlern und halben Matzreaeln ist die verfahrene Situation zu verdanken. ES wird ihnen nun nichts anderen übrig bleiben, alS die Insel wieder zu besetzen und die Ruhe der Bevölkerung zu erzwingen. Es wird ja bald offenkundig werden, ob die vier Schutzmächte sich dazu entschließen können oder die Verantwortung für die Folgen ihrer Untätigkeit zu übernehmen bereit sind.
Wie gemeldet wird, scheinen die Schutzmächte bereits bei der Arbeit: Ein enalisches Geschwader bestehend aus einem Panzerschiff, 8 Kreuzern tmb 4 T orv ed ob oots zerstörern. sei unter dem Befehl beS Konteradmirals Calaghan von Malta nach dem Piräus abgegangen. Und bet italienische Minister bes Aeußeren hat sich erttschlossen. eine internationale Konferenz bet Schutzmächte Kretas vorzuschlagen, bie in Rom zusammentreten soll.
Ein Krieg bet Türkei gegen Gttechenlanb unb Bulgarien zu gleicher Zett wäre in seinem Ausgang zum mindesten zweifelhaft. Wenn auch die Gttechen mffttättsch nicht ernst zu nehmen sind, so ist doch ^Bulgarien stark und gut gerüstet und die geographische Situation für die Türken recht ungünstig.
Weitere Nachrichten besagen:
London, 8. Febr. Reuter zufolge steht bie Abfahrt eines englischen Geschrvaders von Malta nach dem Piräus in keinerlei Zusammenhang mit bet politische« Lagen auf bet Baffanhalbinsel; es handelt sich vielmehr um eine reguläre llebungsfahri.
London, 3. Febr. Reuter zufolge legt bie letzte Note bet Türkei an bie Schutzmächte bat, bie Pforte würde bie Entsendung kretischer Deputierter in bie griechische Nationalversammlung als einen Grund zum Kriege betrachten. Der tüt« kffche Botschafter, der dieser Tage bas hiesige auswärtige Amt von der Ansicht seiner Regierung in Kenntnis fetzte, erhielt die Versicherung, datz bie britische Regierung ben Ernst der Lage vollständig würdigte. Weiter ist ihm erklärt worben, die Schutzmächte seien einige in der Absicht, eine so provokatorische Handlungsweise nicht zu dulden. Sie würden strenge Matznahmen ergreifen, wen« die Kvetet auf dieser Politik beharren sollte«.
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Marburg
Somabend, 5. Februar 1910
stimmung des Landtages abhängig machen. Abg. v. Brandenstein (kons.) betonte, datz die Kommunen die Verpflichtung hätten, selbst für dir Wäldererhalttrng in bet Umgebung ihrer Städte zu sorgen. Beim Vettauf sollte bet Pttis so gestellt werben, baß bie Kommunen bie Verpflichtung zur dauernden Erhaltttng des Waldes übernehmen könnten. Abg. Ziethen (freit.) meinte, eS müsse für bie Erwerbung des Grunewaldes auS Berlin und seinen Vorotten ein Zweckw»rband gebiö>et werden. Abg. Gras v. Tvee (Ztt.) et- Härte, datz Berlin nächst Wien bie reichste Waldumgebung tn Europa habe. Abg. Feilsch (konf.) betonte, daß Berlin nicht so viel für seine Beamten getan habe, wie die Vorotte. Dabei habe BerliS eine Voffsdichte. wie sie von anderen ©robbten nicht annähernd erreicht werde. Der Antrag Borgmann wurde abnelcbnt. der Antrag von Brandenstein der verstärken Gemeindekommiss,on überwiesen und der Antrag v. Bülow anaenom- men. — Zum Domänenetat lag ein gemeinsamer Antrag der Konservativen, des Zentrums und der Nationalliberalen vor, bet eine Aufstellung bet den Domänen unterstellten Wette und ihrer Erträge fordert. Abg. v. Pappenheim (kons.) bemerkte baut, datz es darauf ankäme, kesinisiellen, wieviel Wette des Staates in den Betttebsvet- walttmaen anaelegt sind. Der Antrag wurde angenommen. Aba. Frhr. v. MaltzaHn (frmf, empfahl die Domänen mit elektrischen Kraftanlagen nt versehen.
Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
29. Sitzung vorn 3. Februar.
Nachdem das Haus einem Wunsche des Abg. Gerstenberger stattgegeben, daß eine Beleidigungs- Hage gegen ihn sottaefühtt werden kann, wird bet Kolonialetat in zweiter Lesung wettet beraten. ,
Abg. Sattmann (Wittsch. Vg.) begrüßt bie Arbeit der Missionen vom kolonialpolittschen Standpunkte auS. Redner verlangt bann auch in ben Kolonien mehr Rassenbewutztfein unb bemängelt u. a. die Verleihung des Allgemeinen Ebren- zttchens an einen SomallHäuptling im Hagen-
ftörten ihr Beisammensein. Et setzte sich neben das junge Mädchen unb sah ihr schweigend beim Sticken zu. Sie hatte eine Federstickerei auf Seide begonnen, unb es war sehr reizvoll, bie weitzen, schlanken Fingerchen bie bunten Fäden über den schimmetden Stoss hinbreiten zu sehen. Etwas gebeugt vor der Lampe sitzend, hielt sie die Augen gesenkt, aber das Licht spielte mit goldenem Schimmer über ihren Haaren und dem feinen Ansatz des Kopses, es umschmeichelte die Wangen unb trieb allerlet Kurzweil in den rosig eingefaßten weißen Oehrchen. •
„Es scheint, Sie waren vorhin nicht ganz einig mit dem Papa," bemerfte sie, ben Blick flüchtig von bet Arbeit hebenb, ich hörte Sie wenigstens in seinem Arbeitszimmer ein wenig laut reben . . . natürlich unebet biese abscheuliche Politik, die mir in ttefster Seele verhaßt ist!"
„Weshalb denn?"
„Weil aller Kummer und alle Sorgen, bie wir durchgemacht haben, ausschließlich von ihr kommen. Mein Vater, der sonst die Güte selbst ist, wird mir fürchterlich, wenn es stch um seine Ueberzeugung handelt, und ich schwebe stets tn Angst, er könnte sich in gefährliche Unternehmungen einlassen und verwickeln . . . das hat mir schon manch bange Stunde bereitet. Wie kommtts nut, daß auch Sie, Herr Gervais, der Eie jung sind und ben schönen erfolgreichen Beruf eines Anwalts ausüben könnten, daß auch Sie sich in bie Politik stürzen? Treibt Eie denn eine unwiderstehliche Neigung dazu?" _____
„Herrgott, ja! Die Neigung zu bit!" hatte Heinrich um ein Haar ausgerufen, aber diese Gilberte faß f» unbefangen, so friedlich neben
ihm, daß er ein solches Geständnis nicht übet bi« Lippen brachte.
„Der leibenschaftliche, große Charakter Ihre« Herrn Vaters fesselt mich," sagte et, „unb nut aus Verehrung für ihn bin ich feinet Partei beigetreten."
Der Ausdruck des jungen Mädchens verriet mit einemmale Hefen Ernst unb eine gewiss« Besorgnis. Langsam und bebächttg ihre Nähnadel in den Stoff stechend, versetzte sie: „Mein Vater ist ein vortrefflicher Mensch, aber wenn et sein Leben noch einmal zu beginnen hätte und ich dann irgend welchen Einfluß ausüben könnt» auf die Richtung, die et einschlagen sollte, so würde ich alles aufbieten, ihn von der Bahn abzulenken, die et jetzt betreten und auf der et nichts als Enttäuschungen, Gefahren und Kümmernisse geerntet hat. Es täte mir also aufrichtig leid, wenn ich denken müßte, sein Vorbikb habe Sie dorthin verlockt. . . . Was sagen des» Ihre Eltern dazu?"
Heinrich senkte die Augen vor dem klare«, ehrlichen Blick bes jungen Mäbchens. Zu» etfteiunale, aber mit um so größerer Heftigkeit' Überkam ihn da, Gefühl, datz et sich schäme« müsse, mit List, unter einem falschen Name« unb in einet Absicht, bi« er sich selbst nicht eing*. stand, in diese Häuslichkeit eingedrungen z* sei«. Seine Handlungsweise trieb ihm bie Schamrot^ tns Gesicht unb er fühlte ei« heißes Verlange», ihr zu sage«: »Ich habe bich belogen unb dtzz trogen, ich bin nicht der, für den du mich hältft, jage mich von deiner Schwelle, denn ich will dich nicht länget hinter gehen." J
(Fortsetzung folgt)
beckschen Tierpark. Ferner bedauert er den Rück- tritt des Gouverneurs v. Scbuckmann. der gerade in der jetzige» Uebergangszeit sehr nützlich ge- wirtt bat — Unterftaatsfcfretär v. Lindegnifi
Ä tÄSK» W rertb Abg. Stör, (Südd Vv.) hofft. daß die dot- tigen Zwiste »wischen Zenttal- und Lokalregier- ung sich bald ausgleichen lassen. Redner weist bann den Vorwurf zurück, als ob er besonders warm für die Interessen bet Kolonialgttellfchast eingetttten fei. - Abg. Roste (So,.) rügt es dann, daß Parlamentarier mit ihrem Warnen für koloniale Unternehmungen eintreten. — Abg. Goller (frf. Vv) ttttt dieser Aeußmcng des Vor- . redners entgegen, während Abg. Er,berget L’itt.) es nicht versieben kann, weshalb man Herrn Schwane wegen seiner Angttffe auf die Marmor- indufttte in Südwesi tadeln kann. Redner spricht dann ferner über Missionsfragen und nimmt die dottiaen Bffchöfe gegen einige Angttffe in Schutz. — Staatssekretär Dernbura stellt letzteres richtig und betont, daß wir ein Interesse daran hätten, in unteren Kolonien denffche Missionare m haben — Abg Ledebonr (So,.) führt dann noch einmal ans. daß es in der ganzen ©oiialbewo'raüe feinen gäbe, der die kapitaftsiische Kcsonialpolifik wie sie Herr Dernhiira treibe unterstütze. — Nach Bemerkunaen des Abg. Arning (naH) über die Baumwollsraae und nach einigen Bemerkungen der Aba Enberaer. Müller Mttningen und Dove und des Staatssekretärs Dernbnrg schließt die allaemeine Aussprache und der Etat für Siidwest- afrifa wird aenehwiat.
Beim Etat Osicckrika bringt Abg Arndt (Rv) eine Reihe lokaler Wünsche vor. um sich dann über ostgsrikanische Bank- und WährimasverbSltnisse ,u äußern. — Auch Abg. Werner (Res V) erflärt die deutsche Reichswäbrung als das beste. — Rach einer Erklärung des Staatssekretärs Dernbnrg. in der er sich gegenüber einer Wäbrunasänderung misspttcht wird der Etat für Qstafrika anaenom- nien ebenso der für Kamerun und die anderen Schutzgebiete. Beim Etat ftir Samoa aebt dann noch der Abg Knvsckj (ftt. Vv) auf dos Verhält- nis »wischen Bitchof und Staatsreaiernng ein und tritt der Auffassung des Staatssekretärs btt, wo- rmif der Abg. Er,berget (Ztt) an »einer Meinung feffbält und es auf den Kulturkampf wrfirfffibrt. daß es nicht möglich gewefen ist deutfche katho- lifcbc Mission heranrubilden Nach Abbruch diefes Kampfes ftt setzt überall Aenderima ttuaett-ten, fowttt es bisher wäalich war — Die Aba. Müller Meiniaen (ftt. Vv) und Kovfch (frf. Vv) traten den Ausführungen des Abg. Eriberoer entgegen und versicherten die Regierung des Bei- stgndes ihrer Bgrfttfrennde, falls es sich um die Abwehr von Befttebungen handele, die Schule der Kirche auszuliefern.
Im Abgeordnetenbanfe
wurde am Donnerstag die zweite Beratung deS Forstetats fortgesetzt. Rach kurzer Debatte wurde der Antrag Borgmann (So,.), die administrativen Iaadhezitte in Zukunft ,u verdachten, abgelehnt. Abg. v. Böhlendorff Kölpin (kons.) wünschte, daß die Frauen und Kinder der Forst- arbeitcr beim Erteilen von Erlaubnisscheinen zum Hchsammeln im Walde besonders berüeffiebtiat würden. Zum Titel »Erlös, aus dem Verkauf von Forstgnmdstücken" lag ein Anttag v. Brandenstein (kons.) vor, der auf die Erhalttmg der Wälder bei Voltteichen Städten ab zielt und Maßnahmen wünscht, um den Gemeinden den Erwerb solcher Wälder zur dmiernden Erhaltung zu ermöglichen. Ein Anttag v. Bülow (ncrll.) ver- langte fiskalische Terrains zu billigem Kauf- oder Pgchtpreis zu Spielplätzen und ein Anttag Borg- mrntn (So,.) will alle Forswerkäufe von der Zu-
18 (Nachdruck verboten.)
Die ToEer des Abgeordneten.
Bon Georges Ohnet. fftorttetzung.)
MkNg griff Heinttch nach dem Blatt, formte er doch feine von Angst verzerrten Züge dahinter verstecke« und nach Fassung ringen. Sofort ent- deckte et denn auch einen mit „Gervais" unter» zeichneten schmählichen Artikel. Der Verfass« war «atürlich Courcier, der aus Sparfamkeits- rückstchten fein Blatt allein schrieb, um aber Einförmigkeit zu vermeiden, bald mit seinem, bald mit seines Mitarbeiters Name« unter» zeichnete. Der betreffende Artikel enthielt eine schamlose Verherrlichung des Ungehorsams i« der Arm«. Leichenblaß schlug Heinttch mit der Faust auf das Blatt unb stammelte wutschnaubend: „Aber! ... Aber! ... Das geht den« doch 3« weit! . . .Das ist zu stark! . . . Das mutz bestraft werden! ..." „ ,
Damit schleuderte er das zu einem Knäuel geoaöte Schandblatt ins Kaminfeuer; am lieb* ften hätte er seinen Gönner Courcier ebenso be» yandekt.
Am selben Abend erfolgte zwischen Courcter und Gervais eine ziemlich erregte Ausei na m>er- ketzung. Der junge Mann behandelte ferne« „Gönnet" derart, datz der Abgeordnete Mund unb Aas« aufritz, und keine (Entgegnung vorzubringen fand.
„Zum Henket! Ich bin selbst Soldat \ sagte et zu ihm. „Wissen Sie wohl, datz Sie mich mit einem Artikel wie in bet heutigen Nummer dem Kriegsgericht ausliefetn könnten? Sagen Sie in jljrem eigenen Namen meinetwegen, was
Die „Oberbefitfdjt Zeitung" erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage. — Der Bezugsprei« beträgt viertel- jährlich durch die Post bezogen 2 26 * (ohne Bestellgeld), bet unseren Zeitungsstellen und der Expedition (Markt 21), 2 <X.
Unsere Handelsbeziehimilen zu Amerika.
Berlin, 3. Febr. Der dem Reichstage zugegangene Entwurf eines Gesetzes betreffend die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten von Amerika ermächtigt den Bundesrat, bei bet Einfuhr von Erzeugnissen der Vereinigte« Staaten in das deutsche Zollgebiet die Anwendung bet in den geltenden Handelsverträgen zugestandenen Zollsätze in angemessenem Umfang zuzulassen. Diese E"mächtigung bleibt solange in Kraft, als in den Vereinigten Staate« bie deutschen Erzeugnisse höheren Zollsätzen als den im Abschnitt I des amerikanischen Zollge- fetzes vom 5. August 1909 vorgesehenen nicht nad) den in der No e zu 3htitel II des Handelsabkommens vom 22. April 2. Mai 1907 enthaltenen Grundsätzen verfahren oder lassen die 'Vereinigten Staaten bezüglich des Warentausches zwischen dem Deutschen Reich und den Vereinigten Staaten irgendwelche, den gegenwärtigen Zustand zu Ungunsten Deutschlands verschiedene Aendetungen eintreten, so wird der Bundesrat nach seinem Ermessen die den Erzeugnissen der Vereinigten Staaten gewahrten Begünstigungen ganz oder teilweise zurückziehen.
In der Begründung des Gesetzentwurfes betreffend die Handelsbeziehungen zu den Vereinigten Staaten heitzt es, datz es bet ben Verhandlungen nut darauf ankommen konnte, Deutschland de« amerikanischen Minimaltarif zu sichern, sowie gewisse Zugeständnisse auf dem Gebiete des Zollverwaltungsverfahrens. Dagegen verlangten die Vereinigten Staaten die Gewährung aller deutschen Vertragszollabsätze und die Zuftlssung von amerikanischem Schweinefleisch nach Vornahme der amtlichen Trichinenschau in Deutschland und die Zulassung von amerikanischem Rindvieh zur sofortigen Schlachtung. Deutscherseits erklärt die k ijetliche Regierung, ste tonne auf dir beiden letzte« Forderungen im Rahmen bet Tarifverhanb. langen nicht eingehen. Um aber einen Beweis
mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: »Jach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und „Landwirtschaftliche Beilage.