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Marburg

Freitag, 4. Februar 1910.

Friedrich erschienen. Das Eroßherzogpaar nahm im Schlosse Wohnung.

Der Kaiser »nd di« Ueberschwemmunge«

Deutsches Reich.

Bem Kaiserhofe. Berlin, 2. Febr. Das , Troßherzogpaax von Sachsen-Weimar ist heute Nachmittag hier eingetroffen. Zum Empfang Waren der Kaiser und die Prinzessin Eitel

Marburg und Umgegend.

(Nachdruck aller Drtgtnalartttel tst gemäß $ 18 be« Urheberrecht» nur mit der deutlichen Quellenangabe LLerheff. jjtg." gestattet.»

Marburg, 8. gebt.

Universität. In Halle a .S. tst am 1. gebt, bet o Professor der alten Geschichte an der dorti- gen Universität, Geh. Reg.-Rat Dr. BenedictuS Riese im 61. Lebensjahr gestorben. Sein Ge­burtsort ist Burg auf gehmarn. UntversttStS- lehrer war et fett 1876. Rach einjähriger Tätig- leit als Prtvatdozent in Göttingen wurde et Michaelis 1877 a. o. Professor in Marburg, er­hielt dort 1880 eine ordentliche Professur, siedelte 1881 nach BreSlau über und kehrte 1885 nach Marburg zurück, um hier noch 21 Jahre lang zu wirken. Am 22. September 1906 erfolgte feine Versetzung nach Halle als Nachfolger von Prof. Wilcken.

Fortbildungsverein. (Vortrag über Wil- lensfreihent von Prof. Dr. Schwarz am letzten Montag.) In der Frage der Willensfreiheit han­delt es sich um die Ursache der Wahlvorgänge. Rach den Deterministen sind diese Ursachen die

Kaiserin, sondern auch auf den Zaren deprimie­rend. Der behandelnde Setbant Dr. Botkin behauptet, e» bestehe keine Veranlassung zur Be- sorgni». Er erklärt den wechselnden Zustand durch psychische Erregungen und den Klimo- wcjfel und versichert, daß ein neuer Aufenthalt im Süden wieder Genesung bringen werde. Dem- gegenüber werden in der nächsten Umgebung der Zarin Stimmen laut daß es sich empfehle, noch eine medizinische Kraft hinzuzuziehen, da Botkin seinen Rus eigentlich mehr den Leistungen seine, berühmten Vater», de» verstorbenen Professor» Botkin, al» der eigenen Bedeutung verdanke. Davon will aber die Zarin vorläufig nicht» hören, namentlich nichts von bet Berufung einer ausländischen Autorität da ein solcher Vorgang natürlich allgemein besprochen werden würde, was sie durchaus vermeiden will. Infolge der neuen Verschlechterung des Zustandes bleibt die Zarin setzt wieder allen Empfängen fern, und fie hat auch die anfangs geplanten Spazier- ährten durch den Park aufgeqeben. Der Diener- fchaft tst strenger Befehl erteilt, alle Fragen über das Befinden der Zarin dahin zu beant» rorr^n, dass es ihr ausgezeichnet gehe. Ebenso lautet die offizielle Darstellung, doch scheint über kurz oder lang die Abhaltung eines Konsiliums ärztlicher Größen unvermeidlich, zumal sich in Hofkreisen die Stimmen mehren, die den net< vösen Zustand eher auf ein Frauenleiden als auf Erkrankungen der Niere usw. zurückführen wollen.

** Zur Kretafrage. Baris, 2. gebt, liebet die Kretafrage schreibt da»Echo de Paris-: Die Kreter scheinen nicht gewillt zu sein, den mäßigenden Ratschlägen bet Mächte Gehör zu schenken. Das steht ihnen frei, sie werden aber auch alle Folgen ihrer Abenteuerpolitik zu tra. gen haben. Diese Politik führt notgedrungen entweder zu einer Wiederbesetzung Kretas durch die europäischen Schutzmächte ober zu einer neuen türkischen Besetzung. Diese letzere Möglichkeit wirb bereits von beit vier Schutzmächten zuge­lassen. Darüber bürsten sich die Kreter keinerlei Selbsttäuschung hingeben.

Paris, 2. gebt. Jnd schaster Fürst Radolin Heu Aeußeren, Pichon, die Spende de, Kaisers von 20 000 <M. zur Kenntnis brachte, gab er nochmal» bet Teilnahme des Kaisers und der Kaiserlichen Regierung an dem Frankreich widerfahrenen Unheil Ausdruck.

Die Wahlrechtsvorlage. Berlin, 2. gebt. Der Kaiser hat heute dem Präsidenten de» Staatsministeriums den Minister der Justiz und de» Inneren bte Ermächtigung erteilt, den Entwurf des Gesetze, auf Abäiüierung der Vor- fchristen übet die Wahlen zum Hause der Abge-

Die Allgelegenheit Oldenburg.

In Berlin haben bte Sozialdemokraten, wie wir gestern meldeten, Versammlungen abgehal- ten, die mit phrasenreichen Resolutionen gegen die bekannte Acußerung Oldenburgs protestierten. Das Ergötzlichste aber ist, daß bte Genossen «rklären, daß denpreußischen Junkern jeder «echtsbruch, jede Gewalttat und jede Derfas- sungsverletzung zuzutrauen ist". Dem müsse bet« gebeugt werden. Ausgerechnet die Partei beS UmsturzeS, die ost erklärt hat, daß ihr jedes Mittel hierzu recht ist, ist hierzu berufen.

DieGermania" meint, daß auch auf bet Linken keiner der Enttüsteten sich auch mir einen ! Augenblick darüber im Unklaren fei, waS er von ! Herrn von Oldenburg und feinen Worten zu ! halten hat. Das ist ja aber auch gleichgiltig, sie werden mit der Enttüsttmg fo lange hausieren gehen, bis man darüber lacht. Die links-natto- nalliberaleBerliner Dörsenztg." mehrt sehr richtig:Das hätte sich Herr von Oldenburg nicht träumen lassen, daß sein Husarenritt als Drohung zu Staatsstreich und Versassungsbnich auf gefaßt j werden würde. Herzliches Lachen wird bet > Bodensatz der Entrüstung fein."

Doch damit man uns nichtmißverstehe", auch wir haben von vornherein zum Ausdruck gebracht, daß Herrn v. Oldenburgs unpassender i.Witz" auch von Setten des Reichstages eine scharfe farbliche Zurückweisung deS Redner- ver­dient hatte.

Wir unterschreiben durchaus, waS diePost" ausführt:lieber bte deS Reichstage» durchaus .unwürdigen Lärmfzenen, welche die Sozialdemo- ' traten später aufführten, auch nur ein Wort zu verlieren, erübrigt sich. Trotzdem Verdient die in Rede stehende Acußerung deS Abg. b. Oldenburg die ernsteste Mißbilligung. ES ist an sich durch» : aus verwerflich, mtt dem ^'^"nken eines Staats­streiches zu spielen, wenn auch nur zu dem Zwecke, um den höchsten Grad militärischer DiS- : |h>ltn zu illustrieren. ES ist doppelt verwerflich, wenn dies im Reichstage und auf bet Tribüne desselben geschieht."

Der jetzige Rummel und da» krampfhafte Ge­bähten, bk Geschichte politisch auszubeuten, kann ent schärfste Verurteilung finden. Um bte Affäre aufzubauschen, haben sozialistisch« «ch andere Blätter eine Geschichte kolportiert, wonach her Reichskanzler bet einem DinerdaS unsinnige Vorgehen deS Junkers beklagt habe, ,ber es fertig gebracht habe, die ohnehin schon so schwierige Situation des Kanzlers noch erhebsich «ehr zu erschweren". Er soll sich dabet ganz »gebrochen" gezeigt haben.Alle- Klatsch und Schivindrt", erklärt dieKreuzztg." dazu. Und noch dazu ein höchst durchsichtiger und verwerf, fichet.

Die JnfertionSgebühr beträgt für die Tgcfpatiene Zette ober deren Raum 15 Pfennige, für Reklamen 80 Pfennige. Druck und Verlag: Joh. Äug. Koch, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. t. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. Telephon 55.

Ausland.

* Pa» Befinden der Zarin. Petersburg, 3t. Jan. Unter dem Einfluß bes Klimawechsel» ha. sich der Zustand der Zarin verschlechtert. Da, alte nervöse Leide« ist, wie demB. T." gemel­det wird, abermals gum Ausbruch gekommen; es äußert sich in der Weise, daß die güße, die durch Schlammbäder im Süden völlig gekräftigt erschienen, wiederum die Bewegungsfreiheit ver- lieren. Dieser Zustand wirkt nicht nur auf die

ordneten dem Landtage vorzulegen.

Der Herzogtegent von vraunschwetg tn Stern. Bangkok, 2. gebt. Drr König brachte gestern auf dem Festbankett einen Trinkspruch auf den Herzogregenten von Braunschweig au», der al» erster der regterenben Fürsten Siam und einem alten guten Freunde einen Besuch abstatte. Der Herzog gab in der Erwiderung feiner Be- wunderung über die Fortschritte, die Siam ge­macht habe, Ausdruck.

Amtliche, Ergebnis bet Reichstagswahl tn Eisenach. Das amtliche Ergebnis der Reichstags, wähl ist folgendes: Appelius (natl.) erhielt 5789, Hadrich, (deutsch-sozial) 4399, Leber (Soz.) 10 217 Stimmen. Zersplittert waren 14 Stim­men. Die Mehrheit beträgt also nur 15 Stimmen.

De, deutsche Handelstag wird xote der Echwäb. Merkur" erfährt, die Frage der Ver- einheitlichung des deutschen Eisenbahnwesens in Behandlung nehmen. Zunächst wird sie einen Verhandlungsgegenstand der am 23. Februar unter dem Vorsitz de» Kommerzienrats v. Pfister, Vorstand der Handelskammer in München, statt­findenden Sitzung der Derkehrskommtsston bilden. Ans der Tagesordnung dieser Sitzung steht n. a. auch die Frage der einheitlichen Post- Wertzeichen für da, ganze Deutsche Reich.

Zur Ermordung der deutschen Forscher Bmnhuber und Schmitz. Berlin, 2. gebt. Rach einer Mitteilung derRordd. Allgem. Ztg." gingen der großbitannischen Regierung von der indischen Regierung Nachrichten zu über die Mörder der deutschen gotscher Bmnhuber und Schmitz. Danach sind vier an dem Morde be­teiligte Angehörige des Lutzustammes von der Sttafexpeditton ergriffen worden. Auf Befehl der chinesische« Behörden wurde Teng-Juch hin­gerichtet.

in Frankreich. Berlin. 2. gebt. DieRorÄ. Allgem. Ztg." schreibt: Der Kaiser ließ durch den Botschafter gürste« Radolin der französischen Regierung seine Teilnahme an dem Unglück ausdrücken, von dem Paris und Frankreich heim- gesucht worden seien. Zur Linderung der Rot spendete der Kaiser einen Vertag von 20 000 JC.

Paris, 2. gebt. Indem der deutsche Röt­

ung hatte, daß bet junge Mann ihr lausche. Das tat er freilich; er hatte sogar seinen Stuhl so gerückt, daß er sie zu drei Vierteilen von hinten sehe« konnte. Durch die offenstehende Tüt ward eine schmale Schulter, hie und da ein zartes Profil sichtbar, von Zeit zu Zeit erschien auch eine schlanke gelenkige Hand, die über die Tasten glitt. Sanft gewiegt von den Tönen, be­gleitete Heinrich die Komposition mit verständ- Nlsvollem bewundernde« Kopfnicken, eine Mi­mik, die bet älbgeotbnete durchaus auf feine Vor- lefung bezog. , ,

Richt übel, was meinen Sie? unterbrach er sich.Ja, das sitzt, das wird einschlagen I Ma« reißt ihnen die Binde von den Auge« und raubt ihnen jede Möglichkeit einet Selbsttäu­schung? Wenn sie danach noch nicht einsehen, welch ein Schicksal ihrer wartet, so . . ."

Die Leute, die in diesen Fragen und Zwi- schenrnfe« mitsie bezeichnet wurden, bas waten die Hausbesitzer, die Protzen, die scheuß­lichen Kapitalisten, die Sorte Tresoriet, Vater und Sohn, und ihre Spießgesellen!

Es war jetzt acht Tage her, daß dieser Ger­vais zum erstenmal bei den Eourcier» gespeist hatte, und am Tag darauf war dieRevolutio­näre Partei tatsächlich gekauft worden. Seit­her hatte die Einrichtung bes Blattes den Hauptredakteur mit Notwendigkeit sehr häufig zu dem Herausgeber geführt und Heinrichs po­litische Glut war durch den unwiderstehlichen Zauber von Gilberts fteundlichen Blick mächttg geschürt worden. Ohne alle Gefallsucht und Be­rechnung, einzig durch die Macht ihrer Unschuld

Motive allein, ohne die mitspielende Aktivität der geistigen GubjettS, daS bte Motive und Wahlvorgänge erlebt. Rach den Jndeterministen> benötigt zwar das wählende Ich beim Wählen, bet Motive, wird aber von ihnen nicht zu« Wil- lensentscheid genötigt, sondern ordnet vermöge' des letzteren ihre blinden Antriebe feiner eigenen höheren autonomen Gesetzlichkeit unter. ~ie innere Erfahrung zeigt, daß unstreitig der AuS- gang manchen MotivenkampfS bet deterministi­schen Beschreibung entspricht: wenn eines bet streitenden Motive durch feine größere Wunsch­stärke das andere verdrängt und zumStoß- motiv" wird, das den Willen hinreißt. In an­deren Fällen wird deutlich mtt dem Bewußtsein hincerr Aktivität gewählt: grundlos wählen wir in bet Willkürwahl (bei gleichem Gewicht der streitenden Motive». MitMotivation" nach dem Wertgesetze deS besser Gefallenden wählen wir im analvtishen Vor ziehen (tn der Richtung der größeren Wunschstärke, nicht durch sie). Mit Motivation nach dem Wertgesetze des sittlich Würdigeren wählen wir im synthetischen Ver­ziehen (ev. gegen die größere Wunschstärke). Motivation" geht nicht ursächlich von den Mo­tiven aus, sondern bedeutet gerade ihre Beherrsch­ung durch Bewertung derselben im Vor­ziehen. Das Bewußtsein der Willensfreiheit be­ruht nicht auf Unkenntnis der Ursachen deS Wil­lens, sondern ist selbst ein Ursachbewußtsein, in dem wir der Aktivität unseres geistigen SubsektS gewahr werden. Zum Schluß beleuchtete der Vot- ttagende den Gegensatz KantS und der modernen Deterministen: ersteren ist die Willensfreiheit, letzteren die Willensunfteiheit ethisches Postulat. Die sittllche Erziehung muß nach deterministischer Auffassung dahin streben, die Menschen durch ge­wohnheitsmäßige Festigung der sittlichen Motive gleichsam zu sittlichen Maschinen zu machen. Aber wir haben das Gesetz der Gewohnheit nicht für, sondern gegen das sittllche Handeln. Gäbe eS ketn fteies sittliches Vorziehen, sondern nur Wirkungen der Gewohnheit, so würden die stti- lichen Motive den sinnlichen und selbstischen not­wendig je länger um so mehr unterliegen.

von der Kreisbahn. Gestern fand eine Be­sichtigung der Marburger Kreisbahn durch Herrn Regiernngs- und Baurat KlooS unter Beisein deS Herrn Eisenbahn-Bauinspeftors van HeyS aus Tasse! statt.

Freie Lehrstelle« an evangel Volksschulen tn Kurhessen: Langenselbold (Kreis Hanau- Land) Lehrerin, Immenhausen (Kr. Hofgeismar) Lehrer, ebenda Rettor, Gottsbüren (Kr. Hofgeis- mm») 3. Lehrer, Berndshausen (Kr. Homberg) Lehrer, Wehrda (KreiS Hünfeld) 2. Lehrer, SchweinSberg (Kr. Kirchhain) 2. Lehrer, Albs- hausen (Kr. Kirchhain) Lehrer, Beltershausen (Kr. Marburg) Lehrer, Melsungen Lehrer, Gux­hagen (Kr. Melsungen) 4. Lehrer, Beckedorf (Grafschaft Schaumburg) 2. Lehrer, Sterbfritz (Kr. Schlüchtern (Lehrerin), Allendorf a./W (Kr. Witzenhausen) Lehrerin, Treysa (Kr. Ziegenhain) Lehrer.

Beamtenpersonal Nachricht«. Ernannt: an Stelle des auS dem Gemeindeamte geschiedenen in___-----S

In Wirklichkeit war et todunglücklich. Nach, bei- et dem Abgeordneten das Reittier geliefert, den Bügel gehalten und ihm in den Sattel ge­holfen hatte, mußte er nun allen Scharfsinn auf­wende«, um nicht in der Oeffentlichkeit an seiner Seite gesehen, in Parade vorgeführt zu werden. Die Zeitung ward für ihn zum Schreckgespenst; die Vorstellung, baß seine Beteiligung an bte. fern schädlichen Werk ruchbar weiden könnte trieb ihm de« Angstschweiß auf die Stirne. Jetzt, da er Gilberte ungestört sehen, mit ihr in dem kleinen Garte« ungestört auf und ab gehen konnte hätte er ben Vermittler ihres Verkehrs diese Zeitung, von der Erde verttlgen mögen.

(Eines Morgen» hätte ihn beinah der Schlag gerührt. Im Arbeitszimmer seines Vater» la® aufgeschlagen, von einer zornigen Hand zer­knüllt, eine nach frischer Druckerschwärze rie­chende Nummer derRevolutionären Partei". Wie gebannt hafteten seine Blicke auf dem un­seligen Blatt, und da sagte der Vater:Ja, ja, mein Lieber, dieser Bluthund, der Eourcier, har 2 eine eigene Zeitung . . . wir können uns

ißt darauf machen, dieser Tage darin be- npst, abgeschlachtet zu werdens E» müßt» aber mtt dem Teufel zugehen, wenn ich diesen Marktschreier jetzt nicht zu fasse« kriegen könnt» . . . viel Federlesen» wird dann nicht mit ihnl gemacht. Da, Ite» einmal de« Leitartikel! 6* Sichtet ist er von einem Gervais, einem Halun«

a. dem bi» Galeere tn sicherer Aussicht sieht. (Fortsetzung folgt.)

117 (Nachdruck verdaten.)

Die Tochter des Abgeordneten.

Von Georges Ohnet.

(Fortsetzung.)

6. Kapitel.

Gervais, Sie hören ja gar irttfrt, was ich gl)nen vorlese!

Verzeihen Sie, Herr Eourcier, es ist mir auch nicht ein Wort entgangen.

Da» Klavierfpiel meiner Tochter lenkt Ihre Gedanken ab .. . schließen wir die Wohnzimmer« täte.

Rein, gewiß nicht! Ich bitte Sie!"

Eourcier saß an seinem Schreibtisch und wollte Heinrich den zündenden, hinreißenden Leitartikel mitteilen, den er für die nächste Nummer derRevolutionären Partei" vorbe­reitet hatte, indes Gilberte, die man gleich nach dem Este« sich selbst Überlassen hatte, sich die Zeit mit einem Beethovenschen Andante vertrieb. Die klassische Musik, die im Konservatorium von Künstlern ersten Ranges ausgeführt, den jun­gen Tresorier bis zur Nervenqual gelangweitt hatte, versetzte ihn, von Gilberte Eourcier ziem- lich schülerhaft auf einem mittelmäßigen Klavier vorgetragen, in Helles Entzücken. Schon seit zehn Minuten hatte er nicht einmal mehr b« Stimme des Abgeordneten gehört, der gleich­wohl mit Donnerklang seine zündenden Phrasen hinausschmetterte den« er hatte nur Ohren für Gilberte, die leise, den Dämpfer drückend, um hie beiden Politiker nicht zu stören, ihr Spiel fertfttzte unb im stillen doch «in« gewiss« Ahn-

und Schönheit, hatte da» junge Mädchen den ar­men Jungen zum gefügigen Werkzeug ihre» Baters gemacht. Es kam ihm nie in den Sinn, Courciers Ansichten zu bemäkeln oder zu bestrei­ten, er ließ sie in Bausch und Sogen gelten er wollte ja nur eines Gilberte sehen! So lang sie in der Nähe war, schreckte er vor den unge- heuerlichen Lehrern nickt zurück; er sah sie an, be­wunderte und verehrte sie, da» genügte ihm. Er war vollkommen glücklich.

Sobald jedoch der Zauber ihrer Gegenwart fehlte, kehrte ihm die Urteilsfähigkeit zurück, und dann entstand eine surchtbare Gewissens­pein. Er nannte sich selbst einen Tollhäusler . . . wohin sollte ihm diese Leidenschaft noch führen? In welch unabsehbare Verwickelungen, in welch entsetzliche Klemme konnte er nicht heute oder morgen geraten? Der gefurtbe Men- schenverstand sagte ihm welche Kluft ihn von der Geliebten schied, daß e» leichter sein würde, eine Annäherung zwischen dem Mont-Blanc unb dem Vesuv herbeizuführen, al» zwischen dem Baron Tresorier und dem Bürger Eourcier! Und doch fetzte er sein begonnene» Werk mit Be­harrlichkeit fort was hofft« er denn? Was war da» Ziel feiner Träume? War denn je bet ©ebanfe in ihm aufgestiegen, Gilberte zu feiner Geliebten zu machen? Die Möglichkeit dieser Lösung hatte er nicht einen Augenblick, nicht im geheimsten Winkel seiner Seele erwogen Et würde sie mit Abscheu von sich gewiesen haben, wenn sie ihm nahe gelegt worden wäre; sein« Achtung vor dem jungen Mädchen -ah feinet

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