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mit dem Kreisblatt für die Kreise Marburg und Kirchhain
und den Beilagen: ,Iach Feierabend" (wöchentliche Unterhaltungsbeilage) und Landwirtschaftliche Beilage." -
Jti 28
Die „Düeri)efh|d)t Zeit««," erscheint täglich mit »umrahme der Sonn, und Feiertage. — Der Be»«g,prei» beträgt viertel« jährlich durch die Poft bezogen 8 26 <* (ohne Bestellgeld), bei unseren ZeitnngSsteüe« und der SMeditio« (Markt 21), 2 X.
Marburg
Donnerstag, 3. Februar 1910.
Die Jnsertio«,gebühr beträgt für di« 7gespaltene Zeile «der deren Nam» 16 Pfennig«, für Reklame« 80 Pfennige. — Druck «ad verlas: Job. Sag. »och, UniverfitätS-Buchdruckerei Inhaber Dr. C. Hitzeroth, Marburg, Markt 21. — Telephon 56.
45. Jahrg,
Der heutigen Auflage für den Kreis Kirrthain liegt Kreisblatt Nr. 9a bei.
Aus den Parlamenten.
Deutscher Reichstag.
28. Sitzung vom 1. Februar.
Am Bundesratstisch: Dr. Delbrück, Wermuth und Wahnschaffe. Das Haus ist stark besucht, die Tribünen stnd fast überfüllt. Es herrscht grobe Unruh« und Bewegung.
Auf der Tagesordnung steht zunöck» die Abstimmung über ven Einspruch des Aba. Ledebour gegen den ihm am Sonnabend erteilten Ordnungsruf. Die Abstimmung erfolgt ohne Debatte. Der Einspruch wird in einfacher Abstimmung ab- Selehnt. (Große Heiterkeit bei der Mehrheit.)
?>t den Sozialdemokraten stimmten nur die freisinnige Fraktionsgemeinschast und die Polen.
Es folgt die zweite Lesung des deutsch-portu- aicsi>^-en Handelsvertrages.
Abg. Hermann Bremen (freis. Vp.) berichtet über die Kommiffionsverhandlungen und beantragt namens der Kommission Ablebmtng des Vertrages. — Abg. Herold (Zentr.): Meine Fraktion ist sich einig darin, daß der Handelsvertrag Mr Deutschland verhältnismäßig ungünstig ist. Mrt aller Entschiedenheit werden wir für die Folge gegen derartige ungiinstiae Verträge Stel- lunq nehmen, auch wenn Vorabmachungen zwischen den Regierungen bestehen. (Beif. im Zentr.) — Abg. Schwerin Löwitz (kons): Es wäre kaufmännisch richtiger gewesen, über den Vertrag nicht in voller Oeffentlichkeit, sondern vertraulich kn der Kommission zu beraten. Mr stimmen einmütig dafür: seine großen Mangel aber verkennen wir dabei nicht. — Dagegen spricht noch Abg. Strrsemann (natl), dafür tritt ein Abg. Mollkenbnhr iSoz.s, indem er meint: Der Widerstand der deutschen Weinbauer gegen dielen Han- delsvertrag ist nickt berecktiat. — Abg. Linz
: Weite Kreise der Industrie. nament- kich der Kleinindustrie, haben die schwersten Bedenken gegen den Entwurf. Mit dem kleineren Teil meiner Freunde werde ich geaen den Vertrag stimmen. — Staatssekretär Delbrück: Die Vorwürke. die man wegen angeblich ungenügender Vorbereitung dieses Vertrages dem Reichs- amie des Innern und dem Auswärttaen Amte gemacht bat stnd nickt unbegründet. Unter allen Umstanden ist der Vertrag immerhin bester alS die Vrrtragslosigkeit. — Darauf wird ein Sckluß- antrag angenommen. Der Vertrag mtt seine» Tarife» und Tabellen wird in einfacher Abstim- nmng angenommen.
Sodann wird die Generaldebatte über den Hausbalt der Schritzaebiete fortgesetzt.
Aba. v. Siebert (Reichst)): Die Kolonien kommen tatsächlich vorwärts Namentlich die Babn- baute«, die wir dem fetzigen Staatssekretär verdanke«. tun dazu das Beste. Dem Staatssekretär wird e- hoffenÜich auch gelingen, die Baumwoll- kulmr weiter zu fördern.. — Abg. Dr. Goller (frs. Vp.): Di« Besoldungsordnung für die Kolonialbeamten muß baldigst kommen und di« verheirateten Beamten besonders berückstchttgen. Der Austausch der kolonialen Erzeugniffe der Kolonien unter sich muß gefördert werde». Südwest, afrila konnte z. B. anstatt Kaplandmais nur Togannns importieren. (Sehr richtig) Dem Islam muß man vorstchstg aegenübertreten.
■ Die deutsche Herrschaft wird durch den Islam nicht bedroht. In Kamerun sollten die Versuche zur Zähmung der Elefanten wiederholt werden. Die Treibereien gegen den Staatssekretär machen wir nicht mtt. (Beifall.) — Staatssekretär Dern- bürg: Sie können versichert sein, daß alle Anregungen auf fruchtbaren Boden fallen. So stnd z. B. Arbeiten für die geologische Erforschung
1° (Nachdruck verboten.)
Die Tochter des Abgeordneten.
Von Georges Ohnet.
(Fortsetzung.)
C»»rciers Wange» färbten sich pupurn unb seine Aug«n leuchteten. Der Traum seines ganzen Lebens! Und dieser junge unbekannte Mensch bot ihm ganz gelassen die Verwirklichung an! Sein eigenes Organ haben, eine Großmacht werden, die Gesellschaft in Schrecken jagen, der Regierung sein« Meinung aufzwingen, von der Unterordnung zum Befehl übergehen! Eine Sekunde genügte, um in seinem erregbaren Gehirn berauschende Traumgesicht« von Macht, Größe und Reichtum hervorzuzaubern. Er sah die Kammer unters Joch seines Willens gebeugt, fügsam seiner Winke harren; diesen Iacquinot, der ihn verkannt hatte, in sein« Richtigkeit zurückgesunken- er hörte Beifallsstürme uqtz Wutzischen seiner Gegner, womit man seine« Reden folgte. Er war der Mann des Tages, de, Schauspieler, der die Bühne beherrscht«, der Götze vor dem man sich in Staub warf. Diese geträumte Verklärung seines Ich entschädigte ihn in einer Sekunde für zwanzig tatsächlich verlebte Jahre kümmerlicher llnbe- friedigtmg. Er blickte seinen jungen Freund mit rasch entfachter Zuneigung an, aber das Leben halt« ihn an so viele Enttäuschungen ge- »öhnt daß sich sofort Zweifel regten.
„(Erne Wochenschrift, ja, ja! Nur kostet es *4 Zeft und Geld, bis sie durchdringt . .. sind ,
Oftafttkas nötta. wo noch aar nichts dafür aetan ist. Dabei werden zweifellos «roße Schätze aus diesem ungeheuren Lande zu erwarte« sein, wie das Beispiel Südwestafrikas beweist. Die Reform des EingeborenenrechtS ist sehr schwierig, besonder« in Ehesachen, wo der Widerstand erheblich ist, wie bl« Eingeborenen selbst sagen aus witt- schaftlichen Gründen. In Südwestafrika stnd die Farmer mit der Verpachtung des Regierung-- landes nicht einverstanden. Sie wollen kaufen. Die Frage des Baumwollbaues ist sehr umfang- reuh. Ich verfolge sie und habe meine Reise nach England unb Amerika nicht umsonst gemacht. Ich glaube. Ihnen darüber sehr bald nähere Angaben zu machen. In neuen Ländern muß zu- weuen Gewalt und Kraft angewendet werden. Der Segen der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung bleibt aber doch nicht aus. Wer vor diesen Dingen zurückschreckt, kann keine Kolonialpolitik betreiben. — Rach einer persönlichen Be- merkuna des Abg. Noske wird die Weiterberatung auf Donnerstag 1 Uhr vertagt. Außerdem: Etat des Reichstags und des Reichsmilitärgerichts.
• Äm Abgeordnetenhause
fand am Dienstag die zweite Beratung des Etats der Gestüwerwaltung statt. Auf eine Klage des Abg. Grafen v. Spee (Ztr.) über die Konkurrenz des Gröditzer Gestüts bei den Rennen erwiderte der Minister v. Arnim, daß das Gestüt sich nur an Rennen mit Preisen über 3000 jK, beteilige. Abg. v Pappcnheim (kons.) betonte, daß eine Prüfung der Hengste durch Be'eiligung an Rennen, zur Erhalwng der Vollblutzucht gehöre. Ab«. Burchard (kons.) trat für die Förderung der Pferdezucht in Ostpreußen ein. Abg. v. Quast /kons.) bedauette den Rückgang der Halbblutzucht und befürwottete die Eingabe der Landwitt- schaftskammer. welche für das Friedrich Wilhelm- Gestüt in Neustadt kräftigere, staatliche Unter« stützung zur Erhaltung des Halbblutes fordert.
Beim »Forstetat" wurde nach kurzer Besprechung der Antrag Dr. Wandlandt (natl.) wegen Auskunft über die aus inländischen Forsten zu gewinnende Menae Eisenbahnschwellen und der Antrag Borgmann (Soz.) wegen Auskunft über die Vorsorge, welche beim Abschlag der Nonnen- fraßwälder für die Arbeiter getroffen worden sei, abgelehnt. Abg. Burckard (kons.) meinte, daß darin wohl alle einig wären — von Borgmann bis Kreth — (Heiterkeit), daß gegen die Gefahr der Entwaldung etwas geschehen müsse. Er wiederhole seine vorfährige Bitte um eine Statistik über den Umfang der Holzschläge im Jahr In den verschiedenen Landschaften. Wenn jeder Laudrat zu einem solchen Bericht verpflichtet würde, hätte man gleich die statistischen Unterlagen. Minister v. Arnim betont, daß die Land- wirtschastskammern setzt tättg feien, den Wald zu schütze» und zu erbaften. Ein zweiter Antrag Borgman« (Soz.) verlangte die Verpachtung der administrativen Jagdbezirke an den Meistbietenden. Der Minister v. Arnim sprach sich gegen den Antrag auS. ebenso Abg. Weißermel (kons). welcher die Ausführungen des Abg. Borgmann zum Anträge als eine der üblicken sozialdemokratischen Agitattonsreden bezeichnete.
Deutsches Reich.
— vom Reifet. Berlin, 1. Febr. Der Kaiser und di« Kaiserin empfingen heute Mittag in Gegenwart des Kronprinzen und der Kronprinzessin, des Reichskanzlers und des japanischen Botschafters den japanischen Prinzen Fushimt und seine Gemahlin, die für das Kaiserpaar und das Kronprinzenpaar kostbare Geschenke, japanische Kunstgegenstände überreichten. Nach der Audienz fand Frühstückstafel statt. Dem japanischen Prinzen Fushrmi wurde das Eroß-
Sie imstande, eine größere Summe auf das Unternehmen zu verwenden?"
»Ja. so etwa fünfzigtausend Franken für den Anfang hätte ich gedacht. . . ."
Ein feierlicher Ernst verbreitete sich über die Züge des Abgeordneten. Er hatte das Gefühl, an einem Wendepuntt zu stehen; die Schicksalsstunde hatte geschlagen.
„Hören Sie mich an, mein teurer junger Freund! Ihre Offenheit und Ihr Eifer haben mir das Herz bezwungen. . . . Sie bedürfen einer Stütze — ich will sie sein. Wir werden den guten Kampf Schulter an Schulter kämpfen. Aber nicht eine Wochenschrift soll gegründet werden, wir können etwas Besseres tun! Es bietet sich eine Gelegenheit, einzig in ihrer Art . . . ein« sozialistische Tageszeitung, die „Revolutionäre Partei" pfeift aus dem letzten Loch .... ich weiß es, daß sie um zwanzigtausend Franken zu kaufen ist. Ein Tagesblatt zu fünf Centimes, ein unvergleichliches Werkzeug zur Ausbreitung unserer Lehre! Sie werden Haupt- redakteur, ich Herausgeber, zu Mitarbeitern gewinnen wir die feurigsten Anhäger der Pattei, Matthieu Lerand ... er ist in Sainte-Pelagie
• Cabusol. . . zur Zeit in Belgien . . . Raf- finet. . . gegenwärtig in England. Mit ihrem Beistand stecken wir unsere Flagg« auf und liefern der Gesellschaft tagtäglich ein blutiges Gefecht. Unser Programm? Die Werkstatt gehört dem Arbeiter, die Erde dem Landmamu das Haus de« Bewohnern, da» Kapital dem Staat. Die Abrechnung mit der Gesellschaft führt zu
kreuz de» Roten Adlerordens mtt der Kette vew liehen.
— von Gouverneur von Schuckmamr ift der ,Disch. Tagesztg." zufolge Sonntag früh ein erneutes Urlaubsgesuch, dattett aus Swakopmund, in Berlin eingttroffen. Der Gouverneur tele» graphiett daß er auf ärztliche Anordnung mtt dem nächsten Dampfer wegen Herzschwäche in die Heimat zurückkehren müsse, da eine Wiederherstellung der Dtenstsähigkett im Schutzgebiet ausgeschlossen sei.
— Besteuerung bet Wanderlaget. Berlin, 1. Febr. lleber bie Besteuerung de, Wanderlagerbetriebes haben die Minister des Inneren und der Finanzen eine Verfügung an die Provinzialbehörden gerichtet, um ein« zutreffende und gleichmäßige Veranlagung herbeizuführen. Für den Setrieb eines Wanderlagers mit Oel- gemälden darf Steuerfreiheit nur bewilligt werden. wenn vorzugsweise künstlerische Interessen obwalten. Die Wanderlagersteuer - Freiheit datt nicht nachträglich, sondern vielmehr frühestens vom Tage des Eingangs des Antrages ab gewährt werden. Eine Teilung der Steuersätze für einen kürzeren als einwöchentlichen Betrieb ist nicht angängig. Wenn ein Wonder- lager von mehreren Inhabern btttteben wird, so darf der Steuersatz nicht nach der Zahl der Inhaber geteilt werden; es ist vielmehr jede Person zur Entrichtung der vollen Wanderlagersteuer verpflichtet. Für den Bettieb eines Wanderlagers ist der Besitz eines Wandergewerbescheins für die zu vertreibenden Waren Vorbedingung, sofern nicht das Geschäft durch einen am Be- triebsott einheimischen Verkäufer betrieben wird. Der Gemeinde steht nur dann die Festsetzung der Wanderlagersteuer zu, wenn die Anmeldung des Wanderlagers zur Besteuerung vorschriftsmäßig erfolgt ist. Die zum Gewerbe- bettieb mitaeführten Gegenstände können, soweit es zur Sicherstellung der Steuer, Sttafe und der Kosten erforderlich ist, in Beschlag genommen werden.
— Die preußisch« Wahlreformvorlage wird Ende dieser Woche oder Anfang nächster Woche dem Landtage zugehen. Sie soll de» Vorschlag der direkten Wahl und ein nach Bildung und Bestß abgestuftes Pluralwahlrecht enthalten. Die öffentliche Stimmabgabe wird beibehalten.
— Sozialdemokratische Demonstrationen. Aus Berlin wird gemeldet: Mit der Tagesordnung „Junker und Reichstag" hatte die sozialdemokratische Pareileitung für gestern abend drei Versammlungen einberufen. Die Säle waren vor Beginn der Versammlungen überfüllt, sodaß polizeilich« Absperrungen vorgenommen werde» mußten. Besonders stark war der Andrang in der Koppenstraße und in der Müllerstraße. Di« Tausende, die keinen Einlaß mehr finden konnten, verhielten sich, solang« die Versammlungen statffanden. ruhig, sodaß die zahlreiche zu Fuß und zu Pferde aufgebotene Echutzmannschast keine Veranlassung zum Einschreiten sand. Al» die Versammlungen ihr Ende erreichten, versuchten die Versammlungsbesucher mit den Genossen auf der Sttaße sich zu Zügen zu formieren. Gegen einen aus 2000 Personen sich zusammensetzenden Zug, bet sich di« Müllerstraße entlang nach der Friedrichstraße bewegte, gingen 150 Schutzleute mit blank gezogenem Säbel vor und zersprengten ihn. Dabei wurden zahlreich« Sistierungen vorgenommen.
gerechter, gleichmäßiger Verteilung de, Besitze»! Alles für die Unsrigen ... den Feinden — nichts! Ha, die Stunde der Heimzahlung bricht an!“
Et hatte sich erhoben und stolz aufgerichtct; sein mächtiger Vollbart bebte vor Begeisterung während der leere Raum von seinen Wotten wiederhallte. Verblüfft, entsetzt stand Heinrich vor ihm, ein Zauberlehrling, der die Geister zu rufen, aber nicht zu bannen vermocht«. Er hatte leichtferttg die Schleuse aufgezogen, und ein wilder Sturzbach von Narrheit ergoß sich verheerend, alles mit sich reißend ins Thal, und vergebens zerbrach er sich den Kopf, wie et ihn einzudämmen oder wenigstens feine Person in» Trockene flüchte» sollt«.
Einen kluge» Schachzug hatte et machen wollen, um sich bei Gilberte» Vater einzuschmei- cheln, nun hatte et fick in bet eigenen Fall« gefangen, und die harmlose Lift drohte ihn in unabsehbare Schwierigkeiten zu verwickeln. Vor allem schien es ihm nöttg, einen kalten Wasserstrahl in diese lodernde Begeisterung zu gieße».
„Wir müssen die Sache noch nähet etgtün» den und studieren," sagte et auswttchend. „E» liegt nicht in meinet Art, unüberlegt vom Lau» zu stoßen, denn bin ich einmal auf hoher 6ee, so hält nichts meinen Lauf aus."
„Studieren Ei«, erkundigen Sie sich, ab« glauben Sie mit, etwas Geeigneteres al» btt „Revolutionäre Partei" ist nicht aufzutreiben, lüebtiaen» wollen wir bie Sache heute Abend noch ««gehend durchsprechen»* ■ ä ö*- • ■
Ausland.
•, ** Die Wahlen in England. London, t Febr. Die Liberalen haben den Wahlkrei» Wick (Schottland) gewonnen. Im ganzen Land» wurden heute zwei Anhänger von Outten te Wahlkampfe gegen Anhänger von Redmond gewählt. Das Wahlresuftat ist jetzt folgende»: 271 Unionisten, 273 Liberale, 41 Vertreter bet Arbeiterpartei unb 82 Nationalisten unter blefee befinden sich elf Anhänger von O' Seien, sogenannte unabhängige Nationalisten.
Marburg und Umgegend.
(Nachdruck aller Ortyinalartikel ist gemäß 8 18 des Urheberrechts nut mit der deutlichen Quellenangabe
»Oberheff. Ztg." gestattet.) !
Marburg, 2. Febr.
)( Universität. Einem früheren hannoverschen Geistlichen, dem Pro-st Wilhelm Bußmann in Jerusalem, wurde bt Anerkennung feiner Verdienste um bie Auslaubsdiaspora, speziell für die kirchliche Fürsorge der evangelischen Deutschen im Auslände bie Würde eines Ehrendoktors der hiesigen Universität verliehen.
* Gesellschaft für Fragen des persönliche» Lebens. Man schreibt uns: Wir Studenten mögen uns oft viel um die Kirch unb die Bibel kümmern. Die Bibel wird wie die anderen Schulbücher bei Seite gelegt. Das ist sehr schade. Den so erfahren wir auch in der Studentenzeit nichts von der Schönheit dieses Buches. Obgleich heute das religiöse Interesse groß ist, sucht man lieber überall anderswo seine Befriedigung al» in. Christentum. Das ist vielleicht für manchen begreiflich, aber es darf nicht so bleiben. Denn nut, wenn wir uns vertiefen in unsere religiöse Vergangenheit, kommen wir zu einem Verständnis der Kräfte, die uns schufen. Nicht Ablehnung bet Vergangenheit, sondern Weiterent- wickelung auf Grund bes Alten ist allein gesund. Der Anfang bet christlichen Religion liegt fm isralitischen Propheiismus. Es lohnt sich, einmal zu lesen, was in so früher Zeit über Gott unb Sittlichkeit unb über bie Zukunft b«l Menschheit gesagt unb geahnt ist. Wer dis Propheten in einer gute« Uebersetzung liest, wird staunen über das, was er findet. Da et mir seht am Herzen lag, daß die Studentenschaft einmal einen Eindruck bekäme von bet Schönheit unb betn Reichtum des alten Testamentes, f» bat ich Professor Gunkel kn Gießen, hier einmal einen Vortrag zu halten. Et wat sogleich bereit, zu sprechen übet bas Thema: „Die religiöse Lyrik Israel» — bie Entstehung bet Psalmen." Die Psalmen finb bet Teil bes Alten Testaments, bet von Christen am meisten gelesen worden ist Denn diese Gesänge verstand man sie redeten zum Herzen, weil sie aus dem menschlichen Her- Si tarnen, wie es sich verzehrt im Sünden-
merz unb lechzt nach bet Nähe Gottes, wie e» jubelnd bankt für des Höchsten Hilfe und da» Lob feinet Schöpfung singt. Alles was Menschen bewegt, finde: hier seinen tiefen Ausdruck. Hier ist bet religiöse Individualismus bes Propheten zu feiner Auswirkung gekommen in bet Gemeind«. Dies« Lieder finb im Protestantismus roiebet Volksgut geworden. Die Hugenotten hatten als einzige Gesänge die herrliche» Psalmenübersetzungen. Auch in Holland find bie kraftvollen Uebersetzungen von Jvissen im Gottesdienst lang« allein gebraucht worbe».
Bei diesem Vorschlag hob fich Heinrichs Zuverficht wieder. .<
„In Ihrer Wohnung etwa?" fragte er.
^Eewiß, um neun Uhr."
,Mtt größter Freude," versicherte Gilberte» Verehrer feurig.
(Es tat Courcier wohl, in Heinrichs Wesen den »origen Feuereffet wieder aufflammen zu sehen, unb et hielt es für ratsam, den jungen Nothelfer nicht bet Gefahr fremder Einflüsse preiszugeben. Wenn ihm ein anderer feine Goldquelle wegschnappte! Aufmuntetnd setzte et also hinzu: „Da fällt mir ein, kommen Sie doch gleich lieber zu Tisch . . . ganz ohne Umstände! Sie werden bei dieser Gelegenheit meine Tochter kennen lernen, und später richten wir bann in aller Behaglichkeit die (Btunbmaueri unseres Gebäudes auf.“
„Abgemacht!" rief Heinrich beinahe jubelnd.
Daß et diese» Ziel so rasch erreichen würde, hatte et sich nicht träume» lassen.
„Also heute Abend ... um siebe» Uhr?“ J
»Punkt siebe» Uhr.“ J
Sie schüttelte» sich die Hände und Heinrich Zreforiet verließ eilende» Laufe» de» Bourbon- palast. Seine» »nvorsichttgen Vater» »nbeso» neue Wünsche wate» jetzt erfüllt, ja, er hatte t» diese« Stunde mehr Dummheiten gemacht, dt der Papa für sei» ganze» Leben geuänscht -Ltt«
(Fortsetzung foIgQ 1